Verurteilt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Frank "Tonmann" Sump Jakob Lundt Jeannine Michaelsen Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
19.05.2019
12.12.2019
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Einen Tag früher als sonst kommt hier das neue Kapitel, da ich morgen schon früh los muss und dann den ganzen Tag unterwegs bin. Und dann dachte ich mir, poste ich das Kapitel lieber einen Tag früher, als einen Tag später.
Viel Spaß :-)
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Klaas war mehr als beeindruckt und vor allem reizüberflutet, als er mit seinem Onkel beim Mittagessen in der Kantine saß. Er aß ein paar Nudeln und hatte immer noch so viele Fragen.

"Was ist für dich eigentlich das Besondere an deinem Job?"

"Ich glaube, das ist die Abwechslung. Kein Tag ist wie der andere, es gibt jeden Tag neue Themen. Und es reicht schon lange nicht mehr, stumpf die Texte vorzulesen. Du musst die Hörer mit deiner Stimme begeistern und unterhalten. Deshalb erhältst du vor dem Beginn der Tätigkeit als Radiomoderator auch jede Menge Coachings und Schulungen. Eine gute Stimme ist nämlich nicht alles. Du musst lernen, wie man Monotonie in der Stimme vermeidet, wie man seine Sprache auf verschiedene Zielgruppen abstimmt und deine Sprachmelodie wird geschult. Schließlich darf man auf keinen Fall hören, dass du die Nachrichten oder einen anderen vorgefertigten Beitrag einfach abliest!

Das Tolle an dem Beruf ist, dass du die Möglichkeit hast, deine Persönlichkeit in die Moderation einfließen zu lassen, sodass du deinen ganz individuellen Wiedererkennungswert bekommst - und sicherlich schnell auch einige Fans, wenn du aus der Masse heraus stichst."

"Cool. Und wie ist das mit dem Mischpult und den ganzen Reglern? Lernt man das schnell?"

"Ja, mit der Technik musst du dich auskennen! Im Studio gibt es gefühlt 100 verschiedene Einstellungen und Knöpfe, die du alle bedienen können musst. Sowohl Einspieler als auch das Mikrofon oder übertragene Telefonate von Zuhörern musst du selbst koordinieren können, denn dafür bist du als Moderator im Radio selbst zuständig. Ein kleines bisschen technisches Verständnis und Organisationstalent gehören also auch zum Job dazu. Aber keine Sorge, auch wenn du kein besonderes technisches Talent hast, wirst du die verschiedenen Funktionen hinter den Knöpfen sicherlich schnell draufhaben."

"Okay, ich denke, das bekomme ich hin. Aber mal ganz ehrlich unter uns, gibt es auch was, das nicht so toll ist?"

"Naja, der Job des Radiomoderators kann recht ungewöhnliche Arbeitszeiten mit sich bringen. Auch früh morgens und spät abends sowie am Wochenende wollen die Hörer unterhalten werden. Dementsprechend solltest du dich darauf einstellen, dass du nicht unbedingt den klassischen nine-to-five-Job haben wirst. Dafür kannst du jedoch deine Persönlichkeit in deinem Job ausdrücken und hast einen Beruf, um den dich viele andere beneiden würden - da nimmt man doch gerne ein paar ungewöhnlichere Arbeitszeiten auf sich, oder?"

"Also ich auf jeden Fall."

"Das sagst du so, aber wenn du die Morgensendung ab 5 Uhr hast, stehst du jede Nacht um 3 Uhr auf. Das kann schlauchen."

Thomas Schmidt, der Senderchef setzte sich überraschend zu ihnen und Klaas setzte sich direkt etwas aufrechter hin.

"Ja, aber du bist auch der Held für alle, die morgens mit dem Auto zur Arbeit fahren."

Offensichtlich hatte der Chef mitgehört, was Ben gesagt hatte. Der nickte jetzt.

"Das stimmt. Thomas, wenn du schon mal da bist, erzähl doch mal meinem Neffen, was ein guter Moderator in deinen Augen braucht und wie die Ausbildung aussehen würde."

