Wie Pech und Schwefel

von Cisco
GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
31.05.2019
13.11.2019
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„Dein Leben?“, erkundigte er sich in affektierter Überraschung. „Ich denke, du übersiehst da etwas, Liebes.“ Er trat lässig ein paar Schritte näher, doch natürlich wich sie zurück und stieß mit dem Rücken gegen die Tür, die sie gerade verschlossen hatte. „Es ist nicht allein dein Leben.“ Astoria wurde prompt wütend, falls sie das nicht ohnehin schon gewesen war. Die Art und Weise wir er sprach, signalisierte ihr, dass nichts an ihrem Leben, an ihr selbst, ihr gehörte. Sie war Teil des Systems, ein Rädchen im Getriebe – keine eigenständiges Wesen, das ein Recht auf Selbstentfaltung hatte. Die Erwartung an sie war klar: eine reinblütige, tadellose Ehefrau und bestenfalls Mutter mindestens eines Erben zu sein. Nicht mehr. Niemand fragte danach, was sie wollte, wer sie sich zu sein wünschte oder was sie dabei empfand, wie eine Schachfigur über das Spielfeld geschoben zu werden. Sie schloss die Augen, weil Tränen der Wut, der Ohnmacht und Ungerechtigkeit in ihren Augenwinkeln brannten und schüttelte den Kopf. „Ich habe ein Recht darauf, ich selbst zu sein.“, erwiderte sie und sah den Mann, der sie zurück in ihren goldenen Käfig schleifen wollte, wieder an. „Nein, das hast du nicht und das solltest du wissen. Du bist Reinblüterin, dein Blut, deine Abstammung ist von unbezahlbarem Wert. Dein Leben dient einem höheren Zweck. Es –“, sagte Draco eindringlich, aber Astoria unterbrach ihn. „Schwachsinn! Glaubst du dir eigentlich deine eigenen Märchen? – Oh warte, natürlich tust du das, denn du wurdest seit frühster Kindheit mit diesen Lügen indoktriniert. Für einen kurzen Moment dachte ich einmal, du wärst anders, ein selbstständig denkender Mensch, der verstanden hat, wie falsch dieser ganze Scheiß ist.“, gegen ihren Willen wurde sie immer lauter und schrie am Ende. „Aber du hast mich recht schnell eines Besseren belehrt.“

Es war immer dasselbe in diesen Familien. Ehen wurden vorteilhaft geschlossen, um Geld und Ruhm zu mehren und die Blutlinie zu erhalten. Astoria war keine Romantikerin oder träumte von der großen Liebe. Sie hatte auch tatsächlich angenommen, sie könnte sich fügen in ihre Rolle, die man ihr wie allen anderen Frauen aus ihren Kreisen zugedacht hatte. Aber mit jedem Tag in dieser funktionalen Gemeinschaft hatte sie gespürt, dass es sie auffraß. Dass Draco und sie einander nicht liebten konnte sie noch verkraften. Aber das stumpfe Dasein, das affektierte gehabe, die Selbstgerechtigkeit und die Sinnlosigkeit ihres Lebens würden sie auf Dauer in den Wahnsinn treiben. Darum hatte sie ihre Sachen gepackt und war geflohen. Ihr war es völlig egal, was die Malfoys oder ihre eigene Familie denken mochten. Eigentlich hatte es sie gewundert, wenn Draco ihre Abwesenheit überhaupt bemerkt hätte, aber natürlich kam er nun, um zurückzuholen, was in seinen Augen sein Eigentum war. Astoria konnte und wollte nicht hinnehmen, dass man sie nicht als Menschen betrachtete. „Astoria“, sagte er und maßlose Enttäuschung und ein Hauch Verachtung färbten ihre Stimme – vielleicht auch Ungeduld über ihre Weigerung sich seinem Willen zu beugen. „ich nahm eigentlich an, du wüsstest, wo dein Platz ist.“ Sie konnte nicht anders, sie lachte auf – freudlos. „Natürlich. Aber das kannst du vergessen, Draco Malfoy. Ich spiele nicht dein braves, devotes Frauchen.“, zischte sie.

„Wir haben einander etwas geschworen. Wir haben – du hast – Verpflichtungen.“, erwiderte er und seine Kiefermuskeln spannten sich an. „Ach darum geht es.“, schnaubte sie und faste sich an die Stirn. „Das war ja so klar. Selbstverständlich kommst du nicht her, weil dir an mir persönlich irgendwas gelegen wäre. Alles, was dich anzutreiben vermag, sind sowieso mal wieder deine persönlichen Befindlichkeiten!“ „So ein Unsinn.“, erwiderte er heftig. „Die Familie und ihr Fortbestand stehen im Vordergrund. Ihr Wohl ist die oberste Maxime, nach der auch du endlich handeln solltest!“ „Hör bloß auf. Du biegst dir deine Argumentation doch auch immer so, wie du sie gerade brauchst.“, keifte Astoria zurück. „Also vergnüg‘ dich einfach mit jemand anderem und lass mich in Frieden. Das wird dir doch nicht so schwer fallen, bei deinem Ego!“, rief sie aufgebracht. „Das kann ich nicht!“, schrie er zurück. Astoria legte den Kopf in den Nacken und lachte. An Dracos Schläfe pochte gefährlich eine Ader. Er biss die Zähne zusammen, sodass sie seinen Kiefer bis hier hin knacken hören konnte. „Du bist auf mich angewiesen.“, sagte sie, jedoch nicht schadenfroh, sondern bitter. Draco erwiderte nichts. „Na wenn das alles ist, was dich umtreibt…“, sagte sie leise. Astoria überbrückte die wenigen Schritte zwischen ihnen und zog ihn an seinem Kragen zu sich herunter.

