Verurteilt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Frank "Tonmann" Sump Jakob Lundt Jeannine Michaelsen Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
19.05.2019
16.10.2019
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Ihr Lieben, es tut mir so leid! Ich lieg mit ner fetten Erkältung flach. Gestern war echt schlimm und ich hab es nicht geschafft, zu posten... :-(
Ich rotze zwar immer noch, aber länger wollte ich euch nun wirklich nicht warten lassen...
Viel Spaß ♥
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Birgit hatte die beiden Jungs bis zum Parkplatz am Waldrand gefahren, dann den Rollstuhl aus dem Auto geholt und Klaas wieder hineingesetzt. Sie hatte bestimmt drei Mal gefragt, ob sie den beiden nicht helfen sollte, die ganzen Sachen zum See zu bringen, aber so sehr Klaas seine Mutter liebte, es reichte ihm schon, gleich als Rollstuhlfahrer auf eine Party zu kommen, auf der er niemanden kannte, er wollte da nicht auch noch mit seiner Mutter auftauchen.

Also nahm Joko die Kühltasche mit dem Fleisch, den Würstchen und dem Bier und Klaas hatte eine zusammengefaltete Picknickecke auf dem Schoß, auf der ebenfalls noch ein Sixpack Bier lag. Er hatte den Blick seiner Mutter gesehen, Klaas trank so gut wie nie Alkohol, sie hatte aber nichts dazu gesagt, außer, dass die Jungs sie jederzeit auf dem Handy anrufen könnten, wenn sie die beiden abholen sollte.

Klaas versuchte den Rollstuhl über den unebenen Waldboden zu fahren, ohne dass das Bier von seinem Schoß fiel und Joko schnaufte, weil die Kühltasche einiges wog.

„Joko? Kannst du das Bier bitte unter den Rolli in die kleine Tasche legen, es fällt gleich runter. Der Boden ist zu holprig.“

Joko drehte sich um, stellte die Tasche ab und ging zu Klaas. Er nahm das Sixpack und entdeckte den Schweiß auf Klaas‘ Stirn. Es war ein warmer Maitag, aber hier im Wald war es eigentlich erträglich. Er hockte sich vor seinen Freund und strich ihm über die Wange.

„Hey, alles okay? Ist es zu anstrengend?“

„Also leicht ist es nicht, hier zu fahren, aber es wird besser, wenn ich das Bier nicht mehr auf den Beinen hab.“

Joko nickte, legte das Sixpack unter den Rolli und bevor er aufstand, küsste er Klaas.

„Wir haben es bald geschafft, Hase.“

Der schnaubte nur.

„Joko, ich kenn den Weg zum See von früher. Es ist noch ein ziemliches Stück.“

Joko lächelte schuldbewusst. Er hätte Klaas gerne geschoben, aber er hatte diese Kühlbox, die er schleppen musste. Also machten sie sich wieder auf den Weg und kamen nach einiger Zeit an die Lichtung mit der großen Wiese, die einem immer sagte, dass man es jetzt fast geschafft hatte.

Hier wurde es dann noch mal richtig schwer für Klaas, den Rollstuhl durch das hochgewachsene Gras zu bekommen, zumal der Rolli auch noch leicht unter seinem Gewicht einsank. Aber er kämpfte sich tapfer vorwärts, bis er Stimmen hörte und aufsah.

„Hey, man Joko, warum rufst du uns denn nicht an und fragst, ob wir euch entgegenkommen oder helfen?“

„Matthi, Flo!“

Joko umarmte seine Freunde. Dann drehte er sich zu Klaas.

„Klaas, das sind Matthi und Flo. Jungs, das ist Klaas.“

Klaas lächelte schüchtern und streckte den beiden die Hand entgegen. Die ergriffen sie nacheinander und begrüßten Klaas.

„Was macht ihr denn hier? Warum seid ihr nicht unten am See?“

„Wir haben trockenes Holz für ein kleines Lagerfeuer heute Abend gesucht. Sonst ist es später so dunkel. Und dann haben wir euch aus der Ferne gesehen und ihr saht so aus, als könntet ihr Hilfe gebrauchen.“

Matthi nahm Joko die Kühlbox ab und stöhnte.

„Alter, was ist denn da drin?“

Joko grinste.

"Ein bisschen was zu essen und jede Menge Flüssignahrung.“

Seine Freunde lachten.

„Wir nehmen die und du kannst Klaas helfen, okay?“

Am liebsten hätte Klaas gesagt, dass er keine Hilfe nötig hatte, aber das wäre glatt gelogen gewesen. Also schluckte er seinen Stolz runter und bedankte sich, denn es war ja wirklich nett, dass Jokos Freunde gekommen waren, um ihnen zu helfen. Sie schienen auch wirklich nett zu sein.

Joko lächelte ihn an und stellte sich hinter seinen Rolli, um ihn zu schieben. Sofort stellte er fest, wie schwer es ging und hatte ein schlechtes Gewissen, dass er Klaas es bis hier her alleine zugemutet hatte. Klaas half ihm trotzdem und zusammen schafften sie es gut durch das hohe Gras. Je näher sie dem See kamen, desto mehr Leute erkannte Klaas und fühlte sich immer unwohler. Aber auch das schluckte er runter, um seinem Freund nicht die gute Laune zu verderben.

