Fegefeuer

von Himikko
GeschichteAngst, Horror / P16
Amaimon Lucifer Mephisto Pheles OC (Own Character) Rin Okumura Shura Kirigakure
26.05.2019
10.10.2019
5
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Ich bevor ich mit Schreiben anfange: Ok, man muss es ja nicht alles zu sehr in die Länge ziehen. Ich beschreibe ein paar Visionen und dann nur noch ein paar Szenen. *ca. 40 Seiten später*.....Was ist passiert?!

Ja, diese Geschichte lebt noch und es ist auch schon wieder ewig her, dass die Hauptgeschichte geupdatet wurde, obwohl da ein mieser Cliffhanger war. Aber keine Sorge, ich bin dran, es zieht sich eben etwas. Das hier sollte eigentlich ein Kapitel werden, aber da 40 Seiten doch etwas extrem sind, habe ich es in 2 Teile geteilt. Teil 2 ist noch nicht ganz fertig, aber jetzt mache ich erst noch das nächste Kapitel für die Hauptgeschichte fertig.

In diesem Kapitel gibt es Spoiler für Izumos und Shuras Hintergrund, wobei für diese Geschichte bei Izumo ein paar Dinge abgeändert werden.

Viel Spaß! ^^

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„Warum zur Hölle habe ich diese dämliche Wette vorgeschlagen?”, grummelte Rin und seufzte. Natürlich war es die letzte Option gewesen, sonst wären die anderen längst tot und er würde gerade Satan gegenüber stehen, aber je mehr Zeit verstrich, umso unmöglicher erschien ihm die Flucht. Musste er sich erst diesen Visionen stellen oder lagen diese Fragmente irgendwo rum und wenn ja, wo waren sie? Bei seinem Glück lagen sie am Grunde eines mit Monstern bevölkerten Sees. Ein Geräusch ertönte, sodass sich seine Schritte verlangsamten, doch es verstummte so schnell wie es aufgetaucht war. Seine Paranoia nahm zu, jeder Windhauch wirkte wie ein Angriff. Er war so angespannt, dass er erschrocken zusammenzuckte, als seine Umgebung zu verschwimmen begann. Es legte sich relativ schnell und nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte er eine Kirche. Die Bänke, Kerzenständer, Statuen und der zerbrochene Altar waren mit Staub und Spinnenweben überzogen, die dreckigen Fenster ließen ein wenig Mondlicht herein. Unwillkürlich erinnerte ihn das Ganze an den Altarraum aus "The Nun", doch er schob den Gedanken schnell beiseite. Er sollte jetzt wirklich nicht an irgendwelche Horrorfilme denken! Wie auf Stichwort ertönten schleifende Schritte. ‚Valak, bitte töte mich nicht...‘, war albernerweise sein erster Gedanke. Er hätte wirklich auf Yukio hören und sich nicht diesen Film ansehen sollen, vor allem weil sie wesentlich unheimlicher waren, wenn man wusste, dass Dämonen tatsächlich existierten. Langsam griff er nach Kurikara, aber zog es noch nicht, sondern wartete ab und versteckte sich hinter einer Säule. Er hörte eine Weile zu, bis die Schritte verstummten und er eine allzu vertraute Stimme ein Gebet sprechen hörte. ‚Shiro?!‘ Rins Griff um das Schwert verstärkte sich und schließlich zog er es aus der Scheide. Sofort vertrieben seine Flammen jegliche Kälte aus seinem Körper und gaben ihm ein sicheres Gefühl, doch seine Anspannung wich nicht. Langsam lugte er hinter der Säule hervor und tatsächlich kniete sein Adoptivvater vor dem Altar und betete. Vorsichtig trat er hervor und ging auf ihn zu. Seine Schritte hallten durch die leere Kirche und sein Herz pochte so laut, dass er glaubte, der verstorbene Paladin könnte es hören. Shiro ignorierte ihn allerdings und machte ungestört weiter. Der Nephilim hielt es nun nicht länger aus und tat genau das, was ihn selbst vor Frustration aufstöhnen ließ, wenn er dies in einem Horrorfilm sah: Er begann damit auf den ehemaligen Paladin zuzulaufen, doch egal wie schnell er rannte, er kam einfach nicht vorwärts. Der Weg wurde immer länger und länger bis er schließlich über etwas stolperte und hinfiel. Fluchend wollte er sich aufrichten, aber genau in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass Shiro nicht mehr am Altar war, sondern genau vor ihm stand. „Alter Mann?!”, entfuhr er es ihm, wobei ein Hauch von Sehnsucht in seiner Stimme lag. Er würde so vieles dafür geben, wenigstens ein letztes Mal mit seinem Adoptivvater reden zu können, sich für alles zu entschuldigen und sich gebührend zu verabschieden. Hatten die Dämonenkönige nicht sogar erwähnt, dass sie hin und wieder menschliche Seelen ins Fegefeuer schickten? Wenn ja, dann war es ihnen durchaus zuzutrauen, dass sie auch Shiro hergeschickt hatten. Doch kaum hatte Rin die Worte ausgesprochen, bereute er es sofort. Plötzlich war es totenstill im Raum und eine erdrückende Kälte gegen die nicht einmal seine Flammen etwas ausrichten konnten, ließ ihn erschaudern. Er wollte aufstehen und zurückweichen, nur leider gehorchte sein Körper nicht, er war wie zu Stein erstarrt. Dann ertönte dieses furchtbare Lachen, das ihn regelmäßig in seinem Albträumen heimsuchte und er hatte das Gefühl, ein Eimer Eiswasser wäre über ihm entleert wurden. Der Nephilim schluckte, als Shiro (?) langsam ein paar Schritte zurücktrat. Zu seinem Entsetzen leuchteten dessen Augen blau-rot auf und Blut begann aus ihnen zu fließen. Zudem war das widerliche Geräusch knackender Knochen zu hören. Hilflos musste Rin mit ansehen wie zunächst alle Gliedmaßen zu brechen schienen, dann begann sich das Fleisch schwarz zu färben und zu verfaulen, was wiederum die Knochen erkennen ließ. „Nein...”, stieß er hervor und versuchte erneut zurückzuweichen, aber kam erneut keinen Zentimeter vom Fleck. Wie durch das Geräusch angelockt, schoss die Gestalt ohne Vorwarnung auf ihn zu. Er schloss seine Augen und erwartete einen Angriff, der nie kam. „Rin. Was tust du hier?”, fragte Shiros Stimme in einem besorgtem Tonfall. Der Angesprochene antwortete nicht, er wusste absolut nicht wie er reagieren sollen. Das Ding vor ihm (Es konnte nicht Shiro sein!) sprach weiter: „Ich habe dir doch gesagt, dass du verschwinden sollst! Reicht es dir nicht, dass du mich getötet hast?! Willst du mich jetzt auch noch im Tode quälen?!”

„Nein, ich-”, begann sich der Teenager zu verteidigen, nur um von dem Wesen unterbrochen zu werden. HÖr Auf zu lüGEn¡, fauchte es in einer verzerrten, tiefen Stimme, die Rin zusammenzucken ließ. „Du häTTest NIƏmals GΣboren ωerden dürfƏn! IcH hätTe dich NiChtȘnutZ daMAls ƏInFach tötȚen soLLen, das wäre bEsser für alle gEωƏȘen! WärST du n!chT GeωeSeN, wÜrde iCh nOch leben! ωÄrst dU nicht geWesen, dann wärEN Yukio und deinE FreUndƏ niCHȚ in dieser S!TuAtiOn! DU bist ƏiNe nutzloȘe Verschωendung, du sØlltΣst e!nfach Șterben¡ Die Worte waren sehr schwer zu hören, nur mit Mühe konnte Rin sie verstehen. Sie taten weh, aber bevor er antworten konnte, zog die Kreatur ihn plötzlich auf die Füße und begann ihn zu würgen, während Kurikara zu Boden fiel und die Klinge wie von Zauberhand zurück in die Scheide fuhr. Er versuchte sich zu befreien, musste aufgrund des festen Griff allerdings schnell kapitulieren. Gleichzeitig ertönte Gelächter von allen Seiten und Stimmen begannen ihn zu verspotten. Darunter waren auch viele die er kannte: Yukio, seine Freunde, die Mönche im Stift, Shura und so viele weitere.

„Geh einfach sterben, du Monster! Keiner will dich!”

„Der Vatikan sollte dich hinrichten, du bist eine Gefahr für alle!”

„Kein Wunder, dass deine Mutter deine Geburt nicht überlebt hat und Fujimoto versucht hat sich umzubringen. Mit einem Sohn wie dir, wäre jeder lieber gestorben!”

„Du wirst nie dazu gehören...du bist ein Monster...Dämon...Tier...Missgeburt...”

„Als ob wir mit einem wie dir befreundet sein wollen!

„Ich wünschte, du wärst nie geboren worden!”

Obwohl Rin tief in seinem Inneren wusste, dass das alles nicht wahr war, begannen ihm dennoch Tränen in die Augen zu steigen. Er konnte doch nichts für seinen Vater, also warum hassten ihn so viele? Er hatte niemals jemanden geschadet und trotzdem wurde ihm so viel Verachtung und Abneigung entgegengebracht. Was war ihr Problem?! Er wollte nur ein normales Leben mit Familien und Freunden, genau was andere auch hatten, warum wurde ihm das verwehrt?! „Weil du nicht bist wie die Anderen: Du bist etwas so viel besseres., flüsterte eine Stimme dicht an seinem Ohr. „In dir steckt mehr Macht, als es du es dir vorstellen kannst. In Assiah hält dich doch nichts mehr, also warum bleibst du nicht nach Gehenna? Hier wirst du nicht verurteilt werden, weil du ein Nephilim bist, im Gegenteil. Du könntest alles haben, was du willst. Sieh es doch endlich ein: Du wirst niemals zu ihnen gehören, dein Platz ist hier, also höre mit diesem lächerlichen Widerstand auf und akzeptiere, was du bist. Du bist ein Dämon, sie sind Insekten über die du herrschen solltest, wie es dir seit dem Tag deiner Geburt zusteht. Sie alle werdenn es bereuen dich jemals verspottet zu haben, sie werden vor dir im Dreck buckeln und dir dienen.”

‚Nein...ich will das nicht!‘, dachte Rin und kniff die Augen zusammen. Er wollte keine Macht, er wollte einfach nur ohne Angst leben! Langsam wurde die Luft knapp, doch noch immer machte dieses Wesen, welches das Gesicht seines Vaters trug, keine Anstalten ihn los zu lassen. So leicht würde er sich nicht einkriegen lassen! Mit großer Anstrengung schaffte er es seine Flammen zu beschwören, woraufhin er beiseite geworfen wurde. Er knallte gegen eine der Säulen und war für einen Moment lang benommen. Der falsche Shiro bewegte sich erneut auf ihn zu, während sein Körper weiter verfiel, doch was ihm schlussendlich durch Mark und Bein ging, war die Stimme die aus dem Körper des verstorbenen Priesters erklang. „Sohn.” Nein, das konnte nicht sein, es durfte nicht sein! Es war jene Stimme, die er so lange in seinen Albträumen gehört und ihn nun schon seit Wochen fast jede Nacht besucht hatte. Shiro hatte nun das Grinsen eines Wahnsinnigen und es fielen die ungewöhnlich langen und spitzen Ohren, sowie die Zähne auf. „Satan...”, entfuhr es dem Halbdämonen. Das war nicht echt, das war nur Teil der Vision. Satan war nicht wirklich hier, in Gehenna musste er keinen Körper übernehmen, richtig? „Wie schön, dass du dich endlich dazu entschlossen hast, nach Hause zu kommen, mein Sohn!”, fuhr Satan mit einem aasigem Lächeln fort und trat langsam näher. „Deine Brüder und ich haben so lange gewartet.”

„Bleib weg von mir!”, stieß Rin hervor und kroch von ihm weg, aber Satan lachte nur und kam noch näher. Der Nephilim wollte sein Schwert greifen, natürlich war der Dämonengott schneller und hob es auf. „Du bist stärker geworden, aber du bist noch immer zu menschlich...das werden wir ändern müssen.”

„Lass mich in Ruhe, ich weiß, dass du nicht echt bist!”, rief Rin, auch wenn ihm langsam Zweifel kamen. Was wenn es wirklich Satan war? Nein, Shiros Körper war in Assiah eingeäschert und begraben worden, er konnte nicht in dessen Körper stecken. Der Dämon lachte und sein Grinsen weitete sich. „Bist du dir da ganz sicher? Wie viel weißt du über Gehenna? Gar nichts. Was garantiert also, dass das hier nicht Realität ist, Junge?” Rin funkelte ihn wütend an, obwohl sein Herz raste. „Ich weiß es eben! Jetzt hau ab, ich will meine Freunde und diese Teile suchen!” Natürlich ließ sich Satan nicht davon beeindrucken. „Deine Freunde? Die sterben gerade.” Rin zuckte zusammen, als er Schreie hörte und fuhr herum. Sie standen nun nicht länger in der Kirche, sondern auf einer Lichtung, die von blauen Flammen umgeben war: Seinen Flammen. Der Anblick seiner Freunde war jedoch wesentlich schlimmer: Sie kämpften gegen Dämonen, waren allerdings hoffnungslos unterlegen. Shiemi und Konekomaru waren verletzt, Bon lag am Boden und bewegte sich nicht mehr. Rins Magen verkrampfte sich und er wollte ihnen zu Hilfe eilen, aber Satan hielt ihm am Arm fest. „Wo glaubst du, gehst du hin? Du bleibst schön hier. Für sie ist es zu spät, also mache dir nicht die Mühe., zischte er ihm ins Ohr, aber Rin dachte gar nicht daran, riss sich los und lief zu seinen Freunden, doch da spürte er eine neue Präsenz hinter sich. Er fuhr herum und beinahe sofort setzte sein Atem aus. Der Ort hatte sich erneut geändert und eine weitere Person stand vor ihm, eingehüllt in blauen Flammen. Mit Entsetzen starrte Rin in das Gesicht seines Gegenübers, denn es war sein eigenes Gesicht. ‚Was zum Henker?!‘ Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, nur um einen heftigen Schmerz im Brustbereich zu spüren. Er sah nach unten und seine Augen weiteten sich, als er ihm bewusst wurde, dass das Kurikara in seinem Körper steckte, genau wo das Herz war und Blut begann, seine Kleidung zu durchtränken. Doch damit nicht genug, nun erscheinen zusätzlich seine Flammen. Sie waren genauso mächtig und gefährlich, aber so viel schmerzhafter. Er schrie, als er spürte wie sein Blut zu kochen begann und sein Fleisch von den Knochen schmolz. Es war unerträglich, alles was er tun konnte, war schreien, während er seine eigene Stimme in seinem Kopf hörte. „Nimm mich an und wehre dich nicht. Es ist dein Schicksal, also...lass sie alle brennen!” So plötzlich wie es begonnen hatte, hörte es auf. Erneut sank er zu Boden und griff instinktiv an seine Brust, wo sein Shirt zwar immer noch mit Blut besudelt war und ein Loch hatte, aber eine Verletzung gab es nicht. „R-Rin...”, presste eine Stimme hervor, die sein Herz aussetzen ließ. Neben ihm lag Shiemi, unter ihr wurde eine Blutlache immer größer und größer, aber kaum dass er zu ihr lief und sie berührte, fing sie Feuer und begann zu verbrennen. Sie schrie, doch egal was Rin tat, er konnte nichts tun, um das Feuer verschwinden zu lassen. Es breitete sich immer weiter aus und schon bald waren auch die Schreie seiner anderen Freunde zu hören. Er presste seine Hände auf die Ohren. „HÖRT AUF!”, schrie er. „DAS IST ALLES NICHT ECHT, ALSO HÖRT AUF! MEINE FREUNDE SIND NICHT TOT!”

