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von Shiv
GeschichteFamilie, Suspense / P16 Slash
Josuke Higashikata Jotaro Kujo Keicho Nijimura Noriaki Kakyoin Okuyasu Nijimura Rohan Kishibe
01.06.2019
06.04.2020
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A/N: Im Vergleich zum Prolog wird dieses Kapitel deutlich länger und es wird zudem auch erst einmal die Sicht gewechselt, da ein anderer Sichtpunkt für den verlauf der geplanten Geschichte wichtig ist. Außerdem möchte ich noch einmal anmerken, das dies eine AU ist, dementsprechend ist nicht nur die Storyline vollkommen anders, sondern auch manche Bindungen mancher Charaktere untereinander. Immerhin kann es ohne Standfähigkeiten auch keine Streitereien wegen eben jenen geben. Allerdings will ich euch auch nicht allzu lang aufhalten und wünsche euch somit jetzt viel Spaß!



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Struggles




„Bis später Mama, ich bin jetzt weg!“
Die laute Stimme des sechzehnjährigen Schülers ertönte aus dem Hausflur des recht großen Hauses, während er sich noch seine Schuhe anzog und danach noch einmal schnell auf sein Handy sah, um die Uhrzeit zu überprüfen. Sein Handybildschirm zeigte einen blau-violetten Hintergrund, auf welchem ein Diamant zu sehen war, umrundet wurde jener von einer feinen Blumenranke. Über eben jenem Symbol war die Uhrzeit deutlich zu sehen, welche den Dunkelhaarigen kurz nicken ließ. Sie hatten bei weitem noch genug Zeit, um in Ruhe zur Schule zu gelangen und vor eben jener noch einige Minuten zu warten.
„In Ordnung, ich werde heute aber wahrscheinlich noch nicht zu Hause sein, wenn du wiederkommst. Es kommt ganz darauf an, wie viel heute los ist. Ich stelle dir trotzdem etwas vom Essen in den Kühlschrank!“, rief seine Mutter augenblicklich zurück.
Schnell nickte der Schüler und verabschiedete sich noch einmal von seiner Mutter, bevor er schließlich die Haustür hinter sich zuzog und an Okuyasu vorbei ging.

Dieser wartete wie jeden Morgen vor der Haustür des Higashikata und hob schließlich die Hand zum Gruß als Josuke endlich die Haustür hinter sich geschlossen hatte.
„Hey!“, begrüßte er seinen besten Freund gleich.
Es war fast der gleiche Ablauf wie an jedem Morgen auch, bis sich der Nijimura im Anschluss leicht und auch ein bisschen fröstelnd über die Arme strich.
„Man bemerkt deutlich, dass es Frühling wird, das Wetter ist so schön, aber es ist noch viel zu kalt.“, versuchte Okuyasu ein Gespräch zu beginnen.
Immerhin musste Josuke es auch deutlich spüren. Wahrscheinlich hatte ihn die kühle Brise auch übermannt als er aus der Tür getreten war – bei ihm selbst hatte es sich immerhin auch so verhalten. Der Higashikata blickte zu seinem besten Freund und nickte dann, sah in den Himmel und lächelte leicht. Die Sonne zeigte sich zu jenem Zeitpunkt bereits am Himmel, der Frühling war an jenem Morgen wirklich deutlich kühler als erwartet, selbst wenn der Wetterdienst am Morgen schon anmerkte das der Tag deutlich freundlicher werden sollte. Für die Temperaturen schien das allerdings nicht zu gelten. Möglicherweise hätte er besser zuhören sollen.
„Schon.“, nickte Josuke leicht nachdenklich, „Laut dem Wetterdienst heute Morgen, soll es im Laufe des Tages aber vielleicht auch noch ein wenig wärmer werden.“
„Klingt vielversprechend.“, bestätigte Okuyasu gleich und wank Josuke dann auch schon mit sich.

Allzu viel Zeit wollten sie sich immerhin auch nicht lassen, selbst wenn sie mehr als gut in der Zeit lagen. Auf das Ritual, noch ein wenig vor den Schultoren zu stehen, zu reden und die anderen Schüler beim Eintrudeln zu beobachten, wollte doch keiner der beiden verzichten. Der Higashikata nickte und schlenderte zusammen mit seinem besten Freund in Richtung der Schule, für einen Moment sah der Schüler zu Okuyasu.
„Wie war gestern dein Abend, hast du das Spiel schon angefangen, was ich dir ausgeliehen habe?“, fragte der Dunkelhaarige schließlich.
„Ich wollte, aber ich habe die Hausaufgaben einfach nicht verstanden. Deswegen musste ich mit dieser bescheuerten Aufgabe warten, bis mein Bruder nach Hause kam und das hat gestern ziemlich lang gedauert. Es war dann einfach viel zu spät und Keicho war auch geschafft. Dementsprechend wissen wir beide nicht, ob die Hausaufgaben richtig sind. Oder zumindest die Hälfte davon, für mehr hat es nicht ausgereicht.“, musste Okuyasu dann auch schon lachen und kratzte sich leicht am Hinterkopf.
„Du hättest vorbeikommen können, dann hätte ich dir bei den Hausaufgaben helfen können. Ich war gestern ohnehin noch recht spät wach, weil ich noch mit Jotaro telefoniert habe. Er ist bald wieder auf dem Weg hier her.“, entgegnete Josuke leise lachend, „Außerdem macht das mit dem Spiel echt nichts, du kannst es dir auch länger ausleihen. Bei dir sind meine Sachen ja gut aufgehoben.“

Wenn der Higashikata ehrlich war, dann tat ihm sein bester Freund wirklich leid. Keicho war meist den ganzen Tag unterwegs, auch wenn eben jener selbst erst Achtzehn war, arbeitete er bereits am Stadtrand in einem Sportgeschäft. Okuyasu sah den Blonden also meistens nur am Abend, oder früh am Morgen.
„Oh, aus welchem Grund zieht es denn Jotaro wieder in die Stadt? Dass er hier ist, ist ja wirklich selten.“, entgegnete Okuyasu gleich.
Das sie Jotaro das letzte Mal gesehen hatten, lag inzwischen immerhin auch schon fast ein ganzes Jahr zurück.
„Wird er dann für die Zeit wieder bei dir wohnen?“, fügte er noch hinzu, musste die Frage einfach stellen.
„Dieses Mal nicht.“, erklärte Josuke und lächelte leicht, „Er kommt im Hotel unter, ich schätze, dass er hier Urlaub machen will, oder er plant schon wieder irgendwas. Er ist in letzter Zeit auch deutlich entspannter, wahrscheinlich hat sich die Sache mit Joseph endlich geklärt. Ich meine… Wegen meiner Halbschwester, weißt du? Diese ganze Familiengeschichte ist und bleibt einfach schwierig.“
Nachdenklich blickte der Higashikata in den Himmel und seufzte noch einmal leise, er war sich sicher das Joseph, Jotaro einmal wieder begleiten würde. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, warum er im Hotel unterkommen wollte, um Josuke ein bisschen Zeit mit seinem Vater einzuräumen.

