Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Love the way you lie

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Kaito Momota Kokichi Oma Maki Harukawa Shuichi Saihara
27.05.2019
24.08.2021
13
39.900
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
27.05.2019 1.748
 
Vorwort

[Hallo, schön, dass ihr hier seid.
Um gleich zur Sache zu kommen, ich hoffe, die Charaktere sind nicht allzu ooc. Einige Begriffe/Eigennamen habe ich einfach unübersetzt aus dem Englischen übernommen, wie euch vielleicht auffallen wird, sind diese Begriffe vollkommen unwillkürlich ausgewählt, haha. Das gleiche gilt für Kokichis Nachnamen.
Zuletzt noch, es handelt sich hier wie gesagt zwar um ein AU, allerdings werden die Mörder/Opfer bis einschließlich Chapter 4 gleich bleiben und auch erwähnt werden, das heißt, es sind durchaus auch Spoiler enthalten.
Jetzt aber hoffe ich, dass euch die Geschichte gefallen wird, und wünsche euch viel Spaß.]
***********

Shuichis Sicht

Die Stille, die den Raum erfüllte, als das Lied zu Ende war, hatte einen seltsamen Beigeschmack. Sie hatte etwas Ruhiges, Eingängiges, und gleichzeitig Absolutes; insgesamt war sie auf eine eigenartige Weise friedlich und schmerzhaft zugleich.

Ich unternahm nichts, um sie zu brechen. Natürlich hätte ich sprechen können, aber meine Zunge fühlte sich irgendwie gelähmt an, als wollte mein Körper so ausharren, ohne ein einziges Geräusch um mich herum. Ich blieb also ebenfalls still; sagte nichts, bewegte mich nicht, selbst Atmen fühlte sich falsch an.

Es war vorbei… das Lied war vorbei, sie war vorbei.

Kaede war tot.

Die Bilder ihrer Hinrichtung drängten sich in meinen Kopf; und gleichzeitig Bilder von allem, was wir gemeinsam erlebt hatten, und dem unsichtbaren Band zwischen uns, obwohl wir uns erst so kurz gekannt hatten.

Ein Teil von mir versuchte sein bestes, nicht daran zu denken, was ein anderer, weitaus größerer Teil mir immer wieder zuflüsterte. Es ist deine Schuld. So sehr ich mich bemühte, nicht daran zu denken, mich darauf zu konzentrieren, was Kaede zu mir gesagt hatte… was sie sich wünschte… der Gedanke drängte sich immer wieder in meinen Kopf, und sobald ich ihn weggewischt hatte, kehrte er zurück, als würde er nicht locker lassen, bis ich ihm die Aufmerksamkeit geschenkt hätte, die ihm gebührte.

Es war meine Schuld, dass Kaede gestorben war. Es war meine Schuld, dass Rantaro gestorben war. Ich hätte ihr nie von der ganzen Geschichte erzählen dürfen. Ich hätte sie nicht auf die Idee bringen dürfen, den Drahtzieher zu töten und dieses Spiel zu beenden, nicht, bevor ich mir nicht selbst sicher war, was ich tun würde. Wenn ich ihr nie von der Bibliothek und der geheimen Tür erzählt hätte, wären Kaede und Rantaro noch am Leben.

Ich biss mir auf die Unterlippe und schloss die Augen, als könnte mich diese Dunkelheit irgendwie vor dem Gefühl, die beiden… Kaede… umgebracht zu haben, bewahren.

Es war vorbei. Kaede war tot, und nichts, was ich tun, sagen oder denken würde, würde sie zurückbringen. Das einzige, was mir blieb, war ihr Wunsch… alles, was ich noch tun konnte, war es, stärker zu werden. Den Drahtzieher zu finden. Dieses Spiel zu beenden. Die anderen… zu retten.

Noch eine Welle von schmerzhaften Gefühlen überkam mich, so intensiv und unvorbereitet, dass mir schlecht wurde. Kaede… Ich hatte die Augen wieder geöffnet, aber die Dunkelheit kehrte dennoch in Form von Flecken zurück, die durch mein Blickfeld tanzten. Mein Körper reagierte auf die Reue und Schuldgefühle, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Das Gefühl, jeden Moment zu weinen beginnen zu müssen, stellte sich ein, ohne dass wirklich etwas passierte. Ich denke, ich war zu diesem Zeitpunkt einfach viel zu erschöpft und vielleicht auch dehydriert, um noch weinen zu können. Es… es tut mir so leid!

