Eine besondere Freundschaft

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
30.05.2019
05.07.2019
6
14718
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Hallihallo:D
Diesmal kommt das nächste Kapitel etwas schneller da ich mir vorgenommen habe, immer mittwochs ein neues Kapitel hochzuladen. Mal schauen wie gut das klappt…
Vielen Dank für die Reviews zum letzten Kapitel!
Ich hoffe, die Art wie ich schreibe ist okay und man versteht was ich meine. Gerade in diesem Kapitel sind ein paar Stellen, bei denen ich mir mit den Formulierungen nicht sicher war.
Wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt, immer her damit!:D
Jetzt erstmal viel Spaß beim Lesen!
Lg





Zuhause war Klaas seltsam aufgedreht, was schließlich auch seiner Mutter auffiel. Doch sie sagte nichts weiter, sondern freute sich, dass ihr Sohn offenbar gute Laune hatte, denn Klaas grinste vor sich hin, während er die Einkäufe im Haus verräumte. Da störte es auch nicht, dass er manche Einkäufe falsch abstellte.
Nachdem er allerdings das Eis in den normalen Wandschrank legte, seufzte seine Mutter auf. „Klaas, was ist eigentlich los mit dir? Ich meine, ich freue mich, dass du so gute Laune hast, aber ich kenne dich nicht so zerstreut.“ Klaas sah sie fragend an. „Du hast das Eis in den Schrank gestellt, nicht in die Gefriertruhe.“ Erschrocken riss Klaas die Schranktür auf und tatsächlich stand dort das Eis, das er eben noch in der Hand gehabt hatte.
Klaas schüttelte den Kopf. Warum hatte er das nicht bemerkt? Wo war er denn mit seinen Gedanken gewesen? Achso klar bei Joko und ihrer Verabredung morgen. Klaas konnte sich nicht erklären, warum er deswegen aufgeregt war wie ein kleines Kind, aber er beschloss es seiner Mutter zu erzählen, nicht dass sie sich noch Sorgen machte. „Sorry, war keine Absicht!“, sagte er darum entschuldigend, während er das Eis in die Gefriertruhe unter dem Kühlschrank packte. „Ich bin in Gedanken woanders. Wir haben einen neuen Schüler in unserem Deutschkurs und er hat mich gefragt, ob ich ihm morgen ein bisschen die Stadt zeigen könnte. Und gerade eben habe ich überlegt, wo wir hingehen könnten.“
Seine Mutter sah ihn erstaunt an. „Ah genau, ich komme morgen übrigens nicht zum Mittagessen heim, weil wir direkt nach der Schule losgehen.“, schob Klaas noch hinterher und vergrößerte damit das Erstaunen seiner Mutter. „Oh das ist ja nett.“, antwortete seine Mutter. „Ist ja lange her, dass du dich das letzte Mal mit jemandem getroffen hast.“ „Na vielen Dank auch!“, erwiderte Klaas etwas genervt.
Seine Mutter hob abwehrend die Hände. „Nein, nein, so war es nicht gemeint! Ich freue mich für dich!“ doch Klaas hörte ihr schon gar nicht mehr richtig zu, da er in Gedanken bereits wieder bei Joko war.
„Wie heißt er denn?“, fragte seine Mutter. „Wer?“, Klaas wollte einen gleichgültigen Eindruck erwecken, damit seine Mutter nicht bemerkte wie sehr er sich insgeheim auf das Treffen freute. Das würde nur Fragen mit sich bringen.
„Na der neue Schüler mit dem du dich morgen triffst.“ „Er heißt Joko.“, beantwortete Klaas ihre Frage und ergriff dann die Flucht nach draußen mit der Ausrede, er hole noch die verbliebene Tasche mit Einkäufen aus dem Auto.

