Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
3
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.06.2019 2.419
 
Wilkommen zurück!
Erst einmal: vielen Dank für das Interesse an meiner Geschichte; das hat mich sehr gefreut. Da ich demnächst Prüfungsphase habe, kann ich leider nicht garantieren, dass es so schnell weitergehen wird mit dem Hochladen.
Fürs Erste wünsche ich euch aber viel Spaß mit dem Kapitel und eine gute Nacht!

LG Aravae

Ich höre erst auf zu rennen, als meine Lungen zu explodieren drohen. Keuchend lehne ich mich gegen eine Hauswand und lasse mich daran zu Boden sinken. Airi. Was ist da gerade passiert? Und wo ist Ken’ichi?
Vor meinem inneren Auge spielt sich wieder und wieder dieselbe Szene ab und ich frage mich, wie zum Teufel ich da nur lebend herausgekommen bin.
Als meine Atmung sich beruhigt, schleppe ich mich weiter. Es ist sehr spät in der Nacht und ich bewege mich in einem Viertel, in dem man zu dieser Uhrzeit besser nicht unterwegs sein sollte. Aufmerksam beobachte ich meine Umgebung, zucke bei jedem neuen Schatten zusammen und setze meine Schritte so leise wie möglich auf den kalten Sand.
Ich brauche einen Unterschlupf.
Ein paar Straßen weiter bleibe ich vor einer Ruine stehen. Der erste Stock existiert schon nicht mehr und die Wände sehen aus, als würden sie jeden Moment zusammenbrechen, aber es ist genug, um mich vor neugierigen Blicken zu schützen. Seufzend kletterte ich über Geröll hinweg, bis ich eine kleine Kuhle finde, in der nicht so viel Schutt liegt.
Mit letzter Kraft entferne ich Steine und Holz, bis ich sicher bin, dass es gemütlich genug ist, um zu schlafen. Mir fallen die Augen zu, aber ich will noch sicher gehen, dass ich nicht verfolgt wurde, und bleibe wach, bis die ersten Sonnenstrahlen am Horizont zu sehen sind. Als die geschäftigen Geräusche Sunagakures an meine Ohren dringen, schließe ich die Augen und falle in meine unruhigen Träume.

Keuchend und ätzend werde ich wach.
Airi!
Ich fahre nach oben, drehe mich zu allen Seiten und versuche, die Umgebung vollständig in mein Blickfeld zu fassen. Stein. Überall ist Stein!
Ist das Haus zusammengebrochen?
Ich springe auf, aber ein Stein gibt unter meinem Schuh nach und ich lande wieder auf dem harten Boden. Ich schüttle den Kopf und der Nebel in meinen Gedanken lichtet sich.
Moment.
Das ist nicht das Haus, in dem wir leben. Das Gebäude ist halb zusammengefallen, überall liegt Schutt und die Wände ragen gefährlich schief in die Höhe. Was sie genau an Ort und Stelle hält, kann ich nicht sagen.
Ich blinzle.
So langsam tauchen Bilder der vergangenen Nacht auf und meine Hände pochen unangenehm. Stimmt. Ich habe sie gestern gegen das Dach geschlagen, bis sie wund waren. Vor allem meine linke Hand ist in allen möglichen Farben erstrahlt. Vorsichtig bewege ich die einzelnen Finger und stelle fest, dass keiner der Knochen gebrochen ist.
Aber da ist noch etwas.
Airi.
Ich habe sie im Stich gelassen. Nach allem, was wir gemeinsam durchgestanden haben, drehte ich ihr eiskalt den Rücken zu, weil mir mein Leben wichtiger war als ihres.
Mein Schrei hallt durch das ganze Viertel.
Ich springe auf, packe den nächsten Brocken und werfe ihn mit aller Kraft gegen die Mauer. Sie haben sie geholt! Sie haben meine Freundin geholt und ich konnte nichts dagegen tun!
Ein erster Schluchzer zwingt sich durch meine Kehle und, als wären alle Dämme gebrochen, folgen weitere. Was ist da nur geschehen? Was wollen diese Männer von ihr? Sie hat niemandem etwas getan! Noch ein Schrei entweicht meiner Kehle und ich lasse meine Wut an weiteren Steinen aus, die munter durch die Gegend fliegen.
