Marea Strip

von SoraAmaya
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
28.05.2019
19.02.2020
29
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Dieses Kapitel
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Hallo, liebe Leser!
Einen wunderschönen Valentinstag an alle! Passen dazu ist hier das letzte "normale" Kapitel von "Marea Strip", das nächste Mal gibtˋs noch deinen kurzen Epilog. Aus diesem Grund will ich mich bei allen fleißigen Lesern bedanken und besondes bei wildhairdo. Vielen Dank, dass du mir zu jedem Kapitel ein Review dagelassen hast, sowas ist die beste Motivation für einen Schreiberling wie mich.
Und jetzt viel Spaß mit dem Kapitel!

Liebe Grüße,
SoraAmaya

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Kapitel 28
Borderlines

Marea Strip
by SoraAmaya

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„Dave, jetzt lass das doch mal!“

Genervt wehrt Cook die beiden Hände ab, die sich schon wieder an seinem Hemd zu schaffen machen wollten, um imaginäre Staubkörner wegzuwischen.

„Ich bin kein kleines Kind mehr, ich kann mich selbst anziehen“, mault der Dunkelhaarige, hat aber keine Chance seinem Freund auszuweichen, der in mit seinem Körper bestimmt gegen die Wand drückt und seine Krawatte zurechtrückt. Grinsend sieht der nur minimal Kleinere zu ihm auf.

„Ich weiß genau, dass du das nur über dich ergehen lässt, weil du auf später spekulierst“, schnurrt der Blonde und schnappt nach seinen Lippen.

„Und ich weiß genau, dass du es nicht bis später aushalten wirst“, erwidert er, „Außer du stirbst in der Zwischenzeit an Nervosität.“

Leidend verzieht sein Freund das Gesicht.

„Musst du mich daran erinnern? Ich hab es gerade verdrängen können…“

Beruhigend drückt Cook ihm seine Lippen gegen die Schläfe und meint: „Hey, mach dich nicht verrückt. Ich könnte mir im Moment auch in die Hose pinkeln, aber es wird schon nicht so schlimm werden.“

„Hoffe ich…“

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Wie Schwerter zerteilen die vier Lichtsäulen, die von starken Strahlern in den Nachthimmel über Marea City geworfen werden.

Die Idee hatte Patricia selbst, als Hommage an die glamourösen Filmpremieren, die noch vor dreißig Jahren hier gefeiert wurden. An diesem Thema orientiert sich auch die Einrichtung des „Borderlines“, das wie ein herrschaftliches Kino aus vergangenen Zeiten ausgestattet ist. Rote Kordeln als Absperrung leiten die wartenden Gäste zum Eingang, wo zwei Securitymänner die Eintrittskarten kontrollieren.

Cook und David haben ihren Club schon vor einer halben Stunde über den Hintereingang betreten und sind wie die jetzt ankommenden Eröffnungsgäste von Popkornduft und einer flirrenden Stimmung empfangen worden.

„Dann stürzen wir uns mal ins Getümmel“, meint der Blonde, wird aber von einer Hand an seiner Schulter aufgehalten und zurückgezogen.

Nur einen Herzschlag später spürt er die weichen Lippen seines Lovers auf seinen und drängt sich seinem Körper unwillkürlich entgegen. Heftig atmend löst er sich eine halbe Ewigkeit später von ihm und sucht seinen Blick. Braun-Grau und funkelndes Hellgrün verschmelzen für einen Moment miteinander.

„Später müssen wir miteinander reden“, murmelt Cook, „Aber erst, wenn wir das hier hinter uns haben.“

Lächelnd drückt ihm der Blonde noch einen Kuss auf den Mund und meint: „Dann lass uns mal anfangen. Pat müsste auch bald kommen.“

Gemeinsam mischen sie sich unters Volk, begrüßen spezielle Gäste und kümmern sich im Verborgenen um den reibungslosen Ablauf.

Etwa eine Stunde später, genau pünktlich zur feierlichen Eröffnung erscheint Patricia neben der großen Doppeltreppe, die sie extra einbauen ließen, und kommt auf ihre beiden Partner zu.

„Hey, wie ich sehe, habt ihr den Laden im Griff“, begrüßt sie die zwei, „Dann hätte ich ja noch eine Runde in der Badewanne bleiben können.“

„Vergiss es!“, lacht David und erwidert die Küsschen mit der gleichen Leichtigkeit, mit der die Schwarzhaarige sie verteilt.

Cook hingegen hat sich noch immer nicht an dieses Getue, wie er es nennt, gewöhnt und wird es wohl auch nicht mehr.

Etwas steif deswegen erwidert er die Umarmung und deutet anschließend mit dem Kopf auf die Treppe.

