Taison Below  Der Fluch der lilafarbenen Brosche

GeschichteKrimi / P12
31.05.2019
16.10.2019
8
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Ohne zu zögern nahm Taison den Anruf entgegen.
,,Hallo ?"
,,Ich würde Ihnen die erste Information über Ihren Bruder geben.", hörte er Hamiltons Stimme.
,,Dann los."
,,Nicht so schnell. In meinem Beruf heißt es geben und nehmen. Wovor fürchtet sich die alte Dame ?"
,,Ich war noch nicht dort, aber ich werde in einigen Minuten bei ihr sein und das noch heute herausfinden."
,,Das hoffe ich im Interesse von Ihnen und der alten Frau. Ich rufe Sie heute Abend gegen 23 Uhr wieder an."
Bevor der Beamte auch nur ein Wort sagen konnte, hatte der CIA Agent auch schon aufgelegt. Taison war sauer auf sich selbst und nun musste er mit der quälenden Ungeduld bis kurz vor 23 Uhr leben, dabei brannte ihm die Antwort warum Carlos sterben musste förmlich auf den Nägeln. Nachdem Taison das Handy bei Seite gelegt hatte, fuhr er nach Kentdally, um die besagte Adresse, der alten Dame, zu finden. Wie schon erwähnt war Kentdally ein kleines ödes Fleckchen und noch dazu eine Kleinstadt. Es dauerte nicht lange bis der junge Polizist die genannte Adresse von Mary McLeaven ausfindig gemacht hatte.
Das Haus der alten Frau, stand auf einer kleinen Anhöhe, man konnte es ruhig als Hügel bezeichnen, neben dem sich noch ein Gebäude befand, welches sich aber  sehr vom Haus der alten Frau abhob. Mrs. McLeaven mochte zwar achtzig Jahre alt sein, aber das Haus war in einem akkuraten Zustand. Der Zaun und die Tür hatten strahlend weiße Latten. Rechts und links hinter dem Zaun stachen hohe Sonnenblumen hervor, während dahinter jeweils ein Apfelbaum und ein Kirschbaum standen, die den Abschluss des vorderen Teils des Gartens bildeten.
Taison öffnete die kleine weiße Tür und spazierte einen kleinen mit kiesbestreuten Weg entlang, stieg vor der Eingangstür ein paar Stufen hinauf und klingelte, woraufhin sich eine knochige alte Stimme aus dem anliegenden Lautsprecher meldete.
,,Wer ist da ?"
,,Mein Name ist Taison Below. Ich wurde von einem gewissen Stuard Hamilton angefordert. Ich soll Sie beschützen."
,,Einen Augenblick, ich komme runter."
Wenige Minuten später, hörte man dumpfe Schritte, die nach unten führten und schließlich sah man durch eine mosaikartige Buntscheibe eine Frau, die gemächlich und letztendlich die braune Eingangstür aus Holz öffnete. Der New Yorker Polizist zweifelte keine Sekunde daran, das es sich hierbei um Mrs. McLeaven handelte, die hinaus geschritten war. Die Frau hatte zwar andere Sachen an, aber das Gesicht und die Haare waren unvergleichlich.
,,Kommen Sie doch herein Mr. Below."
Taison nickte, auf die freundliche Geste, der alten Dame und trat ein, während die Frau die Tür hinter ihm wieder verschloss und noch in derselben Sekunde mit dem Zeigefinger zur kleinen Holztreppe zeigte, dessen Stufen mit blauen Faserläufern ausgelegt waren.
,,Dort oben ist neben mein Schlafzimmer auch mein kleiner Empfangsraum für Gäste."
Taison stieg die Treppe hinauf und die Anwohnerin folgte ihm.
Schließlich öffnete Mrs. McLeaven die rechte Tür und bat ihren Gast auf dem grau möblierten Sofa Platz zu nehmen, welchen Taison gerne annahm.
,,Wie ich hörte haben Sie ein schwerwiegendes Problem Mrs. McLeaven.", entgegnete der Beamte ernst, während die alte Frau leicht nickte.
,,So ist es Mr. Below. Ich habe die CIA nicht Grund für meine Todesangst genannt. Jedoch so wusste ich, und das werden Sie sicher auch verstehen Mr. Below, das ich nie sicher sein konnte, ob mein Telefon nicht doch abgehört wurde."
,,Das verstehe ich sehr gut und dennoch wundert es mich, das Sie doch noch am Leben sind, wenn Sie in einer derartigen Todesgefahr leben."
,,Ich merke schon. Sie sind nicht von der CIA. Wer sind Sie wirklich ?"
Auf diese Bemerkung begann Taison zu schlucken und er musste zugeben, das Mrs. McLeaven scharfsinniger war, als er erwartet hatte. Dennoch ließ er sich davon nicht aus der Ruhe bringen und legte sprichwörtlich die Karten auf den Tisch.
,,Meinen Namen habe ich bereits genannt, aber ich bin kein Agent, sondern ein Polizist."
Taison holte bei dieser Bemerkung seine Marke hervor, die die Frau nur mit Hilfe ihrer Lesebrille entziffern konnte, die sie vom Tisch aufhob. Eingehend begann sie diese zu mustern und lehnte sich allmählich wieder etwas zurück.
,,Und ich soll Ihnen nun glauben, dass Stuard Sie mit meinem Fall vertraut gemacht hat ?"
Der New Yorker Polizist stieß einen tiefen Seufzer aus.
