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The Outlaw and the Ladies

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Abigail Roberts Arthur Morgan Mary-Beth Gaskill Sadie Adler Tilly Jackson
29.05.2019
11.08.2019
5
6.623
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29.05.2019 1.762
 
Blackwater, Frühjahr 1884

Alles glitzerte oder war golden. Das Schmuckgeschäft. Nur einer der Kunden passte nicht. Unter den feinen Herren und Ladies war ein junger Mann, der so gar nicht passte. Eine Geflickte Arbeitshose, ein weißes Hemd, Hosenträger, ein halstuch und abgegriffener Lederhut. Ein Patronengürtel mit Holster samt Cattleman-Revolver. Arthur Morgan. 21 Jahre alt. Normalerweise betrat er nur so einen Laden mit verdecktem Gesicht und gezogener Waffe. Aber das war diesmal nicht so.”Kann ich ihnen helfen junger Mann?” fragte die Stimme der etwas älteren Verkäuferin. Arthur erwachte aus seinen Gedanken.”Ja….ich suche einen Ring…” erklärte Arthur.”Soso. Davon haben wir viele. Was soll es denn sein? Ein Geschenk oder womöglich ein Ring für ihre Angebetete?” fragte die Frau mit einem strahlenden Lächeln und führte Arthur zu einer Vitrine. Unter einer dicken Glasscheibe lagen sie. Ringe in Hülle und Fülle. Einfache aus Silber oder Gold. Und manche mit Edelsteinen bestückt.”In welcher Preisklasse darf es denn liegen?” fragte die Verkäuferin.”Das ist egal, ich habe etwas gespart” erwiderte Arthur und hob eine gut gefüllte Geldscheinklammer. Die Verkäuferin zeigte sich hocherfreut.”Sehr gut, so wie es sein sollte. Für die Liebe ist nichts zu teuer” lobte sie Arthurs Verhalten. Mit einem Schlüssel öffnete sie die Vitrine und holte einen Ring heraus.”Hier. Hochkarätiges Gold mit einem Rubin besetzt” zeigte sie ihm den Ring. Er glänzte so schön. Aber der Preis war enorm. 800 Dollar. So viel hatte Arthur noch nie für etwas ausgegeben. Kein Pferd und keine Waffe kostete jemals so viel. Aber Arthur stimmte zu. Er würde sich den Ring Kaufen. Und er legte die 800 Dollar auf den Tresen und das in Bar. Die Verkäuferin verpackte es noch nett.”Viel Glück bei ihrer Angebeteten!” rief die Verkäuferin dem jungen Mann noch hinterher und winkte ihm. Arthur stieg auf sein Pferd und ritt wieder aus der Stadt.


Great Plains, Lager der Van der Linde-Gang

Arthur war in Hochstimmung. Er wusch sich ausgiebig an einem mit frischem Wasser gefüllten Fass. Nahm sich ein frisches Hemd direkt von der Leine und putzte seine Schuhe.”Auf was bereitest du dich denn vor?” fragte Hosea. Arthur drehte sich um. Hosea stand direkt vor ihm. Wie immer ein väterliches Lächeln im Gesicht.”Oh….ich wollte heute Abend noch zu Mary...und….” erwiderte Arthur etwas holprig. Hosea hob fragend die Augenbraue und lachte dann.”Aber natürlich. Und deswegen wäschst du dich das erste mal seit Monaten” durchschaute Hosea seinen Ziehsohn sofort.”Na gut...ich will sie etwas fragen. Etwas sehr wichtiges” gestand Arthur und setzte sich auf sein Feldbett. Sofort wurde Hoseas Miene bitterernst. Er setzte sich zu ihm.”Hört zu Arthur…” begann Hosea und legte Arthur seine Hand auf die Schulter.”Liebe ist eine wunderschöne Sache. Die Ehe ebenso….aber ich denke du und Mary….das passt nicht. Eure Leben sind zu unterschiedlich…” erzählte Hosea.”Na und? Ich würde für sie ehrlich werden!” schmetterte Arthur trotzig ab.”Und was willst du machen? Du bist ein Outlaw Arthur! Das wirst du auch bleiben!” konfrontierte Hosea Arthur mit der Wirklichkeit.”Das ist nicht wahr!!! Betsy und du habt doch auch geheiratet!” maulte Arthur nun Hosea an.”Und damals habe ich es versucht. Betsy zu Liebe! Ich habe die Gang verlassen. Ich wollte ehrlich leben. Aber dieses Leben holt dich immer wieder ein. Irgendwann erkennt dich einer dem du mal auf die Füße getreten bist. Dann donnern die Revolver und wieder sind Männer tot!” warf Hosea Arthur an den Kopf.”Bei mir ist es anders!” blaffte Arthur zurück und steckte seinen Revolver wieder ins Holster und verließ sein Zelt.”Du wirst es noch bereuen Arthur!! Das sag ich dir!!” warnte Hosea ihn vor. Doch Arthur blieb stur. Er stieg auf sein Pferd und ritt davon. Hosea seufzte erschöpft.”Was ist den los Hosea?” fragte Dutch, der neben seinen alten Freund trat. Hosea sah seinen alten Freund an.”Arthur wird heute eine schmerzhafte Lektion lernen” erwiderte Hosea nur und ging zurück zu seiner Frau. Dutch zog an seiner Zigarre und bließ etwas Rauch aus, wobei er Arthur nachsah. Langsam schüttelte Dutch den Kopf und wandte sich um. Wenn Arthur es so wollte, dann war es eben so.


