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Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
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23.03.2020 3.248
 
„Und du bist dir sicher, dass das der richtige Ort ist?“
„Für wen hältst du mich? Urasoe ist die beste Stadt, wenn wir unbemerkt unsere Vorräte auffüllen wollen“
Zugegeben, Tadashis Ton ist so überzeugend, dass ich fast über den wabernden Nebel und den ekelhaften Gestank, der damit einhergeht als wäre er ein Teil davon , übersehe. Aber dann denke ich wieder daran, dass ich auf einer Anhöhe stehe und auf die Stadt herabsehe und ich früher oder später durch diese verranzten Straßen laufen muss. Mitten in dem Nebel. Und dem Gestank.
Es reicht, damit sich mein Magen umdreht und alles wieder loswerden will, was ich an diesem Morgen zu mir genommen habe.
„Ich bezweifle, dass wir da unten irgendetwas Essbares finden“ Ich hebe die Augenbrauen, als er mit dem Kopf schüttelt und mir einen abschätzigen Blick entgegenwirft.
„Das hast du über die letzten drei Dörfer auch gesagt“
Ich rolle mit den Augen und verschränke die Arme vor der Brust. „Die letzten drei Dörfer waren ja auch so klein, dass wir aufgefallen wären wie Pfauen in einem Hühnerstall“
„Ja und? Wenigstens hätten wir etwas zu Essen“ Tadashi bläst die Backen auf wie ein Dreijähriger und marschiert voran, ohne auf meine Antwort überhaupt zu warten.
„Hey, jetzt warte mal!“, rufe ich ihm hinterher, aber seine Schritte werden nicht langsamer. Fluchend setze ich ihm nach. Wir sind erst ein paar Tage unterwegs, aber Tadashi entpuppt sich immer mehr als sturer, alter Bock, der denkt, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Seit wir auf Wildbeeren als Hauptnahrungsmittel umsteigen mussten, ist er unerträglich. Er beschwert sich darüber, dass der Waldboden nicht so bequem ist wie sein Bett; dass er nichts Nahrhaftes zwischen die Zähne bekommt oder dass ich der schlimmste Gesprächspartner bin, den er jemals erlebt hat.
Der letzte Punkt ist sicherlich wahr, aber der Rest hat mir die Augen geöffnet. Tadashi lebte bis jetzt behütet in einem Haus und hatte eine Familie. Noch nie musste er auf dem Boden schlafen oder um das Essen für den nächsten Tag bangen.
Und das befördert mich in eine Situation, die sehr unangenehm ist. Mein altes Ich hätte ihn sicherlich schon längst gebeten, Feuerholz zu sammeln, und wäre mir nichts, dir nichts verschwunden. Aber die Dorfbewohner – allen voran Daisuke – haben mir geholfen und es wäre unmoralisch, dieses neu gewonnene Vertrauen zu missbrauchen. Selbst nicht, um eine Nervensäge wie Tadashi loszuwerden.
Ich habe ja schon nicht damit gerechnet, dass er seine Drohung wahr machen und sich mir anschließen würde. Als er dann am Morgen mit gepackten Sachen vor mir stand, habe ich drei Mal hinschauen müssen, um zu glauben, was mir meine Augen da vorspielen.
Ein Schwert hing an seinem Rucksack, von dem er mir mit Stolz erzählte, dass es einmal seinem Vater gehört hat, und dass ihm Daisuke vor einem Jahr überreicht hat. Der dicke Rucksack war vollgestopft mit allerhand Sachen, die er sicher nicht brauchen würde, aber ich sagte nichts dazu. Auch ich musste die Erfahrung machen, dass ein randvoll gestopfter Rucksack das schlimmste ist, das man seinem eigenen Rücken antun kann. Ganz besonders, wenn die Hälfte der Sachen kaum zum Einsatz kommen würde.
Nachdem er sich seine Stiefel zugebunden, einen Mantel übergeworfen und den Rucksack geschultert hat, hat er mich erwartungsvoll angesehen. Wir standen noch im Schatten der alternden Nacht und irgendwie erwartete ich, dass wenigstens Riku herauskam, um uns zu verabschieden.
Aber er kam nicht. Genauso wenig wie Youko oder Daisuke. Seufzend habe ich Tadashi angesehen und ihm mit einem Nicken deutlich gemacht, dass er mir folgen solle.
Und jetzt sind wir hier: An der Grenze zwischen der Wildnis und der Zivilisation und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als zurück zwischen die Bäume zu gehen und diese diesige Stadt hinter mir zu lassen.
