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JANA - Eine Chance von Eins zu Unendlich

von Muosaly
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Jack Frost OC (Own Character) Pitch
26.05.2019
20.10.2019
23
19.123
6
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.08.2019 922
 
“Too much ends in smoke.”
― Toba Beta, My Ancestor Was an Ancient Astronaut


Es schien, als wäre die Zeit zurückgedreht worden. Nachdem Jana und Jack wieder getrennte Wege gegangen war, hatte sich letzterer endlich wieder gefangen. Er fing wieder an es schneien zu lassen. Er erfüllte seinen Job wieder, und er schien Freude daran zu haben – genau wie vorher.
Jana dagegen war immer noch bei Pitch. Sie sah Jack nicht oft. Hin und wieder trafen sie sich zufällig oder weniger zufällig, und dann verbrachten sie ein paar Minuten mit Reden.
Es hatte sich nicht viel geändert, und trotzdem ging irgendwie alles wieder aufwärts. Sehr zum Missfallen von Pitch.

„Was soll das?“ Er erwartete sie bereits, als sie nach einem wochenlangen Ausflug wieder zurückkam.
„Was soll was?“
„Der Kontakt zu den Hütern, speziell Jack Frost.“ Pitch war offensichtlich verärgert und versuchte nicht einmal, diesen Ärger zu verstecken. Im Gegensatz zu sonst versuchte er sie nicht einmal im Ansatz einzulullen.
„Was dagegen?“
„In der Tat.“
„Juckt mich nicht.“ Jana drehte sich um, um das Höhlensystem direkt wieder zu verlassen. Aber Pitch hatte nicht vor, sie gehen zu lassen. Eines der schwarzen Pferde stellte sich ihr in den Weg. Im Gegensatz zu sonst war es nicht zutraulich, sondern spiegelte Pitch's Ärger wieder. Jana lief ein kalter Schauer über den Rücken.
„Du wirst jetzt nicht gehen.“ Seine Stimme war kälter, als es Eis jemals sein könnte.
„Du bist nicht meine Mami. Ich bin schon ein großes Mädchen und kann kommen und gehen, wie ich will.“
„Was soll das mit Jack?“
„Was wohl?!“ Nun war auch Jana aufgebracht. „Ich kann ihn gut leiden und bin ihm was schuldig! Ich verdanke dir viel, aber ich bin dir nicht hörig.“
„Du wirst dich nicht mehr mit ihm treffen.“
„Du hast nicht zu entscheiden.“
Eine Pause entstand. Die beiden lieferten sich einen Anstarrwettbewerb. Jana unterbrach den Blickkontakt als Erste.
„Was sie mir angetan haben werde ich nie vergeben können. Du heißt das Geschehene also gut?“
„Nein.“ Ihre Stimme wurde leise. „Aber-“
„Sie werden das Gleiche mit dir auch machen. Du warst eine Ausgestoßene von dem Moment an, an dem ich dich gerettet habe. Die Hüter sind eigennützig. Sie werden dich verfolgen wie mich. Jack und du seid zwei Seiten der gleichen Münze, und da er das Gute ist, musst du das Böse sein. Das Anbandeln mit ihm wird nicht lange gut gehen.“
„Du übertreibst.“ Ihre Stimme war leise. Sie glaubte selbst nicht, was sie sagte. Sie hatte Angst. Darin war Pitch gut, im Angst schüren. Sie hatte Angst vor dem, was ihr drohte.
„Sie haben nur Nutzen für das leise Schneegestöber und laute Schneeballschlachten, aber sie haben kein Interesse am wilden Sturm – egal wie frei dieser sich fühlt und wieviel Freude er am Wüten hat. Du bist der Sturm.“
Sie antwortete nicht.
„Oder willst du dich etwa zähmen lassen? Dich von einer Vision in Ketten legen lassen, bis du nur noch eine schwache Kopie von Jack Frost bist? … Du bist besser als das.“
Jana nickte langsam.
„Du hast wohl recht...“

„Ein Notfall! Mister Frost, es gibt einen Notfall!“
Ein Mädchen mit goldenen bodenlangen Haaren kam auf Jack zugeeilt. Marina stolperte fast – das Kind war erschreckend tollpatschig. Sandy hatte viel Geduld aufbringen müssen, bis sie es zum ersten Mal geschafft hatte, ihre Kräfte anzuwenden.
Jack befand sich, wie sooft, am Nordpol. Innerlich seufzte er und dachte darüber nach, dass er auch bald mal eine Art Stützpunkt brauchte. Er konnte North nicht auf ewig belagern.
„Was ist? Und nenn mich einfach nur Jack.“ Egal, wie oft er ihr das sagt, Marina bestand darauf, eine Höflichkeitsform zu verwenden. Sie begründete es damit, dass, solange sie noch mehr Mensch als tatsächlich die Begleiterin des Sandmanns war, sie auch kein Recht hatte, sie so direkt anzusprechen.
„Ein gewaltiger Schneesturm!“
„Das ist doch nichts mehr besonderes.“
„Diesmal ist es anders. Die andere... Jana zerstört mit dem Sturm gerade alles, was ihr in den Weg kommt! Sie hat beinahe einen ganzen Wald entwurzelt und mehrere Häuser sind schon eingestürzt! Es gibt Todesopfer, Mister Frost!“
Jack erstarrte. Das hörte sich gar nicht nach Jana an. Egal, wie sehr sie ihren Sturm bisher hatte wüten lassen, die schlimmsten Folgen waren Erkältungen gewesen. Noch nie sind ihr Häuser eingestürzt, geschweigedenn ganze Wälder zum Opfer gefallen.
„Irgendwas stimmt da nicht.“
„Sandmann hat mich losgeschickt, er ist noch dort und versucht sie irgendwie zu beruhigen und aufzuha-“
„Du bleibst hier.“ Er hatte sich bereits zum Gehen gewandt. „Sandy killt mich, wenn dir was passiert. Informier die anderen auch, aber sag ihnen, dass sie sich nicht einmischen sollen. Ich und Sandy kümmern uns darum.“
Ohne ihr die Möglichkeit zu geben zu antworten ließ er sie allein in der Halle stehen.

Florian wusste nicht, wie ihm geschah. Vom Wohnkomplex waren nur noch Trümmer übrig. Überlebende würden an ein Wunder grenzen. Falls tatsächlich noch jemand, der da drin war, lebte, war er auf jeden Fall keiner von ihnen. Wie sonst konnte er unverletzt auf den Spitzen des Schutthaufens stehen, während Ersthelfer aus dem Wohngebiet versuchten, trotz des Sturms Körper zu bergen? Sie liefen einfach durch ihn hindurch.
Andere würde wohl durchdrehen, dachte sich Florian, und war überrascht von seiner eigenen Ruhe. Er war nicht panisch, aufgeregt oder verstört. Nein, stattdessen kehrte ein Frieden in ihn ein, den er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Denn in diesem Moment zog ein Helfer ein großes Schuttteil in seiner Nähe zur Seite und entblößte den entstellten Körper seines Vaters.

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Welp, vergessen, gestern den Upload zu machen. Darum gibsts das neue Kapitel heute. Viel Spaß!
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