Abends lag Klaas wach in seinem Bett und dachte nach. Es stimmte schon was seine Mutter gesagt hatte. Es war lange her, seit er sich das letzte Mal mit jemandem verabredet hatte. Bestimmt war es noch an seiner alten Schule gewesen, bevor diese Sache mit seinen Klassenkameraden begonnen hatte. Klaas seufzte. Er hatte es gehasst, wie sie ihn behandelt hatten und er war sich sicher, dass seine Zurückgezogenheit und Scheu vor anderen Menschen aus genau dieser Zeit herrührte.
Doch er wollte nicht weiter darüber nachdenken. Lieber überlegte Klaas, was er Joko morgen zeigen könnte. Da sie direkt nach der Schule losgehen würden, war es vermutlich keine schlechte Idee, zuerst etwas zu essen. Klaas fiel die Pizzeria ein, die ein paar Straßen von der Schule entfernt war. Dort könnten sie sich Mittagessen holen und in den Park setzen, sofern Joko das wollte.
Zufrieden mit der Idee drehte sich Klaas auf die Seite und schlief kurz darauf ein.

Als Klaas am nächsten Morgen an den Fahrradständern ankam, war von Joko keine Spur und er vermutete, dass Joko schon im Unterricht war, da Klaas sich auf dem Weg mal wieder ziemlich verspätet hatte.
Er wollte sich gerade umdrehen und auf die Eingangstür zulaufen, als er hinter sich jemanden seinen Namen rufen hörte. Sofort blieb Klaas stehen. Diese Stimme kannte er und es dauerte nicht lange, bis Joko in seinem Blickfeld auftauchte, der sich durch eine Gruppe, ebenfalls zuspätkommender Achtklässler, kämpfte.
„Guten Morgen, gut dass du da bist!“, begrüßte er Klaas, außer Atem. „Hi!“, grüßte der zurück und musterte Joko amüsiert. „Bist du schon einen Marathon gelaufen oder was ist passiert?“
„Haha, sehr witzig! Ich finde meine Klasse nicht. Ich war gerade bei dem Raum, wo wir normalerweise Unterricht haben, aber da war niemand. Aber ich weiß nicht wo alle hin sind.“
Klaas überlegte einen Moment. „Hast du schon auf den Vertretungsplan geschaut?“, fragte er anschließend. „Wohin soll ich gucken?“, Joko sah Klaas irritiert an.
„Auf den Vertretungsplan. Der Plan auf dem steht, ob Unterricht ausfällt oder in einen anderen Raum verlegt wurde. Kennst du das nicht?“, fragte Klaas verwundert und sah dann, wie sich Joko gegen die Stirn schlug und leicht rosa anlief.
„Doch klar kenne ich einen Vertretungsplan.“, nuschelte er. „Mir ist nur nicht eingefallen, dass ich darauf mal nachsehen könnte, beziehungsweise, eigentlich weiß ich gar nicht wo der sich befindet.“ Klaas hatte schon sein Handy gezückt und suchte in der App nach Jokos Unterricht. „Siehst du.“, er hielt Joko das Handy unter die Nase „du hast in 301. Ist durch den Biogang durch und dann rechts.“ „Danke!“, Joko schien erleichtert und lief los.
Dann drehte er sich noch einmal um und rief „Ich freu mich auf nachher!“
„Ich mich auch!“, antwortete Klaas und machte sich dann ebenfalls auf den Weg.

Kurz vor 13 Uhr saß Klaas hibbelig und angespannt auf seinem Stuhl und wartete darauf, dass der große Zeiger der Uhr endlich die zwölf passierte. Sobald es klingelte, klaubte er seine Sachen zusammen und verschwand aus der Tür.

Trotz dem, dass er sich beeilt hatte, sah er schon von weitem einen blonden Haarschopf bei den Fahrrädern stehen, der ihm beim Näherkommen zu grinste. „Na dann können wir ja los.“, begrüßte ihn Joko und Klaas nickte.
„Wo soll es denn hingehen?“, erkundigte er sich, als sie sich in Bewegung setzten.
„Ich dachte, wir könnten uns eine Pizza holen und sie im Park essen.“, erwiderte Klaas. „Dann kennst du schonmal eine Pizzeria hier in der Gegend. Das ist überlebenswichtig!“
Joko musste lachen. „Ja das klingt nach einer guten Idee!“ Sie machten sich auf den Weg zur Pizzeria und unterhielten sich über Jokos verschiedene Kurse. Biologie fand er langweilig, genauso wie Mathe und Chemie. Deutsch war an sich auch eher langweilig, aber durch Klaas Gesellschaft eindeutig besser als die anderen beiden Fächer.
Einen großen Unterschied in ihren Interessen entdeckten sie, als es um den Sportunterricht ging. Joko mochte Sport und freute sich schon auf seine erste Stunde hier, während Klaas es verabscheute und den Sportunterricht meistens schwänzte. Joko lachte leise, als er Klaas Abneigung gegen Sport erfuhr und Klaas bekam Gänsehaut bei dem Geräusch.