Insofern dem Higashikata überhaupt der Sinn danach stand. Doch genau sagen konnte er all das noch nicht einmal. Wahrscheinlich würde sich dies erst innerhalb der nächsten Woche herausstellen, dann, wenn Jotaro ankommen würde. Immerhin machte er wegen seines Studiums anscheinend zuvor noch einen anderen Zwischenstopp. Selbst wenn all das mehr als nur suspekt klang. Josuke war sich sicher, dass hinter alldem etwas steckte, auch wenn er sich nicht einmal ausmalen konnte, was dies eigentlich war. Immerhin hatte er sonst auch nie in einem Hotel übernachtet. Tomoko hatte ihn immer im Gästezimmer aufgenommen, Platz hatten sie in dem kleinen Häuschen immerhin genug.

Leicht runzelte Josuke die Stirn, was natürlich auch von Okuyasu nicht unentdeckt blieb.
„Achso... Aber ich finde schon, dass er irgendwas plant. Hat vielleicht irgendjemand von euch Geburtstag? Ich meine, bei dir weiß ich es, das dauert noch zwei Monate, aber deine Mutter vielleicht... Auch wenn Jotaro nicht derart viel mit ihr zu tun hatte.“, überlegte Okuyasu.
Auch wenn er jene Gedanken schon beinahe wieder als zu verstrickt und undurchsichtig empfand. Diese ganzen Theorien bereiteten ihm Kopfschmerzen.
„Nein, ich denke nicht. Meine Mutter hat erst im Sommer Geburtstag, Jotaro selbst hatte bereits Geburtstag und wegen Joseph… Der hat im September – glaube ich – Geburtstag. Und mein Opa hat immerhin auch erst im November Geburtstag.… Also ich denke nicht, dass es wegen irgendeinem Geburtstag ist.“, erklärte Josuke seinem besten Freund, „Aber ich will mir darüber jetzt nicht den Kopf zerbrechen, wenn ich später zu Tonio gehe, habe ich genug Zeit zum Nachdenken bei der Arbeit.“

Der Schwarzhaarige seufzte schließlich und lehnte seinen Kopf in seinen Nacken. Ihn interessierte es wirklich, was Jotaro vorhatte, doch wollte er sich auch nicht zu sehr damit beschäftigen. Die Schule ging immerhin, noch immer vor. Dagegen konnte er nichts machen, dafür saßen ihm zu viele Leute im Nacken – sein Großvater zum Beispiel.
„Oh, du hast jetzt auch einen Nebenjob bei ihm? Seit wann?“, fragte der beste Freund des Higashikata gleich.
Er selbst arbeitete immerhin bereits seit einigen Monaten als Kochhilfe bei dem Restaurantführer und konnte sich dementsprechend nicht beschweren. Nur anscheinend arbeiteten sie wohl an unterschiedlichen Tagen – außer an jenem. Je nachdem, wie lang Josuke bereits bei Tonio arbeitete, war dies das erste Mal, das sich ihre Arbeitszeiten überschnitten.

Ein wenig verwundert betrachtete der Schwarzhaarige seinen besten Freund und blieb schließlich an der Straße stehen, welche sie überqueren mussten. Sie waren fast an der Schule angekommen, doch in jenem Augenblick war dies hinfällig, sie hatten immerhin noch genug Zeit.
„Schon seit drei Monaten, arbeitest du auch bei ihm?“, fragte Josuke lachend nach, welcher als Aushilfe bei dem Italiener arbeitete.
Seine Aufgaben waren vielseitig, doch der Higashikata wollte sich nicht beschweren. Ihm machte die Arbeit bei dem Restaurantbesitzer mehr Spaß als er zu Beginn erwartet hatte. Jedoch war es auch der schnellste Nebenjob, welcher ihn angenommen hatte.
„Ja, schon fast ein halbes Jahr. Warum hast du nie was gesagt? Ich meine, ich hätte auch was sagen können, aber... Ach, vergiss es einfach, das Thema ist nie drauf zu sprechen gekommen. Wahrscheinlich bist du dann immer montags, dienstags und freitags da. Ich arbeite nämlich meistens mittwochs, donnerstags und samstags.“, entgegnete Okuyasu gleich.
„Da liegst du richtig. Aber dieses Mal arbeite ich drei Tage hintereinander, um Donnerstag und Freitag frei zu haben, wegen dem Lernen für die Tests.“, nickte der junge Mann mit den schwarzen Haaren und überquerte mit seinem besten Freund schließlich die Straße, „Aber eigentlich hätte ich mir denken müssen, dass du bei ihm arbeitest. Du riechst manchmal, wenn wir uns abends noch einmal treffen, noch nach essen.“

Ein leises Lachen konnte der Higashikata sich nach diesen Worten nicht verkneifen.
„Ach ja, die Tests...“, merkte Okuyasu in diesem Moment auch schon an, schüttelte danach aber den Kopf, „Wird schon irgendwie. Aber ich wusste nicht, dass dir der Geruch aufgefallen ist. Das lag in den meisten Fällen wahrscheinlich daran, dass ich direkt nach der Arbeit zu dir gekommen bin, wenn wir verabredet waren.“
Für einen Moment betrachtete Josuke den jungen Mann neben sich.
„Das hättest du nicht gemusst, du hättest mir auch eine Nachricht schreiben können, dass du ein bisschen später kommst. Du weißt das ich das nicht so eng sehe.“, entgegnete der Higashikata gleich, „Aber wegen dem lernen, wenn du willst, dann können wir uns zusammensetzen. Ich kann meine Mutter fragen, ob es in Ordnung ist, wenn ich das Wochenende bei dir bin.“
„Sicher. Mein Bruder wird wahrscheinlich auch nichts dagegen haben, aber fragen werde ich ihn deswegen trotzdem. Ich kann dir ja später noch einmal eine Nachricht schreiben, denn wenn du heute auch bei Tonio arbeitest, könnten wir nach der Schule wahrscheinlich gemeinsam zu ihm gehen, oder? Dann kommen wir beide vorher nicht nach Hause, um zu fragen.“, entgegnete Okuyasu gleich.

