Das schwerste am Fliegen ist die Landung

von DieLadi
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P18 Slash
DI Gregory Lestrade Dr. John Watson James "Jim" Moriarty Mrs. Hudson Mycroft Holmes Sherlock Holmes
30.05.2019
15.09.2019
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Am Tatort, den ich also gemeinsam mit Watson aufsuchte, empfing mich Sally Donovan mit ihren üblichen Sticheleien, und ich lieferte mir den üblichen Schlagabtausch mit ihr und Anderson, dessen Dummheit ich einfach nicht ertragen kann. Könnte ich auch dann nicht, wenn es um mein Leben ginge.

Watson spielte unbedarft und schüchtern; als er sich jedoch schließlich über die Leiche beugte, zeigte sich, dass er sein Handwerk verstand.
Ich beobachtete ihn genau, denn ich wollte so viel wie möglich über ihn herausfinden.
Und was ich jetzt feststellen konnte war ganz eindeutig: er spielte den Arzt nicht nur, er war tatsächlich einer. Auch wenn er sich zurückhielt mit seinen Äußerungen und sicher nur einen Bruchteil von dem zum besten gab, was seine Augen an der Leiche entdeckten, konnte ich es ganz eindeutig sehen.
Er erkannte ihre Todesursache, aber auch andere Dinge: ihren Gesundheitszustand, die Tatsache, dass sie erschöpft gewesen sein mussten und anderes, was der geübte Blick eines Mediziners sah. Eindeutig: er war Arzt,

Und außerdem, auch da war ich mir sicher, sah er, was ich sah. Der Ring, der, im Gegensatz zu allen anderen Schmuckstücken äußerlich nicht poliert war, innen aber glänzte; der Schirm; der feuchte Mantelkragen; die Spritzer auf der Strumpfhose.
Er sah das alles, und ich erkannte, dass er auch verstand, was es bedeutete.

Das auf den Boden gekratzte Wort, „Rache---“, schien ihm Sorgen zu bereiten, und in diesem Augenblick wurde mir klar, dass er eventuell dahinter steckte.
Dass er, wenn gleich mir in keinster Weise klar war, wie, hinter diesen Serienselbstmorden steckte.
Mir wurde heiß und kalt.
Ich musste das Lestrade klarmachen, oder meinem Bruder, oder beiden. Jedenfalls musste ich diese Erkenntnis weitergeben.

Ich lieferte den großen Abgang, rief Lestrade etwas von „Fehler!“ und „Pink!“ zu, so dass der arme Kerl wieder nur den Kopf schüttelte über meine Art. Was Lestrade in dem Augenblick wirklich dachte, wusste ich nicht. Immerhin ließ ich ihn einfach stehen... mit Watson. Dem Feind. Dem Namenlosen.
Er musste sich denken, dass das ganze einen guten Grund haben musste und ich konnte nur hoffen, dass er seine Rolle weiterhin gut spielte. Er tat es, wie ich später erfuhr, was aber zum großen Teil daran lag, dass er eigentlich nur teilweise spielen musste. Er war nun mal wirklich an meiner Hilfe bei der Klärung dieses Falles interessiert und es lag ihm sehr viel daran, diese Serie zu stoppen.
Und darüber hinaus, das erzählte er mir bald darauf unter vier Augen,war Watson ihm einfach sympathisch. Ja, klar, er wusste, wer oder vielleicht besser was Watson war. Der Mann hinter unzähligen Verbrechen... aber das änderte nichts daran, dass er einfach Charme und ein einnehmendes Wesen besaß.
Und Lestrade wäre, wenn er nicht gewusst hätte, wer da vor ihm stand, sicher von ihm eingewickelt worden, wie so viele andere auch.

Nun, ich war also abgerauscht und wartete.
Eine Viertelstunde später simste ich Lestrade:
„Watson noch da?“
Ich stellte mir sein erstauntes, fragendes Gesicht vor und konnte nur hoffen, dass Watson entweder nicht mehr da war oder, falls er diese Miene sehen würde, sie nicht mir mir in Verbindung bringen würde.
Sekunden später kam die Antwort.
„Nein. Zu Fuß zur Hauptstraße. M. übernimmt.“
Ich grinste. M. Das würde meinem Bruder gefallen.

Also machte ich mich auf den Weg zurück zum Tatort.
Lestrade machte große Augen, als ich plötzlich wieder vor ihm stand.
„Na, gefällt Ihnen das Bond spielen?“, sagte ich.
Er lächelte schief. Doch dann wurde sein Blick wieder ernst.
„Ich fürchte, das ganze ist kein Spiel.“
Ich nickte. Er hatte ja recht.

„Höre Sie, Lestrade. Was ich vorhin gesagt habe:  der pinke Koffer... ich werde ihn finden. Und ich bin der Sache auf der Spur. Aber was noch viel wichtiger ist...“
Ich sah ihn eindringlich an und zog ihn in eine Nische , in der wir ungestört waren.
Dann flüsterte ich:
„Ich bin mir sicher, dass er da mit drin steckt.“
Lestrade riss die Augen auf.
„Watson?“
„Ja“, sagte ich.
„Scheiße“, sagte Lestrade.

Einen Augenblick schwiegen wir. Dann fragte der Inspektor:
„Aber was will er damit erreichen?“
Ich zuckte mit den Schultern. Eigentlich war das doch ziemlich klar, oder? Eigentlich konnte es doch  nur einen Grund geben...
„Ich denke, er will meine Aufmerksamkeit.“
Lestrade schnaubte.
„Wie gut, dass Sie nicht eingebildet sind...“
Ich sah ihn eindringlich an.
Lestrades dachte anscheinend darüber nach.
„Sie könnten recht haben, Sherlock. Welchen Vorteil sollte er sich schließlich sonst davon versprechen? Die Frage ist – was tun wir jetzt?“
Ich grinste wieder.
„Was Sie tun, ist ganz klar, Lestrade. Sie sollten 'M' informieren.“
Er wurde rot.
„Nun reiten Sie doch nicht darauf herum. Aber ja, ich gebe ihrem Bruder Bescheid. Und Sie...?“
„Ich werde Watson einsammeln, sobald 'M' mit ihm fertig ist.“
„Schnösel“, knurrte Lestrade, aber ich merkte, dass er nicht wirklich sauer war.

Nun, meine eigentliche Aufgabe stand noch vor mir, nämlich  den Fall zu klären. Denn selbst wenn klar war, dass er dahinter steckte, machte er sich doch nicht selber die Hände schmutzig. Er musste Handlanger haben und aus denen würden wir vielleicht mehr herausbekommen, als wir im Moment schon wussten. Vielleicht sogar einen Namen. Watsons richtigen Namen.

Also machte ich mich auf den Weg.
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