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Wenn der weiße Drache wieder träumt ...

von setyu san
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Dartz Seto Kaiba Yami-Yuugi Yugi Mutou
23.05.2019
22.07.2021
35
103.059
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22.07.2021 6.986
 
XXXIII. Yugis erste Therapiestunde



Da er den gesamten Vormittag mit der Wiederherstellung und dem Sichten der Videos beschäftigt gewesen war, überraschte es den jungen Firmenchef, als es plötzlich an der Tür seines Arbeitszimmers klopfte. Seto hob den Kopf und rief mit einer Stimme, die deutlich machte, dass er eigentlich nicht gestört werde wollte, „Herein?“, Roland, der die Launen seines Herren schon gut kannte und sich von eben solchen nicht mehr abschrecken ließ, öffnete die schwere Tür und trat ein.
Kaiba – sama?“
Was gibt es, Roland? Ich hatte doch ausdrücklich gesagt, dass ich zu arbeiten hätte und nicht gestört werden wollte!“, ein missmutiger Blick des CEOs traf den Chauffeur.
Gewiss, Sama. Doch Sie hatten mir auch aufgetragen, Yugi Muto heute Nachmittag zur Klinik zu fahren“, erwiderte Roland in seinem typisch stoischen Butler – Tonfall und blickte seinen Chef ruhig an. Schnell schaute der Jungunternehmer zur Wanduhr und musste feststellen, dass die Zeit durch sein intensives arbeiten und dies schreckliche Video wie im Flug vergangen war.
Sicher“, entgegnete er seinem Angestellten und wandte sich dann dem auf der kleinen Couch hockenden Yugi zu. „Yugi? Roland wird dich nun in die Stadt fahren. Nicht für sehr lange … ungefähr eine Stunde“, während Kaiba dies sagte wurden die violetten Seelenspiegel des Kleineren immer größer und blickten ihn ängstlich an.

Er begann seinen Kopf leicht zu schütteln, erst langsam dann immer hektischer und ein Zittern durchzog den zarten, schlanken Körper. N–…n–…n–…nein … bit–…bitte … nein. Er findet mich … er wird mich fin–…“, heiser brach Yugi ab und Tränen zogen glitzernde Bahnen über seine Wangen. Fest krallte er seine Hände in die bunten Haare und vergrub seinen Kopf zwischen den Knien.
Seto schaute Yugi fast ein wenig hilflos an, „Keine Angst, Yugi … Dartz lebt nicht mehr. Du brauchst keine Ang–…“, schockiert über sein schlechtes Taktgefühl unterbrach er seinen Satz, denn in diesem Augenblick fiel ihm ein, WAS er da gerade sagte. Natürlich hatte der Jüngere Angst, Dartz war für Yugi allein durch die Wunden momentan omnipräsent, auch wenn er es vordergründig verdrängte oder sich wirklich nicht daran erinnerte. So setzte er sich neben den Kleineren und wartete ab, wie dieser darauf reagierte. Schließlich hatte Dr. Yakamato ihm gesagt, er solle auf Yugi Rücksicht nehmen und warten, wie dieser in gewissen Situationen reagierte. Doch Yugi weinte und zitterte nur, flüsterte immer weiter, „Nein, … nein … nicht … Bitte nicht mehr …“, Seto hielt es schließlich nicht mehr aus, er zog Yugi auf seinen Schoß und kraulte ihn vorsichtig im Nacken.
Sch, sch, ganz ruhig, Roland ist ja bei dir, er wird auf dich aufpassen. Versprochen!“, versprach er, wobei er den Kleinen, welcher immer noch weinend auf den langen Beinen saß, über den Rücken strich.

Ich will … nicht weg– … gehen. Bitte … er wird … mich finden … er wird mich …“, zu guter Letzt war Yugis Stimme nur ein heiseres Krächzen, das in dem Weinen mehr und mehr unterging. Ein leises Räuspern von Roland, der nach wie vor an der Tür stand, machte den Jungunternehmer wieder darauf aufmerksam, dass es Zeit wurde sich auf den Weg zu dem Termin mit Professor Dr. Dr. Adams zu begeben. Innerlich darüber fluchend, dass er gezwungen war die liegengebliebene Arbeit, der vergangenen Wochen als er erst Yami und dann Yugi versuchte zu finden, auf zuarbeiten, stand Kaiba vorsichtig auf und ließ Yugi langsam zurück auf die Couch gleiten. Der Kleinere wehrte sich schließlich nicht mehr, als Seto ihn hoch hob und zu seinem Chauffeur sagte, „Bringen Sie ihn zu dem Termin, Sie werden ihn direkt bei dem Arzt im Zimmer abliefern und lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Sekretärinnen oder dergleichen abwimmeln. Haben Sie mich verstanden, Roland?“ Der strenge Ton erlaubte keinen Widerspruch.

Gewiss, Kaiba – sama.“
Zu Dritt gingen sie die geschwungene Treppe herunter und Roland öffnete die große Haustür, schritt zum Wagen und hielt die hintere Tür für den kleinen Fahrgast auf. Doch Yugi klammerte sich nur noch enger an Seto, der soeben den Versuch gemacht hatte ihn in die Limousine zu setzen. Kaum berührten Yugis Füße den Boden, machte er den Versuch wieder in die Villa zu laufen. Panik stand in seinen glasig blickenden violetten Augen. Seto wandte sich zu dem Kleineren und ergriff sanft seine Hand.
„Yugi, bitte, es ist nur gut für dich. Bitte, glaube es mir. Ich werde hier warten, oben in meinem Arbeitszimmer. Einverstanden?“
Ermunternd schaute er den Jüngeren an, erhielt allerdings keinerlei Regung seitens Yugis. Mit leichtem Druck schob der CEO Yugi in die Limousine und schloss die Tür. Roland ging flott um den Wagen, setzte sich auf seinen Sitz und startete den Motor. Augenblicklich setzte sich die schwarze Limousine in Bewegung, nachdenklich blickte ihr der junge Firmenchef nach. Dann begab sich Seto wieder in sein Arbeitszimmer, mit gemischten Gefühlen setzte er sich an seinen Schreibtisch und versuchte seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Zwanzig Minuten später fuhr der schwarze Wagen vor der Privatklinik vor, nachdem Roland den Wagen gestoppt hatte und ausgestiegen war ging er zur Hintertür der Limousine und hielt seinem kleinen Fahrgast die Tür auf. Zögerlich blickte Yugi den breitschultrigen Mann an und sackte noch weiter in sich zusammen, doch Roland hielt ihm kurzerhand seine Hand entgegen und wartete ab was geschah.

