Love the way you lie

GeschichteRomanze, Angst / P18 Slash
Kaito Momota Kokichi Oma Maki Harukawa Shuichi Saihara
27.05.2019
30.06.2020
11
32.941
2
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30.06.2020 2.468
 
[A/N: Ich lebe tatsächlich noch.
Nach drei Monaten Pause und mehr als einem Jahr, seit das erste Kapitel hochgeladen wurde, ist jetzt die Hälfte dieser Geschichte online und spätestens jetzt ist der harmlose Teil vorbei. Diejenigen, die sie schon länger verfolgen, werden vielleicht auch bemerkt haben, dass ich das Rating geändert habe. Nicht, weil es besonders brutal oder explizit wird, hauptsächlich, weil doch recht sensible Themen angeschnitten werden und die ganze Atmosphäre… na ja, ich glaube, es fällt auf.
In diesem Sinne schätze ich, dass ich hier eine kleine Triggerwarnung geben sollte. Nichts konkretes, sollte noch so etwas vorkommen, werde ich das am betreffenden Kapitelanfang noch einmal sagen, aber ansonsten ist diese Fanfiktion einfach ziemlich düster.
Ich hoffe, ich schaffe es jetzt wieder, regelmäßiger Kapitel hochzuladen.
Danke an jeden Leser und die Resonanz, die diese Geschichte doch noch findet, nachdem es relativ lange doch recht schleppend vorangegangen ist.
-Silver]

***

Kokichis Sicht

„Sehr gut! Gut für dich auch, übrigens.“

„Nicht, dass ich es nötig hätte. Aber trotzdem danke, schätze ich.“

Im Laufe meines Lebens hatte ich gelernt, die Gefühle von Menschen zu erkennen. Es war nichts Besonderes. Nur eine von Dutzenden Kleinigkeiten, in denen ich als Ultimate Supreme Leader zwangsläufig ganz gut war. Und es hatte sich auch oft genug als wirklich nützlich erwiesen.

Dieser Moment war keine Ausnahme.

Es war eine ganze Reihe von Dingen, die mir an diesem Gespräch aufgefallen waren. Miu klang ernster als gewöhnlich, Handbewegungen und ähnliches waren abrupt und zu schnell gewesen…

Nicht, dass ich all diese Dinge als etwas Negatives aufzählen würde. Es war nicht nur, weil es mir so leichter fiel, mich auf sie zu konzentrieren. Das wäre mein geringstes Problem gewesen, und ungeachtet dessen, ob ich mit ihr sprechen wollte oder nicht, hätte ich sie einfach stehen lassen können. Was hätte sie schließlich dagegen tun wollen? Sie wollte etwas von mir, nicht umgekehrt. Und abgesehen davon konnte mir sowieso alles egal sein, was jetzt noch hier passierte.

Während unseres Gespräches war Mius seltsames Verhalten ganz nützlich für mich gewesen, aber jetzt, wo ich ihr einfach nur nachsah, obwohl sie schon längst aus meinem Blickfeld verschwunden war, begann ich, mir Fragen darüber zu stellen.

Dachte sie wirklich, ich würde nicht verstehen, was sie vorhatte?

Es war nicht so, als wäre ich schon einmal in so einer Situation gewesen. Keiner von uns war das schließlich; harmlos ausgedrückt war dieses Killing Game einfach Neuland, und hier spielten wir nach ganz eigenen Regeln, die nichts mit irgendeiner Realität zu tun hatten. Sei es die Realität, an die wir uns zu erinnern geglaubt hatten, oder die Realität, die wirklich außerhalb dieser Akademie lag, oder…

Es war sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen.

Ich war nie in einer solchen Situation gewesen, aber das bedeutete nicht, dass ich vollkommen hilflos war. Und schon gar nicht, dass mir nicht vollkommen bewusst war, dass Miu bei der Erklärung ihrer Idee ein paar wichtige Details ausgelassen hatte.

Das verbesserte meine Situation nicht unbedingt.

Ich ertappte mich sogar dabei, mir einen Moment lang zu wünschen, es einfach… nicht bemerkt zu haben. Mius Vorstellungen der Abläufe in der virtuellen Welt einfach zu folgen, ohne überhaupt zu wissen, was ich da tat. Es wäre so vermutlich die simpelste Lösung gewesen, aber das war schon wieder eine Regel, die nicht in diese Realität passte.

