Broken Summer

von jbsr
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
21.05.2019
07.09.2019
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Hallo, nun ist es endlich da, das neue Kapitel. Tut mir wirklich leid, dass es schon wieder so lange gedauert hat. Ich muss mich echt bessern. Aber ich hatte neben dem Alltagsstress sehr mit diesem Kapitel zu kämpfen und habe es ein paar Mal über den Haufen geschmissen. Aber ich denke ich habe jetzt eine gute Lösung gefunden. Das, was ich eigentlich vor hatte, habe ich einfach nicht übers Herz gebracht.
Ein riesiges Dankeschön wieder für eure Reviews und eure Meinungen. Es freut mich wirklich sehr, dass ihr Gefallen an meiner Geschichte habt.
Und nun will ich euch nicht mehr länger aufhalten und wünsche euch viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende, wenn es dann soweit ist. Bis dann


<3


"Louis, seit wann läuft das schon mit Ciro?", fragte mich Nils, als wir am Abend wieder vom Strand zurück zu unserem Bungalow liefen. Nils und ich liefen mit Abstand unseren Freunden hinterher. Die Italiener waren noch da, aber uns hatte der Hunger zurück in unser Häuschen getrieben. Die Situation mit Ciro war ein wenig angespannt und er tat mir wirklich leid. Ich hätte nie gedacht, dass ihn diese Sache so mitnahm und er sich so davor fürchtete, dass jemand etwas mitbekam. Klar war seine Familie wohl extrem konservativ, aber das schockierte mich trotzdem noch. Das war doch in unserer Zeit echt nicht mehr normal. Ciro wirkte immer so taff, aber tief im inneren war er eben auch verletzlich und zerbrechlich.
"Schon ein paar Tage", antwortete ich ohne Nils in die Augen zu schauen.
"Ein paar Tage? Also schon von Anfang an?", hakte Nils nach. Ich zuckte mit den Schultern.
"Das werte ich mal als ja. Bist du jetzt schwul oder ist das eine Ausnahme oder was ist das? Man Luis, ich dachte ich würde dich kennen", klang Nils ein wenig vorwurfsvoll. Und ich konnte ihn auch echt verstehen. Wir waren sehr gute Freunde und doch kannten wir uns nicht richtig. Zumindest mich kannte man nicht richtig, weil ich quasi ein falsches Spiel spielte. Alle dachten, ich wäre der große Mädchenaufreißer, dabei wollte ich etwas ganz anderes und schon gar keine Mädchen.
"Ja ich bin schwul. Ich hatte schon mit ein paar Typen was am laufen, aber das ist nicht der Rede wert. Es tut mir leid, dass ich nicht offen und ehrlich war, aber das ist alles nicht ganz einfach." Auch wenn das absolut keine Rechtfertigung sein sollte. Aber wenn man sich in die Situation hineinversetzte, dann würde kaum einer am ersten Tag, an dem er begriff, schwul sein, ein Outing an den Tag legen. Ganz bestimmt nicht. Zuerst war man in der Phase, in der man es nicht sein wollte. Man wollte um jeden Preis wieder normal sein, bloß nicht schwul. So war es bei mir zumindest. Dann musste man sich mit der Sache auseinandersetzen, sich damit befassen. Das führte dann in meinem Fall zu Akzeptanz, immer mehr und mehr, auch wenn das anfangs ein schleichender Prozess war. Heute ist es okay für mich, aber das hat seine Zeit gebraucht, wie gesagt. Und heute noch etwas mit einem Mädchen zu haben war für mich unvorstellbar.
"Oh man Louis. Ich habe echt nichts gegen Schwule, ja? Aber ich kann das irgendwie nicht begreifen, dass es gerade du bist. Dir rennen doch die Mädels hinterher. Und das kommt alles so aus dem nichts, ich hätte dir das niemals zugetraut. Das überfordert mich schon ein bisschen. Und dann muss ich euch auch noch in der Kiste erwischen. Es hätte wirklich gereicht, wenn ich es einfach nur so erfahren hätte."
"Schon gut. Ich verstehe dich vollkommen. Und es tut mir auch unendlich leid wie du es jetzt erfahren hast und das ich dir das so lange vorenthalten habe. Du weißt gar nicht, wie dankbar ich dir bin, dass du so reagiert hast. Das du es für dich behalten hast, dass du mich nicht verurteilst, sondern dass du mit mir darüber redest. Und ich bin so froh, dass wir es vor Meli irgendwie verbergen konnten. So sieht es zumindest mal aus. Ich glaube sie wäre ausgeflippt, wenn sie erfahren hätte, dass ihr Schwarm direkt zu mir ist, nachdem er sie hat abblitzen lassen."
