More than written words

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
FC Bayern München
29.05.2019
10.11.2019
27
94576
22
Alle Kapitel
164 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
Kurze Info: Wundert euch nicht, wenn die Spielerfrauen ein wenig anders heißen als in der Realität, das sind OCs und haben mit den realen Spielerfrauen nichts zu tun. Außerdem habe ich die Familiensituation von Javi leicht abgeändert. Er hat hier keine Kinder, dafür aber eine jüngere Schwester, die ebenfalls ein OC ist.
Die Geschichte beginnt zwei Wochen vor dem letzten Spieltag, d.h. die Mannschaft befindet sich gerade im Meisterschaftskampf.
Oh, und natürlich ist alles frei erfunden.

Prolog: Wie alles begann

„Scheiße!“, fluchte ich, als der Inhalt meiner Coladose über mein T-Shirt spritzte und es vollkommen einsaute. Heute war nicht mein Tag. Schon im Training war alles mögliche schiefgelaufen – zu ungenaue Freistöße, zu unplatzierte Kopfbälle, ein zu harter Zweikampf mit James, der daraufhin vom Platz gehumpelt ist – und dann wurde ich auch noch auf dem Heimweg geblitzt, weil ich ein Baustellenschild übersehen hatte. Hoffentlich würde mich diese unbedachte Aktion nicht meinen Führerschein kosten.
Da war das Cola-Bad noch das geringste Übel. Dennoch schlüpfte ich so schnell wie möglich aus dem klebrigen T-Shirt und warf es achtlos auf den Boden.
Frustriert ließ ich mich auf das Sofa fallen. Seit Alina mich verlassen hatte, wurde ich vom Pech verfolgt. So, als hätte sie nicht nur unseren gemeinsamen Hund Lucky und die Hälfte der Wohnungseinrichtung mitgenommen, sondern auch noch meine Glückssträhne, die seit Jahren mein treuer Begleiter war.
„Wie konnte das alles nur passieren?“, fragte ich mich zum gefühlt tausendsten Mal. Alina und ich waren doch immer glücklich gewesen. Wann hatten wir damit aufgehört? Ich wusste es nicht und Alina hatte es mir auch nicht verraten. Sie hatte einfach ihre Koffer gepackt und war gegangen. Ohne Grund, ohne versöhnliche Abschiedsworte.

Das war jetzt zwei Wochen her. Seitdem hatte ich nur noch sporadisch von ihr gehört. Aus den Zeitungen wusste ich, dass sie jetzt einen französischen Immobilienmillionär datete und in seine Villa an der Côte d’Azur eingezogen war. Anfangs hielt ich es für eine rebellische Phase. Ich dachte, sie würde sich vernachlässigt fühlen und so um meine Aufmerksamkeit betteln, doch langsam war ich mir nicht mehr sicher. Was wäre, wenn sie sich tatsächlich in diesen alten Sack verliebt hatte?
„Vielleicht sollte ich doch…“, flüsterte eine leise Stimme in meinen Kopf, doch ich brachte sie zum schweigen. Nein, ich würde nicht kleinbeigeben. Wenn sie darauf wartete, dass ich sie anflehte zurückzukommen, konnte sie lange warten. Jawohl. Trotzig reckte ich das Kinn nach oben.
In diesen Augenblick klingelte es an der Türe. Ich war sofort auf den Beinen. Das konnte nur Alina. Wer sonst sollte spätabends unangekündigt vor meiner Türe stehen?
„Wusste ichs doch!“, triumphierte ich und ließ mir extra lange Zeit, bevor ich öffnete.

