All or nothing

GeschichteRomanze / P18
30.05.2019
15.09.2019
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Noch reichlich verschlafen, betrat sie die Küche, in der ein lächelnder Kyle ihr ihren üblichen Kaffee auf den Tisch stellte.
„Morgen“, grüßte sie ihn und bemühte sich, wach und nicht morgenmuffelig zu klingen. „Hast du gut geschlafen?“
„Ja“, antwortete er. „Und du?“
„Auch gut“, versicherte sie ihm und musste ein Gähnen unterdrücken. „Willst du was Frühstücken oder hast du schon?“
„Sara? Nur weil sich eine Sache zwischen uns geändert hat, muss sich nicht alles ändern. Du musst nicht so tun, als wärst du hellwach, obwohl du eigentlich lieber müde in deine Kaffeetasse gucken und gar nichts sagen willst.“ Er hatte ein Lächeln auf den Lippen, trotzdem klang er vollkommen ernst.“
„Okay, danke“, murmelte sie mit ihrer üblichen Morgenstimme.“ Noch immer lächelnd drückte er kurz ihre Hand und setzte sich dann auf seinen Platz, um die Zeitung zu lesen.

Wie üblich war sie nach ihrer ersten Tasse Kaffee richtig wach und kochte die zweite selbst.
„Hast du überhaupt geschlafen?“, erkundigte sie sich, als sie Kyle seine Tasse auf den Tisch stellte.
„Ja, ein bisschen.“ Kopfschüttelnd ging sie zum Kühlschrank, um sich einen Joghurt herauszuholen.
„Wie kannst du mit so wenig Schlaf auskommen?“ Achselzuckend stand er ebenfalls auf und holte ihr einen Löffel aus der Schublade.
„Nach gefühlten dreihundert Jetlags und siebenhundert durchwachten oder sogar durchkämpften Nächten hat dein Körper sich daran gewöhnt, trotz wenig Schlaf viel zu leisten.“

Obwohl sie schon öfter über seine Einsätze gesprochen hatten, wurde ihr zum ersten Mal richtig bewusst, was er erlebt und auch überlebt hatte. Aus einem Impuls heraus, fiel sie ihm um den Hals.
„Ich bin so froh, dass du das alles überstanden hast.“ Auch Kyle schien von der Umarmung überrascht zu sein, denn es dauerte einen kleinen Moment, bis er sie erwiderte.
„Wo kommt das plötzlich her?“, fragte er.
„Ich weiß auch nicht. Mir wurde plötzlich klar, wie viel Glück dabei war, dass du heute hier bist.“ Ihr fielen die Augen zu, als er sie noch etwas fester an sich drückte und sie seine Lippen an ihrer Schläfe spürte.

„Okay, ich hab meine hysterischen Emotionen wieder unter Kontrolle“, teilte sie ihm schließlich mit. Leise lachend, küsste er sie erneut auf die Schläfe, bevor er sie losließ. Sie setzen sich wieder auf ihre Plätze und während sie sich ihrem Joghurt widmete, faltete Kyle die Zeitung so ordentlich wieder zusammen, dass man nicht sah, dass sie schon gelesen worden war. Sie selbst knüllte die Seiten nur irgendwie wieder zusammen, was Kyle jedes Mal ein ergebenes Kopfschütteln entlockte.

„Und? Was hast du heute vor?“, erkundigte er sich.
„Hannah und David haben mich zum Lunch eingeladen. Um sich für die Hilfe bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen.“ Sie ließ den Löffel in den leeren Joghurtbecher fallen und sah Kyle hinterher fragend an. „Was hast du vor?“
„Ich treffe mich mit Linc. Er hat nächste Woche seinen ersten Einsatz ohne mich.“
„Oh.“ Besorgt biss sie sich auf die Unterlippe. „Muss er in eine gefährliche Gegend?“ Sie mochte Kyles besten Freund und hatte Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Und machte sich gleichzeitig Sorgen um Kyle. Einerseits, weil sie befürchtete, dass er feststellen könnte, dass er die Army doch vermisste und andererseits, weil sie sich vorstellen konnte, dass er sich Vorwürfe machen würde, wenn Linc etwas passierte und er nicht da gewesen war, um es zu verhindern.

