bad times made of bad memories

von voron
GeschichteAllgemein / P16
31.05.2019
08.08.2019
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Tick... tack... tick... tack... tick...
Ich saß einfach nur da.
Ich wusste nicht wie ich mich fühlen sollte.
Ich saß da, in Armins Armen und wusste rein garnichts. In meinem Kopf waren so viele Bilder, so viele Fragen. Aber ich war ganz ruhig. Ich spürte seine Oberschenkel auf meinen, seinen Oberkörper an meinem. Ich spürte seinen einen Arm, der mich fest an ihn randrückte und seine andere Hand die mir sanft durch Haar strich. Ich drückte ihn noch ein bisschen fester an mich. Ich legte meine Stirn auf seine Schulter. Ich weiß nicht wie lange wir so da saßen. Ich hatte aufgehört dem Ticken zu lauschen und genoss es einfach nur bei ihm zu sein.
"Hörst du das?" Flüsterte Armin nach einer gewissen Zeit. Ich lauschte. "Ja"... Schritte.
Erst einen, dann zwei, dann drei dann vier und dann... "was wird das wenns fertig ist?" Wir drehten uns erschrocken um, beziehungsweise Armin, ich saß ja schon mit dem Gesicht zur Türe. Eine Pflegerin, offensichtlich war sie neu, denn auch Armin kannte sie noch nicht, kam ins Zimmer gestürmt und schaltete das große Deckenlicht an. "Ich... wir... also.." stammelte Armin.
"Oho! Die Schwule Sau macht sich an den Neuen ran!" Das war Steve. Die Pflegerin schaute uns auffordernd an. "Was ist hier los?" Fragte sie ungeduldig. "Nichts ist los... wir wollten nur..." Ich lief rot an. Das spürte ich. "Wenn jemand so laut schreit wie du, Sebastian," entgegnete sie, "gibt es dazu auch einen Grund." "Die wollten rummachen!" Rief einer der anderen Jungen aus unserem Flur. Ich konnte mir die Namen nicht merken. "Das sind Schwuchteln. Und sie sind ein Paar." Sagte Steve mit demonstrativer Stimme. "Ist das wahr?" Fragte die Neue. "Ich... ja... nein.. wir... also..." "Sebastian, ich hab nicht ewig zeit. Es ist zwei uhr Nachts und ich will wieder schlafen gehen. Also... seid ihr zusammen? Ja, oder nein?" Armin versuchte erneut seine Tränen zu unterdrücken und presste seine Augenlider fest gegen meine Schulter. Er klammerte sich regelrecht an mich und ich glaubte ein wages Nicken zu erkennen. "Wirds bald?" Drängte sie. "Ja genau, Schwuchtel!" Rief Gibis. "Wirds bald?" Ich atmete tief ein und wieder aus. Dann nickte ich verlegen. "Ist das ein Ja?" Fragte die junge Frau. "Ja das sehen sie doch" rief einer der Typen. "Und ihr schleicht euch jetzt auf eure Zimmer!" Fuhr sie die Jungs an, die sich in unserem Türrahmen versammelt hatten. "Also, ist das ein Ja?"
"Ja..." sagte ich. "Ja sind wir."
Ich spürte wie sich Armins Griff ein wenig lockerte und er sanft über meinen Rücken strich. "Nungut" sagte die Pflegerin trocken. "Ich werde dafür sorgen dass ihr getrennte Zimmer bekommt." fuhr sie schroff vort. "Nein bitte nicht!" Rief Armin entsetzt. "Sebastian ist doch der einzig.." "nichts da!" Du kommst jetzt mit, ich bring dich in dein neues Zimmer!" Sie packte ihn grob am Arm und wollte ihn mitschleppen, doch er hielt sich an mir fest als ging es dabei um sein Leben. "Lass los du Rotzbengel!" Fuhr sie ihn an und gab ihm einen Hieb auf das Schulterblatt. Er zuckte zusammen und ließ los. Erneut rannten ihm Tränen übers Gesicht. Ich konnte nur zusehen wie er aus meinem Zimmer geschleift wurde. Ich konnte nichts für ihn tun... nichts...
Ich hatte noch gehofft er würde ein Einzelzimmer bekommen, doch wie man aus dem lauten Gelächter und der schrillen Stimme der Pflegerin entnehmen konnte war dem nicht so. Ich musste ihm helfen. Das war mir klar. Nur wie? Was sollen wir tun? Heute nacht werde ich nichts mehr tun können. Aber am nächsten Tage...
Ich versuchte zu schlafen, aber ich konnte kein Auge zudrücken und ich denke, Armin ging es nicht anders. Ich hatte den Plan... Ich würde ihm beim Frühstück davon erzählen, von dem Traum, von dem Plan abzubauen und nach der Wahrheit zu suchen... Ich wollte dass alles gut wird, ich wollte Antworten, Antworten, und ich wollte Armin. Jawohl. Das wollte ich.

Ich ging also zu unserem Tisch im hintersten Eck des Speisesaals und wartete. Ich wartete 5 Minuten, doch er kam nicht. Ich wartete 10 Minuten, doch er kam nicht. Ich wartete 15 Minuten, 20, 30 Minuten, doch er kam nicht und schließlich ertönte der Gong, welcher das Ende des Essens ankündigte. Keine Spur von Armin. Ich stellte gerade frustriert das Tablett mit dem Essen, welches ich für ihn und mich geholt hatte, zurück auf den Speisewagen, als eine Durchsage ertönte. "Sebastian Miller bitte umgehend ins Sekretariat kommen! Ich wiederhole, Sebastian Miller umgehend ins Sekretariat kommen!"
Ich befürchte schlimmes. Ich eilte also so schnell es ging ins Sekretariat. Ich sprintete die Treppen hinauf, dann links, zwei mal rechts, noch eine Treppe hoch und dann... "mist!" Falsch abgebogen. Treppe wieser runter, einmal links, einmal rechts und DANN dritte Türe links. "Da bist du ja" begrüßte mich Rose in ihrem gewohnten ruhigen Ton. "Setzt dich doch bitte" sie deutete auf den Ledersessel am Fenster und setzte sich auf den Holzstul daneben. Ich setzte mich. "Ich hab gehört was gestern zwischen dir und Armin passiert ist." "Achja?" entgegnete ich immer noch leicht schnaubend. "Ja, und, egal ob dem so war oder nicht, Patricia hat einen gewaltigen Fehler begangen. Es tut mir aufrichtig leid." Fuhr sie fort. "Patricia?" "Die Pflegekraft von Gestern. Sabrina war krank deswegen ist sie eingesprungen. Es war nicht richtig was sie getan hat." Also würde alles wieder gut werden, ich würde wieder mit Armin in ein Zimmer kommen und alles würde gut werden... ich atmete auf.
"Nur..." fuhr Rose in einem für sie untypisch besorgtem Ton fort... "sie hat Armin zur strafe in das Zimmer mit den Jungs gesteckt, die ihn von Anfang an am meisten fertig gemacht haben..." ich ahnte schlimmes. "Sie haben es mitbekommen und haben nichts gegen die Mobbing attacken unternommen?" Fuhr ich sie ungläubig an. "Sie waren schlau. Solang sie sich nicht auf frischer Tat ertappen lassen, sind uns die Hände gebunden. Es tut mir wirklich so, so lei..." "wo ist armin?" Unterbrach ich sie. "Was ist mit ihm?"
Sie seufzte und ich spürte wie sich Tränen in meinen Augen aufstauten. Ich konnte nur noch flüstern. "Was ist mit ihm? Was ist mit Armin?"....