Blutlinien

von Aravae
GeschichteAbenteuer / P16
Gaara Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
14.11.2019
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Heyho! Herzlich Willkommen zurück! Bevor ihr lest, wäre es schön, wenn ihr euch die Info hier mal schnell durchlest.
Und zwar habe ich zwei Änderungen vorgenommen:
1) Ich habe den Anführer der Banditen in YUUDAI umbenannt, damit es weniger zu Verwechslungen kommen kann. Wer das fünfte Kapitel noch nicht gelesen hat, wird feststellen, dass ich auch da schon den Namen gewechselt habe
2) Das zweite Kapitel aus Teil 1 habe ich ebenfalls überarbeitet. Es wird voraussichtlich mit dem nächsten Update veröffentlicht und soll überwiegend die Kausalität der Geschichte verbessern.

Zusätzlich dazu wird das wohl das letzte außerplanmäßige Update sein. Jeden zweiten Sonntag könnt ihr euch darauf
einstellen, dass ein neues Kapitel erscheinen wird. Sollte da kurzfristig was dazwischen kommen, bitte ich das zu entschuldigen. Manche Dinge kannn ich eben nicht kontrollieren. Wenn ich kann, werde ich euch aber immer vorher informieren.

Das war es auch schon!
Ich wünsche euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel :)
LG Aravae


Schreie hallen durch die dunklen und feuchten Gemäuer wie ein Albtraum, der einen nachts nicht loslässt. Seit einer Woche quälen sie die Bewohner, Wachen und die anderen Gefangenen, aber der Verursacher macht noch immer keine Anstalten aufzuhören.
Die junge Frau sitzt in der dunkelsten und feuchtesten Ecke ihrer kleinen Zelle, die Arme auf den Knien abgestützt und die Haare wie einen Vorhang vor sich fallend. Kälte kriecht in ihre Knochen und lässt ihren zierlichen Körper unkontrolliert zittern. Ihr Schluchzen und Jammern hallt an den Steinmauern wider und steigert sich zu einem Crescendo, das überall zu hören ist. Es zieht an den Nerven eines jeden, der in den Gängen umherwandert, aber bisher hat niemand es gewagt, sie anzurühren.  
Niemand rührt das Eigentum von Yuudai an.
Eine Zellentür quietscht und unterbricht damit das andauernde Klagen der jungen Frau. Sie hebt den Kopf und schützt ihre trüben Augen mit der Hand vor dem ungewohnten Licht.
Sie rümpft die Nase, als ihr unerwarteter Besucher die Zelle betritt. Ein grausames Grinsen liegt auf seinem Gesicht, das sie wiedererkennt. Er ist derjenige, der ihr das wenige Essen bringt, das sie am Leben erhält. Er lässt die Zellentür offen, da sie sowieso zu kraftlos ist, um ihn zu überwältigen und die Festung danach zu verlassen.
„Na los, Süße. Der Boss will dich sehen“
Sir wird gepackt, auf die Beine gezogen und vorwärts gestoßen. Stöhnend stolpert sie und findet erst ihr Gleichgewicht, als sie sich an der Zellentür festkrallt. Ihre Beine sind wackliger als Pudding und folgen nur langsam ihren Befehlen.
Schritt für Schritt tastet sie sich vor, hinter sich stets ihren Begleiter.
„Geht das nicht schneller?“, keift er und stößt sie gegen die Schulter. Schreiend knickt sie ein und fängt sich mit den Händen ab, bevor sie zu Boden stürzt.
Wortlos rafft sie sich wieder auf und geht weiter in ihrem eigenen Tempo durch die Gänge. Der Kerl hinter ihr mag zwar stinken und schlechte Laune haben, aber sie lässt sich davon nicht mehr irritieren. Zu viel hat sie bereits erlebt, als dass sie sich jetzt von ein bisschen schlechter Laune aus der Fassung bringen lässt.
