Willkommen im Weltall

von - Leela -
KurzgeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
Leutnant Atan Shubashi Leutnant Hasso Sigbjörnsen Leutnant Helga Legrelle Leutnant Mario de Monti Major Cliff Allister McLane Ordonnanz-Leutnant Spring-Brauner
20.05.2019
20.05.2019
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Diese Geschichte ist ein Beitrag zu der Challenge »1 Beginn, 1 Ende, 1 Wort« von Liz Tonks.

Die Challenge:
Für die ausgewählte Nummer wird ein Wort vorgegeben, welches im ersten und im letzten Satz vorkommen muß. Der erste und der letzte Satz dürfen dabei nicht identisch sein. Als Mindestwortzahl wurden 200 vorgegeben.

Meine Nummer hier war die 179 mit dem Wort »vermeiden«.

Das Fandom:
Hintergrund: Raumpatrouille Orion ist weitläufig gesehen das deutsche Gegenstück zu Star Trek. Die Erstausstrahlung von »Raumpatrouille Orion« war am 17.09.1966. Deswegen wählte ich die Nummer 179 für eine Geschichte aus diesem Fandom zur Challenge.

Wir begleiten den schnellen Raumkreuzer Orion und seine Besatzung unter Kommandant Cliff Allister McLane in die Weiten des Weltalls. Diese Geschichte spielt vor der Serie, also noch vor der Strafversetzung der Orion-Crew und der Begegnung mit Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk.
      Hier folgt ein weiteres kleines Abenteuer der Orion, das wie immer in der Unterwasserbasis auf der Erde beginnt:


Willkommen im Weltall

Raumkreuzerkommandant Cliff Allister McLane konnte nicht vermeiden, daß man ihm die Genugtuung ansah, als Ordonnanzleutnant Spring-Brauner der Audienz beiwohnte, in der General Wamsler und General van Dyke ihn und seine Crew in seinen neuen Auftrag einweihten. Es war ein offenes Geheimnis, daß Cliff und Spring-Brauner eine Art Rivalität führten, die sich darin ausdrückte, daß der Ordonnanzleutnant dem Kommandanten jeden Mißerfolg gönnte, und eben der jeden Erfolg auskostete.
      Lydia van Dyke wandte sich als Cliffs Vorgesetzte zuerst direkt an die Crew der Orion. „Wie Sie sich bereits denken können, erhält die Orion einen neuen Auftrag. Trotz der letzten Disziplinarmaßnahme, die Sie sich eingehandelt haben, Kommandant McLane, halten sowohl ich als auch General Wamsler Sie für den besten Mann für diese Mission.“
      „Oh, da fühle ich mich aber geehrt.“ Cliff lächelte charmant. „Darf ich fragen, worum es bei dem Auftrag geht?“
      „Es geht um die Kandinsky-Passage.“ erläuterte Lydia. „Sie sollen den Beweis antreten, daß diese Passage für bemannte Raumschiffe möglich ist.“
      Cliff stockte nur für den Bruchteil eines Moments, und spielte dann seine Überraschung taktisch aus. „Verzeihung, wenn ich so naiv nachfrage. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann schicken Sie mich jetzt auf die Mission, die mir vorher verboten und wegen der ich abgemahnt worden bin!“ stellte er fest.
      „Eine davon!“ spezifizierte Wamsler. „Und falls es das ist, was Sie hören wollen: Ja, Sie hatten Recht, und Sie sind der beste Mann für diesen Auftrag!“
      Cliff lächelte zufrieden. „Das freut mich zu hören! – Wann starten wir?“
      „So bald wie möglich.“ ordnete Wamsler an. „Oh, und da ist noch etwas: Leutnant Spring-Brauner wird Sie begleiten!“
      Das siegessichere Lächeln des Raumschiffkommandanten rutschte ab. „Verzeihung, ich verstehe nicht ganz.“
      „Spring-Brauner wird den Einsatz mitprotokollieren, für unsere Akten. Eine reine Formalität.“ erklärte Wamsler.
      „Formalität!“ wiederholte Cliff, wenig amüsiert.
      „An Ihrer Stelle würde ich die Gunst der Stunde nicht auf’s Spiel setzen, McLane!“ Wamsler lehnte sich vor und stützte die Hände auf den Schreibtisch. „Wissen Sie, warum Sie den Auftrag von mir bekommen, und nicht von General van Dyke? Sie stehen schon mit einem Bein in der Strafversetzung! Sie haben jetzt die Möglichkeit, legal eine Ihrer fixen Ideen zu beweisen. Also seien Sie nicht wählerisch!“
      „Tun Sie, was er sagt.“ empfahl Lydia van Dyke. „Ich kann Sie bald nicht mehr retten!“
      Der gesamten Besatzung war der Mißmut über die letzte Order anzusehen. Doch keiner wagte, etwas zu sagen. Widerwillig stimmte Cliff zu.