„Oh, doch das sind sie...”, widersprach ihm seine eigene Stimme. Vor ihm stand wieder dieser Doppelgänger, der ihn belustigt ansah. „Wir haben sie getötet...du verdrängst es nur.” Vor Rins innerem Auge war erneut diese Lichtung zu sehen. Das Feuer brannte, doch diesmal lagen seine halbverbrannten Freunde alle regungslos am Boden, umgeben von mehreren Blutlachen. In der Mitte stand eine von blauen Flammen umhüllte Gestalt, die wie ein Wahnsinniger lachte. Der Nephilim schluckte, als er erkannte, dass die lachende Person er selbst war. ‚Das ist alles nicht echt...Das war ich nicht...‘, rief er sich in Erinnerung. ‚Meine Freunde sind am Leben und das dort bin nicht ich. Ich würde sie niemals töten! Oder...?‘ Konnte es wirklich sein, dass sie schon tot waren? Hatte er sie verbrannt oder aufgeschlitzt? Sein Doppelgänger hatte sich mittlerweile von seinem Lachanfall beruhigt und an ihn gewandt, seine Augen schienen Rin regelrecht zu durchbohren. Er wich zurück, als sich der Dämon näherte, doch stieß gegen eine Wand. Wo kam die her? Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass sie wieder in der Kirche standen, welche noch zerstörter war als zuvor. Konnte sich das Fegefeuer jetzt mal für einen Ort entscheiden?! Bevor er sich einen Fluchtweg suchen konnte, stand sein dämonisches Ich vor ihm und grinste ihn an. Satan (immer noch in Shiros Körper) stand etwas abseits neben ihm und grinste ebenfalls. „Na, wie sieht's aus? Hat dir die Show gefallen?”, fragte sein Doppelgänger in einem lässigem Tonfall und lehnte sich etwas nach vorne, während er sich mit einer Hand abstütze, sodass er Rin noch mehr einengte. „Es war höchste Zeit, dass ich endlich mal zum spielen raus komme. Du könntest das auch, wenn du nur du endlich aufhören würdest, dich an deine erbärmliche menschliche Hälfte zu klammern. Wovor hast du denn bitte solche Angst und was kümmert es dich, was aus den anderen wird? Sowohl hier als auch in Assiah gilt das Recht des Stärkeren, also warum sich mit denen aufhalten? Du wirst nie dazu gehören, in dieser Welt ist für Wesen wie uns kein Platz! Du wirst immer gehasst werden, verachtet und gejagt. Selbst wenn du hier raus kommst, was passiert dann? Ganz Gehenna wird dir auf den Fersen sein und ewig können die Exorzisten nicht Widerstand leisten. Du kämpfst einen Kampf, der längst entschieden ist und momentan bist du auf der Verliererseite. Es liegt bei dir: Willst du lieber verachtet werden bis du irgendwann umgebracht wirst wie Schlachtvieh oder willst du endlich akzeptieren, was du bist und den Platz einnehmen, der dir zusteht?” Wieder rief sich Rin in Erinnerung, dass nicht von all dem hier echt war und sie nur versuchten seine Schwachpunkte anzugreifen, doch so einfach würde er es ihnen nicht machen. Entschlossen sah er sein Gegenüber an. „Du liegst falsch. Ich bin zwar auch ein Dämon, aber das heißt nicht, dass ich nie dazu gehören werde und meine Menschenhälfte macht mich nicht schwach. Abgesehen davon beißen sich die Dämonen an den Exorzisten seit Jahrhunderten die Zähne aus und Satan würde mich nicht mehr brauchen, wenn sie wirklich am gewinnen wäre. Wir kommen hier irgendwie raus, ich werde stärker werden und Satan besiegen und wenn es das letzte ist, was ich tu! Also hört auf diesen Mist zu erzählen und verschwindet, ihr seid sowieso nur Visionen!” Die beiden Dämonen oder was auch immer sie nun genau waren, stießen ein bedrohliches Knurren aus und traten mehrere Schritte zurück, doch Rin hatte nicht vor ihnen weitere Gelegenheit zu geben, ihn zu überraschen. Er stürmte auf den Shiro Doppelgänger zu, schnappte sich sein Schwert und zog es. „Also verschwindet endlich und lasst mich in Ruhe!” Mit einem lauten Kreischen zogen sich die beiden Kreaturen zurück und verschwanden, doch sein Doppelgänger tauchte direkt hinter ihm auf. Er stürmte auf Rin zu und riss ihn zu Boden, wo er seine Hände um dessen Hals legte und begann zuzudrücken. „So leicht wirst du mich nicht los! Gib endlich auf, es gibt kein Entkommen vor dem, was du wirklich bist!”, grollte das Wesen und Rin schnappte erfolglos nach Luft, während er versuchte Kurikara zu erreichen, welches ihm aus der Hand gerissen worden war. Endlich bekam er es zu fassen und rammte die Klinge in seinen Angreifer. Dieser ließ mit einem Aufschrei von ihm ab, Rin setzte nach, verfehlte jedoch erneut. Wie sollte er etwas treffen, was eigentlich gar nicht existierte?! „Na los, zeig dich!”, fauchte er. Der falsche Rin kam der Aufforderung tatsächlich nach und tauchte vor ihm auf, immer noch grinsend. „Bist du endlich bereit aufzugeben?” Rin schnaubte abfällig. „In deinen Träume vielleicht! Mag sein, dass du recht hast. Vielleicht ist es dumm mich darauf zu verlassen, dass meine Freunde zu mir halten werden, aber das ist mir egal. Ich vertraue ihnen und irgendwann werde ich meine Flammen ganz unter Kontrolle haben. Ich werde nicht wie du enden und Satan in den Arsch treten! Er wird niemals gewinnen.”

„Bist du dir da wirklich sicher?”, höhnte Shiros Stimme und erneut tauchte Satan in Shiros Körper auf oder besser gesagt das Trugbild davon. „Shiro ist bereits deinetwegen gestorben, willst du wirklich noch mehr Tote? Es wäre so viel einfacher aufzugeben, denn du kannst nicht gewinnen! Du wirst immer ein Dämon sein! Rin schloss die Augen, holte kurz Luft und nickte. „Das stimmt, ich werde immer ein Dämon sein, aber ich werde auch immer ein Mensch sein. Ihr habt mir gar nichts zu sagen, ich gehe meinen eigenen Weg.” Damit griff er an und dieses Mal verschwanden sie endgültig. Er steckte Kurikara wieder in Scheide und natürlich verschwamm die Umgebung. Als es wieder vorbei war, stand er auf einer neuen Lichtung, jedoch war nirgends etwas von weiteren Illusionen zu sehen. Hatte er damit bestanden und seine Ruhe oder würde es weiter gehen? Vielleicht hätte er sich genauer bei den Baal erkunden sollen, aber wahrscheinlich hätten sie ohnehin gelogen. Seufzend richtete er sich auf und bemerkte dabei einen seltsamen schwarzen Stein, der auf dem Boden lag. Normalerweise würde er nicht weiter darauf achten, aber etwas an ihm fühlte sich seltsam an. Er bückte sich und streckte etwas zögerlich die Hand aus, um ihn aufzuheben. Nun fiel ihm auf, dass der Stein ungewöhnlich glatt war, sowie irgendwelche Ornamente (oder wie auch immer das hieß) darauf zu sehen waren. Die untere Seite erweckte zudem den Eindruck, als wäre das Stück irgendwo rausgebrochen wurde. Endlich wurde ihm bewusst, dass es eines der Fragmente sein musste. Fassungslos starrte er den Stein einige Sekunden an, dann steckte er ihn vorsichtig in seine Tasche, während er sich einen kleinen Hoffnungsschimmer erlaubte. Er hatte das erste Teil und war damit der Flucht ein Stück näher! Sicher, sie mussten noch sieben weitere Stücke finden, aber nun da er den ersten Erfolg gehabt hatte, fühlte er sich wesentlich zuversichtlich. Dennoch wurde er das Gefühl nicht los, dass er noch einiges vor sich hatte. „Es gibt kein Entkommen vor deiner Bestimmung.”, flüsterte er ihm eine Stimme zu, die er gekonnt ignorierte. Er würde hier raus kommen, koste es, was es wolle.


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Yukio stolperte laut fluchend zum gefühlt fünfzigsten Mal über eine Wurzel, doch machte keine Anstalten anzuhalten, sondern lief weiter. Es war unmöglich zu sagen wie viel Zeit bereits verstrichen war, da seine Uhr stehen geblieben war und sein Handy komplett am spinnen war, daher konnte er es sich nicht leisten, einfach stehen zu bleiben. Bisher hatte er weder ein Fragment gefunden, noch irgendwelche Visionen gehabt, allerdings traute er dem Frieden nicht. „Yuki-chan!”, rief plötzlich jemand und er hielt inne. Das war Shiemis Stimme! Ein wenig zuversichtlicher, aber wachsam wandte er sich in die Richtung aus der die Stimme kam und tatsächlich war es die Adeptin. Sie war zwar vollkommen außer Atem und von den Dornen zerkratzt, aber ansonsten schien es ihr gut zu gehen. „Ist alles in Ordnung?”, fragte er sicherheitshalber und sie nickte. „Nur ein paar Kratzer, nicht weiter schlimm. Wo sind die anderen? Hast du einen von ihnen gesehen? Und wie geht es vor allem dir?” Yukio zuckte mit den Schultern. „Den Umständen entsprechend, allerdings habe ich keine Ahnung wo der Rest ist. Anscheinend haben uns diese Dämonen überall verteilt.” Für einen kurzen Moment spielte er mit dem Gedanken ihr von seiner Begegnung mit den Baal zu erzählen, doch ließ es dann lieber sein. Er wollte sie nicht unnötig beunruhigen. „Achso....ähm...bist du schon auf irgendwelche Visionen getroffen?”, fragte sie weiter, offensichtlich nervös. Yukio schüttelte den Kopf und seufzte. „Bisher nicht, aber ich denke, es wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Was ist mit dir?” Shiemi wich seinem Blick aus und biss sich auf die Lippe, offensichtlich nervös. „I-Ich...möchte lieber nicht darüber reden. Es...Es...ist...” Sie brach ab, doch Yukio verstand. Anscheinend hatte sie bereits eine Vision gehabt und was immer sie gesehen hatte, war wohl nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Allerdings drängte noch immer die Zeit, also beschloss er nicht weiter nachzufragen. „Gehen wir weiter, wir müssen den Rest und die Fragmente finden. Ich nehme an, du hattest noch kein Glück?” Wie erwartet schüttelte die Adeptin mit dem Kopf und sie machten sich gemeinsam auf den Weg. Sie befanden sich inzwischen in einem neuen Gebiet, welches mit verschiedensten Pflanzen überwuchert war und an einen sehr düsteren Dschungel erinnerte. ‚Wie können diese Pflanzen so tot aussehen, aber trotzdem lebendig wirken?‘, fragte sich der Brillenträger im Stillen und wandte sich an Shiemi, die neben ihm lief und sich angespannt umsah. „Bleib dicht bei mir, ich traue diesem Ort nicht.”, wies er sie an. Die Adeptin antwortete nicht, nur ihre Augen huschten nervös hin und her. „Hier gefällt es mir nicht, es ist gruslig.”, flüsterte sie und klammerte sich plötzlich an seinen Arm. „Ich will nach Hause...” Yukio war überrascht, dass sie sich plötzlich an ihn hing, normalerweise war sie dafür zu schüchtern, andererseits wirkte sie ziemlich verängstigt. „Wir kommen hier schon raus, wir müssen uns nur beeilen und die Teile finden.”, erinnerte er sie, doch dies schien sie nicht zu beruhigen. „Wir können nicht gewinnen. Das war dumm von uns.”, murmelte sie zu seiner Überraschung und sah ihn an. „Wir werden hier sterben, oder?”