Joko begrüßte seine Freunde mit einer Umarmung, als sie endlich am See angekommen waren. Dann stellte er Klaas allen vor und natürlich bemerkte Klaas die neugierigen Blicke und teilweise den einen oder anderen interessierten Gesichtsausdruck, der vielleicht auch ein überraschtes ´mit dem ist Joko jetzt zusammen´ beinhaltete, aber alle begrüßten Klaas freundlich, lächelnd und widmeten sich dann wieder dem Grill, der Musik oder legten sich auf eine der unzähligen Decken, die auf dem kleinen Strand lagen.

Auch Joko nahm Klaas die Decke ab und breitete sie unten am Wasser aus. Dann zog er seine Hose aus, unter der er eine Badehose anhatte und kam zu Klaas.

„Ich bring dich rüber zur Decke, ich hab sie ein bisschen unter den Baum gelegt, damit wir nicht in der prallen Sonne liegen. Den Rolli schieb ich auch unter den Baum, aber erst wenn du Fettsack nicht mehr drin sitzt, sonst bekomme ich den nicht durch den Sand geschoben.“

Joko grinste, aber Klaas wollte das Grinsen nicht so gut gelingen, auch wenn er es eigentlich mochte, wenn Joko ihn veräppelte. Der bemerkte die Unsicherheit seines Freundes natürlich sofort und hockte sich mit besorgter Miene vor ihn.

„Hey, was ist los?“

Klaas überlegte, ob er die Wahrheit sagen sollte, er wollte hier wirklich nicht die Diva spielen und Joko den Tag verhageln.

„Klausi?“

„Ja… ich… es ist komisch für mich, wenn du mich hier vor all den Leuten aus dem Rolli hebst und herumschleppst. Die… Joko, die werden alle neugierig starren.“

„Hase, die Alternative ist, den ganzen Tag im Rolli zu sitzen.“

Klaas war das natürlich bewusst und eigentlich war das auch keine Alternative, denn es war heiß und auch der Rolli war heiß und ihm lief das Wasser den Rücken runter. Also nickte er.

„Okay, dann los.“

Joko nickte und beugte sich zu Klaas, der sich etwas vorlehnte und Joko sah, wie nass sein Shirt am Rücken war. Klaas musste definitiv in den Schatten und was trinken. Also beugte er sich zu ihm runter, schob einen Arm unter seine Kniekehlen und den anderen Arm um seinen Rücken und hob ihn hoch.

Tatsächlich bemerkte er, wie einige Leute sich zu ihnen umdrehten, dann aber wieder wegsahen, wahrscheinlich um nicht den Eindruck zu erwecken, dass sie starren würden. Joko verstand, dass es interessant für sie war, weil sie so was wahrscheinlich noch nie gesehen hatten, aber er verstand Klaas noch viel mehr, dem das einfach unangenehm war, wenn die Leute ihn angafften. Deshalb drehte er ihn mit dem Gesicht Richtung Wald und weg von den Leuten und brachte ihn zu ihrer Decke. Dort ging er in die Knie und setzte ihn auf der Decke ab. Klaas stützte sich mit den Händen hinter sich ab und Joko lächelte zufrieden.

„Ich zieh dir jetzt die Hose aus Klaas, du schwitzt viel zu sehr.“

Klaas schloss kurz die Augen. Er hatte wiederwillig eine Badehose unter die Jeans gezogen, aber er wusste natürlich, dass es zu warm war, um hier in Jeans zu sitzen, also nickte er nur.

„Willst du sie selber öffnen?“

Klaas atmete hörbar ein, schämte sich ein bisschen.

„Geht nicht, wenn ich die Hände löse, falle ich nach hinten.“

Joko verstand. Durch Klaas fehlende Beinmuskulatur, konnte er nicht ohne sich abzustützen aufrecht sitzen. Also beugte Joko sich über Klaas, öffnete den Knopf und den Reißverschluss dessen Hose und nickte ihm dann zu. Der Jüngere schob sich mit den Armen nach oben, um seinen Po ein Stück anzuheben und Joko zog ihm so die Jeans erst über seinen Po  und dann nahm er die Hosenbeine und zog sie ihm komplett aus.

Klaas ließ sich wieder sinken und Joko nahm ein Wasser aus der Kühlbox, öffnete es und reichte es Klaas. Der lächelte ihn dankbar an, löste eine Hand und trank die Flasche mit einem Zug halb leer.

„Kannst du mir bitte das Shirt ausziehen und in die Sonne zum Trocknen legen, es ist patschnass.“

„Ich weiß und ich hatte gehofft, dass du es freiwillig vorschlägst.“

Joko befreite Klaas von dem T-Shirt und hing es an den Baum zum Trocknen. Dann zog er sich selber auch das Shirt aus und hockte sich vor Klaas.

„Schwimmen?“ Klaas zog eine Augenbraue hoch.

„Klar, vielleicht finden wir ja auch nen Tretbootverleih.“

Joko musste lachen.