Die Crew der Orion fand sich pünktlich in der Unterwasserbasis ein. Spring-Brauner ebenfalls. Cliff ignorierte ihn, soweit es möglich war. Erst als sie im Kommandostand des schnellen Raumkreuzers ankamen, gab er die unmißverständliche Order: „So, hier auf der Orion unterstehen Sie meinem Befehl, also stehen Sie nicht im Weg herum, während andere Leute arbeiten.“
      „Ich darf Sie daran erinnern, daß ich im gegebenen Fall Alpha-Order erteilen kann, wenn die Situation es verlangt!“ erinnerte Spring-Brauner.
      „Kein Grund, mir zu drohen!“ erwiderte Cliff überrascht. „Oder ist es schon verboten, seine Arbeit zu verrichten?“
      Wie nicht anders erwartet, brachte Cliff seinen unwillkürlichen Gast damit erst einmal dazu, daß ihm die Worte fehlten.
      „So, es wird jetzt ein paar Stunden dauern, bis wir da sind. Bis dahin können Sie sich ausruhen, mit sich selber Schach spielen oder wonach sonst Ihrem Herz zumute ist. Wir benachrichtigen Sie, wenn wir da sind.“ kürzte Cliff die Sache ab.
      „Sie wissen hoffentlich, daß jede Kursabweichung verzeichnet wird!“ warnte Spring-Brauner vorsichtshalber.
      „Schon wieder eine Drohung!“ Cliff legte eine gut dosierte Überraschung in seine Stimme. „Was habe ich Ihnen bloß getan?“
      „Ihre Eskapaden sind hinlänglich bekannt!“ trumpfte der Ordonnanzleutnant auf. „Das ist der Grund, warum ich hier bin!“
      Langsam ging Cliff die Geduld aus. „Also, erst mal: Nach General Wamsler sind Sie hier, um unseren Erfolg zu protokollieren. Das ist ein Unterschied. Und um Ihre kleine Ordonnanzleutnant-Seele zu beruhigen: Ich habe darum gekämpft und dafür Regeln gebrochen, beweisen zu dürfen, daß man diese Passage fliegen kann! Hat jemand an den Schreibtischen auf mich gehört? Nein! Glauben Sie ernsthaft, ich lasse mir diesen Triumph jetzt entgehen?“ Die Kunstpause war so angelegt, daß Spring-Brauner keine Gelegenheit bekam zu antworten, bis Cliff anfügte: „Und jetzt beruhigen Sie sich und machen Sie es sich gemütlich! Wir informieren Sie schon, wenn wir da sind, keine Bange!“
      Wamslers Adjutant sparte sich jede Erwiderung und verließ den Kommandostand.

Cliff hielt Wort. Pünktlich, kurz bevor die Orion die Passage erreichte, gab der Kommandant dem Gast über Bordsprechanlage Bescheid. Vorher jedoch wandte er sich an seine Crew. „Kriegen wir es hin, den Flug durch die Passage etwas dramatischer zu gestalten als notwendig? Wir wollen doch nicht, daß unser Schreibtischhengst denkt, Raumdienst wäre ein Zuckerschlecken!“
      „Aye aye Sir!“ Hasso grinste.
      „Du, das wird ein Spaß, Cliff!“ freute sich Mario.
      Helga lehnte sich mit süffisantem Lächeln auf ihrem Platz zurück. „Solange der feine Herr mir nicht auf meinen Schoß stolpert, ist mir alles recht!“
      „Wir werden dem eine Raumkreuzerfahrt bieten, die er so schnell nicht vergißt!“ prophezeite Atan.
      Cliff schmunzelte. „Dann auf zur fröhlichen Achterbahnfahrt!“
      Dies beschlossen, ging jeder an seine Arbeit.
      Als Spring-Brauner im Kommandostand erschien, brachte Cliff die Orion gerade in Position. „Ah, da sind Sie ja. Wir können gleich starten.“ Der Kommandant betätigte einen Knopf auf der Konsole vor ihm. „Kommandant Cliff Allister McLane für Bordbuch auf aktuellem Zeitstempel: Wir befinden uns jetzt vor der Kandinsky-Passage. In S Minus 20 ab Eintragsende werden wir den Beweis antreten, daß diese Passage nicht nur für unbemannte Raumsonden der Größe von Datensammlern, sondern auch für Raumschiffe möglich ist. Die Mission wurde durch General Wamsler angeordnet, und wird durch Ordonnanzleutnant Spring-Brauner für die Akten mitprotokolliert. McLane Ende.“
      Spring-Brauner hatte brav gewartet, bis Cliff mit seinem Eintrag im Bordbuch fertig war. In den Countdown hinein fragte er: „Was passiert eigentlich, wenn die Passage nicht möglich ist?“
      Cliff drehte sich in Erstaunen zu ihm um. „Das kann ich Ihnen sagen. Dann werden Sie keine Gelegenheit mehr haben, zu den Akten zu geben, daß es nicht möglich ist. Das muß Ihr Vorgesetzter dann anhand der Trümmerteile der Orion selbst herausfinden. Also beten Sie lieber dafür, daß es funktioniert!“ Er genoß das Entsetzen in der Miene des hochgewachsenen Mannes vor ihm. Dann erwähnte er noch beiläufig, während der Leutnant noch versuchte, die erste Aussage zu verarbeiten: „Eine Illusion möchte ich Ihnen aber gleich vorab nehmen: Wenn Sie meinen, Raumdienst sei im Allgemeinen ein Spaziergang, dann suchen Sie sich jetzt schon mal etwas zum festhalten!“
      Während Spring-Brauner schwer schluckte, wandte Cliff sich an seine Crew und gab die nötigen Befehle, um die Mission zu starten.