Ja, ich hatte Kaede noch nicht lange gekannt, doch sie hatte seine Seele auf eine Art berührt, die ich bisher nicht gekannt hatte- und mir nicht ganz erklären konnte. Es fühlte sich seltsam an. Wahrscheinlich war das der Beweis… ich war wirklich kein guter Detektiv. Ich blinzelte. Die schwarzen Flecken verschwanden zwar nicht, aber immerhin wurden sie weniger.

Langsam schaffte ich es wieder, meine Atmung, die zuvor zwischen zeitweise gänzlichem Aussetzen und Hyperventilation gewechselt hatte, etwas zu normalisieren, und mich insgesamt ein bisschen zu beruhigen. Kaede war tot… und sie würde nicht zurückkommen. So sehr es auch schmerzte, ihren Wunsch weiter zu tragen, war alles, was mir noch übrig blieb. Jedenfalls… so gut ich konnte.

Noch einmal schloss ich die Augen, diesmal weniger, um vor meinen eigenen Gedanken und Gefühlen wegzulaufen, sondern eher, um mich etwas zu sammeln. Jetzt lag es an mir. Es lag an mir, diese Sache zu beenden… für Kaede.

Ich wusste nicht, warum, aber aus irgendeinem Grund tat der Gedanke nicht mehr so weh wie noch vor ein paar Sekunden. Viel mehr fühlte ich mich innen irgendwie leer. Als wäre all der Schmerz aufgebraucht, und ein dunkles, drückendes Nichts hätte sich über meine Seele gelegt.

Mit einigen tiefen Atemzügen wandte ich mich endgültig vom Klavier ab und ging einige Schritte rückwärts. Die Stille zu unterbrechen, fühlte sich falsch und gleichzeitig richtig an; als wäre es das, was Kaede wollte, oder vielmehr das, was ich hoffte, das Kaede wollte. Wahrscheinlich redete ich mir nur Dinge ein.

Seufzend drehte ich mich endgültig um und bereitete mich darauf vor, ihr Ultimate Lab wieder zu verlassen. Es war schließlich nicht so, als würde ich sie aus meinem Leben sperren, sobald ich die Tür wieder hinter mir schloss, auch, wenn ich Angst hatte, dass es sich so anfühlen würde.

Doch wie sich herausstellte, hatte ich mich an dieser Stelle geirrt. Die kühle Klinke fühlte sich sogar irgendwie gut an in meiner Hand, fast, als wäre sie bei mir und würde mich in dem, was ich gerade tat, unterstützen. Nach vorne gehen. Weitermachen. Das zu Ende bringen, was sie nicht mehr geschafft hatte. Kaede… Ich schluckte.

Als würde es irgendetwas helfen, öffnete ich die Tür und verließ Kaedes Lab schneller, als ich beabsichtigt hatte. Wohin genau ich wollte, wusste ich nicht, aber diese Entscheidung wurde mir abgenommen. Sehr weit kam ich nämlich nicht, bevor ich eine beinahe ungut sorgenfreie, vertraute Stimme hörte, die mich fast zu Tode erschreckte. „Hallo, Saihara-chan~ du warst ganz schön lange da drin.“

Ich war mir ziemlich sicher, dass mein Herz einen Schlag ausgesetzt hatte; in meiner aktuellen Gefühlslage hätte mich wohl jeder erschreckt, der einfach so ohne Vorwarnung auftauchte. Als könnte das meinen Puls beruhigen, legte ich eine Hand auf meine Brust und atmete noch einmal durch, bevor ich mich dem Besitzer dieser Stimme zuwandte, der mich mit dem gleichen unbekümmerten Gesicht ansah, das auch schon sein Tonfall vermittelt hatte. „E-erschreck mich doch nicht so.“ Ich schloss kurz die Augen und ließ die Hand wieder sinken. „Was suchst du überhaupt hier?“

„Dich“, entgegnete Kokichi ruhig, wenn auch immer noch mit einem leichten Lächeln im Gesicht, das auf mich eine etwas beunruhigende Wirkung hatte, sei es, weil es nicht ganz zu dem passte, was gerade geschehen war, oder weil es seinem Auftritt doch etwas leicht Beängstigendes gab.

