NCIS:LA - Russische Eier

von Bendragon
GeschichteRomanze / P12
G. Callen OC (Own Character)
30.05.2019
26.06.2019
2
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Russische Eier

Malgorzatta war erstaunt, wie schnell das Glücksgefühl wieder verschwunden war.
Eigentlich war sie sogar ziemlich entsetzt darüber.
Es geschah genau in dem Moment als sie nach oben ins Schlafzimmer kam und den riesengroßen Fernseher schräg am Fuß des Bettes sah.
Sie wusste sofort, dass die Idee, einen Fernseher im Schlafzimmer zu haben, nicht von Grisha kam.
Er war kein Freund von so was!
Unter normalen Umständen wäre sie begeistert gewesen.
Vor Annas Zeit war Grisha strikt dagegen gewesen einen Fernseher im Schlafzimmer aufzustellen. Er hatte ihr nicht viele Bitten verwehrt, aber dagegen hatte er sich ihr gegenüber deutlich ausgesprochen!
Jetzt machte es ihm offenbar nichts mehr aus!
Aber ihr!
Grisha hatte sie zum Abendessen ausführen wollen, an ihrem ersten Abend zurück in Los Angeles, aber Malgorzatta wollte nicht aus dem Haus.
Hatte sich seit dem Morgen, seit ihrer Abreise in Washington vorgestellt, wie sie gemütlich mit ihm im Wohnzimmer sitzen würde, im Halbdunkeln, das Fernsehprogramm an sich vorbei flimmern lassen, so wie früher.
Vor zwei Monaten hatte sie sich das noch sehnlichst gewünscht.
Doch es war nichts mehr wie früher.
Jetzt entdeckte sie in jedem Raum Spuren von Annas Anwesenheit, glaubte beinahe geradezu, ihr Parfüm überall riechen zu können, obwohl sie ihr nie persönlich begegnet war.
Sie konnte einfach an nichts anderes denken, als dass Anna und Grisha in jedem Raum Zärtlichkeiten ausgetauscht hatten.
Von Minute zu Minute schien es ihr unerträglicher, hier zu sein.
Für Grisha tat es ihr leid.
Er gab sich wirklich alle erdenklich Mühe, ihr ihre Rückkehr hierher so angenehm wie nur möglich zu gestalten.
Er umsorgte sie rührend, aber Malgorzatta ging das ganz schnell auf die Nerven weil sie ein so schlechtes Gewissen ihm gegenüber hatte.
Vermutlich – so überlegte sie, als sie schließlich im Bett lagen – wäre es besser, wenn sie sich erstmal eine kleine Wohnung nahm. Allein.
Sie brauchte Abstand.
Sie brauchte wieder einen Alltag mit Grisha.
Grisha lag neben ihr und schlief.
Schnarchte sogar leise.
Sie wusste nicht, ob er etwas von ihren Zweifeln gemerkt hatte.
Doch selbst jetzt kam sie nicht zur Ruhe.
Es war auch noch immer das alte Bett.
Das bedeutete, dass Anna hier auch gelegen, geschlafen hatte.
Dass Grisha hier mit ihr geschlafen hatte.
Hier hielt sie es keine Minute länger aus!
Hastig, wie angewidert, schlug sie die Bettdecke zurück und sprang beinahe aus dem Bett.
„Mali!“
Grisha wurde wach und Malgorzatta spürte, dass er suchend nach ihr tastete.
„Was ist?“
Seine Stimme klang verschlafen und besorgt.
Malgorzatta atmete tief ein.
„Tut mir leid, Grisha! Ich kann hier nicht schlafen! Hier hat Anna gelegen!“
Es kam feindselig heraus.
Das hatte sie nicht gewollt!
Sie hörte Grisha tief ausatmen.
Er tat ihr leid.
Schließlich hatten auch ihm die letzten Wochen zugesetzt.
Aber sie konnte hier nicht mehr so einfach zur Tagesordnung übergehen.
Grisha schlug die Bettdecke beiseite und stand auf.
Er kam um das Fußende des Bettes herum zu ihr, legte einen Arm um ihre Schultern.