"Ach Louis, dafür sind Freunde doch da. Aber ich finde, du solltest dir überlegen ob du deine Freunde so im dunkeln tappen lassen willst oder ob du nicht mal reinen Tisch machen solltest."

Der restliche Abend war recht ruhig verlaufen. Meli hatte sich mit Selina auf in die Stadt gemacht. Wir Jungs hatten uns dann schlussendlich doch wieder abgekapselt. Aber ich glaubte, dass es den Mädels ganz gut tat, dass sie mal unter sich waren und ein bisschen Zeit zu zweit hatten. Ich hätte ja auch am liebsten Zeit zu zweit gehabt, aber nicht mit einem meiner Freunde, sondern mit Ciro. Ich war wirklich immer noch besorgt gewesen. Ich sah ihn auch nicht in oder um seinen Bungalow herum, ich hatte keinerlei Ahnung wo er war. Andreas und Nils wollten auf unserer Terrasse Bierpong spielen, also versuchte ich mich eben damit abzulenken. Außerdem war ich mit meinen Freunde hier, also sollte ich mich auch gefälligst mit ihnen beschäftigen. Ciro war nach dieser Woche wieder weg, meine Freunde würden bei mir bleiben. Uns so schade das auch war, so musste man der Wahrheit eben doch ins Auge schauen. Und weil das so weh tat, wenn ich daran dachte, sich alles in mir zusammen zog, kam mir die Ablenkung genau recht. Blöd war es nur gewesen, dass wir von Bier irgendwann auf harten Alkohol umgestiegen waren und wir alle drei irgendwann ziemlich stramm waren. Keine Ahnung, wie wir es noch schafften den Tischtennisball in den Bechern zu versenken, aber wir tranken immer weiter und weiter. Nils lag irgendwann lallend auf dem Boden und Andreas war in sein Zimmer geschwankt. Und ich, wie konnte es auch anders kommen, schwankte Richtung Strand. Ich hatte verdammte Sehnsucht und ich hoffte einfach, dass ich ihn dort traf. Das war doch unser Ort oder? Hier hatten Ciro und ich uns geküsst, hier hatten wir uns geliebt.
Am Strand angekommen konnte ich Ciro natürlich nicht auffinden. Verdammter Mist! Ich wollte ihn doch so gerne sehen, ihm sagen, dass alles gut werden würde und das ich ihn unglaublich mochte. Ihn liebte... Ja, ich hatte mich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Wer hätte das gedacht? Ich hatte ja nicht mal geglaubt, dass ich mich überhaupt verlieben konnte und dann noch mit dieser Geschwindigkeit. Das ging mir alles viel zu schnell und dennoch fühlte es sich irgendwie so besonders an. Ich liebte es, wenn sich dieses Gefühl in der Magengegend ausbreitete, wenn die Schmetterlinge ausflogen oder wenn das Herz einen Zahn zu legte, wild umher hüpfte und ich einfach nur glücklich war, wenn Ciro in meiner Nähe war. Er war einfach so liebevoll, zärtlich, hübsch und total romantisch, auch wenn man ihm das nie zutrauen würde. Er strahlte diese komplette Souveränität und irgendwie etwas machohaftes aus, aber das war er ganz und gar nicht. Aber vielleicht lag das einfach nur an meinem Vorurteil gegenüber muskulösen Typen. Ich konnte sie nun mal nicht ausstehen, wie sie sich im Gym in Szene setzten, ihren Körper zur Schau stellten und sich aufführten, als wären sie die Angebetenen. Wenn ihre Blicke abfällig über die Menschen glitten, die keinen solchen Körper hatten wie sie und wie sie sich über sie lustig machten. Das konnte ich nicht ausstehen und da rutschte mir auch immer beinahe die Faust aus. Aber Ciro war nicht so. Er liebte den Charakter eines Menschen, ihm war es egal, wie man aussah. Seine Freunde waren sein ein und alles, er schämte sich nicht für sie, er war stolz auf sie. Er begegnete den Menschen auf Augenhöhe. Und er war mir gegenüber einfach so herzlich. Ich könnte jedes Mal aufs neue dahin schmelzen. Deshalb war ich nun umso enttäuschter, als ich ihn nicht am Strand antraf.
