Wie Pech und Schwefel

von Cisco
GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
31.05.2019
13.11.2019
16
18370
8
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
Hallo ihr Lieben, mit dem Start der neuen Woche gibt es ein neues Kapitel. Wieder aus Astorias Sicht - ich versuche konsquent die Perspektiven der beiden abzuwechseln.

Herzlichen Dank für die Reviwes :)




Es war ruhig – verdächtig ruhig. Trotz seines pompösen Aufschlages in ihrem Büro hatte er sich nun ganze drei Tage nicht blicken und nichts verlauten lassen. Die naive Zuversicht in ihr, er könne ihre Ansage verstanden haben und würde ihre Wünsche respektieren, wurde von ihrem ernüchternden Realismus und ihren Erfahrungen in Bezug auf diesen Mann – ihren Ehemann – verdrängt. Wenn Draco nichts sagte, nichts von sich hören ließ, war das selten ein gutes Zeichen. Es bedeute die Ruhe vor dem Sturm und dass sie sich wetterfest machen musste. Draco war wie ein kleines Kind, wenn er still war, heckte er etwas aus.

Seine Eltern hatten ihn verzogen zu einem egomanischen, rücksichtslosen Snob, der Dinge und Menschen gleichermaßen als sein Eigen annahm und sich einbildete über sie verfügen zu können, wie es ihm in den Kram passte. Seit man sie nun beide aneinander gekettet hatte, übertrug sich dieses Anspruchsdenken auch auf sie. Draco Mafoy betrachtete sie nicht als seine gleichwertige Partnerin in einer Ehe auf Augenhöhe, sondern als sein naives, devotes Frauchen, das er herumschubsen konnte, wie es ihm gefiel. Aber Astoria hatte sich das von Beginn an nicht gefallen lassen. Sie hatte seine Launen nicht akzeptiert und noch weniger über sich ergehen lassen. Wenn er sie angefahren hatte, hatte sie zurückgekeift. Kam er betrunken nach Hause und bildete sich ein, sich zu ihr legen zu dürfen, hatte sie ihn, wenn nötig mit magischer Unterstützung, hinausgeworfen. Wenn er frech wurde, ließ sie ihn abblitzen, bis er mit ihr sprach, wie sie es verdiente. Langsam, ganz langsam war es besser geworden, wenigstens ein bisschen. Davon hatte sie sich täuschen lassen, war fast schwach geworden und hatte sich in die Irre leiten lassen, sie könnten miteinander auskommen, aber er änderte sich nicht. Ein Mann wie Draco Malfoy dachte nur an sich und schließlich war er genauso frostig gewesen, wie er es immer gewesen war.

Als Dan sich neben ihr räusperte, schreckte sie zusammen. der Cursor auf ihrem Bildschirm blinkte beharrlich auf der noch leeren Seite. „Es geht dir nicht gut.“, bemerkte er. „Du bist nervös, unkonzentriert und angespannt, seit… seit er hier war.“ Astoria wandte den Blick ab, sah auf ihre Finger, wobei ihr Blick automatisch an dem Ring haften blieb. Fein, silbern und edel gearbeitet: das physische Zeichen für das, was ansonsten jedem verborgen blieb – die Ketten, die sie in dieser Ehe hielten. „Es ist kompliziert.“, erwiderte sie ausweichend, ohne den Blick zu heben.