„Mit dieser Einstellung ja.”, sagte Yukio streng und wollte ihren Griff von seinem Arm lösen, aber sie ließ nicht locker. „Wir hätten das Angebot der Baal annehmen sollen.”, sprach sie weiter. „Dann wären wir längst draußen und müssten keine Angst um unsere Leben haben.” Also war sie auch den Dämonenkönigen oder zumindest einem von ihnen begegnet! Energisch zog Yukio seinen Arm aus ihrem Griff, dieses Mal erfolgreich. „Was soll das heißen?”, fragte er scharf und Shiemi sah beschämt zu Boden. „Sie haben mir angeboten, dass sie uns alle gehen lassen, wenn ich aufgebe. Sie wollen dafür nur Rin. Ich habe abgelehnt, aber inzwischen glaube ich, dass das ein Fehler war. Wir werden hier sterben, wir haben keine Chance!” Yukio starrte sie vollkommen überrumpelt an. Er hatte sich doch wohl grad verhört! „Weißt du überhaupt, was du da sagst?! Du sprichst davon Rin im Stich zu lassen! Wie kannst du das in Erwägung ziehen?”, fauchte er sie an, doch zu seiner Überraschung erhielt er einen wütenden Blick von ihr. „Wegen ihm sind wir doch überhaupt hier gelandet! Ohne ihn wäre nichts von alldem passiert! Es ist alles seine Schuld! Und du brauchst gar nicht so unschuldig tun, weil ich weiß, dass du genau das gleiche denkst.” Sie griff seine Hände und sah ihn flehend an. „Geben wir ihnen, was sie wollen! Wir geben auf, sie bekommen Rin, dafür können wir entkommen und weiter leben! Ist das nicht das beste für alle? Ich möchte nicht sterben! Also bitte...sag, dass du auch nicht mehr willst. Wir können hier ganz einfach raus, wir müssen nur-” Yukio riss unwirsch seine Hände zurück und funkelte sie an. „Du verlangst von mir, dass ich meinen eigenen Bruder verrate?! Deine Angst trübt dein Urteilsvermögen. Denke besser darüber nach, was du sagst.” Shiemi schüttelte heftig den Kopf, Tränen glitzerten in ihren Augen. Diesmal griff sie ihn an den Schultern und sah ihn eindringlich an. „Ich meine es ernst! Ich habe Angst! Ich möchte zurück zu meiner Mutter und Omas Garten! Ich möchte eines Tages den Garten Amahara finden, das kann ich nicht mehr, wenn ich tot bin. Es tut mir ja leid um Rin, aber es geht nicht anders. Selbst wenn wir es zurück schaffen, sie werden ihn immer jagen bis sie ihn haben und dann war alles umsonst! So können wir wenigstens überleben!” Inzwischen liefen Tränen ihre Wangen hinunter, Yukio wusste nicht mehr, was er tun sollte. Dieses Verhalten sah dem Mädchen nicht ähnlich, sie mochte Rin eigentlich sehr. Warum sollte sie nun also sowas sagen? Es war natürlich Angst zu haben, doch diese Reaktion wirkte etwas extrem. Allerdings...ein kleiner Teil von ihm musste zustimmen. ‚Vielleicht wäre es besser...Nein!‘ Wie konnte er das auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen?! Er beschloss, es weiterhin mit Geduld zu versuchen. „Shiemi, ich verstehe, dass du Angst hast, aber wir schaffen das schon. Ja, die Bedingungen sind nicht ideal, aber später als Exorzist wird es nicht einfacher werden.”

„Aber du bist doch der gleichen Meinung!”, fauchte sie gereizt. Yukio runzelte die Stirn und trat einige Schritte zurück, denn langsam wurde es seltsam. Irgendetwas war hier absolut nicht in Ordnung. Er betrachtete die Blondine genauer, welche nun still geworden war. „...Du änderst deine Meinung nicht, oder?”, fragte sie leise. Er antwortete nicht sofort, doch sie schien dies als Antwort aufzunehmen. „Na gut, dann...STIrB, dU VErRÄTƏr!” Was dann folgte, ging so schnell, dass Yukio keine Zeit mehr zum reagieren hatte. Die dämonische Stimmenlage, die Shiemi (?) hatte, bewies endgültig, dass etwas ganz falsch lief, doch bevor er seine Waffen ziehen konnte, wurde er mit unerwarteter Stärke gestoßen und er rollte einen Abhang runter, an dem sie gestanden hatten. Er versuchte sich festzuhalten, doch es war zu rutschig. Schließlich schlug er auf festen Boden auf, wo er sich fluchend aufrichtete und umsah. Er sah keine Gegner, daher erlaubte er sich einen kurzen Blick zum Hang und sein Magen drehte sich um. Es war ein kleines Wunder, dass er nur einige Prellungen und Schürfwunden hatte, denn dieser war ziemlich lang und extrem steil, sodass es mehr als einfach wäre, sich das Genick zu brechen. Gleichzeitig rügte er sich, weil er auf so einen billigen Trick hereingefallen war. Er war sich ziemlich sicher, dass dies nicht Shiemi gewesen war, sondern irgendetwas anderes. Nachdem er festgestellt hatte, dass seine Waffen noch da war, machte er sich erneut auf den Weg, betend, dass ihn die falsche Shiemi nicht verfolgen würde. Er wusste nicht wohin er ging, Hauptsache weit weg. Auf seinem Weg griffen immer wieder Pflanzen nach seinen Knöcheln, doch er rannte weiter. „Yukio?”, ertönte plötzlich eine Stimme in seinem Kopf und er bleib ruckartig stehen. „Vater?!”, fragte er und bereute es sofort. Was dachte er sich dabei einfach zu antworten, obwohl er keine Ahnung hatte, wer oder was es war, das ihn ansprach?! Kurze Stille folgte, dann antwortete die Stimme. „Yukio.” Es klang tatsächlich wie der verstorbene Paladin, doch er wusste, dass dies unmöglich war und man ihn wahrscheinlich nur täuschen wollte. Daher zog er die Waffen und ging leise weiter, nun angespannter als je zuvor. Er war bereits auf eine falsche Shiemi reingefallen, da würde ihm das nicht nochmal passieren. Demzufolge zögerte er nicht seine Pistolen zu entsichern, als ohne Vorwarnung eine Gestalt vor ihm auftauchte. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und seine Hände zitterten, denn er hatte die Gestalt nun als Shiro erkannt. „Ich weiß, dass du nicht echt bist, also verschwinde!”, fauchte er, auch wenn er mutiger klang als er sich fühlte. Dies schien den Doppelgänger allerdings nicht zu stören, sondern erst recht zu ermutigen. Langsam näherte er sich, was Yukio unwillkürlich einen Schritt zurücktreten ließ. „Yukio, was tust du hier?”, frage das Wesen und der Angesprochene schluckte, während er sich in Erinnerung rief, dass es nicht sein Adoptivvater war, der vor ihm stand. „Bleib stehen oder ich schieße!”, warnte er, doch es ignorierte seine Worte. „Warum musst du mich immer enttäuschen? Du hast versprochen auf Rin Acht zu geben, aber stattdessen bringst du ihn nur in Gefahr oder bedrohst ihn. Glaubst du, ich habe dich zum Exorzisten gemacht, damit du versagen kannst? Offenbar habe ich meine Zeit verschwendet, denn du bist genauso schwach und erbärmlich wie damals!” Yukio biss die Zähne zusammen und stellte missmutig fest, dass seine Hände zitterten. „Du bist nur eine Verschwendung. Ich hätte dich damals einfach bei deiner toten Mutter lassen sollen, damit du ihr folgen kannst. Wer will schon einen Schwächling wie dich haben, der immer nur den Schutz anderer braucht? Wie erbärmlich. Ohne dich wäre Rin bei weitem nicht so oft in Schwierigkeiten geraten.” Yukio antwortete nicht, sondern schoss, traf allerdings nicht. Die Kugel ging sauber hindurch und plötzlich stand Shiro hinter ihm. „Ts, ts. Nach all den Jahren hast du noch immer nichts gelernt?” Erschrocken für der junge Exorzist herum, doch stolpert und landete auf seinem Hintern. „Du wirst immer nur eine Last sein.”, fuhr der falsche Shiro fort. „Du kannst Rin nicht retten, er ist längst von seiner Dämonenhälfte verdorben. Du hast versagt. Wärst du in jener Nacht rechtzeitig gekommen, würde ich noch leben!” Yukio sprang auf, nun am ganzen Körper zitternd. Er wusste nicht woher diese irrationale Angst kam, sie war einfach da. Wahrscheinlich war es dieser Ort selbst. „Aber noch ist es nicht zu spät, Sühne zu leisten.”, sprach das Wesen weiter. „Wir wissen beide, dass Rin zu gefährlich ist. Satan und die Baal werden nicht Ruhe geben bis sie ihn haben. Er muss ausgeschaltet werden oder ganz Assiah wird den Preis zahlen. Töte ihn, nur dann können wir Satans Pläne endgültig zunichtemachen.” Der jüngere Okumura Zwilling sah ihn entsetzt an und schüttelte den Kopf. „N-Nein! Ich könnte meinen Bruder niemals umbringen!”

„Ach wirklich? Und was war das an eurem ersten Tag im Exorzisten Unterricht? Du hast ihm gesagt, er solle sterben. Leugne es nicht, ich weiß, was du wirklich über ihn denkst. Er ist eine Gefahr, ein Dämon, eine Schachfigur in einem Spiel. Nichts weiter als ein Spielball Satans und der Dämonenkönige. Du glaubst, er wäre stark? Er würde nach nicht mal einem Tag einknicken und wenn sie erst mal mit ihm fertig sind, wird das, was übrig bleibt nicht mehr dein Bruder sein, sondern eine ihnen vollkommen hörige Marionette. Wenn deine Existenz schon eine komplette Enttäuschung ist, kannst du der Menschheit wenigstens einen Gefallen tun, indem du ihn und dann dich erledigst.” Mit jedem Satz schwand Yukios Zuversicht. Vielleicht hatte dieses Ding recht, vielleicht wäre es wirklich besser, wenn Rin und er einfach verschwanden. Wirklich vermissen würden sie nur wenige und sie konnten damit Satans Pläne durchkreuzen. Andererseits garantierte nichts, dass der Dämonenherrscher sich nicht einfach eine neue Sterbliche suchte, die er irgendwie dazu bringen konnte, sein Kind zu bekommen. Damit würde nur alles von vorne beginnen und wer wusste schon, ob man das Kind erneut verstecken konnte oder nicht doch in die Hände der Dämonen fiel. „Du liegst falsch.”, presste er hervor. „Unser Tod würde nichts ändern. Rin ist gefährlich, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, dass er keine Chance verdient hat. Er lässt sich nicht einfach unterkriegen und solange wir die Möglichkeit haben hier raus zu kommen, werde ich auch nicht aufgeben. Also verschwinde endlich und gebe nicht vor, mein Vater zu sein!” Damit schoss er auf das Wesen, in der Hoffnung, dass seine Kugeln dieses Mal Wirkung zeigen würden. Tatsächlich stieß es ein lautes Kreischen aus und begann vor seinen Augen zu verrotten bis nichts mehr übrig war. Für einige Sekunden starrte er vollkommen verdattert auf die Stelle, wo es eben noch gestanden hatte, halb erwartend, dass es wieder aufstehen würde. Schlussendlich passierte nichts dergleichen, doch das heiß lange noch nicht, dass er keinen Ärger mit anderen Dämonen bekam. „Du zögerst nur das Unvermeidliche hinaus...”, flüsterte er eine Stimme, die er ignorierte. Dafür war leider ein bereits vertrautes Geräusch zu hören und Sekunden später fand er sich vor einem riesigen Naberius wieder. ‚Nicht schon wieder...‘