Enttäuscht lief ich den Strand entlang in Richtung Stadt, als mir die Idee kam, dass ich ja zu Melanie und Selina in den Club gehen könnte. Dann war ich wenigstens abgelenkt. Ich fand die Idee super und legte einen Zahn zu, auch wenn ich noch immer schrecklich schwankte. Bestimmt dauerte es eine Ewigkeit, bis ich am Club ankam, aber in meinem Zustand hatte man absolut kein Zeitgefühl mehr. Die Türsteher ließen mich einfach rein, meinen Pegel nicht beachtend. Drinnen angekommen erblickte ich gleich Ariana die mir sofort ins Auge stieß. Ihre schwingenden Hüften zogen wieder die Blicke der Männer um sie herum an sich. Sie tanzte mit Melanie und Selina und so gesellte ich mich schnell dazu. Wenn Ariana da war, dann konnte Ciro ja auch nicht weit sein dachte ich.
"Hey."
"Hey Louis", begrüßte mich Ariana und nahm mich kurz in den Arm. Sie grinste mich wie immer ehrlich an. Sie drückte mir ihr Getränk in die Hand, deutete mir an es zu halten und begann sich frei zu bewegen. Sie ließ sich ganz fallen. Meli legte mir einen Arm über den Rücken und lehnte ihren Kopf an meine Schulter.
"Hey Louis, was machst du denn plötzlich hier?", fragte sie.
"Ach, mir war langweilig, Andy und Nils haben sich schon schlafen gelegt, die sind durch", sagte ich und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Ich hätte mich wohl auch besser schlafen gelegt, denn ich war mindestens genauso betrunken wie die beiden.
"Boah Louis, du stinkst ja so abnormal nach Schnaps", motzte Meli und verzog dramatisch ihr Gesicht.
"Na ich sag's ja. Wir haben es eben auch krachen lassen."
"Louis, du glaubst echt nicht, was mir wieder geschehen ist. Da korbt mich Ciro heute morgen und dann macht er hier mit so einer billigen Italienerin rum. Das ist so ein Flittchen. Ihr halber Arsch hängt aus der Hotpants und ich frage mich warum sie ein Oberteil trägt, man sieht eh alles. Und ich sage dir eins, das ist kein schöner Anblick! Mir kam fast das Kotzen! Komm ich brauche Shots!!", rief Meli, packte mich an der Hand und zog mich an die Bar. Bitte was? Ich glaube ich hatte mich verhört. Das konnte doch nicht wahr sein! Oder? Ciro machte mit einer Italienerin rum? Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Mein Magen fühlte sich plötzlich an wie nach 200 Runden Kettenkarussel. Scheiße! Für Ciro war es vorbei. Ich war Geschichte. Er wollte mich vergessen. Er machte hier mit einer anderen herum, womöglich würde er sie noch flach legen. Mir wurde schwindelig und ich hatte das Gefühl die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Fuck!
"Nein danke, ich muss mal auf Toilette, kannst du Ariana's Glas halten? Danke!", rief ich Meli zu, drückte ihr das Glas in die Hand, riss mich von ihrer Hand los und bewegte mich mit schnellen Schritten in Richtung WC. Ich konnte spüren wie die erste Träne über meine Backe kullerte und legte noch einen Zahn zu, weil ich das Gefühl hatte mich augenblicklich übergeben zu müssen. Der viele Alkohol machte sich plötzlich bemerkbar und war drauf und dran geradezu aus mir herauszusprudeln. Genauso wie die Tränen, die nur noch darauf warteten raus zu dürfen. Wie konnte er mir das nur antun? Ich dachte es wäre alles in Ordnung und geklärt. Im WC rannte ich an einem herum machenden Pärchen vorbei, das ich nur noch verschwommen wahrnahm. Ich stürzte mich in die erste offene Toilettenkabine – Gott sei Dank war überhaupt gerade eine frei - und übergab mich heftig. Mein ganzer Körper zitterte und mich würgte es immer wieder. Das alles lief wie automatisch ab, weil mein Kopf einzig und allein um Ciro kreiste und um das was Meli gesagt hatte. Für mich brach hier gerade eine Welt zusammen. Es schien so, als ob mir in diesem Moment das erste Mal mein Herz gebrochen werden würde. Und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es sich wirklich so schmerzvoll anfühlte. Mir wurde das Herz geradezu entrissen. Mein Magen wurde mir gequetscht und meine Lungen schienen streiken zu wollen. Scheiße! Verdammte Scheiße!! Wieso musste das alles nur passieren? Wieso musste ich mich überhaupt so krass verlieben? Und wieso war Ciro so ein riesiger Arsch? Fuck!
