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Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
3
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9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.06.2019 3.813
 
So, da bin ich auch wieder :) Heute mit einen längeren Kapitel,  das mir ganz schön Kopf zerbrechen bereitet hat. Ich hoffe, es gefällt euch.
Ich wünsche euch einen angenehmen Start in die Woche!

LG Aravae

Unruhig streife ich durch Sunagakure – ohne Ziel, ohne Willen. Ich will nicht begreifen, dass Ken’ichi sich tatsächlich gegen uns gewandt hat. Es ist wie ein Albtraum, dem ich nicht entkommen kann und den ich bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht als solchen erkannt habe. Probeweise zwicke ich mir in den Arm, aber nichts ändert sich.
Wäre ja auch zu schön, um wahr zu sein.
Wie soll es jetzt weitergehen?
In meinem Kopf jagt ein Gedanke den anderen. Ich brauche unbedingt noch mehr Informationen als das bisschen, das ich von Ken’ichi erfahren habe. Zwar weiß ich jetzt, wo sich Airi aufhalten könnte, aber das warum bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Geht es um Menschenhandel? Oder doch um Airis Vergangenheit? Und wie haben wir sie überhaupt auf uns aufmerksam gemacht?
Ich bleibe an einer Kreuzung stehen.
Schon seltsam. Wenn ich hier so in der Mitte stehe und die vier möglichen Abzweigungen vor mir liegen, fühle ich mich, als müsste ich meinen neuen Lebensweg wählen. Es ist seltsam zu wissen, dass die Zeit mit Ken’ichi und Airi hier in Sunagakure jetzt ein Ende hat, und aus diesem Grund entscheide ich mich gegen den rechten Weg, der zurück in unser altes Viertel führt.
Geradeaus geht es weiter zum Kazekageturm. Dort könnte ich auf die Entführung aufmerksam machen und auf Hilfe hoffen, aber ich habe weder genug Geld, um Shinobi anzuheuern, noch denke ich, dass es dem Kazekage wichtig genug ist, eine junge, unbekannte Frau retten zu lassen.
Nein.
Auch das ist keine gute Möglichkeit. Ich wende mich den letzten beiden Pfaden zu. Einer führt in ein anderes Viertel von Sunagakure, in dem ich bis jetzt kaum unterwegs war und in dem mich niemand kennt; der andere bringt mich in das heruntergekommenste, gefährlichste Viertel der Stadt, in dem so gut wie jeder mit schwarzer Seele seine dunklen Pläne schmiedet.
Genau dahin tragen mich meine Füße. Wenn ich schon einen Ort brauche, an dem ich was in Erfahrung bringen kann, dann kann ich auch dort anfangen. Vor allem jetzt, wenn die Sonne untergangen ist und die Männer tief in die Gläser geschaut haben, stehen meine Chancen sehr gut.
Es gibt da nur ein Problem.
Meine Hände sind mittlerweile in allen möglichen Farben erblüht und an der Linken sind zwei Knöchel sogar beunruhigend angeschwollen. Sollte es Schwierigkeiten geben, kann ich nur meine Beine in die Hand nehmen und beten, dass mögliche Gegner nicht schnell genug sind.
Das ist eine unangenehme Wahrheit, der ich mich stellen muss. Bei Ken’ichi habe ich es übertrieben und muss jetzt den Preis dafür zahlen. Bleibt nur zu hoffen, dass ich in keine Schlägerei gerate.
Sobald die Häuser kleiner werden, die Fassaden schmutziger und die Straße dreckiger, erhöhe ich meine Aufmerksamkeit. Viele der Straßenlaternen sind kaputt oder so angeschlagen, dass sie kaum noch Leuchtkraft besitzen. Mich stört es nicht, denn so kann ich mich unauffällig bewegen, aber es gibt auch Dieben, Mördern und anderem Gesindel die Gelegenheit, mich zu überraschen.
