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The story of tonight

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Alexander Hamilton George Washington John Laurens Marquis de Lafayette
25.05.2019
25.05.2019
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John starrte in den Himmel. Er war schwarz, tiefschwarz. Keine Sterne, kein Licht. Nur das Schwarz, das alles zu verschlingen schien. Das Geschrei seiner Kameraden und das Dröhnen der Kanonen, schien plötzlich unglaublich weit weg zu sein. Alles war dumpf, als würde er die Welt durch einen Schleier erleben.

Das Pochen in seinem Magen war noch immer da, doch der stechende Schmerz hatte nachgelassen. Jetzt fühlte es sich immer so an, als würde man ihm wieder und wieder einen Ellenbogen in die Seite rammen. So wie Lafayette es oft getan hatte. Seine zitternde Hand lag noch immer über der Stelle, an welcher die Kugel ihn getroffen hatte und die Angst war zu groß, als dass er sich die traute die Hand wegzunehmen. Er spürte jedoch wie das Blut noch immer zwischen seinen Fingern hindurch sickerte und das Gras unter ihm rot färbte.

John atmete tief durch, es fiel ihm zunehmend schwerer genug Luft in seine Lungen zu pumpen, doch noch war er nicht bereit aufzugeben. Vielleicht war das töricht, aber es war nicht in seinem Sinn seine Männer im Stich zu lassen. Er wusste, wenn er auf diesem Schlachtfeld sterben würde, dann würde man alle Überlebenden zurück zu ihren Meistern schicken und dann hatte er praktisch nichts bewirkt. Dann waren all die Aufsätze, die er gemeinsam mit Alexander geschrieben hatte, umsonst gewesen.

Alexander...

John dachte an den Brief, den er gestern erhalten hatte, den er jedoch nicht mehr hatte lesen können, da man das Lager angegriffen hatte. Er war von Alexander gewesen, seinem Alexander. Was wohl darin gestanden hatte? Nun vermutlich würde er das jetzt nie erfahren, doch das hatte auch sein Gutes.
So konnte John sich vorstellen, dass Alexander in seinem letzten Brief an ihn, ihm sein letztes Mal seine Liebe geschworen hatte. Dass er geschrieben hatte er gehöre für immer ihm.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf John's bleiche Lippen. Das war eine tröstende Vorstellung, auch wenn es wahrscheinlich nicht der Wahrheit entsprach. Denn in den letzten Monaten waren Alexander's Briefe immer sachlicher, distanzierter und kühler geworden. Das hatte dazu geführt, dass John nun hier lag und dachte, dass Alexander's Liebe für ihn angefangen hatte zu schwinden. Dass er seinen Tod zwar bedauern, doch nach einiger Zeit darüber hinwegkommen und ihn vergessen würde.
John's Herz zog sich schmerzhaft zusammen und seine Augen füllten sich mit Tränen. Heiße, salzige Tränen, die seine kalten Wangen hinabliefen. Er würde sterben, hier und jetzt. Allein und von niemandem geliebt, vor allem nicht von jenem Mann, der ihm einfach alles bedeutete. Und er würde ihn nie wieder sehen, nie wieder in diese wunderschönen, blauvioletten Augen blicken, nie wieder sehen wie sich die Sonne in seinem roten Haar verfing.

John schloss die Augen, versuchte sich Alexander's Gesicht vorzustellen, in der Hoffnung es würde das Sterben einfacher machen. Das Pochen ließ langsam nach, der Schmerz schwand allmählich und so auch seine anderen Sinne. Das letzte, woran John sich erinnern konnte, bevor er das Bewusstsein verlor, war eine Stimme, die seinen Namen rief. Dann umfing ihn Finsternis.

~ *** ~

Licht. Helles Licht, das durch seine Augenlieder drang. Das Gefühl von weichen Bettlaken unter seinen Fingerspitzen und der Geruch von Tee, lag in der Luft. Seltsam... John hatte sich den Himmel immer anders vorgestellt, aber...wer hätte ihm auch von diesem Ort berichten können? Schließlich war ja noch nie einer von den Toten zurückgekehrt.

"Er ist noch sehr schwach, er braucht jetzt viel Ruhe." Eine leise, aber feste Stimme. Das Knarzen von hölzernen Dielen und hektisches Flüstern. John runzelte die Stirn. Nein, er war nicht im Himmel. Dafür fühlte sich das alles viel zu echt an. "Aber ich muss zu ihm."
Aufgeregt, wie ein kleiner Vogel fing John's Herz plötzlich an zu klopfen. Er kannte diese Stimme, würde sie überall wiedererkennen.

"Aber er..." "Er ist mein Freund." Schritte näherten sich ihm und dann spürte John wie jemand auf der Bettkante Platz nahm und nach seiner Hand griff. "Er hat viel Blut verloren. Wir können von Glück sagen, dass er noch unter uns weilt." Das war die strenge Stimme, des Arztes, so glaubte John und er schien etwas verärgert darüber, dass man seine fachmännische Anweisung einfach ignoriert hatte. Doch so war er schon immer gewesen. Lediglich Washington hatte ihn unter Kontrolle. Wie auch immer er das anstellte. "Lasst mich allein mit ihm."