Die Kandinsky-Passage, die bis hierhin nur über Datensammler-Raumsonden erforscht worden war, stellte sich dem geneigten Raumfahrer als leichtes, blaues Flimmern dar, welches allzu schnell übersehen werden konnte. Wer die Anzeigen richtig zu deuten wußte, lernte allerdings schnell, daß diese Passage eine der bedeutendsten im ganzen Sektor war. Sie führte wie eine Art Abkürzung durch ein großes Asteroidenfeld, welches selbst nach Cliffs Einschätzung unpassierbar war. Insofern stellte die Passage einen unschätzbaren Wert dar, den die Raumverbände bedauerlicherweise erst jetzt erkannt hatten. Und die Orion startete gerade, um das erste Raumschiff zu werden, das die Passage durchflog.
      Unter der Crew wurden Blicke getauscht. Cliff konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Eigentlich hätte der Flug so sanft und ruhig wie in einer Wiege sein können. Die alteingesessenen Raumfahrer wußten aber, wie sie das Schiff zum schlingern bringen konnten – gerade so, daß die Mission nicht gefährdet wurde, und Leutnant Spring-Brauner ordentlich durchgeschüttelt wurde. Und die Strategie ging auf!
      „Was ist denn mit Ihnen los?“ fragte Cliff fröhlich, als der Ordonnanzleutnant von einer Seite des Kommandostands, an Helga vorbei, auf die andere Seite geschleudert wurde. „Können Sie so ein bißchen Raumfahrt etwa nicht ab?“
      „Das ist er doch gar nicht gewohnt, Cliff.“ nahm Mario ihn in Schutz. „So ist das, wenn man seine Zeit nur hinter einem Schreibtisch verbringt.“
      Spring-Brauner versuchte gerade, sich festzuhalten, als die Orion abkippte, und er wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückstürzte.
      „Sie sollten sich hinsetzen.“ empfahl Cliff nüchtern.
      „Komm her Junge, du kannst meinen Platz haben.“ Mario stand auf und stellte sich an seine Station.
      Dankbar ließ sich Spring-Brauner auf den Platz des Armierungsoffiziers sinken und kippte vorüber, als wenn er sich gleich übergeben wollte.
      Aus dem Maschinenraum kam Hassos Stimme über die Bordsprechanlage. „Cliff, sollen wir Energie zurücknehmen oder so bleiben?“
      „Nein, bleib ruhig so. Um so schneller sind wir durch und können unser Baby wieder zu Hause abliefern.“ kommentierte Cliff bewußt salopp, ohne näher auszuführen, ob er die Orion oder Spring-Brauner meinte.
      „Cliff…“ Atan nickte in Richtung ihres Gastes.
      Das machte auch Mario aufmerksam. „Hey, wehe, Sie kotzen mir auf die Kontrollen!“
      „Sind wir bald durch?“ jammerte Spring-Brauner.
      „Keine Sorge. Gleich haben Sie es geschafft.“ beruhigte Cliff ihn.
      Ihr Gast mußte einen akuten Würgereflex unterdrücken.
      „Hätten vielleicht nicht so viel vorher essen sollen, wenn Sie das nicht vertragen können.“ bemerkte Cliff laut genug.
      Die Orion sackte ab, und Spring-Brauner hatte das Gefühl, seinen Magen in seinem Hals wiederzufinden. Es ging nach links und nach rechts, und Cliffs Vergleich mit der Achterbahn fühlte sich streckenweise schon geschmeichelt an.
      „Mir ist nicht gut.“ preßte Spring-Brauner hervor.
      „Aber, aber!“ tadelte Cliff. „Sie wollen den Flug doch schön mitdokumentieren!“ Der Kommandant hätte ihm auch vorschlagen können, sich freiwillig ein Gehirn zum Mittagessen zu genehmigen; die Wirkung variierte nicht allzu sehr.
      Spring-Brauner sah sich hektisch unter der Crew um. Helga saß beinahe gelangweilt auf ihrem Platz, Atan lehnte lässig auf seiner Konsole und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, und Mario klopfte dem armen gequälten Mitreisenden beruhigend auf die Schulter, was dessen Zustand nicht unbedingt zuträglich war.
      Atan wechselte mit Cliff einen Blick. „Der sollte erst mal mit ein paar Raumkreuzfahrten anfangen, bevor er sich an das große Abenteuer traut!“ konnte der Astrogator sich nicht verkneifen zu sagen.
      „Sehr witzig!“ kommentierte Spring-Brauner, dem es mit jeder Kurve immer schlechter ging.
      „Mensch, Cliff!“ fiel Mario  plötzlich ein. „Bau doch mal einen Looping ein!“
      Cliff grinste. „Das mußt du unserem Herrn Bordingenieur sagen. Der hat die Kontrollen über die Maschinen und kann dir sagen, ob das geht.“ Er betätigte den Schalter der Bordsprechanlage. „Hast du gehört, Hasso? Mario möchte einen Looping!“
      „Klar und deutlich verstanden!“ erwiderte der Bordingenieur schmunzelnd.
      „Das ist nicht… wirklich möglich… oder?“ japste Spring-Brauner.
      „Theoretisch schon!“ sinnierte Cliff, während er gemächlich durch den Kommandostand wanderte. „Aber beruhigen Sie sich. Da so ein Raumschiff ein eigenes Gravitationsfeld hat, werden Sie davon kaum etwas merken!“
      Der bedauernswerte Adjutant des Generals sank fast in eine Ohnmacht.
      Cliff tauschte mit seiner Crew amüsierte Blicke. Wer hätte gedacht, daß ihr Spiel so gut aufgehen würde?

