A soft goodbye

OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P12
Arthur Pendragon Elizabeth Liones Gowther Merlin
19.05.2019
19.05.2019
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Er hörte die Stimmen der anderen. Wie sie entsetzt nach ihm riefen. An ihn appellierten, das Schwert loszulassen. Er wollte das nicht tun. Jemand hatte ihn dazu gezwungen und seine Arme bewegt. Nun steckte das heilige Schwert tief in seiner Brust. Seine Kräfte schwanden, doch sein Griff lockerte sich kein Stück.
Ich..darf jetzt noch nicht sterben!
"Arthur!!! Lass das Schwert los!!!", hörte er Merlin voller Entsetzen rufen.
Sie und Prinzessin Elizabeth kamen zu ihm gestürmt.
"Ich kann ihn nicht heilen, solange es nicht draußen ist!", sprach die Prinzessin.
"Komm schon! Bitte! Lass los!"
Er wollte es loslassen. Versuchte, sich gegen die Kontrolle zu wehren. Doch schwand seine Kraft immer mehr.
"Ich bin noch nicht fertig mit dir, Kleiner! Nimm deine letzte Kraft und zerstöre dein eigenes Herz!"
Die Stimme in seinen Gedanken..
"Öffne deine Augen!!!", rief die Frau, die ihm all die Jahre stets wie eine Mutter war.
Sie hatte für ihn gesorgt, ihn trainiert und gelehrt, war für ihn da, so wie er auch für sie.
Merlin.. Es..tut mir Leid.. Ich konnte deine Erwartungen..nicht erfüllen..
Ein paar letzte Atemzüge und Dunkelheit umfing den jungen König. Dunkelheit und Kälte. Dann..ein helles und warmes Licht. Die Gesichter von verschiedenen Menschen tauchten vor ihm auf. Arthur kannte keinen von ihnen, doch wusste er, es waren Könige und Königinnen. Wie er von Excalibur auserwählt.
Nein! Stopp! Noch nicht! Ich kann nicht weg! Sie braucht mich!
So wendete er sich von ihnen ab und folgte den Stimmen durch die Dunkelheit. Er durfte Merlin nicht einfach im Stich lassen. Nicht nach allem, was sie für ihn getan hatte.
"Wir können ihn nicht einfach hier liegen lassen. Bringen wir ihn zumindest nach drinnen.", hörte er schließlich Elizabeths Stimme.
Um ihn wurde es wieder hell. Er stand bei ihnen und sah auf seinen eigenen leblosen Körper herab. Sein Kopf ruhte auf den Beinen der Magierin, die ihm still und mit langsamen Bewegungen über das goldene Haar streichelte. Ihre Augen schienen leer zu sein. Ohne Gefühl. Ob vor Traurigkeit oder wegen des Schocks konnte Arthur nicht sagen. Er wollte sie so gern trösten.. Wie früher, während des Exils, wenn sie wieder einmal in Einsamkeit versank. Doch war das leider unmöglich.
Auch die anderen Sins standen noch dabei. Diane schien die Tränen zu weinen, die für Merlin aufgrund des Schocks nicht möglich schienen. King hatte ihr tröstend die Hand an die Wange gelegt. Ihm schien es gerade ähnlich zu gehen, wie ihm selbst. Hawk versuchte, sich um Cath zu kümmern, doch das sonst so vorlaute Kätzchen war ebenfalls still geworden.
"Merlin.. Prinzessin Elizabeth hat recht."
Escanor war zu ihnen getreten.
"Du kannst nichts mehr für den Jungen tun."
Von seiner Ziehmutter kam keine Reaktion. Sie streichelte nur weiter sein Haar. Dann nickte sie langsam und küsste ganz sanft seine Stirn, ehe sie seinen Körper schweben ließ und aufstand. Jegliche ihrer Bewegungen schien mechanisch, als sie mit ihm im Hat verschwand. Gefolgt von Eli. Im Schankraum, auf einem Bett lag Gowther. Noch von dem letzten Angriff übel zugerichtet. Arthur sah zu ihm und dann zu Merlin und wieder zurück.
Nicht du auch noch, mein Freund.. Wer soll sie denn jetzt an meiner Stelle mit seinem Lächeln aufheitern?
Oft genug hatte ihm seine Ziehmutter erzählt, wie sehr sie dieses strahlende Lächeln vermisste. Da dachte Arthur, dass doch zumindest er für sie da sein sollte. Aber in diesem Zustand..
