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Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
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27.05.2020 2.462
 
Kankuro gibt Sakaguchi und Takara ein stummes Zeichen und die beiden nicken und dringen über ein Fenster in den oberen Teil der Festung ein. Nachdem sie die herumstreunenden Patrouillen, die durch Tadashis Ablenkungsmanöver in Chaos gestürzt worden sind, nacheinander ausgeschaltet haben, kam Kankuro mit einem Plan um die Ecke, um auch die letzten verbliebenen Truppen von Yuudai zu besiegen. Zu diesem Zweck bildeten sie Zweierteams, die von verschiedenen Punkten in die Festung einsteigen. Goro und Ishido bleiben zurück, um den Jungen zu überwachen und wenn nötig, vor den übriggebliebenen Männern zu beschützen, die ihnen durchs Netz gegangen sind.
Hitarashi formt einige Handzeichen, aber Kankuro schüttelt den Kopf und zeigt nach oben, wo sie noch einige Chakren spüren können und einen weiteren Eingang entdecken. Gemeinsam springen sie hoch und zwängen sich durch den Einstieg. Die vielen Fenster in dem Gang, in dem sie stehen, werfen ein gutes Licht auf das, was sich vor ihnen erstreckt: ein einziges Schlachtfeld. Die Chakren, die sie gespürt haben, stammen von den wenigen Männern, die noch bei Bewusstsein sind. Der Rest liegt ohnmächtig auf dem Boden und zeigt deutliche Kampfspuren.  Waffen liegen überall herum, Blutspritzer bekleiden die Wände und das Holz zeigt im gesamten Gang Kratzspuren und Einstichstellen. Zur Überraschung der beiden scheint aber niemand getötet worden zu sein oder in Lebensgefahr zu schweben.
„Was ist denn hier passiert?“, fragt Hiatarashi leise und stürmt zu dem nächsten Bewusstlosen, um seine Wunden näher zu analysieren. „Der hier hat Schnitte, die von einem Shuriken stammen könnten“
„Hier hat jemand aufgeräumt, bevor wir die Chance dazu hatten“, sagt Kankuro und blickt sich um. Er hat eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte, aber so ganz kann er es sich nicht vorstellen. Das Mädchen, das er in Urasoe gesehen und erlebt hat, kann zwar kämpfen, aber zu etwas sieht er sie nicht im Stande. Mischt vielleicht sogar noch eine vierte Partei mit, von der der Junge nichts weiß? Oder ihnen nichts erzählt hat?
Das wäre eine sehr beunruhigende Situation, denn bisher haben sie es nur mit einem Mädchen und einer Gruppe Banditen zu tun. Sollte jetzt noch jemand dazu kommen, den sie nicht einschätzen können, könnte das brenzlig für sie werden.
„Schick eine Nachricht an die anderen. Sie sollen vorsichtig sein, wenn sie weiter vordringen und sofort berichten, wenn ihnen etwas Merkwürdig vorkommt“
Hitarashi nickt und lässt von dem Verletzten ab, um Fingerzeichen zu machen, die Augen zu schließen und mit erhobener Hand für einige Sekunden dazustehen. Als er die Augen wieder öffnet, nickt er Kankuro kurz zu und die beiden machen sich auf den Weg weiter in die Festung hinein.