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Shima hasste nun ganz offiziell Gehenna. Es war dunkel, man konnte kaum atmen, musste am laufenden Band um sein Leben fürchten und vor allem krabbelten überall diese fürchterlichen Insektenwesen herum! Was stimmte nur nicht mit Beelzebub, dass er freiwillig über diese Kreaturen herrschte?! So langsam fragte er sich, ob es nicht doch eine bessere Idee gewesen wäre, einfach das Angebot des Insektenkönigs anzunehmen, doch schlussendlich gab er diesen Gedanken schnell wieder auf. Er wollte Okumura nur ungern ausliefern, das hatte er nicht verdient und außerdem würde er damit Assiahs Untergang besiegeln. Schlussendlich blieb also nur die Möglichkeit nach diesen Fragmenten Ausschau zu halten. Hoffentlich erwartete hier niemand von ihm, in den Bau irgendeines Insektes zu klettern. „Wenn das hier alles vorbei ist, schuldet uns Okumura was...”, murmelte er verdrossen und seufzte. „Das hier ist alles viel zu viel Aufwand und Aufregung...aber da kann man wohl nichts machen...” Ein Geräusch zu seiner rechten ließ ihn zusammenzucken und er spähte mit zusammengekniffen Augen in das Gestrüpp, wo sich etwas zu bewegen zu schien. Mit angehaltenem Atem näherte er sich, den K'rik fest umklammernd. „Bitte friss mich nicht...bitte friss mich nicht...bitte friss mich nicht...bitte friss mich nicht....”, murmelte er wie ein Mantra und leicht zitternd. Während er überlegte, ob er nicht lieber abhauen sollte, sprang etwas aus dem Gestrüpp hervor, was ihm einen (natürlich sehr männlichen und absolut nicht an ein kleines Schulmädchen erinnernden) Schrei entlockte. Zu seiner Erleichterung war es nur ein kleines Wesen, welches direkt an ihm vorbei rannte und er keinem ihm bekannten Dämonen zuordnen konnte, also atmete er kurz durch und ging schnell weiter, bevor er doch noch von irgendetwas überrascht wurde. Dabei stolperte er mehrmals über verschiedene Wurzeln, blieb an mehreren Ästen hängen und rutschte schließlich einen schlammigen Hügel hinunter, sodass er eine nicht zu verkennende Ähnlichkeit mit einem Sumpfmonster hatte. Resigniert seufzend stand er auf und versuchte gar nicht erst den Schlamm zu entfernen. Warum musste immer ihm sowas passieren? Wie um ihn noch mal zusätzlich zu ärgern, war wieder ein seltsames Geräusch zu hören. Etwas näherte sich und es war groß. Sehr groß. Als das Wesen in Sichtweite kam, wäre der Adept am liebsten einfach umgefallen. Vor ihm stand ein riesiger Skorpion mit zwei Giftstacheln und wahrscheinlich ebenfalls giftigen Greifern. Das war einfach nicht fair. Shima musste nicht lange überlegen und beschloss den Rückzug anzutreten. Dummerweise hatte ihn das Vieh bereits in Visier genommen und für seine Größe bewegte es sich wirklich extrem schnell. Ehe er sich versah, lag er im Gestrüpp, mit einem gewaltigen Skorpion vor ihm. Ein Teil von ihm würde sich wirklich wünschen, dass es nur eine dieser erwähnten Visionen war, doch leider war dies offensichtlich nicht der Fall. Mit einem Hechtsprung entging er den Stacheln, rappelte sich auf und rannte los. Nie im Leben hatte er eine Chance gegen dieses Vieh! Er hörte wie das Wesen die Verfolgung aufnahm, aber er war nicht so dumm sich umzudrehen, sondern lief weiter. Inzwischen hatte er keine Ahnung mehr, woher er kam oder verschwendete einen Gedanken daran, wohin er rannte. Nach einer Weile erlaubte er sich eine Pause, denn seine Lungen fühlten sich an als würden sie platzen. Nachdem er sich halbwegs beruhigt hatte, schaute er sich nervös um, doch das Wesen war nirgends zu sehen. Kurz machte sich Erleichterung in ihm breit, welche nicht lange hielt: Vor ihm befand sich ein von Mauern umgebenes, halb zerfallenes Gebäude, das ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Das Tor war zu hoch, um darüber zu klettern, doch es stand einen Spalt offen. Wenn er sich etwas Mühe gab, könnte er vielleicht den Spalt vergrößern und sich hindurchquetschen. Natürlich zögerte er dennoch. Er war erst aus einem heimgesuchten, angeblich verlassenem Horrorhotel gekommen, da würde er nicht direkt in das nächste gruslige Gebäude gehen. Er überlegte eine Weile hin und her, dann entschloss er sich dazu, es zu riskieren. Sicherlich hatte das Fegefeuer nicht irgendein zufälliges Gebäude in die Landschaft gestellt, damit man sich gruselte. Eventuell war darin eines der Fragmente oder das Portal, das sie reparieren mussten. Mit etwas Glück könnte er sogar seine Freunde dort finden und sich vor dem Skorpion verstecken. Langsam trat er an das Tor heran und begann damit die beiden Flügeltüren voneinander wegzudrücken. Das kalte Metall war rostig und die Scharniere quietschten als würden sie protestieren wollen, doch schlussendlich war der Spalt groß genug, sodass er durchschlüpfen konnte. Ein gepflasterter, teilweise überwucherter Weg führte über einen Hof zu der Eingangstür. Nun erkannte er zudem die Türme sowie mehrere kleinere Gebäude, welche überall verteilt standen. ‚Ist das hier ein Gefängnis? Oder eine Nervenheilanstalt?‘, überlegte er, während er auf den Haupteingang zuging. Seine Zeit war begrenzt, wenn er nicht bald ein Fragment fand, hatten sie ein Problem., doch als er die Tür sah, wäre er am liebsten umgekehrt. Es war eine große, schwarze Doppeltür, mit Verzierungen, die auf dem ersten Blick nicht wirklich relevant erschienen. Sah man jedoch genauer hin, erkannte man verschiedenste Szenarien: Bilder von grausamen Foltern, Krankheiten, Kriegen und Tod, sowie unmenschliche Kreaturen, die einen anzustarren schienen. Shima schluckte und unterdrückte ein Schaudern. ‚Es ist nur eine Tür. Nur eine Tür, die mich bestimmt nicht fressen wird. Ugh...‘ Langsam streckte er die Hand aus und drückte die Klinke herunter, doch nichts geschah. Bevor er sich entscheiden konnte, ob er nun erleichtert oder enttäuscht sein soll, erklang ein Klicken und die schweren Türflügel schwangen auf. „Das werde ich bereuen...”, murmelte er und betrat das Gebäude. Er fand sich in einer kleinen Empfangshalle wieder, welche in einem sehr heruntergekommen Zustand war. Die graue Tapete schälte sich von den Wänden, der Holzboden war dreckig und teilweise vermodert. Möbel gab es keine, bis auf mehrere Holzbänke, welche wohl schon bessere Tage gesehen hatten, einer Rezeption und einer Standuhr, die jedoch nicht mehr lief. An der Seite waren zwei Türen, welche wahrscheinlich auf die Besuchertoiletten führten und zwei weitere befanden sich hinter der Rezeption. Er versuchte zuerst die Toiletten zu betreten, doch die Türen waren verschlossen, woraufhin er sein Glück bei der Rezeption versuchte. Auf dem Tisch stand ein altmodischer Computer, ein Schnurtelefon sowie mehrere Ordner. Neugierig durchsuchte er die Schubladen, in der Hoffnung einen Schlüssel oder etwas anderes nützliches zu finden. Leider wurde er nicht fündig, doch es schien, als hätte etwas vor kurzem noch in einer der Schubladen gelegen: Rundherum war Staub, doch in der Mitte nicht. Vielleicht war wirklich einer seiner Freunde hier gewesen. Er beschloss die linke Tür hinter der Rezeption auszuprobieren und tatsächlich öffnete sie sich quietschend. Dahinter befand sich wohl ein Pausenraum für die Angestellten. Eine Küchentheke war dort, einige Tische und Stühle sowie ein Bücherregal, ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine und ein Telefon an der Wand. Er schaltete die Lampe seines Handys an und durchsuchte schnell das Zimmer, doch fand nichts bis auf verrottendes Essen im Kühlschrank zusammen mit mehreren Brocken blutigem und ebenfalls verwesenden Fleischbrocken in Glasbehältern. Der Gestank ließ ihn beinahe brechen, daher schloss er schnell die Tür und verließ den Raum. Dafür hatte er eine Karte der Anlage gefunden, die ihm hoffentlich weiterhelfen würde. Nun öffnete er die rechte Tür hinter der Rezeption und betrat das Zimmer dahinter. Es schien eine Sicherheitskontrolle zu sein, sicher war er nicht, aber es würde Sinn machen. Da es nicht wirklich etwas zu durchsuchen gab, ging er weiter. Laut der Karte war der Ort nicht allzu riesig. Er beschloss, sich zuerst den rechten Block vorzunehmen. Dort befanden sich Räume, die man erwarten würde: Eine Cafeteria, Waschräume, Räumlichkeiten für das Personal sowie mehrere Zellen, Krankenstationen und ein Aufenthaltsraum. Jeder Raum wirkte herunter gekommen und dreckig, aber gefunden hatte er bisher leider nichts. Hin und wieder krabbelte irgendwelches Ungeziefer auf dem Boden entlang, sodass es jedes Mal eine gewaltige Überwindung kostete, weiterzugehen. ‚Wenn ich nach all diesen Viechern den Test nicht bestanden habe, dann weiß ich auch nicht mehr...abgesehen davon fühle ich mich, als wäre ich direkt in einem Silent Hill Spiel gelandet. Hoffentlich ist es das hier wirklich wert.‘ Nervös sah er sich um, während er in der Krankenstation nach etwas nützlichem suche. Er hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, beobachtet zu werden und hörte außerdem immer wieder ein seltsames flüstern, das er dummerweise nicht genau verstehen konnte. Schlussendlich fand er zumindest einen Schlüssel, doch er konnte nicht lesen, was auf dem Etikett stand. Er steckte ihn ein, um ihn später auszuprobieren. Wieder auf dem Flur angekommen, fragte er sich, wie viel Zeit wohl bereits verstrichen war. Vielleicht sollte er einfach das Gebäude verlassen und anderswo sein Glück versuchen. Zuerst probierte er jedoch den gefundenen Schlüssel an einigen Türen aus, leider erfolglos. Schließlich stand er vor einer weiteren Doppeltür und versuchte erneut den Schlüssel zu verwenden. Dieses Mal passte er und die Türen schwangen mit einem Knarren auf. Renzo war nicht wirklich wohl dabei, doch er betrat langsam den Raum. Es gab keine Fenster, daher war es hier besonders dunkel. Nach einer Weile erkannte er allerdings, wo er sich befand und er machte sofort kehrt. ‚Ich treibe mich ganz sicher nicht in einem Leichenschauhaus rum!‘ Dummerweise schien das Fegefeuer andere Ideen zu haben,
denn mit einem lauten Knallen schlugen die Türen zu und ließen ihn erschrocken zusammenfahren. ‚Ok Renzo, ganz ruhig. Es sind nur die Türen zugefallen. Keine große Sache.‘, redete er sich ein, aber bereits jetzt stand ihm der Schweiß auf der Stirn, obwohl es bitterkalt war. Er ging weiter zum Ausgang, doch ein Scharren ließ ihn kurz inne halten. ‚...Nicht umdrehen. Das wollen sie nur.‘ Er beschleunigte seine Schritte. Dummerweise folgte das Scharren ihm und schien sogar noch intensiver zu werden. Schluckend versuchte sich der pinkhaarige Adept nichts anmerken zu lassen, aber erstarrte mitten in der Bewegung als er die Stimme seines Vaters hörte. „Renzo? Wohin gehst du?” Sein Magen verkrampfte sich und auch wenn er es besser wissen sollte, drehte er sich langsam um und stieß einen Schrei aus. Die halb verweste Leiche seines Vaters kroch auf ihn zu, aus seinem Mund, der Nase, den Ohren und den Augenhöhlen quellten Maden, Fliegen und anderes Getier. ‚Nein, nein, nein!‘, dachte er panisch und griff nach seinem K'rik. Er durfte jetzt nicht durchdrehen, er musste sich zusammenreißen! Sämtliche (ohnehin kaum vorhandene) Entschlossenheit verschwand, als er feststelle, dass nicht nur sein Vater da war. Nun krochen auch seine Brüder sowie mehrere aus dem Tempel bekannte Gesichter auf ihn zu. Sein gesamter Körper erstarrte, als die Krabbeltiere zu Boden fielen und begannen auf ihn zu zukreichen. Irgendetwas sagte ihm, dass sein Insektenspray wohl nicht ausreichen würde.