Später am Abend, Gillis Anwesen

Arthur schlich sich wie immer heimlich auf das Anwesen von Marys Eltern. Ihr Vater hasste Arthur. Er war nur ein schäbiger Ganove für ihn. Nie war er gut genug. Egal wie viel Geld er hatte. Ihr Vater hatte andere Pläne. Mary sollte heiraten. Einen reichen Mann. Um die Geschäfte zu erhalten. Es lief wie immer. Arthur lag auf der Lauer. Bis die Lichter im Haus sich löschten. Das war das Signal. Flink und leise wie ein Fuchs huschte Arthur hinters Haus und warf mit einigen kleinen Kieseln gegen das Fenster. Irgendwann wurde es geöffnet.”Mary” rief Arthur leise.”Arthur?” erwiderte Mary erfreut.”Ich komme sofort runter, triff mich am selben Ort wie immer” erwiderte Mary und schloss das Fenster wieder. Arthur strahlte und lief los. Der übliche Ort. Das war der Bach, der durch das Anwesen der Familie floss.
Arthur stand am Wasser und warf einige Steine. Diese sprangen ein oder zweimal übers Wasser. Mary lief zu ihm. Die beiden umarmten und küssten sich. Sie waren über beide Ohren verliebt. Die junge Frau stellte sich neben Arthur ans Ufer.”Was führt dich her? Zieht ihr etwa weiter?” fragte Mary mit einem nervösen Unterton.”Nein Mary....wir bleiben in den Plains” erwiderte Arthur nur. Mary schien erleichtert.”Aber ich habe etwas anderes Mary” gestand Arthur dann und griff in seine Hosentasche. Darin war eine schöne kleine Box mit dem Ring darin.”Mary….ich liebe dich und das weißt du…” sprach Arthur weiter. Nun war der immer mutige Outlaw nicht mehr so tapfer. Langsam kniete er sich hin.”Darum will ich dich fragen….Mary Gillis….willst du meine Ehefrau werden?” machte Arthur dann der jungen Frau einen Antrag. Mary blieb die Luft weg. Sie starrte ihn mit großen Augen an. ”A-Arthur….d-du weißt….D-Daddy w-wird das nicht zulassen” stammelte Mary und wich etwas zurück.”Brenn mit mir durch! Ich werde auch ehrlich, wirklich Mary, bei meiner Ehre!” erwiderte Arthur und erhob sich. Er steckte Mary den gekauften Ring an. Mary starrte abwechselnd den Ring und Arthur an. Sie war hin und her gerissen. Die Zweisamkeit wurde von Hufgetrappel zerstört.
”Mary Gillis!” donnerte die Stimme ihres Vaters. Beide sahen auf. Marys Vater kam mit zwei Angestellten angeritten. Ihr Vater hatte seine Flinte in der Hand. Diese richtete er auf Arthur und spannte mit einem Klacken die beiden Hähne der Waffe. Die beiden Angestellten richteten ihre Repetierkarabiner auf den jungen Mann.”Mary komm her!” befahl ihr Vater. Ohne ein Gegenwort ging sie zu ihrem Vater.”Mary!” rief Arthur entsetzt. Die junge Frau sah ihn nicht an.”Wie oft habe ich es dir gesagt du Stück Scheiße? Finger weg von meiner Mary! Sie hat besseres verdient!” brüllte ihr Vater Arthur an und zielte auf ihn. Arthur zog blitzschnell seinen Revolver und schoss dem Mann die Flinte aus der Hand. Dieser fluchte laut. Seine beiden Angestellten entsicherten nun ihre Waffen.”Daddy!” rief Mary besorgt. Arthur spannte den Hahn seines Revolvers wieder.”Erschießt ihn!” brüllte ihr Vater.”Nein!!!” schrie Mary schrill und laut. Diesmal bot sie ihm die Stirn und stellte sich in die Schusslinie. Während er sich weiter die schmerzende Hand hielt spuckte ihr Vater auf den Boden.”Senkt eure gottverdammten Kanonen!” knickte er dann ein. Seine beiden Angestellten nahmen die Gewehr runter.”Sei froh Morgan. Meine Tochter sieht das große Ganze noch nicht und denkt noch du wärst etwas Wert. Glück gehabt. Aber jetzt verschwinde von meinem Land!! Wenn ich deine gottverdammte Visage noch einmal auf meinem Grund und Boden sehe puste ich dir den Schädel weg!” drohte Mister Gillis dem jungen Mann und brachte Mary zurück ins Haus. Etwas starb in Arthur. Der junge Mann holsterte seinen Revolver und verließ das Anwesen der Gillis. Er pfiff nach seinem Pferd und stieg auf. Nun war es mitten in der Nacht. Es begann zu regnen. Die Tropfen peitschten ihm entgegen. Der Regen kaschierte es etwas, aber dennoch weinte Arthur. Tränen liefen seine Wange hinunter. Mary war rückgratlos. Sie konnte ihrem Vater einfach nicht widersprechen. Das hatte er viel zu spät verstanden.