Ich hatte nicht gelogen. Dieses Killing Game war nicht langweilig, aber es gab Momente, in denen ich mir fast wünschte, das wäre der Fall. Was wäre passiert, wenn ich einfach nicht vor Kaito weggelaufen wäre? Wenn ich ihm einfach das Motiv überlassen hätte? Keines von den Ereignissen der letzten Tage wäre passiert, und Shuichi wäre noch vertrauenswürdig…

Es wäre ganz bestimmt langweiliger gewesen, als es jetzt war, aber es war sehr viel leichter, mit Lügen umzugehen als mit der Wahrheit.

Mit Miu verhielt es sich ähnlich. Wir waren in einer Welt wiedergeboren worden, in dem die Wahrheit meistens die spannendere Option war, und in diesem Fall bedeutete das: Miu wollte mich töten.

So weit war mir alles klar. Ich fragte mich nur, wie ich am besten mit dieser Information umgehen sollte.

Die Antwort lag eigentlich auf der Hand. An diesem Punkt gab es eigentlich nur noch eine Richtung, in die das ganze gehen könnte, und genau das war das Problem daran. Ich hatte absolut keine Wahl mehr, was ich tun sollte, und trotzdem dachte ich darüber nach.

Vermutlich wäre es für alle Beteiligten die beste Option, wenn ich Miu und dieser ganzen virtuelle-Welt Sache aus dem Weg ging, so gut es eben möglich war, aber diese Chance hatte ich, wenn sie je zur Auswahl gestanden war, verpasst. Ich hätte schneller reagieren müssen, aber an dieser Stelle hatte ich versagt, und das waren die Konsequenzen.

Also gab es jetzt eigentlich sehr beschränkte Optionen, was mir jetzt zu tun übrig blieb.
Möglichkeit A: Ich tat einfach so, als hätte ich keine Ahnung, was Miu vorhatte und plante und spielte mit.

Das war an diesem Punkt des Weges zweifellos die leichteste Lösung. Ja, ich hatte es mir unnötig schwerer gemacht, aber das bedeutete nicht, dass alle Abzweigungen ab dieser Stelle absolut hoffnungslos wären. Wobei „hoffnungslos“ relativ war. Eigentlich war dieses Wort eine ganz treffende Bezeichnung für die Situation, in der ich mich gerade befand. In der wir alle uns gerade befanden, um fair zu sein, aber ich hatte doch das Gefühl, das Schicksal machte sich über mich lustig.

Zusammenfassend war der Vorteil an Möglichkeit A also, dass es eine ohnehin schon aussichtslose Situation immerhin nicht noch schlimmer machte. Schön und gut; der Nachteil an dieser Sache wäre allerdings, dass ich diese Geschichte vermutlich- nein, nicht nur vermutlich, ganz bestimmt- nicht überleben würde. Ich hätte das Killing Game verloren.

Nicht, dass dieser Gedanke irgendwelche besonderen Gefühle in mir auslösen würde. Vielleicht hätte er das am Anfang noch, und die anderen würden das bestimmt von mir erwarten, aber sie hatten ja auch keine Ahnung von dem, was passiert war. Um ehrlich zu sein, inzwischen hatte ich das Gefühl, dass es unmöglich wäre, dass an dieser Stelle noch ein Gewinner aus diesem Killing Game hervorging.

Mit einer Ausnahme, höchstens…

Möglichkeit B: Ich tat das, was hier am Vernünftigsten war, und wehrte mich.

Miu war nicht wirklich ein Gegner. Sie war weit davon entfernt, eine Gefahr für mich darstellen zu können, und die Tatsache, dass ihr das nicht bewusst war, war nur ein weiterer Beweis. Sollte ich mich wirklich dafür entscheiden, sie nicht einfach durchkommen zu lassen, hätte sie keine Chance.

Insofern gab es bei dieser Option eigentlich keine, oder kaum, Nachteile. Es war nichts, das ich nicht schaffen könnte, und eigentlich hatte mich der Teil mit dem Aufwand auch noch nie gestört. Funktionsfähige Pläne brauchten ein gewisses Maß an Anstrengung dahinter, das war aber nichts, was ich nicht gewusst hätte. Ich war immerhin nicht umsonst der Ultimate Supreme Leader, ich hatte auf diesem Gebiet mehr als genug Erfahrung.

So weit war alles lächerlich logisch, zu dem Punkt hin, an dem ich mich fragte, wie Miu das nicht genauso klar gewesen sein konnte. Doch damit begann die nächste Schwierigkeit.

Wenn das alles so klar und offensichtlich war, warum wusste ich dann immer noch nicht, was ich tun sollte?

Eigentlich war dieser Weg vorgegeben, aber ich hatte wenig Lust darauf, ihn tatsächlich zu gehen. Mir gefielen diese Gedanken nicht ganz, doch das bedeutete nicht, dass ich sie hätte stoppen können.

