Vincent

von naischel
OneshotRomanze / P12 Slash
Florian David Fitz
30.05.2019
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Vincent
ein Florian David Fitz OneShot
Special Guest: Sarah Connor

-Quelle/inspiriert/enthält Textstellen von Sarah Connor `Vincent`& ‘Hör auf deinen Bauch‘


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Ich sitze schon wieder in irgendeiner freitagabendlichen Talkshow und bemühe mich um ein Lächeln. Die heutige Runde besteht aus einer erfolgreichen Autorin, einem Schauspielkollegen, einem Sportler, zwei Politkern, sowie zwei Comedians und der Sängerin Sarah Connor, die gerade auf die Bühne geht um ihrem neusten Hit Vincent anzustimmen.

Sobald die ersten Töne erklingen, bin ich völlig gebannt. Ich muss gestehen, ich höre ihn heute Abend zum ersten Mal. Sie lächelt mir zu und ich fühle mich wie im falschen Film. Schaut sie gerade wirklich nur mich an? Mein Herz rast.

„Er denkt nur an ihn, und an den Tag als er ihn zum ersten Mal sah“ singt sie liebevoll und ich fühle mich irgendwie beklommen und ertappt. Ich denke an ihn und tatsächlich an den Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal sah. Das ist zig Jahre her, im englischen Garten. Eine gemeinsame Freundin war mit ihm unterwegs und wir haben uns zufällig getroffen. Es hat sofort klick gemacht. Ich wusste er ist es, der Eine. Unsere Freundin Hanni hat es dann tatsächlich geschafft uns zu verkuppeln. Vor zwei Jahren hat sie uns dann in einer heimlichen Zeremonie getraut. Es ist nichts amtlich oder irgendwo vermerkt. Dennoch zählt es für mich, er ist mein Mann, ich bin seiner. Es war geheim, ist geheim. Unsere Liebe ist ein gut behütetes Geheimnis und nur ein kleiner ausgewählter Kreis weiß über uns bescheid. Jetzt sitzt mein Mann im Publikum und schmunzelt. Selbst in dem schummrigen Licht kann ich es erkennen. Seine Augen finden mich und er lächelt mich voller Liebe an. Verdammt. Ich hab das Gefühl von Millionen Schmetterlingen in meinen Bauch. Er hat selbst nach all den Jahren immer noch diese Wirkung auf mich. Berührt er mich, steht mein ganzer Körper in Flammen und mein Verstand setzt buchstäblich aus.

Sarah lächelt und singt weiter über die Liebe. So gefühlvoll, so echt. Ich sehe meinen Mann an, seine Augen brennen sich in meine. Ich weiß was er denkt, was er fühlt. Er möchte dass ich endlich zu ihm stehe, aber ich kann nicht. Ich habe Angst, Angst um uns, unsere Zukunft. Ich bin einer von Deutschlands beliebtesten Schauspielern, Schwiegermutters Darling, ein sogenannter Frauenschwarm, wie es die Klatschpresse so schön schreibt.

Dabei bin ich nicht der, der ich hier vorgebe zu sein. Ich bin verliebt, wie am ersten Tag. Es ist eine verbotene geheime Liebe. Ich wünschte ich wäre wie Vincent und könnte mein Glück, meine Gefühle so einfach in die Welt hinaus schreien, aber das geht nicht. Image ist alles. Ich darf mir das einfach nicht versauen. Millionen Frauen sind verrückt nach mir, haben sich die Zähne ausgebissen an mir, dem Longtime Single. Fuck. Ich liebe ihn. Seit Jahren schon. Der Presse verkaufe ich ihn als „Kumpel“, mit dem ich eben abhänge, aber in Wirklichkeit ist er soviel mehr. Er ist die Liebe meines Lebens, mein Seelenverwandter, mein Spiegel, mein Liebhaber, mein Berater und allen voran mein bester Freund. Er war mir nach Hannis Tod eine große Stütze. Meine Hanni, ich vermisse sie unglaublich. Sie hat mir immer wieder eingebläut dass es egal ist was andere denken, solange man selbst glücklich ist. Privates ist privat. Jetzt ist sie fort und sie fehlt mir. Wie oft haben wir zusammen gesessen, Wein getrunken und über das Leben philosophiert. Wie oft habe ich ihr erzählt, dass ich es satt habe ständig so zu tun als wäre ich hetero, würde auf die Eine warten beziehungsweise nach ihr suchen, obwohl ich sie oder eigentlich ihn doch schon längst gefunden habe.

Sarah stimmt ihren nächsten Hit an ´Hör auf deinen Bauch`- wie passend.

„Hallo Hallo – hör auf deinen Bauch- Hallo Hallo - mach mich mal laut“, singt Sarah und wieder schaue ich meinen Schatz an, der im Takt mit wippt. Er hat  es nicht leicht mit mir und hat es nicht verdient dass er im Schatten leben muss. Ich beiße mir auf die Lippe und ich glaube es ist an der Zeit endlich mal eine Entscheidung zu fällen, die Entscheidung meines Lebens zu fällen.

Die Leute werden schockiert sein, keine Frage. Zerstört es meine Schauspielkarriere? Wahrscheinlich. Aber ich bin verliebt und ich möchte endlich zu ihm stehen. Heute Nacht wird sich alles ändern, das weiß ich. Er ist bereit, auch das weiß ich. Er hat es mir oft genug gesagt und mir nie einen Vorwurf gemacht, dass ich ihn jahrelang verleugnet habe. Ich, der ewige Dauersingle.

