Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / Rammstein / Blind

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Blind

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character) Till Lindemann
22.05.2019
04.07.2020
39
154.967
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21.05.2020 2.445
 
„Wenn ich jetzt einen Witz machen müsste, würde ich sagen im Ernst-Happel-Stadion hat es ordentlich gerappelt“ Okay, auch, wenn das kein besonders guter Witz war. Fabienne lachte auch nicht, sondern drückte nur ihre Nase gegen meine nackte Schulter.
„Wie fühlt man sich, wenn so eine Tour vorbei ist?“, fragte sie da, „Ist da jetzt…eine Art Leere in dir, oder so?“
„Hm“ Ich verschränkte die Arme hinterm Kopf und starrte eine Weile an die Decke. „Nicht unbedingt. Gut, im ersten Moment fühlt es sich schon komisch an. Das geht immer alles so schnell irgendwie. Rein in die letzte Show, danach ab zur Aftershowparty und dann waren wir schon wieder hier und haben miteinander geschlafen. Im Nachhinein geht das doch alles…recht schnell.“ Zusätzlich hatte
unsere Kameracrew uns heute alle interviewt, für eine After-Concert-Doku, oder was weiß ich. Die beiden Konzerte im Ernst-Happel-Stadion waren ja beide aufgezeichnet worden.
Nun hatte man also wieder Zeit sich anderen Dingen zu zuwenden. Eigentlich hatte ich nach der Tour große Pläne gehabt, eher große Urlaubspläne. Ein erneuter Südafrikabesuch war mir vorgeschwebt, denn beim letzten Mal hatte man ja so gut wie keine Zeit gehabt dieses wundervolle Land näher zu besichtigen. Doch da in der nächsten Woche bereits Fabiennes OP anstand musste ich darauf verzichten. Denn wer wusste, ob sie mit dem Augenchip hinter der Netzhaut nicht doch noch Probleme bekam und da wollte ich ungern in den nächsten Wochen weiter weg sein als ein paar Kilometer. Auch, wenn Fabienne gesagt hatte ich könne ruhig tun und lassen und hinfahren wo ich wollte, insgeheim schien sie froh zu sein, dass ich in der OP-Zeit an ihrer Seite sein würde. Als verantwortungsbewusster Partner machte man das so.
Und eigentlich wollte ich Fabienne fragen, ob sie vor nächster Woche eine gewisse Angst hatte. Ich währenddessen machte mir ja mehr Sorgen, als ich mir eingestehen mochte. Ihre Entscheidung für den Augenchip war so schnell gegangen und ich hätte eigentlich mit einer gewissen Skepsis von ihrer Seite aus gerechnet. Immerhin war sie anfangs davon ja nicht begeistert gewesen. Aber die Vorstellung von Lesen und mehr Details musste für sie so berauschend sein, dass sie alles andere beiseiteschob. Wir hatten sozusagen jetzt die Rollen getauscht. Ich war am Zweifeln was den Chip betraf. Fabienne fand ich inzwischen wohl auf der Gegenseite. Verrückt, das Ganze.
Sachte fasste ich unter der Decke nach ihren Fingern und ließ meine Hand zu ihrer Wange gleiten. Drückte ihr einen Kuss auf den Mund. „Für was war das denn?“ Sie lachte, „Sag bloß nicht du willst Runde zwei?“
„Vielleicht“ Ich streichelte ihr Gesicht, „Aber wir sollten besser schlafen. Immerhin haben wir nächste Woche…einiges vor.“
Sie nickte und irgendwie sah ich ihr die Besorgnis und ein wenig die Angst an. Doch das war im nächsten Moment verschwunden, als sie den Kopf gegen meine Brust drückte und die Arme um mich schlang. Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn, schaute ihr eine Weile ins Gesicht und beschloss dann, die Augen ebenfalls zu zumachen. Die Erschöpfung war doch ziemlich schnell gekommen, wie so ein ICE.