Tief dringe ich in das Viertel ein, das selbst zu dieser Uhrzeit noch voller Leben ist. Hunde kläffen, Betrunkene torkeln an mir vorbei und hin und wieder huscht ein kleiner Schatten vorüber. Sogar meine Schritte gehen in dem Krach unter.
Als ich um eine Ecke biege, empfängt mich Gelächter und Musik. Ken’ichi hat mir einmal von diesem Ort erzählt, an dem die Schlimmsten der Schlimmen zusammenkommen. Vor der Kneipe sitzt bereits eine sehr betrunkene Truppe Männer, die mich aber keines Blickes würdigen und lieber einer anzüglich gekleideten Frau hinterher pfeifen. Ich nutze diese willkommene Ablenkung aus und schlüpfe an ihnen vorbei ins Innere.
Im Eingang bleibe ich stehen. Tische und Stühle stehen durcheinandergewürfelt im Raum und auf ihnen sitzen, hocken und liegen Männer und Frauen. Mehrere Bedingungen schieben sich durch das Labyrinth, weichen den grapschenden Händen aus und verteilen giftige Blicke. Neben der Bar steht eine kleine Band, die auf kaputten Instrumenten ihr Lied trällert und sich nicht um Beleidigungen und Liedwünsche schert.
Ich rümpfe die Nase und schiebe mich zu dem einzigen freien Tisch in der linken Ecke durch. Lachen, Fluchen und Streitereien dringen an mein Ohr und vermischen sich zu einem unhörbaren Spiel verschiedenster Stimmlagen und Lautstärken. Nicht eine einzige kann ich herausfiltern, aber ich rufe mich zur Geduld und setze mich vorsichtig auf den Stuhl. Er wackelt gefährlich – selbst unter meinem geringen Gewicht – und erweckt dadurch erst recht nicht mein Vertrauen.
„Darf’s was sein?“, blafft mich eine Bedienung an.
„Nein“
„Dann kannst du gleich wieder gehen“
Ich starre sie wütend an, hole dann aber Ken’ichis Geldbeutel heraus und zähle ein paar Münzen ab.
„Sake“
Sie nickt und verschwindet unter begeistertem Pfeifen. Ich frage mich ja, wie die das tagtäglich hier aushalten. Während ich die Bedienungen beobachte, werden sie mehr als einmal angeflirtet, beleidigt, bedrängt und aufs Übelste auf ihren bloßen Körper reduziert.
Sicher, der neue Kazekage hat schon viel bewegt und die Stadt um einiges sicherer gemacht, aber hier ist selbst er machtlos. Diesen Schandfleck mitten in der Wüste gibt es schon sehr lange und wenn ich mir das Ganze hier so anschaue, wird er wohl auch noch sehr lange bestehen bleiben.
Schnell weiche ich einem fliegenden Krug aus und setze mich wieder aufrecht hin. Bis jetzt bin ich unsichtbar für die ganzen Trunkenbolde und ich bin dankbar dafür, denn langsam gewöhne ich mich an die Lautstärke und verstehe einzelne Wortfetzen.
Ich bekomme den Sake wortlos vor die Nase gesetzt und nippe an dem heißen Getränk. Naserümpfend stelle ich den Becher ab und konzentriere mich auf das Gespräch zu meiner linken. Da die sich aber nur über vermehrte Ladendiebstähle unterhalten, wende ich mich schnell wieder ab und lausche lieber einer Gruppe, die an der Bar steht und sich so laut unterhält, dass sogar ich etwas mitbekomme.
Leider geht es auch da nur um irgendwelche illegalen Aktionen hinsichtlich Diebstahls und ich verziehe den Mund, als ich einen weiteren Schluck von dem Sake nehme. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen.
Mehrere Stunden vergehen, in denen ich mal hier, mal da versuche, Gesprächsfetzen aufzufangen. Es wird immer wärmer in der Bar und die Menschen feiern immer ausgelassener, sodass sogar die kleine Band nun ihre Instrumente einpackt und sich in die Nacht verabschiedet.