Keuchend lehnt sich Sae gegen die kalte, hölzerne Wand und legt den Kopf in den Nacken. Die letzten drei Ebenen ist sie auf harte Gegenwehr gestoßen und konnte sich keine einzige Pause gönnen. Dass sich gerade niemand in dem Gang befindet, der sie angreifen würde, muss sie ausnutzen.
Schweiß rinnt ihr die Stirn herunter, den sie genervt wegwischt. Ihre Trinkflasche hat es in dem Gemetzel erwischt und die Nahrungsvorräte hat sie im Wald gelassen, wo sie sie nicht verlangsamen würden. Im Moment bereut sie das zutiefst, denn eine kleine Stärkung könnte sie im Moment gut gebrauchen.
Zwei Ebenen noch. Ich muss mein Chakra einteilen, wenn ich es bis dahin schaffen will.
Yuudai wird Airi sicher nicht kampflos aufgeben, aber je höher sie kommt, desto schwieriger werden die Gegner. Ihr letzter Gegner muss zumindest eine grobe Ausbildung in den Künsten der Shinobi erhalten haben, denn er konnte ihre Bewegungen sehen und sie sogar so sehr überraschen, dass er mit seinem Messer einen Treffer landete. Das Blut, das Sae den Oberschenkel herunterläuft, ist dafür Zeuge genug.
Knurrend greift sie in ihre Tasche und holt einen Verband hervor, den sie möglichst fest um die Wunde wickelt. Das muss halten, bis sie Tadashi widergefunden hat und er sich das Ganze genauer ansehen kann.
Mehr Zeit zum Ausruhen nimmt sie sich nicht. Sie holt aus ihrer Tasche ihr Kunai und stürmt weiter an den vielen Türen und Abzweigungen vorbei. Die Wegbeschreibung der Kerkerwache hat sich in ihrem Kopf festgebissen wie eine Zecke und führt sie sicher durch die Festung.
Die letzten zwei Ebenen begegnet ihr so gut wie niemand mehr. Ihre Schritte hallen auf dem Holz so gut wie gar nicht, aber das dumpfe Pochen und Knarzen ist laut genug, um etwaige Verteidiger über ihre Position zu informieren.
Als sie den Teil der Festung erreicht, den ihr die Wache als Yuudais privaten Sektor beschrieben hat, bleibt sie stehen und sieht hinein. Das Holz wirkt hier noch älter als in den anderen Ebenen und die Wandbehänge und Verzierungen sind noch reicher geschmückt. Sae hat keine Zweifel, dass sie richtig ist. Sie hat sich immer vorgestellt, wie Yuudai lächelnd und vollkommen selbstsicher durch solche Gänge schreitet, die er aus dem Leid anderer finanziert hat. Wut kocht in ihr hoch, die der Wandteppich neben ihr auch prompt abbekommt.
Zur Hölle mit dem Mistkerl!
Keuchend lehnt sie sich gegen die gegenüberliegende Wand und betrachtet ihr Werk. Die Muster auf dem edlen Teppich sind kaum mehr zu erkennen. Gut so! Nun, da sie ihren Frust herausgelassen hat, kann sie sich wieder konzentrieren. Dass ihr noch niemand begegnet ist, bereitet ihr Sorgen.
Selbst als sie sich abstößt und weiter in den Trakt vordringt, taucht niemand auf, um sie aufzuhalten. Soll es wirklich so einfach sein? Hat sie den Widerstand bereits brechen können? Das scheint ihr alles nicht Yuudai zu sein. Der Mann hat immerhin einen ganzen Trupp geschickt, um sie und Airi gefangen zu nehmen und da soll der nicht genug Männer haben, um sich selbst zu verteidigen?
Sie strauchelt über das Ende eines Teppichs und schaut verwirrt nach unten. Das Teil sieht aus, als wäre es schon über einhundert Jahre alt, wirkt aber gepflegt und edel wie der Rest der Inneneinrichtung. Er dämpft ihre Schritte, bis sie kaum noch zu hören sind und leitet sie geradewegs zum Ende ihrer Reise.
Sie bleibt vor einer große Flügeltür stehen und atmet durch. Das Ganze könnte eine Falle sein, aber was soll sie schon tun? Umkehren? Nein. Sie ist so weit gekommen, da wird sie nun vor einer möglichen Falle zurückschrecken, von der sie nicht einmal sicher weiß, ob sie existiert. Da könnte sie sich genauso von der nächsten Klippe werfen, damit sich niemand vor ihren Augen über sie lustig machen kann.
Airi.
Mit dem Bild ihrer Freundin im Kopf geht sie auf die Tür zu und greift nach der Klinke. Ihr Herz schlägt ihr bis zum Hals. Das ist es nun. Darauf hat sie die letzten Wochen hingearbeitet. Sae schließt für einen kurzen Moment die Augen und sammelt sich. Egal, wie sehr sie es sich wünscht: sie darf auf keinen Fall ihre Konzentration verlieren, bis sie mindestsens zehn Meilen zwischen sich und diese Festung gebracht hat.
Mit einem letzten tiefen Atemzug stößt sie die Flügeltür auf und tritt in den Raum.  