Kommen Sie bitte, Muto – kun. Wir sind bereits spät dran“, sagte Roland in ruhigem Ton und griff dann nach Yugis Hand. Der König der Spiele versteifte sich, sodass Roland etwas an dessen Hand ziehen musste. Der kleine König der Spiele stieg verunsichert aus dem Wagen und der Chauffeur zog ihm kurzerhand durch den Vordereingang, die große Halle und die langen Flure bis zu einer Tür mit dem Schild : Sekretariat Prof. Dr. Dr. Adams! Roland klopfte zwei, drei mal an die mintgrüne Tür und trat mit dem Kleinen an seiner Hand in das Zimmer der Vordame.
Guten Tag, ich bin der Chauffeur von Seto. Kaiba. Ich bringe Professor Dr. Adams seinen Termin für 16.40 Uhr.“
Der Leibwächter erntete einen hochnäsigen Blick der Rothaarigen, die von Roland zu Yugi blickte und wieder zurück. „Gut, auch wenn Sie sich bereits um zehn Minuten verspätet haben und der Doktor so etwas gar nicht schätzt, lassen Sie ihr Problem dort auf den Stühlen Platz nehmen. Ich werde ihn dann gleich zum Professor bringen“, damit wandte sie sich wieder ihrer Schreibmaschine zu.
Nein, mir wurde ausdrücklich aufgetragen, den Patienten persönlich zum Professor zu bringen. Und somit möchte ich Sie bitten, bringen Sie uns nun zu dem Doktor“, widersprach Roland der Sekretärin, die ihn mit Blicken durchbohrte.
Nachdem sie ihn eine Weile stur angestarrt hatte erhob sie sich von ihrem Stuhl und sagte schnippisch, „Würden Sie mir folgen?“
Yugi, der sich die ganze Zeit hinter dem großen Leibwächter befand krallte sich an dessen Jackett fest und beobachtete die schnellen Bewegungen der Frau mit wachsendem Unwohlsein. „Gewiss doch, kommen Sie, Muto – kun“, ohne irgendeine Miene zu verziehen ging er mit dem kleinen Duellanten weiter, der sich am Liebsten noch länger hinter seinem Rücken versteckt hätte.
Die Sekretärin ging den Beiden voraus auf den Flur und brachte sie zu einer Tür an der ein silbernes Schild angebracht war, auf dem zu lesen stand : Prof. Dr. Dr. Adams.
Yugi schluckte mehrfach, er fühlte sich hier wieder so hilflos, ausgeliefert und allein.

Der Brünette saß derweil in seinem Arbeitszimmer und studierte verschiedene Verträge, ging die Kalkulationen seiner Mitarbeiter durch, konfigurierte die Parameter für ein neues PC – Spiel und überarbeitete sie dann größtenteils noch einmal. Zwischendurch glitten seine blauen Augen immer auf die Zeiger der Wanduhr, da er sich nur schwer auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren konnte. Viel zu langsam verging in seinem Ermessen die Zeit an diesem Nachmittag. Wieder und wieder wanderten seine Gedanken zu Yugi! Der junge Firmenchef fragte sich, was jetzt mit dem Kleineren geschah, würde dieser Professor seinem Kleinen wirklich helfen können? Als Seto innerhalb von 10 Minuten ein weiteres Mal zur Uhr sah seufzte er lautlos über seine eigene Unruhe, die er verspürte auch wenn man sie ihm äußerlich nicht anmerkte.

In der Klinik … Die Sekretärin betrat nach kurzem Klopfen das Zimmer und ließ Roland mit dem Bunthaarigen allein auf dem Korridor zurück. Der Kleine hörte Stimmen, darauf wurde die Tür wieder geöffnet und sie wurden eingelassen. Auf dem Sessel saß ein schlanker, ca. 1,85m großer Mann mit Halbglatze und Nickelbrille … Professor Dr. Dr. Adams!
Verschüchtert stand dieser nun hinter dem Chauffeur in dem beige gestrichenen Raum. Vor ihnen stand ein großer Tisch, auf der rechten Seite war eine Sitzgruppe und ein Schaukelstuhl. An der linken Seite in der Ecke war eine Hängematte angebracht und dümpelte seicht durch die Bewegung des Luftzuges der geöffneten Tür.
Guten Tag, Prof. Dr. Dr. Adams. Ich bin der Chauffeur von Seto Kaiba, meine Aufgabe ist es Ihnen ihren Patienten zu bringen und selbstverständlich nach der Stunde wieder abzuholen!“
Yugi, der in diesem Moment wieder von einer leichten Panikattacke ergriffen wurde, machte Anstalten aus dem Büro zu laufen. Allerdings griff Roland sofort nach Yugis Handgelenk und prompt steigerte sich bei dem Violettäugigen die Panik

NEIN …“, schrie Yugi auf, „Nicht … bitte … looooooslassen … aufhören …“, wieder und wieder strich er mit seiner freien Hand über seinen Arm, kratzte sich kurze Zeit später sogar über den festgehaltenen Arm und versuchte den Griff an seinem Handgelenk zu lösen, weinte binnen weniger Sekunden hemmungslos.
Lassen Sie ihn bitte los. Wir sind hier in meiner Klinik und in meinem Behandlungszimmer, hier wird nichts passieren. Nur so wird er sich immer weiter in diesen Zustand hineinsteigern und es wird mir unmöglich werden mit ihm zu reden und zu helfen.“
Langsam ließ Roland den kleinen Bunthaarigen los, der sich augenblicklich auf dem Boden in Fötusstellung zusammen kauerte. Wimmernd lag er da und blickte starr auf den Boden. Setos Leibwächter und enger Vertrauter war bestürzt, dass er den kleinen König der Spiele so verängstigt hatte und zog sich mit einigen kurzen Worten der Verabschiedung zurück. Der Professor stand lange stumm an seinen Schreibtisch gelehnt und betrachtete den Kleinen, der immer weiter zurück gekrochen war und nun mit dem Rücken zur Wand auf dem Boden kauerte und stumm weinte. Er besah sich das bandagierte Handgelenk und ging in Gedanken nochmal die Krankenakte durch, die Dr. Yakamato ihm gegeben hatte, dachte über alles genau nach. Durch die Misshandlungen, die Vergewaltigung, ebenso diese Drogen, die dem Jungen verabreicht worden waren, war dieser in diesen wenigen Tagen wahrlich durch die Hölle gegangen. Und das er sich nur einer Person zu öffnen schien, laut den Erzählungen von Dr. Yakamato, würde es auch nicht einfacher machen. Denn wie jeder wusste, war diese Person kaum dazu in der Lage offen Gefühle zu zeigen, doch dieser junge Mann hier brauchte Gefühle. Gefühle wie absolute Rücksicht und Liebe. Und das soviel es nur ging. Er würde jemanden brauchen, der bereit war, alles für ihn zu geben.