Eine Ewigkeit ist sie mit ihrem neuen Peiniger unterwegs, ohne dass ihnen jemand begegnet. Obwohl sie sich sicher ist, dass sie bereits mehrere Stockwerke nach oben gegangen sind, ändert sich das Licht in diesem Gemäuer nicht. Kein Fenster und kein Loch können die Dunkelheit vertreiben.
„Da rein“, blafft der Kerl, zerrt die junge Frau zu einer Tür und stößt sie hinein. Der große Raum ist hell erleuchtet und vollgestopft mit Waffen aller Art. Airi braucht eine Weile, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen und alles auf sich wirken zu lassen. Ihr gegenüber gibt eine Fensterfront den Blick auf einen nächtlichen Wald frei, durch den sich gleich drei Flüsse schlängeln. Der Raum an sich ist sehr schlicht gehalten mit einem Schreibtisch aus Dunkelholz an der rechten Seite, einem Regal direkt daneben und dem kunstvollen Teppich in der Mitte. Jeder Zentimeter vom Rest des Zimmers ist mit Waffen vollgestopft. Schwerter, Lanzen, Dolche, Bögen, einige Armbrüste und allerhand Dinge, die Airi noch nie zuvor gesehen hat.
„Airi Matsumoto. Willkommen in meiner Festung“, wird sie begrüßt.
Sie zuckt zusammen und weicht vor dem Hausherrn zurück, der bis jetzt vor der Fensterfront stand. Die schwarzen, grausamen Augen, die er auf sie richtet, jagen ihr einen Schauer über den Rücken und das Lächeln ist das eines Raubtieres, das seine Beute ins Visier genommen hat.
„Du kannst gehen“, befiehlt er ihrer Begleitung. Der nickt und schließt die Türen hinter sich. Jetzt, wo sie weiß, dass sie mit diesem Monster allein ist, zittern Airi die Knie noch mehr. Bis jetzt hat sie sich gefragt, was sie hier macht und wer sie überhaupt gefangen genommen hat, aber nun, da sie vor dem Verantwortlichen steht, möchte sie am liebsten wieder zurück in ihre Zelle kriechen.
„Es tut mir leid für diese Unannehmlichkeiten, aber wir hatten ein paar Schwierigkeiten“, erzählte er, als rede er gerade über das Wetter. Mit großen Augen beobachtet Airi, wie er sich ihr nähert, aber nicht ein Muskel will ihr gehorchen, als ihr Kopf nach Flucht schreit.
„Mein Name ist übrigens Yuudai und ich entschuldige mich hiermit, dass ich mich dir noch nicht vorstellen konnte. Es ist schön hier, nicht?“ Voller Stolz zeigt er auf die große Waffensammlung.
„Wo- woher kennen Sie meinen Namen?“, fragt Airi. Ihre Stimme ist rau und schmerzt von den Anstrengungen der letzten Tage.
„Das tut jetzt nichts zur Sache“, wehrt er ab, kommt ihr noch näher und packt sie grob am Kinn. Am liebsten hätte sich Airi in der einsamsten Ecke der Welt verkrochen, nur um diese Augen nicht mehr sehen zu müssen, aber es bleibt ihr keine Wahl, als ängstlich zurück zu starren.
„Ich habe dich hierherbringen lassen, weil ich Neuigkeiten für dich habe“ Sein Atem kitzelt auf ihrer wunden, kalten Haut, als er sich noch ein Stück heranbeugt.
„Deine Freundin kommt und will dich holen“
Vor Schreck merkt Airi nicht, wie er sie loslässt und sie mit dem Hintern auf dem harten Holzboden landet. Schreck, Angst und Hoffnung vermischen sich zu einem Cocktail, der ihr den Verstand raubt.
Als er sie loslässt, knickt sie ein und bleibt zitternd auf dem Boden sitzen.
„Sae…“, raunt sie.
„Die kleine Schlampe ist in der Gegend gesehen worden“, sagt er wieder geschäftsmäßig, „Leider kann ich nicht zulassen, dass sie weiterhin frei durch die Welt spaziert“
„Sae lässt sich von niemandem etwas sagen“, knurrt sie fest.
