Wie Pech und Schwefel

von Cisco
GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
31.05.2019
13.11.2019
16
18370
8
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Dieses Kapitel
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Disclaimer: alle Charaktere gehören J.K.Rowling, der wundervollen Schöpferin von "Harry Potter" und Co.  <3


Herzlich willkommen zu dieser Fanfiction!
Ich update diese Geschichte - wie alle meine Projekte - unregelmäßig, aber konsequent. Der grobe Plan für den Verlauf steht, die wegweisenden Kapitel sind verfasst.

Über Rückmeldungen freue ich mich sehr :)
Aber genug gequatscht - viel Spaß beim Lesen!



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Für einen Moment schloss sie die Augen und streckte ihr Gesicht der kräftiger werdenden Frühlingssonne entgegen, während sie neben ihren Kollegen her schlenderte. Astoria sog die lauwarme Luft ein, in der sich die Gerüche unterschiedlicher, blühender Pflanzen mischten. Es war ihr erster Frühling in Irland und er zeigte sich bislang von seiner besten Seite. Irland war schön, grün und verkörperte für sie Freiheit. Es war ihr nicht schwer gefallen sich hier einzuleben und Fuß zu fassen. Seit das Wetter wieder besser wurde, zog es sie und ihre Kollegen immer häufiger in der Mittagspause nach draußen, wo sie Spaziergänge in der Sonne unternahmen oder es sich in einem Park gemütlich machten.

Durch puren Zufall hatte sie diesen wunderbaren Job in einer Werbeagentur bekommen, in der sie ihre Kreativität ausleben konnte. Zwar folgte daraus, dass ihre Kolleginnen und Kollegen Muggel waren, aber das störte sie nicht im Mindesten – tatsächlich hatte sie ihre Arbeitsstelle genau darum angenommen. Niemand wusste, wer sie war, woher sie kam und geschweige denn, dass sie eine Hexe aus einer reinblütigen Familie war. Das Team hatte sie von Beginn an herzlich aufgenommen und problemlos integriert. Oft kochten sie zusammen das Mittagessen oder saßen noch nach Feierabend bei einem Kaffee zusammen, um die Geschehnisse des Tages zu diskutieren. Wenn Astoria dann nach Hause kam, ihre gemütliche, kleine Wohnung mit großzügigem Balkon betrat, wurde sie zumeist freudig von ihrer Katze begrüßt, die sie nicht willentlich angeschafft, sondern die als blinder Passagier eigenmächtig mit eingezogen war. Unwillkürlich grinste sie bei der Erinnerung an ihre überraschende Entdeckung.

Als ihre Kollegin sich bei ihr einharkte, fuhr sie ein wenig zusammen. Astoria war von ihren Gedanken derart abgelenkt gewesen, das sie nicht mitbekommen hatte, wie Audrey sich genähert hatte. „Und, was denkst du? Wirst du mit ihm ausgehen?“, fragte sie schelmisch und zog dabei die Augenbrauen hoch. „Wie bitte?“, fragte Astoria. Audrey verdrehte die Augen. „Komm, tu doch nicht so. Wir alle sind nicht blöd. Dan steht sowas von auf dich!“, erwiderte ihre Kollegin, wobei sie jedoch glücklicherweise die Stimme ein wenig senkte. Immerhin ging Daniel Scott gleich hinter ihnen und unterhielt sich mit Natalie und Claudia über ihr aktuelles Projekt. Dennoch warf Astoria einen Blick über die Schulter zurück.

Astoria lächelte schwach. „Ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass ich mit ihm ausginge, falls er mich um eine Verabredung bitten würde.“, erwiderte sie. Audrey schüttelte Astorias Arm, den sie noch immer in Beschlag hatte. „Waas? Wieso denn nicht?!“, rief sie fast eine Spur zu laut. Die Antwort darauf war so simpel, aber dennoch wusste Astoria nicht, wie sie diese ihrer Kollegin begreiflich machen sollte. Audrey könnte es nicht verstehen. Bevor sie etwas sagte, atmete sie tief ein, um sicher zu gehen, dass sie ihre Stimme unter Kontrolle haben würde. „Ich gehe grundsätzlich nicht mit Kollegen aus.“, gab sie dann zur Antwort, was Audrey wieder dazu veranlasste, die Augen zu verdrehen. „Das ist ein blödsinniger Grundsatz. Ich hoffe, dass dir das bewusst ist.“, schimpfte sie. „Dan ist so ein lieber Kerl. Sicher würdet ihr euch wunderbar zusammen machen.“ Astoria ersparte es sich selbst, ihr darauf eine Antwort zu geben. Anstelle dessen begnügte sie sich mit einem unverbindlichen Lächeln und ließ ihren Blick schweifen. Sie hatten das Bürogebäude nun wieder erreicht.