Muto – kun … oder darf ich Yugi sagen?“, sprach der Professor Yugi nach ein paar Minuten mit seiner ruhigen, melodischen Stimme an und wartete auf eine Antwort des kleinen Duellanten. Als dieser ihm keine gab beantwortete er sich seine Frage selbst und redete behutsam weiter. „Möchtest du unten auf dem Boden sitzenbleiben oder möchtest du dir einen anderen Sitzplatz suchen, Yugi? Du kannst dich setzen, wo immer du möchtest!“, wache Augen schauten den Violettäugigen an, der sich verunsichert im Zimmer umsah, aber trotzdem auf dem Boden hocken blieb. Gut, möchtest du vielleicht etwas trinken, Yugi?“, aufmerksam schaute der Doktor in das blasse Gesicht mit den stark geröteten Augen und versuchte eine Antwort zu erhalten.
Allerdings war keine Antwort die Einzige, die er erhielt. Professor Adams ging langsam in seinem Büro umher, als er an dem kleinen Schränkchen in der Ecke angekommen war blieb er davor stehen und öffnete dessen Tür. Er machte leise Musik an und drehte sich wieder zu Yugi, der stumm auf dem Boden saß, seine Knien angezogen und seine schmalen Arme fest darum geschlungen. Er blickte ängstlich auf den Boden, nur wenn der Professor eine Bewegung machte, huschten seines Augen mit Schrecken kurz hoch zum Doktor, um dann wieder seine Schuhe zu fixieren. Er knetete seine Finger und zupfte zwischendurch nervös sein T-Shirt runter.

Worüber wollen wir beide denn jetzt mal reden? Über dich? Willst du vielleicht über dich sprechen?“
Keine Antwort.
„Möchtest du über deinen Großvater reden?“
Keine Antwort und sein Blick blieb stur am Boden kleben.
„Möchtest du über deine Freunde reden?“
Wieder keine Antwort. Yugi schaute nur auf den mit blauen Teppich ausgelegtem Boden und schwieg.
„Möchtest du vielleicht über DuelMonsters sprechen?“
Kurz schien ein kurzes Aufflackern in den schönen violetten Seelenspiegeln zu sehen zu sein, doch dann war es ebenso schnell wieder verschwunden. Der kleine Duellant gab keinen Ton von sich.
„Möchtest du über deine Lieblingskarte, den ´Dunklen Magier`, reden?“
Ein tiefes Seufzen entkam Yugis Lippen und der Professor notierte sich etwas in seiner Krankenakte.
„Wie ist es mit dem Gegenspieler des Magiers, dem ´Weißen Drachen`? Möchtest du dich mit mir über Drachen unterhalten?“
Yugi schaute nicht auf, doch seine Züge entspannten sich, ein sanftes Lächeln zupfte an den Mundwinkeln des Kleinen. Erneut schrieb der Doktor einige Zeilen in die Akte, bevor er den Bunthaarigen fragte.
„Yugi, wie ist es, möchtest du über jemand bestimmtes sprechen?“
Jetzt sah er verlegen auf seine Hände, knetete seine Finger so sehr, dass sie bereits komplett weiß wurden. Dann begann er auch schon wieder heftig an seinem Pulli zu zerren und sich zu kratzen, er nagte hektisch an seinen Lippen.

Nun gut, ich denke, für heute ist es genug. Wir werden jetzt noch zu der Musik einige Entspannungsübungen machen und danach werde ich deinen Fahrer rufen lassen. Einverstanden?“, sagte der schlanke Brillenträger in freundlich, ruhigem Ton. Dann rollte er auch schon eine ISO-Matte aus und begann mit den Entspannungsübungen. Atemübungen und auch sanfte Dehnungsübungen, etwa zehn Minuten lang. Während der Professor Yugi die Übungen vorturnte saß dieser stumm auf dem Boden und knibbelte an seinen Fingern. Aus seinen Augenwinkeln beobachtete der Arzt alle Regungen des Violettäugigen. Als er mit seinen Entspannungsprogramm fertig war, ging er zum Schreibtisch, drückte die Sprechanlage seiner Sekretärin und gab ihr den Auftrag Kaibas Chauffeur zur Klinik zu rufen. Knappe fünf Minuten später klopfte Roland, der vor der Privatklinik in der Limousine auf den Anruf gewartet hatte, an die Tür des Doktors.
Professor?“, der Chauffeur verbeugte sich und trat ein.
Wir sind für dieses Mal fertig. Der nächste Termin ist, um ihn nicht zu überfordern, erst einmal in einer Woche, um die selbe Uhrzeit. Sonst soll sich nur an die Medikation von Dr. Yakamato gehalten werden und falls was besonderes passiert, kann man sich selbstverständlich bei mir melden“, dann wandte sich der Professor an Yugi und verabschiedete sich.

Wenige Augenblicke später fuhr die schwarze Limousine von dem Klinikgelände und der Bunthaarige kauerte sich auf der Rückbank zusammen. Schlang sich seine Hände um die Oberarme, wenig später fing er unkontrolliert an zu zittern. Bald fuhr der Wagen die lange Einfahrt zur Villa hinauf und Roland stoppte der Motor der Limousine. Der Chauffeur stieg aus, schritt geschwind um den Wagen und öffnete die Tür. Yugi lag immer noch zusammen gekauert auf dem Rücksitz, zitterte und schniefte vor sich hin. Das Roland ihm die Wagentür geöffnet hatte bekam er gar nicht mit.
Wie war es?“, ertönte die beherrschte, kühle Stimme des Hausherren. Roland drehte sich schnell Kaiba zu und verbeugte sich tief.
Ich fürchte nicht so gut, Kaiba – sama“, antwortete der Chauffeur seinem Chef wahrheitsgemäß, worauf sich die Augen des CEO verengten.