„Es ist kein Ferienort, aber auch kein Brennpunkt. Er soll afghanische Soldaten ausbilden. Weihnachten ist er wieder Zuhause.“
„Wie geht es dir dabei?“, wagte sie es, die Frage zu stellen, die sie belastete.
„Gut!?“ Es war deutlich zu sehen, dass er nicht verstand, worauf sie hinauswollte.
„Dann bereust du es immer noch nicht, dass du die Army verlassen hast?“
„Nein.“ Nachdrücklich schüttelte er den Kopf. „Die Army war gut zu mir, aber sie war nie mein Traum.“
„Okay, gut“, entgegnete sie erleichtert. Mit einem verstehenden Lächeln griff er nach ihrer Hand. „Ich bin genau da, wo ich immer sein wollte.“ Sie konnte zwischen den Zeilen lesen, dass er nicht nur sein Studium meinte. Das zwischen ihnen war für ihn ganz offensichtlich genauso wenig ein bedeutungsloses Abenteuer, wie für sie. Noch standen sie ganz am Anfang ihrer Beziehung und keiner von ihnen wusste, wie es sich entwickeln würde, aber sie hatte ein gutes Gefühl. Sie hatten sich eine solide freundschaftliche Basis geschaffen, auf die sie ihre romantischen Gefühle stützen konnten. Und dass zwischen ihnen eine große körperliche Anziehungskraft bestand, hatten sie auch schon festgestellt.

Ihr spontaner Entschluss, einen Film zu gucken, hatte sich etwas anders entwickelt, als geplant. In jedem Teenie-Roman wäre der Begriff Rummachen gefallen und hätte ziemlich treffend beschrieben, was sie getan hatten. Sie konnte Hannah noch immer nicht erzählen, wie Kyles Bauchmuskeln aussahen, aber wie sie sich anfühlten, wusste sie mittlerweile verdammt gut; steinhart, mit weicher Haut darüber. Wenn sie so gut aussahen, wie sie sich anfühlten, konnte es durchaus passieren, dass sie einen kleinen Fetisch entwickelte.

Es war ihr nicht mal unangenehm, dass sie einen ihrer kindischen Pyjamas dabei getragen hatte. Kyle schien es auch nicht gestört zu haben. Vielmehr hatte er die Vorteile des locker geschnittenen Stoffs zu nutzen gewusst, denn ihre Hände waren nicht die einzigen, die auf Wanderschaft gegangen waren. Seine Hände auf der nackten Haut ihrer Taille und ihres Rückens zu spüren, hatte sie an den Rande der Selbstbeherrschung getrieben. Es war nicht schwer gewesen, sich auszumalen, wie sich seine Hände an anderen Stellen ihres Körpers angefühlt hätten. Es war immer noch nicht schwer.

Unbewusst schüttelte sie den Kopf, um ihre unangebrachten Gedanken zu vertreiben. Das brachte ihr einen fragenden Blick von Kyle ein.
„Schon gut“, murmelte sie. „Ich war nur in Gedanken.“ Sie betete, dass sie nicht errötete und er ihre Gedanken erahnen konnte.

*** ***

Ein grinsender David erwartete sie in der Haustür, des hübschen kleinen Häuschens mit drei Schlafzimmern. Er hatte es von seiner Großmutter geerbt, als die vor drei Jahren gestorben war und nach ein paar Modernisierungen war er direkt dort eingezogen.
„Da ist ja meine zweitliebste Frau“, grüßte er sie.
„Zweitliebste? Was hat deine Mutter getan, dass ich auf den zweiten Platz vorgerückt bin?“, fragte sie ebenfalls grinsend.
„Sie dreht wegen der Hochzeit völlig durch“, seufzte er ergeben. „Ich habe das Gefühl, ich bin Prinz Charles' geheimer Sohn und uns erwartet eine royale Hochzeit.“
„So schlimm?“, hakte sie nach.
„Mittlerweile kommt mir eine Las Vegas Hochzeit, mit einem Fake-Elvis als Standesbeamten wie eine gute Idee vor.“ Lachend folgte sie ihm ins Haus, als er einen Schritt zur Seite machte, um sie eintreten zu lassen.