Aber Tadashi rennt immer noch vorne weg und hört auf keine meiner Rufe und Bitte, doch eine andere Ortschaft zu suchen, in der wir Vorräte kaufen können. Die hohen, gespenstisch weißen Türme, die in der Mitte der Stadt über alle Dächer hinausragen, machen mich nervös und der Nebel wird uns die Suche sehr erschweren.
Nur was soll ich schon machen? Tadashi hat entschieden und der Dickkopf wird noch wissentlich in sein eigenes Verderben laufen, aus dem ich ihn dann wieder herausholen muss.


„Und du bist sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragt Kankuro den vermummten Shinobi neben sich, der auf den Namen Goro hört.
Er flickt das Kunai, das er nur zum Schlafen aus der Hand legt, und nickt. „Ich bin mir sicher. Unser Informant hat ein Gespräch überhört, in dem es um den Standpunkt der Festung ging. Urasoe ist für uns die beste Chance, um sie zu finden“
Kankuro kneift die Augenbrauen zusammen und betrachtet die Eingangstore, denen sie sich stetig nähern. Urasoe ist groß, keine Frage, aber sie strahlt eine solche Feindseligkeit aus, dass er am liebsten gleich umgedreht und so viel Land wie möglich zwischen sich und diesen Ort gebracht hätte.
Selbst aus dieser Entfernung kann er den beißenden Gestank der Straßen riechen und ein Nebel liegt zwischen den Gebäuden, der keinesfalls natürlichen Ursprungs sein kann. Ob es Shinobi dort gibt? Wenn ja, dann können sie nur hoffen, dass sie ihnen freundlich gesinnt sind und ihnen ihren Job nicht unnötig erschweren.
„Na los, Leute“, feuert Kankuro seinen Trupp an, „Lasst uns das letzte Stück schnell hinter uns bringen, damit wir endlich mal wieder in einem ordentlichen Bett schlafen können“
Eine einstimmige Zustimmung folgt und obwohl Urasoe nun wirklich nicht nach dem Urlaubsziel schlechthin aussieht, freut sich jeder auf etwas Warmes zu essen und ein Dach über dem Kopf.


„Mir gefällt es hier immer noch nicht“, murre ich leise, damit nur Tadashi mich hören kann. Wir stehen mitten auf dem belebten Markt und können kaum vier Meter weit sehen. Der Nebel hängt schwer in den Straßen und raubt mir die Luft zum Atmen.
Die Menschen um uns herum nehmen kaum Notiz von uns und erledigen ihre Aufgaben schnell und mit gesenkten Köpfen. Sogar meine Bedenken, ich würde in meiner Montur auffallen wie ein bunter Hund, sind vollkommen unbegründet, denn die Menschen tragen hier schwarze Alltagskleidung.
Die Häuser sind heruntergekommen und haben über die Jahre in Feuchtigkeit an ihren Wänden eine Schicht Moos gebildet, die jede andere Pflanze zu töten schien. Keine Hunde bellen, keine Katzen fauchen und die Vögel fliegen nur in größer Höhe über den Ort hinweg.
Mir stellen sich die Nackenhaare auf. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht.
„Onkel meinte mal, dass Urasoe mal eine blühende Handelsstadt war, die gern das Holz aus unseren Wäldern kaufte“, erzählt Tadashi munter weiter, als bekäme er die Spannung um sich herum gar nicht mit.
„Was ist passiert, dass daraus – nun ja – das wurde?“
„Keine Ahnung“, sagt er und kratzt sich am Hinterkopf, „Das wollte er mir immer nicht erzählen“
Ich brumme und glühe zwei Frauen an, die als erste von uns Notiz nehmen.
„Wie auch immer. Lass uns schnell erledigen, was erledigt werden muss, und dann raus hier“
Tadashi zuckt mit den Schultern und sieht sich um.
„Wenn du meinst. Ich wäre gern für ein oder zwei Nächte hiergeblieben“
Ich schnalze mit der Zunge und verlagere mein Gewicht auf das linke Bein. Tief in mir schreit eine Stimme nach einem ordentlich Bad und etwas Warmes zu Essen, aber Yuutos Worte hallen in meinem Kopf und raten mir zur Vorsicht an diesem Ort.
„Hier gibt es für meinen Geschmack zu viele Augen. Es wäre wirklich besser, wenn wir schnell wieder verschwinden, bevor irgendjemand die Chance hat, uns zu erkennen“
Tadashi nickt, auch wenn sein Gesichtsausdruck eine komplett andere Geschichte erzählt. Ich kann ihn gut verstehen. Das erste Mal von zu Hause weg und dann auch noch in die Wildnis, das kann jeden noch so harten Kerl in die Knie zwingen. Ohne meine Reise durch die Wüste hätte ich schon längst das nächste Badehaus aufgesucht und mich für die nächsten zwei Tage im Wasser aufgelöst.