Von Weitem konnten sie die Tore der Schule bereits sehen. Auch an diesem Tag waren sie mitunter einige der ersten, welche ankamen – was gleichzeitig auch bedeutete, dass die Mädchen noch nicht zugegen waren, welche sich immer um Josuke scharten. Diese kamen zumeist immer erst mit dem Bus, oder ein wenig später zu Fuß oder per Rad an und jene freie Zeit zum Durchatmen, bevor sie beide im Getuschel der Mädchen ertranken, konnten sie beide mehr als gut nutzen. Zudem war das Gespräch für Okuyasu in diesem Moment ohnehin noch nicht beendet, da ihm in jenem Moment anscheinend noch etwas eingefallen war, was er mit seinem besten Freund teilen wollte.
„Ach ja, das wollte ich dir eigentlich noch erzählen, aber ich habe es immer wieder vergessen. Wir haben seit einigen Tagen anscheinend ein neues Gesicht in der Stadt. Du erinnerst dich doch bestimmt an das kleine Café in der Stadtmitte; da sehe ich in letzter Zeit immer einen Mann mit roten Haaren. Anscheinend kennt er sogar die Bedienungen, aber ich habe ihn vorher wirklich noch nie gesehen. An jemanden wie ihn erinnert man sich einfach, er fällt auf. Nicht einmal mein Bruder kannte ihn oder hatte ihn zuvor schon einmal gesehen.“, erzählte der beste Freund des Higashikata, ließ dabei jedoch gekonnt aus, dass er sich all das auch nur gemerkt hatte, weil er diesen Mann zu Beginn und von hinten und im Sitzen für eine Frau gehalten hatte.

Der Schwarzhaarige musste gestehen, dass er in jenem Moment wirklich überlegen musste, doch einen rothaarigen Mann hatte er noch nicht in der Stadt gesehen. An auffällige Persönlichkeiten konnte man sich, dank der ruhigen Stadt, recht schnell erinnern. Er konnte sich immerhin auch an den Straßenmusiker erinnern, welcher langes violettes Haar und magentafarbene Augen hatte. Sein schwarzes, auffälliges Hemd hatte der Schwarzhaarige auch noch in Erinnerung, so wie er sich auch an die viel zu enge, an den Knien bis zu den Oberschenkeln aufgerissene Jeans erinnerte, die schwarzen Absatzstiefel bildeten dabei keine Ausnahme.
„Ich weiß welches Café du meinst, aber ich habe da noch nie einen rothaarigen Mann gesehen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich viel zu selten zu dem Café gehe. Aber wenn er genau so auffällig ist wie dieser Straßenmusiker, der immer nahe dem Eiscafé steht, werde ich ihn wohl auch noch sehen.“, lachte Josuke leise.

*


Als sie die Schule endlich erreicht hatten, lehnte sich der Higashikata gegen die kleine Steinmauer neben dem Schultor.
„Aber wenn ich ehrlich sein soll, habe ich seit Tagen schon so ein komisches Gefühl, als würde bald irgendetwas passieren.“, fügte er seinen Worten hinzu.
„Meinst du? Ich hoffe nicht, dass es ein unangekündigter Test ist... Ich meine, ich strenge mich an, aber ich bin eben einfach nicht sonderlich schlau.“, grummelte Okuyasu daraufhin, „Auffällig ist der Kerl aber auf jeden Fall. Ich habe noch nie jemanden mit der Haarfarbe gesehen. Aber in das Café selbst gehe ich auch nicht oft, eigentlich komme ich nur oft daran vorbei, wenn ich meinen Bruder mal von der Arbeit abhole, oder wir uns unterwegs treffen. Um ständig ins Café zu gehen, haben wir gar nicht das Geld. Wir haben ja nur noch uns.“

Leicht nickte Josuke und legte seinem besten Freund die Hand auf die Schulter, lächelte ihn leicht an und nickte dann. Er wusste das eben jener es nicht einfach hatte und wollte dementsprechend wenigstens etwas für ihn und seinen Bruder tun, selbst wenn es nicht viel war, was er tun konnte. Auch Kleinigkeiten konnten zu einem großen Effekt führen.
„Das wissen doch auch die Lehrer, immerhin bist du in Hauswirtschaft einer der besten... Aber, wegen eurer Umstände sage ich euch doch auch immer, dass wenn ihr einen langen Tag hinter euch habt, ihr gern vorbeikommen könnt. Meine Mutter und ich freuen uns ohnehin immer über Besuch. Naja, zumindest in den meisten Fällen.“, nickte der Schwarzhaarige.
Nach jenen Worten klopfte er dem jüngeren Nijimura auf die Schulter.
„Ich weiß, aber ich hänge sowieso schon viel zu oft bei euch rum. Irgendwann geht das deiner Mutter bestimmt auch auf die Nerven, die will ja, dass du lieber was für die Schule machst. Vor allem, wenn sie dann noch für mich mitkochen muss. Und ich kann ja auch Keicho nicht einfach sich selbst überlassen. Er verlässt sich darauf, dass wir uns die Arbeit im Haus einteilen, weil er auch immer so lang arbeitet. Ich meine, er kommt meistens noch viel später nach Hause als ich, das ist mehr Sklaventreiberei als Arbeit – glaube ich zumindest. Aber er ist auch nicht der Typ, der sich beschweren würde. Nicht sofort.“, entgegnete Okuyasu gleich.
„Mach dir darum keine Gedanken, meine Mutter kocht schon für dich mit. Außerdem kann ich euch doch im Haushalt auch ein bisschen helfen, ich könnte dir zum Beispiel beim Saubermachen und aufräumen helfen. Du weißt, wir sind beste Freunde, wir machen doch alles füreinander, oder? Außerdem mache ich das wirklich gern.“, lächelte der Schwarzhaarige und legte seinem besten Freund die Hand an die Schulter, „Ich würde dich immer unterstützen, egal wie. Du hilfst mir doch auch, wo du nur kannst, selbst wenn wir einen holprigen Start hatten.“