Zurück in Berlin führte mich mein erster Weg nach einem Supermarktbesuch zum Friseur, um mir diese rote Farbe aus den Haaren waschen zu lassen. Für die Bühne schön und gut, aber privat wollte ich eher weniger mit der auffälligen Farbe rumlaufen und allgemein die Haare wahrscheinlich erstmal wieder wachsen lassen. Wer wusste schon was danach kam.
Auch bemühte ich mich sehr, für Fabienne da zu sein, was eigentlich hieß, dass ich wesentlich weniger Zeit in den eigenen vier Wänden verbrachte. Fast fürchtete ich Fabienne und Mila würde das irgendwann auf den Sack gehen, aber die Beiden gingen eigentlich recht locker damit um. „Solange du mich nicht wirklich wegen einem komischen E-Schlagzeug rausschmeißt kann ich damit leben dich jeden Tag zu sehen“, hatte Mila gemeint. Von der Idee Fabienne ein E-Drumset zu kaufen hatte ich mich nämlich noch nicht ganz verabschiedet, denn Schneider hatte ihr vor den letzten Konzerten ein paar weitere Sachen gezeigt. Nach wie vor war meine Freundin da mit Begeisterung dabei.
Gegen Ende der Woche rückte die OP näher. Einen Tag vorher sollte Fabienne erneut für ein letztes Beratungsgespräch im Krankenhaus erscheinen, wo ich natürlich mitkam.
Im Krankenhaus hatten wir dieses Mal das Vorgespräch bei einem anderen Arzt, der sich massig viel Zeit nahm. Erneut wiederholte er das, was wir schon wussten und machte uns eindeutig auf die Risiken aufmerksam. Fabienne nickte zwar brav dazu und tat, als würde ihr das alles nichts ausmachen, aber ich sah es ihr trotzdem an. Da war wieder eine Unsicherheit in ihrem Gesicht, wenn nicht sogar Angst. Hoffentlich taten wir hier nicht genau das Falsche.
Aber natürlich sprachen wir über die schlechten Dinge nicht, was ich eigentlich ziemlich bedauerte. Fabienne wirkte auch nicht so, als würde sie überhaupt gerne über die morgige OP sprechen wollen. Also ließ ich sie.

Die Nacht vor der OP lag ich tatsächlich wach, obwohl ich ja nicht derjenige sein würde, der sich unters Messer legen würde. Aber ich machte mir Sorgen und das weiterhin. Um sieben Uhr morgens reichte es mir dann und ich stand auf und ging in die Küche, um zu frühstücken. Fabienne sollte um zehn im Krankenhaus sein.
Gegen neun klingelte ich bei Fabienne und Mila. Wahrscheinlich war Mila sowieso nicht da. Die hatte ja seit Anfang August wieder Schule und startete in den letzten Jahrgang vor dem Abitur.
Umso größer war die Überraschung als sie mir doch öffnete. „Ich schwänz‘ die erste Stunde“, meinte sie zu mir, als ich fragend guckte, „Mum findet das zwar alles andere als gut, aber ich will noch bei ihr bleiben, bevor sie ins Krankenhaus fährt.“
Fabienne saß in der Küche, heute anstelle von Kaffee Tee vor sich. „Hey“ Ich setzte mich ihr gegenüber, „Wie geht es? Konntest du die Nacht über schlafen?“ Ich ja nicht so ganz, aber das verschwieg ich.
„Einigermaßen“ Sie rührte nachdenklich mit dem Löffel in der Tasse, „Das wird schon heute, da bin ich sicher.“ Vielleicht sollte ich derjenige sein, der das sagte. So klang es auf jeden Fall, als würde Fabienne versuchen sich selber zu beruhigen.
„Bestimmt“ Ich legte meine Finger auf ihre und drückte ihre Hand, „Hast du alles, was du brauchst?“ Sie nickte.
„Nur duschen muss ich noch, dann können wir los“ Sie stand auf und ging in den Flur.
„Ich mache mir Sorgen, Till. Das echt.“, sagte Mila, nachdem Fabienne im Bad war und sie sich zu mir an den Tisch setzte, „Was, wenn was schiefläuft? Dieser Augenchip ist noch nicht mal richtig ausgereift.“ Nachdenklich fuhr sie sich durch die Haare.
„Beruhigt es dich, wenn ich sage, dass ich inzwischen auch Bedenken habe? Aber wir müssen den Ärzten vertrauen. Die werden wissen was sie tun und am Ende hilft es deiner Mutter vielleicht wirklich.“ Da half es an all die Dinge zu denken, die Fabienne vielleicht sehen würde. Mit Glück ja sogar mein und Milas Gesicht. Und lesen würde sie können. Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass ihr sowas viel bedeutete.
Mila drückte zum Abschied ihre Mutter, bevor sie sich in Richtung Schule verabschiedete. Anschließend sammelte Fabienne ihre Sachen ein und wir gingen zum Auto.

