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Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
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31.03.2020 3.591
 
Manche Menschen wissen einfach nicht, wann sie besser liegen bleiben sollten. Zum dritten Mal schlage ich einen Kerl nieder, der mehr Tattoos als Kleidung zu haben scheint, und es sieht wieder nicht so aus, als würde er liegen bleiben.
Zwei konnte ich schon bewusstlos zu Boden schicken, aber die letzten beiden bereiten mir ordentlich Probleme. Am Anfang noch wollte ich auf keinen Fall meine Waffen benutzen, um sie zu verletzen, aber je weiter dieser Kampf voranschreitet, desto mehr sehe ich die Notwendigkeit in ihnen.
Warum müssen die mich auch so nerven? Es ist so eine Zeitverschwendung, sich mit diesen Holzköpfen ohne Waffen anzulegen! Hätte ich nicht so gezögert, wäre die ganze Sache schon in Sack und Tüten und Tadashi und ich könnten weiterziehen.
Ich ducke mich unter einem Schwinger hinweg, lasse mich zu Boden fallen und schwinge mein Bein in einem Halbkreis, der meinen Gegner zu Fall bringt. Sofort bin ich wieder auf den Füßen und will ihn ausschalten, als Nummer vier sich einmischt und mich von seinem Kameraden wegdrängt.
Tadashis Schwert schützt mich vor dem wahrscheinlich sehr tödlichen Schlag durch das Katana des Gegners, kann ihm aber kaum etwas entgegensetzen. Wir springen beide zur Seite, als die ganze Sache zu brenzlig wird und der Kerl stolpert an uns beiden vorbei, um sich keine drei Schritte weiter wieder zu fangen.
„Danke“, sage ich knapp, wende mich dem anderen zu und gehe in Kampfstellung. Rücken an Rücken stehen Tadashi und ich da und harren der Dinge, die da kommen.
„Kein Problem“, antwortet er.
„Mir reicht das hier langsam“, knurre ich, mache zwei Schritte auf meinen Gegner zu und ramme ihm meinen Fuß in den Magen, „Bleibt endlich liegen, ihr Mistkerle“
Stöhnend und ätzend kommt er wieder auf die Füße – leider – und starrt mich aus hasserfüllten Schweinsaugen an. Ein Stöhnen zu meiner Linken lenkt mich kurz ab und zu meinem Horror bewegt sich einer der Bewusstlosen doch tatsächlich wieder. Verdammte Axt! Ich dachte, den hätte ich für die nächsten paar Stunden ins Land der Träume geschickt!
Der Grobian vor mir folgt meinem Blick und grinst breit.
„Hey, Shouta! Willkommen zurück unter den Lebenden!“
Zähneknirschend will ich den Kerl schnell wieder dahin zurückschicken, wo er herkommt, aber mein jetziger Gegner stellt sich zwischen uns und schwingt seinen Hammer, dem ich nur mit einem Satz nach hinten entkommen kann.
Jetzt reicht es!
Ich greife in meine Kunaitasche und hole zwei heraus.
„Hört endlich auf, meine Zeit zu verschwenden!“, schreie ich und gehe auf den Kerl los, der mir am nächsten steht. Überrumpelt von meiner Flut an Attacken weicht er zurück und kann nur einen Bruchteil von dem blocken, was ich ihm entgegenwerfe. Die Kunai können leider nicht mehr als harmlose Kratzer hinterlassen, aber sie verlangsamen ihn und lenken ihn hervorragend ab.
„Sae, pass auf!“, ruft Tadashi gerade noch rechtzeitig. Dieser Shouta hat sich aufgerappelt, um seinem Kameraden zu Hilfe zu kommen, und hat sich von der Seite angeschlichen, um mir den finalen Schlag zu verpassen. Ich hebe beide Kunai und wehre den Angriff gerade noch ab, aber die Wucht des Schlages geht mir durch Mark und Bein und lähmt für einen kurzen Moment meine Arme.
Fluchend drücke ich ihn von mir weg, flicke beide Kunai in meinen Händen und werfe sie ihm aus der kurzen Distanz entgegen. Blutend geht er zu Boden und dieses Mal bleibt er auch endlich da.
