Weiße Lilien

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
30.05.2019
26.03.2020
30
58940
23
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Liebe begeisterte Leser und Leserinnen,

ich melde mich endlich aus meiner kreativ – schöpferischen Schreibpause zurück.

Ich hoffe, es geht Euch allen, aufgrund der momentanen schwierigen und nur schwer auszuhaltenden Situation, das Coronavirus betreffend, gut und keiner von Euch ist davon persönlich betroffen. #bleibtgesund #bleibtzuhause

Mittlerweile läuten wir auf der Lilien – Reise die 30-er Kapitel ein! Eine wahrlich erstaunliche und erfreuliche Nachricht, die ich beim Niederschreiben der ersten Wörter nie für möglich gehalten habe, wenn man bedenkt, dass „Weiße Lilien“ ursprünglich nur als 8 bis 10-teilige Geschichte angedacht war.

Ich bedanke mich in jedem Fall über das rege Interesse an dieser Geschichte und bei allen Feedbackschreibern. Ihr seid der Grund, weshalb diese FF mitunter manchmal noch den einen oder anderen extra Schlenker mitnimmt und es vielleicht sogar in geraumer Zukunft noch eine Fortsetzung der Blümchen geben könnte. Versprechen kann und möchte ich allerdings nichts und bis dahin ist es ja ohnehin noch ein ganzes Stückchen.

Und nun, wollen wir doch mal schauen, wie es Boris im ersten Teil von seiner allerersten Therapiestunde so ergehen wird. Seid Ihr bereit?

Herzlichst, Eure mon cherrie

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„Wollen wir?“, beruhigend streichelte Tobias über Boris´ Handrücken. Dieser nickte leicht, die leere Kaffeetasse in der Hand haltend und den kreisenden Kaffeesatz anstarrend. So paradox es auch klingen vermochte, aber dieses dunkle, krümelige Zeug beruhigte Boris ungemein. Schob alle beängstigenden Gedanken an das jetzt unmittelbar Bevorstehende beiseite und ließ das ungute Bauchgrummeln verstummen. Naja, zumindest etwas leiser werden. Langsam erhoben sie sich aus den gemütlichen Korbstühlen und gingen dicht nebeneinander die paar Schritte zur Praxis. Boris´ ganz persönlicher Gang nach Canossa und so griff er, haltsuchend, nach Tobi´s Hand. „Es wird alles gut. Mach dir keinen Kopf, zusammen stehen wir das schon durch.“, beschwichtigte Tobias ihn und zog Boris in eine aufmunternde Umarmung. Und schon wieder strahlte Tobi so eine unerschütterliche Ruhe und Zuversicht aus, sodass sich diese ein klitzekleines bisschen gleichermaßen auf Boris übertrug. Manchmal fragte sich Boris wirklich, ob Tobias nicht doch ein Wesen aus einer anderen Welt sei. So engelsgleich und sanftmütig, geduldig bis zum Himmel und zurück, unerschütterlich positiv und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Tobi?“, nervös schaute Boris in die ihm liebsten braunen Augen. „Hm?“. „Schaff ich das? Ich… ich… krieg keine Luft mehr.“, stammelte er und schnappte hilferingend nach Luft. „Du hyperventilierst. Es ist alles gut. Komm, atme ganz ruhig ein und schön langsam wieder ausatmen. Einatmen und langsam ausatmen.“. „Das machst du prima, Boris. Es ist alles in Ordnung. Du brauchst keine Angst haben. Ich bin bei dir und das bleibe ich auch. Das verspreche ich dir. Indianerehrenwort.“, ermutigte Tobi seinen vollkommen nervlich am Ende stehenden Freund. Dieser schluckte nur schwer und vergrub sein Gesicht in Tobias´ Halsbeuge. ´Wegbeamen oder die Zeit vordrehen, dass wär´s jetzt.´, seufzte Boris gedanklich und spürte die Last mehrerer Zentner auf seinen Schultern. Drohte unter dieser Last zusammen zu sacken, wenn er auf seine, wie Espenlaub, zitternden Knie achtete. „Komm, lass uns reingehen. Es ist gleich 14 Uhr und du möchtest doch sicher einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als Boris, der pünktlicher ist, als jede Bahnhofsuhr. Avanti, Avanti, Senior.“; versuchte Tobi betont locker zu scherzen. „Deutsch, italienisch und spanisch in einem einzigen Satz? Uh, du Sprachgenie. Muss ich mich in Acht nehmen?“. „Oh no, you didn´t. But can we go now? If we don´t do this, we´re coming too late. And that´s not really professionell, Mister Saalfeld. So look, it´s three minutes for three pm.”, gab Tobias zum Besten und Boris verdrehte nur die Augen, bevor sie dann doch endlich mal, und auf den letzten Drücker, die Praxisräumlichkeiten von Herrn Jacobi betraten.