„Hola, hermanito!“
Es war nicht Alina, die vor meiner Türe stand und mich freudig angrinste, sondern meine kleine Schwester Mia.
„Mia!“, rief ich überrascht. „Was machst du denn hier?“ Sollte sie nicht eigentlich in ihrem kleinen Häuschen an der spanischen Küste sein und Liebesromane verfassen? Immerhin war es das, was sie die letzten Jahre getan hatte – weit entfernt von all dem öffentlichen Trubel, der mich seit meiner Profikarriere umgab.
„Darf ich meinen Lieblingsbruder nicht mal besuchen?“, fragte sie und drängte sich an mir vorbei in die Wohnung.
„Schon.“ Ich schloss die Haustüre hinter ihr. „Aber du hasst Großstädte...“
Mia folgte dem Flur, der ins Wohnzimmer führte. Sie überblickte das Chaos, dass ich innerhalb eines Tages verursacht hatte und grinste.
„Ich dachte, ein so erfolgreicher Sportler wie du könnte sich eine Putzfrau leisten.“
„Ich hab eine Putzfrau! Aber die kommt nur alle zwei Tage.“ Verlegen fuhr ich mir durch die Haare. Mir war bewusst, wie das jetzt klingen musste. Kein normaler Mensch würde in so kurzer Zeit ein so großes Chaos verursachen können. Aber was soll ich sagen? Seit Alina weg war, hatte ich keine Motivation mehr fürs aufräumen gefunden. Eigentlich für gar nichts mehr...
„Verstehe“, murmelte Mia. Sie räumte meine Trainingsklamotten zur Seite, damit sie sich auf das Sofa setzen konnte. Ich tat es ihr gleich.
„Also...“, sagte ich, nachdem ich mich gesetzt hatte. „Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?“
Mia zögerte. „Ich… Naja… Ich hab mir Sorgen gemacht. Wegen Alina...“
Ich seufzte. Genau damit hatte ich gerechnet. „Mir geht‘s gut. Ehrlich. Das ist doch nur wieder eine Phase von ihr. Früher oder später wird sie zurückkommen.“
Mia runzelte die Stirn. „Und was, wenn nicht?“
Ich zuckte die Schultern. „Es gibt noch andere schöne Mädels auf diesem Planeten.“
Mia verdrehte die Augen. Sie kannte mich gut genug, um meine Maskerade zu durchschauen.
„Javi“, sagte sie sanft und legte eine Hand auf meine Schulter. „Du musst hier nicht den Coolen spielen. Ich seh dir doch an, wie nahe dir die ganze Sache geht.“
Ich zuckte hilflos die Schultern. „Und selbst wenn? Ich kann mir jetzt keine Schwäche erlauben. Wir sind im Saisonendspurt. Jedes Spiel ist ein kleines Endspiel. Jede noch so kleine Unachtsamkeit kann uns die Meisterschaft kosten.“
„Ist dir die Meisterschaft denn wirklich so wichtig?“ Ihre brauen Augen bohrten sich in meine und suchten verbissen nach der Wahrheit, die ich sogar vor mir selbst verborgen hatte.
„Ja verdammt! Es ist gut, dass ich mich auf was konzentrieren kann, sonst würde ich verrückt werden!!!“
„Oh Javi!“ Sie zog mich in ihre Arme, doch ich spannte mich an.
„Nicht“, murmelte ich. „Bitte.“
Mia seufzte, ließ mich dann aber tatsächlich los.
„Du kannst deine Gefühle nicht ewig aussperren. Irgendwann musst du dich mit der Sache auseinandersetzen.“ Jetzt klang sie schon wie unsere Mutter. Aber das sprach ich lieber nicht laut aus… Ein Streit mit meiner Lieblingsschwester war das Letzte, das ich gerade gebrauchen konnte.
„Jahhhaaa… Irgendwann.“ Aber nicht heute.
Mia grummelte etwas Unverständliches vor sich hin, ließ es dann aber gut sein.
„Hast du denn heute schon was Anständiges gegessen?“, fragte sie mit einem abfälligen Blick auf die Pizzaschachteln und Chipstüten, die hier herumlagen.
„Mehr als ich sollte“, gestand ich. Wenn Kovac davon wüsste, würde es ein riesiges Donnerwetter geben.
„Schade“, meinte meine Schwester. „Sonst hätte ich dir Omas Schokokekse gebacken.“ Diese gab es früher immer zur Aufmunterung, wenn einer von uns besonders traurig war. Meine Oma dachte, dass man mit diesen Keksen alle Probleme der Welt beseitigen konnte. Ein trauriges Lächeln legte sich auf meine Lippen. Wie sehr ich sie vermisste!
„Omas Schokokekse gehen immer!“
„Na, wenn das so ist...“ Mia sprang auf und verschwand Richtung Küche.