„Hey Süße.“ Eine strahlende Hannah kam aus der Küche und umarmte sie überschwänglich. Sie fühlte, wie warm Hannahs Wangen waren, als sie die Umarmung erwiderte. Ein sicheres Zeichen, dass ihre beste Freundin sich die Seele aus dem Leib gekocht hatte.
„Hier riecht es gut“, teilte sie Hannah mit. Die löste die Umarmung und zog eine kleine Grimasse.
„Der Auflauf ist mir gut gelungen, aber das geplante Dessert? Ich versuche mich nie wieder an einem Soufflé. Du wirst dich mit Karamellpudding begnügen müssen.“
„Soufflés sind überbewertet“, entgegnete sie grinsend.
„Ich sagte doch, Sara wird mit ihrem Lieblingspudding vollkommen zufrieden sein“, warf David ein. Gleichzeitig legte er ihnen beiden die Arme um die Schultern und führte sie in die Küche.

„Und? Bist du auch für eine Hochzeit in Las Vegas?“, fragte sie Hannah, als sie schließlich am Küchentresen saß.
„David hat dich schon auf den neuesten Stand gebracht?“, antwortete Hannah mit einer Gegenfrage. Sie nickte bloß und entlockte ihrer besten Freundin damit ein Seufzen.
„Ich dachte immer, die Bräute drehen durch“, sagte David. „Und auch wenn Hannah viel plant, sind es alles vernünftige Planungen.“
„Danke, Schatz“, schmunzelte Hannah.
„Ich sage nur die Wahrheit.“ Grinsend küsste er seine Verlobte auf die Wange.
„Vielleicht solltet ihr bei Mary-Anns Vorschlägen einfach immer nur nicken und eure Pläne durchziehen, ohne sie zu informieren“, schlug Sara vor. „Wenn der Tag gekommen ist, wird sie mit dem glücklich sein, was sie bekommt. Da wird es keine Rolle spielen, dass es nicht nach royaler Hochzeit aussieht.“
„Das wäre eine Idee“, murmelte David. Hannah nickte bloß und verdrehte gleichzeitig die Augen.

„Willst du schon was trinken, cara Sara.“ Sie verdrehte die Augen angesichts des zweifelhaften Spitznamens, den David nutzte, seit er wusste, was ihr Name bedeutete. Sie war keine Prinzessin, war auch nie eine gewesen und eine liebste oder teuerste Prinzessin war sie erst recht nicht. Schnaubend stieß Hannah ihn mit der Schulter an.
„Du bist so ein Idiot. Geh und hol uns ein Wasser. Die guten Getränke gibt es zum Essen.“
„Euer Wunsch ist mir Befehl, Geliebte.“ Mit einer angedeuteten Verbeugung verschwand David in der Speisekammer.

„Warum sind Männer nur solche Idioten?“, fragte Hannah. „Und warum tun wir es uns trotzdem an, mit ihnen zusammen zu sein.“
„Ich weiß nicht“, erwiderte sie. „Weil sie auch ihre guten Seiten haben?“ Ihre Gedanken wanderten automatisch zu Kyle und seinen guten Seiten.
„Warum lächelst du so komisch?“ Misstrauisch sah Hannah sie an. „Hast du mir was zu erzählen?“
„Möglich“, antwortete sie vage.
„Raus mit der Sprache“, verlangte Hannah nachdrücklich.
„Ich war nicht ganz ehrlich zu dir“, gestand sie. „Was Kyle angeht, meine ich. Wir hatten gestern ein Date.“ Hannahs Augen waren mittlerweile groß wie Untertassen und auf ihrem Gesicht breitete sich ein strahlendes Lächeln aus.
„Ich wusste es!“, rief sie. Im gleichen Moment kehrte David mit zwei Wasserflaschen zurück.
„Was wusstest du?“, erkundigte er sich.
„Dass Sara und Kyle scharf aufeinander sind.“

