Taison Below  Der Fluch der lilafarbenen Brosche

GeschichteKrimi / P12
31.05.2019
16.10.2019
8
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,,Es war eindeutig Mord.", sagte ein Mann ernst, der mit einer Plastiktüte in der Hand in das Wohnzimmer schritt.
,,Woher wollen Sie denn das wissen Inspektor Shirley ?", fragte ein anderer Mann, der Recht dürr, dessen Gesicht faltig und die Haare schon grau waren. Shirley hob nun die Plastiktüte in die Höhe.
,,Das ist der entscheidende Beweis, Kommissar Layton."
Der dürre Mann ging langsam auf ihn zu und betrachtete die Tüte genauer. In ihr war eine Pistole verschlossen. Layton machte ein erstauntes Gesicht und nickte schließlich. Dann drehte er sich um und wandte sich der Dame zu, die völlig verschreckt abwechselnd die beiden Kommissare ansah bevor Layton ihr überhaupt etwas gesagt hatte.
,,Anscheinend sind Sie doch nicht so unschuldig wie Sie tun oder Miss Grace ?"
Daraufhin seufzte die Frau, ließ ihren Kopf sinken, schüttelte ihn und sah die beiden Herren wieder an.
,,Ja Sie haben Recht Inspektor Layton. Ich habe meinen Mann Marc Stevens umgebracht. Ich sag keinen Ausweg mehr. Er hatte mich bedroht und geschlagen. Und gestern Abend ist es dann zum Äußersten gekommen. Mitten am Abendbrotstisch hat er seine Peitsche gezogen und mich wütend gefragt was mir einfiele mit Mr. Matthew Devon auszugehen. Dabei hatte ich ihn erst seit gestern kennen gelernt, da er erst seit ein paar Tagen hier neben uns eingezogen ist. Ich habe es ihm versucht zu erklären und irgendwie konnte ich ihn auch besänftigen, doch innerlich kochte ich und als er fest eingeschlafen war, nahm ich seine Pistole, die im Nachtschrank lag und erschoss ihn damit. Ich hatte doch keine andere Möglichkeit gehabt. Was hätte ich denn tun sollen ?"
,,Sie hätten uns anrufen können Miss Grace. Denn nun werden Sie des Mordes an ihren Gatten angeklagt. Zwar werden Sie vielleicht mildernde Umstände bekommen, da Sie von ihrem Ehemann terrorisiert worden sind, aber Mord bleibt Mord und dafür müssen Sie alleine gerade stehen.", sagte Layton ernst. Er nahm Shirley die Tüte aus der Hand, ging zu Miss Grace und legte ihr die Handschellen an. Die jedoch hatte nur mit Widerwillen ihre Hände ausgestreckt und warf dem Inspektor keinen Blick mehr zu. Layton fühlte sich keineswegs schuldig für seine kritiken Aussagen gegenüber der Frau. Er führte sie an Shirley vorbei, wo ein er seinen Kollegen die Hand schüttelte.
,,Ich danke Ihnen für die so engagierte Hilfe Ihrerseits Inspektor Shirley."
,,Nicht der Rede wert Kommissar Layton. Immerhin ging es ja um eine internationale Sache.", lächelte Shirley, während Layton nickte und die Frau nach draußen brachte. Shirley hingegen schaute sich den prächtigen Raum noch einmal an, als ein neuer Mann herein kam. Er war Recht groß, hatte schwarzes Strubbelhaar, ein schmales Kinn, blaue Augen und eine etwas breitere Taille als Layton.
,,Wie es aussieht ist der Fall abgeschlossen oder ?"
,,Ach Taison, natürlich ist er abgeschlossen.", meinte nun Shirley und steckte nun seine Hände in die Hosentasche. Zusammen verließen sie das Gebäude und stiegen in einen dunkelblauen Mercedes ein. Taison fuhr den Wagen und als sie die Autobahn hinunter bretterten, begann Shirley über den Fall zu sprechen.
,,Schade das es so enden musste Taison. Marc Stevens war kein schlechter Kerl gewesen. Er hatte nur die falschen Freunde gehabt, wie zum Beispiel Jack Mayer. Ich sage Ihnen die Psychologie der Menschen ist eine sehr sonderbare Geschichte. Wir wenden sie meist ohne groß darüber nachzudenken einfach an und manchmal endet dies in Hass und Rache."