Etwas beruhigt, aber noch lange nicht wieder in Ordnung, wische ich mir die Tränen von der Wange und sehe hoch zum Himmel. Die Sonne steht gefährlich tief am Horizont.
Ich kann mich jetzt nicht meiner Trauer hingeben. Ich brauche etwas zu Essen und Wasser, aber vor allem brauche ich eines: Antworten.
Ich muss zurück.
Mühsam kämpfe ich mir den Weg zur Straße frei, wo mich zwei Männer schief anschauen. Ich glühe sie an und sie wenden sich schnell von mir ab. Meine vor Schmutz stehende Kleidung und mein wilder Blick müssen genug gewesen sein, um sie vorerst einzuschüchtern. Bevor sie jedoch zur Besinnung kommen und einen Shinobi rufen können, verschwinde ich.
Meine Gedanken rasen. In den länger werdenden Schatten der aufziehenden Nacht kann ich meiner Wege gehen, ohne von jemandem beachtet zu werden. Hinter jeder Ecke erwarte ich einen der Männer, die uns überfallen haben.
Mit schnellen Schritten überquere ich einen großen, fast menschenleeren Platz und tauche ein in das Straßengewirr meines Viertels. Es wird zunehmend kühler und schon bald zittere ich am ganzen Körper.
Als ich dem Haus immer näherkomme, verlangsame ich meine Schritte und schärfe meine Sinne. Die tanzenden Schatten der Nacht erschweren mir das Vorankommen, denn sie spielen mir furchterregende Monster, gigantische Männer und tödliche Angriffe vor.
Niemand versucht, mich aufzuhalten. Ich bleibe vor der zerbrochenen Tür stehen und starre in die Finsternis. Alles in meinem Verstand wehrt sich gegen die Realität. Ich will nicht, dass die vergangene Nacht tatsächlich so war, wie ich es in Erinnerung habe. Ich will, dass Airi und Ken’ichi da drinnen auf mich warten und lächeln, sobald ich eintrete!
Erneute Tränen rennen meine Wange hinab, als ich einen vorsichtigen Schritt hineinwage. Im fahlen Licht des Mondes kann ich nicht viel erkennen, aber ich stolpere über etwas, das früher einmal ein Schrank war, und weiß, dass die Angreifer nach meiner Flucht das Haus in Schutt und Asche gelegt haben.
Die schlimmsten Szenarien fahren mir durch den Kopf, als ich aufmerksam Zimmer für Zimmer abgehe. Zwei Flaschen Wasser, etwas Brot und drei Äpfel haben den Angriff überstanden und ich stecke mir sie schnell in die Taschen, bevor sie mir noch jemand wegnehmen kann.
Trotz meiner schlimmsten Befürchtungen finde ich keine Leiche in dem Gebäude. Ken’ichi und Airi können also noch leben. Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen.
Etwas knirscht unter meinen Schuhen und ich blicke nach unten. Zwischen Schmutz und Holzresten blitzt mir etwas entgegen, das mir sehr bekannt vorkommt. Eine kleine Halskette mit einem tropfenförmigen Anhänger. Airis Kette. Es ist der einzige Besitz, den sie nie verkauft hat – egal, wie schlecht es ihr auch ging. Sie erzählte mir einmal, dass die Kette angeblich ihrer Mutter gehört hat und sie somit eine der wenigen Dinge ist, die sie noch an ihre Herkunft erinnert.
Ich verkrampfe meine Faust um den Anhänger, bis die Knöchel weiß hervortreten. Airi hätte alles getan, um mich zu befreien. Ich kann sie nicht im Stich lassen!
Auf dem Absatz mache ich kehrt und marschiere aus dem Haus. Hier liegt meine Zukunft nicht mehr und obwohl mir ein dicker Kloß im Hals steckt, drehe ich mich nicht einmal um.


Zwei Tage vergehen, in denen ich die Schatten kaum verlasse und jedweden Kontakt mit Menschen meide. Der Verlust von Airi und Ken’ichi hat mich in ein tiefes Loch fallen lassen, aus dem ich mich nur schwer retten kann. Sie waren mein Anker in dieser Welt und wussten immer, was zu tun und zu lassen war. Jetzt muss ich mich auf meine eigene Intuition vertrauen und das verunsichert mich auf so vielen Ebenen.