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Tatsächlich war Shimas Vermutung, dass sich noch jemand im Gebäude befand, absolut korrekt. Konekomaru war nach seiner Begegnung mit Iblis noch eine ganze Weile umhergeirrt bis er in ein scheinbar neues Gebiet gelangte und dort das Gefängnis vorfand. In der Hoffnung ein Fragment oder einen seiner Freunde zu finden, hatte er sich alleine in die dunkle Halle gewagt, sich den Schlüssel aus der Schublade der Rezeption genommen und auf die Suche begeben. Da die Tür zuvor verschlossen gewesen war, erschien es eher unwahrscheinlich, dass jemand außer ihm hier war, doch er hoffe zumindest darauf, eines der Teile zu finden. Bisher war er glücklicherweise von Visionen verschont geblieben, ganz abgesehen von einigem unheimlichem Geflüster und seltsamen Gestalten, die ihn zu beobachten schienen. Dieser Ort jagte ihm wahrhaftig einen Schauer über den Rücken, erst recht als er sich in einem alten Hinrichtungsraum wiederfand. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, verließ er das Zimmer fluchtartig und wurde erst langsamer, als er ein ganzes Stück weiter weg war. „Konekomaru..., ertönte ein Flüstern, das ihn zusammenfahren ließ. Nervös schaute er hin und her, ohne etwas zu sehen. Hatte er sich die Stimme eingebildet? Höchstwahrscheinlich nicht, hier geschah nichts ohne Grund, so viel hatte er sich bereits zusammenreimen können. Dieser Ort trotzte jeglicher Logik und diversen Gesetzen, die man aus Assiah kannte, das hatte er längst begriffen. Allerdings waren Assiah und Gehenna nach wie vor Spiegelwelten, weswegen der Adept vermutete, dass dies der Grund für die ganzen Gebäude und Ruinen war: Wahrscheinlich existierte das Gefängnis, in dem er sich gerade befand, irgendwo in der Menschenwelt und das Fegefeuer reflektierte und verzerrte es. Je mehr er darüber nachdachte, umso mehr würde es Sinn machen, wenn das Fegefeuer wirklich auf eine gewisse Art lebendig war. Es wuchs und passte sich an, es kannte die Ängste und Gedanken seiner Opfer und konnte entsprechend darauf reagieren. Wäre es nicht so verdammt unheimlich, würde es ihn wirklich faszinieren, auch wenn all dies nur Vermutungen waren. Er wurde aus seinen Grübeleien gerissen, als erneut die Stimme ertönte. Natürlich war er nicht so naiv, ihr zu folgen, sondern drehte sich um und verließ den Flur. Die meisten Gänge und Räume kannte er bereits, daher schlug er einen neuen Weg ein und warf erneut einen prüfenden auf seine Karte, die er im Foyer gefunden hatte. Er beschloss sich in einem der Gemeinschaftsräume umzusehen und hielt inne, als er vertraute Stimmen ertönten. Sie klangen wie Bon, Shima und Rin. Sofort rannte er los, wissend, dass es eine Falle sein konnte, aber so schnell wollte er die Hoffnung nicht aufgeben. Die Stimmen kamen aus einer größeren Halle, welche laut der Karte ein Trainingsraum war. Kaum stand er in der Tür, hielt er entsetzt inne. Bon saß zusammengesunken an der Wand, die übrigen Adepten, Shura und Yukio lagen derweil (hoffentlich) bewusstlos am Boden. Konekos Aufmerksamkeit galt allerdings der Person in der Mitte. Es war Rin, nur stimmte etwas an ihm ganz und gar nicht. Er hatte sein Schwert gezogen, stand in Flammen, und schien sich absolut nicht darum zu scheren, dass seine Freunde verletzt waren. Im Gegenteil, nach einigen Sekunden wurde Konekomaru bewusst, dass der Nephilim lachte. Es war nicht das typische Lachen, dass er von ihm kannte, sondern wirkte wahnsinnig und schrill, beinahe schon hysterisch. „O-Okumura?! Was tust du da?!” Der Halbdämon drehte sich langsam um und grinste ihn an. Sein Gesicht und seine Klamotten waren mit Blut bespritzt und etwas sagte dem Brillenträger, dass es nicht seins war. „Hey, Konekomaru.”, begrüßte der Nephilim ihn lässig. „Wie geht's denn so? Freut mich, dass du auch hier bist, wir haben uns wirklich Sorgen um dich gemacht! Und was wir hier tun...na ja, ich wollte einfach etwas Spaß haben.” Ohne es zu wollen, trat Koneko einen Schritt zurück, zu schockiert, um etwas zu sagen. „Weißt du, immer musste ich mich zurückhalten und meine Flammen unterdrücken.”, fuhr der Halbdämon fort und strich mit einer Hand über die blutige Schwertklinge, das schmerzerfüllte Stöhnen im Hintergrund ignorierend. „Ich habe es nie zugegeben, aber es war ein furchtbares Gefühl, so als würde ich versuchen ein wildes Tier in einem viel zu kleinen Käfig zu halten. Ich hatte Angst, ich dachte, es gäbe nichts schlimmeres, als sie raus zulassen, aber jetzt...”, er unterbrach kurz, was er zu sagen hatte und begann erneut zu lachen bevor er weitersprach. „Jetzt nicht mehr...ich habe sie rausgelassen und war noch nie so zufrieden mit einer Entscheidung! Es ist so ein geiles Gefühl, man kann es nicht mal in Worte fassen! Ich hatte immer Angst, dabei hatte ich keinen Grund, weil ich stärker als je zuvor bin und niemand wird mich mehr rumschubsen. Nicht der Vatikan, nicht die Exorzisten und ganz sicher auch nicht mein dummer Bruder oder meine angeblichen Freunde! Jetzt kann ich endlich alles raus lassen und da ihr meine Freunde seid, habt ihr doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich euch zu Asche verbrenne, nicht wahr?” Damit kamen seine Flammen noch stärker hervor und tauchten den gesamten Raum in ein blaues Licht. „Konekomaru, lauf!”, stieß Bon hervor. „Okumura hat den Verstand verloren!” Rin sah den Adepten abfällig an und ging mit gezogenem Schwert auf ihn zu. „Hey, das ist ziemlich gemein sowas über einen Freund zu sagen...na ja, ich schätze, dann verbrenne ich dich eben zuerst.~” Dies riss Koneko aus seiner Schockstarre. „Hör auf!”, verlangte er mit leicht zitternder Stimme, was den Sohn Satans nur zum lachen brachte. „Sonst was? Als ob ein Schwächling wie du etwas ausrichten könntest. Du bist für alle nur eine Last und zu nichts zu gebrauchen. Du wirst immer auf die Hilfe anderer angewiesen sein, weil du alleine zu schwach bist. Du bist eine Schande für deine Familie und ich wette, deine Eltern würden mir da zustimmen.” Seine Worte taten weh, sehr sogar, allerdings begann Konekomaru trotz seiner Panik über die ganze Situation nachzudenken. Irgendetwas war hier nicht richtig und er erkannte schnell, was es war. „Ich weiß, dass das nicht echt ist. Es hieß in der Wette, dass wir uns nicht bekämpfen dürfen, würde das hier wirklich passieren, hätten wir schon verloren. Abgesehen davon vertraue ich Okumura und weiß, dass er sowas nie tun würde!” Es musste so sein, das Fegefeuer machte sich nur seine eigenen Unsicherheiten zunutze, er würde allerdings nicht einknicken, egal was kommen möge! Der falsche Rin lachte hämisch. „Ach wirklich? Das sind ja mal ganz neue Töne. Du warst es doch, der ewig Schiss hatte und der Meinung war, dass ein Kind Satans nur Verderben bringen kann. Allerdings hattest du schlussendlich damit recht: Ich will endlich, was mir zusteht! Assiah wird vor mir niederknien und jeder, der ja an mir gezweifelt hat oder mich tot sehen wollte, wird zahlen. Darum fange ich gleich mit euch an!” Innerhalb eines Wimpernschlages stand er über Bon, griff in seine Haare und riss seinen Kopf hoch. „Wenn das hier angeblich nur eine Vision ist, sollte dich das nicht stören, oder?” Bevor Konekomaru etwas sagen konnte, rammte der Dämon sein Schwert in Bons Rücken, sodass es wieder an der Brust austrat. Bon hustete Blut hervor, während Rin lachte. „Ist nicht persönliches...na eigentlich schon. Ihr steht mir im Weg, also will ich euch bluten sehen.” Zu Konekos Entsetzten gingen die Flammen von der Klinge auf Bon über und er musste hilflos zusehen wie sein Freund, der vor Schmerzen schrie, innerhalb weniger Sekunden verbrannt wurde. So musste es damals zu blauen Nacht gewesen sein: Keiner konnte sich gegen Satans Angriff wehren, alle konnten nur zusehen wie die Menschen um sie herum starben und beten, dass es sie nicht treffen würde. Erschrocken wich er zurück und stieß mit dem Rücken gegen die verschlossene Türen. Er rief sich in Erinnerung, dass alles nur eine Vision war, den Aufschrei konnte er sich trotzdem nicht verkneifen. Es wirkte einfach zu echt. Der falsche Rin war offensichtlich zufrieden und wandte sich an den Rest, der noch immer bewusstlos war. „So, wer ist als nächstes dran?” Konekomaru zwang sich aus seiner erneuten Schockstarre und überlegte fieberhaft, was er tun solle. Laut den Dämonenkönigen mussten sie sich ihrer Angst stellen, wenn sie es nicht taten oder wegliefen, galt die Wette als verloren. Zwar wusste er, dass das vor ihm nur eine Illusion war, doch da der falsche Rin weiter machte, hatte er es offenbar noch nicht geschafft, diese Angst zu überwinden. Etwas widerwillig gestand er ein, dass ein kleiner Teil noch immer besorgt war, dass der Nephilim eines Tages die Kontrolle verlieren würde. Es musste nicht mal seine Schuld sein, aber wenn seine Freunde verletzt wurden oder gar starben, würde er sich das nie verzeihen können. Er schloss kurz die Augen, holte tief Luft, lief los und versuchte gar nicht erst die Kreatur anzugreifen, sondern stellte sich schützend vor seine Freunde. Ihm war eine wahnwitzige Idee gekommen und er war nicht sicher, ob es wirklich funktionieren würde. Ziel war es nicht Illusionen zu erkennen, stattdessen musste er sich seinen Ängsten stellen, es würde daher nichts bringen, wenn er nur darauf beharrte, dass nichts echt war. Er musste die Situation behandeln, als wäre sie real und sie überwinden. ‚Hoffentlich liege ich richtig.‘, flehte er im Stillen. "Rin" sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Und was soll das werden, wenn es fertig ist? Hast du neuerdings Suizidgedanken?” Der Brillenträger ignorierte die Provokation und redete darauf los, ohne großartig nachzudenken. „Okumura, bitte hör auf!”, bat er das Wesen, als wäre es der echte Rin. „Das bist nicht du! Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist unter den ganzen Exorzisten-” Die
Kreatur schnaubte. „Schwer?!”, unterbrach es ihn giftig. „Meine angeblichen Freunde behandeln mich wie eine tickende Zeitbombe und der Vatikan will mich umbringen, weil ich es gewagt habe, geboren zu werden. Tu nicht so, als könntest du es verstehen.” Koneko erlaubte sich einen kurzen Hoffnungsschimmer. Es reagierte wie der echte Rin es tun würde, also schien er auf dem richtigen Weg zu sein! „Du hast recht, ich kann mir das nicht vorstellen.”, fuhr er ruhig fort, woraufhin der Nephilim ihn misstrauisch ansah. „Wahrscheinlich musstest du eine Menge durchmachen bevor wir uns getroffen haben und es ist mehr als angsteinflößend zu wissen, dass man beim kleinesten Fehltritt hingerichtet wird. Mal ganz davon abgesehen, ständig daran erinnert zu werden, dass der eigene Vater Satan ist, der ist alles daran setzt dich in die Finger zu bekommen, aber du bist nicht allein. Du musst dich all dem nicht ohne Freunde stellen, weil wir da sind und dir helfen werden, ganz egal was passiert! Ich weiß, ich habe mich dir gegenüber damals unmöglich verhalten und es gibt keine Entschuldigung dafür. Ich habe mich zu sehr von meiner Angst übernehmen lassen, dafür schäme ich mich und ich bereue es sehr. Darum möchte ich erneut sagen: Es tut mir leid! Ich lag falsch, aber es liegt in der Vergangenheit, dieses Mal lasse ich dich nicht allein!” Der Doppelgänger sagte nichts und sah ihn verwirrt an, aber er ließ sich nicht beirren und machte weiter. „Die anderen und ich glauben an dich, wir wissen, dass du deine Kräfte irgendwann meistern wirst! Es spielt keine Rolle, wer dein Vater ist oder ob die Baal nun deine Halbbrüder sind oder nicht. Du bist du, du kannst deinen eigenen Weg wählen und musst dich dabei nicht mal ansatzweise nach den Dämonen richten. Es ist deine Entscheidung, also entscheide dich! Wenn du mich hier töten willst, dann gut, aber denke daran: Es ist nicht so aussichtslos wie du glaubst. Nichts ist in Stein gemeißelt!” Damit beendete er seinen Redeschwall. Er war nicht sicher, woher diese ganzen Worte kamen und wahrscheinlich klangen sie ziemlich kitschig, doch es kümmerte ihn nicht, denn er hatte jedes Wort ernst gemeint. Seine Angst würde ihn nicht länger beherrschen, er würde Rin beistehen, komme was wolle. Der Nephilim war eine gute Person, daran konnte seine Pseudo-Dämonenfamilie nichts ändern. Für einen Moment herrschte Stille, dann zuckten erneut die blauen Flammen auf und schossen auf ihn zu. Koneko zuckte erschrocken zusammen, aber versuchte nicht davon zu laufen. ‚Es ist nur eine Vision, ich darf nicht weglaufen.‘ Die Flammen trafen ihn und für einen Moment sah er nur noch blau, Schmerzen bleiben allerdings aus. Er kniff kurz die Augen zusammen und als er sie wieder öffnete, war der Spuk vorbei. Niemand war ihm Raum, der Adept war wieder alleine. Erleichert atmete er auf und sank zu Boden. Er hatte es tatsächlich geschafft! Er, der immer von so vielen als Angsthase verpönt worden war! Für einen Moment erlaubte sich der angehende Aria einen Moment der Ruhe, welcher nur kurz währte, da er von einem Schrei unterbrochen wurde. ‚Das klang nach Shima!‘ Sofort rannte er los. Selbst wenn es nur eine weitere Illusion war, er musste ganz sicher sein! Die Schreie kamen aus einem Raum, dessen Türen fest verschlossen waren. „Shima? Shima! Bist du das?! Was ist los?! Shima!”


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Renzo war kurz davor aufzugeben und Beelzebubs Namen zu rufen. Die Wesen, welche wie seine Familie aussahen, hatten ihn zu Boden gerungen, wo er von allen möglichen Krabbeltieren belagert wurde. Es war einfach zu viel, er konnte das nicht! . „Shima? Shima! Bist du das?! Was ist los?! Shima!” Seine Augen weiteten sich. Das klang noch Konekomaru! „Hilfe!”, rief er, die Stimme höher als normal. „Hier ist alles voll mit- Igitt, weg von mir!” Verzweifelt versuchte er seine Peiniger loszuwerden, aber es hörte nicht auf. „Shima, du musst dich dem stellen!” Sich dem stellen?! Wie sollte das gehen?! Er dachte an die anderen, die wahrscheinlich noch immer im Fegefeuer herumliefen und wie einfach es wäre hier herauszukommen, wenn er nur den Namen des Insektenkönigs rief. Damit traf er seine Entscheidung.


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Suguro sah sich staunend in dem Tempel um, nicht ganz sicher wie er hergekommen war. Es war genau der Tempel, den Satan in der blauen Nacht heimgesucht hatte, daran gab es keinen Zweifel. Er hatte mehrere Bilder gesehen und die Beschreibungen seines Vaters waren ebenfalls sehr genau gewesen. Langsam durchsuchte er die verschiedenen Räume und kam schlussendlich vor einer Wand zu stehen. Etwas steckte darin, was dort offenbar nicht hingehörte. Es war ein schwarzer Stein mit einigen seltsamen Maserungen. Langsam trat der Adept näher, streckte die Hand aus und berührte ihn, nur um die Hand ruckartig zurückziehen. Qualvolle Schreie waren zu hören gewesen, nur sofort zu verstummen, als er die Hand weggenommen hatte. Nun fiel ihm auf, dass der Stein scheinbar irgendwo herausgebrochen war und erkannte ihn endlich als ein Fragment. Zögerlich streckte er erneut die Hand aus und brach ihn aus der Wand, die Schreie ignorierend. Dann steckte er ihn ein und wandte sich um, um schnellstmöglich wieder zu gehen, worauf natürlich nichts wurde. Plötzlich erfüllte eine furchtbare Kälte den Tempel, die langsam seinen Rücken hinunterkroch als würden Finger aus Eis darüberstreichen. Etwas sagte ihm, dass er sofort weg musste, sein Körper wollte allerdings nicht gehorchen. Ein Lachen war zu hören, erfüllt mit Grausamkeit und die Häme, aber er konnte niemanden entdecken. „Wer bist du?!”, fauchte er, das wachsende Gefühl der Angst ignorierend. „Komm raus und zeig dich!” Das Lachen wurde noch lauter, dann beruhigte sich die Person endlich. „Du willst mir Befehle geben? Ihr Sterblichen solltet euch an euren Platz erinnern.”, antwortete eine tiefe Stimme, die Macht und Autorität ausstrahlte und ihm eine Gänsehaut bereitete. „Das beantwortet nicht meine Frage, du Bastard! Wer zur Hölle bist du?” Wieder begann die Stimme zu lachen, was ihm gehörig auf die Nerven ging, dann bekam er endlich eine Antwort. „Ich würde an deiner Stelle vorsichtig mit deinen Worten sein. Ich könnte dich einfach wie ein Insekt zerquetschen. Was deine Fragen betrifft: Ich denke, du weißt wer ich bin und was ich will.” Bon zögerte und presste schlussendlich voller Abscheu seine Vermutung hervor. „Satan.”