Sowieso fühlte sich Klaas so wohl wie schon lange nicht mehr, als er mit Joko im Park auf der Wiese saß und seine Pizza aß.
„Darf ich mal deine Pizza probieren?“, riss ihn Joko aus seinen Gedanken. Wortlos reichte Klaas ein Stück Pizza nach links und musste lachen, als er Jokos, von Tomatensauce verschmierten Mund sah. „Warum lachst du?“, wollte Joko wissen und Klaas bedeutete ihm, sich den Mund abzuwischen, allerdings nicht, ohne Joko ausführlich beschrieben zu haben wie er aussah, woraufhin auch Joko zu lachen begann.

Sie blieben im Park sitzen, auch noch nachdem sie längst satt waren, denn keiner von ihnen hatte das Bedürfnis die angenehme Stimmung die zwischen ihnen herrschte, durch Aufstehen zu stören.
Sie unterhielten sich lieber und auch für Joko war es vollkommen in Ordnung, dass er nur den Park kennenlernte.
Wenn er ehrlich war, war es ihm gerade recht einfach nur auf der Wiese zu sitzen und mit Klaas zu plaudern. Ihr Gespräch war angeregt, dann wieder ruhig und manchmal saßen sie einfach nur da, spürten die Gegenwart des anderen und beobachteten eine Schar kleiner Kinder, die ein Stück von ihnen entfernt Fußball spielten.
Verstohlen beobachtete Joko Klaas von der Seite. Er saß entspannt im Schneidersitz und hatte die Augen etwas zusammengekniffen, um die Sonne davon abzuhalten ihn zu blenden. Eine Haarsträhne hing ihm ins Gesicht und er pustete sie weg, bevor er zu Joko hinüber sah und ihn anlächelte.
„Ist dir auch so warm?“ Joko nickte.
Doch noch während er zu einer Antwort ansetzte, zog ein kleiner Dackel ihre Aufmerksamkeit auf sich, indem er auf sie zu gerannt kam, sich zielstrebig Jokos Pizzakarton schnappte und genauso schnell wieder verschwand.
Verblüfft starrten beide dem Hund nach, bis Joko schließlich mit jämmerlicher Stimme sagte „Da waren noch zwei Stück Pizza drin die ich mir aufheben wollte!“
Klaas versuchte sein Lachen zu unterdrücken, doch als Joko ihn ansah, verlor er die Beherrschung und prustete los. Im nächsten Augenblick stimmte auch Joko in das Gelächter mit ein. Die Situation war zu absurd gewesen.

Sie hielten sich die Bäuche und kicherten noch, als Joko sagte „Wir können uns auch in den Schatten setzen, wenn du möchtest.“ „Achwas!“, antwortete Klaas. „Das ist das erste Mal, dass die Sonne richtig scheint. Das muss man genießen!“ Joko nickte zustimmend, während Klaas aus den Ärmeln seines Pullovers schlüpfte, um ihn anschließend über den Kopf zu ziehen. Dabei rutschte sein T-Shirt etwas hoch und in Jokos Magen kribbelte es plötzlich. Er erinnerte sich an vorher, als sie so gelacht hatten und daran, wie viel hübscher, ja eigentlich wie süß Klaas ausgesehen hatte, mit den winzigen Lachfalten um seine Augen und den Mund. Auch in dieser Situation hatte er das Kribbeln im Bauch gespürt und sich gefragt, was es bedeutete.

