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Blutlinien

von Be Izzy
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kankuro OC (Own Character)
28.05.2019
11.06.2020
24
77.012
3
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08.12.2019 3.076
 
Energisch rammt Kankuro seine Faust in die Wand neben sich und knurrt. Ob vor Schmerz oder Wut, können seine Kameraden nicht sagen. Sein Blick fährt hoch zu dem Turm, in dem sich das Zentrum des Reiches der Flüsse befindet: die Hallen des Großfürsten. Den ganzen Morgen hat er dort mit zwei seiner besten Gefährten verbracht und versucht, an Informationen zu gelangen, aber der selbstgerechte, alte Sack war ihnen kein Stück entgegengekommen.
Ständig betonte er, wie sicher das Reich sei und wie die Wirtschaft in den Gegenden zwischen zwei Großreichen florierte. Den Menschen ginge es gut, die Polizei sorge für Sicherheit und noch nie haben die großen Städte einen solchen Reichtum genossen.
Ein Blick zu den Seiten genügt, um diese Worte Lüge zu strafen. Selbst hier, in der Hauptstadt, kriechen Bettler herum, rennen Kinder in dreckigen, zerfetzten Kleidern an ihnen vorbei und begegnen die Erwachsenen den Shinobi mit traurigen, mutlosen Blicken.
„Was machen wir jetzt?“, fragt Goro. Nachdenklich beobachtet er den Strom an Bewohnern, der an ihnen vorbeizieht. Nur wenige drehen sich nach ihnen um oder bleiben gar stehen, um noch einen besseren Blick auf die Fremden zu erhaschen. Grund dafür könnte sein, dass sie nicht weit weg entfernt vom Fischmarkt stehen und um die Mittagszeit die Sonne so unerbittlich auf sie hinabglüht, dass der am Morgen noch frisch gefangene Fisch nun entsetzlich zu stinken anfängt. Ganz zu schweigen von den Überresten, die achtlos in die Ecken geworfen worden sind.
„Wir teilen uns auf“, befiehlt Kankuro, „Goro, du nimmst Hiroshi und Sakai. Ishido? Du gehst mit Sakaguchi und Takara und Ohno nimmt Kozuke und Hitarashi mit“
Die neun Shinobi verbeugen sich und teilen sich in die befohlenen Grüppchen auf.
„Was wirst du machen, Kankuro?“, erkundigt sich Hiroshi, der für diese Frage gleich einen Rippenstoß von Goro bekommt.
„Ich werde mich selbst ein wenig umhören“, antwortet der Anführer geduldig, „Wir treffen uns zum Sonnenuntergang wieder hier und versucht, nicht allzu sehr aufzufallen“
Mit einem letzten Nicken verabschieden sich die Shinobi und jede Gruppe schlägt eine andere Richtung ein, bis nur noch Kankuro an der Ecke steht und über die Kerbe streicht, die er in seiner Wut in die Wand geschlagen hat.
Manchmal hat Gaara Recht. Er ist noch immer viel zu impulsiv, um als vollwertiger Shinobi anerkannt zu werden. Solange ihm seine Leute aber folgen und seine Entscheidungen nicht in Frage stellen, würde er den Teufel tun und sich zwanghaft ändern. Es kann ja nicht jeder ein so verdammt kalter Eisklotz sein.
Seufzend knackt er mit den Knöcheln und wendet sich nun ebenfalls ab, um sich in der großen Stadt umzuhören.


Es haben keine zwanzig Banditen das Dorf als ihre neue Heimat für sich beansprucht, sondern dreißig. Zumindest bin ich bei dieser Zahl angekommen, als die halbe Lichtung in Rauch gehüllt wird und er mir die Sicht auf die Feinde versperrt.
Ich verstärke den Griff um mein Kunai und stürze mich ebenfalls in die dicke Suppe, bevor noch jemand auf die Idee kommt, nach draußen zu stolpern und mich dabei umzunieten. Dörfler und Banditen rennen durcheinander, schubsen sich und versuchen irgendwie, eine Orientierung zu bekommen.
Mir geht es da nicht gerade besser. Ich bekomme einen Ellbogen in die Seite und schnappe überrascht nach Luft, aber bevor ich denjenigen zur Rechenschaft ziehen kann, ist er oder sie schon längst in dem Dunst verschwunden.
So wird das nichts.