Eine Stunde später lag der Geruch von frischen Keksen in der Luft und ich musste ihn nur noch in die Küche folgen. Verführerisch standen sie auf dem Küchentisch und warteten darauf, von mir verschlungen zu werden. Ich tat ihnen den Gefallen.
„Oh mein Gott! Sind die lecker!“, rief ich noch während ich kaute. „Fast so gut wie bei Oma damals.“
„FAST?!“ Meine Schwester warf mir einen empörten Blick zu und zog das nur noch lauwarme Blech von mir weg.
„Genauso gut meinte ich!“, rief ich schnell, bevor sie die Kekse in Sicherheit bringen konnte.
„Hmmmm“, Mia tat so, als müsste sie darüber nachdenken, doch ich kannte sie viel zu gut, um zu wissen, wann etwas ernst gemeint war und wann nicht. Und schon breitete sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Na gut, ich will mal nicht so sein.“ Sie schob das Blech wieder in meine Richtung und ich griff nach dem nächsten Keks. Der süße Geschmack der Schokolade breitete sich in meinem Mund aus und ich stöhnte genießerisch. Nun griff auch meine Schwester zu und probierte von ihrem Meisterwerk.
„Gar nicht mal so übel.“ Sie lächelte zufrieden. Und da lächelte auch ich. Es war das erste, ernstgemeinte Lächeln seit Alina ausgezogen war.
„Ich bin echt froh, dass du gekommen bist“, gestand ich schließlich.
Mias Lächeln wurde noch breiter. „Ich hab dich auch vermisst, Bruderherz.“
Wir saßen noch eine Weile zusammen in der Küche und unterhielten uns über Gott und die Welt. Als die Gespräche allmählich verstummten, holte ich mein Handy raus, um unsere Eltern darüber zu informieren, dass Mia gut gelandet war. Das hatte sie in der Hektik vergessen. Noch während ich kurz mit ihnen redete, hatte Mia ebenfalls ihr Tablet aus der Tasche gezogen. Sie starrte wie gebannt auf dem Bildschirm und begann alle paar Sekunden zu kichern. Ich runzelte die Stirn. Hatte sie etwa einen neuen Verehrer?
Meine Neugier wuchs von Minute zu Minute. Schon bald konnte ich mich nicht mehr auf das Gerede meiner Mutter konzentrieren und würgte sie mit einer ziemlich schlechten Ausrede ab. Vorsichtig schlich ich an Mia heran und blickte ihr über die Schultern. Alles, was ich sehen konnte, waren eine Menge geschriebener Worte, die in einer Art Forum gepostet wurden. Wie langweilig. Ich wollte mich gerade zurückziehen, als meine Schwester den Kopf drehte und mich angrinste. „Unauffälliger kriegst du das nicht hin oder?!“
„Tzz, wenn ich gewusst hätte, dass das nur irgendein bescheuerter Text ist, dann...“
„Was hattest du denn erwartet? Irgendwelche Nacktfotos von fremden Kerlen?!“
Ich schüttelte mich. „Boah, bloß nicht. Reicht schon, dass ich jeden Tag in der Dusche welche sehen muss.“
„Ohhhhh, du Armer!“ Der gespielt mitleidige Blick meiner Schwester konnte mich nicht täuschen. „Das muss ja so schlimm für dich sein! Ehrlich man, ich würde liebend gerne mit dir tauschen.“
„Ernsthaft?“ Das überraschte mich jetzt doch ein wenig.
Mia zuckte die Schultern. „Naja, ein paar schnuckelige Kerle spielen schon bei euch.“
Ich hob eine Augenbraue. „Nenn mir einen!“
„Thiago!“
„Thiago?!“ Ich hätte jetzt eher mit James, Leon oder Jo gerechnet. Aber Thiago?
„Der hat Augen wie flüssige Zartbitterschokolade.“ Der schwärmerische Unterton in ihrer Stimme gefiel mir ganz und gar nicht.
„Du weißt schon, dass er verheiratet ist?!“
„Jaaaahhhaaa“, gab sie leicht genervt von sich. „Trotzdem! Diese Augen!!“
Ich versuchte mir Thiagos Augen vorzustellen, doch es gelang mir nicht. Eigenartig und das, obwohl wir uns jeden Tag beim Training sahen. Aber ehrlich gesagt hatte ich bisher nie darauf geachtet.
„Was liest du da eigentlich?“, fragte ich, um dieses leidige Thiago-Thema endlich hinter uns zu lassen, doch damit fing alles erst an...
Review schreiben