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Prinzenrolle 3

GeschichteAbenteuer, Familie / P18 / MaleSlash
Loki OC (Own Character) Thor
27.05.2019
24.02.2020
41
120.828
49
Alle Kapitel
528 Reviews
Dieses Kapitel
15 Reviews
 
21.10.2019 3.206
 
N/A: Mögt ihr es poetisch? Dann freut euch auf ein Gedicht der Extraklasse integriert in dieses Kapitel.

Keine Todesstrafe für folgende Reviewer : Asda, Blacky0809, G1976, Gast, Hyrule, Kitao, Palas-Athene, piccolo II, princess650girl, Redsock, Tauruial.

Ein kräftiges KAKAU für den unbekannten Sterneverteiler, der unsere Story empfohlen hat :)

Dann mal los!

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Thor lief nicht, er rannte fast. Obwohl ich fast genau so groß wie er war, musste ich mich eilen mit ihm Schritt zu halten. Trolle! Er reagierte darauf wie Volstagg auf Nahrung. Natürlich trug Odin daran die Schuld, der Thor bereits vor seiner Großjährigkeit zur Trolljagd mitnahm.
Da kam Piccolo angeflogen und sofort lag das Gezeter des Púca wieder in der Luft.

»Nicht so schnell! Warte! Todesstrafe! Du Federkatastrophe. Hey! Halt!«

Ich blieb stehen und hob den Arm, um Piccolo zu empfangen. Thor knurrte ungehalten.

»Was bleibst du stehen? Die Spur ist noch warm. Nicht, dass der Troll uns entkommt.«

Mürrisch verzog ich das Gesicht. »Was für eine Spur? Piccolo kommt mit Neuigkeiten.« Jetzt blieb auch Thor stehen, frustriert die Hände in seine Seiten gestemmt.

»Der Zauberer läuft uns nicht davon.«

»Der Troll schon? Wir sind wegen Alberich hier und nicht zur Trolljagd.«

»Trolle gefährden den Frieden in allen 9 Welten. Daher darf kein Troll…«

»Ja, ja. Aus deinem Mund spricht Odin. Wir liegen nicht im Krieg mit den Trollen und hier im Eisenwald stört er doch keinen.«

»Pah!« mischte Keman sich ein. »Er ist der Schrecken aller Púcas und aller Hyrulen. Was sag ich… er frisst jeden, der nicht schnell genug entkommen kann.«

Triumphierend sah ich Loki an. »Erst der Troll, dann Alberich.«

»Erst Alberich, dann der Troll.«

»Kakau!«

»Siehst du. Picco hat ihn gefunden.«

»Mein letztes Wort: wir gehen erst den Troll jagen.« Damit lief ich los, ohne auf Lokis Entgegnung zu warten.

»Du sturer kriegsverrückter Ase! Dann geh doch deinen Troll jagen. Ich gehe zu der Höhle.«

»Tu das!«

Alle Asen waren gleich!

»Dein Sklave -er flieht. Wie kannst du das zulassen? Du hast dafür deinen Unsichtbarkeitsschaum eingetauscht.«

»Er wird schon sehen, was er davon hat. Los! Zeig mir den Weg zur Höhle.«

***

Trolle konnte ich auenweit gegen den Wind riechen. Meine Hammerhand kribbelte erwartungsvoll. Wie konnte Loki sich diese Jagd nur entgegen lassen.

Ich hoffte auf einen jungen, blutrünstigen Troll. Manchmal eilte mein Ruf mir voraus und die Trolle wehrte sich nicht einmal. Das würde mich nicht herausfordern.
Ob es ein großer Troll war? Wieso war er ganz alleine? Sonst lebten Trolle immer in Horden. Ein Ausgestoßener? Dann war er besonders gefährlich. Meine Vorfreude wuchs.

***

»Seltsame Sitten habt ihr Götter. Wir würden einen Sklaven niemals seiner Wege ziehen lassen.«

»Du Quälgeist beende dies! Thor ist kein Sklave. Er ist der Gott des Donners und wenn du ihn weiterhin ärgerst wird er dir einen Blitz in deinen Arsaz schicken.« Piccolo saß auf meinem Arm, während der Púca weiterhin auf dessen Rücken thronte.