„Ich mach dir einen Vorschlag“, reiße ich ihn aus seinen trüben Gedanken, „Wir suchen uns ein Restaurant, das uns beiden passt, und du bestellst etwas zu Essen für uns, während ich die Vorräte einkaufen gehe“
Nach meinen Worten pflastert ein breites Grinsen sein Gesicht und er sieht sich nach allen Seiten um. „Dann lass uns keine Zeit verlieren!“

Seufzend fasse ich mir an die Stirn und ziehe die Augenbrauen zusammen. Ich bin endlich allein unterwegs und kann mich auf die Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind. Zu Anfang habe ich noch gedacht, dass Tadashi mir einen Vorteil verschaffen kann, aber die Tatsache, dass ich ihn dauerhaft beschäftigt halten muss, zehrt an meinen Kräften. Der Junge mag zwar ein ganzes Dorf leiten können, aber entbinde ihn von seinen Pflichten und er wird wieder zu dem Kind, das er eigentlich noch ist.
Es wäre wohl besser, wenn ich meine Vorräte einkaufe und einfach verschwinde, bevor er Verdacht schöpft, aber wie schon im Wald kann ich es nicht über mich bringen.
„In was hast du dich da hereingeritten?“, frage ich mich selbst, während ich in der Straße nach Läden suche. Mein verdammtes Gewissen wird irgendwann noch mein Untergang sein – oder seiner. Ich muss mir unbedingt eine Ausrede einfallen lassen, warum er mich nicht weiter begleiten kann, und das bevor wir den Unterschlupf der Gruppe erreichen.
„Na, das nenne ich mal eine Überraschung“, reißt mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Ich blicke zur Seite und kann meinen Augen kaum trauen.
„Taro?“
Der alte Mann steht breit lächelnd hinter einem kleinen Tisch, auf dem allerhand Nahrungsmittel und Haushaltswaren gestapelt sind. Ein rechteckiges Stück Stoff, das an vier Pfosten befestigt ist, schützt ihn vor Regen und Sonne und legt einen Schatten über sein Gesicht.
„Mädchen, ich hätte nicht gedacht, dass ich dich widersehe“, sagt er fröhlich.
Ich schüttle den Kopf und trete näher. Das kann doch nur ein Traum sein!
„Was machen Sie denn hier?“
Der alte Händler lacht bellend auf und hält sich seinen stattlichen Bauch. Von unserer letzten Begegnung hätte ich nicht erwartet, dass er noch in der Lage dazu ist, eine Reise zu unternehmen. Erst recht keine, die so weit in ein fremdes Land führt.
„Wonach sieht es denn aus? Ich treibe Handel!“, antwortet er, „Aber wesentlich spannender ist doch die Frage: was machst du hier? Und noch dazu so an die Zähne bewaffnet“
Ich blicke an mir herunter. Recht hat er ja. Mit so vielen Waffen, die ich derzeit trage, kann ich eine kleine Armee auseinandernehmen und sie danach medizinisch noch voll versorgen, damit sie mich wieder angreifen können.
„Ich habe Ihnen schon in Sunagakure gesagt, dass ich darüber nicht reden kann“, sage ich fest, aber mit einer kleinen Spur Scham in der Stimme. Der Mann war in der Vergangenheit sehr freundlich zu mir und mein schlechtes Gewissen meldet sich zum wiederholten Mal an diesem Tag.
Taro lacht wieder auf.
„Ganz ruhig, Mädchen, du musst mir nicht gleich den Kopf abbeißen“
Ich schlucke und wende mich lieber den Waren zu, als darauf zu antworten. Meine Wangen fühlen sich warm an und ich wage nicht, den Blick zu heben, denn ich ahne, was ich da sehen werde.
„Also“, wechselt Taro das Thema, „Wie kann ich dir heute helfen?“
Ich verschränke die Arme vor der Brust und reibe mir über das Kinn. Was will ich eigentlich noch besorgen? Um Wasser brauchen wir uns im Land der Flüsse keine Sorgen zu machen. Jagen kann ich auch, also ist Fleisch auch keine große Sache. Brot und Käse wären gut, ein Feuerzeug kann ich auch noch gebrauchen und da Tadashi ansonsten heult, stelle ich auch noch eine Flasche mit Saft dazu.
Die soll er dann aber auch selbst tragen.