Mein Körper beruhigte sich allmählich wieder und ich musste mich nicht mehr übergeben. Ich drückte die Spüle und wollte gerade aufstehen, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich drehte mich langsam um und schaute ihn mir vertraute Augen. Es war Ciro. Das verdammte Arschloch Ciro! Was wollte dieser Idiot hier? Ihn wollte ich jetzt gerade ganz bestimmt nicht sehen! Und natürlich war er es nicht allein, nein, seine billige Italienerin lugte ihm über die Schulter und schaute mich bemitleidend an. Ich wünschte ich hätte noch etwas in mir und könnte ihr einmal über ihren Ausschnitt spucken. Dieser Anblick war wirklich saubillig, da hatte Meli nicht gerade untertrieben. Auf so was ließ sich Ciro ein. Mein Ciro! Dieser beschissene Dreckskerl ersetzte mich mit ihr. Und dabei hatten er mir heute noch gesagt, dass alles okay zwischen uns wäre. Wir hatten noch nicht mal vor 24 Stunden miteinander geschlafen. Ich glaubte das einfach nicht. Ich war so unglaublich wütend.
"Was willst du? Was schaust du mich so behindert an?", schrie ich ihn an. Ich konnte ihm ruhig zeigen, wie enttäuscht ich von ihm war. Oh ja, man konnte das gar nicht in Worte fassen. Aber im Moment überwog die Wut auf dieses billige Flittchen und auf ihn, diesen Scheißkerl.
"Hey... ich... ähm...", stotterte Ciro und legte erneut seine Hand auf meine Schulter. Da brannten bei mir alle Sicherungen durch.
"Fass mich nicht an! Du widerst mich an!! Geh mir aus den Augen!", schrie ich ihn an, sah ihm dabei eindringlich in die Augen und konnte den Schmerz in seinem Blick sehen. Wie groß musste sein Schmerz denn sein, wenn er sich hier schon am nächst billigen Mädchen vergriff? Das war doch ein Scheiß im Vergleich zu meinem Schmerz. Ich wurde hier betrogen, nicht er! Dieses scheiß Arschloch! Ich schlug seine Hand weg und rannte an den beiden vorbei, rempelte sie ordentlich im vorbei gehen an und rannte Richtung Ausgang. Sie hatte ein wenig aufgeschrien, als ich sie grob bei Seite rammte, aber das geschah ihr genau recht. Draußen angekommen konnte ich mir das Hinterhergerufe von Ciro anhören, der mir scheinbar gefolgt war und wohl nicht aufgeben wollte. Was wollte er mir denn sagen? Wollte er mir nun nochmal in Worten sagen, dass es aus war, dass er doch lieber mit Mädchen rummachte? Nein danke, dass musste ich mir nicht anhören.
"Louis, bleib stehen. Stopp", rief er mir hinterher. Ganz bestimmt nicht. Was dachte er denn, wer er war? Ich tanzte hier doch nicht nach seiner Pfeife. Für mich war die Sache gelaufen. Ciro musste ich mir endgültig aus dem Kopf streichen. Der Eindruck hatte dann eben doch wieder getäuscht und er war nicht so unschuldig, wie er mir gegenüber immer gewirkt hatte.
„Bleib stehen, boy!“, sagte er etwas lauter und packte mich an der Schulter. Ich wirbelte herum und schob grob seine Hand von meiner Schulter und wollte ihn kurz darauf von mir wegstoßen, was keine gute Idee war. Anstatt das er nach hinten ausweichen musste, prallte ich nach hinten weg. Wen wunderte es, so stark wie er war machte ihm mein Geschubse im besoffenen Zustand rein gar nichts aus. Stattdessen hatte ich mich selbst ins straucheln gebracht und stolperte rückwärts über den Bordstein. Ja schöne scheiße. Mein Kopf schlug hart auf, aber mein Körper war im Moment einzig und allein von einem Schmerz besessen. Dem Schmerz im tiefen Inneren, in meinem Herzen.
„Luiggi, hast du dich verletzt?“, rief Ciro panisch und setzte sich neben mir in die Hocke, umfasste meinen Kopf mit seinen Händen und tastete ihn ab.
„Lass mich los. Und nenn mich nie wieder so!“, fauchte ich ihn an. Aber Ciro dachte gar nicht erst daran.