,,Also hat Miss Grace ihn erschossen."
,,Ja. Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran. Ich habe ihre Waffe in ihrem Zimmer gefunden und sie hat es uns gestanden."
,,Aber warum hat sie die Waffe im Zimmer gelassen ? Ich meine jeder weiß doch, das man zuerst den Tatort des Geschehens gründlich durchsucht."
,,Ich denke sie hat den Überblick über die Situation verloren Taison. Viele können, wenn sie Jemanden umgebracht haben, nicht mit der Situation umgehen. Einige bekommen Gewissensbisse und stellen sich, andere verbergen ihre Taten zwar, ohne das man es ihnen ansieht und wieder andere verbergen diese zwar, doch man sieht es ihnen schon an der Nasenspitze an."
,,Und wozu gehört Miss Grace ?"
,,Zur letzteren Gruppe Taison."
,,Und wo soll es nun hingehen ?", wobei er Shirley einen kurzen Blick zu warf.
,,Nun, in New York erwartet man uns doch schon wieder sehnsüchtig, das wir uns wieder in unserem Revier niederlassen."
Taison seufzte laut am Steuer auf. Ihm war bewusst, das in New York wieder nur Akten auf ihn warteten. Diese mussten bearbeitet und zu Sally Thomsen, der schönen Sekretärin gebracht werden. Zugegeben, Taison hatte sich unsterblich in die Blondine mit den langen welligen Haaren verliebt. Ihre Figur war traumhaft und ihr Duft nach Rosen war unwiderstehlich. Auch Shirley schätzte seine Sekretärin, allerdings aus einem anderen Grund. Sie war fleißig und ordnete die Akten strikt nach seinen Vorstellungen, um die Karteien nicht durcheinander zu bringen. Kaum waren die Polizisten zurück in ihrem Revier, tippelte Sally auch schon mit einer Akte unter den Arm zu ihnen.
,,Mr. Shirley, es kam gerade eine Nachricht für Sie." Sie zog einen Zettel hervor und übergab sie dem Chef, der diese aufmerksam durchlas
,, Kommissar Layton ist tot !"
Taison zuckte daraufhin erschreckt zurück.
,,Aber heute früh war er doch so quicklebendig wie wir beide.", stotterte er.
,,Das schon, aber diese Meldung wurde um 14.30 Uhr rausgegeben. Zu dieser Uhrzeit waren wir längst auf unserem Rückflug."
,,Und was tun wir jetzt ?", fragte Taison, der seinen Kommissar bedrückt ansah. Shirley schaute sich derweil das Schreiben noch einmal genauer an.
,,Es scheint als sei Layton in seinem Haus ermordet worden, da man bei ihm eine lilafarbene Brosche gefunden hat, die mitten an seinem beigen Mantel geheftet war."
,,Als wir ihn aber gesehen haben, hatte er keinen beigen Mantel angehabt."
,, Deswegen sage ich ja, das er zu Hause ermordet worden ist. Übrigens lebte  Layton ganz allein und abgelegen von Kentdally."
,,Ja, Davis Davidson hat mir viel von dieser Gegend berichtet, als Sie damals mit ihm nach Kentdally geflogen sind um einen Diamantenraub aufzuklären."
Shirley nickte.
,,Ja. Ich habe Davis mitgenommen, da er viel Erfahrung im Umgang mit Handfeuerwaffen besitzt. Er fackelt nicht lange und weiß ganz genau was er tut. Genauso wie seine Kollegin Amber Flake. Ein fantastisches Duo, aber ich denke in diesem Fall werde ich Sie wieder einspannen."
,,Mich ?", fragte Taison verwundert.
,,Nun irgendwann müssen Sie doch auch Erfahrungen mit der Vorgehensweise des Reviers sammeln. Ein echter Mordfall weit weg von Amerika in einer grünen Idylle auf Irland. Na, wie wär's ?"
,,Mein letzter Besuch war Recht kleinlich Inspektor und eigentlich hat mir der…"
,,Sehr schön, wir fliegen morgen um 7.30 Uhr los. Seien Sie pünktlich Taison."