Wutschnaubend drehe ich mich herum und starre mein nächstes Opfer an. Ich mache einen kleinen Schritt zur Seite und entgehe so dem Hammer, der eigentlich meinen Schädel spalten sollte. Ein kleiner Handgriff reicht und ich habe mein nächstes Kunai in der Hand, um auch diesem Kerl endlich das Licht auszublasen. Die Wucht seines Schlages lässt ihn nach vorn fallen und ehe er sich versieht, habe ich ihm die Beine weggezogen und er knallt mit dem Gesicht voran auf den Boden.
Mein Blut kocht förmlich in meinen Venen und eine Blutdurst ergreift von mir Besitz, vor der ich zu anderen Zeiten vielleicht Angst gehabt hätte. Jetzt aber schwelge ich in dem Gefühl, lasse zu, dass es mich antreibt und meine Reflexe schärft. In diesem Kampf habe ich die Macht, über Leben und Tod zu entscheiden.
Ich zögere noch einen Moment, aber als der Kerl schon wieder beginnt, sich aufzurappeln, ist sein Schicksal besiegelt. Ich umgreife das Kunai fester, richte die Spitze auf mein Ziel und lege all meine Kraft in diesen einen Schlag.
Als eine Hand mich plötzlich aufhält.

So schnell wie das Gefühl der absoluten Macht gekommen ist, so schnell verschwindet es auch wieder aus meinem Körper und lässt eine erschöpfte und zitternde Hülle zurück. Was ist da gerade geschehen?
Bilder von der Nacht vor Yuutos Hütte blitzen vor meinem inneren Auge auf. Bilder von einem verängstigten Mann, der vor mir wegkriecht und schließlich die Flucht ergreift, als ich ihn nach dem Grund seiner Angst frage. Eine kalte Klammer legt sich um mein Herz und drückt es zusammen, bis es schmerzt. Damals hatte ich das Gefühl, als hätte mich eine Macht verlassen, die ich selbst nicht kenne, und genau dieses Gefühl hatte ich gerade eben auch, nur dass es nicht so stark war.
„Alles in Ordnung?“, holt mich eine tiefe Stimme aus meiner Trance. Ich blinzle mehrmals und brauche noch einen Moment länger, um zu realisieren, dass die Frage nicht an mich ging, sondern an den armen Mann, der vor uns im Dreck liegt und mit angsterfüllten Augen zu uns aufsieht.
Hat er etwa Angst vor mir?
Das kann doch gar nicht sein! Ich bin eine kleine, junge Frau, die seit jeher von jedem unterschätzt wurde. Warum sollte er Angst vor mir haben?
Die Hand lässt mich endlich los und ich reibe mir die Stelle, die schon rot wird. Die nächsten Tage werde ich einen ordentlich blauen Fleck mit hier herumtragen, aber bei der Kraft, die ich in meinen Angriff gesteckt habe, muss ich mich auch nicht wundern. Der Shinobi – ich bin mir einhundertprozentig sicher, dass er ein Shinobi ist – scheint meinen Angriff ohne Mühe abgefangen zu haben, aber allein der Fleck ist Beweis genug, dass er von seiner eigenen Kraft einiges aufbringen musste, um mich aufzuhalten.
Ein kalter Schauer jagt meinen Rücken herunter. Wenn schon ein Shinobi so viel Kraft aufwenden muss, wie hätte mich da ein Zivilist aufhalten sollen? Was wäre geschehen, wenn er nicht eingegriffen hätte?
Eigentlich will ich die Antwort darauf gar nicht wissen. Mein Blick fliegt zu Tadashi, der ebenso wie die Menschen um uns herum einen sorgenvollen Ausdruck trägt. Ob es Sorge um mich oder um ihr eigenes Wohl ist, kann ich nicht sagen.
„Ihr habt genug gekämpft“, sagt der Shinobi vor mir und sein Ton macht klar, dass er keine Widerrede duldet, „Nehmt eure Kameraden und verschwindet von hier“
Tadashi lässt sein Schwert wieder in der Scheide verschwinden und auch ich stecke meine Kunai zurück in die Tasche. Der Shinobi hat klar gemacht, dass es unter seiner Aufsicht vorerst keinen Kampf geben wird und ich bezweifle sowieso, dass Tadashi und ich es mit ihm aufnehmen können. Zumal ich in dem Moment auch noch einen weiteren Shinobi entdecke, der darum bemüht ist, die Menge aufzulösen.