"Klar. Deshalb habe ich mich zu euch gesetzt. Mich interessieren weder Schulabschluss noch Noten. Dafür aber eine flüssige und fehlerfreie Aussprache, Spaß an der redaktionellen Arbeit und eine lockere, offene und humorvolle Art."

Klaas grinste.

"Klingt bis jetzt gut für mich, ich weiß, dass ein Realschulabschluss eigentlich zu wenig für den Beruf ist. Aber ich kann flüssig und fehlerfrei reden und locker und humorvoll bin ich definitiv, auch wenn man mir das nicht sofort anmerkt."

"Das ist ja auch ok. Man kommt ja auch nicht irgendwo rein und reißt einen Witz und ich brauch auch keinen 24/7 Clown. Eine gewisse Stressresistenz ist auch nicht schlecht, definitiv Improvisationstalent, weil immer mal was Unvorhergesehenes passieren könnte, dann auf jeden Fall Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen, weil die Ausbildung manchmal hart ist, weil man eben noch nicht ans Mikro darf."

"In der Ausbildung wirklich noch gar nicht?"

"Wenn du glaubst, dass du als Azubi direkt moderieren und live on Air gehen darfst, hast du leider falsch gedacht. Während der Ausbildung, die wir Volontariat nennen, kümmerst du dich insbesondere um die redaktionellen Tätigkeiten hinter der Moderation. Du bereitest Beiträge vor oder machst Umfragen auf der Straße, die in der Sendung verwertet werden können. Wenn du ganz viel Glück hast, darfst du aber auch mal einen kurzen Beitrag einsprechen, der dann in der Sendung ausgestrahlt wird.

Das Volontariat ist eine 1,5- jährige journalistische Ausbildung. Für gewöhnlich lernst du währenddessen alle Abteilungen des Radiosenders kennen, durchläufst mehrere Schulungen und wirst vollständig in den Alltag des Senders eingebunden. Wir würden dich unter Vertrag nehmen und nachTarif bezahlen. Wenn du dein Volontariat bei uns nach 1,5 Jahren beendet hast, hast du gute Chancen, direkt von uns übernommen zu werden. Natürlich nur, wenn du dich gut angestellt hast."

Klaas nickte.

"Klar, versteh ich. Aber Sie werden schnell merken, wie sehr ich das hier will. Ich habe nicht mal eine Alternative oder einen Plan B, weil ich nur moderieren möchte."

"Sag bitte Du. Ich bin Thomas. Du hast Glück, dass dein Onkel hier moderiert und ich junge Leute suche, die was drauf haben, denn normalerweise muss ein angehender Radiomoderator erst ein Journalismus-Studium erfolgreich beenden, um überhaupt in die engere Wahl für eine Volontariats- Stelle zu kommen. Wie du siehst, ist der Weg zum Radiomoderator kein leichter. Aber mit viel Fleiß, Hartnäckigkeit, Talent und Herzblut schaffst du es sicherlich, dich zu deinem Ziel durchzuarbeiten."

Klaas war erstaunt, wie lang der Weg zum Radiomoderator war. Klar hatte er sich schon mal informiert, aber es jetzt von Thomas und Ben zu hören, machte ihm klar, was er vor sich hatte. Und dabei hatte er riesen Glück! Wenn er hier dieses Volontariat machen durfte, würde ihm ein langes Journalismus Studium erspart bleiben. Mal ganz davon abgesehen, dass er dafür erst mal noch sein Abi hätte nachmachen müssen.

"Dein Onkel hat mir erzählt, du hättest das Praktikum fast nicht machen können, weil deine Mutter keinen Urlaub bekommen hat?"

"Ja, ich bin fast verrückt geworden, als sie es mir gesagt hat. Dieses Praktikum, diese Woche hier bedeutet mit alles und ich bin Ihnen... Dir so dankbar für die Chance. Zum Glück hat mein bester Freund auch gerade Ferien und hat sich bereit erklärt, mich zu begleiten."

"Freut mich, dass es geklappt hat. Nett von deinem Freund. Und was macht der jetzt die ganze Woche?"