„Nein, ich lasse dich nicht los, du hast dir gerade den Kopf gestoßen! Außerdem will ich wissen was mit dir los ist und warum du so gemein zu mir bist!“ Nun war es Ciro, der ein wenig aufgebracht war. Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum war er denn bitte so aufgebracht? Er hatte ja wohl absolut keinen Grund dazu. Dieser Idiot hatte mich verarscht, mit meinen Gefühlen gespielt.
„Du hast mich beschissen mit dieser billigen Tussi!“, schrie ich es ihm ins Gesicht, noch immer am Boden liegend. Die vorbeigehenden Leute warfen uns schon verwirrte Blicke zu, aber das war mir egal. Dieser Arsch begriff es einfach immer noch nicht...
„Wie beschissen? Ich verstehe nicht...“
„Betrogen. Du hast mit dieser Tussi herumgeknutscht, dabei dachte ich, dass wir beide...“
„Bitte was? Nein! Luiggi...“
„...du sollst mich nicht mehr so nennen!!!“, unterbrach ich ihn und töte ihn mit meinen Blicken.
„Louis. Lass mich ausreden! Das ist absolut nicht fair! Das ist ein riesiges Missverständnis!“, setzte Ciro fort und kratzte sich an der Stirn. Er war sichtlich verwirrt und versuchte immer noch die Zusammenhänge zu verknüpfen.
„Du musst mir nichts erklären. Ich weiß, dass Schluss ist. Ich komme schon klar!“, sagte ich, nun wieder etwas trauriger als wütend. Ich strich mir seine Hände aus dem Gesicht und rappelte mich auf. Die Welt um mich herum drehte sich ein wenig, aber ich würde es schon bis nach Hause schaffen.
„Doch, ich muss dir ganz viel erklären, weil ich nicht beschissen habe oder wie ihr das eben nennt. Meli weiß Bescheid! Ich weiß nicht, ob sie schon die ganze Zeit Bescheid wusste oder ob es Nils ihr erzählt hat, keine Ahnung. Sie hat mir vorhin gedroht, als sie mich auf der Tanzfläche gesehen hat. Sie ist so sauer, dass ich sie nicht zu meiner Freundin machen wollte, dass sie uns jetzt den Urlaub und unsere Liebelei versauen will. Verstehst du? Ich habe mit keinem Mädchen herum gemacht!“ Ach du liebe Zeit. Ich würde ihm ja wirklich gerne glauben, aber im Moment war ich noch zu sehr auf 180, als das ich ihm diese Story so abkaufen konnte. Meli war den ganzen Tag so normal gewesen. Oder was hieß normal, sie war halt sauer auf Ciro, weil er sie gekorbt hatte, was für mich echt verständlich war, aber sie war mir gegenüber ganz normal. Spielte sie hier böse Miene zum falschen Spiel? Ich konnte das irgendwie nicht glauben. Würde unser Urlaub noch in einem riesigen Streit enden. Ich konnte das einfach nicht begreifen.
„Und wer war dann diese Tussi?“, fragte ich nach, ohne seine aufgetischte Story zu kommentieren. Ich würde sie ja am liebsten glauben und ihn küssen. Aber woher wusste ich, dass er die Wahrheit sagte und dass er mir hier nicht eine Lüge auftischte, nachdem er auch keine Skrupel hatte mich zu betrügen?
„Das ist eine sehr gute Freundin von mir und Ariana. Besser gesagt ist es meine beste Freundin. Sie wohnt hier ganz in der Nähe und wir haben uns vor Jahren kennengelernt, als wir auch hier auf dem Ressort waren. Sie weiß von uns beiden Bescheid und sie meinte, dass sie dich ins Klo hat hetzen sehen und das du nicht gerade gut ausgesehen hast. Scheinbar habe ich dich gut genug beschrieben, sodass sie dich gleich wiedererkannt hat“, erklärte sich Ciro. Ach man, es fiel mir einfach so verdammt schwer ihm zu glauben. Mein Herz wollte ihm glauben, wollte wieder die Schmetterlinge in meinem Bauch losschicken, aber mein Verstand sagte mir, dass er mich verarschte, dass das alles eine riesige Lüge war. Das Ciro eine Enttäuschung war und das er es immer und immer wieder tun würde. Scheiße. Ich war so hin und her gerissen. Ich wollte ihm glauben, ihn in meine Arme ziehen und einfach nicht mehr loslassen. Aber gleichzeitig wollte ich ihn von mir stoßen, so weit wie es nur ging.
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