„Das weiß ich“, entgegnet Yuudai, „Deswegen brauchen wir dich ja“ Sein fieser Blick lässt Airi nichts Gutes vermuten. Jede einzelne Alarmglocke schrillt in ihrem Inneren.
„Du wirst unser hübscher, kleiner Köder sein“
Airi gefriert das Blut in den Adern. Seit sie entführt wurde, hat niemand es für nötig gehalten, sie aufzuklären. Ihr Aussehen ist schon immer besonders gewesen, aber sie dachte nie, dass es außergewöhnlich genug ist, um eine Entführung zu rechtfertigen. Dass aber anscheinend auch Sae ins Visier dieser Kerle geraten ist, ist besorgniserregend.
„Damit werden Sie nicht durchkommen!“, spuckt sie aus. Eine kalte Klammer hat sich um ihre Brust geschlossen und nimmt ihr jede Luft zum Atmen. Sae muss sich fernhalten! Sie muss ihr irgendwie eine Warnung übermitteln, bevor ihre Freundin hier auftaucht und bei dem Versuch, die Heldin zu spielen, umkommt!
Seelenruhig nimmt Yuudai ein Schwert aus seiner Halterung und schwingt es zur Probe.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du nach deiner Zeit in der Zelle noch so eine große Klappe hast“
Noch ehe Airi reagieren kann, spürt sie schon, wie warmes Blut an ihrer Wange herabrinnt. Fassungslos fasst sie an den Kratzer, den der Kerl ihr verpasst hat. Außer den Shinobi aus Sunagakure hat sie noch keinen Menschen erlebt, der sich so schnell bewegen kann.
Mit Grauen denkt sie daran, was der Kerl Sae antun kann.
„Meine Männer bringen dich jetzt auf dein Zimmer, damit du dich für das große Widersehen hübsch machen kannst“, schnarrt Yuudai. Auf seinen Pfiff hin erscheinen zwei Männer, die Airi flankieren und sie an den Armen nach draußen schleifen. Noch immer will die Information nicht von ihr verarbeitet werden.
Sae ist auf dem Weg.
Und sie hat keine Ahnung, mit wem sie sich anlegt.

Ich weiß nicht genau, wie lange ich geschlafen habe, aber es ist schon hell, als ich die Augen aufschlage und einen Blick zur Seite werfe. Die dünnen Wände machen es unmöglich, die Helligkeit auszusperren und so bin ich gezwungen, aufzustehen.
Meine Muskeln schmerzen und sind steif nach der Tortur der letzten Tage, aber dank des Essens und der Ruhe habe ich wieder mehr Energie zur Verfügung und kann es kaum erwarten, meine Reise fortzusetzen.
Zum ersten Mal seit mehreren Tagen werfe ich die dreckigen Kleider in die Ecke und ziehe mir frische an. Es sind zwar auch nicht mehr die Besten, aber allein die Sauberkeit gibt mir einen großen Teil meines Wohlbefindens zurück. Der Verband an meiner Hand wird ebenfalls gewechselt, wobei ich feststelle, dass die blauen Flecken schon stark verblasst sind. In ein paar Tagen sollte ich von meiner Prügelei mit Ken’ichi nichts mehr sehen.
Ich gehe in das Zimmer, in dem gestern gegessen habe, und muss feststellen, dass bis auf den Tisch alle Möbel umgestellt worden sind. Seltsam. Ich trete vorsichtig ein und schaue mich um. Auf dem besagten Tisch liegen auf einem Teller ein paar Reisbällchen, aber ansonsten sieht der Raum wie ein normales Wohnzimmer aus.
Ich höre leise Schritte aus einem der Nebenräume und dann wird rechts von mir eine Tür aufgeschoben. Youko lächelt mich scheu an und bedeutet mir, mich zu setzen.
