Verurteilt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Frank "Tonmann" Sump Jakob Lundt Jeannine Michaelsen Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
19.05.2019
12.12.2019
37
80.829
36
Alle Kapitel
248 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
28.08.2019 2.289
 
Hallöchen :-)
Morgenstund hat Gold im Mund, deshalb hier für euch das neue Kapitel.
Wünsche euch einen schönen Tag und eine schöne Restwoche.
Jetzt viel Spaß mit dem neuen Kapitel ♥
*************************************************

Heute hatten sie beschlossen, früher ins Bett zu gehen, da sie der Wecker morgen gnadenlos um 6 Uhr aus dem Bett schmeißen würde. Nachdem Joko dem Jüngeren beim Umziehen und waschen geholfen hatte, war er selber im Bad verschwunden, um zu duschen und sich die Zähne zu putzen. Jetzt kam er zurück ins Schlafzimmer, wo Klaas im Bett lag und zur Decke starrte. Noch immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen, was Joko ehrlicherweise gut gefiel, da der Kleinere dabei meist nur einen Mundwinkel hob, was echt süß aussah. Jetzt drehte Klaas den Kopf und lächelte Joko an.

"Soll ich dir was sagen? Am liebsten würde ich gleich hier in Berlin bleiben und mit der Ausbildung beginnen."

Joko legte sich neben ihn ins Bett und drehte sich auf die Seite und sah Klaas ernst an.

"Ich bin aber noch nicht bereit, dich her zu geben."

Joko bemerkte, wie wahr diese Worte waren und wie bei ihnen gleichzeitig ein Schatten über Klaas' Gesicht huschte.

"Hilf mir mal bitte, mich auf die Seite zu drehen."

Joko richtete sich auf und fasste Klaas unter seiner Decke an die Hüfte, drehte ihn auf die Seite und dachte auch daran, die Beine des Jüngeren so zu positionieren, dass Klaas gut liegen und sich halten konnte.

"Danke. Was willst du denn eigentlich machen, wenn du dein Abi in der Tasche hast. Hast du inzwischen eine Idee?"

"Naja, da das mit dem Pilot aussichtslos ist, brauch ich nen Plan B. Da wird sich schon was finden."

"Weil, also ich mein nur... in der Großstadt sind deine Chancen auf einen Job, ein Studium oder eine Ausbildung natürlich größer, als bei uns in der Kleinstadt."

Der Ältere lächelte.

"Klaasi, schlägst du gerade vor, dass ich nach der Schule mit dir nach Berlin ziehe?"

Es war ultrasüß zu sehen, wie Klaas den Blickkontakt nicht halten konnte und eine leichte Röte in seine Wangen stieg.

"Du nun wieder. Ich meinte ja nur, dass du in der Großstadt bessere Chancen hast. Ich hab ja nicht direkt von Berlin geredet."

"Aber Berlin ist nun mal von uns aus die größte Stadt."

"Ja, naja... klar, wär doch schon cool oder? Ich mein, wir kennen uns jetzt schon ne Weile, verstehen uns gut, können offensichtlich auch zusammen wohnen ohne das es Stress gibt... Theoretisch wären wir perfekt für eine WG."

Joko musste jetzt einfach nach Klaas' Hand greifen, die unsicher mit dem Saum der Bettdecke spielte. Der Blick des Kleineren war auf die Matratze gerichtet und er war offensichtlich sehr verlegen. Joko fuhr über Klaas' Handrücken.

"Hey, sieh mich mal an."

Klaas hob den Blick und Joko entdeckte dort so viel Unsicherheit und Scham.

"Ich würde jederzeit mit dir in einer WG zusammen wohnen."

"Aber?"

"Aber? Klausi, du weißt seit drei Jahren, dass du nach der Schule nach Berlin ziehst. Ich muss mir darüber Gedanken machen, was ich beruflich machen will und dann schauen, wo das am besten möglich ist und mich bewerben. Ich hab im Gegensatz zu dir noch nie darüber nachgedacht, nach Berlin zu ziehen. Ich weiß nicht, ob ich das will."

Klaas nickte.

"Verstehe."

"Ich bin mir nicht sicher, ob du das wirklich verstehst. Es hat nichts mit dir zu tun und schon gar nicht mit deiner Beeinträchtigung... Ich..."

"Joko! Bitte... Den Satz hab ich schon so oft gehört!"

"Nein Klaas, ich weiß, den hast du oft als Rechtfertigung oder Ausrede gehört, aber nicht von mir! Ich mein es wirklich so. Es hat absolut nichts damit zu tun. Ich mag dich, du bist mein Freund und ich würde jederzeit dein WG Partner werden, aber ich muss mir erst mal darüber klar werden, was ich nach der Schule machen will. Und dann meinen Vater davon überzeugen."

"Klar. Tut mir leid, dass ich dich damit überfallen habe."

Joko rutschte an Klaas ran und fuhr ihm durch die Haare.

"Hast du nicht. Ehrlich. Du hast mir nur gezeigt, dass ich mir echt langsam mal Gedanken um meine Zukunft machen muss."

"Ja, das solltest du wirklich. Schließlich bist du bald mit der Schule fertig und dann brauchst du einen Plan."

"Ach Hase, da sind wir so unterschiedlich. Aber ich weiß, dass du Recht hast. Ich hab mich jahrelang so auf die Ausbildung zum Piloten versteift, dass ich mich nur darüber informiert habe."

"Ja, um dann festzustellen, dass du niemals das nötige Spitzen- Abi dafür haben wirst."

"Und geschweige denn die nötigen Fähigkeiten, um diesen Test zu bestehen, den jeder machen muss, bevor er zur Ausbildung zugelassen wird."

"Worauf hättest du denn noch Bock?"

Joko lächelte und schrubbelte Klaas über den Kopf.

"Ach Klausi, es ist ja süß, dass du mir bei der Berufswahl helfen willst, aber können wir das ein andern mal besprechen? Jetzt sind wir wegen deiner Zukunft hier und es ist schon spät. Wir wollten doch heute mal früher schlafen."

"Ich bin aber noch total aufgedreht und echt nicht müde."

Joko sah auf die Uhr. Es war schon wieder fast Mitternacht und in 6 Stunden klingelte ihr Wecker. Es machte sicher keinen guten Eindruck, wenn Klaas den ganzen Tag gähnte und Augenringe bis zum Boden hatte. Dann fiel ihm ein, wie Klaas schon einmal gut eingeschlafen war. Er legte sich neben seinen Freund, fasste ihm wieder an die Hüfte und drehte ihn so zu sich, dass Klaas nun halb auf ihn kippte. Sein Kopf kam auf Jokos Brust zum Liegen und Klaas sah verwirrt zu Joko hoch.

"Ist nicht nett, so was einfach mit mir zu machen. Warn mich halt vor. Was wird das überhaupt?"

Joko lächelte und legte seinen Finger auf Klaas' Lippen.

"Schhhht... nicht mehr reden und nicht mehr denken. Gute Nacht Klausi."

"Du sollst mich nicht immer so nennen."

Joko senkte den Kopf und Klaas verstummte sofort. Joko war ihm so nahe wie nie, als er in sein Ohr flüsterte.

"Augen zu und schlafen, Hase."

Dann küsste er den Kopf des Kleineren und fing an, ihm durch die Haare zu fahren und dabei mit den Fingerspitzen sanft über die Kopfhaut zu streichen. Klaas konnte absolut nichts dagegen tun, dass er tief durchatmete, die Augen schloss und es so sehr genoss, wie keine Berührung je zuvor. Als Jokos Hand in seinen Nacken wanderte und ihn dort sanft massierte, seufzte er wohlig auf und hatte nicht mal die Kraft, sich dafür zu schämen. Stattdessen sank er noch tiefer auf Jokos Körper, weil er sich entspannte. Sein Nacken ließ locker, seine so stark beanspruchten Schultern und Oberarme wurden schwer und er ließ los. Vertraute darauf gehalten zu werden und genoss das neue Gefühl der Sicherheit.

Und nicht nur das. Wie von selbst und ohne jede Scham legte er den Arm, der zwischen ihnen eingeklemmt war, über Jokos Bauch und fuhr seine Seite auf und ab. Er spürte, wie Joko tief einatmete und dessen Hand langsam seinen Rücken runter strich, um dann genauso langsam wieder bis zu seinen Haaren zu fahren. Dort kraulte er wieder seinen Kopf, fuhr dann runter in den Nacken und wieder über den Rücken. Das widerholte Joko liebevoll und zärtlich, bis Klaas erst immer müder wurde, dann in einen sanften Schlaf fiel und schließlich tief und fest in seinen Armen schlief. Joko behielt den Kleineren die ganze Nacht auf sich, schlief eh immer auf dem Rücken und entspannte bei Klaas' Herzschlag an seinem Brustkorb.
**********************

"Hast du alles? Ben ist gleich hier."

"Ja, ich hol nur noch mein Handy."

Joko kam mit dem Smartphone zurück und schob es in seine Tasche. Dann kniete er sich vor Klaas und nahm den ersten Sneaker, um ihm diesen anzuziehen. Klaas sah Joko wortlos dabei zu, wie er ihm erst den einen und dann den anderen Schuh anzog. Dann klopfte der Ältere ihm auf die Beine, stand auf und nahm Klaas' Jacke vom Haken und half ihm, sie anzuziehen. Dann zog er selber seine Jacke an und nahm den Schlüssel.

"Wir können ja draußen auf Ben warten, der kommt ja jeden Moment."

Als er zur Türklinke griff, räusperte sich Klaas.

"Joko?"

Der Ältere sah ihn nun an und Klaas blickte ernst und ehrlich zu ihm hoch.

"Danke. Für das alles, das für dich so selbstverständlich scheint. Du kommst mit nach Berlin, badest mich, ziehst mich an und aus, als hättest du nie was anderes gemacht und als wäre es normal, einen Rollifahrer zum Freund zu haben. Du... du streichelst und kraulst mich so lange, bis ich schlafe und ich mich komplett entspanne. Und ich wollte, ich wollte dir nur sagen..."

Die Türklingel ließ sie beide zusammenfahren, da sie direkt darunter standen. Joko, der die Klinke schon in der Hand hatte, riss die Tür vor Schreck auf und Klaas war sich nicht sicher, ob er dankbar oder enttäuscht war, dass der Moment vorbei war.

"Guten Morgen, hey super, ihr seid fertig, dann können wir ja gleich los."
***************

Im Auto saß Klaas vorne bei seinem Onkel und Joko war ein bisschen enttäuscht, dass Ben in ihr Gespräch geplatzt war, da er gerne gewusst hätte, was Klaas sagen wollte. Aber vor allem hätte er seinem Freund gerne noch was wichtiges gesagt.

Als sie am Sender ankamen, waren sie fast 15 Minuten zu früh und Klaas bat Ben, noch eine Rauchen zu dürfen, was dieser bejahte. Zu Jokos Glück ging Ben aber schon mal rein, weil er noch was vorbereiten musste. Klaas zündete sich eine Zigarette an. Joko fiel auf, dass Klaas nicht rauchte, wenn sie in der Wohnung waren. Er schien es nicht sonderlich zu brauchen. Dann verwarf er den Gedanken, war er doch froh, dass er noch ein paar Minuten mit Klaas bekam.

„Klausi, ich wollte noch sagen…“

„Ich schwöre dir, wenn du mich heute einmal vor anderen Klausi oder Hase nennst, flipp ich aus.“

Joko grinste.

„Ich meins ernst. Wehe.“

„Keine Sorge. Ich nenn dich höchstens Schatz oder Liebling.“

Klaas wünschte sich gerade, Joko treten zu können, also boxte er ihm aber wenigstens kräftig in die Seite.

„Autsch, jetzt hör mal auf mich zu schlagen, ich werd‘ dich schon nicht blamieren, keine Sorge. Ich wollte dir nur noch was zu unserem Gespräch vorhin sagen. Ich finde es nicht schön, wenn du immer sagst, es macht auf dich den Eindruck, als wäre das alles mit dem Ausziehen und dem Waschen oder nach Berlin mit dir kommen, für mich selbstverständlich. Und du hasst gesagt, ´als wäre es normal, einen Rollifahrer zum Freund zu haben´.“

Joko hockte sich vor Klaas und legte seine Hände auf dessen Beine. Klaas schnippte die Zigarette weg, weil er nicht wollte, dass der Rauch zu Joko wehte, was Joko schon wieder unfassbar süß fand. Er griff jetzt nach Klaas' Händen und legte sie auf dessen Beine ab. Dann drehte er sich um, um zu checken, ob jemand in Hörweite war, sah aber niemanden.

„Hase, es ist wirklich selbstverständlich für mich, dir beim an- und ausziehen zu helfen oder auch dich zu baden, mit dir hier zu sein… Ich denke da gar nicht mehr drüber nach, verstehst du? Und was soll das heißen, ´als wäre es  normal, einen Rollifahrer zum Freund zu haben´? Du bist für mich nicht der Freund im Rollstuhl. Du bist Klaas, der Typ dessen Humor ich liebe, mit dem ich unfassbar gerne Zeit verbringe und es könnte mir nicht egaler sein, dass du im Rollstuhl sitzt. Ich registriere es ja nicht mal mehr. Ich hab dich lieb, verstehst du? Und zwar so, wie du bist.“

Klaas spürte so ein Kribbeln in der Nase und seine Augen begannen leicht zu brennen. Er schluckte und drückte Jokos Hände.

„Danke Joko.“

Joko fuhr über seinen Handrücken.

„Du musst dich nicht bedanken. Es ist einfach die Wahrheit. Glaubst du mir das?“

Klaas sah direkt in die braunen Augen, die ihn immer so warm, offen und liebevoll ansahen und wie immer konnte er nichts darin finden, als die Wahrheit. Jemandem Gemeinheiten zu glauben, fiel ihm leichter, aber in Jokos Fall war es anders. Noch nie hatte er einem Menschen außer seiner Mutter mehr vertraut, als dem Kerl, der hier vor ihm hockte und ihn ansah, als wäre er etwas ganz Besonderes. Deswegen fiel es ihm auch nicht schwer zu nicken.

„Ja, ich glaub dir das tatsächlich.“

Joko lächelte jetzt und beugte sich nach vorne, um Klaas zu umarmen. Der drückte sein Gesicht gegen Jokos Brust.

„Ich hab dich übrigens auch lieb“, nuschelte er in den Stoff von Jokos Jacke, der es fast nicht gehört hätte, jetzt aber glücklich grinste. Dann löste er sich von Klaas, gab ihm einen Kuss in die Haare und richtete sich zufrieden wieder auf.

"Was wolltest du mir eben eigentlich noch sagen, bevor Ben geklingelt hat?"

Klaas schluckte, war noch so berührt von Jokos Worten. Aber im Grunde musste er nichts mehr sagen, deshalb schüttelte er den Kopf.

"Alles gut, lass' uns rein gehen."

Joko nickte und war ein bisschen enttäuscht, aber er verstand, dass der Moment wohl vorbei war und es jetzt nicht mehr passte. Also hielt er seinem Freund die Tür auf und spürte, wie er sich auf diesen Tag mit Klaas im Sender freute.
**********************************
Ihr Lieben, Samstag viel Spaß beim Duell um die Welt. Egal ob im Studio oder vor dem Fernseher! Endlich sehen wir unsere Lieblings- Idioten wieder ♥ ♥ ♥
Review schreiben