Als sich ein Großteil der Menschen wieder ihrem eigenen Tagesgeschäft zugewandt hat, dreht sich der Shinobi zu mir herum und mustert mich von oben bis unten. Mich trifft fast der Schlag! Wenn ich mich nicht täusche, dann ist das doch der Kerl, der mich in Suna gerettet hat!
Sein Aufzug ist jetzt ein ganz anderer und auf seinen Rücken hat er ein großes, in Stoff gewickeltes Etwas geschnallt, dessen Form es unmöglich macht, zu erraten, was sich darunter befindet.
Nur was treibt der hier?
„Und jetzt zu euch zweien", sagt er, packt mich am Arm und zieht mich in eine ruhigere Ecke. Tadashi und der andere Shinobi folgen uns auf dem Fuße und ich werde erst wieder losgelassen, als wir eine kleine Gasse erreichen, in der dicker Nebel liegt und niemand uns belauschen kann.
Noch mehr Zeitverschwendung. Wenn das so weitergeht, ist Airi verkauft, bevor ich überhaupt in die Nähe der Festung komme.
Mit einem strengen Blick bedeute ich Tadashi, ja die Klappe zu halten. Vielleicht schaffe ich es, uns aus dieser Bredouille herauszureden und die Shinobi davon zu überzeugen, uns unserer Wege gehen zu lassen.
„Ihr solltet wissen, dass das Tragen eines Stirnbands für Shinobi Pflicht ist“, sagt der Shinobi, verschränkt die Arme vor der Brust und sieht uns streng an, „Und da ihr keins tragt, stelle ich euch jetzt eine ganz einfache Frage: wo kommt ihr her?“
Tadashi und ich wechseln einen Blick. Für mich steht nicht zur Debatte, dass wir ihnen irgendetwas erzählen. Und sei es auch nur unsere Herkunft. Dieser Shinobi hat mich damals in Suna gerettet, ja, aber er hat sich in dieser Nacht auch herrlich zum Affen gemacht und wenn ich ehrlich bin, zweifle ich sehr an seinen Fähigkeiten.
Erwartungsvoll sieht er uns an, aber ich kneife die Lippen zusammen und denke scharf nach. Zwei Shinobi gegen ein Mädchen mit Chakra und einen Jungen mit Schwert. So fangen sonst nur gute Witze an. Die Pointe muss ich mir noch aussuchen, aber sie sieht ganz sicher nicht vor, dass ich mich von den beiden gefangen nehmen und wegschleifen lasse.
Zum Glück scheint mich der Kerl noch nicht erkannt zu haben, sonst steckten wir mittlerweile in ganz anderen Problemen.
„Also?“, fragt er ungeduldig.
„Wir sind keine Shinobi“, antworte ich wahrheitsgetreu. Der Shinobi zieht die Augenbrauen hoch und sieht zu seinem Kameraden, der seine Hand jetzt an seiner Kunaitasche hat und uns misstrauisch anblitzt. Ein Satz und die ganze Situation wechselte von neugierig zu angespannt.
Ich hätte mir einen besseren Satz überlegen sollen.
„Was seid ihr dann? Söldner? Soldaten?“
Ich linse zu dem anderen herüber mit der Absicht, seine Kampfkraft abzuschätzen. Die beiden sind ein ganz anderes Kaliber als die Banditen, mit denen ich es bisher zu tun hatte. Egal, wie trottelig der Kerl vor mir auch ist, er wird fähig sein, mein Chakra zu spüren und die einfachsten Täuschungen zu durchschauen. Ich muss mir etwas überlegen und zwar schnell!
„Wir sind Reisende“, antwortet Tadashi an meiner Stelle und fängt sich dafür einen meiner giftigen Blicke ein.
„Reisende?“, hakt der Shinobi nach und macht sehr deutlich, dass er unseren Worten nicht wirklich glaubt. Spätestens jetzt sind wir alle vier kampfbereit und warten nur darauf, dass die andere Seite einen Fehler macht.
„Ja, Reisende“, bestätige ich ruhig, „Wir haben uns im Reich der Flüsse verirrt und mussten in Urasoe rasten und unsere Vorräte auffüllen“
„Verirrt also? Und wohin soll die Reise gehen?“, fragt der Kamerad nach.