,, Glauben Sie es oder lassen Sie es bleiben Mrs. McLeaven. Ich bin nicht hierher gekommen um mich zu beweisen, sondern um Sie zu beschützen. So wie man es mir aufgetragen hat.", entgegnete er genauso ernst und diskret wie die Frau, wobei er seine Marke wieder einsteckte.
,,Ein Agent, der einen Polizisten dafür engagiert um mein kostbares Leben zu schützen. Ich kann es mir kaum vorstellen.", sagte sie beinahe schmunzelnd, als sie ihre Brille abnahm und wieder auf den Tisch legte.
,,Es ist aber so und ich bitte Sie es für sich zu behalten. Bevor ich Sie aber beschützen kann, brauche ich Ihre Informationen um herauszufinden wer Sie umbringen will."
Der Blick von Mrs. McLeaven wurde nun misstrauischer.
,,Und wenn Sie ein doppeltes Spiel spielen?"
,,Ich bin Polizist Mrs. McLeaven und der einzige Grund warum ich Stuard Hamilton helfe ist der, um mehr über den Tod meines Bruders zu erfahren.", sprudelte es ehrlich aus dem Polizisten heraus.
,,Der britische Geheimdienst wird Ihnen das sicher nicht abnehmen und Sie doppelt und dreifach überprüfen."
,, Erzählen Sie mir einfach nur die Punkte, die ich wissen will."
,,Nun, ich kann mein Misstrauen Ihnen gegenüber nicht verbergen und dennoch sind Sie der Einzige, der mir im Moment beistehen kann."
Die Frau seufzte kurz auf, lehnte sich in ihrem Sessel zurück und begann mit ihrer Geschichte.
,,Mein Ehemann ist vor zwei Jahren im Krieg gestorben. Er war Agent des amerikanischen Geheimdienstes und hatte streng vertrauliche Informationen einer Bombe bekommen, die er verwahren sollte. Da der britische Geheimdienst schon wenige Monate später versucht hatte diese Pläne in die Hände zu bekommen, reiste mein Mann nach Libyen wo er eigentlich, trotz des Krieges, sicher sein sollte. Doch er starb unter mysteriösen Umständen im eigenen Lager."
,,Ich verstehe nur nicht warum Stuard mir so eine Lüge aufgetischt hat.", murmelte nun Taison stirnrunzelnd vor sich hin, während die Frau ihn kurz verwundert ansah.
,,Wie bitte ?"
Auf den perplexen Blick der alten Frau, begann Taison die Frau ernst anzusehen.
,,Der Agent hat mir nichts von einer Bombe erzählt, sondern nur von einer lilafarbenen Brosche, die eine Gefahr für besondere Leute darstellen sollte."
,,Dazu komme ich gleich Mr. Below. Ein Offizier der dort stationiert war, teilte mir mit, das an seinem Hemd eine lilafarbene Brosche geheftet war und das er in der Hand einen Zettel festhielt auf dem stand :
*Verflucht seien die, die diesen Kodex haben oder zur Familie gehören. So durstet meine Seele nach Blut und nach Rache. Ich finde euch alle !"
,,Klingt Vampirerisch Mrs. McLeaven, was mich glauben lässt, das er Geisteskrank zu sein scheint. Übrigens muss sich Kommissar Layton in diesem Fall eingemischt haben bevor er starb oder einer seiner Verwandten."
Auf seine ernste Vermutung, begann sich die Frau zu räuspern.
,,Gut, Layton war ein Freund von mir gewesen. Ich bin Irländer, er war Irländer und mein Mann war Amerikaner. Jetzt wissen Sie wohl warum zwei Regierungen hinter mir her sind. Und wer Layton und meinen Mann umgebracht hat, weiß ich nicht. Nur so viel. Die Pläne sind weg und dennoch reißt die Todeszene nicht ab !"
Nachdenklich fasste sich Below nun an sein geschmeidiges Kinn.
,, Seltsam das so ein alter Greis noch im Geheimdienst war."
,,Er hat dafür gelebt Mr. Below und er hat dafür seine Quittung bekommen. Das ich allerdings für seine Unvorsichtigkeit gleich mitbezahlen soll, verstehe ich allerdings nicht.", meinte sie, wobei ihre ruhige und gebrechliche Stimme bei den letzten vier Wörtern ein wenig erregt klangen, während Taison Below, auf der Suche nach der Wahrheit, nicht weniger aufgeregt in der Stimme klang.
,,Ich verstehe vor allem nicht, warum der Mörder Ihres Mannes Sie nicht zuerst umgebracht hat, sondern erst Layton."
Unwirsch zuckte sie mit den Schultern und seufzte lautstark auf.
,,Was weiß ich. Vielleicht war er dicht dran dem Mörder das Handwerk zu legen."
,,Das wäre wohl die sinnvollste Erklärung. Darf ich fragen wer noch alles zur lieben Familie gehört ?"
Trotz der besorgten Zukunftsängste, konnte Below ein kleines Schmunzeln auf Mrs. McLeavens Gesicht erkennen.
,,Oh die ist sehr klein Mr. Below und dennoch habe ich sie selbst nie wieder gesehen."
Die alte Frau stand auf, ging auf ein Bücherregal zu, welches geradewegs im Blickfeld von Taison lag und zog ein dunkelblaues DIN A3 Buch heraus, das an der rechten Seite stand.
,, Hier bitte, das ist der Stammbaum von mir und meinem Mann."
Sie packte das Buch auf dem Tisch und setzte sich wieder. Taison nahm es in die Hand und blätterte darin rum.