»Arsaz? Du sprichst Alt-Asisch?«

»Kunststück! Ich bin Ase…« Ich stockte.

»Aha. Auch so ein Kriegstreiber. Ich dachte du bist aus Vanaheim. Dann ist dein Name vermutlich auch nicht Frerk. Deswegen nennt dich der Sklave Loki.«

»Thor!«

»Nicht Loki?«

»Bezeichne ihn nicht als Sklaven. Er ist mein Gefährte.«

Der Púca drehte sich so hastig um, dass er fast heruntergefallen wäre. »Gefährte? Also dein Freund?«

»Nein.«

»Ein guter Bekannter?«

»Nein.« Warum unterhielt ich mich mit dem Quälgeist?

»Aber… ihr seid keine Ver… Ver… Verbindung eingegangen…«

»Doch.«

»Beim heiligen Strauch der sieben Kalamauken. Nein! Zwei…. zwei Männer? Sag, dass du mich ulken willst. Los sag es!«

»Nein.«

»Todesstrafe! Todesstrafe! Todesstrafe! Todesstrafe! Todes…«

Ich schnappte mir Keman und hielt meine Hand über sein Gesicht, so dass er verstummte.

»Kakau! Kakau! Kakau!«

»Jetzt hör mal zu, du Rabenhappen, wenn du auch nur ein weiteres falsches Wort über unsere Vereinigung fallen lässt, oder die Todesstrafe verlangst, werde ich Piccolo sein Haustier schmackhaft machen. Hast du das verstanden?«

Unter meinen Händen versuchte Keman zu nicken. Dann riss er plötzlich die Augen auf, die voller Panik zu sein schienen. Piccolo flog krächzend in die Höhe und sein rak rak rak klang aufgeregt. Ein Schatten fiel über mich. Langsam drehte ich mich um. Vor uns stand ein riesiger Wolf mit schwarzem Fell.

***

Der Gestank wurde stärker. Ich war ganz nahe. Das konnte ich spüren. Der Griff von Mjölnir lag gut in meiner Hand. Plötzlich endete der Wald. Unter mir erstreckte sich ein weitläufiges grünes Tal. Am unteren Ende stand ein Haus aus Holz. Trolle bauten keine Häuser. Sie lebten unterirdisch. Lebte hier vielleicht der Magier?
Ich sog tief die Luft ein und war mir sicher einen Troll zu wittern. Es gab keinen direkten Weg nach unten, so kletterte ich, schlitterte und sprang immer wieder kleinere Vorsprünge hinunter.

Je näher ich kam desto besser konnte ich erkennen, dass die Ausmaße der Holzhütte enorm waren. Die Tür schien für ein Wesen gebaut, das mindestens 2,50 Meter maß. Als ich erneut hinuntersah, öffnete sich die Tür. Tatsächlich! Ein Troll!

Schnell versteckte ich mich hinter einem Felsen, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen.
Ein Felsentroll. Stämmig, massiv mit dichtem rötlich orangefarbenem Körperhaar. Mehr als einen Kopf größer als ich. Doch etwas war anders an ihm. Ich brauchte einen Moment, bis ich es begriff. Er trug eine Brille. Noch nie sah ich einen Troll mit Brille.
Schwerfällig setzte er sich auf einen Stuhl, der aus einem Baumstamm geschnitzt war und hielt etwas zwischen seinen großen Pranken. Ein Buch? Trolle konnten nicht lesen. Vielleicht sah er sich die Bilder an.

Langsam kam ich näher. Sollte ich ihn überraschend angreifen? Nein – das war unehrenhaft und schließlich sehnte ich mich nach einem echten Kampf. So gab ich mich zu erkennen. »Hey Troll! Hol deine Keule und stell dich deinem Schicksal!«

»Der Donnergott. Hoh ho. Was ist dein Begehr?«

Irritiert blieb ich stehen und starrte den Troll an. »Du… sprichst?«

»Du sprichst doch auch. Wie sonst sollte man sich miteinander verständigen.«

»Trolle können nur Grunz- und Schnalzlaute von sich geben.« Ich blieb im sicheren Abstand stehen und versuchte den Titel des Buchrückens zu erkennen. Der Troll schien es zu bemerken, denn er hob das Buch bereitwillig an. »Gedichte aus allen 9 Welten?« Ein poetischer Troll? Das ging nicht mit rechten Dingen zu.