„In die Hauptstadt“, antwortet Tadashi schnell. Zu schnell. Die Shinobi ziehen ihre Kunai und ich tue es ihnen keine Sekunde später nach. Tadashi greift nach dem Griff seines Schwertes, zieht es aber nicht.
„Die Hauptstadt liegt in der anderen Richtung“, sagt der Shinobi.
„Habe ich nicht erwähnt, dass wir uns verirrt haben?“, entgegne ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Auch wenn ich mein Chakra im letzten Kampf kaum angefasst habe, möchte ich diesen Kampf um jeden Preis vermeiden. Tadashi und ich sind einfach noch nicht bereit, uns mit gründlich ausgebildeten Shinobi anzulegen.
„Wir sind nicht so blöd wie ihr uns haltet“, sagt der Shinobi und steckt seine Waffe weg, „Wir sollten uns mal gründlich unterhalten“
„Bedaure“, sage ich, „Aber wir hätten schon letzte Woche dort ankommen sollen und können uns keine weitere Verzögerung leisten“
Der Shinobi runzelt die Stirn. Was gäbe ich im Moment alles dafür, um seine Gedanken zu erfahren!
Ich werfe Tadashi einen Seitenblick zu und schaue dann so unauffällig auf den Boden. Er begreift, was ich von ihm will und nickt mir kaum merklich zu. Sehr gut.
„Es sind wirklich nur ein paar kurze Fragen und dann könnt ihr weiter eures Weges-“
"Jetzt!" Ich lasse ihn den Satz gar nicht erst beenden. Tadashi hockt sich hin, schnappt sich den Dreck und wirft ihn ihm direkt in die Augen. Jaulend weicht er zurück und fasst sich ins Gesicht.
Die Ablenkung reicht, um auf seinen Kameraden zuzuspringen, ihm meinen Fuß in die Magengrube zu jagen und Tadashi zu schnappen.
„Komm jetzt!“
Bevor die Shinobi sich erholt haben, sind wir schon um die Ecke gehetzt und auf unserem Weg aus der Stadt heraus.


„Goro! Alles in Ordnung?“, stöhnt Kankuro und reibt sich über die brennenden Augen. Dieses Miststück! Sie hat sich so schnell bewegt, dass er kaum schnell genug reagieren konnte.
„Alles okay“, antwortet der Shinobi, der sich gerade wieder auf die Beine hievt und sich über die Stelle reibt, an der dieses Mädchen ihn getroffen hat. Sicher, es hat ihn nicht quer über die Straße geworfen, aber der Angriff hatte es trotzdem in sich.
„Verfolg sie! Ich komme gleich nach“, befiehlt Kankuro. Goro nickt und springt eilig davon, um die zwei Unruhestifter nicht aus den Augen zu verlieren.
„Verdammter Mist“ Kankuro wischt sich noch einmal über die Augen, aber der Dreck verhindert noch immer, dass er richtig sehen kann. Dieses Mädchen und der Junge haben tatsächlich zwei erfahrene Shinobi überracht und kurzzeitig außer Gefecht gesetzt. Sollte Gaara jemals davon erfahren, ist er geliefert und kann sich glücklich schätzen, wenn er nur zur Stadtwache degradiert wird.
Energisch reibt er sich ein letztes Mal über die Augen, schüttelt den Kopf und kommt auf die Beine. Egal, wie sehr er gerade seinen Kopf ins Wasser stecken und den Sand aus seinen Augen waschen will, er hat wichtigeres zu tun.
So schnell er kann verlässt er die Gasse und eilt Goro hinterher, dessen Chakra er schon nach wenigen Minuten spüren kann. Es führt ihn zum anderen Ende der Stadt, wo er auf einem Dach steht und den Anschein erweckt, als habe er einige Schwierigkeiten.
Als Kankuro zu ihm aufschließt und er neben seinem Kameraden zum Stehen kommt, erschließt sich auch ihm das Problem: zu viele Menschen. Die zwei Unruhestifter sind nirgends zu sehen und niemand der Passanten erweckt den Anschein, als wären gerade zwei Jugendliche an ihnen vorbeigestürmt.