„Die Männer sind schon früh auf gewesen, aber wir wollten dich nicht wecken“, erzählt sie, „Die Reisbällchen sind für dich“
Ich will ihr noch für die Großzügigkeit danken, aber da hat sie die Tür auch schon wieder geschlossen und ich höre, wie sie zu werkeln beginnt. In der Küche vielleicht?
Schulterzuckend schlinge ich das Essen herunter, stehe auf und bringe den Teller in die vermeintliche Küche. Tatsächlich empfängt mich der Geruch von gekochtem Reis, als ich die Tür aufschiebe und Youko zunicke.
„Hast du etwas dagegen, wenn ich mich ein wenig umschaue?“, frage ich. Sie schüttelt den Kopf und dreht mir den Rücken zu. Seltsam. In dem einen Moment ist sie außergewöhnlich freundlich, aber dann spricht sie im nächsten kein Wort mehr mit mir.
Ich schiebe es auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land und verlasse das Haus auf dem Weg, auf dem ich es gestern betreten habe.
Warme Sonnenstrahlen begrüßen mich und lassen die Stellen brennen, die von der Wüste feuerrot gezeichnet sind. Ich blinzle, um mich an das Licht zu gewöhnen, und beobachte dann ruhig das Dorfleben. Eine Frau hängt in der Nähe Wäsche auf, wirft mir einen misstrauischen Blick zu und verschwindet dann schnell im Haus.
Ich ziehe die Augenbrauen hoch und richte meine Aufmerksamkeit auf zwei Männer, die in der Nähe stehen und sich hinter vorgehaltener Hand unterhalten.
Was ist in diesem Dorf nur los?
„Hallo Sae“, begrüßt mich eine kindliche Stimme. Ich drehe den Kopf zur Seite und erkenne Riku, der mich fröhlich angrinst und damit ganz anders auf mich reagiert als die anderen.
„Guten Morgen, Riku“, begrüße ich ihn, „Sag mal, warum sind hier alle so komisch?“
Das Grinsen verschwindet aus dem Gesicht des Kleinen und er sieht zu den Männern, die sich immer noch angestrengt über etwas unterhalten.
„Wir haben hier nicht viele Besucher“, sagt er leichthin.
„Das hab ich von deinem Vater gestern auch schon mal gehört“
„Ach, lass die doch reden“, lacht Riku und packt mich an der Hand, „Komm, lass uns nach Tadashi und Vater sehen“
„Hey, warte mal-“
Für so einen kleinen Knirps hat der verdammt viel Kraft. Meine Ausrufe und Proteste stoßen auf taube Ohren, während ich blindlings durch den Wald gezerrt werde. Um uns herum ertönt das gleichmäßige Schlagen von Äxten auf Holz.
Ich drehe den Kopf zu allen Seiten, kann aber niemanden der Arbeiter entdecken. Als dann nicht weit entfernt von uns ein Baum zu Fall geht, zucke ich zusammen und bin mir wenigstens sicher, dass ich mir die Geräusche nicht einbilde.
„Da vorn sind sie!“, ruft Riku begeistert aus, lässt mich endlich los und springt begeistert voran. Ich schaffe es kaum, ihm durch das dichte Gehölz zu folgen. Wege sind für diese Leute scheinbar ein Fremdwort.
Wenig später stolpere ich zerkratzt und erschöpft zwischen Büschen hervor und lande mit den Knien in grünem Gras. Eine große Lichtung erstreckt sich vor mir, auf der einige stämmige Arbeiter gerade dabei sind, einen Stamm von den Ästen zu befreien. Als sie mich bemerken, tuscheln sie kurz leise und wenden sich dann wieder ihrer Arbeit zu. Was haben die Leute nur?
Ich kämpfe mich zurück auf die Füße, klopfe den Schmutz von meiner Hose und beruhige meine Atmung. Riku habe ich natürlich aus den Augen verloren, aber ich entdecke ihn in der Nähe zusammen mit Tadashi und Daisuke. Alle Drei sitzen sie auf dem Boden, ein paar Reisbällchen und mehrere Flaschen Wasser vor sich.