Nachdenklich drehe ich Airis Kette in meiner Hand und stecke sie dann seufzend weg. Der ganze Angriff auf uns macht für mich immer noch keinen Sinn. Selbst jetzt bin ich mir unsicher, ob sie es von Anfang an auf Airi abgesehen hatten oder doch ein anderer Plan ursprünglich dahintersteckte.
Aber warum dann überhaupt einen Überfall auf uns durchführen? Wir haben keinen Besitz, keinen Schmuck und erst recht keine Güter, für die es sich lohnen würde, uns anzugreifen.
Ich schüttle den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Es hat sowieso keinen Sinn, noch weiter darüber zu grübeln, denn am Ende zählt nur eines: Airi finden und befreien. Ich muss mir etwas ausdenken, um den Plan in die Tat umzusetzen und ich weiß auch schon, wie ich anfangen muss.
Ich lasse die Beine von der Kante baumeln und sehe nach unten auf das Treiben der Menschen. Die Straße ist schon längst zu eng für alle geworden, aber irgendwie schaffen sie es doch, sich nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen.
Seit dieser Nacht habe ich Ken’ichi nicht mehr gesehen und ich weiß, dass, - sollte er nicht tot sein – diese Straße sein bevorzugtes Revier ist. Ich muss unbedingt Kontakt zu ihm aufnehmen und herausfinden, ob er etwas über diesen seltsamen Vorfall weiß.
Seit Sonnenaufgang sitze ich nun hier, ignoriere die beißende Hitze und beobachte jede einzelne Person ganz genau. Meine Augen springen umher, als eine Gestalt meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein grauer Mantel verbirgt denjenigen perfekt, aber ich bin mir sicher, dass da Ken’ichi durch die Menge schleicht und versucht, so unauffällig wie möglich zu sein.
Wütend drücke ich mich ab und hangle nach unten. Eine Frau schreit auf, als ich überraschend neben ihr lande, aber ich ignoriere sie geflissentlich und stapfe auf meinen Freund zu. Der hat den Aufruhr ebenfalls bemerkt, dreht sich herum und starrt mich an. Ganz klar. Diese braunen Augen können nur zu ihm gehören.
Ich hebe eine Augenbraue, als er umdreht und rennt.
„Bleib stehen!“, brülle ich und setze ihm nach. Dieser miese…
Er stößt mehrere Bewohner zur Seite, schreit um Hilfe und verlässt schließlich die belebte Straße. Für einen Moment verliere ich ihn aus den Augen, als er an eine Kreuzung abbiegt, sehe jedoch noch, wie der Mantel um die Ecke fliegt. Idiot.
Schnaufend bleibe ich an der Ecke stehen und sehe ihn an. Er ist genau in eine Sackgasse gerannt und sieht sich panisch nach einem Ausweg um. Die Mauern sind jedoch zu hoch, als dass er sie ohne Hilfe erklimmen könnte.
„Sae. Du? Hier?“, sagt er zitternd.
„Was soll das, Ken’ichi?“, frage ich und gehe näher zu ihm. Wie ein in die Ecke gedrängtes Tier sieht er mich an. Dann beobachte ich ihn genauer. Die Kleidung… alles ist neu. Niemals könnte er sich solch teure Stoffe leisten. Hass breitet sich in mir aus, als mir klar wird, was das zu bedeuten hat.
„Du hast uns verraten“, sage ich nüchtern und Ken’ichi zuckt zusammen. Er hebt beschwichtigend die Hände und geht so weit zurück wie möglich. Bedrohlich baue ich mich vor ihm auf. Wenn ich könnte, würde ich sämtliche Knochen aus ihm herausprügeln.
„Hör zu. Das ist anders, als du denkst“, redet er zitternd los, „Ich kann es dir erklären“
Ich hebe eine Augenbraue. „Dann gib dir Mühe“
Ken’ichi atmet tief durch und entspannt sich sichtlich. Offenbar ist er zu der Annahme gekommen, ich würde ihn nicht auf der Stelle in der Luft zerreißen.
„Ein paar Männer kamen vor ein paar Wochen zu mir und haben mich über euch ausgefragt“, erzählt er, „Sie haben mir viel Geld geboten, wenn ich euch ausliefere“
Das kann doch nicht wahr sein! „Wir sind deine Freunde!“, brülle ich ihm entgegen, springe auf ihn zu und packe ihn am Kragen. Ächzend geht er zu Boden und sieht mich geschockt an, wie ich auf ihm sitze und mich zusammenreißen muss, um ihn nicht durchzuschütteln.