Die Fahrt verlief schweigend. Genauso schweigend füllte Fabienne wenig später mit meiner Hilfe den Aufnahmebogen für Patienten aus und wir wurden in ein leerstehendes Zimmer geschickt, wo sich die Wartezeit ausdehnte. Vielleicht war sie auch nicht so lang gewesen und war mir nur lang vorgekommen, denn irgendwann betrat ein Arzt das Zimmer.
Die letzten Sachen wurden besprochen. Dann wollte man mich wohl hier loswerden. Vorsichtig legte ich Fabienne die Hände an die Wangen. „Also…“ Küsste sie auf die Lippen, auf die Stirn, „Viel Erfolg. Du packst das. Okay? Ich bin immer in Gedanken bei dir.“
Sie lehnte nur den Kopf gegen meine Brust. Die Hände legte sie auf meine Schultern. „Danke“ Ihre Stimme schwankte, „Hoffen wir…dass alles gutgeht, nicht?“ Sie ließ mich plötzlich los und richtete sich wieder gerade. „Ich wäre dann soweit“, sagte sie in Richtung des Arztes, der darauf zu mir schaute und auf die Tür zeigte. Ich verstand, drückte Fabienne einen letzten Kuss auf die Stirn und verließ den Raum.

Im Wartebereich der Klinik für Augenheilkunde gab es einen Kaffee- sowie einen Snackautomaten. Mit mir saßen ungefähr fünf andere Leute hier, die wohl auch auf Angehörige warteten. Ich ließ mich auf einen der Stühle nieder und nahm die Zeitung heraus, die ich mir mitgenommen hatte. Sicher dauerte Fabiennes OP etwas, aber ich wollte mich nicht großartig hier wegbewegen. Falls es doch Komplikationen gab. Und letzterer Gedanke machte mir noch immer Angst, verdammt noch mal.
Ich las den ersten Artikel in der Zeitung, dann stand ich auf, zog mir einen Kaffee aus dem Automaten und eine Tüte Nic Nac’s aus dem mit den Snacks. Dann nahm ich einen weiteren Artikel in Angriff.

„Herr Lindemann?“
Ich blickte auf. Vor mir stand einer der Ärzte. Und das wunderte mich. So viel Zeit musste noch nicht vergangen sein. Verwirrt schaute ich dem Mediziner entgegen.
„Kommen Sie bitte“, meinte er knapp und wandte sich schon zum Gehen. Okay, das wurde immer rätselhafter. Rasch erhob ich mich und folgte dem Mann.
Wir betraten einen der kleinen Praxisräume. Ich setzte mich auf einen der Besucherstühle, während der Arzt hinter dem Schreibtisch Platz nahm.
So langsam hielt ich es nicht mehr aus. „Ist etwas mit Frau Rackow? Sie können doch unmöglich schon fertig mit der OP sein, oder?“ Ehrlich, das machte mich nervös und ich fing an die Hände im Schoß zusammenzukrampfen.
Der Arzt warf mir einen langen Blick zu. „Frau Rackow hat die OP verweigert, Herr Lindemann. Da konnten wir verständlicherweise nichts mehr tun, da die Entscheidung von ihr kam.“ Was?
Ich holte Luft. „Aber…warum?“ Schwerfällig kamen die Worte aus meinem Mund.
„Darüber hat sie uns noch keine Auskunft gegeben“ Jetzt klang er wieder sachlicher, eben ganz der Mediziner, „Sie hatte dem Anästhesisten kurz vor der Narkose ein lautes klares ‚Nein‘ gegeben. Worauf wir die OP abgebrochen haben.“ Seine Stimme wurde wieder ein wenig mitfühlender. „Sie ist zurück in ihr Zimmer gebracht worden und in nicht guter Verfassung, fürchte ich. Sie können zu ihr, ich glaube das braucht sie jetzt am meisten.“
„Danke“ Ich erhob mich so rasch, dass ich fast den Stuhl umkippte, „Wo muss ich hin?“
Während ich dem Arzt folgte wirbelten die Gedanken durch meinen Kopf. Was war passiert? Fabienne hatte den Chip mehr als alles andere gewollt, so war mir das zumindest vorgekommen. Und jetzt auf einmal nicht mehr?
Der Arzt blieb vor einer der Türen stehen, drehte sich nochmal zu mir um, um wohl zu verhindern, dass ich blindlings ins Zimmer stürmte. „Seien Sie behutsam“, meinte er, „Überfordern Sie Frau Rackow nicht, auch wenn Sie viele Fragen haben. In Ordnung?“
„Ja“, presste ich hervor. Er trat zur Seite und ich öffnete die Tür.
Fabienne war wach. Sie saß halb aufrecht im Bett und schaute in die Richtung, aus der ich kam.
„Hey“ Vorsichtig setzte ich mich auf den Stuhl neben ihrem Bett.
„Till“, hauchte sie tonlos und ihre Finger tasteten über die Bettdecke, bis sie meine Hände fanden, „Es tut mir so leid, Till. Es tut mir so unfassbar leid.“ Ihr Körper krampfte sich zusammen, als die erste Welle Schluchzer aus ihr herausbrach.
Ich hielt sie fest. Sie drückte den Kopf gegen meinen Pullover und weinte nur noch mehr und heftiger. Das leise Klopfen an der Tür nahm ich kaum wahr, doch dann steckte Mila den Kopf ins Zimmer. Bestürzung im Gesicht, als sie uns da sitzen sah.
„Sch, sch. Es ist alles gut.“ Strich Fabienne über den Rücken und die Schultern, „Ich bin da, okay?“
Fabiennes Zittern wurde erst nach einigen Minuten schwächer. Dann sah sie auf, ihre Finger schlossen sich noch ein wenig fester um meine Hände. „Es tut mir leid“, sagte sie erneut.
„Es…ist okay“ Auch, wenn ich nicht wusste, warum sie gemeint hatte es tue ihr leid, aber ich würde warten bis sie von sich aus erzählte. Mila kam zu uns herüber und setzte sich auf den Bettrand. „Was ist los?“, formte sie lautlos in meine Richtung. Ich hob die Schultern. Keine Ahnung, zumindest noch nicht.
„Ich hatte auf einmal…so Angst“, ertönte da Fabiennes Stimme. Sie holte ein paar Mal Luft. „Mir sind einfach die Dinge…wieder durch den Kopf gegangen. Was schiefgehen kann…“ Erneut fing sie an zu weinen und ich umarmte sie fester. Auch Mila fasste vorsichtig nach ihrer Hand. „Da hat einfach eine Stimme in meinem Kopf ‚Stopp‘ gesagt“, flüsterte sie rau, „Einfach so. Und ich fühle mich so schuldig so voreilig gewesen zu sein und alles Schlechte nicht ernstgenommen zu haben. Es kam einfach alles so plötzlich wieder hoch.“
„Wir verstehen das. Natürlich.“ Mila schloss ihre Mutter fester in die Arme.

Danach kam der Arzt, um zu gucken, ob alles in Ordnung war. Wir hatten die letzten Minuten geschwiegen und ich hatte Fabiennes linke Hand und Mila ihre rechte gehalten.
„Sie können nachhause, wenn Sie mögen“, sagte der Arzt jetzt, „Alles Gute für Sie. Das wird schon wieder, Sie haben ja die beste Unterstützung, die man haben kann.“ Er nickte uns allen noch einmal zu und verschwand.
Fabienne rutschte vom Bett und begann, sich umzuziehen. Nach wie vor steckte sie immer noch in dem weißen Krankenhauskittel. „Lasst uns nachhause“, murmelte sie, als sie fertig umgezogen dastand. Mit hängenden Schultern, als sei sämtliche Energie aus ihr entwischt. Ich schlang einen Arm um ihre Schultern, küsste ihre Schläfe und wir liefen zum Auto.

Zuhause kochte Mila einen Tee und, als hätten wir uns heimlich abgesprochen, fing sie an anschließend einen Teig für Waffeln zusammen zu rühren. Fabienne lächelte nur über unsere Bemühungen sie aufzuheitern. „Waffeln helfen immer“, meinte sie leise und schloss die Hände um ihren Becher Tee, „Danke. Ihr seid beide absolute Goldstücke.“
Und nach und nach kamen auch die Worte wieder. Sie ärgerte sich darüber im Nachhinein die Sache nicht doch gründlicher durchdacht zu haben. War traurig, dass sie nun doch nicht die Chance haben würde mein und Milas Gesicht zu sehen, aber gleichzeitig auch erleichtert die OP nicht durchgezogen zu haben. Immerhin hätte es negativ ausgehen können und der letzte Rest an Sehkraft, den sie besaß, wäre im schlimmsten Fall auch verloren gewesen. Und das war es ihr nicht wert gewesen. Wonach sie wieder anfing zu weinen. Sodass wir eine erneute Runde Kuscheln einlegten.
Es kam nun mehr als sonst darauf an, füreinander da zu sein. Und, Gott, da würde ich mir die größte Mühe geben, so viel stand fest.
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Ich hoffe, auch dieses Kapitel hat euch wieder gefallen. Das nächste Kapitel wird eines meiner persönlichen Highlights und ich freue mich schon sehr es zu schreiben.
Bis dahin, haut rein und ich freue mich über Feedback.
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