Die Augen verdrehend, schüttelte Sara den Kopf. Bei Hannah klangen solche Feststellungen oft, wie der Einstieg in einen Porno.
„Erzähl, wie kommt es, dass ihr endlich den Kopf aus dem Arsch bekommen habt?“, bohrte Hannah nach.
„Eigentlich warst du der Auslöser“, gab sie zu. Als ihre Freunde sie beide fragend ansahen, erzählte sie, wie Hannahs Geständnis, dass sie mal in Kyle verknallt gewesen war, zu einem Geständnis von Kyle geführt hatte.

„Ich wusste es“, rief Hannah erneut. „Ich wusste schon in der Schule, dass er was für dich übrig hatte. Und der Blick, mit dem er dich heute ansieht, ist noch genauso wie damals.“ Verlegen zuckte Sara die Achseln.
„Es tut mir leid, dass du deshalb damals unglücklich verliebt warst.“
„Ach was“, winkte Hannah ab. „Es war nur eine Schwärmerei. Er war süß und seine Herkunft hat ihn auf eine verwegene Weise attraktiv gemacht. Mehr war das im Grunde nicht.“ Liebevoll drückte sie Davids Arm. „Ich bin doch gut entschädigt worden. David hat zwar ein paar Macken, aber im Großen und Ganzen ist er ein Guter.“
„Ich liebe dich auch, Schatz“, entgegnete David sarkastisch, lächelte aber, als Hannah ihn auf die Wange küsste, wie er es kurz zuvor bei ihr getan hatte.

„Aber eins verstehe ich nicht, Sara“, fuhr Hannah fort. „Wieso kommst du zu uns zum Essen, statt den Tag mit Kyle zu verbringen? So wie du lächelst, muss das Date erfolgreich gewesen sein. Da musst du doch anknüpfen.“
„Ich wollte eure Einladung nicht so kurzfristig absagen. Und Kyle ist mit Linc verabredet, weil der Montag nach Afghanistan muss.“
„Oh“, machte Hannah. „Ich hoffe, ihm passiert nichts.“
„Ich auch“, seufzte Sara. „Ich bin wirklich froh, dass Kyle dieses Leben nicht mehr führt.“ Lächelnd drückte Hannah ihr die Hand.
„Ich kann dich gut verstehen.“

Genaugenommen, konnte Sara gar nicht in Worte fassen, wie froh sie war, dass Kyle nun Zivilist war. Sie bewunderte ihn für seinen Mut und seine Opferbereitschaft, aber sie war sich nicht sicher, ob sie mit der Angst hätte leben können, wenn er doch noch in der Army gewesen wäre. Der Gedanke, dass Linc etwas passieren könnte, machte sie schon verrückt und den mochte sie nur als Freund und war nicht verliebt in ihn.  

Dass sie keine langen Trennungen würde verkraften müssen, war ein weiterer Vorteil seines Austritts aus der Army. Gerade wenn man frisch verliebt war, wollte man viel Zeit miteinander verbringen. Obwohl sie sich gut vorstellen konnte, dass sie sich auch nur schwer von ihm würde trennen können, sollten sie irgendwann schon länger zusammen sein. Nicht nur wegen ihrer romantischen Gefühle für ihn, sondern auch der freundschaftlichen, die sie immer noch verspürte. Er war eine Gesellschaft, auf die sie nur ungern verzichten würde.