Den Sake habe ich kaum angerührt, was mir mehr als einmal einen fiesen Blick der Bedienung eingeheimst hat, denn die macht mit mir am heutigen Abend mal so gar keine Einnahmen.
Aber mir ist das egal. Ich habe einen guten Platz, um vieles mitzubekommen.
Ich spitze die Ohren, als ich hinter mir eine bekannte Stimme höre. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken, als sich ein raues Lachen dazugesellt, und ich beherrsche meine Gesichtszüge nur mit Mühe.
„Ich sag’s dir, Kanaye, das Weib wird in irgendeinem Loch hocken und sich vor Angst bepissen“
Der Jüngere murrt und ich höre, wie ein Becher auf den Tisch gedonnert wird. Ich halte die Luft an und wage nicht, auch nur einen Muskel zu rühren. Kann das sein? Habe ich wirklich ins Schwarze getroffen?
„Und ich sag’s dir nochmal: die ist heute durch die Stadt getrabt“
Mir juckt es in den Fingern, mich umzudrehen und meine Befürchtung zu bestätigen, aber bis jetzt haben die beiden mich nicht bemerkt und wenn sie es tun sollten, dann könnte es ungemütlich werden.
Der Erste lacht rau.
„Wir haben der so eingeheizt, die wird sich in zehn Jahren nicht mehr blicken lassen“
Ich kneife die Augen zusammen und versuche, mich noch besser auf die beiden Stimmen zu konzentrieren. Mit der fortschreitenden Stunde werden auch die Betrunkenen immer lauter und die Gemüter erhitzter. Ich weiß nicht, ob es oft vorkommt, aber ich bemerke, wie die Stimmung langsam kippt und sich mehrere Tische über ihre Krüge hinweg böse anstarren.
„Sei froh, dass wir eine von denen erwischt haben“, führt der Ältere fort, „Die hat uns schon genug Schwierigkeiten gemacht“
„Yuudai ist trotzdem mit uns nicht zufrieden“, entgegnet der Andere. Yuudai… Den Namen muss ich mir merken.
„Ach, der kann mich mal“, knurrt der Erste, „Soll der sich doch selbst auf die Suche nach der Kleinen machen“
Das Gespräch scheint damit beendet zu sein und auch für mich wird es Zeit, zu gehen. Ich habe so einiges erfahren, das ich sicher noch gebrauchen kann, und wenn die Kerle tatsächlich noch nach mir suchen, dann sollte ich besser verschwinden, bevor sie mich bemerken.
Ich will möglichst unauffällig aufstehen, als eine Stimme mich zusammenzucken lässt.
„Hey, Süße, was hat so eine wie du denn hier zu suchen?“
Ein junger Mann an der Bar zeigt auf mich, das Gesicht gerötet vom Alkohol und den Blick lüstern auf mich gelegt.
Ich knirsche mit den Zähnen, wage keinen Blick nach hinten. Der ganze Raum ist auf den Ruf des Dummkopfes aufmerksam geworden und starrt mich nun an, als wäre ich eine Attraktion in einem Zirkus. Kommen denn wirklich so wenige Frauen hierher? Ich kann mir kaum vorstellen, wieso…
Eine Hand legt sich um meinen Arm und hält mich fest. Es ist einer der Kerle, die uns in unserem Haus überfallen haben, und er sieht mich triumphierend an. Natürlich. Wenn ich vorhin noch unbedingt meine Theorie bestätigt haben wollte, bereue ich es jetzt, solange hier geblieben zu sein.
Er scheint sich seiner Sache verdammt sicher zu sein, denn er blickt zu seinem Kumpan, der sich auf die andere Seite stellt. Der Kerl sieht aus, als käme er frisch vom Friseur. Die langen, blonden Haare sind zu einem Pferdeschwanz hochgebunden und wesentlich länger als es meine sind.
„Hätt‘ nicht gedacht, dass das so einfach wird“, kommentiert der Ältere. Er hat mehrere Narben im Gesicht, ein fieses Funkeln in den dunklen Augen und trägt zerschlissene Stofffetzen als Kleidung. Zudem sondert er einen solch schlimmen Geruch aus, dass es mir den Atem verschlägt. Ist das vielleicht seine Kampftechnik?
