Wie ich es herausfand

GeschichteAllgemein / P12
Chakotay Kathryn Janeway
27.05.2019
20.08.2019
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„Ausziehen!“

„Ich protestiere! Sie haben uns auf versteckte Waffen und Kommunikationsgeräte gescannt, es ist unnötig, dass wir unsere Kleidung ablegen.“ Der Captain protestierte mit entrüsteter Stimme, die Hände auf die Hüften gestemmt und den Kopf stolz erhoben.

Tom Paris seufzte innerlich. Er bewunderte seinen Captain, bewunderte sie wirklich, aber manchmal war sie einfach zu stur. Die Verhandlungen, zu denen sie, der Commander und er eingeladen worden waren, hatten sich als Finte erwiesen und sie waren als Geiseln gefangen genommen worden. Da diese Welt nach ihren Scans über keinerlei Schildtechnologie verfügte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Tuvok wegen der ausbleibenden Kommunikation misstrauisch wurde und ein Sicherheitsteam zum Planeten beamte. Dann gab es eine Prügelei, die es ihnen ermöglichen würde, sich für alle erlittenen Unannehmlichkeiten bei den Einheimischen zu 'bedanken'. Aber nein, sie musste mal wieder eine große Lippe riskieren anstatt zu kooperieren und abzuwarten. Nach seiner Einschätzung würden die nächsten zwei Stunden nun unnötig unbequem werden.

Der Anführer der Truppe gab sich unbeeindruckt von Janeways Protest. „Tun Sie es oder wir helfen nach.“

Janeway biss sich auf die Lippen. Paris sah, wie Commander Chakotay sein Gewicht verlagerte. Diese kaum merkbare Bewegung veranlasste Janeway dazu, einen kurzen Blick auf  ihren XO zu werfen, der kaum merklich mit dem Kopf schüttelte. Daraufhin gab sie nach und begann, die Verschlüsse ihres Uniformpullis zu öffnen.

Als die drei Offiziere sich bis auf die Unterwäsche entkleidet hatten, musste Tom insgeheim schmunzeln. Chakotay sah das Lächeln und meinte leise: „Irgendetwas zu bemerken, Lieutenant?“ Tom sah kurz zum Captain hinüber. Genau in diesem Moment warf sie ihren beiden Begleitern einen Blick zu und unterdrückte dann mühsam ein Lächeln. Vor sich selbst gab er zu, dass er sie für diese Selbstkontrolle bewunderte. Bei Chakotay gab es nichts auszusetzen, aber ihm hätte doch nie jemand geglaubt, dass er B'Elannas Geschenk nur trug, um sie bei guter Laune zu halten.

Tom raunte seinem Vorgesetzten zu: „Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Sie der einzige sind, der vorschriftsmäßige Unterwäsche trägt.“

Ein dunkler Blick traf ihn aus tiefbraunen Augen. „Ein Wort mehr, Paris, und Sie werden nicht nur zwei Wochen Doppelschichten auf der Brücke und der Krankenstation verbringen. Ich suche für den nächsten Monat noch nach einem Sparringspartner für mein Workout. Interessiert?“ Der sanfte Tonfall brachte Tom vorübergehend zur Vernunft. Chakotay war bekannt dafür, dass er ausgesprochen unangenehme Strafen in petto haben konnte, wenn jemand Witze auf Janeways Kosten riss.

In diesem Moment gab ihr Entführer einem Untergebenen ein Zeichen. Dieser machte einen Schritt auf Janeway zu und drehte sie mit einem schmierigen Grinsen im Gesicht zu sich herum. Gerade als er anfangen wollte, Janeway abzutasten, griff Chakotay ein. Er drängte den Captain zu Seite und schlug dem Gauner, der gerade freudig ans Werk hatte gehen wollen, eine rechte Gerade, die diesen von den Füßen holte und ihn mehrere Meter entfernt von den beiden Führungsoffizieren zu Boden krachen ließ.