Ich bleibe stehen und blinzle einige Tränen weg. Mein einziger Vorteil in diesem Nebel ist mein Chakra und wenn ich das nicht nutze, wird Yuuto mir im nächsten Leben ordentlich den Hintern versohlen.
Tief atme ich durch, finde meine innere Ruhe und sehe plötzlich die vielen Lichter, die sich durch das Dorf bewegen, sich anrempeln und in ihrer Panik jeden angreifen, der in Reichweite ist. Drei Meter neben mir steht ein Mann mit einer Axt in der Hand, der seinem Verhalten nach ganz sicher nicht zu den Dörflern gehört.
Ich unterdrücke ein Husten, ziehe ein Kunai und jage es ihm durch die Brust, bevor er ein kleines Mädchen in den Himmel schicken kann. Ein Schluchzen verrät mir, dass ich getroffen habe, aber der Kleinen kann ich gerade nicht weiterhelfen. So viel geschieht zu gleichen Zeit auf den wenigen Quadratmetern, als dass ich überall gleichzeitig sein kann.
Die Dörfler haben längst ihre Chance erkannt und zu den wenigen Waffen gegriffen, die sie besitzen. Tadashis Stimme übertönt sogar das Kreischen der Frauen und ist ein sicherer Anker für jeden, der nicht in der Lage ist zu kämpfen. Und eben auch für die, gegen die wir kämpfen müssen.
Fünf Banditen bewegen sich auf den Jungen und seine Gruppe zu und ich muss verhindern, dass sie sie erreichen. Egal wie. So schnell ich kann renne ich auf die Gruppe zu, schlitze einem das Bein auf, bevor sie überhaupt reagieren können, und ramme dem nächsten meinen Ellbogen gegen die Nase.
Das ist es dann aber auch gewesen mit dem Überraschungseffekt.
Zwei gehen sofort zu Boden, aber der Rest kann mich selbst in dieser Suppe erkennen, so nah bin ich ihnen. Mit lautem Gebrüll heben sie ihre Waffen und gehen auf mich los. Nicht, dass ich das nicht in den letzten sechsunddreißig Stunden schon oft genug erlebt habe.
Mit einem Flipp nach hinten lande ich auf dem Rücken eines Banditen und schalte ihn mit einem Handkantenschlag gegen den Nacken aus. Sauber und präzise. Leider brauche ich zu lange und ehe ich mich versehe, ritzt der Speer des Vierten meinen Oberarm auf und ich zische.
Ich drücke mich von dem Bewusstlosen ab, bevor der gänzlich zu Boden fällt, und verschwinde so schnell es geht wieder zurück in den Rauch. Blut fließt meinen Arm entlang und färbt den Boden unter mir dunkel. Probeweise bewege ich die einzelnen Gelenke, muss aber zu meinem Leidwesen feststellen, dass die Muskeln zitternd aufgeben und ich ihn kaum mehr richtig bewegen kann.
Das ist gar nicht gut!
Mein Glück scheint mich in dem Moment verlassen zu haben, als mich die letzten Wachen erwischt haben, denn jetzt kommt auch noch ein laues Lüftchen auf, das den Rauch schnell vertreibt. Viel zu schnell.
Ich schaffe es nicht einmal mehr, mir einen Fetzten Stoff abzureißen und die Wunde zu verbinden, als alle Personen im Radius von zwanzig Metern plötzlich auftauchen und natürlich auch mich entdecken. Knurrend ziehe ich zwei Kunai und gehe in Kampfstellung, die Schmerzen und das nervige, klebrige Blut völlig ignorierend.
„Wir haben sie!“
„Sie ist verletzt!“
„Nehmt sie endlich gefangen“
Ich stehe mitten auf dem Marktplatz und bin umzingelt von Feinden. Langsam drehe ich mich um meine eigene Achse und nehme die Umgebung in genauen Augenschein. Soweit das geht, denn die Dunkelheit nimmt mir einige meiner Optionen.
Zumindest sind die Dorfbewohner alle in Sicherheit. Wenn das hier schon das Ende sein muss, dann kann ich Yuuto auf der anderen Seite wenigstens sagen, dass sein Dorf in Sicherheit ist.
„Gib auf, Mädchen“, übernimmt einer die Führung. Er hat sogar den Mut, ein paar Schritte auf mich zuzugehen, was er sofort mit einem Kunai direkt vor seinen Füßen quittiert bekommt.
„Keinen Schritt näher“, fauche ich.