*** ***

„Hey Captain.“ Er schlug in Lincs Hand ein, die sein Freund ihm hinhielt.
„Hey, komm rein.“ Linc folgte ihm ins Wohnzimmer und sah sich suchend um.
„Sara nicht da?“
„Nein, sie besucht Freunde.“
„Schade“, murmelte Linc bedauernd. Kyle lächelte in sich hinein. Sein bester Freund hatte einen Narren an Sara gefressen. Jedes Mal, wenn er vorbeikam und sie Zuhause war, hatte Kyle irgendwann das Gefühl, überflüssig zu sein, so sehr schoss Linc sich auf sie ein. Es war deutlich, dass es kein romantisches oder erotisches Interesse war. Für Linc war sie die Schwester, die er sich immer gewünscht und nie bekommen hatte.

„Also, was wollen wir machen?“, fragte er Linc. „Trainieren, Billard…?“
„Können wir was Essen gehen?“, antwortete Linc mit einer Gegenfrage. „Ich brauche einen Burger, bevor es in die Wüste geht. Und wenn du ein richtiger Freund bist, lässt du mich den Burger mit einer Pizza runterspülen.“
„Meinetwegen“, stimmte er grinsend zu.

Ihn selbst hatte das Essen in Afghanistan oder im Irak nie gestört, aber für Linc war es ein Albtraum. Die reislastige Küche beider Länder, aber vor allem die für ihren Gaumen fremden Gewürze traf nicht seinen Geschmack und vor und nach jedem Einsatz stopfte er sich mit typisch amerikanischem Fastfood voll.

„Hast du schon gepackt?“, erkundigte er sich, als sie schließlich auf dem Weg in den nächsten Diner waren.
„Bis auf die üblichen Kleinigkeiten… Mann, ich fasse immer noch nicht, dass ich wirklich ohne dich fliege.“
„Ich finde es auch komisch“, gab er zu. Er hatte nicht gelogen, als er Sara gesagt hatte, dass er seinen Austritt nicht bereute, aber es war trotzdem ein merkwürdiges Gefühl, dass Linc ohne ihn in den Auslandseinsatz ging. Irgendwann würde es sicherlich normal sein, aber da es das erste Mal war, war es seltsam.

Der angesteuerte Diner tauchte vor ihnen auf und der Besitzer grüßte ihn mit einem breiten Lächeln, als er den Laden betrat.
„Kyle… Heute keine Sara?“ Sie kam schon seit Jahren mindestens einmal die Woche her und hatte ihn ebenfalls zu einem Stammkunden gemacht.
„Nein, sie ist bei Hannah.“
„Wie geht es der zukünftigen Braut?“, erkundigte sich Frank.
„Gut. Ein bisschen aufgeregt, aber das muss angeblich so sein.“ Frank lachte gutmütig und deutete in sein Lokal.
„Sucht euch einen Platz aus.“

„Du hast dir neue Freunde gemacht“, stellte Linc fest, als sie sich an einen Fenstertisch gesetzt hatten. „Gut für dich“, hängte er aufrichtig dran. Es war tatsächlich so, dass sein Austritt aus der Army seinen Horizont in allerlei Hinsicht erweitert hatte. Er hatte neue Bekanntschaften gemacht, einfach mal grundlos durch die Stadt zu schlendern, war für ihn normal geworden und in seinem Kleiderschrank fand man mittlerweile mehr Farben, als die gedeckten Tarnfarben, die zehn Jahre lang seine Garderobe dominiert hatten.

„Wisst ihr schon, was ihr wollt, Jungs?“, rief Frank ihnen zu. Im Moment war nichts los im Diner, da der große Mittagsansturm schon vorbei war.
„Bring uns doch zweimal das Angebot der Woche“, rief er zurück. Er war, wie gesagt, kein komplizierter Esser und Lincs Geschmack würde es mit Sicherheit treffen. Solange Fleisch dabei war und es vor Fett triefte, konnte Frank nichts falsch machen.

