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JANA - Eine Chance von Eins zu Unendlich

von Muosaly
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Jack Frost OC (Own Character) Pitch
26.05.2019
20.10.2019
23
19.123
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
25.08.2019 916
 
“When we can't dream any longer we die.”
― Emma Goldman


„Warum hast du mir geholfen?“
„Ganz einfach: Du hast mir auch geholfen. Nur dank dir bin ich frei.“
„Frei wovon?“
„Meinem Vater. Und von meinem Körper. Das Ding war ziemlich mitgenommen für sein Alter.“
Zwei ungleiche Gestalten saßen an den Klippen der Seven Sisters, kurz davor, in die tödliche Tiefe zu stürzen. Ein Mädchen ganz in Schwarz mit strenger Frisur und Eiskristallen auf den Armen, neben ihr ein Junge mit libellenartigen Flügeln und in Fetzen gekleidet.
Florian hatte sie befreit. Tagelang hatte er sie unsichtbar dort beobachtet, und letztendlich entschieden, sie da rauszuholen.
„Versteh das nicht falsch, ich hatte eine Schuld zu begleichen. Ich finde schrecklich, wie viele Unschuldige du getötet hast. Freunde von mir waren darunter. Das nächste Mal rettest du dich selbst.“
„Es tut mir leid.“
„Du musst dich nicht entschuldigen. Was getan ist, ist getan. Kein Zurück.“
„Richtig, kein Zurück...“
Jana versuchte angestrengt, das Bild von Jack aus ihrem Kopf zu vertreiben.
„Florian, willst du zu den Hütern?“
„Ich denke schon. Nach dem, was du erzählt hast, scheint das das Vernünftigste zu sein.“
„Kannst du mir dann noch einen letzten Gefallen tun?“

„So langsam geht mir das auf die Nerven“, stellte Jack fest. Er konnte es nicht fassen: Schon wieder war sie weg, und wieder ließ sie einen Dritten eine Nachricht überbringen.
Florian zuckte nur die Schultern. Er hatte die Bitte erfüllt und sah keinen Grund, sich da weiter einzumischen. Er seufzte bereits innerlich bei dem Gedanken an das, womit er die nächsten Tage beschäftigt sein würde, den Lehrstunden der Zahnfee. Das alles war ja faszinierend, aber auch unglaublich überwältigend. Er brauchte jetzt schon dringend eine Pause.

Mein Atem zitterte. Ich hatte diesen Ort geliebt. Die Klippen waren ein unglaublicher Anblick, und bei Sturm waren sie noch schöner. Viel schöner als in meinen Erinnerungen. Es war überraschend beruhigend, am Abgrund zu sitzen, während haushohe Wellen gegen den Kreidefels schlugen. Dieser Sturm hatte nichts von einem meiner Eisstürme, ich hatte ihn nicht verursacht. Ein Geschenk der Natur.
Ich wollte das nicht tun. Während ich versuchte, hier Kraft für die baldige Unterhaltung zu sammeln, sträubte sich jede Zelle meines Körpers gegen die Entscheidung, die ich getroffen hatte. Immer wieder redete ich mir ein, dass es gut so war. Dass ich das tun musste, um mein Schicksal zu ändern. Ich musste es tun, um frei zu sein. Aber ich wollte nicht mit Jack brechen. Ich wusste, es war die einzige Möglichkeit, schließlich würde ich nur mit ihm dieses Schicksal erfüllen, aber... Ich wollte nicht. Er zog mich an wie ein Magnet und ich
hasste es.
Warum ich? Ich glaube... Ich glaube, ich wäre glücklicher gewesen, wäre ich bei dem Brand einfach gestorben. Richtig gestorben, ohne Wiederkehr. Jemand anderes hätte diesen Platz einnehmen sollen, jemand, der wie eine dumme Puppe damit glücklich war, einfach Regeln zu befolgen.
Aber das war ich ja.
Nur eine dumme Puppe.
Wäre ich nur einen Monat früher gestorben... Ich hätte ihnen den Gefallen getan. Ich wäre zwar weggelaufen in Panik vor dem Neuen, doch ich wäre so bald wie möglich auch vor der Angst direkt in Jack's Arme geflohen. Ich hätte mich von ihm unterrichten lassen, anstatt selbst zu lernen, und hätte ihn mich wie ein braves Haustier halten lassen.
Das Schicksal ist scheiße.


„Was ist es diesmal?“
Sie konnte den Ärger in seiner Stimme hören. Es tat weh zu sehen, wie sich sein Verhalten ihr gegenüber geändert hatte: Da war kein Lächeln mehr, nichts Aufmunterndes. Er suchte keinen Kontakt mehr und setzte sich nicht neben sie. Es versetzte ihr einen Stich im Herzen, während sie sich einredete, dass es so ohnehin besser war.
„Ich... Ich...“
„Jetzt red schon.“
Sie schluckte. War seine Stimme schon immer so kalt gewesen?
Jana stand von ihrem Platz auf und drehte sich zu ihm. Der Regen in seiner Nähe fror zu Eis, doch er schien sich nicht daran zu stören. Umgeben von Schnee hatte er nicht so kalt gewirkt.

Ich friere.

„Ich... Es tut mir leid. Alles. Das mit der Fee, mit dem Sturm... Alles einfach.“
Jack blieb stumm, sein Blick kalt. Er erwartete offensichtlich mehr.
„Es tut mir leid, dass ich dich und vermutlich auch alle anderen Hüter enttäuscht habe. Was ich für einen Ärger veranstaltet habe. Es tut mir leid... Dass ich jetzt so viele Leben auf dem Gewissen habe. Ich stand neben mir... Wenn ich könnte, würde ich es wieder rückgängig machen.“
Wenn das überhaupt noch möglich war, wurde sein Gesichtsausdruck nur noch finsterer.

Ich friere.

„Was jetzt?“
Seine Stimme versetzte ihr wieder einen Stich. Es tat weh, sie zu hören... Es tat schon fast körperlich weh zu wissen, dass sie der Grund war, warum das leichte Lachen aus ihr verschwunden war.
„Ich werde gehen. Ich... Ich werde keinen weiteren Schaden verursachen. Niemand wird mehr getötet oder verletzt. Das verspreche ich.“
„Was zur Hölle soll das?!“ Jack wurde laut – er schrie sie an. Jana zuckte zusammen.
„Was soll das? Du kannst nicht immer hin und her pendeln, wie es dir gerade passt! Du kannst nicht einfach von der Bildfläche verschwinden, um immer wieder mit einem größeren Drama neu aufzutauchen! Und geh jetzt nicht einfach!“
Jana standen die Tränen in den Augen. Sie hatte sich weggedreht und war ein paar Schritte weggegangen. Sie wollte weg hier. Sie ertrug das einfach nicht.
„Es tut mir leid“, murmelte sie nur. „Bitte... Diesmal wird es anders sein. Ich komme nicht zurück. Ich werde nicht mehr auftauchen. Nie mehr. Versprochen.“

Ich erfriere.
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