Astoria nutzte die Gelegenheit, um sich aus Audreys Umklammerung zu lösen und vorzutreten, um den anderen die Türe zu öffnen. Ihr war ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Kolleginnen und Kollegen zweifelsfrei sehr wichtig, dennoch musste sie einen gewissen Abstand wahren. Wie sollte sie sonst ihre magische Identität vor ihnen verbergen? Audrey war eine herzliche, allerdings bisweilen etwas aufdringliche Person, die es zu ihrer eigenen Mission gemacht zu haben schien, ihre befreundeten Kollegen an Partner zu vermitteln. Natalie hatte erzählt, dass sie seit ihrer Eheschließung vor einem Jahr auf Wolke sieben schwebte und allen anderen nun die Heirat als Allheilmittel zu verschreiben gedachte.

Die Luft im Inneren des Gebäudes war angenehm kühl, sodass man auch im Sommer problemlos hier arbeiten konnte. Astoria folgte ihren Kollegen, stieg in den Aufzug und betrat schließlich mit den anderen ihr gemeinsames Co-Working-Space – eine moderne Version des althergebrachten Großraumbüros. Der Raum war tatsächlich sehr einladend gestaltet: es gab Einzel- Arbeitsplätze, einen großen Besprechungstisch, gemütliche Sofas und Sessel, eine Küche mit einer Siebträgermaschine und einem elektrischen Herd. Überall war Parkett ausgelegt, die Wände waren weiß, es gab viele saftig grüne Pflanzen und insgesamt glich ihr Arbeitsplatz mehr einem Wohnzimmer, denn einem Büro. Sie fühlte sich wohl hier und liebte ihre Arbeit. Heute hatte sie sich, da sie an einem wichtigen Projekt beschäftigt war, einen der einzelnen Arbeitsplätze, die von den anderen jeweils etwas räumlich separiert waren, ausgesucht. Sonst zog sie es vor, mit einem Laptop auf dem Schoß in einem der Sessel zu hocken und im Schneidersitz zu arbeiten.

„Hey, hey, hey.“, machte Claudia mit unverhohlener Bewunderung in der Stimme. “Wer ist denn der?” Die Aufmerksamkeit der Gruppe richtete sich auf einen Mann. Auch Astoria hob den Blick und erstarrte. Sie erkannte ihn – natürlich. Natalie pfiff leise zwischen den Zähnen hindurch. „Wow, den hat wohl Gott persönlich aus einem Eisblock gemeißelt.“ Nicht ihre Worte allein, sondern auch ihre Stimmlage verrieten, dass ihr der in Rede stehende Mann ganz offensichtlich gefiel. „Wenn mich nicht alles täuscht, steht er an deinem Arbeitsplatz und wartete auf dich, Astoria.“, quietschte Audrey in einem erbärmlichen Versuch nicht indiskret zu sein. „Kennst du ihn?“, fragte Dan unsicher, während sich das kleine Grüppchen ihrem Schreibtisch näherte. „Ja.“, sagte Astoria und war erschrocken, wie schwer ihre Stimme klang. Jeder Schritt fühlte sich an, als versuche sie zwei gleich gepolte Magnete aufeinander zuzubewegen – der Widerstand wurde immer größer.

„Er ist mein Ehemann.“, ergänzte sie, da ihre Kollegen auf eine Erklärung warteten. Die Worte waren ein hoffnungsloses Ausstoßen der Luft, weniger noch als ein resigniertes Seufzen. Aus dem Augenwinkel registrierte sie, dass sich ihre drei Begleiter fast den Nacken verrenkten, unentschlossen, ob sie nun Astoria oder ihren ominösen Ehemann schockiert anvisieren sollten. Soweit Astoria das beurteilen konnte, wirkte er genau wie immer. Sein maßgeschneiderter, schwarzer Anzug saß wie angegossen, das hellblonde Haar war seitlich gescheitelt und vermeintlich lose nach hinten gekämmt, die winterlichen Augen frostig und leidenschaftslos auf sie fixiert. „Wir müssen reden.“, begrüßte er sie, bevor Astoria und ihre Begleitungen den Schreibtisch vollends erreicht hatten.
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