Sarahs Auftritt endet im tosenden Applaus, die Lichter gehen wieder an und sie kommt zurück in unseren Stuhlkreis. Die Moderatorin dankt ihr für diesen fabulösen Auftritt und befragt sie zu ihrem Hit `Vincent´.

„Es geht nicht nur um hetero oder homosexuelle Liebe, Liebe ist Liebe, egal welche Religion, politische Einstellung oder Herkunft man hat und das sollte die Gesellschaft endlich mal kapieren und akzeptieren.“

Das Publikum klatscht Beifall und ich rutsche unbequem auf meinen Sitz herum. Die Moderatorin wirft mir einen erheiternden Blick zu und sieht mich fragend an: „Dir scheint das Thema ein wenig unbehaglich zu sein lieber Florian...“

Unsicher lächelnd fahre ich mir durch die mittlerweile leicht grauen Haare. Jetzt oder nie. „Nein ganz und gar nicht um ehrlich zu sein. Ich finde `Vincent` wirklich mehr als gelungen, sehr treffend und vor allem emotional. Ich denke dass viele heutzutage immer noch große Angst haben sich in der Öffentlichkeit, in ihrem Umfeld zu outen, gerade weil das immer wieder so thematisiert wird.“

„Das stimmt. Die Gesellschaft hat einfach Probleme dieses typische Mann-Frau Familienbild aus dem Kopf zu bekommen. Alles was anders ist, wird nicht akzeptiert und thematisiert. Es wird immer noch ein riesen Fass aufgemacht wenn jemand sich outet und das in jeglicher Gesellschaftsschicht“, wirft Sarah ein.

„Ja nehmen wir alleine mal die Personen, die in der Öffentlichkeit stehen...“, fängt die Moderatorin an, als ich sie unterbreche.

„Ja man hat einfach Angst, dass sich gerade wenn man als Schauspieler jetzt zum Beispiel sein täglich Brot verdient, sich die Öffentlichkeit von einem abwendet.“ Ich sehe aus dem Augenwinkel wie mein Mann die Augen aufreißt. Ich kann selbst kaum glauben was ich gerade tue.

Die Moderatorin schaut mich neugierig an und beugt sich vor. „Sprichst du da aus Erfahrung?“ Sie lacht, weil sie glaubt einen bomben Witz gerissen zu haben. Das Publikum bricht ebenfalls in Gelächter aus. Sarah, die mir gegenüber sitzt lacht nicht, sondern zwinkert mir zu. Sie weiß es, ich bin mir sicher. Jetzt gibts kein zurück mehr.

Es ist kein Geheimnis dass ich so gut wie noch nie mit einer Frau in der Öffentlichkeit gesehen worden bin. Seit Jahren halte ich mein Privatleben unter Verschluss, das Einzige was die Presse von mir bekommt sind Interviews zu meinen Filmprojekten. Ich atme tief durch und nicke. „In der Tat, das tue ich.“ Es wird plötzlich mucksmäuschenstill.

„Bitte was?“, höre ich die Moderatorin ungläubig fragen.

Ich lächele und nicke erneut. „ Ich kenne mich in der Tat mit dieser Situation aus. Ich bin Schauspieler, stehe in der Öffentlichkeit. Ich werde vorzugsweise für Rollen angefragt, in denen meine Rollenfigur in einer hetero Beziehung ist. Mittlerweile kann ich mir zwar aussuchen was ich spiele beziehungsweise es mir einfach selbst schreiben, aber Fakt ist doch, und da brauche ich nur mal in all eure Gesichter zu sehen, ihr seid schockiert. Schockiert von der Tatsache dass ich euch hier und jetzt mitteile dass ich eben nicht der hetero Mann bin, von dem ihr immer ausgegangen seid, sondern dass ich homosexuell bin. Ich lebe seit Jahren in einer monogamen Beziehung mit einem Mann, den ich über alles liebe. Liebe Hanni, das ist für dich!“

Ich schaue nach oben, die Scheinwerfer blenden mich. Ich stehe auf und bahne mir meinen Weg ins Publikum zu meinem Mann vor dem ich zum Stehen komme. Es ist immer noch mucksmäuschenstill als ich ihn an der Hand nach oben ziehe und meine Lippen auf seine lege. Mein Herz klopft wie verrückt aber als mich sein Duft umnebelt, fühle ich mich angekommen und sicher. Er ist mein Safeplace, mein Zuhause. Ich kann sämtliche Blicke in meinem Rücken spüren aber es ist mir heute tatsächlich egal. Mein Image ist mir egal, einfach alles ist egal. Was zählt ist dieser Moment und dass ich endlich zu dem Mann stehe, den ich über alles liebe, mit dem ich mein Leben seit so vielen Jahren teile. Der mich kennt. Mich, den echten Florian mit all seinen Macken. Nicht den Schauspieler, Drehbuchautor, die Person, die ich für die Öffentlichkeit erschaffen habe, nein. Er kennt mich, besser als ich mich manchmal selbst kenne. Es ertönen plötzlich Pfiffe und Applaus. Ich löse mich atemlos von meinem Mann, der mich mit Tränen in den Augen völlig fassungslos ansieht. „Florian was hast du getan?“, flüstert er leise. „Ich liebe dich und das habe ich der Welt endlich gezeigt“, ich küsse ihn erneut und mache mich dann auf den Weg zurück auf meinen Platz um mich Fernsehdeutschland zu stellen.

Ich weiß nicht wohin mein Weg mich nun führen wird, aber ich fühle mich frei. Endlich frei. Befreit von einer jahrelangen Lüge. Hanni, ich hoffe du bist stolz auf mich....
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