„Die alle warten nur noch auf deine Eröffnung“, sagt er.

Tief durchatmend streicht Patricia ihr schwarzes Kleid mit winzigen Goldfäden glatt und macht sich auf den Weg.

„Und langweil sie nicht mit einer ellenlangen Rede“, ruft David ihr hinterher und erntet einen giftigen Blick über die Schulter.

Seine – wenn auch im Spaß geäußerte – Befürchtung ist vollkommen unbegründet, kaum hat die Dunkelhäutige die letzten abschließenden Worte gesagt und allen einen unvergesslichen Abend gewünscht, brandet tosender Applaus auf.

Strahlend bedankt sie sich und holt die beiden Jungs mit auf die improvisierte Bühne.

Nach fünf Minuten ist der Spuk wieder vorbei und sie unterhalten sich etwas abseits, als ein schwarzhaariger Mann Mitte dreißig auf sie zukommt.

Lachend küsst er Patricia auf die Wange und meint: „Guten Abend, meine Schöne! Du warst eben fantastisch, ich konnte mich gar nicht satt sehen.“

„Ricky, freut mich, dass du da bist.“

„Was denkst du von mir? Ich lass mir doch nicht entgehen, wenn meine Schon-fast-Freundin ihren großen Traum erfüllt.“

Während die beiden noch eine Weile weiter turteln, werfen sich David und Cook einen belustigten Blick zu.

„Ich wusste gar nicht, dass Pat jetzt einen Verehrer hat“, flüstert der Blonde hinter vorgehaltener Hand, „Aber anscheinend sind die beiden auf einem guten Weg.“

„Ja, scheint so.“

Etwas verlegen kommt die frischgebackene Clubbesitzerin schließlich am Arm ihres Beleiters zu ihnen zurück und sagt: „Tut mir leid, ich wollte euch nicht einfach stehen lassen. Darf ich vorstellen? Das ist Ricardo.“

Schmunzelnd wandert ihr Blick kurz zu ihm rüber.

„Mein Freund aus Marea. Das sind David und Cook, meine beiden Teilhaber.“

Zwar reicht ihm David brav die Hand, aber über seinen Rücken kriecht eine eisige Gänsehaut, die erst abschütteln kann, als sein braunhaariger Freund ihn in einer ruhigen Minute in eine Nische zieht.

„Was ist los, Sugar?“, will er wissen und fährt mit dem Daumen sanft über seine Wange, „Du bist seit vorhin so komisch drauf.“

„Der Typ von Pat, ihr neuer Freund, kommt aus Marea und heißt Ricardo“, sagt er, als wäre damit alles erklärt und das ist es für Cook auch.

„Du denkst, das ist der, der dir auf den Fersen war?“

„Mann, ich weiß, das kann gar nicht sein, aber er sieht diesem Typen, neben dem ich im Casino gesessen bin einfach zu ähnlich.“

Langsam findet Cooks Hand ihren Weg in seine blonden Haare und krault ihn beruhigend.

„Hey, ich weiß zwar nicht, wie dieser Typ in Echt aussieht, ich kenne ja nur deine Beschreibungen, aber wenn du das Gefühl hast, er ist es, dann hör verdammt nochmal auf dein Bauchgefühl“, meint der Dunkelhaarige und sieht ihn an, „Bei mir hast du ja auch auf dein Bauchgefühl gehört.“

Obwohl er gar nicht will, stiehlt sich ein leises Lachen aus seinem Mund.

„War das wirklich Bauchgefühl? Ich denke eher, das war pure Geilheit aufeinander.“

„Wenn es nur das ist, müssten wir eigentlich die ganze Zeit, wenn wir zusammen sind, hemmungslos übereinander herfallen“, feixt Cook, „Aber da das nicht der Fall ist, muss es was anderes sein. Platonische Freundschaft?“

Augenrollend streckt ihm David die Zunge heraus.

„Platonische Freunde treiben es aber nicht miteinander“, klärt er ihn auf, „Ich würde sagen, wir haben unser ganz eigenes Ding.“

Mit einem Lachen schnappt sein Freund nochmal nach seinen Lippen und schiebt ihn dann energisch wieder in die Menge der feiernden Menschenmasse.

„Jep, unser eigenes Ding. Und dazu gehört jetzt auch unser Club. Also lassen wir die Meute mal nicht länger warten, sonst gibt es noch Gerüchte, was die beiden Teilhaber miteinander in dem dunklen Gang zu schaffen haben.“

Über die Schulter wirft David ihm einen besorgten Blick zu. In den vergangenen Monaten, als sie mit der Planung des „Borderlines“ beschäftigt waren, gab es ein paar Situationen, in denen sie sich in der Öffentlichkeit wie – nun ja, wie ein Paar eben verhalten haben, auch wenn sie es nicht waren.

