An Grindelwalds Seite

von Sxphxx00
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald OC (Own Character)
30.05.2019
16.02.2020
5
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Gellert Grindelwald rannte, so schnell er konnte, zum Haus von Bathilda Bagshot. Die Ereignisse der vergangenen Stunden spukten durch seine Gedanken. Aberforth, der Albus anschrie. Albus, der seinen Bruder zu beruhigen versuchte. Und Ariana.

Grindelwald wusste zwar, dass es sie gab, aber gesehen hatte er sie heute zum ersten Mal. Und zum letzten Mal. Er konnte sich nicht daran erinnern, einen tödlichen Fluch ausgesprochen zu haben, aber Albus traute er das auch nicht zu. Und Aberforth bedeutete sie zu viel, um in Arianas Gegenwart solche Flüche zu riskieren. Aber woran war sie dann gestorben?

Er hatte die geballte Macht gespürt, die von ihr ausging. Sie war so stark gewesen. Doch das war nun unwichtig. Aber es ärgerte ihn. Sie hätte eine so große Aufgabe übernehmen können. Doch wie konnte sie so mächtig sein, wenn sie nicht einmal ausgebildet war? Es machte Grindelwald zu schaffen, dass er das nicht verstand.

Im Haus seiner Tante angekommen, schnappte er sich seinen Koffer und fing an, alle Sachen die in seiner Reichweite waren, dort hineinzustopfen. Die Recherchen von ihm und Albus kamen in eine Extratasche. Viele persönliche Gegenstände hatte er hier nicht, das meiste konnte man neu kaufen. Doch da er nicht in Galleonen schwamm, war das eine Alternative, auf die er nur ungern zurück griff. Aber er musste so schnell wie möglich hier weg.

„Gellert?" Seine Tante kam die Treppe hoch. „Was machst du denn schon hier? Alleine?"

Die Überraschung in ihrer Stimme war verständlich, schließlich verbrachte er sonst fast jeden Tag mit Albus. Bevorzugt auch bei ihm. Dort hatte man zwar immer das Gefühl, dass man beobachtet wurde – vermutlich von Aberforth oder Ariana – aber wenigstens war man vor neugierigen Fragen sicher.

„Ich muss gehen", war Grindelwalds knappe Antwort. Er wollte an ihr vorbei nach draußen, doch sie hielt ihn fest.

„Sei doch nicht so kindisch, du kannst doch nicht so einfach gehen! Warum willst du es überhaupt?"

Er zögerte.

„Es ist kompliziert. Aber dringend!"

Bathilda sah ein, dass sie nicht mehr Informationen bekam und sie ihn auch nicht aufhalten konnte.

„Wenn du noch ein Tag bleibst, habe ich Zeit, einen Portschlüssel zu beschaffen."

Das war kein schlechtes Angebot. Damit war er unabhängiger, als mit Flohpulver. Es war mit einem kleinen Risiko verbunden, doch eigentlich war das Leben jeden Tag ein kleines Risiko. Er würde es nur ein wenig erhöhen.

„Also gut", willigte Grindelwald daher ein. „Morgen."

Bathilda nickte, auch wenn sie nicht wirklich glücklich aussah. Und das konnte er sogar verstehen.

„Ich werde dann nochmal eine Runde durchs Dorf gehen." Als Grindelwald den besorgten Blick seiner Tante bemerkte, fügte er noch zu:

„Keine Sorge, ich werde nicht gehen. Ich muss nur nachdenken."

Rasch ging er die Treppe hinunter und verließ das Haus. Er musste nicht lange überlegen, wo er hinwollte. Ein wenig außerhalb von Godric's Hallow war ein dicht umwucherter, kleiner See. Das war sein Lieblingsplatz. Er ging immer dorthin, wenn er alleine sein wollte oder nachdenken musste.

Mit großen Schritten ging er in die Richtung, wobei er jedem Muggel, dem er begegnete, wütend ansah. Sie wussten nicht, wie gut sie es hatten. Sie jammerten wegen jeder Kleinigkeit, aber hatten nicht die geringste Ahnung, was es hieß, komplett schutzlos und allein zu sein.

Am See angekommen, setzte er sich und lehnte sich gegen einem Baum. Hier hatte er seine Ruhe und konnte entspannen. Er schloss die Augen.

Die Ereignisse des Tages ließen ihn nicht los. Er musste das Rätsel um Ariana lösen, doch nicht hier. Hier war er nicht mehr willkommen. In keinster Weise. Dies bedeutete wohl auch, dass seine Beziehung zu Albus vorbei war.

Der Gedanke machte ihn traurig, doch dies war nun mal der Lauf der Zeit. Und es gab keinen Zweifel, dass das für Albus am sichersten war. Und auch für ihn war es so sicherer. Bei seinem Vorhaben war kein Platz für Liebesbeziehungen. Egal ob mit Männern oder mit Frauen.

Wut kam in ihm auf, als er an seine Ex-Freundin in Durmstrang dachte. Sie hatte ihm wirklich sehr viel bedeutet und sie galten als Vorzeigepaar der Schule, bis er eines Tages durch Zufall herausgefunden hatte, dass sie ihn betrog. Und das auch noch mit jemandem, der der Meinung war, man müsste den Muggeln Freundschaften schließen und ihnen helfen. Doch natürlich dürfte man sich nicht als Zauberer zu erkennen geben. Grindelwald hatte ihr nicht gesagt, dass er von ihrer Affäre mit dem Muggelfreund wusste, sondern hatte an ihren neuen Freund ein paar Dinge ausprobiert, als sie alleine waren. Die Flüche und Rituale hatte sein Versuchsobjekt nicht allzu gut aufgenommen. Doch wenigstens konnte Grindelwald einige Erkenntnisse gewinnen, bevor der Muggelfreund den Geist aufgab. Dieser war dann ohne Kopf gefunden worden, denn diesen hatte Grindelwald immer noch bei sich. Egal, wie sehr sie ihn unter Druck gesetzt hatten oder wie oft seine Sachen durchsucht worden waren, der Kopf blieb verschollen. Es hatte gedauert, bis die Ermittlungen abgeschlossen waren, fast ein halbes Jahr, doch dann war er endgültig der Schule verwiesen worden, was ihn nicht groß störte. Er wusste alles, was er wissen musste.