Am anderen Ende der Festung haben es Kankuro und sein Trupp bei Weitem nicht so leicht, weiter vorzudringen. Knirschend kämpft er sich an zwei Wachen vorbei, nur um dann von drei weiteren zurückgedrängt zu werden. Die Gänge sind leider zu schmal, als dass er seine Krähe auspacken und die ganze Bagage zur Hölle schicken kann. Hitarashi geht es leider auch nicht besser. Er muss Kankuros Rücken decken und da die Feinde aus allen Löchern zu krauchen scheinen, hat er alle Hände voll zu tun.
„Wo kommen die nur her?“, flucht er, weicht einem Schlag aus und packt den Arm des Angreifers, damit der nicht einfach weiter auf Kankuro losgehen kann.  Mit einer kleinen Bewegung seines Armes fliegt der Angreifer in seine eigenen Kameraden und wirft sie um. Das gibt zumindest Hitarashi eine dringend benötigte Pause.
„Keine Ahnung“, antwortet Kankuro, „Hoffen wir, dass die anderen dafür weniger Schwierigkeiten haben“
Bis zu dem Zeitpunkt ist alles glatt gelaufen. Sie konnten sich hineinschleichen, haben die Wachen überwältigt, bevor sie Alarm schlagen konnten und sind weiter in die Festung vorgedrungen. Die Gefangenen haben sie noch nicht entdecken können und als sie gerade dabei waren, einen der Wachen nach deren Aufenthaltsort zu befragen, sind die Feinde wie Heuschrecken über sie hergefallen.
„Und was sollen wir in der Zeit machen?“, will Hitarashi wissen, während er mehrere Shuriken abwehrt und einem zweiten Angreifer fest in den Bauch tritt. Die Wachen, auf die sie bisher gestoßen sind, sind alle nicht in den Künsten der Shinobi unterrichtet worden und wiesen selbst nur sehr wenig Chakra auf, waren dafür aber umso entschlossener, die Eindringlinge zur Hölle zu schicken.
Kankuro weicht einem Schwerthieb aus, packt das Handgelenkt des Angreifers und schickt ihn weiter zu Hitarashi, der ihn mit einem gezielten Handkantenschlag auf den Nacken außer Gefecht setzt.
„Wir müssen durchhalten und sehen, dass wir irgendwie von hier weggekommen und Verstärkung rufen“
Kaum hat er den Satz ausgesprochen, hören sie Krawall vom anderen Ende des Ganges und auch die Banditen halten verblüfft in ihren Angriffen inne. Eine der Wachen stolpert in den Gang hinein und bricht zwei Schritte weiter zusammen. Keine Sekunde später stehen Goro, Ishido und Tadashi kampfbereit hinter der Gruppe an Banditen.
„Ich hab gehört, dass ihr Hilfe braucht“, sagt Goro und grinst breit. Die übrig gebliebenen Wachen sind langsam mit ihrer Zählung fertig und schlucken. Vier ausgebildete Shinobi und ein Junge mit einem Schwert, das fast so groß wie er selbst, gegen elf bewaffnete Banditen. Das geht auf gar keinen Fall zu ihren Gunsten aus.