Bis dahin hatten sie sich nicht große Gedanken um die Meinung der anderen gemacht, doch als Chefs von ungefähr einem Dutzend Barkeepern und Kellnern, die zum größten Teil männlich sind, wäre das Umherschwirren solcher Gerüchte nicht gerade förderlich.

Ein angedeutetes Schmunzeln im Mundwinkel klebend, schüttelt Cook den Kopf.

„Die haben nichts gemerkt“, will er damit sagen und der Blonde versteht ihn.

Den Rest des Abends bis Mitternacht verbringen die beiden getrennt, jeder wird von seiner Gesprächsrunde belagert.

Zehn Minuten vor Mitternacht bemerkt Cook, wie Patricia und ihr Anhängsel die Eröffnungsparty durch den Hintereingang verlassen.

Es ist nicht schwer, eins und eins zusammen zu zählen – die beiden verziehen sich auf ein Hotelzimmer.

Ein breites Grinsen im Gesicht macht er sich auf die Suche nach seinem Lover, den er in mitten einer Gruppe junger und eindeutig interessierter Damen findet.

Da wird einer angebaggert. Sorry, Ladies, aber diese Sahneschnitte gehört schon mir.

Unbemerkt bringt er sich in eine Position, von der aus er zuhören kann, was gesagt wird, aber von niemanden aus der Gruppe gesehen wird.

„Na, was macht so ein attraktiver junger Mann wie du ganz alleine hier?“

Fehlt nur noch, dass sie ihn fragen, ob er eine Freundin hat. Obwohl, das wäre für die meisten von denen kein großer Hinderungsgrund, eher eine unliebsame Kleinigkeit, die man in Kauf nehmen muss.

„Meine Damen, es tut mir sehr leid, Sie enttäuschen zu müssen“, meint David indessen mit einer leichten Verbeugung, als wäre er ein übrig gebliebener Gentleman aus dem vorherigen Jahrhundert, „Aber ich bin für diese Nacht – wie auch für alle andern Nächte – bereits vergeben. Es wäre nicht fair Ihnen gegenüber, etwas anderes zu behaupten. Dennoch wünsche ich Ihnen weiterhin einen amüsanten Abend. Ich empfehle mich.“

Das hast du gerade nicht ernsthaft gesagt, Sugar.

Vor Überraschung vergisst der Dunkelhaarige, sich aus dem Staub zu machen und so prallt David fast mit ihm zusammen, als er sich umdreht und zum Gehen wendet.

„Cook?“

Sein Grinsen verrutscht zu einem Schiefen und verlegen fährt er sich durch die Haare.

„Das ist nicht, wie du denkst“, setzt er an, wird jedoch von einem Kopfschütteln unterbrochen.

„Kannst du ruhig gehört haben, was ich gesagt hab“, meint er achselzuckend, „Ist nichts Schlimmes gewesen, nur um die Teilzeitgroupies zu verscheuchen.“

Erleichtert atmet Cook auf und senkt dann die Stimme.

„Patricia und ihr Ricardo sind vorhin verschwunden, wahrscheinlich das Bett einweihen“, teilt er ihm mit, „Was meinst du? Machen wir uns auch aus dem Staub? Keith von der Security ist von mir schon vorgewarnt worden, dass wir im Laufe des Abends von der Bildfläche verschwinden werden.“

Ohne lange zu überlegen, stimmt David zu und unauffällig bahnen sie sich einen Weg zum Hinterausgang, durch den sie auch gekommen waren.

Dunkel umfängt sie der schmale Gang, der sonst nur von Zimmermädchen oder anderem Hotelpersonal benutzt wird.

Irgendwie hat David das Gefühl, als würden zentnerschwere Geröllblöcke von seinen Schultern fallen.

Nebeneinander an der Wand lehnend, schweigen sie sich an, bis Cook leise sagt: „Befreien wir uns auf dem Zimmer schnell aus diesen Klamotten und dann – müssen wir miteinander reden.“

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Etwas verloren steht der Zwanzigjährige neben dem Bett und wartet auf seinen Lover.

Als er wieder in seinen normalen Klamotten steckt, sieht er den Dunkelhaarigen ihn an.

„Gehen wir… gehen wir raus?“, frägt er und seine Stimme spiegelt den ganzen Gefühlssturm in seinem Inneren wider.

Draußen vor dem Hotel schlägt er unwillkürlich den Weg zum Hotelpark ein, in dem sie um diese Uhrzeit ungestört sein dürften.

Und das sollten wir, weil ich weiß nicht, ob ich das Folgende nach einer Unterbrechung nochmal über die Lippen bringe.