„Du hättest dasselbe getan!“, schreit er zurück. Wutentbrannt ramme ich seinen Kopf in den Boden und packe noch fester zu.
„Ich hätte euch niemals verraten!“
„Was weißt du denn schon?!“ Ken’ichi greift nach meinen Armen und wirft mich von ihm herunter. Bevor er jedoch fliehen kann, erwische ich seine Beine und werfe ihn wieder zu Boden. Verärgert tritt er nach mir.
„Du hast doch keine Ahnung, wie es ist, sein ganzes Leben auf der Straße zu verbringen“ Er befreit sich von mir, kommt wieder auf die Füße und atmet schwer. „Du hast keine Erinnerungen mehr!“
Ich stehe auch wieder auf und sehe zwischen herabhängenden Strähnen zu ihm herüber. Er hat einen wunden Punkt bei mir erwischt, der sämtliche Wut verrauchen lässt.
„Das stimmt“, gebe ich zu, „Aber ich weiß, dass ich niemals meine Freunde für ein wenig Geld verraten hätte“
„Wer hat sie?“, frage ich ernst, aber Ken’ichi schüttelt den Kopf.
„Wenn ich dir das sage, kann ich uns gleich hier umbringen“
Ich schnaube und komme ihm wieder bedrohlich näher. Er weicht in die hinterste Ecke der mittlerweile dunklen Sackgasse zurück und sieht mich schockiert an. Noch nie hat er mich so erlebt.
„Dein scheiß Leben ist mir egal“, knurre ich, „Aber Airi hat dir niemals was getan und war immer freundlich zu dir, egal wie sehr du dich wie das letzte Stück Dreck verhalten hast“
„Ich werde dir nichts sagen“ Entschlossenheit macht sich in seinen Gesichtszügen breit, die ich ihm aber durchaus zu nehmen weiß.
„Oh doch, das wirst du. Sonst mache ich dir dein kleines, mickriges Leben zur Hölle“
Ken’ichi wird blasser um die Nase, aber der Ausdruck in seinen Augen bleibt entschlossen.
„Von mir hörst du trotzdem kein Wort“, knurrt er.
Das ist der Moment, in dem eine Sicherung bei mir durchbrennt. Schreiend stürze ich mich auf ihn und reiße ihn erneut mit mir zu Boden. Dieses Mal lasse ich ihn jedoch nicht so einfach davonkommen, packe ihn am Kragen und ramme seinen Kopf in den Sand. Leider tut es dadurch nur halb so weh für ihn.
„Du wirst reden, du Bastard!“, schreie ich ihm ins Ohr aus lauter Verzweiflung. Airi ist die einzige Person auf dieser Welt, die mir wichtig ist, und ich habe sie in jener Nacht im Stich gelassen. Das darf auf keinen Fall noch einmal passieren!
Ken’ichi schreit auf, als sein Kopf zum sechsten Mal im Sand landet. Seine Augen flackern wirr umher, als hätte er die Orientierung verloren. Ich atme selbst sehr unregelmäßig, weswegen ich uns beiden eine kleine Pause gebe.
„Du bist der Teufel“ Als er seine Fassung wiedererlangt, spuckt er mir eiskalt ins Gesicht. Wutentbrannt hole ich aus und meine Faust landet direkt auf seiner Nase. Die Finger und Gelenke fangen zwar sofort an, zu schmerzen, aber das hält mich nicht davon ab, noch ein weiteres Mal zuzuschlagen.
„Komm zum Punkt“, knurre ich.
„Sie gehören zu einer Bande“, redet er endlich los, „An der Grenze zum Reich des Flusses haben sie einen Unterschlupf und fast alle Dörfer in der Nähe sind unter ihrer Kontrolle. Mehr weiß ich nicht“
„Geht doch“
Ich hole aus einer seiner Taschen einen kleinen Stoffbeutel hervor und lasse von ihm ab. Für heute hat er eindeutig genug gelitten. Blut tropft von seiner Nase in den reinen Sand und färbt diesen schwarzrot.
Egal, welchen Weg Ken’ichi in Zukunft geht, er wird immer ein Andenken an mich mit sich tragen.
„Viel Glück mit dieser Schande“, fauche ich ein letztes Mal, bevor ich um die Ecke biege und diesen Teil meiner Geschichte hinter mir lasse.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast