Verurteilt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Frank "Tonmann" Sump Jakob Lundt Jeannine Michaelsen Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
19.05.2019
12.12.2019
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Hallo euch allen ♥
Es ist wieder Mittwoch und es geht weiter :-)
Viel Spaß ♥
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Klaas hatte Joko den halben Tag herumgeführt. Hatte ihm Thomas vorgestellt, der Joko auch gleich das ´Du´ angeboten hatte.  Er hatte ihm die Studios gezeigt, sie durften bei einer Live- Moderation zusehen und saßen jetzt mit Ben beim Essen in der Kantine. Wieder setzte sich Thomas zu ihnen und sie redeten ein bisschen.

Die beiden erfahrenen Moderatoren erzählten ihnen viel über den Job, die Ausbildung oder wie wichtig die richtige Atmung und eine gute Aussprache waren und das es dafür Weiterbildungen gab, die auch Klaas besuchen müsste, wenn er den Ausbildungsplatz bekommen würde.

Nach dem Essen stellte Ben ihnen erst den Techniker Frank vor, der unter anderem für den Ton zuständig war und danach trafen sie noch Jakob, einen der Redakteure, der für die News und Themen in einer Sendung zuständig war. Beide zeigten Joko und Klaas so viel, dass den Jungen am Ende des langen Tages die Köpfe rauchten. Sie warteten gerade vorne am Empfang auf Ben, als Thomas vorbeikam, der wohl auch gerade Feierabend machte.

„Na Jungs, wie war der Tag?“

Klaas strahlte sofort bei der Frage.

„Total interessant, wir haben von Frank viel über die ganze Technik erfahren. Endlich weiß ich zumindest mal ansatzweise, wofür die ganze Knöpfe und Regler sind. Und wir haben mit Jakob, einem der Redakteure gesprochen, er hat sich in seiner Pause total viel Zeit für uns genommen und uns gezeigt, wie er nach Themen recherchiert. Das war echt nett von ihm und ich hab alles aufgesaugt, wie ein Schwamm.“

Thomas lächelte zufrieden.

„Da habt ihr von den besten gelernt. Mit Frank und Jakob arbeite ich schon seit Jahren zusammen und sie sind die Besten in ihrem Job. Und Joko? Hat es dir auch gefallen?“

„Ja, total! Es war mega interessant! Wir durften bei einer Moderation dabei sein und es war total faszinierend, wie locker es bei der Moderatorin aussah. Sie hat das unfassbar gut gemacht. Also für mich, der keine Ahnung hat, war es perfekt.“

Thomas schien stolz zu sein.

„Bei wem durftet ihr zusehen?“

„Bei der Nachmittags- Sendung, die Jeannine moderiert.“

„Oh ja, Jeannine hat ihre ganz eigene Art zu moderieren. Sie hat einen einzigartigen Wortwitz und ist sehr schlagfertig. Sie haut aber auch manchmal Dinger raus, da wünschte ich, ich wäre tot, aber wir haben ja überwiegend junge Zuhörer und denen gefällt’s. Deshalb brauche ich auch weiterhin so junge Moderatoren, wie Jeannine, die sich was trauen.“

Joko fasste an Klaas‘ Schulter.

„Da hättest du mit Klaas genau den Richtigen in deinem Team. Er ist jung, ehrgeizig, lernt ultra schnell und wenn einer reden kann, dann er. Er ist satirisch und witzig, kennt sich in der Welt der Promis genauso gut aus, wie in der Politik und nimmt sich dabei selbst nicht zu ernst. Das tolle ist, dass er zwar noch sehr jung ist und somit genau weiß, wie er die jungen Zuschauer ansprechen muss, gleichzeitig ist er für sein Alter aber auch schon total reif und weiß, was er will. Mit Klaas hast du quasi den perfekte Moderator.“

Klaas hätte am liebsten die Hände vors Gesicht geschlagen, so peinlich war ihm Jokos Vortrag. Selbst wenn das alles stimmen würde, sollte Thomas seine Qualitäten lieber selber herausfinden und nicht von seinem besten Freund erfahren. So was war einfach nur peinlich und vor allem unprofessionell.

Doch Thomas lachte.

„Mensch Klaas, du hast ja schon deinen ersten Fan. Wenn das so ist, werd‘ ich dich auf jeden Fall im Auge behalten. Und Joko, ich finde es toll, wie du Klaas unterstützt. Ich weiß, dass du dafür gesorgt hast, dass er dieses Praktikum hier machen kann.“

„Ich… ja, war ja selbstverständlich. Sorry, wegen des Vortrags gerade, das ist so aus mir rausgeplatzt.“

„Schon gut. Wenn du in den nächsten Tagen noch mal herkommen willst, kannst du das jederzeit machen. War schön, dich kennenzulernen. Klaas, wir sehen uns morgen. Tschüss ihr zwei.“

„Danke, tschüss“, riefen die beiden Jungen wie aus einem Munde. Sofort sah Klaas seinen Freund entgeistert an und Joko meinte, dass dessen Augen wütend funkelten.

„Perfekter Moderator? Sag mal, hast du sie noch alle? Das war total kindisch und unprofessionell. Mir wäre es lieber, Thomas würde selber feststellen, ob ich für den Job geeignet wäre. Ich brauch deine peinliche Hilfe nicht. Ich hatte mal eine Schulkameradin, die wollte ein ganz bestimmtes Praktikum machen und dann hat ihr Stiefvater es gut gemeint und da angerufen und denen erzählt, wie toll sie ist und dass sie keine bessere finden würden. Der Chef hat dann am Telefon gesagt, dass sie sie eigentlich nehmen wollten, aber nach so einem Anruf sicher nicht mehr. So was macht man nicht, Joko!“

Joko kratzte sich verlegen am Nacken.

„Ja, ich weiß, aber ich dachte…“

„Nein, dann hör auf zu denken!“

„Hallo Jungs, da seid ihr ja. Dann mal ab nach Hause.“

So sehr wie Joko das Timing von Ben heute Morgen verflucht hatte, so dankbar war er ihm jetzt. Dem Älteren war seine glühende Lobeshymne auf Klaas nämlich selber unangenehm. Und das der jetzt auch noch sauer war, war verständlich, aber tat weh. Er wollte nicht mit Klaas streiten, er hatte es ja eigentlich nur gut gemeint und war dabei übers Ziel hinaus geschossen.

Im Auto erzählte Ben, was er heute alles gemacht hatte und auch Klaas erzählte seinem Onkel ein wenig von ihrem Tag im Sender. Allerdings bemerkte Joko, der hinten zwar aus dem Fenster sah, aber zuhörte, dass Klaas nicht ganz so enthusiastisch erzählte, wie eben noch bei Thomas.

Als sie vor der Pension ankamen, verabschiedeten sie sich von Ben und Joko schob Klaas in ihre Wohnung. Er half ihm wortlos und ohne ihn anzusehen aus Schuhen und Jacke und drehte sich dann um.

„Ich bin mal eben im Bad.“

Klaas sah Joko nach.

„Okay.“

Klaas fuhr in die Küche und nahm sich eine Cola aus dem Kühlschrank. Immer noch brodelte es in ihm. Er brauchte niemanden, der dem Chef Honig ums Maul schmierte, er wollte mit Leistung überzeugen. Er rollte rüber ins Wohnzimmer und stellte den Rolli neben dem Sofa und die Cola auf dem Tisch davor ab. Dann versuchte er, sich aus dem Sitz zu heben und sich auf das Sofa rüber zu schwingen.

Dabei hatte er wohl etwas zu viel Schwung benutzt, denn als er sich seitlich zum Sofa hinüber schwingen wollte, verstärkte er den Druck auf die Armlehne des Rolli’s und der Rollstuhl rollte weg. Klaas hing aber noch in der Luft, er konnte das Sofa nicht erreichen, der Rolli war aber auch zu weit weg gerollt.

Der Jüngere verlor das Gleichgewicht, fiel nach vorne und knallte ungebremst mit dem Kopf gegen die Tischkante und landete dann unsanft auf dem Boden.

Sofort ging die Badezimmertür auf und Klaas hörte, dass Joko durch den langen Flur rannte und ihn rief. Dann kam er ins Wohnzimmer.

„Oh Gott Klaas!“

Mit drei großen Schritten war Joko bei Klaas und hob ihn vom Boden hoch auf seinen Schoß.

„Sieh‘ mich an, tut dir was weh?“

„Meine Stirn.“

Jetzt entdeckte Joko die beginnende Beule an Klaas Schläfe, die langsam anschwoll und schon blau wurde. Er hob seinen Freund auf den Arm und trug ihn in die Küche, wo er ihn vorsichtig auf einem der Stühle absetzte. Er sah in das Kühlfach und fand tatsächlich ein Kühlpack, das er schnell in ein Tuch wickelte. Dann hockte er sich vor seinen Freund und hielt es an die Schwellung.

Klaas zuckte Aufgrund der Schmerzen und der Kälte zusammen, doch Joko strich ihm beruhigend über die Hand.

„Schhhht… tut mir leid, aber das muss sein.“

Klaas drückte Jokos Hand, wollte keine Memme sein, aber es tat einfach weh und sein Kopf pochte.

„Hast du Kopfschmerzen?“

Klaas nickte.

„Und ist dir schwindelig?“

Klaas fühlte in sich rein.

„Nein. Es tut nur weh.“

Joko nickte mitfühlend.

„Wenn dir schlecht wird, schwindelig oder du verschwommen siehst, sagst du mir sofort Bescheid, ja?“

„Okay. Warum kennst du dich so gut aus?“

„Hab vor ein paar Monaten einen Erste Hilfe Kurs für den Führerschein gemacht.“

Klaas nickte und schloss die Augen. Joko sah ihn besorgt an.

„Wir gehen besser rüber ins Wohnzimmer, da kannst du dich hinlegen.“

Wieder nickte Klaas nur und Joko stand auf und bemerkte seinen Denkfehler erst, als er schon an der Tür war. Aber Klaas musste trotz der Schmerzen grinsen und das war den Fauxpas allemal wert.

„Entschuldige.“

Joko ging zurück zu Klaas und wollte ihn wieder auf seinen Arm nehmen.

„Du musst mich nicht tragen, du kannst auch den Rolli holen.“

Joko beugte sich zu Klaas runter und sah ihn ernst an.

„So ein Quatsch.“

Mit den Worten drückte er Klaas das Kühlpack in die Hand, hob den Kleineren auf seine Arme und trug ihn zum Sofa, um ihn ganz vorsichtig hinzulegen. Er selber hockte sich vor das Sofa, nahm das Kühlpack und drückte es wieder auf die inzwischen blaue Beule. Mit der anderen Hand streichelte er Klaas‘ Arm. Er bemerkte den Rollstuhl, der etwa einen Meter weit weg stand.

„Wolltest du vom Rolli aufs Sofa?“

Klaas nickte.

„Ich dachte ich schaff’s alleine.“

„Hat nicht so gut geklappt oder?“

Klaas schloss die Augen. Schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Warum hast du nicht kurz gewartet, ich wäre ja nicht ewig im Bad gewesen.“

„Ja, weiß auch nicht. Ich war so sauer und aufgebracht.“

Joko legte das Kühlpack auf den Tisch, um Klaas eine kurze Pause zu gönnen. Er strich hauchzart mit einem Finger über die Beule und sah Klaas in die Augen.

„Tut mir leid, dass ich nicht für dich da war und dass du dich verletzt hast. So etwas sollte nicht passieren und tut mir leid, dass ich dich vorhin vor Thomas mit meiner peinlichen Rede blamiert hab, ich wollte ihm nur zeigen, dass du der Beste für den Job bist und hab total übertrieben. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.“

Es war Klaas ein Rätsel, wie Joko das machte. Aber der saß vor ihm, sah ihn aus diesen treuen, braunen Augen an und Klaas spürte, wie Ernst er es meinte. Und Klaas konnte ihm nicht böse sein, verlor sich stattdessen in den braunen Augen und vergaß sogar den Schmerz.

Joko bemerkte den weiterhin ernsten Gesichtsausdruck von Klaas und als der nicht antwortete, hatte er dieses Stechen in der Brust. Gott, er wollte keinen Streit mit ihm. Er wollte… er wollte sich am liebsten einfach zu ihm legen und sich weiter in diesen meerblauen Augen verlieren. Er versuchte, den Blickkontakt zu beenden, aber auch Klaas sah ihn mit diesem ganz eigenartigen Blick an.

„Bitte sei nicht mehr böse, ich ertrage es nicht, wenn wir streiten.“

Joko strich Klaas wie ferngesteuert durch die Haare, der hielt die Luft an.

„Bitte sag doch was, Hase, es tut mir leid.“

Plötzlich ging ein Ruck durch Klaas. Er griff nach Jokos Kragen, zog ihn zu sich herunter und drückte ihm die Lippen auf. Es fühlte sich an, als hätte er jahrelang auf diesen Moment gewartet. Wahrscheinlich hatte er das gefühlt auch. Seine Augen fielen zu, jeglicher Schmerz war vergessen und er seufzte auf, als er spürte, dass Joko den Kuss erwiderte und dessen Lippen schüchtern auf seinen bewegte.

Joko zu küssen, war wohl das schönste und kribbeligste Gefühl, dass jemals durch Klaas‘ Körper gerast war. Er lockerte den Griff von Jokos Kragen und fuhr stattdessen durch die Haare des Älteren. Der strich mit dem Daumen sanft über Klaas‘ Wange, gab Klaas noch einen sanften Kuss, aber löste sich dann von dem Jüngeren und sah ihn schmunzelnd an.

„Vielleicht sollte ich dich zu einem Arzt bringen, wahrscheinlich hast du dich doch stärker am Kopf verletzt.“

Klaas spürte wie sein Herz raste! Sicherlich auch wegen des Kusses, aber auch weil… oh mein Gott, er hatte Joko geküsst. Einfach so, aus heiterem Himmel!

„Ich… sorry, ich…“

„Weißt du, wenn ich die Klappe halten soll, dann kannst du mir das auch einfach sagen, aber küssen geht natürlich auch.“

„Oh Gott“, Klaas nahm die Hände vor das Gesicht, aber Joko ergriff sie sofort, zog sie von seinem Gesicht und hielt sie fest.

„Hey, es muss dir nicht peinlich sein. Es war schön und ich wollte es auch. Aber ich möchte wissen, warum du mich geküsst hast.“

„Ich… ich weiß es nicht.“

„Das reicht mir nicht Klaas.“

„Man, müssen wir darüber reden? Ist doch schon peinlich genug!“

„Ja, müssen wir, weil… also das ist wichtig für mich, okay? Ich muss wissen, ob du da was ausprobieren wolltest, weil du neugierig warst oder ob da mehr von deiner Seite ist.“

„Ist das nicht egal?“

Joko sah Klaas mit großen Augen an.

„Nein Klaas, das ist ganz sicher nicht egal, weil es mir wehtun würde, wenn es nur Neugierde war und nichts zu bedeuten hatte.“

Jetzt war es Joko, der erschrocken die Hände auf den Mund legte und rot wurde. Selbst sein Hals färbte sich rot.

„Fuck!“

Joko stand auf und verließ mit schnellen Schritten das Zimmer.

„Joko!“

Klaas richtete sich auf und sofort hämmerte sein Kopf, sodass er sich wieder hinlegen musste.

„Joko, ich komm dir hinterher, ich meins Ernst! Selbst wenn ich noch mal stürze!“

Er hörte, wie die Schritte im Flur abrupt stoppten, dann war eine Weile Stille. Joko schien entweder zu überlegen oder zu versuchen, sich zu beruhigen. Gerade als Klaas zu seinem Rolli sah, sich stöhnend aufsetzte und überlegte, ob er ihn wohl erreichen könnte, erschien Joko im Türrahmen.

„Denk nicht mal dran.“
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Schöne Restwoche und allem im Studio heute viel Spaß ♥
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