Nothing Is Over

GeschichteDrama, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Samu Haber
23.05.2019
20.08.2019
38
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7
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Huhu :)

Ich hab tatsächlich noch Zeit gefunden, ein neues Kapitel hochzuladen, bevor ich mich auf den Weg zum Frequency mache...es geht aber normal weiter, da ich leider nur ein Tagesticket für Donnerstag habe, aber ich bin schon total gespannt (und etwas nervös :D )

Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße,
Eva :)
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PoV Samu

„Moi, Alex!“ Ungebremst stürme ich in ihre Wohnung, damit direkt in sie hinein, und umarme sie kurz. „Bist du fertig?“

„Ja, bin ich und ihr seid pünktlich“, stellt sie überrascht fest und duckt sich unter meiner Kopfnuss weg. „Ja stimmt doch, oder?“, verteidigt sie sich und geht dann auf die anderen zu. Jeder einzelne wird umarmt und begrüßt, bis wir schließlich zu siebt in Alex´ Gang stehe. Eng aneinander gequetscht. Ohne Bewegungsfreiheit. Und mit Atemnot.

„Gehen wir gleich los, oder wollt ihr noch ein – “, fängt Alex an und tritt ein paar Schritte zurück in die Küche, um uns mehr Platz zu schaffen.

„Ich denke, wir gehen gleich los“, presst Riku aus der hintersten Ecke hervor. Hoppla, der wird gerade von Raul und Osmo zerdrückt.

„Gute Idee“, findet Sami, der auch so halb im Begriff ist, die Wand zu knutschen. „Ich hätte gern wieder etwas Platz…“

Unter einigem Gerangel schaffen wir es alle unfallfrei und unverletzt nach draußen, Alex kommt uns belustigt hinterher.

„Ihr hättet auch einfach draußen bleiben können, die fünf Minuten, die ihr drinnen wart, haben jetzt nicht wirklich was gebracht, außer das Riku und Sami fast erstickt sind“, grinst sie.

„Eine Horde Kleinkinder, die zu viel Zucker und Koffein intus hat“, murmelt Mikko Alex zu.

„Was war das gerade?“ Osmo, Raul und ich stehen Mikko mit in die Hüften gestemmten Hände gegenüber, Riku und Sami umzingeln ihn von hinten. Alex fängt an zu lachen, muss sich sogar an einer Straßenlaterne festhalten, um nicht umzufallen, und beobachtet das Spektakel.

„Wir sind eine Horde Kleinkinder, die zu viel Zucker und Koffein intus hat?“, echot Osmo und schon beginnen wir, uns „zu kloppen“. Natürlich nur rein freundschaftlich, heißt, dass wir uns nicht gegenseitig weh tun, aber es reicht, dass Mikko versucht, die Flucht zu ergreifen.

„Friedeee!“, winselt er und verdeckt mit den Armen seinen Kopf. Was dazu führt, dass wir alle gleichzeitig in seinen Bauch pieken wollen. Der hat sie doch nicht mehr alle! Also wirklich…

Alex sitzt inzwischen auf dem Boden und wischt sich die Lachtränen aus dem Gesicht, während Mikko sich endgültig ergibt und ein weißes Taschentuch in der Luft schwenkt.

„Entschuldigung! Können wir bitte wieder Freunde sein?“ Mikko macht einen Augenaufschlag von der Sorte „Bitte, bitte, bitteee!“, nachdem wir von ihm abgelassen haben. Riku ist der Erste, der sich dazu durchringt, ihm die Hand zu geben und natürlich sind wir nicht so und tun es ihm gleich. Raul ist schließlich derjenige, der sich suchend nach Alex umblickt.

„Ich…ich…ich kann nicht mehr“, japst sie und verfällt in einen weiteren Lachanfall. „Ihr haut euch…als wäre das…das normalste auf der Welt…oh mein Gott, was suche ich hier?“ Immer noch prustend lässt sie sich von Sami auf die Füße helfen und schwankt noch ein wenig hin und her, bis sie ihr Gleichgewicht wiederfindet.