„Es hat sich ja nicht viel verändert in den paar Wochen“, kommentiert Taro meine Auswahl. Ich nicke und lasse meinen Blick ein letztes Mal über die Waren gleiten. Es gibt nichts mehr, was noch für mich von Interesse sein könnte, und sehe zu Taro auf.
„Deine Auswahl ist wie immer etwas gewöhnungsbedürftig“
Er lächelt und zählt das Geld ab, das ich ihm reiche.
„Ich bin wie meine Kundschaft gerne auf alles vorbereitet“
Mit einem Nicken nehme ich ihm die gekauften Sachen ab und verstaue sie in meinen Taschen. Die Dorfbewohner haben mich mit allerhand Stauraum ausgestattet, aber reichen tut es trotzdem nicht, weswegen ich mir das Brot unter den Arm klemme.
„Nun, Taro. Es war mir wieder ein Vergnügen“
„Pass auf dich auf, Mädchen“, sagt er, „Und nimm keine Kämpfe, die du nicht gewinnen kannst“
Mit einem letzten Nicken wende ich mich ab und gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin. Ich bin länger weg gewesen, als ich erwartet habe, und ich rechne damit, dass Tadashi schon längst unsere Bestellung erhalten hat und sich den Bauch vollschlägt.
Als ich um die Ecke biege, bietet sich mir aber ein unerwarteter Anblick. Tadashi steht auf der Straße und unterhält sich mit vier Schränken von Männern; alle mit Bärten, dreckiger, zerschlissener Kleidung und Waffen.
Ich ziehe die Augenbrauen hoch und arbeite mich durch eine kleine Zuschauergruppe hindurch zu ihm heran. Als der vorderste Mann mit seiner Faust ausholt, reagiere ich schnell und springe zwischen ihn und Tadashi, um den Angriff abzufangen.
Ein allgemeines Raunen geht durch die Menge, als ich die Faust mit einer Hand abfange und den Angreifer mit eiskaltem Blick ansehe.
„Was ist hier los?“, frage ich ruhig.
„Sae“, sagt Tadashi und ich höre die Erleichterung aus seiner Stimme heraus.
„Der Naseweis hier dachte, er könnt‘ uns unser Essen versauen“, sagt der Kerl und befreit seine Faust aus meiner Hand. Ich trete einen Schritt zurück und untersuche Tadashi auf Wunden. Nichts da. Ich bin gerade noch rechtzeitig gekommen.
Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder auf die Gruppe, überfliege schnell ihre Ausrüstung und schätze im Kopf ihre allgemeine Kampfkraft ab. Könnte schwierig werden.
„Ich bin sicher, dass es ihm sehr leid tut“, sage ich, „Und wir wollen wirklich keinen Ärger“
„Aber, Sae-“
Ich unterbreche Tadashi mit einer unwirschen Handbewegung und schüttle leicht den Kopf. Das hier ist weder die Zeit, noch der Ort für einen Kampf und auch wenn er seiner ersten Auseinandersetzung mit Spannung entgegenblickt, so muss er begreifen, dass manchmal der friedliche Ausweg besser ist.
Wir haben keine Ahnung, ob Shinobi in diesem Ort leben, und so nah an dem Versteck der Banditen will ich auf keinen Fall zu viel Aufmerksamkeit auf uns lenken.
„Ist mir doch egal!“, sagt der Grobian, „Der Kleine muss lernen, seine Nase aus unseren Angelegenheiten rauszuhalten!“
Das kann doch echt nicht wahr sein! Was hat sich Tadashi nur dabei gedacht, die Männer zu stören?
„Es war sicher nicht seine Absicht, werter Herr. Das hier muss nicht in einer Prügelei enden“, sage ich ruhig, aber mit so viel Nachdruck in der Stimme, dass die sich sicher sein können, dass ich mich wehren werde, sollte es soweit kommen.
Leider sehen sie es als Herausforderung meinerseits und zücken ihre Waffen. Tadashi hinter mir schnaubt und zieht ebenfalls sein Schwert, während ich dastehe, die Schultern hängen lasse und laut aufstöhne.
Muss das denn wirklich sein? Ich verschwende hier meine Zeit mit irgendwelchen Typen, die sich in ihrer Ehre beleidigt sehen, weil –
Ja, warum eigentlich?
Ich kann nur hoffen, dass Tadashi sie nicht absichtlich provoziert hat. Ansonsten weiß ich nicht, was ich mit dem Jungen noch anfangen soll.
„Du hast mir nachher einiges zu erklären“


Die Gruppe hatte sich entschieden, sich aufzuteilen und die Stadt in kleinen Gruppen zu erkunden, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken. Die Stadt ist entgegen Kankuros Erwartungen ruhig und bisher ist ihnen kein einziger Shinobi über den Weg gelaufen. Nach dem Gespräch mit den Oberen hat er auch nichts Anderes erwartet, wenn er ehrlich ist.