„Sieh dich doch um!“, knurrt er, „Du bist umstellt und die Bewohner werden dir auch nicht helfen. Leg deine Waffen nieder und ich verspreche dir, dass wir dich leben lassen“
„Ich denk nicht dran“, spucke ich und gehe noch ein wenig mehr in die Knie. Kein Geld, kein Schmerz und keine Angst der Welt können mich noch dazu bringen, hier und jetzt das Handtuch zu werfen. Diese Möglichkeit haben sie sich vor dreißig Stunden vollkommen verwirkt.
„Wie du willst…“, murrt der Kerl. Helle, unnatürlich kalte Augen glühen mir entgegen und das ist noch nicht einmal das furchterregendste an ihm: soweit ich das beurteilen kann, besteht der Kerl nur aus Muskeln. Ein Gegner, mit dem ich es kaum werde aufnehmen können.
„Männer! ANGR-“
„STOPP!“, kreischt Tadashi dazwischen. Mit erhobenem Messer taucht er plötzlich hinter dem Muskelprotz auf und nicht nur er. Ich sehe das halbe Dorf – Frauen wie Männer – und sie alle blicken den Banditen entschlossen entgegen.
„Ihr werdet Sae kein Haar krümmen, ist das klar?“, befiehlt der Junge an der Spitze und hinter ihm nicken einige Männer.
„Sonst was?“, lacht der Muskelprotz. Ihm schließen sich einige seiner Kumpanen an, aber ich kann erkennen, dass nicht alle von dieser Reaktion so begeistert sind. Denn egal, wie viele sie sind: die Dorfbewohner sind mehr.
„Sonst werdet ihr uns kennen lernen“
Erleichterung durchströmt meinen erschöpften Körper. Wie durch einen Schleier beobachte ich, wie die Dorfbewohner kein Risiko eingehen und die völlig überforderten Banditen mit all ihrer Kraft angreifen. Keine zehn Minuten später flüchten die letzten Überreste der Bande in die Wälder und Siegesjubel erschallt.
All die Anspannung, die Angst und vor allem die Verzweiflung fallen mit einem Mal von mir ab und als hätte jemand die Fäden durchgeschnitten, geben meine Knie nach.
Yuuto. Dein Dorf ist vorerst sicher.

„Hey, Sae, ist alles in Ordnung bei dir?“
Genervt habe ich meinen Blick und kann nicht fassen, dass Tadashi gerade ernsthaft nach meinem Befinden gefragt hat. Schnell überfliege ich seine Wunden, kann aber bis auf ein paar kleine Kratzer nichts feststellen.
„Ich hab dir gesagt, dass du auf die Acht geben sollst, die nicht kämpfen können“, maule ich zurück und er hat nichts Besseren zu tun, als breit zu grinsen und sich durch die Haare zu fahren.
„Tut mir leid, aber ich konnte dich das doch nicht allein erledigen lassen“
„Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte: da waren ein Haufen ausgewachsener Männer, die mir die Haut gerettet haben“
Seufzend greift er sich meinen Arm – bei seinem Glück den Verletzten – und hievt mich hoch.
„Du kannst hier nicht sitzen bleiben“, kommentiert er mein Knurren und schleppt mich ungerührt meiner ganzen Flüche zu seinem Haus. So langsam kommen wir voran, dass ich mich in Ruhe umsehen kann. Die letzten Rauchschwaden verschwinden gerade, diejenigen, die nicht kämpfen konnten oder wollten, kommen aus dem Wald herausgelaufen und suchen sofort nach ihren Liebsten, und einige Mitglieder der Bande liegen unbeachtet auf dem Boden. Viele sind es nicht und den Muskelprotz kann ich unter ihnen auch nicht entdecken.
Die Erschöpfung muss mich ganz schön eingeholt haben, dass ich mich an den letzten Kampf bis auf wenige Momente nicht mehr erinnern kann.
„Sie werden mehr Männer schicken“, stelle ich trocken fest. Tadashi dreht seinen Kopf, um mich ansehen zu können. Trotz der Nachricht bleibt er ruhig und ich spüre, dass er mit den Schultern zucken will.  „Wir kümmern uns jetzt erst einmal um deine Wunden“
Jetztbemerke ich auch, dass wir vor seinem Haus stehen und nur noch die Stufen mich von einem gemütlichen Bett und einer ordentlichen Mütze Schlaf trennen.