„Tut mir leid!“ meinte er und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Ich habe da nicht drüber nachgedacht! Sollen wir in ein Hotel fahren?“
Seine Stimme klang müde.
Seine ganz Haltung, wie er gegen sie lehnte, wirkte matt und erschöpft; Malgorzatta kannte es noch von ihm.
Sie wollte ihm nicht noch mehr Umstände bereiten.
„Nein.“
Sie schmiegte sich ein wenig an ihn, legte ihren Arm um seine Taille.
„Ich gehe ins Gästezimmer!“
„Mali.“
Grisha seufzte leicht.
Er wandte sich ihr zu, legte seine Hand an ihre Wange und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.
Malgorzatta erstarrte fast unter seiner Berührung.
Im Laufe des Abends hatte es sich entwickelt, dass sie seine Berührung kaum noch ertrug.
Anna mochte physisch verschwunden sein, rein psychisch stand sie kompakter zwischen Grisha und ihr als eh und je!
Konnte es wirklich sein, dass sie nicht mehr von dem Mann berührt werden wollte mit dem sie so viel durchgemacht hatte?
Früher hätte sie ihn bedenkenlos mit ihrem Leben verteidigt.
Sie war sich nicht sicher, ob sie es heute noch tun würde!
„Es tut mir so leid! Ich dachte, es wäre wieder alles gut! Ich hatte gehofft ... Anna wäre kein Thema mehr!“
„Für mich fühlt es sich so an, als wäre Anna noch lange ein Thema zwischen uns!“ gab Malgorzatta zurück. Es kam schneller, härter heraus als sie es beabsichtigt hatte.
So eben konnte sie im Halbdunkeln erkennen, wie Grisha den Kopf senkte.
Aber wenn sie mit all dem klar kommen wollte, kam sie im Moment nicht drumherum, ihr Wohl über das seine zu stellen!
„Reden wir morgen darüber, Grisha, ja?“ bat sie ihn, bemüht, ihre Stimme sanft zu halten.
„Du bist müde, ich bin müde, ich gehe jetzt einfach ins Gästezimmer schlafen und morgen sehen wird weiter, hm?“
„Wir werden ein neues Bett kaufen!“ gab Grisha zurück und küsste sie noch mal.
Malgorzatta ließ es geschehen.
Verkniff sich die Bemerkung, dass er am Besten ein neues Haus kaufen würde!
„Werden wir dann alles sehen, Grisha!“ gab sie zurück und strich mit der Hand leicht über seinen Rücken.
„Ich gehe `rüber.“
Sie ließ ihn stehen und verließ dann das Schlafzimmer, ging über den Flur zum Gästezimmer.
Als sie Grisha verlassen hatte, war das Gästezimmer noch nicht fertig gewesen.
Sie hatten bloß ein Bett hinein gestellt, falls `mal jemand bei ihnen übernachten wollte.
Malgorzatta war entsetzt, was daraus geworden war.
Der kleine Raum war vollgestellt mit Kartons.
Mit Kartons mit ihren persönlichen Sachen.
Sie hatte damals nur wenig mitnehmen können nach Washington.
Jetzt hatte sie augenblicklich die Vision, wie Anna all ihre Sachen zusammenraffte, in die Kisten stopfte und diese genüsslich, eine nach der anderen, über den Flur schleifte und ins Gästezimmer bugsierte.
Sie würde sich später damit beschäftigen.
Jetzt war sie zu müde und das Gästebett sicher einer der wenigen Plätze im Haus, an denen sich Anna nicht aufgehalten hatte.
Es war noch immer dieselbe Bettwäsche drauf, die sie aufgezogen hatte.
Das Bett wirkte unbenutzt nachdem sie die Tagesdecke abgezogen hatte. Es roch muffig.
Dennoch schlüpfte sie unter die Decke nachdem sie das Fenster auf Kippe
gestellt hatte.
Jetzt fühlte sie sich besser, beruhigter.
Tatsächlich schlief sie schnell ein.

Malgorzatta wurde wach durch das Klappen einer Tür.