Langsam gehe ich zu ihnen, grüße in die Runde und setze mich hin. Die Erschöpfung hängt mir immer noch in den Gliedern und macht mir die Bewegung sehr schwer.
„Guten Morgen, Sae“, begrüßt mich Tadashi. Seine Haltung ist immer noch reserviert, aber die Feindseligkeit ist immerhin verschwunden.  
„Ich hoffe, du hast gut geschlafen“
Ich nicke Daisuke zu, nehme mir einen Grashalm und lasse ihn durch meine Finger fahren.
„Wo bist du denn gewesen?“, fragt Riku fröhlich, wofür ich ihm die Haare verwuschle. Dieser Frechdachs. Rennt vor und macht sich jetzt auch noch über mich lustig. Hätte ich nicht jetzt schon so wenig Energie, hätte ich ihn wohl über die ganze Lichtung gejagt und gesehen, wer dann noch schneller ist.
Aber es gibt Wichtigeres. Airi wartet sicher immer noch auf mich und ich habe keine Ahnung, wo ich mich gerade befinde.
„Sie haben mir versprochen, dass wir heute reden“, erinnere ich Daisuke. Tadashis Blick wird sofort kalt und er starrt seinen Onkel an. Oha. Da habe ich wohl wieder ins Wespennest gestochen.
„Das sollten wie woanders besprechen“ Er steht auf und bedeutet mir, ihm zu folgen. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, gehe aber mit ihm. Wir bleiben zwar auf der Lichtung, stellen uns aber in den Schatten einiger Bäume an den Platz, der am weitesten entfernt ist von den Arbeitern und vor allem von einem: Tadashi. Ich bemerke, dass er während seiner Arbeit immer wieder seinen Kopf in unsere Richtung dreht.
„Du musst meinen Neffen entschuldigen. Er ist immer sehr um unsere Sicherheit besorgt“, fängt Daisuke an. Ich lehne mich gegen einen Baumstamm und vergrabe die Hände in den Hosentaschen.
„Ich würde genauso reagieren“
„Gut, dann wirst du sicher auch verstehen, dass ich dir nicht alles erzählen kann“ Sein Blick ist eindringlich und macht mir bewusst, dass ich keine andere Wahl habe, als zuzustimmen, also nicke ich langsam.
Er holt Luft und beginnt dann endlich, zu erzählen. „Das Dorf liegt im äußersten Norden von Kawa No Kuni. Wir sind zwar klein, aber wir haben hier eine sehr wichtige Aufgabe“ Er zeigt auf den Baum neben mir. „Diese Bäume sind etwas sehr Besonderes und werden vorrangig zum Bau von Schiffen verwendet. Leider wurde aus diesem Grund dieser Wald fast vollständig gerodet, bis wir Alarm schlugen und versuchten, das Gebiet von dem Einfluss Fremder zu säubern“
„Das muss schwierig gewesen sein“
Daisuke lächelt mich an.
„Es war ein harter Kampf, ja, aber wir haben am Ende erreicht, dass das gesamte Gebiet zur Schutzzone erklärt wird und das Abholzen in unsere Verantwortung übergeht. Seitdem bewachen und pflegen wir innerhalb der Grenzen“
Sein Gesicht verdunkelt sich, als er die Rinde eines Baumes berührt.
„Aber wir haben Probleme in letzter Zeit. Ständig kommen Leute und wollen uns unsere hart erkämpften Rechte wieder nehmen“
Jetzt verstehe ich auch, warum Tadashi und die anderen so feindselig mir gegenüber sind. Sie fürchten die Kontrolle durch fremde Mächte.
„Ihr braucht euch keine Sorgen machen“, sage ich fest, „Ich werde sowieso nicht lange bleiben“
„Du hast gestern erwähnt, dass du dich verlaufen hast. Wo sollte deine Reise denn ursprünglich hingehen?“
Ich zögere einen Moment. Nach meinem Erlebnis in der Bar ist es weise, so viele Informationen wie möglich für mich zu behalten, aber ich brauche auch Verbündete in dieser Welt. Daisuke hat seinen eigenen Schatten überwunden und mir von den Problemen der Menschen hier erzählt, da sollte ich ihm wenigstens etwas entgegenkommen.