Noch dazukommt, dass keiner von beiden in der Lage ist, das Chakra des Mädchens zu spüren. Kankuro seufzt, während er die Straßen unter sich genau im Blick behält. Der Nebel hat sich zwar etwas gelichtet, macht es aber trotzdem so gut wie unmöglich, die Gesichter der Passanten genau zu erkennen – geschweige denn die einzelnen Personen voneinander zu unterscheiden.
„Wie es aussieht, haben sie dich abgehängt“, sagt Kankuro. Goro schluckt und wagt es nicht, seinen Anführer direkt anzusehen. Er ist von zwei Jugendlichen vorgeführt worden, wie ein verdammter Anfänger! Wie er diese respektlose Jugend heutzutage doch hasste!
„Keine Ahnung, wie die so schnell verschwinden konnten“, antwortet er, „Den einen Moment waren sie noch vor mir und im nächsten sind sie einfach weg“
„Das ist nicht gut“ Kankuro reibt sich über das Kinn und wendet den Blick in die Ferne, "Könnte es sein, dass der Nebel etwas damit zu tun hat?" Es stört ihn, dass er nicht so weit sehen kann wie in Suna, wenn er da auf den Mauern steht und die Wüste vor sich hat. Könnt er die Ausreißer sehen, wenn der verdammte Nebel nicht wäre?
"Das könnte gut sein", antwortet Goro, "Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass ich Chakra nicht so spüren kann wie sonst"
Kankuro nickt und wendet seinen Blick von dieser trostlosen Gegend.
„Ruf die anderen zusammen. Wir können uns nicht ewig hier aufhalten“
„Was ist mit den Kindern?“
„Die lassen wir in Ruhe“, entscheidet Kankuro, „Wir können sie in der Suppe eh nicht finden und ich habe das Gefühl, dass wir sie noch widersehen werden“


Ich stütze mich auf meinen Knien auf und keuche so stark, dass mir die Lungen fast aus der Brust springen. Neben mir fällt Tadashi auf den Boden und sieht aus, wie ich mich fühle.
Wir sind gute fünf Kilometer von der Stadt entfernt und bis jetzt kann ich weder Verfolger entdecken noch ihre Chakren spüren. Ich hoffe, dass wir denen entkommen sind und die nicht die Zeit und Motivation haben, uns weiter zu verfolgen.
„Geht es dir gut?“, frage ich Tadashi. Mehr als ein Nicken bekommt er nicht zustande, aber es reicht mir auch, um zu wissen, dass er es überleben wird.
Tief atme ich ein und strecke meinen Rücken durch. Ein stechender Schmerz zieht von den Schultern über die Wirbelsäule bis hinunter in meine Hüften und verhindert, dass ich tief Luft holen kann.  So lange bin ich noch nie an einem Stück gelaufen und ich bin mir sicher, dass ich das eine ganze Weile auch nicht mehr tun werde.
Tadashi kommt endlich wieder auf die Füße und wischt sich den Schweiß aus der Stirn. Sein Gesicht ist noch immer puterrot und ich erkenne ein leichtes Zittern in seinen Beinen.
„Wie zur Hölle haben wir die abgeschüttelt?“, fragt er.
„Pures Glück. Ohne den Nebel hätten wir es nicht geschafft“, antworte ich und ein fettes Grinsen pflastert mein Gesicht. Tatsächlich habe ich einfach nur die wichtigsten Regeln angewandt: Sicht unterbrechen, Chakra verstecken und sich selbst in der Menge untertauchen lassen. Eine Idee, auf die ursprünglich Tadashi gekommen ist und die ich einfach aufgegriffen habe. Nachdem die Verfolger dann unsere Spur verloren haben, habe ich mir Tadashi geschnappt und bin so schnell gerannt wie ich konnte.
Definitiv eine einfache Technik, die schnell durchschaut werden kann, aber in diesem Fall hat sie geklappt. Zum Glück für uns. Ich will mir gar nicht ausmalen, was die mit uns gemacht hätten, hätten sie uns in die Finger bekommen.
Meine Hände zittern stark, als ich nach meiner Wasserflasche greife, sie nach mehreren Versuchen endlich aufbekomme und drei große Schlucke nehme. Das kühle Nass beruhigt meinen trockenen Hals und belebt meine Geister genug, dass ich wieder klare Gedanken fassen kann.