Was hat das zu bedeuten“, verlangte der Brünette sofort zu wissen, während er auf den Wagen zu schritt und sich in das Innere beugte. Seto schloss kurz die Augen, atmete tief ein und zog Yugi langsam aus der Enge, er hob ihn sanft an und trug ihn in die Villa. An der Tür wandte er sich noch mal kurz zu Roland um und teilte diesem mit, dass er sich zur Klärung was vorgefallen sei, in genau einer Stunde im Arbeitszimmer melden sollte. Eine tiefe stumme Verbeugung seines Chauffeurs, Leibwächters und „Mädchen für Alles“ erfolgte als Zeichen des Respekts. Nachdem Seto den Kleineren in das große Bett gelegt und ihn behutsam zugedeckt hatte, ging er leise in sein Arbeitszimmer und wählte die Nummer von Professor Dr. Dr. Adams. Bevor er sich mit Roland und dessen Version befasste, wollte er die Geschichte aus Sicht des Mediziners hören.
Professor Adams? Seto Kaiba hier, ich wollte wissen wie es Yugi Muto in seiner ersten Stunde bei Ihnen ergangen ist? Und warum er in einem so desolaten Zustand von meinem Chauffeur wieder heim gebracht wurde?“, klang die kühle, strenge Stimme des jungen Firmenchefs.
((„Es gab ein kleines Missgeschick mit Ihrem Fahrer und Muto – kun, ansonsten bin ich nicht befugt Ihnen etwas über die Arbeit mit meinen Patienten zu berichten“, antwortete der Doktor schlicht.))
Worauf Seto empört die Luft ausstieß … nun gut, er würde Roland befragen!

Pünktlich eine Stunde später klopfte es bei Kaiba an der Tür des Arbeitszimmers. Wie von seinem Herren befohlen war Roland erschienen, um von ihm zu dem Vorfall, welcher sich in der Klinik ereignet hatte, befragt zu werden.
„Kaiba – sama!? Sie haben mich rufen lassen?“
„Roland, Sie sind bis jetzt immer ein loyaler Bediensteter, ja, fast väterlicher Freund für meinen kleinen Bruder und eine Hilfe in allen Lebenslagen für mich gewesen. Daher bin ich sicher, Sie werden mir ehrlich antworten, wenn ich Sie frage, was in der Klinik vorgefallen ist.“ Kalte blaue Augen taxierten den Chauffeur. „Also, Roland? Was ist mit Yugi bei der Untersuchung passiert? WAS hat dieser inkompetente Arzt gemacht?“ Erwartungsvoll saß der CEO hinter seinem großen Schreibtisch.
„Selbstverständlich, Sama. Als wir in der Klinik ankamen, brachte ich Muto – sama zuerst zur Sekretärin des Professors, um ihn dort anzumelden, welche uns dann zum Professor führte. Doch da Muto – sama sich zu ängstigen schien hielt ich ihn an der Hand und betrat mit ihm gemeinsam das Behandlungszimmer. Nachdem der Doktor uns begrüßt hatte sollte die Therapiestunde beginnen, allerdings weigerte sich der junge Herr, so nahm ich ihn am Handgelenk und wollte ihn zum Professor hin schieben. Dies löste bei ihm jedoch eine enorme Panikattacke aus. Worauf hin mich Dr. Adams aus seiner Klinik schickte und mich erst nach etwas über einer Stunde anrief, um Muto – sama wieder abzuholen.“

Kaiba hatte den Ausführungen seines Chauffeurs und Leibwächters mit wachsender Wut und einer ohnmächtigen Besorgnis, was sich danach in der Stunde beim Professor zugetragen haben könnte, gelauscht. Einen winzigen Moment war seine Miene ohne Regung, dann stand er abrupt auf und hatte mit ein paar Schritten den ausladenden Schreibtisch umrundet.
„Roland, was haben Sie sich nur dabei gedacht? Ich habe extra Ihnen, als meinem engsten Mitarbeiter diese heikle und wichtige Aufgabe gegeben. Sie wussten, wie wichtig es mir ist. Und Sie versauen es, was ging in diesem Moment nur in ihrem Schädel vor.“ Blaffte der CEO seinen langjährigen Mitarbeiter an. Roland stand mit leicht gesenktem Kopf vor seinem Arbeitgeber und blickte stumm zu Boden. Seto taxierte seinen Angestellten dennoch mit einem scharfen Blick. „Unmöglich, absolut unmöglich. Sie wissen um die Verfassung von Yugi und tun ihm so etwas an, ich sollte Sie auf der Stelle feuern. Egal wie lange Sie schon für uns arbeiten, ganz egal wie sehr Sie sich sonst immer für mich engagiert haben. Dies ist ein Fauxpas, den ich nicht ohne weiteres tolerieren kann. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen, Roland …“, schnaubte Seto und drehte sich von dem anderen Mann weg. „Jetzt gehen Sie wieder an ihre Arbeit, aber unterlassen Sie es tunlichst, Yugi Muto noch einmal so zu verängstigen. Sie werden sich ihm ohne meine Anweisung nicht mehr nähern, und wenn Sie ihn zur Therapie fahren wird Sie jemand begleiten. Haben Sie mich verstanden?“ Setos Stimme war nur ein schneidendes Flüstern. „Ja … jawohl, Kaiba – sama, wie Sie wünschen, Sama.“ Roland ging zur Tür, als er sie öffnete stand davor ein perplex drein blickender Mokuba, der seine Hand zum klopfen erhoben hielt.

.Irritiert schaute der kleine Schwarzhaarige von Roland zu seinem Bruder und ließ dann den Chauffeur aus dem Arbeitszimmer treten. Die großen Augen seines Bruders blickten Seto fragend an. „Warum hast du denn Roland so angeschrien? Ist etwas passiert?“
Seto war sich bewusst, dass sein kleiner Bruder keine Ruhe geben würde, bevor er ihm nicht eine Antwort gegeben hätte und so setzte sich der Brünette auf den Stuhl hinter dem Schreibtisch und nachdem er kurz seine Nasenwurzel massiert hatte, was er im übrigen immer tat wenn er nachdachte, gestresst war oder sich Sorgen machte, sagte er zu seinem jüngeren Bruder. „Ich hatte Yugi mit Roland zu seiner Therapiestunde geschickt. Eigentlich eine simple, völlig einfache und unspektakuläre Aufgabe und was macht Roland? Er stürzt Yugi in eine neue Panikattacke … Yugi war völlig apathisch und wirkte so verloren wie an dem Tag, an dem ich ihn nach seiner Rettung hier zu uns brachte.“ //Es war schrecklich!//
„Deshalb hast du Roland also angeschrien?“
Ein grimmiger Blick sowie ein stummes Nicken von Seiten des Größeren waren die Antwort.
„Aber was … nun, ich meine, Roland kann doch nichts dafür, dass Yugi Angst hat. Das hat er doch sogar vor mir.“ Mokuba seufzte kläglich und schaute dabei seinen großen Bruder traurig an. „Somit kann er doch nicht dazu.“ Versuchte es der Schwarzhaarige erneut, doch der CEO schüttelte nur missmutig den Kopf, „Still, er ist schuld und nun keine Diskussionen mehr. K.E.I.N.E. D.I.S.K.U.S.S.I.O.N ! Verstanden?“
„Ja, Onii – chan. Ich dachte ja nur.“