Grindelwald war so in Gedanken versunken, dass er das Mädchen, welches sich neben ihm gesetzt hatte, erst bemerkte, als sie anfing zu sprechen.

„Wo willst du hin?"

Vor Schreck sprang er auf und fiel fast ins Wasser. Als er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, musterte er das Mädchen, welches ruhig sitzen geblieben war. Sie musste ungefähr in seinem Alter sein, hatte karamellbraune Augen und ihre Haare schimmerten rötlich. Als er sie musterte, fiel ihm sofort ihr schlecht verborgener Zauberstab auf, weshalb er sich dazu herabließ, zu antworten:

„Das geht dich überhaupt nichts an."

Sie lächelte.

„Ich wusste, dass so eine Antwort kommen würde."

Ohne nachzudenken holte sie ihren Zauberstab heraus und richtete ihn auf Grindelwald. Der war so überrascht, dass er überhaupt nicht reagierte.

„Impedimenta!"

Grindelwald erstarrte mitten in der Bewegung, während das Mädchen seinen Zauberstab wegpackte, aufstand und näher an ihn heran trat.

„Ich kann dir helfen, egal was du vorhast. Ich werde mich nicht abschütteln lassen, sondern dich auf Schritt und Tritt verfolgen. Du wirst mich nicht los. Es ist deine Entscheidung, ob ich dir nur folgen soll oder ob du mich dir helfen lässt."

Grindelwald spürte, dass der Lähmzauber von ihm abgefallen war und trat einen Schritt zurück, ohne ins Wasser zu fallen oder das Mädchen aus den Augen zu lassen.

„Wer bist du?", fragte er.

„Evelyna Valeria Potter", antwortete sie.

„Potter?" Grindelwald war verwirrt. Seine Tante hatte manchmal von den Potters geredet, aber stets nur die Eltern und den siebenjährigen Henry erwähnt. „Ich dachte, sie hätten nur ein Kind!"

Evelynas Augen verdunkelten sich.

„Vielleicht erzähl ich dir irgendwann mal, warum meine sogenannten Eltern mich sehr häufig verschweigen. Kommt drauf an, inwiefern du mich freiwillig mitkommen lässt oder ich dir folgen muss."

„Warum willst du mich überhaupt begleiten? Du hast keine Ahnung, wo ich hin will und du kennst mich auch nicht. Was willst du wirklich?"

Sie zögerte und als sie antwortete, überraschten ihn ihre ehrlichen Worte.

„Ich will dich wirklich begleiten, Gellert Grindelwald. Ich habe das Gefühl, dich schon ewig zu kennen, vertraue dir instinktiv und ich teile deine Ansichten. Außerdem gibt es nichts, was mich hier hält, aber so vieles, was mich in die Ferne zieht. Zum Beispiel der Wunsch nach Freiheit. Ich kann nicht hierbleiben."

„Du ... teilst meine Ansichten? Welche genau?"

„Hast du mehrere?", gab sie zurück. „Ich habe lange darüber nachgedacht und finde, du hast recht. Wir sollten uns nicht verstecken und kein Geheimnis aus unseren Kräften machen."

„Woher weißt du von meinen ... Ansichten?"

„Albus und du – ihr habt nicht gerade geflüstert, wenn ihr darüber gesprochen habt."

„Du hast uns belauscht?!"

„Ja", gab sie offen zu. „Ich war im Sommer ständig bei den Dumbledores, hab Aberforth geholfen und ein wenig mit Ariana geredet. Sie waren das, was Freunden am nächsten kommt. Aber jetzt ... Ariana ist tot, Aberforth wird nie wieder derselbe sein ... und ich stehe wieder alleine da und darauf habe ich keine Lust mehr. Ich will hier nicht festsitzen, ich will nicht die Enttäuschung in den Augen meiner Eltern sehen, wenn ihre Blicke auf mich fallen. Ich habe das Gefühl, dass ich hier ersticke. Bitte, lass mich mitkommen!"

Grindelwald musterte sie eingehend.

„Ich werde nicht einfach einen Spaziergang oder Urlaub machen. Ich werde auf eine Mission gehen und ich werde erst aufgeben, wenn ich erfolgreich war oder tot bin."

„Das ist mir bewusst. Ich will dir helfen."

„Musst du nicht ab September wieder nach Hogwarts? Und – darfst du überhaupt schon außerhalb von Hogwarts zaubern? Du siehst nicht so aus, als wärst du schon volljährig."

„Das bist du aber auch nicht", gab Evelyna zurück. „Aber wenn du es wissen willst, ich hab die Schule nach dem fünften Jahr abgebrochen, da ich keine Lust hatte und eh schon alles konnte. Und da mein Vater einen guten Draht zu den wichtigsten Ministeriumszauberern hat, konnte er es regeln, dass ich schon zaubern darf."

Grindelwald seufzte.

„Na gut. Wenn du wirklich alles hinter dir lassen willst, komm morgen Mittag wieder her. Ich werde nicht auf dich warten."

„Einverstanden." Sie nickte ihm zu, drehte sich um und ging.
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