Und dann war es still. Eine ganze Weile lang, war nur leises Atmen zu vernehmen und John lauschte seinem eigenen Herzschlag. Dann, ganz plötzlich ertönte ein leises Schluchzen und etwas Nasses tropfte auf John's Hand. Waren das...Tränen?

"John...oh Gott es tut mir so leid. Es tut mir so leid, dass ich nicht bei dir war. Ich hätte bei dir sein müssen. Gott, vergib mir..." Alexander's Stimme brach, ebenso wie John's Herz. So hatte er ihn noch nie erlebt. Worte waren doch sonst immer Alexander's größte Waffe gewesen und nun... Er konnte kaum einen vernünftigen Satz zu Stande bringen und weinte wie ein kleines Kind. Womöglich wegen ihm?

Mühsam öffnete John die Augen und musste einige Male blinzeln, bevor er sich an das helle Sonnenlicht gewöhnt hatte, dass durch die Fenster schien. Obwohl es ihm Kopfschmerzen bescherte, drehte er seinen Kopf ein kleines Stück nach rechts.
Alexander saß in sich zusammengesunken auf der Bettkante, hielt John's Hand umklammert und weinte als gäbe es kein Morgen. Strähnen seines roten Haares fielen ihm ins Gesicht und seine Schultern zitterten etwas.

"Alexander..."

Es war kaum mehr als ein Flüstern, das John zustande brachte, doch es reichte aus. Alexander hob den Kopf und starrte ihn an. Seine Augen waren gerötet und unter ihnen lagen dunkle Schatten, als hätte er nächtelang nicht geschlafen. Was vermutlich auch der Wahrheit entsprach.

"John..."

Das war alles was Alexander sagte, ehe er erneut in Tränen ausbrach. Und es dauerte einige Minuten, bis er sich wieder beruhigt hatte und in der Lage war tief durchzuatmen, ohne zu schluchzen.

"Ich...ich bin so froh, dass es dir gut geht. Als ich die Nachricht erhalten habe, dass du angeschossen wurdest, da...da dachte ich, dass jetzt alles vorbei ist.." "Vorbei? Wieso das?", fragte John leise. "Wieso? Weil du mir einfach alles bedeutest, John Laurens.", erwiderte Alexander und nahm nun auch John's andere Hand.
"Aber ich...ich dachte du..." "Was dachtest du?", unterbrach er ihn. "Ich dachte du würdest vielleicht nicht mehr dasselbe für mich empfinden wie früher...", murmelte John und Alexander blickte ihn fassungslos an. "Wie um alles in der Welt kommst du denn darauf?" "Deine Briefe..."

John wandte den Blick ab. Alexander presste die Lippen aufeinander. "Verzeih mir...ich wollte nicht, dass du denkst, dass sich meine Gefühle für dich geändert haben. Ich liebe dich immer noch wie am ersten Tag, das musst du mir einfach glauben." Er legte eine Hand an John's Wange, sodass er ihn ansehen musste. "Weißt du überhaupt was es mit mir gemacht hätte, wenn du durch diese Kugel gestorben wärst?" John schüttelte kaum merklich den Kopf. "Ich wäre auch gestorben. Und weißt du wieso? Weil mein Herz schon immer dir gehört hat."

Es dauerte keine fünf Sekunden bis John's Augen überliefen und ein heftiges Zittern seinen Körper durchschüttelte. Alexander nahm seinen Liebsten in den Arm und hielt ihn fest, denn er wollte ihn nie wieder loslassen. Nie wieder. "Ich hatte solche Angst...Angst, dass ich dich nie wieder sehen würde...", wimmerte John und vergrub sein Gesicht an Alexander's Schulter. Dieser strich ihm beruhigend über das blonde Haar. "Shhh...schon gut, alles ist gut. Du bist hier, bei mir und niemand wird uns je wieder trennen."

John nickte leicht und nach ein paar Minuten waren alle Tränen getrocknet.

"Ich liebe dich so sehr, das darfst du nicht vergessen." "Ich liebe dich auch, Alex."

Die beiden Männer schauten sich in die Augen und der Kuss, der folgte war der erste seit Monaten. John klammerte sich verzweifelt an Alexander fest und ertrank förmlich in dem Kuss. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit lösten sie sich wieder voneinander. John atmete etwas angestrengt und Alexander drückte ihn vorsichtig wieder in die Kissen.

"Du bist verletzt. Du äh musst dich ausruhen.", sagte er, doch auf seinen Wangen lag ein verräterischer roter Schimmer. "Bleibst du bei mir?", fragte John und Alexander lächelte diese Lächeln, das John so sehr liebte. "Natürlich, ich werde für immer an deiner Seite sein."
 
 
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