Der Schüler lächelte seinen besten Freund leicht an, wollte ihm in jenem Moment das Gefühl vermitteln, dass er nicht allein war. In Josukes Augen, arbeiteten die Nijimura Brüder ohnehin zu viel, doch ins Gewissen reden wollte er den beiden auch nicht, immerhin kannte er ihre Situation.
„Ja, schon...“, grinste Okuyasu leicht verlegen und kratzte sich am Hinterkopf, wollte eigentlich noch etwas hinzufügen, als er auch schon bemerkte, dass der Bus einfuhr, mit welchem die meisten Schüler am Morgen die Schule erreichten.
In jenem Augenblick hatte es für den Nijimura keinen Sinn mehr, etwas zu beginnen, denn er wusste genau, wie beliebt sein bester Freund bei den Mädchen war und das jene sich dementsprechend wieder um ihn scharen würden, auch wenn dies inzwischen schon wieder ein wenig nachgelassen hatte. Zu Beginn war es schlimmer, doch manche hatten inzwischen aufgegeben oder versuchten ihr Glück bei anderen. Übrig waren jedoch mindestens drei Mädchen, welche anscheinend Nerven aus Stahl zu besitzen schienen – genau wie endlose Geduld. Dementsprechend war es beinahe schon überraschend an jenem Morgen nicht zu sehen, dass jene als erstes aus der Bustür stürmten, sondern ein Fremder, dessen Gesicht noch keiner der beiden Schüler zuvor gesehen hatte.
Bekamen sie vielleicht Zuwachs von einem neuen Schüler und sie hatten es einfach nur beide vergessen?

Okuyasu wusste das er sich nicht immer auf sein Gedächtnis verlassen konnte, aber seine Intuition sagte ihm definitiv, dass nichts dergleichen bevorstand und wahrscheinlich auch nicht geplant war. Umso merkwürdiger wirkte es dann auch schon, dass dieser Fremde anscheinend genau auf Josuke zusteuerte – gefolgt von den Mädchen, welche der Nijimura eigentlich erwartete. Josuke schien von alldem recht wenig zu ahnen, sah nicht einmal in die Richtung des Busses – wie jeden Morgen – blickte eigentlich strikt daran vorbei während er wahrscheinlich noch über seine nächsten Worte grübelte, als er auch schon am Kragen gepackt und an die Wand gedrückt wurde. Durch den plötzlichen Gleichgewichtsverlust, verursacht durch seinen sofortigen Schritt nach hinten, kollidierte sein Rücken heftiger mit der Mauer hinter sich als es vielleicht geplant war, doch Zeit, um darüber nachzudenken hatte er im Anschluss auch nicht mehr. Vor allem nicht als er plötzlich fremde Lippen auf den seinen spürte und die Situation dann auch schon so schnell wieder vorbei war, dass er nicht einmal reagieren konnte. In den ersten Sekunden starrte er den Fremden einfach nur an, welcher sich nach diesem spontanen Kuss einfach wieder umgedreht hatte und weiterlief, noch einige Gebäude passierte, irgendetwas murmelte und dann auch schon links einbog und sein Ziel erreicht zu haben schien.

Durch diesen Fremden heftete in jenem Moment der Geschmack von Kaffee an Josukes Lippen. Es war kein Wunder, erst als er sich schon wieder von ihm entfernt hatte, bemerkte er immerhin den Coffee-to-go-Becher in der linken Hand dieses Fremden, dessen Gesicht er in diesen wenigen Sekunden nicht einmal wirklich wahrgenommen hatte. Hätte man ihn in jenem Moment gefragt, hätte er ihn wahrscheinlich nicht einmal beschreiben können. Er wusste nur, dass seine Haare blaugrün waren, er ein grünes, auffälliges Stirnband trug – zusammen mit einem schwarzen Mantel, welcher ihm bis zu den Oberschenkeln reichte und einer dunkelgrünen Hose. In diesem Moment schien wirklich jeder zu schweigen, bis Okuyasu die Stille endlich durchbrach und somit auch Josuke wieder in die Realität zurückbeförderte, deren Emotionen ihn sofort zu erschlagen schienen. In jenem Augenblick gab es für ihn nichts Wichtigeres, als sich erst einmal mit dem Ärmel über die Lippen zu wischen.
„Du hättest mir ruhig sagen können, dass du einen Freund hast. Warum hast du ihn mir noch nicht vorgestellt?“
Für einen Moment starrte Josuke seinen besten Freund fassungslos an, bevor er den Kopf schüttelte und entnervt schnaufte. Kurz griff er in die Tasche seiner Jacke und zog einen Kamm hervor, kämmte sich kurz seine Haare in Form – wie er es immer tat, wenn er begann nervös zu werden oder er sich beruhigen wollte – und biss sich leicht auf die Lippe, welche seines Erachtens noch immer nach Kaffee schmeckte.

Seine Laune hatte den Tiefpunkt erreicht und das nur, durch den Kuss dieses Fremden.
Was glaubte dieser Kerl eigentlich, wer er war?
„Weil ich ihn nicht kenne, so einen Typen hätte ich dir mit Sicherheit schon vorgestellt. Dieser Kerl, der mich gerade überrumpelt hat, ist mir vollkommen unbekannt…“, murrte der Schwarzhaarige während er sich noch einmal über die Lippen wischte.
„Ach komm, mir kannst du es wirklich erzählen. Ich meine, viel mit Geheimniskrämerei ist jetzt sowieso nicht mehr...“, entgegnete Okuyasu gleich, bevor er auch schon auf die Mädchen hinter Josuke deutete, welche sich jedoch anscheinend durch die einfache Geste ertappt fühlten und sich deswegen auch gleich aus dem Staub machten – wild tuschelnd.
Um das dieser Vorfall sich nicht herumsprach war es also eindeutig zu spät.
„Wenn ich es dir doch sage, ich kenne diesen Kerl nicht. Ich kann dir nicht einmal sagen wer er ist! Außerdem hat der Mistkerl mir meinen ersten Kuss geklaut… Ich fasse es nicht!“, schnaufte der Higashikata und schüttelte den Kopf, „Außerdem, meinst du nicht, dass wäre er mein Freund, ich ihn dir schon vorgestellt hätte? Immerhin sind wir beste Freude.“