Der Jüngere schnaubt, verschränkt die Arme und sieht zur Seite. „Wer hat denn erwartet, dass die hier auftaucht?“
Jetzt geht es ums nackte Überleben. Leugnen bringt nichts, kämpfen auch nicht. Ich muss sie ablenken.
Blitzschnell schnappe ich mir den immer noch warmen Sake, werfe ihn dem Schönling ins Gesicht und drehe mich in der Bewegung zu dem Älteren herum. Der ist so überrascht, dass er den Tritt nicht kommen sieht und nicht ausweicht.
Ich springe hoch, bekomme damit meinen Arm frei und jage ihm meinen Fuß ins Gesicht. Beide Männer straucheln, fallen um und nehmen mehrere Tische mit sich. Diejenigen, die daran saßen, springen entgeistert auf und beschweren sich lautstark.
Ich hetze derweil durch das Gewirr von Stühlen und Tischen, um irgendwie zum Ausgang zu kommen. Es wird nicht einfacher, als der halbe Raum aufspringt und aufeinander losgeht, als hätten sie genau auf so eine Gelegenheit gewartet.
Ein Mann sprintet an mir vorbei und reißt mich einfach so zu Boden, als würde ich gar nichts wiegen. Mit der Schulter voran komme ich hart auf dem Boden auf und hebe die Arme schützend über meinen Kopf. Lautes Schlachtgebrüll dringt an meine Ohren, als mehrere Gruppen mit allem aufeinander losgehen, was sie haben. Wo bin ich hier nur reingeraten?
Stühle fliegen durch die Gegend, Becher und Krüge werden gegen Köpfe geworfen und Tische zerbersten.
Ich muss hier raus!
Die Situation heizt sich zunehmend auf. Die Bedienungen und der Barmann sind hinter der Theke in Deckung gegangen und werden so schnell nicht mehr herauskommen. Ich rapple mich hoch und halte Ausschau nach meinen Verfolgern.
In der hintersten Ecke sehe ich, wie sie sich gegen eine Gruppe Schläger behaupten müssen, aber ihr Blick geht immer wieder zu mir. So wie es aussieht machen sie aus der Gruppe Hackfleisch und wenn sie damit fertig sind, bin ich an der Reihe.
Ich ziehe den Kopf vor einem fliegenden Krug ein und werde energisch zur Seite gedrückt, als wieder die Gruppen aufeinander los gehen. Bevor mich noch jemand aufhalten kann, springe ich über einen intakten Tisch und bin dem rettenden Ausgang endlich so nah!
Wenn da nicht eine weitere Unvorhersehbarkeit wäre…
Als wären nicht schon genug Schlägereien im Gange, werden plötzlich die Fenster zerschlagen und die Tür eingetreten. Mit großen Augen springe zur Seite und gehe in Deckung.
Einmischen tun sich nicht Geringere als die Shinobi aus Sunagakure, die unter wildem Kampfgeheul die Bar stürmen. Wenn vorher schon Chaos geherrscht hat, dann bricht jetzt die Hölle los. Geschrei, der Klang aufeinandertreffender Klingen und das bersten von Holz und Stein übertönen jedes andere Geräusch und sind sicher in der ganzen Stadt zu hören.
„Sofort aufhören“, brüllt der Anführer, aber der wird einfach von der aufgebrachten Meute übergangen. Stattdessen passiert etwas Unglaubliches: die Gruppen, die sich bis gerade eben bekämpft haben, schließen sich zusammen und gehen auf ihren gemeinsamen Feind los. Die Shinobi sind so überrascht, dass die Hälfte fällt, bevor überhaupt jemand sich rührt.
„Hab ich dich!“
Instinktiv hechte ich zur Seite und entkomme gerade so dem Angriff des Grobians. Die geben auch nie auf.