Nach einem kurzen, unauffälligen Nicken, weil die Sprechstundenhilfe telefonierte, nahmen sie Beide im Wartebereich Platz. Angespannt ließ Boris seinen Blick wandern und ihm fiel das gediegene, ruhige Flair auf. Um nicht vollends durchzudrehen, blickte er die Deckenleuchte an und umklammerte mit festem Griff Tobias Hand, während seine Füße auf und ab wippten. „Herr Saalfeld, bitte.“, hörte er da plötzlich seinen Namen und schaute in das Gesicht, das ihn da soeben angesprochen hatte. Ein älterer, ergrauter Herr mit Brille auf der Nase stand vor ihm. Das dürfte dann wohl Manfred Jacobi, der Therapeut, sein. „Kommen Sie herein, gerne auch zusammen mit ihrer Begleitung. Darf ich Ihnen einen Tee oder ein Wasser anbieten?“, bat Herr Jacobi seinen neuesten Patienten mit freundlicher, aber tiefer Stimme. ´Wie mein Brummbär aus Kindertagen, wenn ich ihn vom liegen aufgesetzt habe.`, schoss es Boris direkt durch den Kopf. „Ja, danke. Ich würde ein Wasser nehmen.“, unterbrach Tobias seine Gedanken. „Und für Sie auch etwas, Herr Saalfeld?“. „Ähm, nein. Aber, danke.“. Nachdem der Therapeut Tobias etwas Mineralwasser in ein Glas geschüttet und es diesem gereicht hatte, setzte er sich auf seinen ledernen Schreibtischdrehstuhl. Boris hatte in dem schwarzen Ledersessel, an dem kleinen Tisch, ein paar Meterchen weiter Platz genommen. Tobias auf dem daneben stehenden Hocker ebenfalls und beruhigend seine Hand haltend. „Ich bräuchte bitte einmal Ihre Krankenversichertenkarte zum einlesen.“. Boris schluckte leise. Diese Situation hier, war ihm so furchtbar unangenehm. Er fühlte sich schon jetzt, wie ein ängstlich quiekendes Schwein auf dem Weg zum Schlachter. Hastig und mit schweißnassen, zitternden Fingern zog er sein Portemonnaie aus der hinteren Gesäßtasche und hatte seine liebe Mühe und Not, dass Teil auch aufzubekommen, um das geforderte Chipkärtchen zu Tage zu befördern. Unsicher, ob er es hinreichen oder nicht doch lieber wieder zurück stecken und die Biege machen sollte, musterte Boris kurz das kleine, viereckige Plastikkärtchen, bevor er die Zähne zusammenbiss und es Herrn Jacobi reichte. „Vielen Dank.“. Während der grauhaarige Herr die Chipkarte ordnungsgemäß, im dafür vorgesehenen Kartenlesegerät einlas, nahm Boris schließlich doch ein paar große Schlucke Wasser aus Tobi´s Glas, denn seine Mundhöhle war mit einem Male staubtrocken, wie die Sahara. Dabei blickte Boris erneut zu Tobias, welcher für ihn sein einziger sicherer Hafen, in dieser Situation, war. Dessen bestärkendes Nicken und ehrliches Lächeln gaben ihm sofort ein Stück innere Ruhe zurück. Dankbar lächelte Boris seinen Freund an und zum wiederholten Male fragte er sich, wie der da oben es nur so dermaßen gut mit ihm meinen konnte und ihm gleich zweimal einen Engel auf die Erde schickte. Erst Mo und jetzt Tobias.

„Wie geht es Ihnen denn gerade im Moment, Herr Saalfeld?“, wollte Herr Jacobi, nach weiteren obligatorischen, bürokratischen Abhandlungen zu Beginn einer jeden Therapie, von Boris wissen. Tobias bemerkte, wie sein Freund mit seiner Antwort haderte, untersagte es sich´s aber für Boris Wort zu ergreifen und schenkte ihm lieber mentalen und körperlichen Beistand. ´Sag einfach, dass alles paletti ist, kann er doch eh nicht nachprüfen! Sonst kannst du gleich heute noch die Hosen runterlassen. Willst du das?´, flüsterte sein Herz. ´Oh nein, Lieber. Du sagst die Wahrheit, flunkern konntest du noch nie überzeugend. Na, los. Mach schon. Wahrheit, Wahrheit, WAHRHEIT!´, mahnte der Verstand und Boris schloss kurz überfordert die Augen, was sowohl Tobias, als auch Herrn Jacobi nicht entging. „Mittelweg.“, flüsterte Boris, nach ein paar Sekunden, mehr zu sich selbst, als für die anderen noch vier zuhörenden Ohren. „Haben Sie etwas gesagt?“, hakte der Therapeut nach. „Wie es mir geht? Tja, was soll ich sagen? Ich bin nervös und unsicher. Habe keine Ahnung, was mich erwartet. Habe schwitzige Hände und zitternde Knie. Bin überfordert, sogar so sehr, dass ich heute Morgen vor lauter Nervosität kaum etwas gefrühstückt habe. Also, nein, ich schätze mir geht es gerade nicht besonders prickelnd.“, offenbarte Boris seinen Wirbelsturm an Emotionen, welcher ihm gerade arg zu schaffen machte. „Ja, das ist mehr, als verständlich. Sie waren noch nie in einer Gesprächstherapie, habe ich Recht?“. „Ja, stimmt. Aber, bisher gab es auch nie einen Anlass für einen solchen Schritt. Doch, seit jenem schwarzen Tag in meinem Leben ist eben nichts mehr, wie es war. Auch, wenn ich jetzt privat wieder glücklich bin…“, liebevoll, aber auch einen Hauch traurig und sich mit bildenden Tränen in den Augen blickte Boris zu Tobias neben sich, direkt in dessen Augen, „…der Verlust und Schmerz darüber bleibt. An manchen Tagen kann ich mittlerweile ganz gut damit umgehen und schaffe es nach vorne zu schauen und an anderen wiederum überrollt es mich gnadenlos. Und darüber zu sprechen macht es für mich auch nicht leichter. Genau aus diesem Grund, ach egal. Vergessen Sie´s.“. Betrübt schaute Boris auf den Boden, schniefte und schnaubte in ein Papiertaschentuch, während alles Verdrängte, in Form von Tränen, wieder aus ihm herausbrach.
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