Selbst, wenn ich auf Miu reagieren würde, was würde es denn nützen? Dann würde eben jemand anderes sterben, nicht ich. Jemand, der es vermutlich viel eher verdient hätte, am Leben zu bleiben.

Mein Ziel war es von Anfang an gewesen, das Killing Game zu beenden. Mein Ziel… der einzige Grund, der es wert war, nicht aufzugeben. Einfach nur überleben würde keinen von uns schlussendlich irgendwo hinbringen, höchstens vielleicht zu dem Punkt, an dem wirklich nur noch zwei Schüler übrig waren, und was dann passierte, wusste keiner von uns.

Dementsprechend sollte das nicht unser primäres Ziel sein, oder wenigstens nicht meines. Es kam mir so vor, als hätten die anderen das vergessen, aber wenn wir nicht versuchten, dieses makabere Spiel aktiv zu beenden, würde genau das passieren, was Monokuma haben wollte.

Monokuma und Shuichi.

Egal, worüber ich nachdachte, es endete immer an diesem Punkt.

Shuichi.

Ich konnte ihn und das Killing Game nicht mehr getrennt beobachten, und ich hatte das starke Gefühl, dass ich ihm allein damit schon genug in die Hände spielte. Zwar wusste ich nicht, was genau er wollte und inwieweit ich in diesen Plänen mitspielte, aber ich hatte mit allem, was ich bisher von ihm gedacht hatte, falsch gelegen.

Es stimmte, ich hatte das Killing Game beenden wollen. Hatte… das war doch vollkommen lächerlich. Natürlich wollte ich es immer noch beenden. Ich hatte immer noch einen Plan, eine Idee, es war im Moment einfach alles ein wenig durcheinander.

Jetzt gab es eben etwas, das vielleicht genauso wichtig war.

Es kam mir auf jeder Ebene falsch vor, wirklich zu zögern, wenn ich mir die Frage stellte, was wichtiger war- das Killing Game oder Shuichi. Immerhin war es schließlich auch falsch, und das wusste ich selbst. Nur konnte ich es auch nicht verhindern.

Nein… es hatte nie Sinn gemacht, diese ganze Sache zu überleben, und eigentlich hatte ich es auch nie vorgehabt. Wenn ich jetzt einfach aufgab, hätte nichts an diesem Tod noch so etwas wie Bedeutung. Es wäre einfach ein anderer Spieler, der das Killing Game verloren hatte.

Je länger ich darüber nachdachte, desto schlüssiger kam es mir vor. Für die meisten hier wäre es vermutlich das beste, sollte ich sterben. Und der Rest… einschließlich mir… würde sich wahrscheinlich nicht dafür interessieren.

Was würde Shuichi wohl dazu sagen…?

Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich nicht aufhörte, so zu denken, würde ich von Grund auf verlieren. Shuichi… in gewisser Weise war er mein Feind in dieser Sache, wenn ich nicht aufhörte, zu kämpfen.

Warum?

Dieses eine Wort, diese verzweifelte Frage blieb in meinen Gedanken hängen. Es gab keine Antwort darauf, und trotzdem klammerte ich mich mit aller Kraft an sie. Alles, was ich bisher über das Killing Game herausgefunden hatte, begann, langsam auseinander zu fallen. Vielleicht war es von Anfang an sinnlos gewesen, nach einem Grund für das alles zu suchen. Das war einfach nur eine verrückte, sadistische Spielerei… ohne irgendeinen tieferen Hintergrund.

Das stand im Kontrast zu allem, was ich bisher geglaubt hatte, aber ich hatte mich… schließlich schon oft genug geirrt, oder?

Das Geräusch der Klingel zu meinem Zimmer riss mich plötzlich aus meinen Gedanken und ließ mich zusammenzucken. Ich brauchte eine Sekunde, um mich zurechtzufinden, und dann noch eine, um zu entscheiden, ob ich überhaupt antworten sollte. Ich war mir nicht ganz sicher, wer das sein könnte- oder warum. Eigentlich gab es nur drei Möglichkeiten.

Entweder, es war irgendein Schüler, der mich für etwas abholen wollte, für das ich… aus welchem Grund auch immer… gebraucht wurde. Das wäre zwar die harmloseste Option, jedoch auch mit Abstand die unwahrscheinlichste.

Es könnte Miu sein, die noch irgendetwas vergessen hatte, mir mitzuteilen. Das würde mich ehrlich gesagt nicht weiter überraschen, aber unbedingt angenehm wäre diese Option auch nicht.