Auch wenn sein Bruder im Augenblick nicht die beste Laune hatte und es eigentlich nicht angebracht war ihn jetzt darauf anzusprechen, so wagte Mokuba es dennoch.
„Hm, duhu, Seto … ist es möglich … ähm, also … das du Yugi magst … vielleicht sogar etwas mehr?“
Aufmerksam beobachtete Mokuba jede Regung im ebenmäßigen Gesicht des Braunhaarigen. Kurz zuckte die rechte Augenbraue des Firmeninhabers in die Höhe, doch so schnell diese unbedachte Reaktion gekommen war, so schnell war sie auch schon wieder verschwunden. Wenn man ihn nicht kennen würde, könnte man meinen sich es nur eingebildet zu haben. Mokuba glaubte bereits, sein großer Bruder würde ihn nun einfach hier im Arbeitszimmer stehen lassen, da er aufstand und Anstalten machte an dem kleinen Kaiba vorbei zu schreiten, doch dann drehte er sich zu Mokuba.
„Wie kommst du auf diese absurde Idee?“, fragte er schließlich seinen kleinen Bruder mit gereizter Stimme.
„Du hattest schon bei der Sache mit Dartz extrem Angst um ihn, dass habe ich gespürt. Nun ja, du bist wenn es um Yugi geht immer so gereizt … also, wenn einer, so wie jetzt Roland, auf den du sonst immer enorme Stücke hältst, mal einen kleinen Fehler macht“, weiter kam er nicht, denn schon widersprach ihm Seto heftig.
„Das war kein kleiner Fehler, er hat ihn in eine heftige Panikattacke getrieben. So etwas ist unverzeihlich.“ Korrigierte ihn der Brünette streng.
„Siehst du, du tust es schon wieder. Kaum geht es um Yugi, mutierst du zu einem halben Drachen … nein, ich korrigiere mich“, grinste der Schwarzhaarige verschmitzt, „Du wirst gänzlich zum Drachen! Einem Drachen, der sein Heiligstes beschützt! Und alle, die ihm zu nahe kommen und diesem Heiligtum etwas antun könnten, wegbeißt.“ Grinsend stupste der Kleine seinem Bruder auf die Brust.

Ertappt öffnete Seto die Tür seines Arbeitszimmers und sagte nur zu seinem Bruder. „Genug jetzt, raus. Ich habe zu tun. Meine Firma leitet sich schließlich nicht von alleine.“
Sein Bruder lachte, „Aber klar … sei froh, dass du dich zur Not auf die KaibaCorporation berufen kannst.“
Nachdem Mokuba gegangen war, nahm der CEO das Handy und wählte die Nummer von Professor Dr. Adams.
((„Dr. Adams! Hallo?“))
„Seto Kaiba hier! Was fällt Ihnen eigentlich ein, mir solche entscheiden Dinge in Bezug auf Yugi Muto vorzuenthalten?“ Schrie Kaiba den Arzt durchs Handy an.
((„Was habe ich Ihnen denn verschwiegen?“))
„Die Panikattacke von Yugi und deren Auslöser. Ich bin schließlich für ihn verantwortlich.“ Meckerte Seto sich mehr und mehr in Rage.
((„Wieso sollten ausgerechnet Sie für Yugi Muto verantwortlich sein?“))
„Das habe ich Ihnen schon einmal erklärt, ich bin schuld, dass er entführt und vergewal–… das er gefoltert wurde. Folglich muss ich mich um seine Genesung kümmern.“ Antwortete der Jungunternehmer aufgebracht.
((„Damit haben Sie sich gerade selber als Bezugsperson für Muto – kun disqualifiziert.“))
„Was zum Geier wollen Sie damit bitte schön sagen?“ Der Brünette umklammerte sein Handy gereizt, sodass das Gehäuse bereits leise knackte. ((„Die Antwort ist ganz einfach, Kaiba – sama , der junge Mann braucht jemanden, der ihn liebt … sagen wir es doch genauso, wie es ist, Vergewaltigung ist nicht nur ein hässliches Wort … so lapidar wie die ´Istanbul – Konvention` dies erklärt … “es als das nicht einverständliche, sexuell bestimmte vaginale, anale oder orale Eindringen in den Körper einer anderen Person darstellt“, ist es bei weiten nicht. Vergewaltigungen bedeuten in diesem Zusammenhang eine massive Verletzung der Selbstbestimmung des Opfers und haben oft gravierende psychische Folgen. Aber besonders schlimm ist es für jemanden wie Yugi Muto, einen so sensiblen jungen Menschen, der von jemand zu solch perversen Spielen gezwungen wurde, wie es  mir geschildert wurde … Vergewaltigungsopfer suchen ohnehin oft die Schuld bei sich, und Yugi hat sich abgekapselt, kommt nicht wirklich damit zurecht, dass er sexuell erregt von dem Mann war, der ihn gefesselt, ihm Schmerzen zugefügt und letztendlich sogar vergewaltigt hat. Er hat seinen Geist soweit zurückgezogen, weil er nicht mit der Tatsache zurecht kommt, dass er den Mann, der ihn vergewaltigt hat, angebettelte hätte … immer wieder angefleht hätte, ihn schlicht und einfach zu ficken, damit er endlich abspritzen kann. Denn durch diese Drogen, die ihm gegeben wurden, beherrschte nur noch Verlangen seinen Körper, er wurde davon verzehrt und konnte seinem Körpergefühl nicht mehr trauen.“))
„Unerhört … Wie reden Sie denn über Yugi“, doch weiter ließ ihn der Professor nicht kommen.
((Ich sage nur die Wahrheit … Yugi braucht jemanden, der ihn hält, ihm seinen Glauben wiedergibt und Rücksicht auf ihn nimmt. Immer und überall. Denn momentan ist er gebrochen … und so versucht er einen Weg zu finden, mit diesen Erfahrungen zurecht zu kommen, er wird sie klein reden und sie komplett in den hinterletzten Winkel seiner Seele schieben, vergräbt dort den Horror des ersten Mals, welches er eigentlich für jemand anderen reserviert hatte. Die Angst vor den Schmerzen, die er dort immer wieder durch gemacht hat, die schreckliche Scham, dass dieser Dartz ihm Lust bereitet hat, obwohl er ihn gegen seinen Willen genommen hat, ihn verspottet und bedroht hat … all das schiebt Yugi – kun zurück, als wäre dies alles nicht passiert. Hat um sein Herz und seine Erinnerungen eine Mauer errichtet. Daher braucht er jemanden, der ihm hilft sich selbst und seiner Gefühle vorbehaltlos wieder sicher werden zu können. Nur solch eine Person kann Yugi wieder ins Leben zurück holen. Und DAS werden SIE bestimmt nicht können.“))