Sein Handy kündigte eine eingegangene Nachricht an und er lächelte unwillkürlich, als er sah, dass sie von Sara war. Er vergrößerte das Bild, das sie ihm geschickt hatte und sein Lächeln vertiefte sich noch.
„Was ist?“, wollte Linc wissen.
„Sara hat mir ein Bild geschickt.“
„So, wie du grinst, muss es ein Porno sein.“
„Nein“, entgegnete er mit einem Augenrollen in der Stimme. Gleichzeitig drehte er sein Handy so herum, dass Linc das Bild sehen konnte.
„Ist das Pudding?“, fragte Linc verwirrt.
„Sieht nach Karamellpudding aus“, erwiderte er und grinste in sich hinein. „Da ist jemand ein glückliches Mädchen.“ Sara hatte eine Vorliebe für Süßigkeiten aller Art, aber Karamellpudding war ihre größte Schwäche.

„Und warum grinst du, wie ein glückliches Mädchen, wenn Sara Pudding bekommt?“ Forschend sah Linc ihn an. „Eigentlich grinst du schon die ganze Zeit so komisch vor dich hin. Gibt es was Neues? Hattest du endlich genug Arsch in der Hose, um deiner Süßen ein paar Geständnisse zu machen?“ Im ersten Moment wollte er abwimmeln, bis ihm bewusst wurde, dass es tatsächlich etwas Neues gab und er endlich genug Arsch in der Hose gehabt hatte, wie Linc es so stilvoll formuliert hatte.
„Ja, wir hatten gestern ein Date.“
„Wirklich?“, fragte Linc sichtlich erfreut. „Erzähl!“

Normalerweise war es nicht seine Art über seine Gefühle zu sprechen. Oder seine Dates bis ins Kleinste wiederzugeben. Aber das hier war eine neue Situation für ihn. Es war, wie er es zu Sara gesagt hatte. Er hatte vor ihr schon Frauen gemocht, aber wirklich ernst war es nie gewesen. Mit Sara war das vollkommen anders. Er wollte, dass aus ihnen etwas Ernstes wurde.

„Ich wusste es“, rief Linc, nachdem er ihm erzählt hatte, was tags zuvor geschehen war. „Als ich euch das erste Mal zusammen gesehen habe, wusste ich, dass du was für Sara übrig hast.“
„Ja“, murmelte er verlegen. „Ich glaube, sie war die Einzige, die es nicht gemerkt hat.“
„Ist oft so“, entgegnete Linc und begann im gleichen Moment zu grinsen, denn Frank kam mit zwei großen Tellern zu ihnen an den Tisch. Die waren beladen mit zwei Double-Beef-Burgern und einer Wagenladung Pommes.

„Das sieht gut aus“, schwärmte Linc. Frank grinste breit und stellte je einen Teller vor ihnen ab.
„Lasst es euch schmecken. Ruft, wenn ihr noch was braucht.“
„Danke“, sagte Kyle lächelnd. Linc nickte bloß, denn er hatte sich bereits drei Pommes in den Mund geschoben und kaute genüsslich.

Für eine Weile widmeten sie sich ihrem Essen, doch als sein erster Appetit gestillt war, kam Linc auf Sara zurück.
„Ich weiß, ich muss dir das nicht sagen, aber ich tue es trotzdem. Behandele sie anständig. So ein Mädchen kriegst du nicht noch mal.“
„Ich weiß“, versicherte er seinem Gegenüber ernsthaft.
„Gut“, erwiderte Linc schlicht.

Er war sowieso niemand, der seine Mitmenschen schlecht behandelte, aber darüber, dass er Sara schlecht behandeln könnte, brauchte sich niemand Sorgen machen. Nachdem er so lange hatte warten müssen, um mit ihr zusammen sein zu können, würde er sie nicht als selbstverständlich betrachten. Er war kein großer Romantiker, die großen Gesten in Liebesfilmen kamen ihm immer albern und kitschig vor, aber er würde dafür Sorgen, dass Sara sicher immer sicher war, dass sie ihm wichtig war.

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