Macht der Herzen

von KiraNear
KurzgeschichteRomanze, Übernatürlich / P12
OC (Own Character) Sam Winchester
01.06.2019
01.06.2019
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Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie ihre beste Freundin vor ihr stand und unverständliche Wörter in ihre geballten Fäuste murmelte, fühlte sie sich alles andere als wohl. Ein unsicheres Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus, doch es waren weniger die Worte, noch die Körperhaltung, die die junge Frau so verunsicherten. Vielmehr war es der Blick, mit welchem Sherley ihre Hände betrachtete. Hass spiegelte sich darin, ließ sie wie einen Fremden aussehen. Wie einen Menschen, der außer Hass und Schmerz nichts anderes kennen lernen konnte. Nervös fuhr ihre Zunge über ihre trockenen Lippen, ihr Zittern ignorierend näherte Jasmin sich ihrer Freundin ein paar wenige Schritte lang, sie spürte, dass an dieser Situation überhaupt nichts stimmte. Dass hier etwas absolut nicht richtig war, doch sie konnte es nicht begreifen. Und doch, tief im Inneren wusste sie, was hier geschah: Ihre Freundin war gerade dabei, einen Zauber unbekannter Art vor ihren Augen zu wirken. Allein der finstere Ausdruck auf Sherleys Gesicht ließ Jasmin erahnen, dass es sich nicht um einen guten Zauber handeln konnte.

"Sher ... Sherley?", fragte sie vorsichtig und sah sie besorgt, wie auch ängstlich an. "Sherley, du machst mir Angst ... was tust du da? Was hat das zu bedeuten?"

Jasmin hatte ihr Bestes versucht, so selbstsicher wie möglich aufzutreten, doch das Zittern ihrer Stimme, der leise Ton und auch die deutlich hörbare Unsicherheit machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Kaum hatte Jasmin ihre Frage ausgesprochen, beobachtete sie Sherley weiterhin, vor ihr stand ihre beste Freundin und doch erkannte sie sie nicht wieder. Als wären elf Jahre der Freundschaft einfach so verschwunden, als würden sie sich an diesem Ort zum allerersten Mal begegnen.

Sherley erwiderte nichts, ihr Blick wie auch ihre Aufmerksamkeit blieb weiterhin auf ihre Fäuste gerichtet. Erst, als sie ihren fremdländisch klingenden Spruch beendet hatte, stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Ihre Fäuste lockerten sich und Jasmin konnte zum ersten Mal erkennen, dass es sich um den Gegenstand, den Sherley in den letzten Minuten so fest umklammert hatte, um ein kleines, braunes Säckchen handelte. Noch immer versuchte sie sich selbst einen Reim auf die Gesamtsituation zu machen, kam jedoch auf keine Lösung. Sherley entging dies nicht, das Lächeln verschwand und sie drehte sie zu Jasmin.

"Nun, ich habe das getan, was jede beste Freundin an meiner Stelle machen würde: Ich habe deine Ehre wiederhergestellt."

Verwirrt sah Jasmin sie an, gleichzeitig begann ein wahres Ohrenwerk an Zahnrädern in ihren Gedanken zu rattern. Erschrocken riss sie die Augen auf.

"Meine Ehre herstellen ... meinst du damit etwa, dass du hinter all diesen seltsamen Unfällen und Ausschlägen steckst? Ist das dein Werk? Hast du Lindsay den Zeckenbiss verpasst? Oder Tom die vielen Pickel? Warum ... was sollte das? Warum hast du das getan? Und wie?!"

Sie fasste sich verwirrt an den Kopf.

"Ich verstehe nicht ... wie konntest du das tun?`"

Sherley sah sie ruhig an. Sie schwieg ein paar Augenblicke lang, bevor sie den Blickkontakt zu ihrer Freundin suchte.

"Kannst du es dir nicht denken, nachdem du mich gesehen hast? Das war Magie, Jasmin. Dabei hast du mir immer wieder erzählt, wie sehr du an die Macht der Magie glauben würdest. Ich wollte dir helfen, sie alle sollten für das, was sie dir angetan hatten, büßen. Sie alle. Nun ja, ich wünschte, das mit Lindsay wäre auch meiner Magie zu verdanken, aber nein, sie hatte einfach nur Unglück. Das war nicht mein Werk ..."

Wieder schwieg sie einen Augenblick, eine Antwort von Jasmin erwartend. Diese schüttelte nur den Kopf.

"Aber ich verstehe es nicht ... warum? Warum das alles?!", begann sie zu schreien, Tränen liefen über ihr errötetes Gesicht die Wangen hinab. Sherley brach den Augenkontakt ab.

"Weil ich dich glücklich machen wollte. Weil du ... mir wichtig bist. Weil ich nicht verhindern kann, immer an dich zu denken. Und weil ich nicht mehr viel Zeit habe."

Tränen funkelten in ihren Augenwinkeln, doch Sherley ignorierte sie.

"Sherley, ich verstehe nicht, was meinst du damit? Warum hast du nicht mehr viel Zeit ...?", wollte sie fragen, kam jedoch nicht weit. Weiche Lippen mit dem dezenten Geschmack nach Himbeere und Mandelholz drückten sich gegen die ihren, ihr Herz schlug einen Salto und Jasmin konnte nicht gerade behaupten, dass ihr die Situation komplett missfiel. Doch kaum hatte sie einen klaren Gedanken fassen können, da hatte sich Sherley bereits von ihr gelöst. Das Herz pochend, die Wangen brennend, sah Jasmin ihre beste Freundin an.