„Und wir haben einen Gewinner!~ Nicht schlecht, manche Exorzisten verfügen offenbar über mehr als drei Gehirnzellen. Wirklich eine Überraschung, vor allem, wenn man bedenkt, dass du wirklich glaubst, mich besiegen zu können .”, höhnte der Dämonenherrscher. Die Augen des Adepten weiteten sich, als ihm klar wurde, dass Satan von seinem Ziel wusste, obwohl dies unmöglich war. Mephisto war der einzige, der ihm davon hätte erzählen können, doch selbst er sollte nichts davon wissen. ‚Also hat er es entweder rausgefunden oder das hier ist nur eine Vision. Er ist nicht der echte Satan. Hätte mich auch überrascht, er wird kaum Interesse an mir haben, also warum sollte er auftauchen?‘, stellte er langsam fest, nachdem der erste Schrecken abgeklungen war. Dennoch raste sein Herz und kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. „Was willst du von mir?!”, rief er. „Fragst du mich das wirklich? Ich will, dass du aufgibst. Der größte Teil eurer Zeit ist um und ihr habt nicht einmal die Hälfte der Fragmente. Ihr zögert nur das Unvermeidliche heraus, also gebt mir, was mir gehört!”Suguro wusste sofort, dass von Rin die Rede war und natürlich weigerte er sich. „Das kannst du vergessen, du bekommst Rin nicht. Er ist kein Gegenstand, den man besitzen kann! Ich werde nicht aufgeben. Wahrscheinlich lügst du mich sowieso an!”, knurrte er, woraufhin Satan nur genervt seufzte. „Tu nicht so, als würdest du dich für ihn interessieren. Ich weiß, was du wirklich denkst. Du hast Angst vor ihm, weil du glaubst, dass er nur ein weiteres Massaker auslösen und den Rest euer Bande umbringen wird. Selbst wenn ihr entkommt, was dann? Glaubst du, dass er gegen mich bestehen kann? Oder bildest du dir tatsächlich ein, mich besiegen zu können?” Damit hatte er einen Nerv getroffen und Bon ging sofort auf 180. „Verspotte mich nicht, natürlich werde ich das!”, fauchte er. „Es ist deine Schuld, dass unser Tempel eingeht und wir am Rande der Existenz stehen! Du bist Schuld, dass so viele Unschuldige gestorben sind, Koneko keine Eltern mehr hat und Shima mehrere Familienmitglieder und ich meinen Großvater verloren haben! Du wirst dafür bezahlen!” Er atmete schwer, vor Wut zitternd, aber erneut lachte Satan, offensichtlich unbeeindruckt. „Dummes Kind. Ich bin das älteste und mächtigste Wesen, das es gibt.Niemand kann mich besiegen, erst recht nicht ein unbedeutendes und schwaches Wesen wie du. Du bist es nicht einmal wert, getötet zu werden, sondern nur eine weitere Verschwendung einer Seele.”, höhnte er und Suguro spürte wie sein Selbstbewusstsein zusammenfiel wie ein Kartenhaus. Er gab normalerwiese nicht schnell auf oder ließ sich einfach einschüchtern, doch etwas an dem Dämonengott ließ all seine Entschlossenheit schwinden. Dennoch weigerte er sich, Satan die Genugtuung zu geben, also riss er sich so gut es ging zusammen. „Niemand ist unbesiegbar, auch du nicht!”, protestierte er. „Du-” Weiter kam er nicht, denn ohne Vorwarnung blieb ihm die Luft weg. Es fühlt sich an als würde sein Hals zugeschnürt werden. Gleichzeitig schien ein gewaltiges Gewicht auf ihm zu liegen, weswegen er kaum noch stehen konnte. „Es war eine Zeit lang ganz amüsant, aber es reicht jetzt.”, fuhr Satan fort. Sämtliche Spöttelei war verschwunden, er wirkte nun todernst und seine Stimme war kalt. „Ich habe genug gewartet und ich werde nicht zulassen, dass ein Haufen Ungeziefer meine Pläne durchkreuzt. Rin gehört mir, er ist mein Sohn und ihr habt kein Recht ihn mir vorzuenthalten. Es ist an der Zeit, dass er nach Hause kommt und den Platz einnimmt, der ihm gebührt, anstatt seine Zeit mit dieser lächerlichen Bande, die sich Exorzisten schimpft, zu vergeuden. Du kannst nicht gewinnen, gib jetzt also endlich nach. Er wird euch so oder so verraten. Willst du das wirklich riskieren? Andernfalls werden deine kleinen Freunde den Preis zahlen.” Vor seinem innerem Augen sah Bon die anderen Adepten sowie Shura und Yukio, allesamt waren von den blauen Flammen umgeben. welche langsam näher rückten bis sie sie schließlich erreicht hatten. Er hörte ihre qualvollen Schreie, doch konnte sich nicht bewegen. Nur kurz darauf sah er den Tempel, wo ebenfalls die Flammen wüteten. Er erkannte viele bekannte Gesichter unter den Toten, darunter auch seinen Vater. Sein Magen verkrampfte sich, als er den leeren Blick sah. Er hatte nicht die beste Beziehung zu seinem Vater, was aber nicht hieß, dass er ihn tot sehen wollte! Er zuckte zusammen, als von hinten eine kalte Hand auf seine Schulter gelegt wurde. „Zu zerbrechlich. Zu verängstigt. Zu schwach.”, flüsterte Satans Stimme ihm ins Ohr. „Wie willst du mich besiegen, wenn du nicht mal jemanden retten kannst? Du bist nur ein menschliches, schwaches, erbärmliche und nutzloses Wesen. Meine Macht kennt dagegen keine Grenzen. Das haben die Exorzisten vor knapp 16 Jahren selbst festgestellt.” Der Tempel war nun nicht länger leer sondern rammelvoll, aber Bon kannte keinen der Mönche. Dafür entdeckte seinen wesentlich jüngeren Vater zusammengekauert in der Ecke und begriff was los war. Dieses Wesen zeigte ihm die blaue Nacht. Ein Mönch nach dem anderen brach schreiend zusammen und die blauen Flammen wüteten weiter wie ein wildes, unersättliches Tier. So schnell wie es angefangen hatte, endete es. Plötzlich spürte er wie das Gefühl in seine Beine zurückkehrte und wie von der Tarantel gestochen machte er seinen Satz nach vorne. Er griff seine Pistole, welche er vorsichtshalber mitgenommen hatte und wirbelte herum, nur um zu erstarren als nicht etwa Satan vor ihm stand, sondern Rin. Seine Ohren und Zähne waren länger, seine Augen waren die eines Dämonen und seine Flammen umhüllten ihn. Er grinste gemein und sah ihn mit verschränkten Armen an. „Überrascht?”, fragte er mit der Stimme des Dämonengottes. Bon antwortete nicht, er umklammerte nur fester seine Waffe, während es in seinem Gehirn zu arbeiten begann. Er hatte keinen Zweifel daran, dass dies eine Vision war, hatte allerdings keine Ahnung, was er genau tun sollte. Noch nie hatte er sich wirklich Gedanken über seine größten Ängste gemacht, wie sollte er sie dann überwinden? Den Visionen nach zu urteilen, hatte er wohl Angst, dass seine Freunde zu Schaden kamen und er nicht stark genug war, um seinen Schwur Satan zu besiegen, zu erfüllen. Aber was nun? Diese Ängste waren natürlich, wie sollte man sie hinter sich lassen? Das Wesen vor ihm schien keine Anstalten zu machen zu verschwinden und abzuhauen stand außer Frage, daher bleib eigentlich nur Augen zu und durch. Er holte kurz Luft, dann ließ er die Pistole sinken. Waffen würden hier nichts bringen, er musste das mit seinem Verstand lösen. „Du kannst mich nicht einschüchtern!”, begann er, nicht sicher, was er sagen sollte. „Mag sein, dass ich niemals stark genug sein werde oder dass nur Okumura dich erledigen kann, aber ich werde es trotzdem versuchen und wenn ich dabei drauf gehe!” Es verdrehte nur die Augen und schnaubte. „Das schon wieder?”, grummelte er, sichtlich gelangweilt, der Adept ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. „Ja, das wieder! Ich glaube nämlich, dass du gar nicht so selbstsicher bist, wie du tust.”, knurrte er. „Wahrscheinlich haben die anderen längst Fragmente gefunden und darum versuchst du mich so verzweifelt dazu zu bringen auszusteigen.” Damit hatte er offenbar ins Schwarze getroffen, denn es stieß ein Zischen aus und trat einen Schritt zurück, während es ihn hasserfüllt anstarrte. „Du hast in einer Sache recht: Ich bin mir nicht sicher, ob Rin das wirklich alles gepackt bekommt. Seine Flammen könnten uns alle umbringen und er ist manchmal einfach nur ein Vollidiot.” Sein Gegenüber wollte etwas sagen, Bon ließ es nicht zu Worte kommen. „Er ist ein Idiot, aber er ist vor allem mein Freund und ich vertraue ihm. Er hat sich an seine dämonische Stärke und Selbsteilung gewöhnt, da wird er sich ja wohl auch an seine Flammen gewöhnen. Also lass mich endlich in Ruhe und verschwinde!” Der falsche Rin/Satan stieß ein lautes Kreischen aus und für einen Moment glaubte er, es würde angreifen, doch stattdessen verschwand es in einer Flammensäule. Gleichzeitig begann seine Umgebung zu verschwimmen und für einen Moment wurde alles dunkel.


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Der Garten Amahara war schon immer Shiemis Lieblingsgeschichte gewesen. Immer wieder hatte sie ihre Großmutter gebeten, ihr mehr von dem mystischen Garten zu erzählen, in dem angeblich jede Pflanze der Erde zu finden war. Es war immer ihr Traum gewesen, den Garten zu finden und der Tod ihrer Großmutter hatte diesen Wunsch nur gestärkt. Natürlich hatte sie keine Ahnung, wo sie anfangen sollte, immerhin existierten kaum Aufzeichnungen über diesen Ort. Viele vermuteten sogar, dass der Garten sich gar nicht in Assiah befand, sondern das Paradies war, in dem jene Menschen nach ihrem Tod landeten, die es verdient hatten. Andere gingen davon aus, dass er irgendwo in Gehenna war und wieder andere glaubten, er wäre in einer Art Zwischenwelt. Dennoch hatte sie den Traum nie aufgegeben und ihn stets im Hinterkopf behalten. Sie war davon ausgegangen, dass sie ihn erst Jahre später finden würde, weswegen sie von dem, was vor ihr lag einfach nur sprachlos war. Sie stand am Rande einer Wiese, auf der verschiedenste Blumen, Kräuter, Bäume und weitere Pflanzen wuchsen. Viele von ihnen kannte sie nicht mal, obwohl sie sich schon fast ihr ganzes Leben mit Pflanzen beschäftigt hatte, auch jenen, die man nicht in Japan oder überhaupt in Asien fand. Ein klarer See sowie mehrere Bäche glitzerten im spärlichen Mondlicht und ein süßer Geruch lag in der Luft. Mit offenem Mund und zitternden Knien ging Shiemi langsam vorwärts. Das konnte nicht sein! Hatte sie tatsächlich den Garten Amahara gefunden? Sie konnte ein kurzes freudiges Lachen nicht unterdrücken, doch dann blieb sie angewurzelt stehen. Noch immer freute sie sich, aber ein wenig seltsam war es schon. Sie waren hier im Fegefeuer und zuvor war alles hier tot und verdorben gewesen. Warum sollte ein von Gott geheiligter Ort ausgerechnet hier sein? Eine vertraute Stimme ließ jedoch den kleinen Funken des Misstrauens sofort erlöschen. „Oma?!”, fragte sie fassungslos und wandte sich in die Richtung aus der die Stimme kam. Ihre Augen weiteten sich und Tränen drohten hervorzuquellen. Vor ihr stand wirklich ihre geliebte Großmutter und lächelte sie warm an. Nun liefen die Tränen ihre Wangen hinunter und ihre Stimme zitterte. „O-Oma...I-I-Ich...” Ohne ein weiteres Wort lief sie zu ihr und umarmte sie, was die ältere Frau sofort erwiderte. „Shiemi...ich habe so lange auf dich gewartet.”, flüsterte sie ihr zu. „Ich hatte schon Sorge, du hättest mich vergessen...” Shiemi schüttelte heftig den Kopf, trat zurück und wischte ihre Tränen fort. „Natürlich nicht, ich könnte dich niemals vergessen!”, rief sie entsetzt. „Ich habe immer an dich gedacht und mich jeden Tag um deinen Garten gekümmert! Dabei habe ich mir auch weiter vorgenommen den Garten zu suchen, aber ich...hatte einige Probleme.” Sie zögerte und beschloss den Dämonen nicht zu erwähnen. „Aber dafür habe ich jetzt endlich Freunde gefunden! Und ich gehe an eine Schule! Na ja, es ist eine Schule für Exorzisten, aber trotzdem! Ich kann sogar inzwischen einen Begleiter rufen, sein Name ist Nii und-” Sie hielt inne, als sie das traurige Gesicht der alten Frau sah. „W-Was ist denn? Freust du dich denn nicht für mich?”, fragte sie verwirrt, woraufhin ihre Großmutter seufzte. „Du hast mich anscheinend doch vergessen, wenn du mich so schnell ersetzen konntest und sogar unseren Garten im Stich gelassen hat.” Shiemis Herz setzte einen Schlag aus und sie schüttelte schnell den Kopf. „Natürlich nicht! Ich helfe Mama immer noch im Laden und kümmere mich um den Garten! Aber ich wollte nicht mehr schwach sein und immer allen zur Last fallen, darum möchte ich Exorzistin werden und anderen helfen!” Die Adeptin glaubte, dass die alte Dame sie verstehen würde, doch sie sah nun noch enttäuschter aus. „Anderen helfen? Shiemi, wie willst du anderen helfen, wenn du dich nicht mal unter Leute traust? Die Exorzisten bedeuten immer Ärger, es ist viel zu gefährlich und deine angeblichen Freunde werden dich schlussendlich nur ausnutzen. Es wäre besser gewesen, wenn du im Garten geblieben wärst wie du es versprochen hast. Aber stattdessen hast du mich bei der ersten Gelegenheit ersetzt nachdem ich deinetwegen gestorben bin!” Ihre Worte waren ein Stich ins Herz und die Blondine zuckte zusammen, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen. Erneut liefen Tränen ihre Wangen hinab, dieses Mal nicht aus Freude. „I-Ich...Es tut mir leid! Ich wusste nicht, dass sowas passieren würde! Hätte ich es gewusst, hätte ich dir geholfen, aber du hast gesagt, dass ich ruhig gehen soll-”

„Also willst du mir die Schuld geben, nur damit du ein reines Gewissen hast und dann ersetzt du mich?”, unterbrach ihre Großmutter sie kalt. „Ich habe besseres von dir erwartet. Ich bin sehr enttäuscht von dir, Shiemi.” Nun verstand die Adeptin gar nichts mehr. Das klang gar nicht nach ihrer Großmutter, sie hätte sich eigentlich freuen müssen! Sie sank etwas zusammen, als sie sich ihre Worte durch den Kopf gehen ließ. Wenn sie nur etwas eher nach Hause gekommen oder gar nicht erst weg gegangen wäre, dann würde ihre Großmutter noch leben. Hatte sie sie wirklich verraten, als sie sich Freunde gesucht hatte? Stumm hörte sie zu, wie ihre Oma, die Person, die sie mehr als jeden anderen bewundert hatte, sie weiterhin beschimpfte und machte sich gar nicht erst die Mühe ihre Tränen zurück zu halten. Doch dann regte sich etwas in ihr und sie ballte ihre Hände zu Fäusten. „Du liegst falsch.”, flüsterte sie zu ihrer eigenen Überraschung. „Wie bitte?”, kam die verwirrt klingende Antwort. „DU LIEGST FALSCH!”, schrie Shiemi und war selber von ihren lauten Stimme erschrocken, doch sie erholte sich schnell. „Es tut mir leid, wenn ich geblieben wäre, dann würdest du vielleicht noch leben, aber das heißt nicht, dass es meine Schuld ist! Außerdem solltest du ganz genau wissen, dass ich dich nie ersetzen könnte! Du warst es, die mich dazu ermutigt hat, mir Freunde zu suchen und genau das habe ich gemacht! Rin, Yuki-chan, Izumo, Suguro, Konekomaru und Shima sind meine Freunde und Shura-sensei auch irgendwie!”, verkündete sie stolz und sah entschlossen in das Gesicht der alten Frau. „Rin hat mir gezeigt, dass es keinen Sinn macht, Trübsal zu blasen und ich stärker werden muss! Darum möchte ich Exorzisten werden! Um stärker zu werden und anderen zu helfen! Wenn du wirklich meine Großmutter wärst, würdest du das verstehen und dich für mich freuen, also geh weg, was auch immer du bist!” Für einige Sekunden herrschte Stille. Kein Luftzug regte sich, nichts raschelte und sogar das Wasserplätschern war verstummt. Zudem fühlte sie sich plötzlich unwohl und es war sehr kalt. „...So ist das also.”, unterbrach ihre Großmutter die Stille. „Wie enttäuschend.” Shiemi stieß ein Keuchen aus, als vor ihren Augen sämtliche Pflanzen und Bäume eingingen und das Wasser sich langsam rot färbte. Schwarze Dornenbüsche schossen aus dem Boden und umkreisten die Wiese wie eine undurchdringliche Mauer. Was ihr jedoch weit mehr Angst machte, waren die Veränderungen der Kreatur, die sie für ihre Großmutter gehalten hatte. Der Körper war zu einem Großteil verwest, die Haare waren dreckig und durcheinander, teilweise schienen ganze Büschel zu fehlen und Maden begannen unter Haut hervorzukriechen. Erschrocken kreischte die Adeptin auf und wollte weglaufe, blieb dabei dummerweise an einer Wurzel hängen und fiel, sodass sie nur versuchen konnte, von dem Wesen wegzukriechen. Natürlich folgte es ihr und immer wieder einzelne Sätze mit der Stimme ihrer Großmutter zu hören. Sie fragte, warum Shiemi sie im Stich gelassen hatte, warum sie sie einfach vergessen hatte, doch die Adeptin brachte kein Wort heraus. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, also stand sie schnell auf und wich langsam zurück bis sie gegen jemanden stieß. Mit einem erschrockenen Quieken fuhr sie herum und spürte wie Hoffnung in ihr ausstieg. Vor ihr stand Yukio und starrte sie an. Sie ging auf ihn zu und griff ihn am Arm. „Yuki-chan! Ich bin so froh, dass du hier bist! Ich-” Die Ohrfeige, die er ihr verpasste, hallte laut wider und sie hielt sich mit weit aufgerissenen Augen die Wange, die dumpf pochte. „Fass mich nicht an, du nichtsnutzige Enttäuschung!”, fuhr er sie an. „Warum sollte ich dir helfen? Und was bildest du dir ein, dass du mir irgendwelche dummen Spitznamen gibst?! Wir sind keine Freunde, wer würde schon mit jemanden wie dir etwas zu tun haben wollen?” Fassungslos starrte sie ihn an, sicher, dass sie sich verhört hatte, aber er war noch nicht fertig. „Du bekommst nicht einmal die einfachsten Aufgaben hin! Warum bist du nicht in deinem dämlichen Garten geblieben, wo du niemanden störst?!”