„Ich suche eine Gruppe Banditen, die sich in einer Festung verschanzt haben soll“
Daisuke entgleisen alle Gesichtszüge.
„Was willst du denn mit diesen Typen?“
Mein Auge zuckt nervös. Er kennt sie! Dann bin ich nicht so weit von meinem Ziel abgekommen wie befürchtet.
„Sie haben etwas, das ich zurückwill“
Er kommt auf mich zu, packt mich an den Schultern und sieht mich ernst an. Ist das etwa Panik, die ich da in seinen Gesichtszügen lese?
„Du solltest dir dein Vorhaben noch einmal gut überlegen. Mit diesen Kerlen ist nicht zu spaßen“
Ich befreie mich aus seinem Griff und erwidere seinen Blick ebenso ernst.
„Da gibt es nichts zu überlegen, Daisuke“
Meine Stimme ist kälter als ich es beabsichtigt habe, aber sie erfüllt immerhin ihren Zweck. Er nimmt etwas Abstand zu mir ein und beruhigt sich.
„Dann gehe ich davon aus, dass du einen Plan hast“
„Nein“
Entgeistert starrt er mich an.
„Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht mal, wo sich die Festung befindet“
„Bist du wahnsinnig, Sae? Du kannst doch nicht einfach so losstürzen und denken, dass Alles gut wird!“, brüllt er mich an. Ich verenge die Augen und setze an, um etwas zu erwidern, aber wir werden unterbrochen.
„Daisuke!“
Wir fahren bei der Dringlichkeit in der Stimme herum, als auch schon ein junger Mann keuchend vor uns stehen bleibt und sich auf den Knien abstützt. Seine blonden Haare kleben ihm im Gesicht und er wischt sie ungeduldig weg. Wir warten, bis er wieder zu Atem gekommen ist.
„Haru, was ist los?“
„Sie sind wieder da“, stöhnt der und zeigt in Richtung des Dorfes. Daisuke lässt darauf nichts anbrennen. Er drückt zum Dank Harus Schulter und verschwindet dann Befehle brüllend zu den anderen Männern.
„Wer ist wieder da?“, frage ich. Haru mustert mich misstrauisch, bis ich eine Augenbraue hebe. Erst dann scheint er zu verstehen, dass von mir keine Gefahr ausgeht.
„Die Banditen sind wieder da. Seit Wochen wollen sie mit uns über das Land verhandeln, aber ich fürchte, dass sie langsam die Geduld verlieren“
Meine Augen werden groß. Ist das hier wirklich so ein großes Problem?
Hektik bricht auf der Lichtung aus. Die Männer lassen alles stehen und liegen, schnappen sich ihre Äxte und folgen Daisuke zurück zum Dorf. Sogar Tadashi und Riku kann ich in der Menge erkennen.
„Lass uns auch gehen“, schlage ich vor. Haru stöhnt zwar, aber er geht voraus und passt sein Tempo so an, dass ich gut hinterher komme. Wir schlagen uns parallel der Gruppe durch das Unterholz, bis ich Geräusche in einiger Entfernung höre.
„Was ist da los?“, frage ich leise. Haru bleibt am Rand des Waldes stehen und geht in Deckung. Ich tue es ihm gleich und kneife die Augen zusammen, damit mir auch kein Detail entgeht. Rechts von uns bricht Daisuke mit der Truppe Arbeiter zwischen den Bäumen hervor und geht mit erhobener Axt auf die Banditen zu. Insgesamt müssen es um die zwanzig sein, die sich um eine Frau gescharrt und sie bedroht haben.
Haru hält mich auf, als ich aufstehen und herausfinden will, was da vor sich geht.
„Du fällst zu sehr auf“, zischt er und hält meinen Arm so fest, dass ich das Gefühl habe, in einem Schraubstock gefangen zu sein.