Tom schüttelte bedauernd den Kopf. Dieser indianische Sturkopf mochte ja ein Offizier und Gentleman sein, aber was brachte es ihm ein? Als Chakotay schließlich und endlich blutend auf dem Boden lag, stürzte Janeway zu ihrem Stellvertreter und bettete dessen Kopf in ihren Schoß. Tom verfügte nicht über einen medizinischen Tricorder und war daher auf das angewiesen, was ihm der Doc über manuelle Untersuchungsmethoden beigebracht hatte. Ein Teil seines Gehirns sann darüber nach, dass Rang offensichtlich seine Privilegien hatte und mit der Position des Ersten Offiziers an Bord der Voyager Annehmlichkeiten verbunden sein mochten, die es wohl auf keinem anderen Sternenflottenschiff gab.

Als er mit seiner Untersuchung fertig war, meinte er: „Er wird es überleben, sein Wangenknochen ist gebrochen, die Nase ebenfalls, sonst sind es nur Quetschungen, Blutergüsse und ein paar geprellte Rippen.“ Er sah verwundert zu, wie Janeway dem Commander fast zärtlich die Haare aus der Stirn strich.

Während er versuchte, Chakotays Nasenbluten zu stillen, konnte er nicht umhin, Janeway aus fachmännischer Sicht zu bewundern. Die schwarzen Spitzen, die ihren roten Satin-BH einfassten, kamen auf ihrer hellen Haut gut zur Geltung. Andererseits bedauerte er sie aber auch ein wenig. Er wusste von B'Elanna, dass Chakotay sich unter normalen Umständen mit Unterwäsche nicht aufhielt. Aber es war wohl besser, wenn er diese Information für sich behielt, Chakotay war schließlich nicht bewusstlos und er, Tom, tat gut daran, den Commander nicht an seinen eigenen Fauxpas in Sachen Ausrüstungsprotokolle zu erinnern.

In diesem Moment brach die Hölle los. Die Tür zu dem Befragungsraum, in dem sie verhört worden waren, flog auf, jemand warf aus dem Flur eine Betäubungsgranate herein, die bei allen Anwesenden zu einem Kurzschluss im Nervensystem führte und dann wurde es dunkel um den Piloten.

Als er wieder zu sich kam, lag er auf dem Rücken und jemand hatte dankenswerter Weise die Bestandteile seiner Uniform auf ihm drapiert. Als sein suchender Blick seine beiden Vorgesetzten gefunden hatte, verfolgte er erstaunt etwas, was ihn verdächtig an ein lang geübtes und oft wiederholtes Procedere erinnerte.  

Beide hatten Uniformhosen, Tanktop und Unterziehrollis übergestreift. Während Janeway ihre Stiefel anzog, hielt sie sich an Chakotays Oberarm fest, der selbst gerade mit seiner freien Hand seine Kronjuwelen justierte. Sie griff zu ihrem Oberteil, er zog seinen Hosenbund gerade und legte selbst das Oberteil an, als der Captain ihren Pulli schon glatt zog. Dann steckte sie ihm sein Maquisrangabzeichen an und er drückte ihre vier Captainpins an die richtigen Stellen. Ein abschließender gegenseitiger prüfender Blick vervollständigte diesen rituellen Tanz, dem Tom mittlerweile mit offenem Mund zusah, seine eigenen Kleidungsstücke noch in der Hand. Und richtig, der Automatismus des Ganzen wurde dadurch noch unterstrichen, dass Janeway einen Schritt auf Chakotay zumachte und ihm einen Kuss gab, dem man anmerkte, dass er den üblichen Schlusspunkt dieser Zeremonie bildete.

„Captain, kommen Sie mal bitte“, hörte er Ayala von draußen rufen, worauf Janeway den Raum verließ.

Das wirkte auf Tom wie ein Muntermacher und er fand seine Stimme wieder. „Wow“, brachte er als einziges hervor. Chakotay fuhr zusammen, er hatte augenscheinlich die Gegenwart des Jüngeren vollkommen vergessen.

Tom fragte sich, ob es möglich war, dass er dem Commander ansehen konnte, dass dieser im Gesicht tiefrot anlief. Chakotay gewann jedoch seine Fassung überraschend schnell zurück und ging neben Paris in die Hocke. Auch wenn die Gesichtsverletzungen seine Aussprache ein wenig undeutlich werden ließ, hatte Tom keine Probleme, den Anderen zu verstehen. „Wenn Sie auch nur ein Wort darüber verlieren, Tom, werde ich Harry und jedem, der es hören will oder auch nicht, davon erzählen, dass Sie Elefantenslips tragen, haben wir uns verstanden?“
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