„Huhu, Erde an Joko. Alles okay?“, Klaas wedelte mit seiner Hand vor Jokos Gesicht herum und Joko zuckte zusammen. „Ja klar, alles gut, ich war bloß in Gedanken.“, erwiderte er und hoffte, dass er nicht rot wurde. „Na das müssen ja schöne Gedanken gewesen sein, so wie du gelächelt hast.“, grinste Klaas und Joko wusste nicht, was er darauf antworten sollte.

Als sie sich verabschiedet hatten und Joko im Bus Richtung zuhause saß, ging er Klaas Aussage über seine Gedanken, im Kopf noch einmal durch.
Natürlich waren es schöne Gedanken gewesen, aber alles in allem fühlte er sich doch eher verwirrt und wusste nicht, warum ihn Klaas so aus der Bahn brachte.
Hätte er es nicht besser gewusst, hätte er glatt gesagt, er war dabei sich in Klaas zu verlieben, aber Joko stand eigentlich nicht auf Männer. Oder?
Andrerseits hatte er schon immer mehr auf den Charakter eines Menschen geachtet, als auf sein Geschlecht. Doch sich wirklich in einen anderen Mann verliebt, hatte er auch noch nie.
Joko seufzte innerlich und beschloss, sich selbst einfach ein bisschen Zeit zu geben. Irgendwann würde er sicher herausfinden, ob er Klaas einfach nur gerne mochte, oder sich tatsächlich in ihn verliebte. Und selbst wenn er sich in ihn verlieben würde, mal ganz theoretisch, dann wäre das doch an sich auch kein Problem, die heutige Gesellschaft war ja, zumindest in Deutschland, recht tolerant.

Joko schloss für einen Moment die Augen, lehnte sich mit dem Kopf an die Scheibe und fühlte sich wie eine Hauptfigur aus einer dieser Schnulzen. Nachdenklich und leicht melancholisch. Zumindest so lange, bis der Bus begann über Kopfsteinpflaster zu fahren und Jokos Kopf mit einem Ruck stark gegen die Fensterscheibe gedrückt wurde. Vor Schreck riss er die Augen auf und zog den Kopf ein. Dann sah er sich um, ob irgendjemand anderes diese Aktion mitbekommen hatte, doch zum Glück war der Bus relativ leer. Für den Rest der Fahrt lehnte er sich allerdings lieber nicht mehr an, romantische Filme hin oder her.
Klaas erging es auf seinem Rückweg ähnlich. Auch er wanderte in Gedanken zu Joko, zu seiner Art zu lachen, die zwar laut war und sicherlich nerven konnte, in ihm aber eine Wärme hervorgerufen hatte, die er schon lange nicht mehr spüren durfte.
Ja, Klaas merkte durch sein Treffen mit Joko, wie sehr er es vermisst hatte, etwas mit anderen zu unternehmen, sich zu unterhalten und zu lachen. Mit Joko war der Nachmittag so herrlich unkompliziert gewesen und Klaas hatte für eine Weile ganz vergessen, dass Joko kein altbekannter Freund war, sondern jemand neues. Klaas hatte ihm von sich aus eine Chance gegeben, in sein Leben einzutreten. Etwas, dass er schon lange nicht mehr getan hatte und Joko hatte sie nicht missbraucht, nein. Er hatte Klaas aufmerksam zugehört, ihn zum Lachen gebracht und Geschichten von sich selbst erzählt. Dadurch war es Klaas an diesem Nachmittag leichter gefallen denn je, seine Schüchternheit abzulegen.
Sogar die Momente der Stille zwischen ihnen waren angenehm gewesen. Bei dem Gedanken daran, wie Joko ihn fast schon liebevoll angesehen hatte als er seinen Pulli auszog, umspielte ein feines Lächeln Klaas Lippen.
Er war dankbar dafür, dass Joko ihn nach diesem Treffen gefragt hatte und er über seinen eigenen Schatten gesprungen war, und er war auch dankbar für Jokos Art und dass er endlich mal wieder einen lustigen Nachmittag verbringen durfte.
Klaas spürte, dass er Joko mochte und obwohl ihm dieser Gedanke Angst machte, merkte er, dass er tief in sich ein Vertrauen gegenüber Joko entwickelte, dass er schon lange niemandem mehr entgegengebracht hatte.