Nach diesen Worten schüttelte der Schwarzhaarige noch einmal den Kopf und schnauft laut, denn erst in jenem Moment begann er zu realisieren was eigentlich geschehen war. Sein erster Kuss, den er sich für diese eine bestimmte Person aufgehoben hatte, war einem Fremdem zum Opfer gefallen. Josuke kannte diesen Jemand nicht einmal, zumal er doch recht auffällig in dieser unauffälligen Stadt wirkte. Jemand wie dieser Kuss-Dieb, wäre ihm mit Sicherheit schon ins Auge gefallen.
„Ich weiß es nicht, ich habe ihn ja auch noch nicht gesehen, aber warum sollte ein Fremder sowas machen?“
In Okuyasus Gedanken gab das alles keinen Sinn – nicht im Geringsten. Auch wenn er mit dem logischen Denken nicht auf grünem Grund stand.
„Scheinbar wollte dieser Fremde ein Leben ruinieren, was er ja mit Bravour geschafft hat. Ich verspreche dir Okuyasu, ich kenne diesen Typen nicht. Dieser Vollidiot, der mich gerade geküsst hat, hat für mich nicht einmal einen Namen.“, murrte der Schwarzhaarige, „Außerdem weiß ich nicht einmal wieso er hier ist. Meist du nicht, dass wäre er mein Freund, ich den Grund seines Aufenthalts kennen würde, oder wir ihn schon mal irgendwann gesehen hätten?“

Mit jenen Worten griff der Higashikata schließlich nach seiner Schultasche und schnaufte noch einmal, dieser Fremde hatte ihn wirklich in Erklärungsnot gebracht. Zumal Josuke den Geschmack des bitteren Kaffees nicht mehr vergessen konnte, auch wenn dieser sich eigentlich schon lang verflüchtigt hatte – genau wie derjenige, der daran schuld war. Okuyasu hingegen, zuckte einfach nur mit den Schultern und sah seinen besten Freund ratlos an. Auf eine gewisse Weise klang es in diesem Moment nur noch deutlicher danach, als würde er es einfach nur weiterhin verheimlichen wollen. Auf eine gewisse Weise konnte Okuyasu es immerhin auch verstehen. Wenn Josuke und dieser Kerl wirklich eine heimliche Beziehung führten, hatte ihm die Heimlichtuerei vielleicht nicht mehr zugesagt und wenn der Higashikata dann Bedenken wegen der Reaktionen der anderen hatte. Das könnte er noch verstehen und eigentlich wollte er seinem besten Freund das auch noch zu verstehen geben, doch in jenem Moment klingelte es auch schon zum Einlass. Mehr Zeit lassen konnten sie sich also nicht. Vorerst zumindest. Doch wenn sie später ohnehin zusammen zu Tonio gingen, konnten sie auch dann noch einmal darüber reden. Möglicherweise hatte auch Josuke sich dann wieder ein wenig beruhigt. Wenn er aufgebracht war, konnte er selbst immerhin auch keine klaren Gedanken fassen. Der Higashikata murrte als er in das Gebäude ging und die Treppen zu seiner Klasse hinaufstieg, dennoch versuchte der Schwarzhaarige sich ein wenig zu konzentrieren.

Als er schließlich die Klasse betrat, sahen die Mädchen noch einmal zu ihm und blickten dann augenblicklich wieder weg, begannen erneut zu tuscheln. Für einen Augenblick schnaufte Josuke. Die beste Lösung dieser Situation wäre in jenem Moment, wenn sie an diesem Tag darüber redeten und es dann einfach wieder vergaßen. Mit den meisten Gerüchten lief es immerhin so ab, auch wenn er sich dennoch nicht wirklich vorstellen konnte, dass diese Geschichte so schnell abgehandelt sein würde. Anscheinend war es das, was sein schlechtes Gefühl ihm an diesem Tag sagen wollte. Leicht schnaufte der Schwarzhaarige noch einmal laut und genervt, begab sich dann aber auch schon zu seinem Sitzplatz und stellte seine Schultasche auf den Tisch. Der Lehrer würde mit Sicherheit bald den Klassenraum betreten und bis dahin sollten die Bücher und Hefte möglichst schon auf den Tischen liegen. Mit ein wenig mehr Schwung als sonst, zog er den Stuhl zurück und ließ sich einfach auf diesem nieder. In jenem Augenblick bezweifelte Josuke, dass seine Laune sich bis zum Abend wieder verbessern würde. Immerhin hatte dieses merkwürdige Bauchgefühl noch immer nicht nachgelassen. An jenem Tag würde mit Sicherheit noch etwas geschehen.
Warum musste auch er das Opfer eines solchen Übergriffes werden?
Hätte der Fremde nicht einen anderen Schüler küssen können?
Warum musste gerade er, den Geschmack des bitteren Kaffees noch immer auf seinen Lippen schmecken?

Vorerst jedoch musste er sich erst einmal wenigstens versuchen, auf andere Gedanken zu bringen. In jenem Augenblick war es notwendig, denn kaum hatte Josuke sich gesetzt und auch die anderen sich auf ihren Plätzen eingefunden, betrat auch schon der Lehrer den Raum und leitete den Unterricht ein. Von dem ganzen Aufruhr schien wenigstens bei den Lehrern noch nichts angekommen zu sein, auch wenn diese sich zudem nicht dafür interessieren mussten. Immerhin war all das außerhalb der Schulmauern geschehen. Selbst wenn er genau diesen Fakt in jenem Moment auch schon wieder verfluchte. Vielleicht hätte er sich dann bei den Lehrern über diese Nötigung beschweren können, doch das hatte keinen Sinn… Solang dieser Kerl kein Schüler an der Schule war, konnten die Lehrer wahrscheinlich auch nichts ausrichten. Diese ganze Situation war einfach nur zum Haare raufen und dies sollte sich auch über den ganzen Schultag nicht ändern. Von Konzentration konnte an diesem Tag ebenfalls nicht die Rede sein. Anscheinend hatte sich auf eine gewisse Weise alles gegen ihn verschworen.

