Strangers oder: Wie die Götter unter uns leben

GeschichteDrama, Romanze / P16
McCree Sombra
28.05.2019
28.05.2019
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Xochipilli ist in der Mythologie der Azteken der Gott der Liebe, der Blumen, der Musik, des Tanzes, aber auch des Maises. " Quelle Wikipedia.


Dass die Menschen nicht mehr an sie glaubten war Fluch und Segen zugleich. Zum einen nahm ihre Stärke mit jedem ungläubigen ab, jede ausbleibende Opfergabe schwächte sie, aber zum anderen mussten sie sich nicht mehr so viel mit den Menschen herumschlagen und hatten sich zurückgezogen. Sie waren weit verteilt, sahen sich kaum alle tausend Jahre durch Zufall. Sie alle hatten alternative Leben, sie alle hatten sich eine Deckidentität angeeignet. Xochipilli, früher irrtümlich als Mann betitelt, lebte jetzt in den Wäldern Ixtepec, eines kleinen Dorfes In Mexico.
Sie sorgte dafür, dass der Wald gesund war, dass die Blumen blühten und alles im Wald lebte und sich vermehrte. Die Wälder waren den Anwohnern heilig, als wäre ihnen bewusst, dass dort eine Gottheit ihr Lager aufgeschlagen hatte. Ixtepec scheute die Menschen früher nicht, wenn es Feste gab, mischte sie sich ab und an dazu, tanzte und trank mit ihnen, ohne dass sie auffiel. In ihrem Wald war sie meist versteckt als Ozelot unterwegs, das linke Ohr einige Millimeter eingerissen, oder aber als Kolibri, den linken Flügel farblich etwas unterschiedlich.
In ihrer menschlichen Form trug sie ihre Haare schon immer etwas ungewöhnlicher, die linke Seite kurz geschoren, so dass man dort die gebräunte Haut sehen konnte. Doch mit fortschreitender Zeit war es immer seltener geworden, dass sie diese Form annahm, meist stromerte sie als Ozelot herum, die Schritte lautlos und scheu den Menschen gegenüber, wie es ein wahres Tier auch wäre.
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Der Schuss hallte durch den Wald, prallte von Bäumen ab und schreckte die Vögel auf, die bis vor wenigen Augenblicken noch friedlich geschlafen hatten. Auch Ixtepec wurde bei dem Laut auf, den Kopf witternd in die Luft gehoben, ehe sie los rannte, in dir Richtung des Geräusches, während ihr einige Tiere entgegenkamen, gerade die schreckhaften. Der Schuss war laut gewesen, nicht zu weit entfernt von der Baumwurzel, in der die Göttin geschlafen hatte. Geschickt huschte sie durch die Bäume hindurch und kam erst zu einem Halt als sie den Hirsch sah, eine blutige Flanke der sich noch weiterschleppte ehe ein zweiter Schuss erschallte und ihn dieses Mal direkt durch Herz schlug, den Hirsch endlich von seinen Qualen erlösend. Halb versteckt beobachtet die Göttin wie ein Mann zu dem Hirsch kam, sicherstellte, dass er tot war.
Ungewollt bleckte sie die Zähne, ein leises Grollen entkam ihr, ehe sie vorsprang und fauchte, ihr Fell aufstellte und versuchte, sich größer zu machen als sie war. Sicher, sie konnte so, in dieser Form, kaum etwas tun, aber sie wollte es. Sie wollte diesen Menschen aus ihrem Wald, sie wollte nicht, dass er den Hirsch mitnahm und noch weniger wollte sie, dass er dachte, das alles wäre sein Recht. Genau wegen dieser Haltung hatte sie sich von den Menschen entfernt, diese Haltung, dass Menschen einfach das Recht hatten, sich u nehmen was sie wollten, ob es lebte oder nicht.
Sicher, der Mann war unbeeindruckt. Ixtepec war nicht groß, gerade mal auf Höhe seiner Kniekehlen, aber sie war wütend. Der Mann versuchte einige Sekunden sie zu verscheuchen, ehe er seine Waffe vom Gürtel griff. Bei dieser Bewegung zuckte sie zurück, nur wenige Meter hinter den Kadaver und duckte sich etwas näher an den Boden. Eine Kugel würde sie sicher nicht direkt töten, aber die Schmerzen waren es wohl auch nicht wert, der Hirsch war bereits tot und viel konnte sie in dieser Position nicht tun. Langsam zog sich die Katze wieder zurück, ließ den sichtbar verwirrten Mann aber nicht aus den Augen. Sie würde ihm folgen, herausfinden wo er wohnte und dann sicherstellen, dass er nicht wieder kam.
Sie musste ihm nicht einmal weit folgen, er zog den Hirsch an den Hinterläufen mit, verschob Blätter und hinterließ eine Schneise im Wald, die nicht zu übersehen war, wenn man sich auskannte. Nur wenige hundert Schritte weiter kam eine Hütte in ihr Blickfeld, die schon seit einigen Jahren hier stand, aber bis zu diesem Zeitpunkt immer leer war. Sie hatte, als die ersten Steine gelegt worden waren, immer mal wieder nachgesehen, geschaut, ob jemand in dieser Hütte lebte, aber sie war immer leer gewesen. Das jetzt war das erste Mal, dass sie einen Menschen in die Hütte gehen sah und für einen Moment zog sie sich zurück, weit genug, dass man sie nicht zufälligerweise sah, und schien zu schrumpfen. Im nächsten Moment überzogen Federn ihr Fell, sie wurde kleiner und kleiner, ihre Hinterläufe wurden zu winzigen Füßchen und aus ihren Tatzen wurden Flügel, die sich an ihrer Seite hoch schoben. Ein Schnabel wuchs ihr anstelle der Schnauze, bis sie kaum größer war als der Daumen eines Mannes, dafür aber schillernd lila um den Hals.
Ein Kenner hätte sie wohl als Veilchenkopfelfchen eingestuft, wenn ihr Aussehen wohl ehr auf das eines Männchens schließen lassen würde-vielleicht wurde sie auch deshalb früher als Prinz betitelt. In dieser Gestalt flog sie zu der Hütte, verharrte vor dem Fenster in einer Schwebe und sah hinein.
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