"Das hab ich ihn auch schon gefragt. Aber er meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, es gäbe in Berlin schließlich viel zu sehen."

"Das stimmt. Aber alleine macht das alles nur bedingt Spaß. Du kannst ihm sagen, wenn er mal einen Radiosender besuchen will, kann er jederzeit gerne mitkommen."

"Wirklich? Wie ich ihn kenne, würde ihn das alles bestimmt interessieren."

"Klar. Wie gesagt, jederzeit."

"Super, vielen Dank."
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"Die sind alle so nett da! Echt! Keiner hat mich blöd angeguckt, doofe Fragen gestellt oder wirkte überfordert oder unsicher. Alle haben normal mit mir geredet, mich normale Sachen gefragt, welche Hobbys ich hab und so. In der Kantine saß ich ne halbe Ewigkeit mit meinem Onkel und dem Chef zusammen. Ich darf ihn Thomas nennen und duzen, total netter Typ mit nem krass trockenen Humor. Er meinte sogar, ich dürfte dich jederzeit mitbringen und dir alles zeigen! Wie cool ist das bitte?
Und er und Ben haben mir so viel über den Job und die Ausbildung erzählt, die nennt man Volontariat. Krass, was ich heute schon alles gelernt und erfahren hab!"

Joko lächelte. Auch wenn Klaas mit ihm viel mehr redete, als mit anderen Menschen, so hatte er seinen Freund noch nie erlebt. Der Ältere hatte Pizza gemacht, aber Klaas hatte bisher kaum was gegessen, weil er seit einer halben Stunde unentwegt von seinem ersten Praktikumstag erzählte.

"Das freut mich sehr Klaas, aber iss noch mal was."

"Ach so, ja. Schmeckt übrigens gut. Danke für's Essen machen."

"Hey, so ist das doch in einer guten Ehe oder? Einer geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause und der andere schmeißt den Haushalt oder?"

Klaas lachte.

"Wenn du im Mittelalter lebst, ist das wohl so."

Sie lachten.

"Nein, aber ernsthaft, wir hätten doch auch Pizza bestellen können."

"Die schmeckt aber nicht so gut, wie meine."

"Das stimmt. Die ist echt lecker."

Wie zur Bestätigung biss Klaas noch mal in die Pizza und schmatzte zufrieden, was Joko lachen ließ.

"Das Rezept ist von meiner Oma. Ich hab mir die schon so oft gemacht, die kann ich im Schlaf. Da kommt Bier in den Teig, damit er besser aufgeht."

Klaas hob eine Augenbraue.

"Das hab ich ja noch nie gehört. Aber vorhin dachte ich noch, dass der Teig echt locker ist."

"Ich würde übrigens echt gerne mal mit in den Sender kommen, wenn das für dich okay ist."

Klaas, der gerade wieder in das Pizzastück beißen wollte, hielt inne und sah Joko fragend an.

"Warum sollte es nicht okay für mich sein, wär doch cool."

"Naja, dachte nur, weil es ja dein Praktikum ist und ich da eigentlich nichts zu suchen hab."

"So ein Quatsch. Ich würde dir voll gern alles zeigen."

Joko lächelte.

"Also, ich ab für morgen noch nichts geplant."

"Gut, dann schick ich Ben ne Nachricht und frag ihn, ob es morgen passt."

"Dann kannst du auch gleich deine Mom anrufen, die ist bestimmt auch schon gespannt, wie dein erster Tag war."

Klaas rollte mit den Augen.

"Ja Schatz."

Grinsend rollte er aus der Küche und drehte sich noch mal um.

"Ich brauch dir hier ja nicht helfen, Liebling oder? Wie war das? Ich geh arbeiten und du machst den Haushalt? So macht man das doch in einer guten Ehe oder?"

Damit verschwand der Jüngere um die Ecke und ließ einen erstaunt drein blickenden Joko in der Küche zurück. Der aber grinste, denn er hatte seinen Freund selten so ausgelassen und fröhlich erlebt.
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*Quelle über den Job als Radiomoderator: www.aubi-plus.de
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