Die Schulklingel erlöste den Higashikata schließlich, langsam räumte er seine Schulsachen in die Tasche und schloss eben jene. Ein weiteres Seufzen verließ seine Lippen, bevor er seinen Kopf in seinen Nacken legte und die Augen schloss. Er konnte das Ende dieses Tages nicht mehr erwarten, doch musste er erst einmal zur Arbeit. Tonio rechnete immerhin an jenem Tag mit ihm und diese Arbeit lenkte ihn vielleicht auch ein bisschen ab. Vorher musste er jedoch erst einmal auf Okuyasu warten, welcher wenige Sekunden später auch schon zu ihm aufschloss und somit auch schon mit ihm zusammen das Schulgelände verlassen konnte.
„Wie ist es heute bei dir gelaufen?“, fragte er gleich, immerhin war es hin und wieder ein wenig schwierig, nur in der Parallelklasse zu sein.
„Wie soll es schon abgelaufen sein? Die einzigen die mich nicht komisch angesehen haben, waren die Lehrer. Die Mädchen tuscheln die ganze Zeit und sehen mich immer nur an, wenn sie denken ich bemerke es nicht.“, schnaufte der Schwarzhaarige, „Ich habe irgendwie das Gefühl, dass bald die ganze Schule weiß, dass ich vor der Schule genötigt wurde.“

Schnaufend schulterte der Schwarzhaarige seine Schultasche und legte seinen Kopf noch einmal in den Nacken, sah in den Himmel und betrachtete für einen Moment die Wolken.
„Und wie war es bei dir?“, fügte Josuke seinen Worten noch hinzu.
„Wir haben heute einen unangekündigten Test geschrieben, aber... Komm schon, Josuke, die haben das morgen bestimmt schon wieder vergessen. Lang bleibt sowas nicht im Gespräch, deswegen habe ich aber eigentlich nicht gefragt. Ich wollte nur wissen, ob ihr vielleicht auch so einen Test hattet. Eure Stunden sind ja ein bisschen anders.“
„Ach so...  Ja, wir haben auch einen Test geschrieben. Ich weiß aber nicht mehr wirklich, worum es ging… Ich fass es einfach immer noch nicht, dass dieser Typ mich einfach geküsst hat… Ich meine, wie würdest du denn bitte reagieren?“, fragte Josuke seinen besten Freund und sah dann zu ihm, „Aber was hast du für ein Gefühl bei dem Test und was für ein Fach war es?“
Der schwarzhaarige Schüler seufzte und schüttelte leicht den Kopf, wenn er ehrlich in jenem Moment war, dann interessierte ihn der Test nicht wirklich. Alles was ihn interessierte, war diesen Tag zu vergessen.
„Geschichte – und da bin ich sowieso nicht sonderlich gut. Aber ja, wahrscheinlich würde ich mir dann auch den Kopf zerbrechen. Vielleicht solltest du mal mit ihm reden?“

Beziehungstipps brauchte Okuyasu zwar beim besten Willen nicht geben und das wusste er selbst, aber Josuke konnte das vielleicht wirklich mit Worten klären. Er selbst war mehr der Typ, der Konflikte mit Fäusten lösen konnte, aber das war in dieser Situation ganz sicher nicht angebracht.
„Wie soll ich mit dem Typen reden, wenn ich nicht einmal seinen Namen kenne? Ich weiß nicht mal, wo der Typ eigentlich herkommt, was er hier macht und ob er Student oder Schüler ist.“, schnaufte Josuke genervt, „Alles was ich weiß, ist, dass er seinen Kaffee ohne Milch und Zucker trinkt… Und wo soll mir das helfen? Soll ich jetzt rumrennen und jeden fragen, ob er einen blaugrünhaarigen Typen kennt, der seinen Kaffee schwarz trinkt? Die Wahrscheinlich ist ziemlich niedrig, dass jemand ihn kennt.“
Schnaufend schüttelte der Higashikata den Kopf, warum musste ihm immer so etwas passieren?
Es war der erste Moment, in welchem Okuyasu ratlos mit den Schultern zuckte und einfach nur fragend zu Josuke blickte.
„Wahrscheinlich... Aber wir könnten vielleicht einmal Tonio fragen, er kennt immerhin ziemlich viele Leute aus der Stadt oder ich frage heute Abend mal meinen Bruder.“, schlug der beste Freund des Higashikata schließlich auch schon vor.
Bis vor wenigen Augenblicken hatte er wirklich noch geglaubt, dass Josuke seinen Freund einfach nur leugnen würde, aber inzwischen war er sich dessen gar nicht mehr so sicher.

Schnaufend zuckte Josuke mit den Schultern und starrte wieder in den Himmel, vielleicht war der Vorschlag des Nijimura nicht einmal schlecht. Tonio kannte immerhin wirklich viele Leute durch sein Restaurant und auch Keicho kannte einige Menschen in dieser Stadt.
„Vielleicht wäre das eine gute Idee, aber jetzt ist die Arbeit erst einmal wichtiger.“, nickte der Schwarzhaarige leicht.
„Das ist sowieso klar. Ich meine, du bist ja auch in der Bedienung beschäftigt, oder? Wenn ich mit Tonio sowieso die ganze Zeit in der Küche stehe, kann auch ich ihn für dich fragen.“, schlug Okuyasu somit auch schon vor.
Wahrscheinlich hatte er den Übeltäter in jenem Moment sogar besser gesehen als Josuke selbst und dieser regte sich noch immer viel zu sehr auf, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zwar war Josukes bester Freund auch kein Musterbeispiel eines vorbildlichen Gedächtnisses, doch wenigstens konnte er sich ziemlich gut an Gesichter erinnern, mit welchen er sich schon einmal auseinandergesetzt hatte – selbst wenn es nur so kurzfristig wie an jenem Morgen war. Kurz sah der Higashikata zu seinem besten Freund und schnaufte noch einmal, nickte dann aber und blieb an der Straße, welche sie überqueren mussten, stehen.
„Schon, ich bin aber auch zum Teil für die Sauberkeit verantwortlich. Ich bin sozusagen ein Kellner, aber auch ein Tellerwäscher, mal muss ich das eine mehr als das andere machen.“, entgegnete der Schwarzhaarige seufzend, „Heute bin ich aber wahrscheinlich mehr im Besucherbereich, also wäre es wirklich nett, wenn du Tonio fragst. Sonst denkt er auch noch, dieser Typ wäre mein Freund.“