Die Hände hat der Blonde in den Taschen seiner Jeans vergraben und sieht ihn von der Seite an.

„Du wolltest mit mir reden.“

Nervös räuspert sich Cook und ein trockenes Lachen entweicht ihm: „Ja, wollte ich, aber jetzt hab ich keinen blassen Schimmer mehr, wie ich dir das sagen soll.“

Alarmiert ruckt Davids Kopf nach oben, nachdem er intensiv den Boden gemustert hat.

„Ist etwas passiert?!“

Sofort schüttelt Cook den Kopf und beruhigt ihn: „Nein, keine Sorge. Es ist nur…“

Ich kann´s einfach nicht! Ich Idiot…

Schnaubend rauft er sich die dunkelbraunen Haare und setzt sich auf eine Parkbank.

„Ich weiß nicht, wie das mit uns weitergehen soll. Seit unserer ersten Nacht hat sich was verändert oder eher ich hab mich verändert. Du warst einfach plötzlich da, hast dich frech lachend in meine Gedanken gedrängt und – ich mochte es. Mit der Zeit immer mehr. Am Anfang hab ich es nicht gemerkt oder einfach auch nicht wahrhaben wollen, aber ich hab mich in dich verliebt. Nach unserem Urlaub in Marea war da wie ein Loch, egal was ich gemacht habe, egal mit was ich mich ablenken wollte. Du warst einfach nicht da…“

Schweigend hört David ihm zu, realisiert erst nach und nach, was er da hört.

„Du bist... ?“

Gequält lächelnd sieht Cook auf und begegnet seinem Blick, den Augen, die ihm etliche Stunden Schlaf geraubt haben.

„In dich verliebt, ja. Ich weiß, da ist irgendwie mehr zwischen uns, als nur das Übliche zwischen uns. Und ich hab einfach Schiss, dass – keine Ahnung.“

Kies knirscht unter seinen Schuhsohlen, als der Blonde sich vor ihn kniet und nach seinen Händen greift.

„Hey“, meint er flüsternd, „Du hast Schiss, dass das zwischen uns nicht klappt.“

Ein kleines Lachen kommt über seine Lippen.

„Eine sehr weise Frau hat mir mal gesagt, dass es für sowas keine Garantie gibt. Es kann nach einiger Zeit in die Brüche gehen, aber es kann genauso gut klappen.“

Sanft hebt er Cooks Kinn an und zwingt ihn, ihn anzusehen.

„Nicht nur du hast dich verliebt, mich hat es irgendwie auch erwischt. DU hast mich erwischt.“

Eine Weile sehen sie sich einfach nur an und er nutzt die Zeit, um seine Gedanken zu ordnen.

„Diese weise Frau hat mir gesagt, ich hätte zwei Möglichkeiten“, fährt David fort, „Ich könnte davonlaufen und die Chance verstreichen lassen. Keiner würde wegen einer gescheiterten Beziehung verletzt werden, mit der Zeit würde man sich vergessen oder zumindest lernen, damit zu leben. Man hat aber auch immer diesen Teufel auf der Schulter sitzen, der einem ins Ohr flüstert: `Du hättest es wenigstens versuchen können… Was wäre, wenn es geklappt hätte?´ Und deshalb – ach, verdammt!“

Es fällt ihm unglaublich schwer, seine Gedanken in Worte zu fassen, weshalb er sich schon frustriert abwenden will, als eine Hand an seiner Schulter ihn davon abhält.

Langsam wandert sie zu seiner Wange, verweilt dort und weiche Lippen treffen auf seine. Überrascht blickt er in das Hellgrün, in dem sich ein winziger Fetzen des Mondes spiegelt.

„Ich wäre für Möglichkeit zwei“, murmelt der Dunkelhaarige, „Wir sind zusammen und zeigen diesen Spießern da draußen mal, wie glücklich wir miteinander sein können.“

Zaghaft verzieht er die Mundwinkel zu einem Lächeln und haucht noch einen Kuss auf seine Lippen.

„Und um der kitschigen Schiene, in der wir gerade eh schon sind, treu zu bleiben, frage ich dich jetzt: Willst du, David Hall, mich haben?“

Einige endlos erscheinende Sekunden starrt der Blonde ihn einfach nur an, bis sich ein Grinsen auf seinem Gesicht breit macht.

„Du bist irre, Cook Jones, vollkommen irre.“

Noch immer lachend zieht er ihn mit der Hand im Nacken noch näher zu sich und verschließt seine Lippen mit einem stürmischen Kuss, in dem all die aufgestauten Gefühle liegen.

Haltsuchend graben sich Cooks Finger in den Stoff seines Shirts, als wollen sie in festhalten und nicht mehr so schnell loslassen.



Stimmt ja auch.
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