»Ich schreibe auch selbst welche. Willst du eins hören?«

Schreiben? Er konnte schreiben?

»Der Baum. Er ist stark und hoch und grün. Wenn es regnet schützt er meinen Kopf. Mit seinem Holz kann man eine Hütte bauen und ein Feuer mit ihm wärmt. Der Baum. Mein bester Freund.«

Er lächelte. Ich sah noch niemals einen Troll Lächeln.

»Und? Wie hat es dir gefallen?«

»Es ist schrecklich.«

»Du verletzt meine Gefühle, Donnergott.«

»Ge – fühle?«

»Willst du mir Gefühle absprechen nur, weil ich ein Troll bin? Schäm dich, Donnerer.«

»Die Trolle, die mir begegneten, kannten nur zwei Gefühle: Hunger und Kampflust. Was ist mit dir passiert? Wieso bist du so anders? Warum bist du alleine hier?«
Was sollte ich nun mit dem Troll anfangen? Es schien mir keine Gefahr von ihm auszugehen. Da hörte ich ein erbärmliches Heulen von der Rückseite des Hauses. »Was ist dort?«

»Ein böser Wolf. Er hat jede Nacht versucht meiner Habhaft zu werden. So habe ich ihn gefangen und nun liegt er an der Kette und wacht über die Rückseite meines Hauses. Wir sollten uns erstmal höflich vorstellen. Ich bin Moert. Aus dem Geschlecht der Dwart. Als ich ein Kind war lebte ich mit meiner Horde tief unter der Erde hier im Eisenwald. Eines Tages kam eine Meute Asen, die uns überfallen haben. Nur wenige konnten sich verstecken und retten. Ich bin der letzte hier im Eisenwald.«

»Und… warst du schon immer so?«

»Vor einigen Jahren lauerte ich einer Wanderin auf und wollte sie fressen. Zur Strafe hat sie mich verhext.«

»Es war eine Hexe?«

»Ja. Die Enchantress Amora. Kennst du sie?«

***

Die Ohren des schwarzen Wolfes waren seitlich nach hinten gelegt, seine Nase krausgezogen und seine Zähne geflechzt. Ein tiefes dunkles Knurren kam aus seiner Kehle, als er begann uns mit aufgestelltem Kamm zu umrunden.

»Wir sind verloren, wir sind verloren«, jammerte Keman, den ich losließ, damit er wieder auf Piccolo klettern konnte.

»Piccolo! Hinweg!« Mein Rabe flog mit seinem Haustier auf den nächstgelegenen Ast und spähte misstrauisch auf den einzelnen Wolf.

»Wir müssen fliehen! So flieg doch weg! Der Wolf wird deinen Herrn reißen.«

»Rak, rak rak!«

Piccolo würde nicht fliehen. Im schlimmsten Falle würde er versuchen dem Wolf die Augen auszuhacken. Ich fixierte des Wolfes gelbgoldenen Augen, die mich ebenfalls bannen wollten. Ich drehte mich langsam mit, während er seine Kreise um mich zog, die in jeder Runde enger und enger wurden. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, beugte ich mein rechtes Knie, das Geschrei Kemans im Ohr.

»Bei den Kalamauken, was tut er da? Was tut er da? Der Wolf wird ihn töt… AU!«

Piccolo musste ihn wohl gehackt haben. Als meine Hände den Boden berührten, wandelte ich mich.