Sie kannte es noch immer.
Es war das Zuziehen der Haustür.
Dennoch wusste sie sekundenlang nicht, wo sie hier war, wieso sie es hörte.
Mehr instinktiv schoss sie aus dem Bett hoch, eilte zum Fenster, das nach vorne hinaus ging, und sah Grisha in Laufkleidung die langen Stufen vor dem Haus, durch den Vorgarten gehen.
Sie musste lächeln.
Seine morgendliche Laufrunde.
Offenbar absolvierte er sie immer noch.
Und er sah gut aus für sein Alter von mittlerweile fast Fünfzig.
Er trug Shorts und unter seinem weiten Shirt wölbte sich ein nur ganz kleiner Bauchansatz.
Sicher, seine grauen Barthärchen waren mittlerweile unübersehbar, aber in seinem Haupthaar waren sie nur ganz vereinzelt.
Und er benutzte seine Lesebrille nur wenn es gar nicht anders ging.
Andere Männer in seinem Alter verbrachten ihre freie Zeit nur noch auf der Couch.
Er war noch immer ein Schuss.
Deswegen konnte sie ihre momentanen Gefühle gar nicht verstehen.
Sie war überglücklich gewesen als Grisha in Washington aufgetaucht war um sie zu bitten, zu ihm zurück zu kommen.
Nie hatte sie sich im Leben etwas sehnlicher gewünscht.
Deswegen kam sie jetzt mit ihren Zweifeln an ihm so gar nicht zurecht!
Langsam ging sie hinab in die Küche.
Setzte Wasser für Tee auf.
Das Geschirr war noch dasselbe.
Fremde Teesorten standen im Schrank.
Kaum Lebensmittel in den Schränken, kein Wunder, Grisha war fast zwei Monate bei ihr in Washington gewesen.
Sie mussten einkaufen.
Lohnte sich das noch?
Sie ging langsam durch die Räume im Untergeschoss.
Die schöne helle moderne Küche mit der Tür zum Garten.
Er sah gepflegt aus, die Gartenmöbel, zwei Liegen, zwei Stühle, ein Tisch, waren neu.
Grisha war kein Gärtner, nicht mal jemand, der gerne draußen herumsaß.
Das Eßzimmer über den Flur war erstaunlicherweise noch immer ohne Tisch und Stühle.
Anna schien andere Prioritäten gehabt zu haben.
Sie musste vielleicht aufhören, ständig an sie zu denken, sie sich ständig in diesem Haus vorzustellen.
Malgorzatta hörte ein Geräusch an der Haustür.
Als sie ins Wohnzimmer trat sah sie Grisha hereinkommen.
Verschwitzt, atemlos.
„Oh, Du bist schon auf!“ meinte er als er zu ihr kam.
„Ich wollte Dich eigentlich mit einer Tasse Tee wecken!“
Er beugte sich zu ihr hinab und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.
Malgorzatta störte nicht, dass er nach Schweiß roch, nassgeschwitzt war.
Im Moment störte sie gar nichts.
Aber es war auch nicht so, als fühlte sie sich jetzt unbedingt angezogen von ihm, so wie früher! Nein, sie konnte da ganz neutral mit umgehen!
„Danke. Das ist lieb von Dir! Vielleicht kommst Du ja morgen dazu! Wir müssen einkaufen.Wir haben gar ... „
Es klingelte.
„Geh'!“
Grisha schob sie mit einer Handbewegung weiter zurück ins Wohnzimmer und wandte sich dann zur Tür.
Er öffnete sie nicht, blieb dahinter stehen.
„Wer ist da?“
„Ich komme von Mister Kolchec! Ich soll etwas abgeben!“
Grisha öffnete die Tür.
Malgorzatta sah, wie er einen großen Strauß Blumen entgegen nahm und eine rechteckige Schachtel mit einer dicken blaßrosa Schleife.
Er dankte und schloss die Tür.
Malgorzatta stellte ihre Tasse beiseite und ging zu ihm.
Grisha reichte ihr Beides.