„Sehe ich so schlimm aus?“, scherze ich und beiße die Zähne zusammen. Die Stufen sind mein Endgegner. Allein das Heben meines Fußes verbraucht so viel Energie, dass ich am liebsten aufgegeben und mich auf der Wiese eingerollt hätte.
„Du siehst aus, als hättest du gegen alle fünf Kage gleichzeitig gekämpft“
Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, denn irgendwo hat Tadashi sogar mit seiner Aussage Recht. Ich fühle mich, als hätte ich gegen alle fünf Kage gleichzeitig gekämpft und wäre ordentlich zusammengefaltet worden.
„Du weißt, wie man einer Frau Komplimente macht“
Zu einer Antwort kommt er nicht, denn wir haben die Tür erreicht. Tadashi schiebt sie auf und eskortiert mich gleich in das Zimmer, in dem ich in der einen Nacht bei ihnen auch geschlafen habe. Im Gegensatz zum letzten Mal stehen jetzt aber noch ein kleiner Schrank und ein Nachttisch hier drin.
Kaum hat Tadashi mich sicher auf die Matratze verfrachtet und ein Licht angezündet, schlägt auch schon die Haustür auf und wir hören zwei aufgeregte Stimmen.
„Tadashi? Komm schnell!“, ruft Youko und der Junge springt sofort auf, um ihr zu helfen. Am liebsten wäre ich hinterher gegangen, aber mein Körper verweigert mir mittlerweile jede noch so kleine Regung. Es ist ein kleines Wunder, dass ich überhaupt noch aufrecht sitzen kann. Jeder Muskel tut mir weh, die Wunden brennen schlimmer als die Hölle und mein Arm hat angefangen, unkontrolliert zu zittern.
Ich höre, wie sich die Familie im Nebenzimmer niederlässt und das Gemurmel nicht abreißt. Was ist da geschehen?
Die Tür wird aufgeschoben und ich schaue hoch. Youko starrt mich mit großen Augen an, den Mund halb geöffnet und die Hand noch immer an der Tür. Ihre Kleidung ist über und über mit Blut besudelt und noch dazu zerrissen.
„Was machst du hier?“, fragt sie gefährlich leise. Ich gebe mir gar nicht die Mühe, zu versuchen, aufzustehen und schaue ruhig zu ihr auf.
„Tadashi hat mich hergebracht“, antworte ich. Genau in dem Moment drängelt sich Tadashi an seiner Tante vorbei und sieht sie halb ertappt, halb verwundert an.
„Ich habe Sae draußen in den Wäldern getroffen und sie hat angeboten, unserem Dorf zu helfen“, erzählt er knapp. Youko schürzt die Lippen und starrt ihn missbilligend an.
„Das ist mir egal! Sie muss gehen“, entscheidet sie hart. Seufzend lehne ich mich nach vorn und will mich wieder auf die Füße stemmen, aber Tadashi hebt die Hand und gebietet mir damit Einhalt.
Tadashi zeigt auf mich und meine vielen Wunden, die noch immer noch behandelt worden sind und mir mit jeder Minute mehr meiner Energie entziehen. „Sie hat geholfen, das Dorf zu befreien. Auf keinen Fall lasse ich sie in ihrem Zustand einfach sitzen!“
Youko schiebt ihre Unterlippe nach vorn und verschränkt die Arme. „Wir haben dich aufgenommen, als deine Eltern verschwunden sind! Und so willst du uns unsere Großzügigkeit danken?“
„Lass gut sein, Tadashi“, mische ich mich ein, bevor sich die Beiden an die Gurgel gehen, „Ich werde schon einen Schlafplatz finden“
„Nein, du gehst nicht“ Mit drei großen Schritten ist er bei mir und drückt mich zurück auf die Matte.
„Mach was du willst“, faucht Youko, „Wir werden ja sehen, was dein Onkel dazu sagt, wenn er wieder aufwacht“
Sie knallt die Tür hinter sich zu und ich zucke zusammen. Hitze steigt in meinen Wangen auf und ich schiele zu Tadashi hoch. „Tut mir leid, dass ich dich in Schwierigkeiten gebracht habe“
Er winkt ab und lächelt. „Mach dir keine Sorgen. Youko wird sich schon wieder beruhigen“
Meine Mundwinkel zucken nach oben, aber mir geht im Moment zu viel im Kopf herum, als dass ich ein ehrliches Lächeln zustande bekommen hätte. „Was ist mit deinem Onkel?“
„Er hat ziemlich was abbekommen, als die Hölle losbrach“, erzählt er, „Youko kümmert sich jetzt um ihn“
Ich nicke und senke meinen Blick. Im Nachhinein hätte ich mir einen besseren Plan überlegen sollen. Viele Dorfbewohner sind verletzt worden bei dem Versuch, sich von den Banditen zu befreien, und über die vielen Kinder, die sich verängstigt an ihre Mütter krallten, möchte ich im Moment nicht nachdenken.