„Ihr seid alle verhaftet“, brüllt der Shinobi noch einmal, aber dieses Mal schwingt Panik in seiner Stimme mit. Auch mir entgeht nicht, dass die ausgebildeten Kämpfer doch tatsächlich am Verlieren sind. So viel zum Thema Hüter des Rechts.
Ich entgehe dem Griff eines der Shinobi, trete dem Schönling in den Bauch und habe endlich den rettenden Ausgang erreicht. Ohne, dass die beiden Gruppen mich weiter beachten, kann ich hinausschlüpfen, aber ein Blick zurück bewahrheitet meine Befürchtungen.
Grobian und Schönling sind mir auf den Fersen.

Sie jagen mich durch die halbe Stadt. Noch nicht einmal auf meiner Flucht in der Nacht des Überfalls bin ich so schnell gerannt und meine Kräfte gehen langsam zur Neige. Es ist ja auch verdammtes Pech, dass die beiden neben mir die Einzigen sind, die entkommen konnten.
Knurrend biege ich um die nächste Straßenecke, überquere eilig den hell erleuchteten Platz mit der Statue des ersten Kazekage in der Mitte, und verschwinde wieder in den Schatten. Dort bleibe ich stehen und regle meinen Puls so weit herunter wie möglich.
Meine Verfolger treten in das Licht der Laternen und sehen sich um. Von meiner Position aus kann ich sie gut beobachten, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie mich entdecken. Ich muss mir schnell etwas einfallen lassen, wenn sie mich nicht erwischen sollen. Weglaufen kommt nicht in Frage, kämpfen auch nicht. Bestechen kann ich wohl auch vergessen und ich bezweifle, dass meine Überzeugungskünste ausreichen werden.
Ich habe keine Optionen mehr.
„Na komm schon raus, Kleines“, brüllt der Grobian so laut, dass jeder in der Umgebung aus seinem Bett fällt. „Wir wollen nur ein wenig mit dir spielen“
„Wenn wir sie wieder entwischen lassen, wird Yuudai uns fertig machen“, murrt der Jüngere und sieht sich aufmerksam auf dem Platz um.
„Ach, mach dir nicht so viele Sorgen“, winkt der Grobian ab, „Ich bin sicher, sie ist hier noch irgendwo“
Sie gehen um die Statue herum und kommen meinem Versteck gefährlich nahe. Meine Alarmglocken übertönen den Klang ihrer Schritte, aber ich rühre mich trotzdem nicht von der Stelle. Wenn ich es tue, werden sie mich sofort entdecken. Ich balle die Hände zu Fäusten und ziehe mich mit Minischritten weiter an der Mauer entlang in den Schatten zurück. Mein Atem geht zwar schnell, aber er ist immer noch leise genug, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn ich noch ein paar Minuten durchhalte, geben sie vielleicht auf und lassen mich in Ruhe.
„Die ist doch schon längst über alle Berge“, knurrt der Schönling. Wenn der wüsste…
„Das glaub ich nicht“ Der Grobian springt plötzlich nach vorn und schlägt mit ungeheuerlicher Kraft gegen die Wand. Mit großen Augen hechte ich zur Seite, bevor die herabfallenden Steine mich treffen können.
„Da haben wir den kleinen Teufel ja“
Jetzt wird es aber brenzlig!
Die Beiden greifen mich an und machen keinen Hehl daraus, was ihr Ziel ist. Ich entgehe zwar dem Angriff des Schönlings, aber dafür packt mich der Grobian, als wiege ich nichts. Er legt seinen Arm um meinen Hals und drückt zu, bis ich Sterne sehe.
„Du kommst jetzt mit“
„Ich denk nicht dran!“, brülle ich und beiße ihm in den Arm. Er schreit laut auf, lässt mich aber nicht los. Ich muss unbedingt etwas dagegen unternehmen!
„Du Biest!“, schreit er und drückt noch fester zu. Nein! Es darf hier nicht enden!