Durch diese spitze Bemerkung des Doktor ereiferte sich Kaiba aufgebracht. „Sie…Sie…Sie… ungehobelter Quacksalber. Sie haben keine Ahnung, Sie stellen da ungerechtfertigte Behauptungen auf.“
Am anderen Ende der Leitung machte sich derweil der Professor einige wichtige Notizen und nickte immer wieder wissend mit seinem halbkahlen Schädel.
((„Vielleicht irre ich mich ja wirklich und Yugis Vertrauen in Sie ist zu recht so groß, dann kommen Sie doch mal zu einer Therapiestunde mit.“))
„Ich? Ich habe so etwas nicht nötig,“ doch so vehement, wie Kaiba dagegen den Vorschlag des Doktors sprach, merkte dieser gleich, dass dem Firmeninhaber auch etwas auf der Seele lastete.
((„Also habe ich mich ja doch nicht geirrt, Sie sind definitiv nicht der Richtige um Yugi zu helfen. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag.“))
Damit legte der Arzt ohne weiteres Wort auf.

Eine Weile stand Seto noch vor seinem Schreibtisch und starrte finster vor sich hin, doch dann straffte er seine Schultern, ging zur Tür und gemächlich über den Flur bis hin zum Schlafzimmer. Hin zu Yugi, der sich mittlerweile wieder beruhigt zu haben schien und auf dem Bett im Schneidersitz saß. Dieser blickte ängstlich zur Tür während sie sich öffnete und atmete erleichtert aus, als er sah wer den Raum betrat.
„Hallo Yugi, geht es dir nun wieder besser?“
Schüchtern schauten die violetten Augen hoch zu Kaiba und der Jüngere nickte eifrig zur Bestätigung. „Ja, danke der Nachfrage. Alles okay!“
„Möchtest du vielleicht einen Tee oder lieber eine heiße Schokolade haben?“ Erkundigte der junge Firmenmogul sich freundlich. Auf diese Frage erhielt er jedoch nur ein Kopfschütteln. „Wie ist es Yugi“, Seto überlegte wie er nun fragen sollte und da ihn die Anwesenheit des Kleineren doch meist etwas unkonzentriert machte, biss er sich ohne das es ihm selbst bewusst war, auf die Unterlippe, „Wollen wir nach unten ins Wohnzimmer gehen und ein wenig fernsehen?“ Aufmunternd sah er Yugi an. „Oder was möchtest du tun?“ Ermutigte Seto den Kleineren etwas zu sagen.

Yugi spielte mit seinen Händen, seine ineinander geknoteten Finger bekamen langsam weiße Knöchel und er sah ein wenig verlegen zu Seto auf, „Würdest du dich vielleicht ein wenig mit mir in den Garten von deiner Villa setzen? Ich meine … der ist so groß … und … und so schön.“ Yugi lief knallrot an und blickt sofort wieder nach unten.
„Wenn du in den Garten möchtest, dann können wir in den Garten gehen. Möchtest du ein wenig spazieren gehen?“
„Nein, ich möchte einfach nur draußen sein. Im Freien sitzen und nicht mehr im Haus.“ Unwillkürlich kamen Yugi ein paar Tränen und er schluchzte, als er plötzlich einen dunklen Raum sah. Kahle Wände, die ihn zu erdrücken schienen. Und als Yugi so ohne Vorwarnung zusammen zuckte und zu weinen begann, durchzuckte auch Seto ein Bild, welches er am liebsten nie gesehen hätte … Yugi, gefesselt und Dartz, der seine Hilflosigkeit ausnutzte und ihn immer wieder schändete. Seto war froh für seine Selbstbeherrschung und das somit in diesem Moment niemand, besonders Yugi nicht, die Wut, die tief in ihm brodelte, von seinem Gesicht ablesen konnte.

„Komm, Yugi, dann lass uns in den Garten gehen.“ Der Brünette ergriff eine dunkel – blaue Fleece – Decke doch zuvor drückte er die Taste zur Sprechanlage, die ihn mit der Küche verband, „Kithara, machen Sie mir einen kleinen Korb mit Obst, Säften, etwas Käse und Gebäck zurecht“, mit einem verborgenem Lächeln sah er zum Violettäugigen und sagte dann sogar noch, „Packen Sie noch etwas Süßes mit dazu.“ Mit der Decke auf dem Arm ging er auf Yugi zu, zögerte kurz, doch dann hielt ihm seine Hand hin, „Komm, der Garten wartet auf dich.“
Yugi lächelte ihn schüchtern an und wurde etwas rot, nach einigem Zögern legte er seine Hand in die von Seto und stand wackelig vom Bett auf.

Seto ging mit Yugi runter in den großen Garten, „Möchtest du eher hier bei der Villa bleiben oder ein kleines Stückchen weiter dort hinten, da bei den Bäumen sitzen?“
Zuerst zuckte Yugi nur mit den Schultern, er war nur glücklich draußen im Tageslicht zu sein, denn schließlich füllte er sich von Räumen, ohne das er genau wusste warum, erdrückt, fühlte sich im Inneren von vier Wänden unwohl! //Was ist nur los …// „Kön–…könnten wir uns vielleicht unter die Bäume …?“ Scheu blickte er zu dem CEO und begann wieder nervös seine Hände zu kneten.
„Sicher, lass uns zu der kleinen Gruppe von Weiden gehen, dort ist jetzt schön Schatten und viel Platz für die Decke.“
Yugi lächelte den Größeren dankbar an und schritt langsam hinter Seto zu den Bäumen rüber.
Dort angekommen breitete der Ältere die Decke aus, „Wartest du bitte noch einmal kurz auf mich? Ich habe leider etwas vergessen.“ Meinte der Braunhaarige zu dem Kleinen.
Yugi nickte und sah versonnen hoch zu den vereinzelt am Himmel entlang ziehenden Wolken. Seto hingegen machte sich auf den Weg zurück zur Villa und in die Küche, er holte den von seiner Köchin zusammen gestellten Picknickkorb. Zuerst überlegte der junge Firmenchef noch, ob er auch ein paar DuelMonsters Karten mit hinausnehmen sollte, doch da er nicht wollte, dass Yugi sich von ihm in Bedrängnis gebracht fühlte, ließ er bleiben. Im Hinausgehen griff er noch nach einem CD – Player und ohne groß hinzusehen zwei CDs … dann machte er sich auch schon postwendend auf den Rückweg.