»WAAAAAAS? Ein… ein…. Gestaltwandler? Das hat er verschwiegen! Todesstrafe, Todesstra… AU!«

Mit erhobener Rute, gespitzten Ohren und leicht geöffneter Schnauze gab ich einen Ton der Herausforderung von mir. Ich nahm den Geruch meines Rivalen auf und stutzte. Eine Wölfin! Eine schwarze Wölfin…konnte es sein?
Wuffend sprang ich auf sie zu. Sie quiekte, schnappte nach mir und rannte in den dichteren Wald. Oh, sie würde mir nicht entkommen…

…sie war schnell, schlug hasenartig Haken und trotzdem kam ich ihr näher. Schon gewahrte ich ihre Flanke an meiner Schnauze und verdoppelte meine Anstrengung. Mitten im Lauf sprang ich, spürte, wie sich meine Fangzähne in ihr Fell gruben. Sie jaulte, stolperte abrupt aus der Geschwindigkeit und wir beide überschlugen uns, bevor wir fast nebeneinander zu liegen kamen.

Helles Lachen klang durch den Wald. »Du hast nichts verlernt. Du kennst noch immer meine Tricks.«

Wieder zurückgewandelt sah ich zur Seite. Dort auf dem Waldboden lang ein wundervolles großes Weib. »Und du bist noch immer so hinterlistig, wie am ersten Tag«, gab ich lachend zurück. »Angrboda!«

***

»Wie lange ist das her?«

»Einige Zyklen liegen hinter mir, seit ich aus meiner Höhle in diese Hütte gezogen bin.«

»Lebt Amora noch im Eisenwald?«

»Ich weiß nur, dass sie zu Alberich wollte, um dort einen Tarnumhang zu bekommen.«

Wieder heulte der Wolf.

»Halt das Maul, du überriechendes Untier!«

Und das aus dem Munde eines übelriechenden Trolls. Denn obwohl er nun lesen und schreiben konnte, hielt er nicht viel von Körperpflege. »Vielleicht hat er Hunger. Mit was fütterst du ihn?« Noch ein jämmerliches Heulen.

»Wenn du nicht still bist, hau ich dich wieder mit dem Knüppel!«

***

»Komm! Ich bin mir sicher, Thor ist bei dem Troll.«

Angrboda lächelte. »Thor? Du bist mit deinem Bruder unterwegs?«

»Nein… ja… es ist kompliziert.«

»Versteht ihr euch nun besser, wo ihr älter seid?«

Ich holte tief Luft und stieß sie aus. »Kann man so sagen… ja.«

Piccolo krächzte aufgeregt und Angrboda sah Brauen hebend zum Raben empor. »Ach nein… Loptr, wirklich?«

Ihr Blick kehrte zu mir zurück und ich verdrehte die Augen. »Ist dieses Gespräch jetzt notwendig? Lass uns eilen, bevor es zu spät ist.«

Ohne weitere Worte wandelte sich Angrboda wieder in den schwarzen Wolf. Ihr Heulen klang durch den Wald, während ich ihr folgte. Der Flügelschlag über mir zeigte mir Piccolos Begleitung an. Seltsamerweise schwieg Keman. Wahrscheinlich pickte Piccos Schnabel diesmal schärfer den kleinen Púca. Erziehungsmaßnahmen waren auch dringend notwendig.


***

»Alberich hat hier in der Nähe seine Höhle, oder?« Ein lautes Heulen kam aus dem Wald. Der Troll zuckte zusammen und sprang brüllend auf. Sein Gedichtband landete auf dem Boden und er griff nach einem Knüppel, der neben der Tür stand. Ich hob Mjölnir an. »Was soll das?«

»Ich werde diesem Wolf Manieren beibringen!«

***

Während wir den Abgang hinuntergingen sah ich Thor und den Troll, die um eine Holzhütte herumliefen. Der Troll hielt eine Keule in den Händen, Thor sah entschlossen aus, Mjölnir in Angriffsposition. Neben mir knurrte Angrboda. Ich wandelte mich, strich mit der Hand über ihren Kopf und rief: »Thor!«

Überrascht sah Thor zu uns empor. Hinter ihm kam Bewegung in den Troll. Als er uns sah, riss er die Augen auf, dann verzerrte sich sein hässliches Gesicht und er hob seine Waffe. »Töte den Troll!« schrie ich und deutete auf das Ungeheuer.

***

Nichts lieber als das! Endlich eine klare Aussage und die Abnahme einer Entscheidung. Mit einem Kampfschrei stürzte ich mich auf den Troll, der mit dem Knüppel herumfuhr und auf mich einschlagen wollte.
Schnell sprang ich zur Seite. Fast tat es mir leid, dass dieser Kampf so schnell Enden würde. Ich hätte lieber mit einer ganzen Horde gekämpft, oder einem richtig wilden Troll.