<Ich komme wieder in Ordnung. Sie schafft das.>
Verwundert sah der junge König wieder zum Tisch. Hatte ihm die Goat sin etwa gerade geantwortet? Wie sollte das möglich sein?
Gowther..?
Vorsichtig fragte er nach.
<Ja.. Ich höre dich. Es tut mir so leid, was geschehen ist.. Ich bin dir dankbar, dass du für Merlin noch einmal zurückgekommen bist.>
Nun war Arthur erst recht baff. Er entschuldigte sich? Er klang auch so, als nähme er ehrliche Anteilnahme an seinem Tod. War das etwa..
Bist..du wieder der alte?
<Das bin ich. Der Fluch ist gebrochen. Nur kann ich trotzdem nicht für sie da sein.. Würdest du das noch einmal für mich tun? Ein letztes Mal..kleiner Drache..>
Diesen Namen hatte er sicherlich von Merlin. Früher hatte sie ihn so genannt. Die Erinnerung daran, wie sie ihn durch das saftige Gras gejagt hatte.. Wie er so getan hatte, als müsste er sie gegen von ihm erfundene Feinde verteidigen.. Ihr Lächeln und ihr fröhliches Lachen dabei.. Es ließ Arthur ebenfalls leicht lächeln.
Ich werde für sie da sein, so lange ich noch kann. Versprochen.
Damit folgte er schnell den anderen hinauf in eines der Zimmer. Was er dort sah und hörte, brach ihm beinahe das Herz. Merlin stand neben seinem noch immer von Excalibur durchbohrten Körper. Ihre Magie ließ ihn über dem Boden schweben. Nun, vor den anderen verborgen, blickten ihre goldenen Augen voller Trauer und Hoffnungslosigkeit auf ihn hinab. So am Boden zerstört hatte er sie noch nie zuvor gesehen. Auch die Prinzessin schien nicht recht zu wissen, was sie tun sollte. Doch war sie einfach da und dafür war der Junge bereits so dankbar.
"Er war ein junger Mann mit großem Talent und Charakter...und noch immer ungenutzter Magie, die in seinem Inneren verborgen ist..", sprach die Magierin mit kraftloser Stimme. "Schon als wir uns das erste Mal trafen..erkannte ich sein Schicksal.. Doch war ich bis zum Schluss nicht dazu fähig, sein wahres Potential in ihm zum Vorschein zu bringen... Wenn ich mich doch nur mehr angestrengt hätte..dann wäre er vielleicht..."
Was redete sie denn da? Gab sie sich etwa die Schuld an seinem Tod? Das konnte nicht ihr Ernst sein!
Merlin.. Du trägst keine Schuld..! Es lag an mir, es zu schaffen, doch ich habe versagt..
Arthur ging um seinen Körper herum und sah ihr in Die Augen. Ein trauriges Lächeln formte sich auf ihren Lippen, als sie erneut sanft sein Haar streichelte.
"Wolltest du mir nicht eine Welt zeigen, die ich nie zuvor erlebt hatte?", fragte sie ihn. "Arthur.. Wo ist deine Seele jetzt? Vor meinen Augen? Noch in deinem Körper..? Oder..wurden deine Seele und dein Blut bereits eins mit dem heiligen Schwert? Bist du bereits unter den zahlreichen Helden, die vor dir auserwählt wurden, um den nächsten zu erwählen?"
Das war zu grausam..
Ich bin hier! Direkt vor dir! Bitte, Merlin.. hör auf, dir die Schuld dafür zu geben!
Arthur wollte nach ihr greifen. Sie wachrütteln. Doch es gelang ihm nicht. Er war für diese Welt nichts weiter, als ein Schatten. Nur ein leichter Windhauch huschte über ihre Wange, der sie kurz aufblicken ließ. Für eine kurze Weile trafen sich ihre Blicke.
<Das ist nicht gut..! Arthur! Sie will sich der Rache hingeben..!>
Es war Gowthers Stimme. Er klang ehrlich um sie besorgt. Das durften sie auf keinen Fall zulassen!
Bleib bei dir! Das bist du nicht! Denk an die anderen..! An dein Herz..! Auch Gowther will das doch nicht.. Und ich am allerwenigsten!
Die Präsenz von Escanor war hinter der Tür zu spüren. Er stand einfach dort. Arthur hörte ihn murmeln. Die Lion Sin würde ebenso auf sie acht geben. das freute ihn ungemein.
Alles wird wieder gut. Das verspreche ich dir. Aber dafür musst du dich an deine Stärke erinnern. Finde sie wieder und versohle diesem Dämon den Hintern, wie er es verdient! Aber bleibe dabei du selbst. Ich will nicht, dass du dich in Hass und Rache verlierst. Bleibe bei deiner gutherzigen Seite. Sei die kluge und starke Frau, die ich immer so sehr bewundert habe. Merlin..