Nach diesen Worten blickte er die Straße entlang, überquerte eben jene zusammen mit Okuyasu.
„Naja, komisch war die Situation schon. Ich hab‘ ja anfangs auch gedacht, dass er dein Freund wäre und ihr das nur heimlich machen würdet, damit es kein Gerede gibt. Aber irgendwie sprach es dagegen, dass ich ihn auch noch nie gesehen habe und in so einer kleinen Stadt ist das fast schon unmöglich. Wir sind beinahe mehr Dorf als Stadt.“, musste Okuyasu lachen, „Ich verstehe einfach nur nicht, wie ein Fremder sowas mit einem Fremden machen kann. Irgendwas muss er sich ja dabei gedacht haben.“
„Ich weiß es nicht, ich war ja selbst überfordert. Dieser Typ hatte entweder einen zu guten oder zu schlechten Tag, wenn man einen Fremden küsst, muss man etwas vorhaben.“, seufzte der Higashikata, „Aber ich glaube, wäre dir das passiert, dann hätte ich auch gedacht, dass dieser Typ dein Freund wäre…“
Nach diesen Worten musste der Schwarzhaarige leise lachen, stellte sich in jenem Moment das Gesicht seines besten Freundes vor und konnte sich dessen Reaktion sehr gut vorstellen. Wahrscheinlich hätte er einfach zugeschlagen, Josuke selbst hatte zu spät daran gedacht.
„Nein, danke. Ich brauche das nicht auch noch.“, musste Okuyasu unweigerlich lachen.
Auf eine gewisse Weise war er sogar froh, dass es ihn nicht getroffen hatte – auch wenn er dies in jenem Moment nicht verlauten lassen konnte. Immerhin wusste er deutlich, was es hätte lostreten können und noch mehr Stress wollte er Josuke auch nicht zumuten.

Der Higashikata stimmte in das Lachen seines besten Freundes ein und seufzte schließlich noch einmal, schüttelte den Kopf und sah noch einmal in den wolkenbedeckten Himmel. Für einen Moment fragte er sich, was geschehen wäre, hätte dieser Fremde ihm wenigstens einen Namen genannt, doch…
War dies vielleicht der Plan des Fremden?
Sollte Josuke es selbst herausfinden?
Doch wo lag der Sinn in jener Aktion?
Er hätte sich auch einfach den Falschen suchen können, jemand der sich nicht so überrumpelt, sondern gleichzeitig vielleicht auch noch angegriffen gefühlt hätte. Auf eine gewisse Weise war es auch für Josuke ein Angriff, doch wenn irgendetwas dahintersteckte, das wirklich Sinn ergab… Er schüttelte den Kopf.
„Sag mal… Okuyasu, denkst du, dieser Typ könnte wollen, dass man ihn findet? Denkst du, er sieht das Ganze als eine Art Spiel?“, stellte der Schwarzhaarige schließlich die nachdenkliche Frage.
„Ich... Ich hab‘ keine Ahnung, was hätte er schon davon? Ich meine, im Groben und Ganzen könnte er alles sein, auch ein Urlauber oder einfach nur irgendein Typ, der eine Wette verloren hat. Das macht wahrscheinlich sogar am meisten Sinn. Überleg doch mal, was die Mädchen in unseren Klassen die ganze Zeit machen. Eine von denen hat doch einem unserer Klassenkameraden auch schon mal einen Liebesbrief zugesteckt. Der dachte dann, sie würde es ernst meinen und im Endeffekt war es nur eine Pflicht von einer Wette. Also ich glaub nicht, dass du dir darüber den Kopf zerbrechen solltest. Sowas ist sowieso nie gut.“, versuchte Okuyasu die Dinge zu erklären, wie er sie in jenem Moment sah.

Als Außenstehender bot sich immerhin noch einmal ein ganz anderer Blickwinkel auf die Situation.
„Möglicherweise ist das ja auch so, aber dann hat er mich in einem gewissen Sinne herausgefordert. Verstehst du, was ich meine? Eine Art Spiel, dass ohne Worte begonnen wird, mit einer Tat, die jemanden herausfordern könnte.“, begann der Schwarzhaarige und sah zu seinem besten Freund, „Ich meine, es könnte natürlich auch einfach nur ein Zufall sein, aber für einen Zufall, war es einfach zu… Einprägsam.“
„Aber wenn du dann rausfindest, dass es nur eine Wette oder eine Pflicht war, bist du dir dann sicher, dass du wirklich nicht enttäuscht wärst?“, versuchte Okuyasu dennoch in jenem Moment noch einmal nachzufragen.
Immerhin ging es nicht einfach nur um eine kleine Angelegenheit. Ein Kuss war nichts, was man derart leicht vergessen konnte – vor allem, wenn Josuke bereits meinte, dass er einprägsam und zudem auch noch sein Erster war. Wenn der Nijimura genau darüber nachdachte, wäre er selbst wahrscheinlich mehr als nur enttäuscht, würde er herausfinden, dass all dies nur eine Wette war, um irgendeinen gewinnbringenden Erlös zu bekommen. Dann würde er sich wahrscheinlich mehr als nur benutzt fühlen. Im Endeffekt konnte er seinem besten Freund die Entscheidung jedoch nicht abnehmen und musste akzeptieren wie auch immer Josuke sich entscheiden würde.
„Wie kann man enttäuscht sein, wenn man ein Geheimnis aus seiner Begegnung macht?“, der Higashikata schnaufte, „Aber das ist egal, immerhin kann ich nicht einmal sagen, ob ich ihn noch einmal wiedersehe. Vielleicht erwarte ich jetzt schon zu viel, von dieser viel zu ruhigen Stadt.“

In jenem Augenblick musste Josuke seinem besten Freund recht geben, wenn man zu viel erwartete wurde man nur enttäuscht. Nur war es in diesem Augenblick nicht der Fremde, der ihn enttäuscht, sondern diese kleine idyllische Stadt, welche sich wirklich mehr wie ein Dorf verhielt. Immerhin hatte diese Stadt so gut wie nichts vorzuweisen – natürlich, es gab Geschäfte, ein Café, ein großes Hotel, eine Schule, sogar eine Uni und ein Schwimmbad sowie einige Restaurants, doch dies bedeutete noch lang nicht, dass auch etwas Spannendes passierte. Es gab nur selten Feste und keinen Grund für Fremde, diese Stadt auch nur annähernd als Urlaubsziel in Betracht zu ziehen.
„Am Besten machst du dir keine allzu großen Hoffnungen – das ist wahrscheinlich das sinnvollste, was du machen kannst.“, versuchte Okuyasu noch einmal auf seinen besten Freund einzureden als sie endlich bei Tonios Restaurant ankamen.