Also zögerte ich den finalen Schlag so lange hinaus, wie es eben ging. Da drehte der Troll den Knüppel in den Händen und hielt ihn wie ein midgardisches Gewehr. Ein grellroter Blitz schoss daraus hervor. Während ich begriff, dass der Troll eine magische Waffe sein Eigen nannte, traf mich der Blitz bereits in meinen Hals und schleuderte mich mehrere Ruten weit weg.

Niemand setzte ungestraft eine magische Waffe gegen den Sohn Odins ein! Wütend kam ich auf die Beine, schleuderte Mjölnir und entließ ihn auf den Troll. Der riss den Knüppel hoch, zielte auf meinen Hammer und feuerte die rote Magie ab. Unbeirrt suchte Mjölnir sein Ziel, zerschlug den Knüppel und traf genau das Kinn des Trolls. Unter dem Uru meiner Waffe, verformte sich das Gesicht meines Feindes. Der Boden bebte, als der Troll auf den Boden aufschlug. Mjölnir kam in meine Hand zurück. Noch lebte der Troll und versuchte mit dem Stück Holz, das in seiner Hand verblieben war, erneut auf mich zu schießen. Dann fiel seine Hand hinunter und der Troll war auf dem Wag nach Hel.

***

Noch während Thor kämpfte rannte ich bereits nach unten. Der schwarze Wolf blieb zurück, um die Lage im Auge zu behalten und mich gegebenenfalls zu warnen. Als ich den Wolf an der Kette erblickte, erstarrte ich für einige Lidschläge.
Wahrhaftig, er war riesig. Ich ging ihm wohl bis an die Schulter. Sein Fell glich dem Angrbodas, besaß zusätzlich eine helle Melierung und, als ich das sah musste ich grinsen, weiße Ohrspitzen. Er heulte, sprang gegen die Ketten und genau da drehte er sich zu mir. Ein Trolldolch steckte in seiner Schnauze, so dass er tatsächlich nur heulen konnte. An den Gelenken, die von den Ketten gebannt wurden, zeigte sich frischer Wundschorf. Oh – dieser widerwärtige Troll.

Vor Schmerz halb blind kam tiefes Knurren aus seiner Kehle. Ich hob beide Hände und ging langsam weiter. »Deine Mutter schickt mich – dich zu befreien.«
Er wich zurück, mich misstrauisch beäugend und heulte auf. Vom Hügel kam die Antwort und er entspannte sich etwas.
»Bitte senke deinen Kopf! Ich muss an den Dolch gelangen, um ihn zu ziehen.«

Zögernd gehorchte der Wolf, ließ mich an sich heran. Ich streichelte sein weiches Fell. Es zog mir die Brust zusammen, als ich in seine schmerzerfüllten dunklen Augen blickte. So webte ich einen betäubenden Zauber, den ich auf seine Schnauze legte, bevor ich Hand anlegte und mit einem Ruck den Dolch zog, der sein Maul zusammengezwungen hatte. Trotz allem jaulte er leise. Ich ließ den Dolch verschwinden und murmelte Heilungsworte. Dabei berührte ich vorsichtig die Wunden. Jetzt hielt er still. Ich hörte schnelle Schritte hinter uns. Schon funkelten die Augen des Wolfes wütend, er entwand sich meiner Hand und knurrte kampfbereit.

»Loki! Schnell – zur Seite, bevor er dich angreift!«

Ich drehte mich um. Thor kam angerannt, Mjölnir kreisend über sich. »Nein!« Ich hob abwehrend beide Hände. »Nein! Halt ein!« Ich sah es ihm an. Fast hätte er losgelassen. »Der Wolf ist nicht das Problem! Ist der Troll tot?«

Ich nickte. »Dein Rabe bedient sich gerade.« Es kratzte in meinem Hals. Ich rieb über die noch nicht verheilte Wunde.

»Ist der Púca bei ihm?« Thor betrachtete den Wolf misstrauisch, der noch immer an der Kette hing und meinen Gefährten ebenfalls argwöhnisch begutachtete.