"Sherley, ich ... versteh doch, du bist mir auch wichtig. Aber all diese Menschen, all dieses Leid, das hätte nicht sein müssen. Nicht für mich. Warum hast du mich nicht einfach gesagt, was du fühlst? Dann hättest du niemanden wehtun müssen. Gut, es ist niemand gestorben, aber es war trotzdem nicht richtig."

Die Angst in ihrer Stimme war Verzweiflung gewichen, denn so sehr sie sich auch vor dem fürchtete, was sie in den letzten Wochen und Monaten gesehen, erlebt hatte und nun auch das Geheimnis ihrer besten Freundin, dies alles erschütterte sie bis aufs Mark. Und doch würde sie niemals auf ihre beste Freundin verzichten wollen.

"Verzeih mir. Ich habe es nicht besser gewusst", erwiderte Sherley mit einem seltsamen Ton in ihrer Stimme, den Jasmin nicht so recht zuordnen konnte. Als sie sich der jungen Frau ein weiteres Mal nähern wollte, hielt Sherley sie zurück. Ihr Lächeln verbarg ihren inneren Schmerz nur schwerlich, weitere Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln und doch verstand sie es weiterhin, ihre Emotionen weitestgehend unter Kontrolle zu haben.

"Dann weißt du es eben jetzt besser. Du musst einfach nur deine Zauber umkehren, von allen ihre Flüche oder Zauber wegnehmen und dann wird alles wieder gut werden. Versprich mir einfach, dass du das nicht mehr machen wirst und ich verzeihe dir nochmal, in Ordnung?"

Jasmin wusste, dass es wie ein schwacher Versuch klang, mit ihrer Freundin zu verhandeln. Gleichzeitig spürte sie, dass es keine Wirkung haben würde.

"Du hast die beiden Männer doch auch gesehen, nicht wahr? Diese zwei Männer vom FBI, die überall herumgeschnüffelt haben."

Sherley sah tief in Jasmins Augen, was diese wieder erröten ließ. Nervös wickelte sie eine Haarsträhne um ihren Finger.

"Ja ... ja, ich weiß, wen du meinst, die beiden kamen zu uns an die Uni und haben jeden befragt. Mich haben auch befragt und seltsame Fragen gestellt. Komische Kerle ... seit interessiert sich das FBI denn für sowas? Und warum erwähnst du sie jetzt?", fragte Jasmin verwirrt nach.

Sherley betrachtete den kleinen Hexenbeutel in ihrer Hand, dann legte sie ihn auf dem Tisch ab.

"Das liegt daran, dass sie nicht vom FBI sind. Das sind professionelle Jäger, Menschen, die Personen wie mich jagen und zur Strecke bringen. Sie sind auch sicher hinter mir her ... deshalb habe ich nicht mehr so viel Zeit. Sie werden jederzeit kommen und mich holen."

"Nein! Das werden sie nicht!", stieß Jasmin aus und packte die verdutzte Sherley am Handgelenk. "Nicht, wenn ich es verhindere. Ich werde einfach mit ihnen reden und dann werden sie dich bestimmt in Ruhe lassen, dir noch einmal eine zweite Chance geben, so wie ich es getan habe!", versuchte sie ihre beste Freundin umzustimmen. Doch sie sah, dass sie bei Sherley nicht gerade sehr viel Erfolg damit hatte. Ein trauriges Lächeln lag nun auf ihren Lippen. Mit einem wehleidigen Blick betrachtete sie Jasmin, bevor sie sie mit einem energischen Ruck von sich schob. Verwirrt blickte Jasmin sie an, doch sie schüttelte nur dem Kopf.

"Sie sind da. Du solltest gehen, ich will nicht, dass du das hier siehst. Jäger sind nicht besonders sanft zu ihrer Beute, solltest du wissen."

Doch nun war es Jasmin, die mit dem Kopf schüttelte.

"Nein, du bist meine beste Freundin und daran wird sich auch nichts ändern. Ich bleibe, egal, was ich tun muss, um die beiden zu überzeugen, ich werde dich beschützen! Bitte, lass es mich tun!", begann Jasmin zu flehen. Schließlich schloss Sherley die Augen, die Tränen flossen nun unkontrolliert und ließen ihr Gesicht glänzen wie an einem Regentag.

"Sherley! Wir wissen, dass du da drin bist!", konnte Jasmin die Stimme des Größeren erkennen. Des Mannes, welcher sich ihr gegenüber als Agent Hetfield vorgestellt hatte.

"Danke dir, danke für alles", sagte Sherley, doch sie bewegte sich nicht vom Fleck. Genauso wenig Jasmin, deren Kehle sich immer weiter zuschnürte.

"Aber du kannst nichts tun."

Kaum hörbare Worte und doch verstand Jasmin jedes einzelne von ihnen. Sie wollte etwas erwidern, etwas tröstendes sagen, als sich eine Axt einen Weg durch die verschlossene Tür bahnte. Mit einem letzten, fast schon zärtlichem Lächeln bedachte Sherley Jasmin mit einem letzten Blick, bevor sie sich zur Türe umdrehte und ihrem Schicksal entgegenblickte.