Knurrend gehe ich in die Hocke und beobachte das Geschehen. Beide Parteien sind ungefähr gleich stark, aber die Banditen haben richtige Waffen dabei.
Minutenlang harren wir in unserem Versteck aus, bis Haru mich am Arm packt und nach rechts zeigt.
„Komm mit. Wir müssen näher heran, wenn wir was mitbekommen wollen“
Ich nicke und folge ihm am Waldrand entlang, immer darauf bedacht, mich nicht blicken zu lassen. Die Spannung im Dorf ist selbst bis hierhin zu spüren und ich will unter keinen Umständen der Grund sein, aus dem es eskaliert.
„Kannst du mir mehr über die Typen sagen?“, flüstere ich, als wir das Dorf umrundet haben und uns im Schutz der Häuser dem Geschehen nähern. Die Hunde, die angeleint am größten Haus des Dorfes sitzen, knurren, beruhigen sich aber, als Haru leise pfeift. Erleichtert atme ich aus. Die Viecher hätten uns beinahe verraten.
Als ich wieder zu Haru sehe, bemerke sein Zögern und seufze. Dieses Dorf hat eindeutig ein Vertrauensproblem. Jedes bisschen Information muss ich ihnen umständlich aus der Nase ziehen und wenn das so weiter geht, werde ich noch wahnsinnig!
„Wenn ich euch etwas tun wollte, dann hätte ich es längst getan“
Das scheint auch ihm einzuleuchten, denn er grinst mich an. Wir verstecken uns hinter einer Ecke und lugen vorsichtig hervor. Zwar sind die Stimmen der Gruppen immer noch leise, aber nun verstehen wir wenigstens ein paar Brocken.
„Sie sind vor ungefähr fünf Wochen das erste Mal aufgetaucht und haben uns ein Angebot bezüglich des Waldes gemacht“, erzählt Haru leise, „Sie haben uns jede Menge Geld geboten, wenn wir im Gegenzug nur ihnen das Holz liefern“
„Was habt ihr geantwortet?“, frage ich, aber er schüttelt den Kopf.
„Hör gut zu. Hierbei scheint es um etwas anderes zu gehen“
Ich wage wieder einen Blick um die Ecke. Der Anführer der Gesetzlosen übergibt in dem Moment Daisuke einen Zettel, dessen Inhalt leider nicht zu erkennen ist.
„Wir suchen nach ihr“, erklärt er, „Wenn ihr Informationen habt, die diese Person betreffen, dann solltet ihr besser damit herausrücken“
Das klingt gar nicht gut.
„Ich habe diese Person noch nie gesehen“, sagt Daisuke fest und will den Zettel zurückgeben, aber der Mann hebt abwehrend die Hände.
„Behaltet ihn. Falls sie hier auftauchen sollte, dann gebt uns umgehend Bescheid. Demjenigen, der sie zuerst findet, hat Yuudai sogar eine Belohnung versprochen“
Unruhe macht sich zwischen den Dorfbewohnern breit und der Zettel wandert von Hand zu Hand. Zu gern hätte ich gewusst, wer darauf abgebildet ist.
„Wir werden noch eine Weile in der Nähe bleiben. Unser Lager findet ihr einen halben Tagesmarsch entfernt im Süden und ist nicht zu übersehen“
Mit einem Nicken dreht der Kerl herum und nimmt seine Männer mit. Nur langsam löst sich auch die Menge auf und es scheint, als würde niemand heute mehr seinem Tagesgeschäft nachgehen.
„Komm mit“
Haru bedeutet mir, ihm zu folgen. Sobald wir unser kleines Versteck verlassen, liegen die unangenehmen Blicke einiger Dorfbewohner auf mir, die ich nicht zu deuten weiß. Ich ziehe den Kopf ein und versuche, mich so unauffällig wie möglich zu geben.
Vor Daisukes Haus bleibt Haru stehen und lächelt mich an.