„Was hast du dir dabei überhaupt gedacht?“, fahre ich Tadashi an, der vor Schreck einen Satz zur Seite macht und mich verständnislos ansieht.
„Ich?“, sagt er, „Du musstest dich doch mit Shinobi anlegen!“
„Das meine ich doch gar nicht!“, entgegne ich, „Wie konntest du nur so dumm sein und eine Gruppe von Idioten mit Waffen belauschen?“
Jetzt scheint der Groschen gefallen zu sein. Tadashi läuft wundersamer Weise noch ein Stück röter an und fängt an, vor sich hin zu stottern, sodass ich kein einziges Wort verstehen kann.
„Ich höre“
Er schnappt nach Luft und wirft mir einen beleidigten Blick zu.
„Du bist nicht meine Mutter“
„Nein, aber ich bin die, die dir deinen Arsch rettet, wenn du Scheiße baust. Und jetzt raus damit!“
Statt mir endlich eine Antwort zu geben, greift er nach seiner Flasche und trinkt genüsslich. Ich starre ihn währenddessen an und überlege, gegen welche Stelle an seinem Kopf ich meine Flasche werfen kann, ohne dass er gleich bewusstlos zu Boden geht. Die Stirn vielleicht?
Nachdem er seine Flasche endlich gesenkt hat, starrt er abwesend auf den Deckel in seiner Hand. Vergesst die Stirn. Ich erwürge ihn lieber gleich an Ort und Stelle!
„Yuudai“, sagt er leise in dem Moment, in dem ich mich auf ihn stürzen will. Ich stutze stattdessen.
„Yuudai?“
Tadashi nickt, verschließt seine Flasche und verstaut sie in seinem Rucksack.
„Die Männer kommen ursprünglich von ein paar kleinen Insel, die vor der Küste des Reichs der Flüsse liegen. In dem Restaurant haben sie damit geprahlt, dass sie sich Yuudai und seiner Gruppe anschließen wollen, um ordentlich Geld zu machen. Und einer hat sogar von einer Festung im Osten gesprochen, zu der sie gehen wollen“
Das gibt es doch nicht. Dieser Goldjunge! Ich könnte ihn im Moment einfach nur abknutschen! Seit ich aufgebrochen bin, konnte ich immer nur von Banditen sprechen, die aus dem Schatten heraus agieren, aber jetzt endlich habe ich einen Namen dazu.
„Haben sie noch was gesagt?“, hake ich nach.
Tadashi schüttelt den Kopf.
„Der Typ mit den Tattoos hat mich leider entdeckt und nach draußen geschleift, bevor ich noch mehr erfahren konnte. Und dann bist du gekommen“
Enttäuschung macht sich in mir breit. Ein Name ist schon gut, aber ein paar mehr Informationen über die Festung oder Yuudais Gefolgsleute wären noch besser gewesen. Damit wir wenigstens eine Idee haben, womit wir es zu tun bekommen werden.
„Yuudai also“, flüstere ich. Immerhin ein Name. Ich renne nicht mehr einem Phantom hinterher, sondern bekomme endlich ein Bild von dem Mann, der mein Leid der letzten Wochen zu verantworten hat.
Ich werfe einen Blick in den Himmel. Die Sonne steht schon längst nicht mehr hoch am Himmel und die ersten Wolken beginnen, sich in einem zarten Rosa zu färben.
„Hast du dich erholt?“, frage ich.
Tadashi verzieht das Gesicht, nickt aber. Ich weiß, dass ich ihm viel abverlange – vielleicht sogar zu viel – aber mein Ziel rückt endlich näher und ich kann es kaum noch erwarten, diesem Mann gegenüberzustehen.
„Dann lass uns aufbrechen“, sage ich, „Bis zum Sonnenuntergang ist es noch eine Weile“
Ich schultere meinen Rucksack, werfe Tadashi ein kleines Lächeln zu und gehe voraus.
Nicht mehr lange, Airi. Dann bin ich endlich da.

                                                                                                                                                                                     
Und es geht schon weiter ^^
Corona hält Deutschland fest im Griff und auch wir Studenten müssen zusehen, wie wir unsere Zeit füllen. Ich nutze die gewonnene Zeit, um weiterzuschreiben und hoffe, dass es euch gefällt.
In diesem Sinne: viel Spaß und bis zum nächsten Mal :)
LG
Aravae
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