„Airi!“
Sae zuckt nach vorn, hält aber in der Bewegung inne, als sie die blitzende Klinge am Hals ihrer besten Freundin bemerkt.
„Mistkerl“, murmelte sie und ballt ihre Hände zu Fäusten. Der Raum, in dem sie sich befindet, ist ein großer Empfangssaal mit einem Schreibtisch am anderen Ende und einem Regal direkt daneben. Die rechte Seite besteht nur aus deckenhohen Fenstern, durch die die Mittagssonne hineinscheint, während auf der linken Seite eine beachtliche Sammlung verschiedenster Waffen hängt.
Vor dem Thron hockt Airi, die an den Haaren von Yuudai festgehalten wird und verkrampft versucht, sich ihre Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Sie trägt ein – für Saes Verhältnisse – kostbares, blaues Kleid und eine elegante Flechtfrisur, die durch Yuudai fast völlig zerstört wurde.
„Sae, was machst du hier? Du musst-“
„Schnauze“, raunzt Yuudai und reißt an ihren Haaren, bis sie aufschreit. Sae kneift die Augen zusammen und macht noch einen Schritt nach vorn, aber als sich daraufhin die Klinge gefährlich in Airis Hals bohrt, bleibt sie wieder stehen und knirscht mit den Zähnen.
„Nanana. Wir wollen hier doch keine Unfälle“, sagt Yuudai und schmunzelt. Er sieht noch verschlagener aus, als Sae ihn sich vorgestellt hat, mit seinen schmalen, dunklen Augen, den akribisch frisierten Haaren und Hemd und Hose, die sie sich im Leben niemals leisten können wird.
„Lass sie frei. Sie ist nicht dein Eigentum“, verlangt Sae und geht in Kampfposition. Auch wenn am Hals ihrer besten Freundin ein Messer liegt, wird sie nicht kampflos aufgeben. Und da nur Yuudai mit ihr in dem Raum ist, stehen ihre Chancen sehr gut, dass sie siegreich aus der Auseinandersetzung hervorgeht.
Yuudai lächelt und entfernt das Messer ein Stück.
„Lass die Waffen fallen, Saki. Deiner Freundin hier habe ich den Hals schneller aufgeschlitzt, als du zucken kannst“
Sae zuckt zusammen und hätte tatsächlich fast ihre Waffe verloren. Saki. Er hat sie Saki genannt. Aber woher hat er diesen Namen? Und warum spricht er sie an, als würde er sie kennen?
„Jetzt guck nicht so. Man könnte ja meinen, du hättest dein Gedächtnis verloren“
Als Yuudai Saes entgeisterten Gesichtsausdruck bemerkt, lacht er laut los.
„Du weißt nicht mehr, wer du bist? Wie köstlich! Dann wird das ja noch einfacher, als ich gedacht habe. Schnappt sie euch!“ Den letzten Satz wendet er an zwei Männer, die bis jetzt in einer dunklen Ecke standen und auf sein Zeichen gewartet haben. Blitzschnell stehen sie vor Sae und greifen sie an, was sie völlig überrumpelt.
Beide tragen die Ausrüstung von Anbumitgliedern, aber Sae kann keinen Hinweis auf eine Zugehörigkeit zu einem der versteckten Dörfer erkennen. Abtrünnige. Das hat ihr gerade noch gefehlt. Deswegen konnte sie sie anfangs auch nicht spüren.
Sie duckt sich unter dem Schwinger des einen, kann aber während des Angriffs nicht sehen, dass sich der andere von der Seite nähert. Er rammt ihr das Knie in die Seite und sie rutscht keuchend weg. Das Schlag hatte es in sich und jagte ihr den Sauerstoff aus den Lungen.  
Keuchend fasst sie sich an die Stelle, die getroffen wurde und knurrt. Ein stechender Schmerz breitet sich in ihre gesamte Brust aus und macht es ihr unmöglich, sich frei zu bewegen. Dem Folgeangriff des Zweiten kann sie zwar ausweichen, indem sie einen Sprung zurück macht, aber kaum sind ihre Füße auf dem Boden, spürt sie den Ersten hinter sich. Noch bevor sie reagieren kann, hat er ihren freien Arm gepackt und ihn auf ihren Rücken gedreht, bis sie vor Schmerzen aufschreit und in die Knie geht.
„Sae!“, schreit Airi auf und windet sich in Yuudais Griff, aber der ist eisern und lässt ihr keinen Raum für Spielchen.
Sae sieht zu ihrer Freundin. Strähnen ihres Haares, die sich aus dem Zopf gelöst haben, fallen ihr ins Gesicht und lassen sie noch wilder erscheinen. Das Atmen fällt ihr schwer und der Griff um ihren Arm ist fest genug, dass kein Fluchtversuch ihrerseits zur Debatte steht, solange sie sich nicht die Schulter auskugeln will. Als dann auch noch die Klinge eines Katana an ihren Hals gelegt wird, weiß sie, dass sie ihre Chancen verspielt hat. Sie hätte angreifen sollen, bevor Yuudai sie mit dem kurzen Gespräch irritiert hat.
Der Anführer der Bande wirft Airi auf den Boden und klatscht zufrieden in die Hände. Für ihn ist alles nach Plan gelaufen – mit dem einen oder anderen Ärgernis, versteht sich.
„Sehr schön. Dann können wir uns ja endlich unterhalten“

                                                             
Willkommen zurück!
Das Kapitel ist etwas kürzer geworden, als die Letzten, aber das liegt auch daran, dass es die Vorbereitung für das Finale ist. Ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen und ihr bleibt auch bis zum letzten Kapitel mit dabei.
Ich für meinen Teil finde es unglaublich, dass ich morgen vor einem Jahr das erste Kapitel zu dieser Geschichte veröffentlicht habe. Damals habe ich, glaube ich, nicht gedacht, dass ich ein Jahr später noch immer daran schreibe und sogar fast fertig bin. Danke auf jeden Fall an alle, die sich hingesetzt und Sae auf ihrem Weg begleitet haben. Es bedeutet mir viel, dass die Geschichte überhaupt gelesen wird, und in diesem Zusammenhang auch noch mal einen lieben Dank an Karikadu und Lilly. Ohne eure Reviews stünde das hier nicht.

Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Restwoche und noch ein letztes Mal:
Bis zum nächsten Kapitel!

Eure Aravae
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