Yugi saß noch immer die Wolken betrachtend unter den Weiden und wirkte auf eine würdevolle Art zerbrechlich. Er sah so klein, zart und liebenswert aus, dass Seto ein warmer Schauer über den Rücken lief. Ihm wurde von Tag zu Tag klarer, dass er ihn brauchte, aber was wäre wenn Yugi nicht so empfand? Wenn er nur Dankbarkeit empfand und er mit seinen Gefühlen allein war? Entschlossen schob er diese Gedanken weit von sich und schritt auf Yugi zu, setzte sich zu diesem auf die Decke und stellte den Korb ab.
„Oh …?“ Der Jüngere blickte überrascht zu dem Korb.
„Ich habe uns einen Picknickkorb packen lassen, schön mit Obst, verschiedenen Säften und vielen anderen leckeren Dingen. Außerdem hab ich hier noch Musik, falls du magst?!“ Seto blickte den Bunthaarigen von der Seite her an und wartete auf dessen Antwort.
Yugi wurde erneut verlegen und er schaute, als er dem CEO antwortete nach unten, „Ja, ich fände Musik beim Picknick schon klasse.“
Leicht lächelte Seto, //Pff … von wegen, ich bin nicht geeignet Yugi das zu geben was er benötigt. Dieser Arzt hat doch wirklich keine Ahnung. Ich bin der Einzige, der ihn … der diesen Menschen retten kann.// Er beobachtete, wie Yugi sich die ganzen Köstlichkeiten ansah und über die verschiedensten Obstsorten und Säfte staunte.
„Welches Lied möchtest du denn hören?“ Er hielt ihm zwei CD Hüllen entgegen.
Yugi nahm jede einzeln in seine Hände und besah sie sich lange, dann gab er eine zurück an den Größeren, „Könnten wir wohl diese hier hören?“ Bittend sah er Seto an.
„Selbstverständl–…“, in diesem Augenblick klingelte das Handy von Seto und er zog es genervt aus seiner Hosentasche.

„Was gibt es denn jetzt das so wichtig ist, dass es nicht hätte bis morgen früh warten können?“ Blaffte Kaiba in sein Handy.
„…“
„Ah, gut ich verstehe. Ich bin in etwa einer halben Stunde in der Kaiba Corporation. Sagen Sie den Informationstechnikern schon mal Bescheid, Sie sollen mich in der Computerabteilung treffen. Dies Problem muss umgehend behoben werden.“ Sprach der Firmenchef im herrischen Ton mit dem bedauernswerten Jemand am anderen Ende der Leitung.
Er ließ sein Handy zuschnappen und erhob sich von der Decke. „Ich muss los, wir müssen das Picknick nachher fortsetzen.“ Dann war er auch schon mit langen Schritten in Richtung Villa enteilt. Yugi sah ihm traurig und auch ein wenig ängstlich hinterher, immer wenn er alleine war fühlte er sich hilflos und allem ausgeliefert. Ohne Seto fühlte er sich seltsamerweise so unvollständig … doch Seto würde gewiss nie so über ihn denken. Er war nichts im Vergleich zu dem Firmeninhaber, er war vielleicht sein Rivale bei DuelMonsters, aber mehr auch nicht. Denn der Chef der KC stand bestimmt nicht auf das eigene Geschlecht, doch selbst wenn … er wäre bestimmt nicht der Typ Mann, den ein Seto Kaiba wählen würde. Aber nun fühlte er auch noch beschmutzt. Dartz hatte ihm das genommen, was er sich immer für den, den er aufrichtig liebte aufsparen wollte. Seinen Körper! Seto musste sich doch vor ihm ekeln, er war doch schließlich eine Art Lustsklave gewesen. Er ekelte sich selber an.

Seto war schon lange in der Villa verschwunden, als Yugi seinen Blick abwandte und seine violetten Seelenspiegel zum langsam dämmernden Himmel hob. Er verfolgte den Lauf der Wolken, beobachtete wie die Flugzeuge ihre Bahnen am klaren Himmel zogen und je dunkler es wurde desto mehr Lichter erschienen. Yugi lag unter den Bäumen und sah sich die blinkenden Lichter der über ihm fliegenden Maschinen an. Er lag einfach nur da und versuchte sich an die letzten Tage zu erinnern, sich an alle Vorkommnisse zu erinnern. Doch sobald er an einen gewissen Punkt kam war da plötzlich nur noch ein riesiges schwarzes Loch … keine Erinnerung mehr, wie es weiterging oder was in den darauf folgenden Stunden, Tagen geschehen war. Doch wenn er die Spuren auf seinem Körper sah … Leise seufzte er auf, als seine Augen begannen zu brennen.

Seto kam nach arbeitsreichen Stunden aus der KaibaCorporation zurück in die Villa, stieg aus der Limousine und ging mit schweren Schritten zur Eingangstür der majestätischen Villa. Der Braunhaarige erklomm die Treppe zum Schlafzimmer seines Bruders und öffnete leise dessen Tür, er sah mit einem zufriedenen Grinsen, dass der Schwarzhaarige selig schlummernd im Bett lag. Nun wollte sich Seto auf den Weg in sein eigenes Schlafzimmer machen, doch meldete sich selbst bei jemandem mit seiner Selbstbeherrschung auch einmal das Hungergefühl und er ging zurück in die große Küche des Herrenhauses. Nachdem er ein kleines Nachtmahl zu sich genommen hatte, machte er sich erneut auf den Weg nach oben. Vor seinem Schlafgemach lauschte er, doch da er keinen Laut von drinnen vernahm öffnete er vorsichtig, um Yugi nicht zu wecken, die Schlafzimmertür. Seto schlich leise ins dunkle Zimmer, von der Tür hinüber zum Fenster, wo er gerade beginnen wollte sich auszuziehen. Seto schaute auf das Bett, um entsetzt seine Augen aufzureißen.