„Wären die anderen Mädels noch da, dann könnte man sagen: Alles ganz normal in der Sunrise Avenue Familie: Die Jungs hauen sich und die Mädels schauen zu und lachen sich tot“, meint Osmo und klopft Mikko auf den Rücken.

„Oder sie tippen, wer sich am besten schlägt…“, fügt Alex leise hinzu.

„Wortwörtlich“, kichert Sami und schon gibt es kein Halten mehr. Lachend fallen wir uns in die Arme und jeder Außenstehende würde jetzt wahrscheinlich meinen, dass wir von der Bar kommen und nicht gerade auf dem Weg dahin sind. Apropos Weg…

„Wir haben jetzt schon doppelt so lange zum Hauska gebraucht, als normal“, mutmaße ich und wende mich grinsend Alex zu: „Du bist schuld, sonst sind wir immer rechtzeitig angekommen!“

„Natürlich, da kommt eine Frau zu euch und soll irgendwie Ordnung hineinbringen, dabei bin ich anscheinend schuld am Chaos!“, kontert Alex lachend. „Auf geht´s, ich hab Hunger!“

„Und wenn die Hunger hat, dann kann die ein ganzes Running-Sushi-Förderband leeressen!“, warnt uns Mikko und kassiert dafür einen Schlag auf die Schulter.

„Jetzt dürften wir aber wirklich mal gehen, es ist schon acht Uhr“, bemerkt Raul und zieht Riku und mich am Ärmel hinter sich her.

„Essen ich komme!“, trällert Alex im Hopserlauf und streckt die Nase in die Luft Helsinkis.

Tatsächlich sind wir nur zwanzig Minuten zu spät und werden auch sofort in den Extra-Raum geführt. Die Getränkewahl fällt bei uns allen zunächst auf ein Bier, zu essen bestellen wir uns alle bis auf Osmo Fisch. Der mag keinen.

„Fisch schmeckt komisch“, meint er darauf nur und ordert ein Steak.

„Das ist doch ein Frevel für jemanden, der direkt am Meer wohnt“, findet Alex kopfschüttelnd und nippt an ihrem Bier.

„Wenn du als Kind jeden zweiten Tag Fisch gegessen hättest, dann würdest du ihn jetzt auch nicht mehr mögen“, erklärt ihr Osmo. Angewidert schüttelt er sich. „Bäh, wenn ich nur dran denke…“

Kurz herrscht Stille, was ungewöhnlich für uns ist; diese wird aber von Alex schnell wieder unterbrochen. „Wo genau sind eure Familien eigentlich?“

Wir wechseln überraschte Blicke. Anscheinend sind wir ihr nicht nur als Arbeitgeber wichtig, sondern auch als Freunde, die es aber meistens nur im Doppelpack oder als ganze Familie dazu gibt.

„Naja, wir dachten, dass es ja um dich und uns als Band geht, daher nur wir zu siebt“, versuche ich ihr zu erklären.

„Aber wir können noch gerne anrufen und ihnen sagen, dass sie kommen sollen“, fügt Raul hinzu.

„Dann hätten wir ein Taxi…“, überlegt Riku laut und grinst. „Aber Tiina ist eher nicht begeistert, wenn ich vor den Kids saufe…“

„Okay, das ist ein ausschlaggebender Grund“, findet Alex lachend. In der Zeit, in der wir auf unser Essen warten, unterhalten wir uns über die folgenden Wochen: Termine, Konzerte, andere Dinge, die anstehen. So geht die Zeit schnell vorbei und es dauert nicht lange, bis das erste Gericht dampfend auf dem Tisch steht. Gentlemanlike wie wir sind, bekommt Alex zuerst ihren Fisch, wir wollen ja nicht, dass sie verhungert. Obwohl sich mein Magen inzwischen auch lautstark bemerkbar macht.