Eine Weile mußte der Gast der Orion noch durchhalten. Als das Ende der Passage in greifbare Nähe rückte, konnte man die Dankbarkeit in der grünen Gesichtsfarbe des Ordonnanzleutnants ablesen. „Haben wir es geschafft? Sind wir durch?“ keuchte er einen Moment später, als die Orion wieder ruhig im Weltall lag.
      „Ja, wir sind durch. Sie können sich jetzt hinlegen, wenn Sie möchten.“ gestattete Cliff wohlwollend.
      „Danke, das werde ich auch tun.“ murmelte er und verließ unter den grinsenden Mienen der Orion-Besatzung den Kommandostand.
      „Ja, so viel zu dem Experiment…“ schmunzelte Cliff und machte seinen Bordbucheintrag. Als er sich anschließend fröhlich zu seiner Mannschaft umdrehte, stutzte er. Atan, Mario und Helga hingen auf ihren Plätzen selber in den Seilen. „Was ist denn mit euch los?“
      „Was los ist? Schlecht ist mir!“ ächzte Atan.
      „Gott sei Dank ist das vorbei…“ stöhnte Helga.
      Cliff war noch nicht damit fertig, sich zu wundern, als sich Hasso über Bordsprechanlage meldete. „Cliff, können wir hier vielleicht eine kleine Pause machen? Mir ist nicht gut!“
      „Was ist denn mit euch allen los? Könnt ihr nichts mehr ab oder was?“ lachte Cliff.
      „Haben’s wohl ein bißchen übertrieben.“ brachte Atan hervor.
      „Na, Hauptsache, Spring-Brauner kriegt hiervon nichts mit.“ lächelte der Kommandant. „Wir machen erst mal Pause. Erholt euch gut!“
      „Cliff… So fliegen wir aber jetzt nicht jedes Mal durch die Passage, oder?“ fragte Mario hoffnungsvoll.
      „Das hatte ich nicht vor!“ beruhigte der Kommandant ihn amüsiert.
      „Gut. Das nächste Mal weiß ich nämlich nicht, ob ich noch an mich halten kann!“ gestand der Armierungsoffizier. „Es wäre mir ziemlich peinlich, wenn mir das passiert, was ich unserem Ordonnanzbengel gerade verboten habe!“
      Cliff konnte ein kleines Schmunzeln nicht unterbinden. „Das wollen wir doch zu vermeiden wissen.“
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