„Es tut mir leid“
Tadashi schüttelt den Kopf, dreht sich um und fängt an, in einem kleinen Schränkchen zu kramen. „Du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Ohne dich hätten wir es vielleicht nicht gewagt, gegen die Idioten vorzugehen“
Mit Verbänden und zwei Dosen kommt er wieder und kniet sich vor mir hin. Sofort rücke ich ein Stück ab, was er mit einem düsteren Blick quittiert. „Lass mich wenigstens deine Wunden versorgen“
„Was hast du da?“
Er schraubt eine Dose auf und der Geruch verschiedener Kräuter weckt meine Lebensgeister. „Es ist eine Paste, die wir aus den Kräutern zusammenmischen, die wir im Wald finden. Sie kühlt und unterstützt die Wundheilung“
Ich halte ihm meine linke Hand hin, über dich sich ein tiefer Schnitt zieht, der über die letzten Stunden eine feuerrote Farbe an den Rändern angenommen hat und unangenehm brennt.
„Das sieht ja überhaupt nicht gut aus“ Tadashi schmiert die Paste auf die Wunde und verbindet sie danach mit einem weißen Verband. Nur ein Wimpernzucken verrät, dass der Schmerz bis hoch in meinen Ellbogen zieht und ich beinahe die Hände wieder weggezogen hätte.
„Sag das mal meinen anderen Wunden“
Über die nächste halbe Stunde muss ich unter Schauern feststellen, dass die Wunden an meinem Körper kaum zu zählen sind. An einige davon kann ich mich überhaupt nicht erinnern und die meisten schmerzen bei jeder noch so kleinen Berührung.
Tadashi schließt die Dosen und räumt alle Sachen wieder zurück in den kleinen Schrank. „Ich denke, jetzt solltest du überleben“
„Vielen Dank“ Vorsichtig bewege ich meinen rechten Arm und stelle fest, dass die Paste bereits zu wirken beginnt. Ein Gefühl, als hätte jemand einen Eisbrocken auf meine Haut getan, lässt mich frösteln und überdeckt die Schmerzen.
„Kein Problem. Du solltest jetzt aber eine Runde schlafen“, sagt Tadashi. Er steht an der Tür zu dem Zimmer, in dem Daisuke liegt, und lächelt mich an. „Dir sollte es morgen schon viel besser gehen“
Er lässt mir keine Chance, mich noch bei ihm zu bedanken, und schließt die Tür hinter sich. Ich starre auf das Licht, das neben mir auf dem Nachttisch steht, und ziehe die Augenbrauen zusammen. Leises Gemurmel dringt aus dem Nebenzimmer zu mir heran, aber ich kann es beim besten Willen nicht verstehen. Zu gern hätte ich gewusst, wie es Daisuke geht, aber in meinem Zustand ist es wohl keine gute Idee, jetzt noch durch die Gegend zu springen.
Nein. Ich sollte Tadashis Rat befolgen und mich hinlegen. In den letzten Tagen ist mehr geschehen, als vielen in ihrem ganzen Leben je widerfährt.
Ich gähne, schäle mich aus den blutigen Klamotten und kuschle mich unter die Decke. Noch lange plagen mich die Bilder von Yuuto und Ai, von den toten Banditen und Dörflern. Aber nach langem Bangen und Kämpfen falle ich doch in einen unruhigen Schlaf.

                                                                                                                                                                                                                             
Schönen zweiten Advent!
Ich hoffe, ihr habt alle ein tolles Wochenende gehabt ^^ Das Schreiben des Kapitels hat mal wieder länger gedauert als erwartet, aber zwischen Prüfungen, Vorträgen und Laboren bleibt eben kaum Zeit. Es wäre schön, wenn ihr da ein wenig Verständnis zeigt, denn das Ganze wird sich noch bis Ende Januar ziehen.
Ich wünsche euch auf jeden Fall erstmal viel Spaß mit dem Kapitel und einen tollen Start in die neue Woche!
Aravae
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