„Ich muss zu meiner Familie und herausfinden, was hier vor sich geht“, sagt Haru und winkt mir zum Abschied. Ich nicke ihm zu, betrete das Haus und streife die Schuhe ab. Sogar im Flur höre ich die lauten Stimmen im Zimmer zu meiner Rechten. Höflich klopfe ich an und trete ein. Der Streit ebbt sofort ab und vier Augenpaare richten sich auf mich.
Youko starrt mich unfreundlich an, die Hände zu Fäusten geballt und die Lippen zusammengekniffen. Ist das immer noch ihre Abneigung gegenüber Fremden?
„Was ist passiert?“, frage ich. Tadashi nimmt wortlos die Hand von Riku und geht mit ihm hinaus. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und schaue ihnen hinterher. Was war das denn?
„Sie sind wegen dir hier, Sae“, antwortet Daisuke ruhig. Seine Miene zeigt keine Regung, aber die Worte hängen schwer im Raum. Ich lasse mich zu Boden fallen und starre ihn entgeistert an. Wie konnten die mich so schnell finden?
„Haben sie gesagt, wieso?“
„Nein, das haben sie nicht, aber du musst sie sehr verärgert haben“
Ich schlucke hart. Es ist unmöglich, dass sie von meiner Abreise aus Sunagakure erfahren haben. Ich war vorsichtig!
„Ich sage, wir liefern sie aus“, unterbricht Youko die Stille. Ich zucke unter diesen harten Worten zusammen und senke den Blick. Wenn sie das wirklich tun wollen, dann kann ich das nicht verhindern, aber ich werde auf jeden Fall alles versuchen, um aus diesem Dorf zu entkommen.
„Nein, das werden wir nicht tun“, entgegnet Daisuke entschlossen und richtet sich dann an mich: „Aber du wirst morgen früh das Dorf verlassen“
Aus Youkos Blick zucken Blitze in meine Richtung. Sie steht ruckartig auf und rauscht davon, ohne uns noch einmal anzusehen. Ich starre auf die Tür, durch die sie verschwunden ist, und verkrampfe die Hände in meinem Schoß.
„Was haben die Banditen genau gesagt?“
„Sie suchen nach einer jungen Frau, die sich in dieser Gegend aufhalten könnte. Das Bild auf dem Zettel war verblüffend genau“
Ich muss ab jetzt vorsichtiger sein. Daisuke vertraue ich, dass er mich nicht verraten wird, aber die anderen Dorfbewohner schauen mich genauso an wie Youko. Wenn sie ihr Gewissen erst einmal beiseitegeschoben haben, könnten sie ihren Vorteil aus der Situation ziehen wollen.
„Wenn du morgen früh noch vor Sonnenaufgang verschwindest, wird niemand Zeit haben, dich zu verraten“, errät er meine Gedanken, „Ich werde dir noch einen kleinen Proviant vorbereiten lassen, aber danach bist du auf dich allein gestellt“
„Ich danke dir sehr für dieses Vertrauen, Daisuke. Es tut mir sehr leid, dass ich euch damit in Gefahr bringe“
Er schüttelt den Kopf und richtet sich ätzend auf.
„Es ist mir egal, was du getan hast, um diese Nichtsnutze gegen dich aufzubringen, aber lass dir eines gesagt sein: solange du das nicht aus der Welt schaffst, wirst du nie Ruhe finden“
Dieser gut gemeinte Rat frisst sich tief in mein Herz. Ich werde sehr viel Glück brauchen, um Airi aus ihren Klauen zu befreien, aber bis jetzt habe ich mir kaum Gedanken darüber gemacht, was danach kommt. Wir werden fliehen und wir werden sehr weit weg gehen müssen, um ihren Klauen zu entkommen. Aber wie weit? Und in welche Richtung?
Selbst Sunagakure ist für uns nicht sicher gewesen und egal, was sie wollen: sie werden uns wohl über kurz oder lang finden.
„Ich werde versuchen, das in Ordnung zu bringen“, sage ich und stehe ebenfalls auf, „Aber euch werde ich mit aller Kraft aus der Sache raushalten“
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