„Hasst du ihn?“, platzte es aus ihm heraus und es schien, als hätte er diese Frage gar nicht stellen wollen. Astoria lächelte gequält, denn diese Frage stellte sie sich nun schon seit man sie zu seiner Frau gemacht hatte. „Nicht direkt. Manchmal vielleicht.“, gestand sie. Dan schien sich sichtlich unwohl zu fühlen. Sie erkannte, dass er etwas auf dem Herzen hatte, das er loswerden wollte. Geduldig blickte sie ihn an, bis er sich durchgerungen hatte, zu sprechen. „Ich meine… ach weißt du…“ druckste Dan herum. „Also was ich fragen wollte… warum lässt du dich nicht scheiden?“, brachte er hervor und sah ihr scheu in die Augen. Beinahe hatte sie aufgelacht. Aber das wäre gemein, denn er konnte nicht verstehen, wie abstrus diese Frage war. „Von da wo ich herkomme, lässt man sich nicht so ohne weiteres scheiden, Dan.“ Die Wahrheit war, dass sie sich nicht scheiden lasse konnte. Es war objektiv unmöglich. Aber wie sollte sie jemandem einen Unbrechbaren Schwur erklären, der vermutlich mit sechs oder sieben Jahren aufgehört hatte, an Magie zu glauben. „Bist du katholisch?“, fragte er nach. Astoria lachte dieses Mal wirklich. „Nein, nicht wirklich. Ich… naja sowas in der Art.“, antwortete sie, da ein religiöser Zusammenhang für einen Muggel wohl am verständlichsten war. Außerdem war der Reinblutkult von einer Religion nicht mehr weit entfernt.

„Aber weglaufen vor ihm kannst du.“, murmelte er. Dann schien er zusammenzuschrecken. „Sie werden dich nicht umbringen oder? Sowas ehrenmordmäßiges, nicht wahr?“ Beinahe wäre Astoria zusammengezuckt, denn obwohl ihr „Ehrenmord“ nicht so viel zu sagen schien wie ihm, traf es den Kern eines Unbrechbaren Schwures und irgendwie klang „Ehrenmord“ nach etwas, dass Reinblüter tun würden. Nach etwas, dass sie taten. „Nein. Dan bitte mach dir nicht so viele Sorgen, in Ordnung? Draco und ich, wir, haben gerade nur eine kleine Krise. Das ist in einer Ehe ganz normal.“, beschwichtigte ihn. Der bittere Geschmack auf ihrer Zunge, den die Lüge hinterließ, schluckte sie angestrengt hinunter. Diese Phase hatte in dem Moment begonnen, als Draco ihr den Ring über den Finger gestreift und sie als sein Eigentum beansprucht hatte. nie war es anders gewesen. Nie würde es sich ändern.

Dan nickte, aber wirkte nicht wirklich überzeugt. Sie hatte ihn gern – irgendwie. Er war ein guter Kerl und gerade darum durfte sie ihn nicht mit hineinziehen. Am Ende geriete er nur zwischen die Fronten eines Krieges, mit dessen Parteien er es nicht annähernd aufnehmen konnte. „Wenn du etwas brauchst… sei es nur um zu reden… dann… dann kannst du jeder Zeit zu mir kommen, das weißt du. Oder Astoria?“, sagte er leise. Sie lächelte ihn dankbar an, obwohl sie wusste, dass sie in Wirklichkeit niemals seinen Rat suchen konnte. „Ich danke dir, Dan.“, erwiderte sie und griff nach seiner Hand, um sie kurz und sanft zu drücken. So sehr sie es wollte, ihr konnte in dieser Angelegenheit niemand helfen. Ihr Kollege schien nach wie vor nicht gewillt zu gehen, stand einen Augenblick ratlos neben dem Tisch, an dem sie saß und kaute auf seiner Lippe herum. „Ich… lass dich dann mal weiterarbeiten…“, sagte er schließlich. Astoria widerstand dem Drang ihn zurückzuhalten, denn es brachte ja sowieso nichts. Sie senkte den Blick und presste die Lippen aufeinander.

Mit einem krachenden Geräusch flog die Tür zum Großraumbürobereich auf, sodass sie beide zusammen fuhren. Malcom, ihr IT-Spezialist, stand im Türrahmen. Er wirkte abgehetzt und gestresst. Er stützte sich auf seinen Oberschenkeln ab und keuchte kurzatmig, als sei er gerannt. Vermutlich hatte er mehrere Stufen der Treppe auf einmal genommen. „Unser Server - er ist abgestürzt! Ein Trojaner oder sowas. Alle Daten sind weg!“



Und da war es: das erste Donnergrollen, welches das herannahende Gewitter ankündigte.
Review schreiben