Oder…

„Hallo, Ouma-kun.“ Sobald ich die Tür öffnete, bestätigte sich das, was mir eigentlich schon die ganze Zeit über bewusst gewesen war. Die dritte Möglichkeit war nicht nur am wahrscheinlichsten, sondern auch eindeutig… am schlimmsten. „Störe ich?“ Shuichi legte den Kopf ein Stück schief.

„Nein.“ Ich gab mir nicht die Mühe, irgendwelche Emotionen in meine Stimme zu legen. „Aber warum bist du hier? Gibt es ein Problem?“ Das gab es, und zwar mehr als nur eines. Nur war in Shuichis Augen vermutlich keines davon ein echtes ‚Problem‘.

„Ich wollte nur Zeit mit dir verbringen.“ Shuichi lächelte. Diese Phrase, dieser Gesichtsausdruck, das alles gab mir auf seltsame Weise das Gefühl, als wäre alles noch wie früher; als wäre wirklich nichts von alldem passiert.

Vermutlich hätte es keinen Unterschied gemacht. Irgendwie wäre es schon darauf hinausgelaufen. Lügner erkannten Lügner, und Shuichi… Shuichi war ein Lügner, und noch dazu faszinierend gut. Nein, es machte nicht mehr wirklich Sinn, so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Ganz abgesehen davon, dass Shuichi schließlich am besten wusste, dass das nicht stimmte, und ich wusste, dass er auch genau das wollte.

Doch es war genau diese Tatsache, die mich kurz zögern ließ, bevor ich Shuichi antwortete oder auf ihn reagierte. Die Tatsache, dass ich vor mir einen Sekundenbruchteil lang nicht den Drahtzieher hinter diesem Killing Game sah, sondern den Detektiven, der uns dadurch führte. Den Jungen, in den ich mich verliebt hatte.

Dieses Zögern dauerte wohl nur einen Herzschlag, aber für Shuichis Verstand reichte das natürlich aus, um Schlussfolgerungen zu ziehen. „Ist alles in Ordnung?“ Seine Stimme hörte sich dabei an, als wäre das eine ernst gemeinte, besorgte Frage, doch das Funkeln in seinen Augen stand ein wenig im Kontrast zu diesem Eindruck. Ich versuchte gar nicht, herauszufinden, welchem dieser Hinweise ich am besten glauben sollte.

Also sagte ich nichts darauf, was Shuichi anscheinend jedoch auch nicht weiter zu denken geben zu schien. „Kann ich hereinkommen?“ Zwar lächelte er immer noch, doch mit diesem Ausdruck, der in seine Augen zurückgekehrt war, fühlte es sich an, als würde plötzlich eine vollkommen andere Person mit mir sprechen.

Ich machte nur einen Schritt zur Seite, sodass Shuichi an mir vorbei ins Zimmer kommen konnte. Als ich die Tür wieder schloss und mich zu ihm umdrehte, saß er auf meinem Bett und sah mich an. „Warum überlegst du noch, Ouma-kun?“ Jetzt war auch der freundliche Tonfall aus seiner Stimme verschwunden. Stattdessen lag in seinem Ton nun eine ruhige, fast spielerische Herausforderung, die aus seinem Mund jedoch eher an eine Schlange oder Raubkatze klang, die ihrer Beute auflauerte. „Du kannst mir nicht erzählen, dass du das nicht durchschaut hast.“

Ich hielt in der Bewegung inne. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, auch, wenn ich nicht wusste, warum ich noch überrascht war. Anscheinend war es noch eine Lüge gewesen, dass er einfach nur Zeit mit mir verbringen wollte.

Immer noch lächelnd stand Shuichi auf und kam zu mir hinüber. „Ich muss doch wissen, was in dieser Akademie vor sich geht.“ Er strich mir mit einer Hand über den Arm und nahm kurz meine Hand, bevor er sie wieder fallen ließ. Ich wehrte mich nicht. „Du gehörst mir, das weißt du doch? Ich würde es schade finden, wenn du so schnell kaputt gehst, ohne, dass ich irgendetwas machen konnte.“

Bevor ich reagieren konnte, kam Shuichi näher. Er küsste mich kurz auf die Stirn und legte die Arme um meine Schultern. „Das bedeutet, dass du jetzt zwei Möglichkeiten hast“, sagte er leise, zwar mit sanfter Stimme, aber einem nachdrücklichen Unterton, der nicht zu seinen Handlungen passte. „Entweder, du löst dieses Problem selbst…“ Durch den Körperkontakt konnte ich spüren, wie er sich anspannte. Der sanfte Tonfall verschwand, der Nachdruck wurde zu einer Drohung. „…oder ich tue es für dich.“
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