„Yugi“, flüsterte er zunächst entsetzt, „Yugi, wo steckst du?“ Rief er durch das dunkle Zimmer. Hastig zog er sich seine Hose wieder hoch, stieg in seine Stiefel und rannte zum Lichtschalter an der Tür. „Yugi?“
Eilig durchsuchte Seto das angrenzende Badezimmer, er suchte auch unter dem Bett und lief durch die ganze obere Etage. Es war ihm egal ob man ihn hörte und er begann laut zu rufen, „Yugi, wo bist Du? Bitte, sag etwas. Was ist passiert? Yuuuuuuuugiiiiiii …“ schrie Seto so laut, das man es durch die gesamte Villa hören konnte.
„Hä, Seto? Wa–…was … was ist los?“ Mokuba kam aus seinem Schlafgemach gelaufen und sah seinen Bruder, der in Hektik durch die Villa lief, verwirrt an. „Yugi ist nicht mehr hier, hast du ihn gesehen, Mokuba?“
„Nein, Seto. Das letzte Mal war glaube ich heute am späten Nachmittag. Da war er aber noch mit dir zusammen. Was ihr gemacht habt weiß ich nicht.“ Antwortete Mokuba, der sich auch Sorgen um Yugi machte, mit bangem Blick.

Der Garten, da hatte Seto ja noch gar nicht nachgesehen. //Yugi wird doch nicht noch immer dort auf mich warten?// Sofort rannte der Brünette durch das Wohnzimmer hinaus in den Garten, mit wenigen langen Schritten war er unter den Weiden und fand dort den Kleineren wie er verloren zu den Sternen aufblickte. Sich innerlich selbst verfluchend hockte sich Seto vor Yugi.
„Yugi? Sag Yugi, hast du etwa die ganze Zeit hier auf mich gewartet? Es tut mir leid, dass unser Picknick nun leider doch wegen meiner Firma ausgefallen ist. Aber wenn du möchtest holen wir es nach.“ Yugi schwieg und der junge CEO wollte sich am liebsten selbst ohrfeigen. „Möchtest du noch etwas hier draußen bleiben?“ Forschend sah Seto ihn dabei an. Hoffte das Yugi mit ihm sprach, ihm verzieh das er ihn über seine Arbeit einfach vergessen hatte. ´Und DAS werden SIE bestimmt nicht können …` schossen Seto plötzlich die Worte des Professors durch den Kopf. Er presste hart seine Kiefer aufeinander und ihm wurde schmerzlich bewusst, dass er der Arzt vielleicht doch nicht so Unrecht hatte, immerhin war er es heute gewesen, der dem Kleinen weh getan hatte.
„Hm, ja … ich möchte noch hier bleiben“ hörte Seto mit einem Mal Yugis leise Stimme.
Geräuschlos setzte sich der Leiter der KaibaCorporation neben den kleinen König der Spiele und rutschte so nahe an ihn heran, wie dieser ihn ließ. Yugi blickte wieder hoch zum Sternenzelt und der Ältere legte zärtlich seinen Arm um ihn. So saßen die Beiden noch geraume Zeit, sprachen jedoch kein Wort, sahen sich nur stumm die Unendlichkeit des Universums an.
„Yugi“, meinte Seto nach geraumer Zeit, „Wir sollten langsam ins Haus gehen. Es wird zu kalt … Und Yugi, … das mit heute tut mir wirklich leid“, versicherte der CEO nochmals.

Nachdem die Beiden in die Villa zurückgekehrt waren, wurde Yugi unruhig und fragte, ob er in seinem Gästezimmer schlafen müsste. „Also, weißt du … ich … also ich … würde es dir was ausmachen, wenn ich … also könnte ich vielleicht noch mal bei dir … also in deinem … deinem Zimmer schlafen? Also, ich werde mich auch nicht in dein Bett oder so … ich leg mich auf die kleine Couch, die hinter an der Wand steht …“
Der Kleinere knetete verlegen seine Finger und bekam rote Wangen. Yugi leckte sich nervös über die Lippen, doch er hatte Angst alleine in dem Gästezimmer zu sein, er wollte nicht irgendwo allein in einem fremden Zimmer sein.
Der CEO schmunzelte als er sah, wie Yugi rot wurde und begann seine Hände zu kneten, „ Yugi, selbstverständlich kannst du bei mir im Schlafzimmer übernachten. Und du wirst dich auch nicht auf der kleinen Couch zur Ruhe legen, mein Bett ist immerhin groß genug. Du brauchst keine Angst zu haben, Yugi. Ich pass auf dich auf.“ Damit öffnete Seto Yugi die Tür zu seinem eigenen Schlafzimmer und ließ diesen dort eintreten, meinte anschließend noch kurz zu Yugi, „ Ich habe noch etwas zu tun, bin allerdings in spätestens einer viertel Stunde wieder hier. Versprochen!“

Seto eilte noch einmal kurz in den Garten, raffte die Decke und den Korb samt CD-Player zusammen. Dann fiel sein Blick auf die CD, die sich Yugi ausgesucht hatte.

Fasziniert legte Seto die CD ein und drückte auf Play …

… Pass auf, pass auf, pass auf, der Drache kommt
Man hört ihn fauchen und er spuckt die Flammen aus
Pass auf, pass auf, pass auf, der Drache kommt
Und alle rennen, keiner traut sich aus dem Haus
Pass auf, pass auf, pass auf, der Drache kommt
Man hört sein lautes Brüllen und die Erde bebt
Pass auf, pass auf, pass auf, der Drache kommt
Und keiner weiß ob er den nächsten Tag erlebt …


Gebannt hatte der Firmenchef dem Lied zugehört und sich in den vergangenen paar Minuten immer wieder gefragt, ob Yugi dieses Lied bewusst gewählt hatte oder was ihm an diesem Titel so gefallen hatte, dass er ausgerechnet diesen ausgewählte. Nachdenklich ging Seto wieder zu Yugi ins Zimmer und sah, dass er bereits im Bett lag. Auch hatte er sich auf der einen Bettseite klein zusammengerollt und sich die Decke soweit es eben ging hochgezogen. Leise zog nun auch der Braunhaarige sich aus und stieg dann zu dem Kleineren ins Bett, strich ihm sanft über den gebogenen Rücken und flüsterte, „Gute Nacht, Yugi. Schlaf gut, mein kleiner Tenshi.“





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Liedzeile → „Pass auf, pass auf, pass auf, der Drache kommt …“

~ Interpret/Gruppe ~ Dshinghis Khan


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Fortsetzung folgt ...




Eure Sanni



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