Sehr viel länger konnte er nicht bleiben. Bald würde er ein Teil des Schwertes werden müssen. Doch irgendwie schienen sie seine Worte zu erreichen. Kraftlos ließ sie sich auf den Hocker fallen.
<Sehr gut! Sie kommt wieder zu sich. Ich danke dir, Arthur.>
Gut.. Das freut mich.. Sie soll glücklich sein. Und jetzt, da du wieder an ihrer Seite bist, weiß ich, dass ich guten Gewissens gehen kann.
Elizabeth trat näher zu ihr.
"Arthur war jemand unersetzliches für dich. Nicht wahr?", fragte sie sanft. "So wie Meliodas für mich."
Traurig sahen Merlins Augen zu Boden.
"Das Leben eines Menschen ist ohnehin nicht sehr lang.. Welches Gesicht soll ich machen oder wie sollte ich mich fühlen in diesem Moment? Ich scheine es komplett vergessen zu haben...", begann sie. "Alles, was ich sehe, ist Dunkelheit, die mich zu verschlingen droht..."
Die Prinzessin streichelte ihr über das schwarze Haar und küsste ihre Stirn.
"Ich segne dich, Merlin", sprach sie sanft.
Überrascht ließ sie es geschehen. Sah zu ihr auf.
"Sissy...", sprach sie leise und ganz zögerlich begann die jung scheinende Frau zu lächeln.
"Verzeih mir. Ich habe nichts, das ich dir in dieser Situation geben könnte.", meinte Elizabeth.
Arthur sah gerührt zu. Sie hatte nichts? Wie man doch gerade sah, war das alles, was sie gerade brauchte. Ohne es selbst zu merken, rann der Magierin eine Träne die Wange hinab.
"Das weckt Erinnerungen.. Egal, wie einsam ich mich damals fühlte.. Dieser kleine 'Zauberspruch' machte immer alles besser.", antwortete sie und die junge Göttin sah überrascht auf die Träne.
"Merlin..", hauchte sie.
Nun bemerkte seine Ziehmutter die Nässe und berührte ihre Wange. Sah ebenso überrascht auf die kleine glänzende Träne auf ihrem Finger.
"Tränen."
Von einem Moment auf den anderen schien sie wieder fröhlicher zu sein.
"Meine Güte! Es ist 430 Jahre her, dass ich das letzte mal geweint habe.", gab sie vor. "Nicht seitdem Meliodas seinen Spezial Dämonenfrosch Leberkuchen gekocht hat."
Vor 430 Jahren also? Da hab ich aber andere Erinnerungen.
Nun zierte Arthurs Lippen ein trauriges Lächeln. Sie war wieder in Ordnung. Sie hatten sie aus dem Loch gezogen. Damit war seine letzte Aufgabe erfüllt. Gowther würde nun wieder für sie da sein.
So ist gut.. Ich weiß, dass du die Stärke besitzt, alles zu schaffen, was du willst. Beendet diesen Krieg ein für allemal. Pass gut auf sie auf, mein Freund.
<Das werde ich. Ich schwöre es. Wir alle werden das.>
Noch ein letztes Mal schenkte der junge Drache seiner Ziehmutter sein strahlendstes Lächeln, ehe sich seine Seele mit dem heiligen Schwert verband.
<Machs gut..kleiner Drache..>
Mit einem Ruck stand Merlin auf. Es gab einen Krieg zu gewinnen.
"Dann komm, Sissy..! Gehen wir zum Schloss. Wir dürfen den endgültigen Beschluss der Strategie nicht verpassen.", beschloss sie und machte sich bereits souverän wie immer auf den Weg zur Tür. "Zu unser aller Glück hat die Beeinflussung der Göttinnen keine Wirkung auf mich."
Elizabeth aber blieb besorgt.
"Überanstrenge dich bitte nicht.. In Ordnung?"
"Nein!", kam es voller Entschlossenheit zurück. "Auch wenn ich daran zugrunde gehe... Ich schwöre, ich werde dich von deinem Fluch befreien und halte Meliodas davon ab, der nächste Dämonenkönig zu werden! Ich werde es mir nicht erlauben, noch mehr zu verlieren, die mir wichtig sind!"
Dem war nichts mehr entgegenzusetzen. So folgte ihr die Göttin. Merlin hatte ihre Stärke nun wiedergefunden.