Die Verteilung des Baumes sah so aus :

>Mrs. Mary McLeaven (82 Jahre)
 geb. Hudson
> Mr. Bryton McLeaven (81 Jahre)

Kinder : Annie McLeaven
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>Annie Glower (42 Jahre)
geb. McLeaven

> Alex Glower (45 ✝)

Kinder : Julia Glower
            Mike Glower
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> Julia Graves (29 Jahre)
geb. Glower

> Robert Graves (30 ✝)

Kinder : Diana Graves (9)
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> Mike Glower (21 Jahre)

> Selina Glower (25 Jahre)
geb. Jones

Kinder : Gregor Glower (5 Jahre)
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,,Wie ich sehe hat ihre Tochter Annie eine sehr große Familie gegründet.", meinte Taison, nachdem er es sich durchgelesen hatte. Er schlug das Buch zu und übergab es der alten Frau.
,, Tja, das ist normal wenn Kinder Kinder bekommen."
,,Leben Ihre Kinder weit verstreut ?"
,,Nun Annies Tochter Julia ist mit ihrer Tochter nach New York gezogen. Sie arbeitet dort als Sekretärin für einen Konzern. Annie selbst lebt ebenfalls allein hier in Kentdally. Bis jetzt hat sie mich nicht einmal besucht."
In ihrer Stimme schwamm auch ein Unterton von Bitterkeit mit, doch Taison versuchte es mit versöhnlichen Tönen und sich in die Lage von Annie zu versetzen, deren Gedanken er dazu, auch so einfühlsam wie möglich, aussprach.
,,Ich kann mir vorstellen, das sie um ihren geliebten Mann trauert, genauso wie Sie und Julia."
Doch die alte Frau schien kein Verständnis dafür aufbringen zu wollen und redete stattdessen von ihrer Enkelin Julia.
,,Julia hat sich damit abgefunden, da Alex selbst an seinem eigenen Tod schuld war. Sie müssen Wissen Mr. Below, das Robert betrunken von einer nächtlichen Hausparty Heim gefahren ist und dabei mit einem LKW kollidierte. Der PKW und der Laster brannten völlig aus. Eigentlich ein Wunder, das der LKW Fahrer nur ein paar harmlose Brandwunden von dem Unfall davon getragen hatte."
Below sog noch einmal scharf die Luft ein.
,,Tja das passiert selten, dass der Unschuldige überlebt und der Verursacher tot ist. Meistens ist es umgekehrt."
Mrs. McLeaven nickte daraufhin zur Bestätigung und erzählte weiter.
,,Annies Sohn Mike lebt mit seiner Gefährtin Selina und Sohn Gregor an der Westküste Irlands. Sie ist eine berühmte Autorin und er ein erfolgreicher Manager eines inclusive Hotels.", schwärmte sie.
,,Es wäre schön wenn Sie mir die Adressen Ihrer Verwandten geben würden."
,,Oh ja natürlich.", meinte sie nun deutlich freundlicher. Sie ging zum Schreibtisch, holte eiligst einen Stift und ein weißes Papier hervor und schrieb die besagten Adressen auf. Taison nahm ihn in die Hand, verabschiedete sich und verließ das Haus.