Ich zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe ihn nicht gehört und ehrlich gesagt, nicht auf Kaiman geachtet.« Ein Husten entrang sich meiner Kehle.

»Kannst du die Kette zerschlagen?«

»Mjölnir schafft alles. Tritt zur Seite!«

Ich tat wie geheißen und der Uruhammer zertrümmerte die Fesselung des Wolfs. Meine Magie legte sich über die Glieder der Kette und des Wolfes, so von der Kette nichts mehr übrigblieb und das geschundene Bein verheilte. Der Wolf sprang weg von uns, wandte sich wieder zu mir um. Thor wollte an mir vorbei und wieder hielt ich ihn auf. »Warte hier! Bitte.«

Ich nickte. »Was hast du vochzzz…« Meine Stimme… sie verschwand mit einem Mal. Nur noch ein Krächzen kam aus meinem Mund.

»Was ist das?« Ich langte nach seinem Hals und entdeckte eine kleine klaffende Wunde. »War das der Troll?«

Ich wollte antworten, doch wieder kam nur Krächzen. Ich nickte, etwas fassungslos.

»Eine magische Wunde. Die kann man nur mit einem Mittel heilen.« Ich zog ihn zu mir her und legte meine Lippen auf den Schnitt. Ich spürte Thors Erschauern. Nach dem Kuss lächelte ich. »Nun warte hier auf mich! Ich will den Wolf verabschieden.«

Ich nickte und sah ihm nach, wie er zu dem Wolf ging. Er konnte einfach vor ihm stehen bleiben, denn der Wolf war riesig. So stimmten die Legenden aus dem Eisenwald.

»Fen-dweller…« Ich strich seine Kehle entlang und gab meiner Stimme einen brummigen Ton. »Hüte dich vor den æsir und pass auf deine Mutter auf!« Sein Kopf drängte sich gegen mich. Ich lachte leise. »Heute kann ich nicht bleiben. Aber ich werde euch bald besuchen. Und nun lauf!«

Der Stups seiner Nase warf mich Thor vor die Füße, der etwas verwirrt von mir zum Wolf und wieder zurücksah. Der Wolf rannte den Hügel hinauf. Wir hörten noch das heißere Bellen und Jaulen der Begrüßung und dann entschwanden sie unserem Blickfeld.

»Ich habe da so eine Vermutung…« Meine Stimme war noch nicht so fest, aber bereits wieder verständlich.

»So

»War das… Fenrir?«

Ich nickte, wieder den Blick zum Hügel gewandt.

»Dann war der andere Wolf?«

Ich nickte wieder.

»Dann bist du Fenrirs…?«

Zum dritten Mal nickte ich stumm.

»Warum … warum bist du nicht mitgegangen?«

Jetzt schenkte ich Thor meine ganze Aufmerksamkeit. Ich strich ihm über die Wange. »Warum sollte ich dich verlassen, minn sváss? Mein zukünftiger König aller neun Welten – ik eiga þú

Ich besitze dich? Warum sagte er dies nun? Ich runzelte die Stirn.

»Niemand, glaube mir, niemand erfüllt mein Herz mehr als du mit Liebe.« Ich küsste ihn kurz und wollte mich schon wegdrehen, als ich stutzte. »Na gut, ich habe gelogen… Unsere Brut… hat es ebenfalls in Besitz genommen.«

Jetzt war es an mir ihn an mich zu ziehen und seinen Mund mit einem langen Kuss zu verschließen. Dann umfasste ich mit beiden Händen seinen Nacken. Wenn heutzutage selbst Trolle Poeten waren... »Wōþjaz ai ska harma uzs þīna mūlōn(Lieblich sind die Worte aus deinem Munde.) Lataz unkara frīja ajuka westiz.« (Lass unsere Liebe ewiglich währen.)

»Ich fürchte, der Zauber des Trolls hat Nachwirkungen.« Den Protest, der auf Thors Zunge lag, verhinderte ich mit einem Kuss.

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Fen-dweller – Kosename für Fenrir

Minn sváss- mein Liebster
Ik eiga þú – ich besitze dich
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