„Weil sie einfach zu dumm ist, um zu begreifen, dass keiner mit ihr befreundet sein will.”, antwortete eine ebenfalls vertraute Stimme in einer hochnäsigen Tonlage und Shiemi entdeckte nun Izumo, die sie mit verschränkten Armen ansah. Ihr Blick war kalt und desinteressiert. „Sie nervt mich immer wieder, aber ich werde sie einfach nicht los. Sie ist wie ein nerviger Parasit...eine Kakerlake, die einfach nicht sterben will!” Shiemi verstand nun endlich, was los war. All das hier war eine der erwähnten Visionen. „Geht weg, ihr seid nicht echt!”, rief sie mit zitternder Stimme. „Bist du dir da so sicher?”, hörte sie nun Rin fragen. Er war plötzlich neben Yukio aufgetaucht und sah sie ebenfalls kalt an. „Ich hätte dich damals einfach ignorieren sollen, aber ich hatte irgendwie Mitleid mit dir. Wenn ich gewusst hätte, dass du uns deswegen so auf die Nerven gehst, hätte ich es lieber sein lassen.” Die Worte taten weh und Shiemi spürte wie ihre Entschlossenheit langsam wegbröckelte. „Das ist nicht wahr, Rin würde sowas nicht sagen!” Der Doppelgänger schnaubte. „Es ist aber, was ich denke. Du hälst nur alle auf und bist immer am rumjammern. Du warst bei unserem Camping Trip im Wald komplett nutzlos und bei dem Aufrag im Hotel genauso. Du schaffst es ja nicht mal mehr deinen magischen Diener zu rufen! Offenbar hat sogar er genug von dir.” Etwas beschämt biss sich die Blondine auf die Lippe. Tatsächlich hatte sie bereits versucht Nii zu rufen, doch er kam einfach nicht. Zuerst hatte sie geglaubt, dass es an diesem Ort lag bis ihr einfiel, dass Izumo ihre Füchse hatte rufen können. Hatte Nii wirklich genug von ihr? Nein, es musste eine andere Erklärung geben. Inzwischen waren auch die restlichen Adepten sowie Shura aufgetaucht und hatten begonnen sie zu verspotten. Der Doppelgänger ihrer Großmutter war längst verschwunden, doch besser fühlte sie sich nicht. Je länger sie ihnen zu hörte, umso mehr wurde ihr bewusst, dass sie in der Vergangenheit wirklich oft nutzlos gewesen war. Andererseits hatte sie Paku gerettet und bei ihrer ersten Prüfung mitgeholfen. Dies erfüllte sie wieder mit Zuversicht und sie beschloss, dass nun nicht die Zeit war, sich wegen der Dinge, die sie vermasselt hatte, Vorwürfe zu machen. Man lernte aus Fehlern und es zählte nur das hier und jetzt. „SEID ENDLICH STILL!”, schrie sie ihre Peiniger an. „Mag sein, dass ich Fehler gemacht habe, aber das gehört auch dazu! Vielleicht bin ich nicht so stark wie Rin, Yuki-chan, Suguro, Shura-sensei oder Izumo, aber ich bin nicht nutzlos, ich werde zusammen mit meinen Freunden von hier entkommen und Exorzistin werden, um anderen zu helfen! Also lasst mich in Ruhe!” Stille folgte und ihr Magen zog sich zusammen, aber nichts passierte. Sie war alleine und stand zitternd auf, denn sie war zuvor ohne es zu merken auf die Knie gesunken. Schnell drehte sie sich um und verließ so schnell wie möglich den falschen Garten. Die Dornenbüsche waren verschwunden, sodass sie problemlos passieren konnte. Sie hatte es so eilig, dass sie zu spät bemerkte wie sich der Boden langsam zu einem Abhang neigte und bevor sie sich versah, rutschte sie weg und landete mit einem schmerzerfüllten Laut auf ihrem Hintern. Sie war auf etwas sehr hartem gelandet und stand auf, um zu sehen, was es war: Aus der Erde ragte die Spitze eines schwarzen Steines. Ohne wirklich zu wissen, warum sie es tat, begann sie ihn langsam auszubuddeln bis sie einen langen glatten Stein in der Hand hielt. Irgendwoher wusste sie, was es war und steckte ihn ein.



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Izumo presste sich schwer atmend gegen die Steinwand der zerfallenden Hütte. Zu Beginn schien das verlassene Fischerdorf nicht wirklich gefährlich zu sein, nur wahnsinnig unheimlich. Die Stein-und Holzhütten waren zum großen Teil zerfallen, ebenso wie die Boote, welche vereinzelt am verschmutzten Strand lagen. Sie fand außerdem mehrere Knochen, sowohl menschliche aber auch tierische und vollkommen unbekannte. Bis dahin war alles mehr oder weniger ruhig geblieben bis sie einen alten Schrein betreten hatte, der der Göttin Inari geweiht war. Er wirkte ebenfalls heruntergekommen und dreckig, was zu erwarten gewesen war. Zwar hatte sie ein Fragment gefunden, aber die Freude währte nur kurz. Am Ende des Raumes hockte eine nur allzu bekannte Frau und machte sich über eine Leiche her. Daraufhin wollte sie sich langsam zurückziehen, doch kaum hatte sie einen Schritt zurück gemacht, fuhr der Kopf der Frau herum und starrte sie ihn. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie in das Gesicht ihrer Mutter sah, die offensichtlich von der neunschwänzigen Fuchsdämonin besessen war. Sie hatte ihr genau dieselben Worte wie damals gesagt. Dass ihre Schwester und sie nie hätten geboren werden sollen, es ihre Schuld war, dass ihr Vater sich abgewandt hatte. Izumo konnte und wollte nicht zuhören und hatten den Schrein fluchtartig verlassen. Nie wieder wollte sie dieses Erlebnis durchmachen! Natürlich folgte die Besessene ihr. Plötzlich war sie wieder in ihrem Zuhause gewesen und musste mit anhören wie alle getötet wurden, doch sie war weiter gerannt. Schlussendlich war sie wieder in dem Dorf, wo sie sich dann notdürftig versteckt hatte. Sie konnte hören, wie ihre Mutter -nein der Dämon- das Dorf weiter zerstörte, während es nach ihr suche. „Na los, komm schon raus, Izumo!”, rief es. Sich zu verstecken bringt nichts! Jetzt komm her oder ich hole mir stattdessen deine Schwester!” Die Hände der Adeptin ballten sich zu Fäusten. Sie wusste, dass sie sich ihrer Angst stellen musste, aber sie wusste beim besten Willen nicht wie sie das anstellen sollte! Für einen Moment spielte sie mit dem Gedanken Uke und Mike zu rufen, immerhin wussten sie vielleicht etwas über das Fegefeuer, aber schlussendlich verwarf sie den Gedanken. Sie hatte keine Lust auf noch eine böse Überraschung und war nicht sicher, ob sie wirklich stark genug war. Nicht noch, dass die beiden sie angriffen. Da der Dämon immer näher kam, beschloss sie ihr Versteck zu wechseln. Langsam kroch sie hervor und lief gebückt zu einer Hütte auf der anderen Seite, dann zur nächsten und wieder zu der daneben. Dort verließ ihr Glück sie. Sie hörte wie Holz splitterte, dann lag sie auf dem Boden und über ihr stand die Fuchsdämonin. „Hab dich! Jetzt wirst du endlich dafür bezahlen, mein Leben ruiniert zu haben!” Sie holte zum Angriff aus, doch dazu kam es nie. Izumos Augen weiteten sich, als eine in blaue Flammen gehüllte Gestalt von hinten auf die Besessene sprang und ihr sein Schwert durch den Brustkorb rammte. „Rin?!”, entfuhr es ihr, vollkommen fassungslos. Was hatte er hier verloren?! Die Dämonin kreischte schmerzerfüllt auf, als sie von den Flammen verschlungen wurde, woraufhin der Nephilim von ihr absprang, sein Schwert zurück in die Scheide steckte und Izumo besorgt ansah. „Izumo, ist alles in Ordnung?! Bist du verletzt?!” Noch immer sprachlos, schüttelte sie nur den Kopf und griff zögerlich nach seiner Hand, woraufhin er sie auf die Beine zog. „Was tust du hier?!”, platzte es aus ihr heraus, als ihr endlich bewusst wurde, was soeben passiert war. Der Nephilim zuckte scheinbar unsicher mit den Schultern. „Weiß ich ehrlich gesagt selber nicht. Ich war erst in einer Kirche und hatte da eine Vision von Satan, aber hab es irgendwie überstanden, bin weiter und dabei hat sich immer das Gebiet geändert. Ich hatte noch ein paar Visionen und irgendwann bin ich hier gelandet.” Die Adeptin starrte ihn fassungslos an. Er hatte eine Vision mit Satan gehabt und blieb so ruhig?! Zudem war sie sich nicht sicher, ob sie ihm wirklich vertrauen konnte, immerhin konnte er eine weitere Illusion sein. „Wer war sie?”, fragte er plötzlich. Izumo schwieg, aber dann beschloss sie, dass sie es genauso gut sagen konnte. „Meine Mutter. Es ist eine lange Geschichte, also geb ich die Kurzfassung: Sie war Priesterin in einem Schrein und wurde von einer neunschwänzigen Fuchsdämonin übernommen. Sie hat die meisten getötet, meine Schwester und ich waren die einzigen Überlebenden.”, erklärte sie mit bitterer Stimme. „Das tut mir leid.”, antwortete Rin leise und holte kurz Luft wie um sich auf das, was kommen würde, vorzubereiten. „Aber wenn wir hier raus wollen, musst du dich ihr stellen.” Entsetzt sah sie ihn an. „Das kann nicht dein Ernst sein! Du hast sie doch gesehen!” Rin bleib stur. „Und du hast gehört, was die Dämonenkönige gesagt haben. Du musst dich stellen, sonst verlierst du und damit wir alle. Ich weiß, es ist nicht einfach, aber es muss sein.” Sie wollte nicht. Die Angst war einfach zu groß, doch gleichzeitig wusste sie, dass er recht hatte. Früher oder später musste sie sich dem stellen, schon allein für ihren eigenen Frieden. Aus dem Augenwinkel erkannte sie wie sich die Gestalt ihrer besessenen Mutter neu bildete. ‚Jetzt oder nie.‘


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Bon hatte keine Ahnung, wo er gelandet war. Für eine Weile war er weiter durch die Gegend geirrt, ohne etwas von Nutzen zu finden und war noch auf einige Visionen getroffen, die er glücklicherweise allesamt überwinden konnte. Schlussendlich hatte sich die Umgebung verändert bis er vor einem Bunker in einem Wald stand. Nach kurzem Zögern war er eingetreten, doch sofort war die Tür hinter ihm zugeschlagen und er war von vollkommener Dunkelheit umgeben. Glücklicherweise hatte er seine Taschenlampe noch und zog sie heraus. Als er sie anschaltete, traute er jedoch seinen Augen nicht. Er stand in einem langem Gang, zu lang, als dass er in den Bunker gepasst hätte. Auch war hinter ihm nicht länger eine Tür, sondern eine glatte Steinwand. Er sollte wohl nicht mehr wirklich überrascht sein. Mit einem Seufzen machte er sich auf den Weg, um einen Ausgang zu finden und je länger er sich umsah, desto sicherer war er, sich in einem verlassenen Gefängnis zu befinden. Allerdings schien es nicht ganz so verlassen wie erwartet, denn er konnte leise Stimmen hören. Seine Augen verengten sich, als er sich näherte. Die Stimmen kamen ihm mehr als bekannt vor, aber konnte das wirklich sein? Langsam schlich er weiter, angestrengt lauschend bis er endlich etwas verstehen konnte. „Ich habe genug, das ist doch krank! Haben die Dämonen keine anderen Freizeitbeschäftigungen als einen zu verängstigten?! Die haben doch nicht mehr alle Nadeln an der Tanne!”, beschwerte sich eine ihm nur allzu Stimme woraufhin eine ebenfalls bekannte Stimme antwortete. „Shima, jetzt beruhige dich doch, sie sind weg!”