Saint Denis, Sommer 1899

Es war wieder dieses Gefühl. Dasselbe wie im Juwelier in Blackwater. Eine leichte Aufregung. Unsicherheit. Ein Brief brachte Arthur erneut nach Saint Denis. Mary wollte ihn erneut sehen. Beim letzten Mal konnte er nicht nein sagen. Er holte ihren kleinen Bruder Jamie aus den Fängen einiger religiöser Spinner. Aber Jamie war anders. Er war unschuldig. Arthur hatte Jamie das reiten beigebracht damals. Aber das war lange her. Damals erhoffte sich Arthur etwas. Was das aber war, das wusste er selbst nicht. Vielleicht wollte er noch eine Chance bei Mary. Wollte sich bei ihr gut stellen. Nun war es wieder soweit. Arthur saß auf den Stufen des “Royal Denis” Hotels. Die Tür ging auf.”Arthur!” begrüßte Mary den Mann. Arthur zog sich den Hut ab und stand auf.”Warum wolltest du mich sehen?” fragte Arthur direkt mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme.”Ich….ich….brauche wieder deine Hilfe” gestand Mary und traute sich nicht ihn an zu sehen. Arthur seufzte.”Bei was denn jetzt?” fragte er und setzte sich den Hut wieder auf.”Daddy….” zögerte Mary.”Pah!!” erwiderte Arthur empört.”Ist dein Daddy wieder in Schwierigkeiten? Was ist es diesmal? Der Alkohol oder das Glücksspiel? Oder die Huren?” warf Arthur ihr erbost an den Kopf.”Arthur!” erwiderte Mary nur verzweifelt.”Ich war nie gut genug für diesen Mann. Mein Leben war es nicht. Mein Geld war es nicht. Er hätte mir fast den Kopf weggepustet. Irgendwo hat es auch ein Ende!” redete Arthur sich den 15 Jahre angestauten Frust von der Seele. Nun war auch Arthur Geduldsfaden gerissen. Nun wandte er sich ab.”Arthur!” bettelte Mary ihn ein letztes Mal an und nahm seine Hand. Das zwang ihn sie wieder an zu sehen. Mary hatte Tränen in den Augen. Sie flehte ihn an. Doch diesmal brachte es nichts. Arthur schob ihre Hände von seiner.”Es ist vorbei Mary….ich bin dir 15 Jahre nachgerannt wie ein dummer alter Hund. Aber ein alter Hund lernt doch noch dazu” schloss Arthur mit ihr ab. Kurz danach schwang er sich auf sein Pferd. Mary sah ihn entgeistert und traurig an.”Einen schönen Tag noch Misses Linton” wünschte Arthur ihr und fasste sich an den Hut. Mit einer leichten Beinbewegung gab er seinem Pferd das Signal zum Laufen. Die Hufeisen des Pferdes klapperten auf dem Kopfsteinpflaster der Straße. Diesmal schaute Arthur nicht zurück. Nie wieder.
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