Der Kommissar steckte den Zettel in seine Hosentasche und schritt aus dem Gebäude. Taison hingegen seufzte schließlich auf, während Sally ihn kurz freundschaftlich in die Seite kniff.
,,Mach nicht so ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Ich dachte du hättest dich gefreut, das Inspektor Shirley dich mit nach Irland genommen hat um Marc Stevens zu finden und nun kannst du ihm sogar beweisen was in dir steckt."
,,Da hast du Recht Sally. Aber diese Einöde...Ich weiß ja noch nicht einmal wo Kentdally liegt, geschweige denn wo Layton gewohnt hat."
,,Das wird dir Shirley schon noch zeigen."
Taison fuhr sich noch einmal gestresst mit der Hand durch die Haare und verabschiedete sich schließlich von Sally. Er ging zu seinem Auto und fuhr nach Hause.
Die Straßen von New York waren wie eh und jäh von Bussen, gelben Taxis, Motorrädern und anderen Autos vollgestopft. Hier und da waren sogar Straßenbahnen unterwegs, auf denen man ganz besonders achtgeben musste, da sie sich hier mit den Fahrbahnen der Autos kreuzten. Taisons Wohnung lag im dritten Stock eines relativ ruhigen Viertels. Von außen betrachtet war es renoviert worden, doch zeigten die vollgestopften und verheulten Briefkästen im Innern des Gebäudes etwas anderes. Rote Farbe war auf dem Fußboden und der Treppe ausgekippt worden und die weißen Wände hatten ihren halben Putz schon verloren, an denen nun das alte Orange hervor kam. Der Polizist versuchte das alles nicht so verbissen zu sehen. Allerdings staunte er schon was alles in einer Woche Abwesenheit in seinem Gebäude passieren konnte. Als er sich dann endlich sportlich mit seiner Reisetasche die letzte Etage hoch kämpfte, holte er vor seiner Haustür den Schlüssel hervor und bemerkte mit Entsetzen, das sein Schloss neu ausgetauscht war. Aus seinem Zimmer dröhnte der Fernseher und so klopfte Taison genervt an seiner eigenen Tür, die daraufhin geöffnet wurde.
Ein junger Mann, so in Taisons Alter, mit braunen und kurzen Haaren, einem roten Hemd und Bermuda Hose trat heraus.
,,Ah Taison, schön das du auch wieder im Land bist. Und…Wie war dein Trip nach Irland Dublin ?"
Der Polizist ballte die Hände zu Fäusten zusammen, warf seine Tasche in den Flur, trat ein und sagte ihm ein paar Takte.
,, Carlos ich habe dir gesagt, dass du dich hier nie wieder blicken lassen sollst."
,,Aber Taison. Du brauchst mich doch."
,,Ich dich brauchen ? Das wäre ja noch schöner ! Du bringst mich nur in Schwierigkeiten mit deinem Drogensüchtigen Verhalten !"
,,Aber ich bin doch dein kleiner Bruder !"
,,Ja und jedesmal habe ich dir aus der Klemme geholfen, doch dieses Mal löffelst du deine Suppe gefälligst selber aus ! Und was das Austauschen meines Schlosses betrifft, so gehst du zum Hausmeister und reklamierst das Ganze wieder. Ich will nämlich wieder normal ins Haus kommen."
,,Ja schon gut, aber vorher muss ich dir noch was sagen."