„Was soll das denn hier werden?“
Diese ruhige, abgeklärte Stimme lässt uns alle Drei in unserem Kampf innehalten. Zwar versuche ich, die Ablenkung zu nutzen, aber Grobian hält mich weiter fest in seinem Griff.
Die Unterbrechung gibt sich die Ehre, ins Licht zu treten, und am liebsten hätte ich laut aufgeschrien. Ein Shinobi aus Sunagakure. Ist das Pech der letzten Tage nicht schon genug gewesen?
„Misch dich hier nicht ein“, blafft der Schönling und stellt sich vor uns. Der Neue schnaubt und starrt arrogant herüber. Er trägt seltsame Zeichnungen im Gesicht und einen schwarzen Anzug, der ihn in der Nacht mit dem Hintergrund beinahe verschmelzen lässt.
„Ich glaube nicht, dass wir im Gesetz verankert haben, dass das Entführen von Frauen erlaubt ist“
Es ist mir unbegreiflich, wie der Typ es schafft, so locker rüberzukommen. Ich kauf ihm glatt ab, dass der so ruhig ist.
„Also lasst sie gehen und wir vergessen das Ganze hier“
Der Griff um meinen Hals wird eher noch fester und ich habe alle Mühe, nicht bewusstlos zu werden.
„Verschwinde, Kleiner, bevor wir dich zu Hackfleisch verarbeiten“, knurrt Grobian. Entweder hat der noch nicht bemerkt, dass wir einem Shinobi gegenüberstehen, oder es ist ihm egal. Letzteres wäre für mich katastrophal.
„Kleiner…?“
Keiner von uns kann reagieren, als der Shinobi plötzlich hinter uns steht, Grobian mit einem Schlag ausknockt und nach mir greift, bevor ich zu Boden gehe. Er springt ein paar Meter zurück, schwankt kurz und fällt nur nicht um, weil er sich an mir festhalten kann.
„Alles in Ordnung?“, fragt er mich. Ich befreie mich aus seinen Armen und nicke. Aus der Nähe sieht der Kerl noch komischer aus, wie ich finde. Und was ist das für ein Gestand? Alkohol?
„Das hätte ich auch allein geschafft“, murre ich.
„So sah das aber nicht aus“, entgegnet er und zeigt ein arrogantes Grinsen. Tse. Der soll sich mal nicht so aufplustern, nur weil der denkt, hier die Jungfrau in Nöten gerettet zu haben.
„Hey, was denkst du überhaupt, wer du bist?“, stöhnt Grobian, der nach dem Schlag doch tatsächlich wieder auf die Beine kommt, sich den Nacken reibt und meinen Retter böse anstarrt.
„Bleib hinter mir“, rät mir der Shinobi, stellt sich schützend vor mich und behält die Angreifer fest im Blick.
„Rück das Mädchen raus“, blafft der Jüngere, greift an und wird mit Leichtigkeit zurückgeschlagen. Im hohen Bogen fliegt er nach hinten und bleibt vor seinem dicken Freund liegen.
„Ich hab’s euch schon mal gesagt“, sagt der Shinobi ruhig, aber entschlossen, „Frauen zu entführen gehört nicht zu den Dingen, die erlaubt sind“
Grobian und Schönling sehen sich an und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Moment dasselbe denken: die beiden haben keine Chance. Im Moment bin ich sicherer als der Kazekage in seinem Turm.
„Komm, Kanaye“, knurrt Grobian und dreht sich weg. Ich atme aus und entspanne meine verkrampften Muskeln.
„Du willst sie gehen lassen?“, empört der sich und zeigt auf den Shinobi und mich. „Kota bringt uns um, wenn er davon erfährt!“
„Halt den Mund“, blafft Grobian zurück, „Oder willst du dich ernsthaft noch weiter mit einem Shinobi anlegen?“
Schönling zuckt zurück und scheint darüber nachzudenken. Er wirft einen letzten Blick auf uns und folgt dann seinem Freund in die Schatten.
Das war es? Einfach so?