„Klaas, sei nicht immer so sarkastisch, auch wenn das witzig war. Warst du etwa nicht mehr Schwimmen, seitdem du gelähmt bist?“

Klaas schüttelte den Kopf. Früher war er eine richtige Wasserratte gewesen, tobte im See oder im Schwimmbad, bis seine Lippen blau waren und er am ganzen Körper zitterte. Aber seitdem er im Rollstuhl saß, kam es ihm gar nicht in den Sinn, ins Schwimmbad zu fahren.

„Aber du willst es, dass sehe ich an deinem Blick. Ich heb dich jetzt hoch und geh mit dir ins Wasser, okay? Das wird dir gut tun. Die anderen haben gesagt, es ist perfekt.“

„Dann geh doch mit den anderen plantschen und ich guck dir zu.“

„Ich will aber mit dir plantschen. Bitte Klaas.“

Auch Joko hatte gelernt, wie er Klaas ansehen musste, damit der ihm jeden Wunsch erfüllte und so spürte Klaas, wie sein Kopf zu nicken begann und bevor er realisierte, was Joko tat, war er auch schon wieder auf seinen Armen.

Der Ältere gab einen hohen Laut von sich, als seine Füße das Wasser berührten, es war kühl, aber herrlich erfrischend. Klaas hatte seine Arme um Jokos Nacken geschlungen und Joko trat tiefer ins Wasser und atmete tief ein, weil es kühl um seine Oberschenkel wurde. Er sah, wie Klaas‘ Füße ins Wasser eintauchten und der keine Miene verzog. Joko lächelte.

„Was?“

„Ich frier mir hier gerade die Eier ab, deine Beine sind auch im Wasser und du verziehst keine Miene.“

„Glaub mir, ich wünschte, ich würde auch frieren.“

Joko grinste.

„Den Wunsch kann ich dir erfüllen…“

„Joko, nein!“

Doch da hatte der Ältere seinen Freund schon im hohen Bogen ins Wasser befördert. Natürlich schwamm er gleich hinterher, aber da tauchte Klaas schon wieder auf und Joko sah, dass er sich mit den rudernden Armen ganz gut über Wasser halten konnte. Also lachte er laut, als sich Klaas prustend ein paar Strähnen aus dem Gesicht wischte.

Klaas ruderte zu Joko und tauchte ihn ohne Umschweife mit dem Kopf unter Wasser, der damit nicht gerechnet hatte und jetzt hustend wieder hochkam. Jetzt lachte Klaas.

„Du Arsch!“, lachte Joko und spritzte Klaas Wasser ins Gesicht.

„Selber Schuld. Ey, du hast nen wehrlosen Rollstuhlfahrer buchstäblich ins kalte Wasser geschmissen.“

„Du wolltest frieren.“

„Ja, an den Beinen, du Idiot.“

Jetzt mussten sie beide lachen und Joko schwamm zu Klaas und hielt ihn fest, weil er bemerkte, dass es ihm schwerer fiel, sich über Wasser zu halten. Er hatte schon öfter zum Spaß im Schwimmbad versucht, sich nur mit den Armen über Wasser zu halten und wusste, wie anstrengend das war.

Klaas nahm es dankbar an und schlang seine Arme um Jokos Nacken, der sich jetzt zu seinem Freund runter beugte und ihn küsste. Klaas erwiderte den Kuss zwar, löste sich aber viel zu schnell wieder.

„Joko, die anderen.“

„Was?“

„Denkst du, wir sind das einzige Paar hier?“

„Nein, aber wahrscheinlich das einzige schwule Paar und ich…“

„Hase, hey, es ist mir egal. Denk nicht immer darüber nach, was die anderen denken könnten. Ich finde das alles gerade wunderschön. Ich bade hier mit dir im See, die Sonne wärmt uns, ich hab dich in meinen Armen… ich bin Happy, okay?“

Klaas grinste dämlich.

„Okay, entschuldige.“

Manchmal war er wirklich bescheuert. Dabei gefiel es ihm ja auch.

„Ich find’s auch schön. Also das hier mit dir, dem See und so. Das… das ist… Danke Joko.“

„Wofür denn?“

„Für alles. Vor zwei Monaten gab es für mich nur die Schule, meine Physio und mein Zimmer. Und ich hatte mich damit abgefunden, dass das mein Leben bleiben würde. Und jetzt bade ich mit dir im See. Ohne dich würde ich langsam vor mich hin vegetieren.“

Joko zog Klaas noch ein bisschen fester zu sich und umschlang seinen Rücken und auch Klaas hielt Joko ganz fest. Der Ältere spürte Klaas‘ hämmernden Herzschlag und freute sich, dass nicht nur er gerade von seinen Gefühlen übermannt wurde.

„Ich will nichts mehr ohne dich machen. Will mit dir in den Zoo, Freunde besuchen, Berlin unsicher machen und die Welt bereisen und ich weiß, dass du das auch willst und das wir das schaffen, weil wir zusammen alles schlaffen können. Richtig Hase?“

Klaas nickte, während er sein Gesicht, gerührt an Jokos Halsbeuge presste.

´Richtig´.
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