Sie lagen genau in der Zeit, waren sogar einige Minuten zu früh, obwohl sie sich sogar noch Zeit gelassen hatten. Leicht nickte der Schwarzhaarige und wartete vor der Tür des Restaurants noch einen Moment, dann lächelte er den Nijimura an.
„Du hast Recht, ich sollte mir weniger über diesen Typen den Kopf zerbrechen. Ich sollte mich mehr über den Besuch von Jotaro freuen, immerhin sind seine Besuche so selten und dieses Mal möchte er ja auch länger hierbleiben. Wir drei sollten dann dringend wieder etwas zusammen unternehmen.“, grinste der Higashikata in jenem Moment wenigstens wieder.
Jene Worte wurden von seinem besten Freund natürlich gleich benickt und somit auch bestätigt. Mit jenem Gedanken im Hinterkopf konnte er wenigstens auch ein bisschen ruhiger an seine Arbeit herangehen. Hätte sich all das nicht wenigstens noch klargestellt, hätte wahrscheinlich auch er sich viel zu sehr damit beschäftigt und den Kopf nicht freibekommen können. Vor allem das hätte sich mit Sicherheit als unpraktisch herausgestellt, wenn man es denn überhaupt noch so bezeichnen konnte. Im schlimmsten Fall hätte dies immerhin seinen Job kosten können – selbst, wenn er genau wusste, dass Tonio in dieser Hinsicht eigentlich zu gutherzig war.

*


Als der Abend hereingebrochen war, verabschiedeten sich die beiden Schüler schließlich von dem Besitzer des Restaurants und machten sich jeweils wieder auf den Weg zu ihrem Zuhause. Josuke konnte zu jener Zeit wieder unbeschwert lächeln, wenngleich das komische Gefühl in seinem Bauch noch immer vorherrschte. Alles woran der Schwarzhaarige denken konnte, war der Besuch Jotaros und was sie zu dritt dann zusammen unternehmen konnten.
„Sag mal, was denkst du, könnten wir Jotaro Gutes tun? Er war ja wirklich lange nicht mehr hier, ich denke da wäre es nur angebracht ihn zu überraschen.“, lächelte der Higashikata leicht.
„Sicher, aber ich bin wahrscheinlich nicht die richtige Person für gute Ideen.“, kratzte sich der Angesprochene leicht am Hinterkopf.

Augenblicklich schüttelte der Higashikata den Kopf und musste leicht lachen, der Nijimura unterschätzte sich ein wenig. Okuyasus Ideen waren in den Augen des Sechszehnjährigen nur unausgereift nicht unbedingt schlecht, man konnte sie zusammen ausarbeiten und an der Idee überlegen.
„Das stimmt nicht, deine Ideen sind nur ein bisschen undurchdacht.“, lachte Josuke leise, „Aber zu etwas anderem, kommst du heute Abend wieder zu mir? Wir können zusammen lernen und danach ein bisschen zocken.“
„Versprechen kann ich dir noch nichts, aber ich werde auf jeden Fall erst einmal meine Sachen zuhause abstellen. Wenn Keicho dann schon zuhause ist, komme ich noch einmal zu dir, aber sage dir auch noch mal Bescheid – weit ist der Weg immerhin nicht.“, gab sein bester Freund gleich wieder und rieb sich erneut über die Arme.
Am Abend war es wirklich viel zu kalt. In jenem Moment bereute er wirklich, keine Jacke mitgenommen zu haben.
„Klar du kannst mir auch schnell eine SMS schreiben, dann kann ich meiner Mutter Bescheid sagen.“, nickte der Schwarzhaarige.
Der Magen des Higashikata knurrte schließlich leise und er kratze sich leicht am Hinterkopf, bereute es in jenem Moment doch wirklich das Angebot Tonios ausgeschlagen zu haben, noch etwas zu essen, bevor sie nach Hause gingen. Die Malzeiten bei dem Restaurantbesitzer waren für die beiden Aushilfen kostenlos, doch wollte Josuke seiner Mutter nicht immer nach der Arbeit sagen müssen, dass er bereits gegessen hatte, daher schlug er jenes Angebot meistens aus.
„Machen wir so.“, wurden seine Worte dann auch schon von Okuyasu benickt, welcher sich in jenem Moment noch einmal streckte.

Ihm schmerzten die Beine, auch wenn er sich das nicht anmerken lassen wollte – immerhin sollte er es inzwischen eigentlich gewohnt sein. Schon ein wenig länger als ein halbes Jahr waren seine Tage länger als gewöhnliche Schultage. Es war mehr oder minder Routine, erst recht spät nach Hause zu kommen und sich dann dennoch um die Schulaufgaben zu kümmern – insofern es möglich war. Meistens zog sich dieses Unterfangen bis spät in die Nacht, doch in jener Hinsicht musste er einfach Abstriche machen. Um irgendetwas anders zu machen, einmal zu zocken oder sich einfach nur zu entspannen, hatte er immerhin noch die freien Tage. Jene mussten ihm vorerst genügen. All das würde sich immerhin mit Gewissheit ändern, wenn er die Schule erst einmal beendet hatte – was sich jedoch ebenfalls nicht zwingend als einfach herausstellte, da seine Noten auch nicht in jedem Fach die Besten waren. Bisher hatte er sich jedoch durchgebissen und wenn er es auf jenem Wege auch weiterhin schaffte, sollte es ihm durchaus recht sein. Dann war es die Mühen, die Kopfschmerzen wegen des ganzen Denkens und den ganzen Stress wenigstens wert.
„In Ordnung, dann gehe ich schon mal vor, weit ist es ja nicht mehr. Wenn dein Bruder schon zu Hause ist, dann grüß ihn von mir.“, lächelte der Higashikata schließlich und verabschiedete sich schon einmal von dem Aushilfskoch.

Sie hatten das Haus des Nijimura in jenem Moment passiert, somit dauerte es nicht einmal mehr ganz eine Minute, bis er endlich das Haus seiner Mutter erreichte, in welchem bereits Licht brannte. Somit hatte Tomoko es doch geschafft, ein wenig früher nach Hause zu kommen. Schnell hob Josuke noch einmal die Hand und grinste leicht, der Schüler freute sich wirklich unglaublich auf das warme Essen seiner Mutter und konnte es kaum mehr erwarten endlich in der angenehmen Wärme des Hauses zu stehen, denn auch wenn er es nicht zugeben wollte, es war schon ein bisschen kühler als erwartet. Nur Augenblicke später konnte er jedoch auch schon die schnellen Schritte seiner Mutter vernehmen, welche ihn auch gleich im Anschluss überschwänglich und doch ziemlich aufgeregt begrüßte.
„Ich wusste gar nicht, dass es bei dir heute so spät wird! Du musst dir dringend angewöhnen, mir mal Bescheid zu sagen. Aber... Wir haben Besuch, komm erst einmal rein.“, lächelte die Schwarzhaarige.
Besuch?
War Jotaro doch früher aufgetaucht?
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