„Was z…“, setzte er an, doch seinen restlichen Worte wurden erstickt, da Astoria ihre Lippen auf seine presste. Wenn er sie nur nervte, da er untervögelt war, würde sie eben etwas dagegen tun – in der Hoffnung, dass er sie dann in Frieden ließ. Doch Draco schob sie energisch von sich weg. „Was soll denn das?“, schnappte er aufgebracht. „Du gehst mir auf die Nerven und ich beabsichtige, dich loszuwerden.“, sagte sie ein wenig außer Atem, dann küsste sie ihn wieder. An seinem Gürtel zog sie ihn dichter an sich, um an demselben herumzufummeln bis er nachgab. Draco löste sich wieder von ihr, dieses Mal jedoch wenig resolut. „Astoria, nicht… ich…“, protestierte er, aber es war ihr vollkommen egal, was er zu sagen hatte. Sie wollte ihn nicht hören, nicht sehen und schon gar nicht mit ihm nach Hause gehen. Sie schubste ihn ein Stück durch den Raum, um ihn auf den nächsten Stuhl zu drücken. Doch statt sich weiter zu wehren, umschlang er ihre Hüfte und zog sie auf seinen Schoß. Halbherzig zerrten sie einander die Kleider so weit wie nötig vom Leib. Draco legte den Kopf in den Nacken und stöhnte auf, als sie sich auf ihn sinken ließ.

Widerwillig drang ein Stöhnen durch ihre zusammengebissenen Zähne, während sie mehr zänkisch als genüsslich ihr Becken wiegte. Es war nicht nötig ihm neben seinem Willen auch noch Genugtuung zu geben. Objektiv betrachtet, war er wirklich schön – nicht nur jetzt, da er erregt war und sich seine Lippen fast unnatürlich rot von seiner weißen Haut abhoben und seine Augen an die dunklen Wolken eines Sommergewitters denken ließen. Das änderte jedoch nichts daran, dass seinem Charakter hingegen jedwede Attraktivität abging. Ihr aufgezwungener Gatte schien sich an ihrer Bissigkeit jedoch nicht im Geringsten zu stören, sondern packte stattdessen ihr Hüften und zwang sie in seinen Rhythmus. Ihre Hände und Fingernägel gruben sich durch sein Hemd in seine Schultern und sie ließ unwillkürlich den Kopf in den Nacken fallen. Sie war so auf das Gefühl in ihrem Unterleib konzentriert, dass sie zu spät merkte, wie er seine Lippen über ihren Hals gleiten ließ und sich daran festsaugte. Dieser Mistkerl hatte doch nicht ernsthaft die Absicht, ihr eine Blessur zu verpassen, die niemand missinterpretierten konnte?!

Sie zischte und versuchte ihn von sich wegzuschieben, aber er umschlang ihre Taille mit beiden Armen und vergrub kichernd sein Gesicht an ihrem  Hals. „Hier geblieben.“, hauchte er, presste sie noch fester an sich und kam ächzend, während Astoria kurz schwarz vor Augen wurde, als auch sie der Höhepunkt erfasste. Sie fasste sich schnell wieder, kletterte geradezu fluchtartig von ihm und ordnete ihre Kleider wieder. Draco dagegen lehnte sich zurück und machte keine Anstalten, sich wieder zu kleiden. Sie beschloss seine Ambitionen nicht zu hinterfragen und ihn einfach zu ignorieren. Fast hatte sie den Raum wieder verlassen, umfasste schon die Klinke als seine Stimme doch noch hinter ihr ertönte. „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass es so einfach ist, oder?“ Seine Kleider raschelten, vielleicht zog er sich nun doch an, vielleicht erhob er sich vom Stuhl. Als sie sich umwandte, wirkte er jedenfalls tadellos, war einige Schritte herangetreten und hatte die Hände in den Hosentaschen vergraben. „Du bist meine Frau.“, sagte er nachdrücklich, als eröffne dies etwaige Ansprüche. „Und?“, schnappte sie immer noch giftig, vielleicht sogar kratzbürstiger als zuvor. Er lachte, was bei ihr das Fass zum Überkochen brachte. „Verpiss dich, Malfoy.“, zischte sie zornig. Er ging erstaunlicherweise nicht darauf ein, sondern erwiderte: „Denkst du, das funktioniert so? Du fickst mich und dann verschwinde ich wieder um… keine Ahnung… in ein paar Wochen wieder zu kommen?“ „Ist mir scheißegal, was du machst. Und wenn du zur Hölle fährst.“, fuhr Astoria ihn an und machte erneut Anstalten, den Raum zu verlassen, hielt aber inne, als sein Ton scharf wurde. „Du bleibst hier. Wir sind noch nicht fertig.“, entschied er. Sie wirbelte herum, wobei ihre Haare – ebenso wütend wie sie – durch  die Luft peitschten. „Das hast du nicht zu bestimmen.“, schnappte sie, riss die Tür auf und knallte sie hinter sich zu, bevor er reagieren oder sie zurückhalten konnte.
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