„Du hörst dich an wie ein röhrender Elch“, findet Mikko und grinst mich vielsagend an. Aber glücklicherweise kommen der Rest auch sofort – inklusive Osmos Steak – und dann tritt das altbekannte Phänomen auf: Alles ist still, man hört nur das Geklapper von Messer und Gabel und hin und wieder einen dumpfen Schlag, wenn jemand sein Glas auf dem Tisch abstellt. Keiner spricht auch nur ein Wort, sondern fällt wie ausgehungert über den Teller her. So ist es auch kein Wunder, dass es nicht lange dauert, bis die Alex, Sami und Riku ihre Teller von sich schieben.

„Ich platze gleich“, stöhnt Alex und atmet heftig. „Ich glaub ich muss kurz meinen Gürtel ein Loch weiterstellen, ich hoffe, ihr habt kein Problem damit.“

Mit vollem Mund schüttle ich den Kopf und beobachte sie belustigt dabei, wie sie mühevoll ihren Gürtel aus der Lasche herauspfriemelt und dann etwas weiter wieder hineinsteckt.

„Besser“, lächelt sie deutlich entspannter. Und ohne Schnappatmung.

Wenig später sind wir alle fertig, nur Raul mampft noch genüsslich vor sich hin.

„Hast du´s dann? Wir sind hergekommen, um zu feiern und nicht um zwei Stunden zu essen“, murrt Sami und stößt ihm heftig in die Schulter, sodass er bedenklich schwankt und fast vom Stuhl fällt.

„Du isst so langsam wie mein Opa“, amüsiert sich Alex.

„Apropos Opa: Wie sieht es bei dir eigentlich mit Familie aus?“, fragt Osmo. Neugierig spitze ich die Ohren; über dieses Thema haben wir tatsächlich noch nie gesprochen.

„Ähm, ich hab eine“, erwidert Alex trocken und sieht Osmo verwirrt an.

„Ja, das war mir schon klar, ich meinte damit, ob du zum Beispiel gern einen Freund hättest oder sogar hast, der jetzt ganz alleine bei dir Zuhause sitzt und verzweifelt darauf wartet, dass du wieder zurück nach Köln fliegst.“

„Nein, hab ich nicht. Zumindest im Moment. Sonst hätte ich den mitgenommen“, antwortet Alex gelassen und spießt ein Stück Kartoffel, das noch auf ihrem Teller liegt, auf. „Meine letzte Beziehung ist zum Schluss hin so…langweilig geworden. Mehr so wie eine Freundschaft. Und mit dem Typen bin ich immer noch ganz gut befreundet, auch wenn er inzwischen wieder vergeben ist. Und ich suche jetzt auch nicht an jeder Ecke und will krampfhaft den einen finden. Wenn er auf einmal da ist, super, dann freu ich mich, wenn nicht, dann eben nicht.“

„Also planst du auch keine Kinder?“, will ich jetzt wissen. Ein bisschen interessiert mich Alex´ Familiengeschichte beziehungsweise -planung schon. Vielleicht weil ich von Natur aus ein recht neugieriger Mensch bin, vielleicht aber auch, weil ich die Person, die von nun an mit uns arbeitet, besser kennenlernen will, wie die anderen Jungs auch. Ein weiterer Grund für unser heutiges Treffen.

„Wird das jetzt eine Art Vorstellungsgespräch, ob ich schon geeignet bin?“, lacht Alex bevor sie antwortet. „Nein, mit wem denn auch? Wenn ich irgendwann mal wieder einen festen Freund habe, dann kann man da nochmal drüber reden, aber im Moment würde ein Kind nicht in mein Leben hineinpassen.“

„Fertig!“, freut sich Raul und unterbricht somit unser Gespräch. Glücklich schaut er uns an, so als wolle er Applaus für seine soeben vollbrachte Leistung.

„Äh ja, ganz toll!“, lobt Alex ihn und hebt ihre Daumen in die Luft. „Heißt, wir können nun zum eigentlichen Teil des Abends übergehen?“
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©Kaffeetante3, 2018/19
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