Wir bleiben noch eine Weile angespannt auf der Stelle stehen, aber kein Angriff kommt. Die Beiden haben wirklich eingesehen, dass sie mich in dieser Nacht nicht schnappen können.
„So, und jetzt zu dir“ Der Shinobi dreht sich zu mir herum und verschränkt die Arme. „Was wollten die von dir?“
Ich schaue ernst zu ihm hoch und der Geruch von Alkohol steigt mir wieder in die Nase.
„Nichts Wichtiges“, sage ich langsam und überlegt, „Aber danke für deine Hilfe“ Da das Thema für mich jetzt gegessen ist und ich mich lieber mit wichtigeren Dingen beschäftigen will, gehe ich.
„Du bleibst verdammt nochmal hier“, knurrt der Shinobi, hält mich auf und packt mich am Kragen. „Hast du eigentlich `ne Ahnung, was für `ne heiße Frau ich stehen lassen musste, weil ich dein Chakra gespürt habe?“
Was zum Teufel labert der? Ich befreie mich aus seinem Griff, aber dabei sieht er meine Verletzungen und schnappt sofort nach meinem Handgelenk.
„Waren die das?“
„Nein“, fauche ich und bringe endlich Abstand zwischen uns. Wenn ich eines an Shinobi hasse, dann, dass sie sich ständig in die Dinge anderer einmischen müssen. Ständig wissen sie alles besser, können alles besser. Aber wenn dann wirklich etwas passiert, verkriechen sie sich in ihre Löcher und kommen nicht mehr hervor, bis es vorbei ist.
„Na schön“, knurrt er, „Soll ich dich noch nach Hause bringen?“
„Verzichte“, schnappe ich, aber damit scheine ich ihn wieder auf die Palme zu bringen.
„Dankt man denn so seinem Retter?“, brüllt er mich an, dass mir die Ohren klingeln. Ich knirsche mit den Zähnen und glühe ihn an.
„Ich hab dich nicht darum gebeten, Großmaul!“
„Jetzt reicht’s, du blöde Kuh“ Er springt nach vorn, aber ich weiche rechtzeitig nach hinten aus und mache einen Schritt zur Seite, um ihn vorbeizulassen.
„Und das soll ein Shinobi sein?“, höhne ich, während ich ihm dabei zusehe, wie er strauchelt und sich nur mühsam auf den Beinen hält. Ich habe ja schon viel gesehen, aber ein Shinobi, der sich so affig aufführt, gehörte noch nicht dazu.
„Na, warte, du kleine Kröte. Dich krieg ich!“
Tse. Da muss der wohl früher aufstehen. Meine Angreifer waren ja nicht besonders humorvoll und gut drauf, aber das hier ist wirklich lustig.
Ich lasse ihn soweit herankommen, dass er mich greifen kann, aber in der letzten Sekunde mache ich einen Schritt zur Seite und lasse ihn in meine Falle tappen.
Ein lautes, dumpfes Geräusch hallt über den Platz, als der Schädel des Shinobi Bekanntschaft mit einer Laterne macht. Er sackt zusammen und bleibt regungslos auf dem Boden liegen.
So. Jetzt, da ich den auch endlich losgeworden bin, kann ich mir ein ruhiges Plätzchen zum Schlafen suchen und die letzten Stunden nutzen, um zu Kräften zu kommen.
Ich ziehe den Shinobi in eine ruhigere Ecke, wo er nicht so schnell gefunden und erst recht nicht totgetrampelt wird, und klopfe meine Hände aus. Der ganze Sand juckt auf der Haut und hinterlässt unangenehme, gerötete Striemen.
Dieser Abend ist eine einzige Katastrophe gewesen. Nun, da ich weiß, dass sie auch hinter mir her sind, kann ich nicht in Sunagakure bleiben. Zumindest ist Airi vorerst nichts Schlimmes zugestoßen, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ich muss sie so schnell es geht holen und danach für eine lange Zeit untertauchen.
Aber so etwas sollte nicht nach einem so langen Tag geplant werden.
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