„DAS IST TROTZDEM KRANK!”, ertönte die hysterische Erwiderung. Bon musste sich ein Augenrollen verkneifen. Damit gab es wohl keine Zweifel mehr, auch wenn er weiterhin vorsichtig war, falls es nur eine Illusion war. Er betrat den Raum aus dem die Stimmen kamen und fand sich in einem Leichenschauhaus wieder, wo er tatsächlich auf seine Freunde traf. Shima schien wieder mal eine Krise zu durchleben, denn er saß auf dem Boden, war mehr als grün im Gesicht und war offenbar kurz davor umzukippen, während Konekomaru neben ihm kniete und auf ihn einredete. Shima sah auf, als er Bons Schritte hörte, wich zurück und eh sich Suguro versah, bekam er fast einen Stein gegen den Kopf. „Hey, was zur Hölle sollte das?!”, fauchte, doch der Pinkhaarige antwortete nicht, sondern starrte ihn an. „Du bist echt!?” Bon schnaubte, aber konnte seine Bedenken verstehen. Es war extrem schwer die Wirklichkeit von den Täuschungen zu unterscheiden und er selbst wurde langsam ebenfalls paranoid. Den beiden ging es ihren Gesichtsausdrücken nach zu urteilen nicht anders. „Natürlich bin ich das! Wie geht es euch?”, fragte er ein wenig besorgt, woraufhin Koneko mit den Schultern zuckte. „Den Umständen entsprechend.”, erwiderte er bitter. „Aber Shima und ich haben hier ein Fragment gefunden.” Er zeigte es Suguro, welcher nickte. „Ich habe auch eins gefunden.” Er zögerte, nicht sicher, ob er sich wegen ihrer Visionen erkundigen sollte, doch entschied sich dagegen. Sie würden ihm schon davon erzählen, wenn es soweit war. „Wie sieht es mit den anderen aus? Habt ihr was von denen gehört?”, fragte er stattdessen und die beiden schüttelten die Köpfe. „Ich wurde vorhin von einem riesigem Skorpion mit zu vielen Stacheln verfolgt, aber sonst habe ich niemanden getroffen, es sei denn man zählt die Illusionen.”, erwiderte Shima, inzwischen etwas ruhiger. „Aber wenn wir uns wieder gefunden haben, müssen wir ja auch irgendwie die anderen treffen können.”‚ ergänzte Koneko. „Ich glaube nicht, dass wir hier noch etwas finden, also verschwinden wir. Das musste er nicht zweimal sagen. Erleichterung machte sich in ihnen breit, als sie die Eingangshalle wiederfanden und problemlos die Tür ins Freie öffnen konnten. Keinen überraschte es, dass sich die Umgebung erneut verändert hatte, sodass sie sich nun an einer Art Küstengebiet befanden. „Na dann...los geht's.”, murmelte Konekomaru.


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Mit einem lauten Kreischen stürzte die Furie auf Shura herab, die mit Mühe und Not ausweichen konnte. Sie fluchte, als sie dabei auf ihrer verletzten Schulter landete. Zuvor hatte das Biest sie mit den Krallen dort erwischt und nun brannte die Wunde wie Feuer. Sie biss jedoch die Zähne zusammen und kämpfte weiter. Noch nie war die Exorzistin auf einen derartigen Dämonen in Assiah getroffen, doch es gab einige alte Einträge, die darauf hindeuteten, dass ihre Gegnerin eine Furie war. Der Körperbau war wie der eines Menschen, der Kopfe war allerdings kahl, die Ohren lang und spitz. Gelbe Hauer ragten auf dem Maul hervor, die Augen waren komplett schwarz und funkelten tückisch. Arme besaß sie keine, dafür jedoch riesige fledermausartige Flügel mit scharfen Krallen an den Enden, welche an verkrüppelte Finger erinnerten. Die ledrige, rissige Haut war dunkelgrau und umspannte den Körper so eng, dass man jeden einzelnen Knochen erkennen konnte. Wie um die Hässlichkeit noch abzurunden, erweckten diese den Eindruck, mehrfach gebrochen und anschließend irgendwie wieder zusammengewachsen zu sein, weswegen alles schief und grotesk aussah. Noch hatte sie keine Ahnung wie sie das Vieh los werden sollte. Beinahe wünschte sie sich die Visionen zurück, so nervenaufreibend sie auch waren. Bisher hatte Shura mehrere Visionen von Shiro gehabt, der sie als Enttäuschung bezeichnet und verspottet hatte, aber auch von Angel. Dieser hatte sie ebenfalls verhöhnt und verkündet, dass sie versagt hatte, weswegen Rin hingerichtet werden würde. Den Nephilim selbst hatte es leider auch getroffen. Er war als blutdurstiger Dämon aufgetreten, der jeden, der ihm einmal etwas bedeutet hatte, niedergemetzelt hatte und nun auch Assiah angriff. All dies waren Dinge, die ihr Sorgen bereiteten und es war nicht leicht gewesen, diese zu überwinden, doch irgendwie hatte sie es geschafft. Kritisch war es geworden, als plötzlich Hachirotaro Omikami auf der Matte gestanden hatte und von ihr verlangte, sie solle endlich ihren Teil der Abmachung erfüllen. Bevor Shura ihn daran erinnern konnte, das sie noch mehr als genug Zeit hatte, stand er plötzlich vor ihr, die Hand in ihrem Bauch vergraben und als er sie wieder zurückgezogen hatte, musste sie einen Aufschrei unterdrücke und das nicht nur wegen der Schmerzen, die sie wirklich glauben ließen, er hatte etwas aus ihr rausgerissen. Er hatte einen Säugling aus ihr raus geholt! Sie war daraufhin zu Boden gefallen und musste zusehen, wie sich unter ihr langsam eine Blutlache bildete, nur um wenige Sekunden festzustellen, dass alles in Ordnung war. Ihr eben noch blutender Bauch hatte nicht mal einen Kratzer, der Schmerz war ebenfalls verschwunden und vom Säugling war keine Spur gewesen. Dieses Mal hatte sie wesentlich länger gebraucht, um mit der Situation zurecht zu kommen, aber schlussendlich war sie erneut erfolgreich gewesen und hatte sogar ein Fragment gefunden. Demzufolge müsste dieser Dämon keine große Sache sein, sollte man zumindest annehmen. Allerdings ging es ihr gehörig auf die Nerven, dass das Vieh dank der Flügel schnell ausweichen konnte und ständig außer Reichweite war. Das war ganz eindeutig keine Vision und sie bezweifelte, dass es hier lebte, sonst wäre sie längst auf mehr getroffen. Wahrscheinlich war es das Schoßtier irgendeines Baals, der ihnen zusätzlich das Leben schwer machen wollte. Sie hätten sich bei der Wette wirklich noch ein paar Bedingungen ausdenken sollen, aber in der Hektik war dies unmöglich gewesen. Davon abgesehen hätten sie wahrscheinlich 50 Jahre daran basteln können und die Baal hätten trotzdem noch Lücken gefunden. Knapp entging sie einem weiteren Angriff, doch diesmal landete sie einen Treffer, genau am Rücken zwischen den beiden Flügeln. Dem Aufschrei des Dämons war zu entnehmen, dass dies wohl eine empfindliche Stelle war. Es schien nun genug zu haben, da es mitten in der Luft umdrehte und schon bald aus ihrem Sichtfeld verschwand. Shura wartete noch einige Minuten, um ganz sicher zu gehen, doch es kehrte nicht zurück. Mit gezogenem Schwert ging sie weiter, bereit sich gegen einen eventuellen Überraschungsangriff zu verteidigen. Alles blieb still, bis sie eine Lichtung erreichte. In einiger Entfernung konnte sie das Knacken von Zweigen vernehmen, was sich stetig näherte. Allerdings war es kein Dämon, sondern Shiemi, die sich gehörig erschrak, als sie Shura entdeckte. „Warum habe ich denn jetzt Visionen von Shura-sensei?!”, fragte sie und starrte die Exorzisten entsetzt an, welche die Augen verdrehte. „Ich bin keine Vision!”, erwiderte sie ein wenig gereizt, während sie sich misstrauisch umsah, ohne jemanden zu entdecken. Es war eher unwahrscheinlich, dass die Shiemi vor ihr nur eine Illusion war, zuvor war keiner der Adepten einzeln aufgetreten. Sie beschloss es zu riskieren. „Ist alles in Ordnung? Bist du jemanden begegnet?” Die Adeptin wich sichtlich beunruhigt ihrem Blick aus. „Ja, mir geht es gut und begegnet bin ich niemanden außer mehreren Visionen.” Nun sah sie Shura kritisch an. „Woher weiß ich, dass du nicht auch eine Illusion bist?!”

„Warum solltest du eine Vision von mir haben? Oder hast du so viel Angst vor mir?”, frage Shura trocken, woraufhin die Adeptin rot anlief. „N-Nein, a-aber...egal. Ich hab ein Fragment gefunden!”, berichtete sie und zeigte den Stein. „Hast du auch schon was gefunden? Und weißt du etwas von den anderen?” Shura schüttelte seufzend den Kopf. „Nein, ich weiß gar nichts, aber ich habe ebenfalls ein Fragment gefunden. Hoffen wir, dass die anderen auch etwas haben.” Während sie weiter gingen, hörten sie immer wieder Schritte und rascheln, zudem fühlten sie sich ständig beobachtet. Shura unterdrückte ein genervtes Aufstöhnen, als sie zum fünften Mal an dem selben Felsen vorbeigingen. Zunächst hatte sie gedacht, dass sie im Kreis gingen, doch inzwischen war klar, was wirklich los war. Anscheinend hatte das Fegefeuer großen Spaß daran, sie immer wieder an derselben Stelle landen zu lassen, egal in welche Richtung sie liefen. Nach einer Zeit, die sich wie Stunden anfühlte, lichtete sich der Wald endlich und sie kamen an einem Küstengebiet heraus. Shura vertraue der Sache nicht wirklich, daher wies sie Shiemi an, besonders wachsam zu sein. Die Blondine nickte langsam und der Exorzistin fiel nun auf wie müde das Mädchen war. Sie selbst war ebenfalls erschöpft, immerhin war es inzwischen wahrscheinlich weit nach Mitternacht, aber sie zwang sich weiter zu machen. Schlafen konnte sie sobald sie in Assiah erreicht hatten und Mephisto hinter Schloss und Riegel war. Allerdings war der Dämonenkönig vielleicht schon über alle Berge und das wäre mehr als bedenklich. Wer wollte schon einen Baal auf freiem Fuß haben? Sie entdeckten ein verlassenes Fischerdorf und überlegten, ob sie dort ihr Glück versuchen sollten, doch die Entscheidung wurde ihnen schnell abgenommen, als sie blaue Flammen sahen. Ohne lange zu zögern, rannten sie los und erreichten in Rekordgeschwindigkeit einen Marktplatz, wo Shura sofort die Situation in Augenschein nahm. Izumo lag benommen vor den Ruinen einer Holzhütte, mit dem Rücken zu ihr stand Rin mit gezogenen Schwert und schützte sie vor einem...Pferd? Die Exorzistin schaute genauer hin und war sich sicher, dass das kein normales Pferd war. Er war grün-bläulich, Mähne und Schweif schienen aus einer Art Seetang zu bestehen und die Augen waren vollkommen dunkelblau, fast schon schwarz. Es schien allerdings gehörigen Respekt vor Rins Flammen zu haben, denn es tänzelte unruhig umher und suchte wohl einen Weg an ihm vorbei. Sie beschloss den Überraschungsmoment zu nutzen und griff von hinten an. Leider hatte es sie wohl gehört oder gerochen, fuhr herum und bäumte sich auf. Gerade noch rechtzeitig sprang Shura beiseite, um nicht von den Hufen zerquetscht zu werden oder Bekanntschaft mit den Reißzähnen des Biestes zu machen. Rins Angriff schlug ebenfalls fehl, allerdings versuchte es einen erneuten Vorstoß auf Izumo, den der Nephilim verhinderte indem er dazwischen sprang. Daraufhin ließ das Wesen ab und zog sich zurück, bis es aus der Sichtweite verschwand. Schwer atmend steckte Rin das Schwert ein und lief zu Izumo, Shura und Shiemi waren ihm dicht auf den Fersen. Erst jetzt sahen sie, dass die Adeptin verletzt war und aus mehreren Wunden blutete. Eine besonders große sah verdächtig nach Bissspuren aus. Rin hatte ebenfalls Blut an seinem Oberteil kleben, darin waren zudem mehrere Löcher und Risse, doch er versicherte schnell, dass er in Ordnung war und das Blut größtenteils nicht seins sondern Izumos war. Shiemi machte sich sofort an die Arbeit und behandelte die Wunde, während Shura Rin ausfragte. Er berichtete, dass er bereits ein Fragment gefunden hatte, nachdem er sich einer Vision stellen musste. Später hatte er noch viele weitere gehabt bis er sich schließlich hier wiederfand und auf Izumo traf, die noch dabei gewesen war, sich ihrer Angst zu stellen. Zwar hatte sie es geschafft und zudem ein Fragment in den Ruinen des Schreines gefunden, doch dann war dieses Pferd aus dem Wasser aufgetaucht und hatte sie angefallen. Shura kannte sich mit westlichen Dämonen nicht ganz so gut aus, allerdings klang es sehr nach einem Kelpie. Diese Wesen waren vor allem in Schottland zu finden und lebten in Seen, Flüssen sowie anderen Gewässern. Sie baten sich Reisenden als Reittiere für die Überquerung an oder lockten ahnungslose Menschen durch eine Art Hypnose auf ihre Rücken, dann zogen sie ihr Opfer unter Wasser und fraßen es. Es schien allerdings kein wirkliches Interesse an Rin gehabt zu haben und war ihm stets ausgewichen. Glücklicherweise konnte Shiemi die Blutung stoppen und die Verletzung entsprechend behandeln. Zwar hatte sie Nii nicht rufen können, aber da sie die Pflanzen, die sie oft benötigte für diesen Einsatz mitgenommen hatte, war dies kein Problem. Zu ihrer Überraschung kamen kurz darauf noch mehr dazu. Das Kyoto Trio tauchte ebenfalls auf, da sie das blaue Leuchten ebenfalls gesehen hatten. Alle waren mehr als erleichtert, sich endlich wiedergefunden zu haben und dass sie immerhin schon sechs von acht Teilen gefunden hatte, stimmte sie sehr zuversichtlich. Dennoch machten sie sich große Sorgen um Yukio. Niemand hatte etwas von ihm gehört und sie hatten keine Ahnung, wie viel Zeit ihnen noch blieb. Selbst wenn sie alle Teile hätten, sie würden niemanden zurücklassen. Ohne eine große Wahl machten sie sich gemeinsam auf den Weg, um den vermissten Exorzisten zu finden.
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