Gut. Auf eine dumme Frage gab es wohl eine dumme Antwort. „Und… woher wusstest du, dass ich hier bin?“

Kokichis Sicht

„Hallo, Saihara-chan~ du warst ganz schön lange da drin.“ Wirklich, ich war eigentlich nicht unbedingt ungeduldig, doch ich hatte schon ziemlich lange vor Kaedes Lab gestanden, ohne ein Geräusch oder sonst irgendetwas, was mir einen Hinweis darauf hätte geben können, was innen vor sich ging. Gut, der erste Teil war gelogen, ich verlor schnell die Lust an Dingen, wenn sie mir nicht schnell genug gingen. Dementsprechend geehrt konnte sich Shuichi fühlen, dass ich so lange auf ihn gewartet hatte.

Sonderlich glücklich wirkte er aber bei bestem Willen nicht. Offensichtlich hatte er mich noch nicht bemerkt, denn er zuckte zusammen und machte sogar einen kleinen Sprung zur Seite. Für einen Detektiv war er ganz schön schreckhaft. Etwas amüsiert beobachtete ich, wie er sich langsam wieder fing. „E-erschreck mich doch nicht so.“ Seine Stimme war leise, aber er sprach unnatürlich rasch. „Was suchst du überhaupt hier?“

„Dich.“ War das nicht offensichtlich? Er war schließlich der einzige, der hier war. Was hätte ich sonst vor Kaedes Lab tun sollen?

Shuichi wirkte bereits etwas ruhiger, vielleicht ein bisschen verschüchtert, aber das bildete ich mir womöglich nur ein. „Und… woher wusstest du, dass ich hier bin?“

„Momota-kun hat es mir gesagt.“

„Er hat es dir einfach so gesagt?“ Shuichi lächelte schief; ein Ausdruck, der auf mich ziemlich gezwungen wirkte.

„Hehe… natürlich nicht. Anfangs wollte er es mir überhaupt nicht sagen.“ Ich neigte den Kopf ein Stück nach unten und grinste, um meine Worte zu unterstreichen. „Aber ich kann ganz schön überzeugend sein, weißt du? Immerhin bin ich der Ultimate Supreme Leader. Ich bin ziemlich geübt darin, Leute dazu zu bringen, das zu tun, was ich von ihnen will.“

„Also bist du hier, um mit deinem Talent anzugeben?“

Ich verzog das Gesicht, nur, um drei Sekunden später wieder zu meinem vorherigen Ausdruck zu wechseln. „Saihara-chan ist so gemein zu mir… Ich wollte doch nur nett sein…“ Shuichi reagierte nicht darauf, obwohl er aussah, als würde er sich etwas unwohl fühlen. „Wie auch immer, ich dachte, ich sehe einmal nach dir. Ich…“ Ich sprach nicht weiter. Ich habe mir ein bisschen Sorgen um dich gemacht, hätte ich beinahe gesagt, doch ich schaffte es, mich rechtzeitig zu bremsen. Manchmal war es besser, wenn die Leute um mich herum nicht alles wussten. „Ich meine, das war doch eine riesige Sache, oder? So viele Bären… ich glaube, das wird mich noch verfolgen“, beendete ich den Satz stattdessen.

Shuichi sah etwas verstört zur Seite. „Ich… gehe wohl besser“, murmelte er und wandte sich ein Stück von mir ab.

Ich machte einen Schritt auf ihn zu. Bevor er endgültig gehen konnte, fasste ich blind nach etwas, um ihn festzuhalten, und erwischte seinen Ärmel. Shuichi blieb stehen, doch er drehte sich nicht um. „Nein, warte… ich wollte dich fragen… wie es dir geht. Mit Akamatsu-chan.“ Ich machte eine kurze Pause. „Ihr seid euch ziemlich nahe gestanden, oder?“

Es dauerte eine Weile, bis Shuichi überhaupt reagierte, indem er den Kopf senkte und seufzte. Und dann dauerte es noch einmal so lange, bis er antwortete. „Das ist eine Lüge, richtig? Ich meine... dass dich das interessiert.“ Er zog seinen Ärmel aus meinem Griff heraus und ging einige Schritte von mir weg. Diesmal lief ich ihm nicht nach.

„Stimmt.“ So ganz fröhlich, wie ich es gerne hätte, klang meine Stimme nicht. Aber Shuichi interessierte es sowieso nicht. Jetzt, wo ich ihn nicht mehr festhielt, ging er endgültig von mir weg und verschwand irgendwann um die Ecke. Ich blieb, wo ich war. „Das ist eine Lüge…“ Ich gab mir nicht einmal mehr die Mühe, so zu klingen, als würde mir das alles wirklich nichts ausmachen. Es war schließlich sowieso niemand mehr da, der mich hörte.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast