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Copenhagen – Meine Rezension zum schlechtesten Film, den ich je gesehen habe

von Argobot
GeschichteAllgemein / P16
22.05.2019
22.05.2019
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Copenhagen – Meine Rezension zum schlechtesten Film, den ich je gesehen habe



Meine verehrte Leserschaft. Es ist kurz nach drei, morgens, und ich sitze vor dem Laptop und muss meinen Brechreiz unterdrücken. Kennt ihr das, wenn ihr kurz vor dem Schlafengehen einen einzigen, dummen Fehler macht?
Meiner heißt ‚Copenhagen‘ – so, wie die englische Schreibweise der dänischen Stadt, aber vielmehr wie ein wirklich grauenerregender Film, den ich gerade eben erst über mich ergehen lassen musste.

Wisst ihr? Ich habe da so eine Marotte. Wenn ich einen Seriencharakter besonders interessant finde und dieser (meist durch den Rollentod) die Serie verlässt, gucke ich oftmals andere Werke des Schauspielers. Somit mache ich mir ein genaueres Bild davon, was der Künstler sonst noch so drauf hat, ob er in andere Rollen schlüpfen kann und so weiter.
Und Gethin Anthony ist gut.
Okay, bei den meisten klingelt da vermutlich nichts. Renly Baratheon? Game of Thrones? Nein? Ist eigentlich auch egal. Sagen wir, es gibt häufiger gebuchte Schauspieler, aber ich habe etwas für ihn übrig. Besser sogar noch als Renly fand ich seine Interpretation des Charles Manson in Aquarius (auf Netflix einzusehen, falls es jemanden interessiert).
Und deshalb war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis ich auf ‚Copenhagen‘ stoßen würde.

Lasst mich zunächst einmal die Kurzbeschreibung rezitieren.

Nach einer wochenlangen Europareise findet sich der 28-jährige Amerikaner Will an einer Straßenkreuzung in Kopenhagen wieder, der Geburtsstadt seines Vaters.

Ja, ja, es geht noch weiter. Aber bis hierhin habe ich das Ganze tatsächlich auch gelesen und ich muss sagen: Ich hatte wirklich große Lust, mir den Film zu gönnen. Hätte ich es mal lieber nicht getan.



Lasst mich euch das Ganze mal grob zusammenfassen.

Also, wie bisher festgestellt begleiten wir Will, der gemeinsam mit seinem besten Freund Jeremy und dessen Freundin nach Kopenhagen fährt, um ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Will hat in den Sachen seines verstorbenen Vaters einen Brief gefunden.
Auf dem Umschlag steht, wie üblich, eine Anschrift mit einem kleinen Zusatz. „An meinen Vater“ – nur halt auf Dänisch. Leider muss ich euch gleich an dieser Stelle spoilern, was aber wirklich nicht schlimm ist, denn der Film ist wirklich nicht gut. Will spricht eigentlich überhaupt kein Dänisch. Woher weiß er das bitte? Kommt mir nicht mit dem Google-Translate-Argument, denn das zieht nicht. Dazu kommen wir später nochmal drauf zurück.

Wir stellen gleich zu Anfang fest, dass Will gelinde gesagt einfach unter ADHS leidet und wesentliche narzisstische Züge aufweist. So betätigt er in einer Hotellobby beispielweise zig Mal hintereinander die Klingel, obwohl der Angestellte offensichtlich seiner Arbeit nachgeht – mehrmals, im gesamten Film.
Ich muss sagen, das hatte am Anfang ‘was. Ich fand Will für sicherlich eine gute halbe Stunde recht lustig, was vielleicht mit meiner Sympathie zum Schauspieler zusammenhängt. Aber auch objektiv betrachtet hatte ich Hoffnungen in den Film.



Zum Beispiel haben Jeremy und seine Freundin Will etwas vernachlässigt, sind in ihr eigenes Zimmer verschwunden und haben – wie sagt man? – nicht gerade leise den Akt der Liebe vollzogen. Also ist Will daraufhin in die nächstbeste Bar gegangen, um sich eine Frau ‚aufzureißen‘, um seinem besten Freund ebenfalls eins auszuwischen, indem er den Spieß einfach umdreht. Hört sich vielleicht primitiv an, war aber tatsächlich ganz witzig anzuschauen.

Jedenfalls kommt’s wie’s kommen muss. Jeremys Freundin sucht Will auf, um ihn darüber in Kenntnis zu setzen, dass die beiden echt genervt von ihm sind, worauf Will ihr vorwirft, dass sie ja schon immer scharf auf ihn war. Das war der erste Moment, in dem ich mich gefragt habe, was ich mir da eigentlich gerade ansehe.
Ja, wir haben bereits mitbekommen, dass Will nicht sonderlich viel Taktgefühl hat und, naja, man kriegt auch recht schnell heraus, wie er so mit Frauen umzugehen weiß. Aber, hey, finde ich als Protagonisten gar nicht mal so uninteressant.

Am nächsten Morgen wacht Will also mit seiner Eroberung im Hotelzimmer auf und beobachtet, wie ein Brief unter dem Türschlitz hindurchgeschoben wird. Die Kurzfassung: Sein bester Freund lässt ihn allein in einem fremden Land, um die frische Verlobung mit seiner Alten zu feiern.

Halt! Stopp! Ein paar Sekunden zurück!

Warum macht er das? Warum will er sie auf einmal heiraten? Warum lässt er dazu Will zurück?

Meine ehrliche Meinung? Das wirkt hart gezwungen und, sicherlich nicht vom Filmteam beabsichtigt, frage ich mich, wer hier eigentlich das Arschloch ist – Will oder Jeremy.



Ganz allein versucht Will nun herauszufinden, wo er die Adresse finden kann und hier frage ich mich wieder, ob das deren Ernst ist. Der Film ist aus dem Jahre 2014 und es gibt absolut keinen Hinweis darauf, dass er zu einer anderen Zeit spielen könnte. Außer vielleicht eine Telefonzelle. Gab es 2014 noch Telefonzellen in Dänemark? Ich habe nicht mal eine Ahnung davon, wann die in unserer Stadt abgeschafft wurden.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass der Film auch Pi mal Daumen in diesem Jahr spielt. Warum jagt er die Adresse nicht einfach durch seine Suchmaschine? Hallo? Google Maps? Schon mal was davon gehört? Er hat nämlich zumindest einen Laptop zur Verfügung, den er im Verlaufe des Films ein paar Mal gebraucht.



Nein, Will zieht es vor, sich eine Karte aus dem Hotel zu stibitzen und geht – glaube ich zumindest – dort erstmal in das Café. Oder wie auch immer. Jedenfalls fragt er eine Angestellte, ob sie ihm die Adresse auf der Karte zeigen kann.


Warnung! Es folgt eine Vielzahl an Klischees, über den gesamten Film verteilt.


Natürlich verschüttet sie Kaffee auf dem Briefumschlag und die Adresse ist unleserlich. Will ist wütend und macht sie an, dass sie ihren Job nicht beherrschen würde, worauf sie antwortet: Ja, du, öhh, das ist gar nicht mein Job.
Komisches Gespräch.
Jedenfalls hat sie sich durch ihr magisches, fotografisches Gedächtnis, das ihr aber auch nur für diese 2 Sekunden des Films zur Verfügung steht, die komplette Anschrift gemerkt und kreist ihm den Punkt auf der Karte ein.


Er ist wiederum offenbar zu dumm, um irgendwas allein auf die Kette zu bekommen, irrt eine halbe Ewigkeit durch die Gegend, fragt zig Leute und keiner – ja, wirklich keiner – ist fähig genug, um diese Karte zu lesen. Alter. Geh in dein Hotelzimmer. Öffne Google Maps. Problem gelöst.
Ne, will Will nicht. Der geht lieber zurück zu Miss Angestellte und die beiden rauchen erstmal. Öhm, sollte ich erwähnen, dass in diesem Film verdammt viel geraucht wird?
Jedenfalls beschuldigt er sie, die Adresse falsch eingetragen zu haben und sie bietet ihm allen Ernstes an, ihn hinzubringen. Super nett eigentlich. Hätte ich nicht für jemand völlig Fremdes getan, der mich ganze zwei Mal in wenigen Stunden als unfähig betitelt und sich legitim nicht einmal bedanken kann.



Aber nicht genug!

Das Angestellten-Fräulein führt Will an die dänischen Sitten heran und lässt ihn erstmal ein Fahrrad mieten. Das findet Will genauso befremdlich wie der Durchschnittszuschauer, doch die beiden kommen tatsächlich an ihrem Ziel an.
Jetzt wird’s lächerlich. Natürlich hilft Fräulein Kaffeefleck ihm nicht nur, die Klingel zu finden, sondern begleitet ihn auch prompt mit in die fremde Wohnung. Alter. Er könnte dich ja nicht in ‘ne Falle locken oder so, neeein.
Doch leider ist es nicht so. Das hätte den Film vielleicht gerettet.



Wir erfahren, dass Wills Opa, für den der Brief ja eigentlich bestimmt war, nicht mehr dort wohnt. Aber sein Onkel. Oder so. Ich hab’s echt nicht mehr im Kopf.
Es folgt eine Sequenz, in der Will auf Englisch fragt, was passiert ist, wie er seinen Opa finden kann, und so weiter, der Onkel auf Dänisch antwortet, wir einen schönen, deutschen Untertitel dazu bekommen, nur damit Will nach jedem Gottverdammten Satz fragen muss: „Was hat er gesagt?“
Wir. Haben. Es. Kapiert. Du kannst kein Dänisch, Will! Aber wieso wartet Fräulein Kaffeefleck und son Random-Dude, der da einfach gespawned ist und nichts zur Story beiträgt, was auch irgendwer anders hätte tun können, bis du wieder und wieder und wieder fragst, was er denn da gerade gesagt hat.

Ehrlich, diese Szene war schmerzhaft anzuschauen. Auch, weil die Alte fast eins zu eins wiedergegeben hat, was der Alte gesagt hat. Sein Opa war ein Nazi und ein furchtbarer Mensch (Was basically das Gleiche ist) und die Oma musste drunter leiden. Noch ein Klischee: Natürlich fällt der Satz: Ööööh, du siehst aus wie dein Vater. JA SCHÖN FÜR IHN. Es ist echt kein Geheimnis, dass Will seinen Vater jetzt nicht unbedingt leiden kann, also bringt der Vergleich jetzt mal legitim niemandem was, aber Hauptsache, man hat’s gesagt.

Will und Kaffeefleck, von der ich keine Ahnung habe, wann ihr Name erstmals genannt wird (Spoiler: Sie heißt Effy), hauen also wieder ab und analysieren Fotos von Wills Vater, die auch wohl dem Brief beilagen oder keine Ahnung, woher er die wieder gezaubert hat.
Effy hat da richtig Bock drauf und Will – ist halt Will.

Die machen lauter komisches Zeug, wirklich. Zum Beispiel brechen die in eine alte Wohnung des Großvaters ein und Effy verlangt von Will so ganz 2014-Style, die Fotos seines Vaters an den gleichen Schauplätzen nachzustellen. Ich würde euch so gerne dieses eine Foto hier einblenden. Gethin Anthony, ääh, Will mit ein und demselben Gesichtsausdruck, den ich gegen Ende des Films zustande gebracht habe und einem dicken, ausdrucksvollen Mittelfinger. Ich fühle mit dir, mein Freund. Oder Feind. Ich weiß es nicht mehr.

Dann führt Effy Will in ein Museum und er fragt sie erstmals, völlig aus dem Nichts, wie alt sie eigentlich sei. Sie entgegnet, sie sei 200 Jahre alt und ein paar zerquetschte, weil sie ja ein Vampir sei (kein Scherz). Er daraufhin: Ja, öhh, dann hast du keine Wahl und musst jetzt meinen Hals beißen ;)
Ich habe echt für die Beiden gerootet in dem Moment. Wirklich, für zwei Sekunden. Ich werde, extra für euch, genau diese Stelle heraussuchen, um sie so ausführlich beschreiben zu können.

Also, bereit?
Er: „Also, dann könntest du anfangen, an meinem Hals zu saugen, also, bevor wir weiter gehen, zur …“
Jetzt mal ganz ehrlich? Ich fand meine Widergabe der Worte tatsächlich besser als das Originaldrehbuch. Welcher Besoffene schreibt solche Zeilen? Und auf welchen Drogen war der ganze Cast, dass nicht irgendwer mal freundlich darauf hingewiesen hat, wie schlecht diese Dialoge geschrieben sind.

Aber das war’s noch nicht. Gott bewahre. Sie packt sinnlich seine Off-Camera-Schulter, starrt gezielt auf seine Lippen, Magic is happening, sie beugt sich zu seinem Hals und – ja, nichts und. Das sieht einfach genauso aus, wie wenn meine Oma versucht ohne Zähne etwas zu essen. Ich dachte, die geben uns da in aller Öffentlichkeit eine kleine Fifty-Shades-of-Grey-Vorstellung, aber nada, nichts, niente. Dann reißt sie einen Witz darüber, dass er jetzt eigentlich tot wäre, wenn sie ein Vampir gewesen wäre, dreht sich um und geht.
Und er. Will. Sie. Trotzdem. Knallen. Ey, das kannst du mir nicht erzählen.

Die shakern da noch eine Weile herum, sie führt ihn zu einer Statur, die zugegebenermaßen ein wenig Ähnlichkeit mit ihr hat und lässt ihn ihr Gesicht ertasten. Eine der zigtausenden Gelegenheiten, bei der sie ihn auffordert, die Augen zu schließen (wird son Klischee-Running-Gag). Und natürlich greift er nach ihrem Gesicht und will sie küssen – NÄCHSTES KLISCHEE – und ein Handy klingelt.
Ich sage euch. Das ist gut. Richtig gut, bis zu dieser Stelle, dass er sie nicht geküsst hat. Aber der Film ist wirklich Garbage. Erwartet nicht zu viel. Oder nicht zu wenig.

Die beiden sammeln auf jeden Fall immer mehr Hinweise und Effy hilft (hust hust) Will auch, den Brief zu übersetzen, indem angeblich nur langweiliges Zeug steht wie „Oh, ja. Kopenhagen ist ja so schön und ich will meinen Kindern zeigen, was mich damals zum Lächeln gebracht hat.“ Habe ich schon erwähnt, dass Will versucht hat, den Brief mit Google Translate zu übersetzen? Ich denke, ich mich nicht erwähnen, dass das genausoviel gebracht hat wie 1:38:41 in diesen Film zu investieren.
Jedenfalls reden die beiden auch über einen Effys Onkel, der den beiden irgendeine unnötige Information gegeben hat und dabei ins Gespräch eingeflochten hat, dass Effy ja zu gut sei, um in einem Hotel zu arbeiten. Das greift Will aus dem Nichts auf und rät ihr letztlich genau das, was uns Digimon bereits vor Jahren gelehrt hat: Leb‘ deinen Traum, denn er wird wahr.

Öh. Also. Mit anderen Worten: Sie soll selbst entscheiden, ob sie in dem Berufsfeld bleiben möchte.
Seid ihr bereit für den Wendepunkt? Danach gibt es kein Zurück mehr. Und glaub mir – von hier an wird es auch nicht besser. Echt nicht.
Ihr habt es nicht anders gewollt. Effy klärt den lieben, dummen, armen Will auf, dass sie ja lediglich ein Praktikum dort macht. Will kennt diesen Begriff nicht und lässt sich genauer erklären, dass alle Schüler der Mittelschule in Dänemark ein Praktikum machen müssen :)

Ich wollte mich einfach nur übergeben.
Sie ist einfach 14. Und er mal eben doppelt so alt wie sie.
Geil, Will. Du Frauenheld, du.

Ich frage euch noch einmal, ob ihr wissen wollt, wie es weiter geht. Denn vertraut mir: Das wollt ihr nicht. Ich wollte es nicht. Ich wollte lediglich das Gesicht eines Schauspielers sehen, den ich momentan feiere. Keiner hat mich gefragt, ob ich bis auf’s Blut verstört werden möchte. Das war nämlich eher weniger die Intention.

Falls ihr jetzt nicht aufhört zu lesen: Ich hab’s euch gesagt und entziehe mich jeglicher Schuld.

Pädobär macht natürlich nichts Vernünftiges und chillt weiter mit Kaffeefleck. Natürlich ist er für so 2 Sekunden Screentime enttäuscht, aber die beiden suchen natürlich weiter nach Hinweisen, weil er ja, wie wir wissen, allein zu dumm dazu ist. Er braucht Hilfe von einem Kind. Klasse, Will!

Und was jetzt passiert ist einfach nur noch widerlich. Er guckt in der nächsten Cutscene einer anderen Frau hinterher und sie wird eifersüchtig, also fragt sie, ob er sie schön findet, worauf er bejaht. Aber weil sie offensichtlich 14 ist und die Bestätigung braucht, quetscht sie aus ihm heraus, dass er sie ja viel schöner findet, aber natürlich niemals etwas mit ihr anfangen würde.
Aber der Cringe soll kein Ende haben. In einer Kirche unterhalten die zwei sich über Tiere (Effy hat Angst vor Haien) und er droppt: „Ja, öh, die haben’s voll gut. Die müssen nicht heiraten.“
Sie daraufhin: „Ja, hast recht. Die ficken einfach nur :)“

Kein Witz. Das ist wirklich so passiert. Sie ist einfach 14 Jahre alt, meine lieben Freunde. Und das wirklich Traurige ist, dass sie mehr Gehirnzellen hat als er. Denn Will ist wirklich so dumm, sie nach so einem Spruch mit auf sein Hotelzimmer zu nehmen. Natürlich zu Recherchezwecken. Hust.
Sie findet immerhin mehr Hinweise zum Verbleib seines Opas. Außerdem steckt sie ihm, dass sie ihn angelogen hat. Und natürlich nimmt er sofort an, sie ist nicht 14, was sie allerdings noch einmal bestätigt. Dann sagt Effy, dass sie den Inhalt absichtlich falsch übersetzt hat und Will – öh – liegt derweilen son bisschen über ihr. Sie macht auch einen Move, aber – KLISCHEE – bevor sie ihn richtig betouchen kann, klopft es an der Tür.

Überraschung! Es ist der unnötige beste Freund, der jetzt endlich gegen Ende des Films seine Funktion bekommt.
Ich hab‘ ehrlich gesagt auch keine Lust mehr, mich damit zu befassen. Es ist einfach nur widerlich.
Jedenfalls erzählt Jeremy oder wie auch immer er hieß jetzt seine überflüssige Geschichte (die heiraten doch nicht, oooh) und hilft den beiden bei der Suche nach dem Opa. Auf einmal versteht Effy sich auch super mir Jeremy und es macht den Anschein, als ob sie ihn eigentlich viel besser findet als Will.

Irgendwann, im Verlaufe des Geschehens, kommt dann auch wieder ihr Alter auf den Tisch und Jeremy nennt das Kind beim Namen: Mitten auf der Straße beschimpft er Will als pädophil und hält ihm bei der Gelegenheit ja auch gleich mal vor, dass er seine Verlobte bangen wollte, was so ja eigentlich gar nicht stimmt, aber wir wollen mal nicht pingelig sein. Jedenfalls würde ich ja gerne behaupten, dass sich die beiden ordentlich geprügelt haben, aber das sah eher aus wie ein trauriger Ringkampf, aus dem Jeremy dann irgendwann sinn- und zwecklos flieht.

Zu dem Zeitpunkt ist Effy aber auch wieder weg und Will ist mal wieder allein. Von einer Telefonzelle (ha!) aus ruft er dann seine Angebetete an, dessen Nummer er sich wegen einer wirklich dummen Ausrede hat auf den Arm schreiben lassen hat (die ist wirklich so dumm, dass es wehtut. Ich will euch nicht noch mehr zumuten) und schlägt ihr vor, sich mit ihr in einem Club zu treffen, den Effy empfohlen hat, weil da keine Alterskontrollen gemacht werden (ha!).
Natürlich kommt erscheint sie dort. Vorher leckt er noch random mit ein paar Weibern im Club rum, die aus unerfindlichen Gründen scharf auf ihn sind.
Dann trinken die beiden ein paar Shots und Will outet sich als der dümmste, naivste, einfältigste, unrealistischste fiktive Charakter, der mir je in Film-, Print- und sonstwas für Medien vor die Nase gelaufen ist. Er gesteht ihr nämlich seine Liebe.

Und sie küsst ihn.
Aber er will das ja gar nicht. Zwinker.
Denn er wispert ihr zu, dass er in Schwierigkeiten geraten könnte. Ach nee, Will, echt?
Aber wir haben’s halt bei beiden Charakteren nicht gerade mit den hellsten Leuchten am Tannenbaum zu tun, denn das schließt Effy grundsätzlich aus. Dreimal dürft ihr raten, was passiert. Yes, Effys Stiefvater erwischt die beiden, also klatscht Will ihm ein paar, damit er mit seiner Kleinen abhauen kann.
Auf einmal darf Effy aber nicht mit ins Hotel, weil sie ja ihren Ausweis vorzeigen muss, wenn sie bleiben möchte (hä? Ein paar Stunden zuvor durfte sie doch auch mit aufs Zimmer), also machen sie was? Genau! Sie gehen zu EFFY. DIE MIT IHRER MUTTER UND DEN STIEFVATER ZUSAMMENWOHNT WEIL SIE MOTHERFUCKIN‘ 14 JAHRE ALT IST.
Ich habe einfach keinen Bock mehr. Und alles nur für ein BIER, das die nicht mal TRINKEN. Nur damit der Zuschauer beobachten kann, dass die Mutter und der Stiefvater Beziehungsprobleme haben und sich scheinbar ‘n Fick um das Kind scheren, weil sie erstmal Sex haben. Supi Dupi.

Und was machen unsere Alltagshelden nun? Klar, sie gehen ins Hotel. Warte! Ging ja nicht, oder? Doch, doch. Auf einmal schmuggelt Will die Alte durch die Hintertür rein. Alter, ich fühle mich langsam nur noch verarscht.
Jetzt wird es noch widerlicher, denn sie versucht ihn zu küssen, aber er hat da nicht so wirklich Lust drauf, also versucht sie irgendeine Konversation aufzubauen, die echt niemanden juckt, nur damit sie ihm gegen Ende sagen kann, dass sie ihn AUCH LIEBT. Muss ich erwähnen, dass der Plot nicht mal über 24 Stunden geht?
Und dann zieht sie sich aus. Und ihn halt auch son bisschen. Dann macht Will von seiner halben Gehirnzelle gebraucht und legt ihr ‘ne Decke um den Oberkörper. Aber vorher nochmal n bisschen rummachen, geht fit, oder?
Ich will einfach nur noch meinen restlichen Mageninhalt ausröcheln.

Und es wird halt echt nicht besser. Sie schläft trotzdem da und die machen sich noch nen super Vormittag zusammen. Er erzählt noch mehr von seinen zerrütteten Verhältnissen, damit wir schön die tiefe, zerbrochene Psyche des armen Geschöpfes beleuchtet bekommen, die natürlich gerechtfertigt, dass er sich so verhält (Sinn???????).
Außerdem liest sie den Brief noch einmal richtig vor. Total unspektakulär. Denn der Vater hat offenbar auch ein super beschissenes Leben gehabt.
Will lässt sie ENDLICH gehen. Und während Effy erst nach Hause geht, damit wir auch noch einmal ihr beschissenes Leben vorgehalten bekommen, geht er dann endlich zu seinem Opa, der immer noch ein Arschloch ist, was – Überraschung! – rechtfertigt, dass Wills Vater ein Arschloch war, was wiederum rechtfertigt, dass auch Will sich wie ein Arschloch aufführen darf. Leuchtet ein, oder?
Dann switchen wir noch einmal zu Effy, die sich alle Fotos anguckt, die sie von Will gemacht hat und dabei feststellt, dass Will ein Foto von ihr gemacht hat, als sie geschlafen hat. Voll romantisch, oder? NEIN! Ist es nicht, fuckin‘ Creep.

Und damit wir überhaupt irgendein Ende bekommen, stellen die Will auf so einen Strandstück, an dem die Nordsee mit irgendsoeinem anderen Gewässer zusammenprallt, von dem Effy im Verlaufe der Story erzählt hat. DAS WÄRE JA EINE METAPHER FÜR EINE BEZIEHUNG, IN DER BEIDE PARTEIN DEN ANDEREN SO SEIN LASSEN, WIE ER NUNMAL IST – WILLST DU MICH VERARSCHEN?

Einfach nur widerlich. Ich möchte so dringend eine Fanfic-Fortsetzung dazu schreiben, in der Will sich umbringt, weil er nicht mehr mit sich klarkommt und Effy mit ihren Daddy-Issues an einen richtig schlimmen Typen gerät, der sie früh schwängert und dann eine Treppe runterschubst.

Ehrlich, ich sehe hier keine Moral der Geschicht‘. Es war einfach alles für die Katz‘. Dieser Film war mit Abstand der schlechteste, den ich je gesehen habe. Da kann nicht mal Sharknado mithalten.
Und wisst ihr, was das Schlimmste an allem ist?
Der Film ist FSK 12! Und auf fuckin‘ Amazon Prime verfügbar!
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