„Ist für Dich!“ meinte er mit einer raschen Kopfbewegung zu dem kleinen Umschlag, der am Cellophan des Straußes befestigt war.
Ihr Name stand darauf.
Malgorzatta nahm Beides verwundert.
Sie legte es beiseite, griff zu dem Umschlag und öffnete ihn, zog die kleine Karte heraus.
' Es tut mir alles sehr sehr leid ... Arkady' las sie.
Für einen Moment wurde ihr Hals eng.
„Von Arkady!“ meinte sie zu Grisha, der sie aufmerksam ansah.
Malgorzatta öffnete zum Deckel der Schachtel und öffnete sie.
Eine ganze Lage dunkler, exquisit aussehender Pralinen lachte sie an.
Trotz der frühen Uhrzeit lief ihr das Wasser im Mund zusammen.
Schokolade ging immer!
Grisha hob mahnend den Zeigefinger, falls es sie jetzt überkommen sollte.
Er griff zu seinem Telefon, rief Arkady an und vergewisserte sich bei ihm,
dass er ihr die Sachen wirklich geschickt hatte.
Schließlich nickte er ihr zu.
Malgorzatta schloss die Schachtel dennoch wieder, ging zu Grisha und streckte die Hand nach dem Telefon aus.
Grisha reichte es ihr.
„Arkady? Ich bin es, Malin! Ganz lieben Dank für Deine Aufmerksamkeiten! Es ist gerade angekommen und ich freue mich sehr! Danke schön!“
„Keine Ursache.“ hörte sie Arkadys dunkle Stimme am anderen Ende.
„Es tut mir sehr leid, was da alles passiert ist ... mit Anna. Ich bin ganz ehrlich, ich habe den Gedanken geliebt, G als Schwiegersohn zu haben! Aber ich wollte nie, dass Du dafür leiden musst! Aber Anna ... sie hatte schon immer ihren eigenen Kopf!“
Malgorzatta musste schlucken.
„Danke Arkady! Das ist sehr nett von Dir!“
„Und wie geht es Dir jetzt?“erkundigte sich Arkady weiter.
„Ganz gut!“ log Malgorzatta weil Grisha noch mit im Raum war.
„Ihr müsst mich unbedingt besuchen kommen!“fuhr Arkady fort.
„Ich denke, wir haben eine Menge zu besprechen!“
„Das ist nett!“ gab Malgorzatta zurück.
„Wir melden uns, Arkady, ja? Wir haben erst noch einiges zu erledigen!“
„Okay, Malin!“ erwiderte Arkady.
„Pass' gut auf Dich auf, Mädchen, ja?“
„Danke Arkady!“ erwiderte Malgorzatta.
Sie beendete das Gespräch und sah zu Grisha.
In diesem Moment klingelte das Telefon in ihrer Hand.
Rasch reichte sie es Grisha.
Er nahm den Apparat und meldete sich.
„Ja? Hetty! Guten Morgen! Alles gut, danke!“
Er hörte ihr für einen langen Moment zu.
„Ja, ist gut! Bis nachher!“
Er beendete das Gespräch und sah sie dann an.
„Hetty hat mich darum gebeten, dass wir in einer Stunde bei ihr sein sollen!“
„Warum?“ fragte Malgorzatta verdutzt.
„Ich weiß es nicht.“ gab Grisha zurück.
„Sie will etwas mit uns besprechen!“
Malgorzatta nickte.
„Gut. Dann mache ich mich fertig.“
Sie wollte sich abwenden, doch Grisha machte die wenigen Schritte in ihre Richtung.
Seine Hand streichelte über ihren Arm während er sie rasch küsste.
„Alles in Ordnung, Mali? Hast Du geschlafen?“
Malgorzatta nickte.
Sie war ungeduldig und bemüht, es sich nicht anmerken zu lassen.
Sie wollte nicht hier mit ihm stehen.
„Ja, danke Grisha!“
Sie merkte nur allzu deutlich, dass er nun erwartete, dass sie sich bei ihm erkundigte, wie er geschlafen hatte.
Doch sie brachte es nicht über die Lippen.