Erst fragt das Land nach Unterstützung von der Windnation und jetzt behauptet der Daimyo, dass er nie eine solche Nachricht verschickt hat. Die Schweißperlen, die ihm dabei über die Stirn liefen, sind Kankuro aufgefallen und er fragt sich, ob Einschüchterung bei dem Ganzen eine Rolle spielt.
Yuudai – wie sie mittlerweile erfahren haben – hat überall seine Kontakte und Anhänger, aber das es so weit reicht, hat niemand gedacht.
„Schau mal, Kankuro“, sagt Goro und zeigt nach vorn, wo sich eine kleine Zuschauermenge angesammelt hat, die im Nebel nur als graue Masse zu erkennen ist. Noch sind sie zu weit entfernt, um zu hören, was da vor sich geht.
Kankuro legt den Kopf schief, als er Chakra spürt, dass sich in dieser Menge irgendwo aufbaut. Ein Shinobi? Das kann interessant werden.
„Lass uns nachsehen“
Goro nickt und steckt sein Kunai weg, um die Zivilisten nicht unnötig zu erschrecken.  Die beiden unterdrücke ihre Chakrapräsenz so gut sie können und laufen näher heran, bis das Grau durch bunte Farben ersetzt wird und der Nebel ihnen nicht mehr auf das Gehör drückt.
Den Mittelpunkt des Spektakels bilden eine Gruppe schlecht gelaunter Südländer und zwei junge Menschen, von denen einer gerade den Südländern ordentlich in den Hintern tritt.
„Das ist eine Kunoichi“, flüstert Goro. Kankuro nickt leicht und beobachtet mit Staunen, wie die junge Frau sich den vier Gegnern stellt und sie mit gespielter Leichtigkeit fertig macht. Keine ihrer Bewegungen verschwendet Energie oder wirkt ausladend. Auch wenn sie noch lange nicht präzise sind wie bei gut ausgebildeten Shinobi, so zeigen sie doch, dass die Frau ausgebildet worden ist.
„Sag mal, kennst du sie irgendwoher?“
Goro blinzelt und sieht seinen Anführer an. „Nein, woher denn?“
Kankuro fasst sich ans Kinn und sieht weiter zu der Kunoichi, die einen Schlag gegen den Bauch wegsteckt, als hätte sie gerade eine Mücke gestochen. Er kann nicht sagen, was es ist, aber er hat das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben. Nur ist es bei seinen vielen Reisen so gut wie unmöglich zu sagen, wo er sie gesehen haben könnte. Ihr Chakra ist zwar stark, aber nicht besonders auffällig oder massiv wie zum Beispiel bei Naruto und ganz sicher noch nicht zu einhundert Prozent unter ihrer Kontrolle. Die Kleidung ist dunkel mit einigen wenigen mattbronzenen Knöpfen und einer Schnalle, die an der Hüfte die Strippen des Rucksack zusammenhält und so einen guten Halt garantiert.
Die Kleidung eines Reisenden und teuer noch dazu. Solche Stoffe sind selbst für Shinobi schwer zu bekommen. Warum erinnert er sich dann nicht an sie?
„Ich sehe kein Stirnband oder einen anderen Hinweis darauf, aus welchem Dorf sie kommt“, sagt Goro.
„Ich auch nicht“
Der Junge, der neben der Kunoichi steht, scheint kein Shinobi zu sein. Zwar trägt er ein Schwert, aber seine Fähigkeit im Umgang mit der Waffe sind allerhöchstens lausig. Er schafft es, in dem Kampf nicht getötet zu werden, wird aber von der Frau mehrmals als der Patsche geholt und vor schlimmeren Verletzungen bewahrt.
Nur, wenn sie kein Shinobi aus einem Dorf ist, wer ist sie dann? Eine Abtrünnige? Oder doch jemand komplett Unschuldiges, der nur in den Künsten der Shinobi unterrichtet worden ist?
„Meinst du, sie gehört zu Yuudai`s Gruppe?“, fragt Goro, der die Arme verschränkt und die Augenbrauen zusammengezogen hat.
Kankuro zuckt mit den Schultern.
„Das finden wir nur heraus, wenn wir sie fragen“

                                                                                                                                                                       

Herzlich Willkommen zurück!
Nach den letzten ruhigeren Kapiteln, werd ich jetzt ein wenig Tempo aufnehmen. Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch und wir sehen uns beim nächsten Mal :)

LG Aravae
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