,, Verschwinde jetzt endlich !", schrie Taison aufgebracht, worauf Carlos einen unschuldigen Blick aufsetzte, seine Sachen schnappte und abzog. Taison sah seinem Bruder kopfschüttelnd nach. Er und Carlos waren als Kinder unzertrennlich gewesen und spielten den Erwachsenen gerne Streiche und auch als Jugendliche hatten sie zusammen fast jede Droge die es gab ausprobiert, doch Taison erkannte schnell, welche Auswirkungen diese auf den menschlichen Körper hatte und er ließ sie mit Anfang seiner Ausbildung zum Polizisten nun gänzlich sein. Er wollte selbst den Drogensüchtigen helfen, auch Carlos, der sich jedoch von Taison nicht davon abhalten ließ immer weitere und vor allem Dingen, stärkere Drogen zunehmen. Nach all den Versuchen hatte es Taison nur noch satt und wollte ihn nie wieder sehen. Nachdem der Polizist in seinem Raum den Fernseher ausgestellt hatte, legte er sich auf das Sofa und wollte gerade einschlafen, als ein lauter Knall ertönte, der anscheinend aus der unteren Etage kam. Taison dachte sogleich an einen Pistolenschuss. Er stürzte hinaus auf den Flur und rannte hinunter. Dort sah er auf den ockerfarbenen Fließen vor dem Hauseingang seinen Bruder tot liegen. Carlos Schädel war von einer Kugel regelrecht zertrümmert worden und das Blut verteilte sich in alle Richtungen über die Fliesen. Das Bild hatte eine erschütternde Wirkung auf Taison und erst nachdem er Carlos genauer betrachtet hatte, schaute er auf und blickte den Hausmeister stumm an. Dieser jedoch konnte den Anblick noch weniger ertragen und war Nähe daran in Ohnmacht zu fallen.
,,Wenn Sie wollen Mr. Förster können Sie in mein Appartement gehen. Ich komme auch gleich nach."
Der Hausmeister, der so ungefähr dreiundvierzig Jahre alt war, nickte nur und stieg mitgenommen die Treppe hinauf. Mr. Forest war ein sehr netter Mann und wahrlich wusste Taison, das dieser ganz sicher nichts mit dem Mord an seinem Bruder zu tun haben mochte. Taison zog aus seiner Jackentasche sein Handy raus und meldete den Vorfall bei Shirley. Als Shirley mit einem weiteren Polizisten und einer Polizistin das Gebäude betraten, hatte bereits die Leichenstarre eingesetzt.
,,Das war ein sauberer Schuss.", bemerkte die Polizistin, die sich sogleich Carlos Kopfwunde anschaute. Die Frau hatte fuchsrotes und kurzes Haar, trug zartes Make Up im Gesicht, eine kleine spitze Nase, und dünne Lippen, die mit einem Lippenstift in ein dezentes Rot geschminkt waren.
,,Sehr richtig Amber. Es scheint, als wäre hier ein Profi am Werk gewesen.", meinte Shirley ernst und wandte sich sogleich wieder an Taison.
,,Warum war ihr Bruder überhaupt hier ?"
Taison zuckte nur mit den Schultern.
,,Ich denke wegen einer seiner Drogenprobleme. Er hat sie ja nie in den Griff bekommen."
Taison erzählte kurz und knapp was sich vor wenigen Minuten in seiner Wohnung ereignet und was er vor dem Eingang gesehen hatte. Dann begann auch Shirley sein Vorgehen zu schildern und wendete sich dabei seinen Kollegen zu.
,,Ich verstehe. Amber und Davis, ihr werdet den Fall übernehmen."
,,Aber Inspektor. Er ist doch mein Bruder !"
Auf Taisons verzweifelten Ausruf, begann Shirley ihn ernst anzusehen.
,,Ein Grund mehr, dass Sie Landluft schnuppern sollten. Sie sind emotional sehr angeschlagen und es wäre wohl der größte Fehler Sie noch mehr damit zu belasten. Ich schlage vor Sie gehen wieder in ihre Wohnung, packen ihre Reisetasche und ruhen sich aus."
,,Und Mr. Forest ?"
,,Ihm können Sie ausrichten, das er sich morgen auf dem Revier zu melden hat, um eine Aussage zu machen. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, das Sie ihn nicht dazu zwingen sollten das Geschehene zu rekonstruieren. Wie Sie wissen kann das eine bittere Auswirkung auf seine Psyche haben."
,, Selbstverständlich Inspektor Shirley."
Der Kommissar nickte kurz, während er den Leichenwagen rief. Taison schluckte noch einmal kurz auf, warf einen letzten Blick auf seinen toten Bruder und trottete langsam die Treppe hinauf. Davis schaute seinem Kollegen nach. Er hatte schon viele brutale Morde gesehen und so war dieser mit einem zertrümmerten Schädel noch einer mit der milderen Fälle, die er nun mit Amber zu bearbeiten hatte, doch für Taison, war es der brutalste.