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Nein danke.

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Maxim Drüner Nico Seyfrid OC (Own Character) Tarek "Tafel" Ebéné
19.05.2019
04.08.2019
13
21.260
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31.05.2019 1.212
 
Ihr fiel mein skeptischer Blick wohl auf: „Keine Sorge, wenn Maxim zu sehr nervt, halte ich ihn zurück und du kannst flüchten.“, lacht sie und stellt mir ein Bier hin. „So furchtbar bin ich nicht!“, verteidigt er sich und nimmt sein Bier.
„Also Terrorkrümmel, erzähl mir mal was von dir! Kindheit, Jugend – irgendwas!“, fordert er nun.

„Gewalttätiges Kind, Internat in Weybridge, habe mal gedealt, bin eigentlich Lehrerin, ich war schon verheiratet, mittlerweile Witwe, ich bin Farbenblind, mein Körper kann keinen Milchzucker spalten, ich habe mal in einer Band gespielt, ich war in der Bravo vor vielen Jahren... und ich mag Menschen nicht.“, plappere ich los, extra mit ein paar Lügen gespickt. Ob er alles glaubt?

„Wow... mein Beileid.“, sagt er leise und konnte meine Reaktion, mir meine Hand ins Gesicht zu hauen, nicht verhindern. „Glaubst du alles was man dir sagt? 50% davon waren erfunden.“, lache ich laut. Er fand es anscheinend nicht so witzig wie ich und die Barkeeperin.

„Ich habe noch nie so einen verzweifelten Blick an ihn gesehen, herrlich. Bitte komm öfters!“.
„Das ist nicht herrlich, Hannah! Was stimmt den nun und was nicht? Erst dein Name, jetzt das. Hör auf mich so zu verwirren!“, sagt Maxim beleidigt.

Als ich mich wieder einfing, sagte ich ihm dass es stimmt, dass ich ein gewalttätiges Kind war und das auch der Grund für mein Internat in Weybridge. Ebenfalls stimmt, dass ich mal gedealt habe , mein eigentlicher Beruf und dass mein Körper keinen Milchzucker spalten kann aka ich bin Laktoseintoleranz as fuck. Man kann mich wirklich mit Milch jagen... Ja, ich habe auch in einer Band gespielt als ich jünger war, wir waren sogar ganz gut, aber das ist Vergangenheit.

Die Barkeeperin Hannah stellte ein paar Schnäpse hin und geht zum nächsten Kunden der gerade in die Bar kam.
„Also... gewalttätiges Kind, was soll ich mir darunter vorstellen? Kinder sind doch meistens eh etwas rau...“
„Ich habe zwei Jungs in einer Pause anscheinend die Nasen und jeweils einen Arm gebrochen weil die sich über meine Familie lustig gemacht haben. Die fanden sich besser, weil deren Eltern reiche Arschlöcher waren und Immobilien verkauft haben, meine im Gegensatz „nur“ einen Einzelhandel hatten.“, erkläre ich und trinke den ersten Kurzen. Ugh, Vodka.

Sein Zahnpastalächeln schien gar nicht, eher wurden die echt krass blauen Augen aufgerissen. „Wie alt warst du denn da?“.
„Vielleicht 10 oder so. Ich fand es schon immer scheiße wenn man sich besser fühlt nur wegen Geld oder Aufgrund seiner Herkunft. Und ja, das war auch der Grund warum ich in ein Internat kam. Es gab dort ein gutes Sportprogramm für meine „ganze Energie“, laut der Lehrer und konnte danach gleich in die Wirtschaftsschule, was meine Eltern ganz toll fanden. Sonst noch was?“

Er nickt langsam, trinkt einen weiteren Kurzen und fragt mich bezüglich dem Dealen und der Band.
„In Weybridge hatte ich so eine Art Garagenband und haben sämtliche Lieder aus dem Punkrock-Bereich gecovert. Von Sum41, Blink-182, McFly und Robbie Williams. Ich habe Bass gespielt. Es gibt auch noch einige Videos, aber die sind gut verschlossen. Gedealt habe ich als ich wieder nach Berlin kam, ein Wartesemester hatte und etwas komische Bekanntschaften gemacht habe.“

„Und du bist eigentlich … Lehrerin? Wie kam es dazu?“
„Ursprünglich war es nur ein Alibistudium, aber irgendwie gefällt es mir doch. Ich habe Ferien, das Sagen und kann den Jugendlichen helfen die Welt zu verstehen. Als ich hier in der Schule war, gab es keinen Lehrer der sich für etwas eingesetzt hat. Es schien als würden sie nur auf ihre Pension warten. In England dagegen waren die Lehrer so motiviert und haben mir zum Beispiel wirklich geholfen. Wenn ich nur einem Jugendlichen mit meiner Berufswahl helfen kann, habe ich alles erreicht.“, erkläre ich lächelnd. Ja, irgendwie bedeutet mir mein Beruf schon viel.
„Und warum arbeitest du in dem Laden momentan?“, fragt er schnell.

„Meine Eltern sind seit kurzem im Ruhestand und mir den Laden vermacht. Mein Bruder hat sein eigenes Unternehmen und eine Familie, meine Schwester hat ebenfalls ihre eigene Familie und arbeitet bei den öffentlichen-rechten – nur ich bin das Verliererkind und habe nichts. Meine Eltern halten nicht so viel von meinem Lehrer-da-sein und dachten, ich wäre viel glücklicher mit einem eigenen Laden. Momentan warte ich nur auf einen Käufer damit ich wieder unterrichten kann.“.

Schnell kippen wir die letzten Kurzen runter und ich bereute in diesem Moment, wenig gegessen zu haben. Zudem ist Vodka nicht meine erste Wahl. Hannah mixte auf mein Nachfragen ein paar Gin-Tonics, stellt sie zu mir und ich bin glücklicher. Die Schale mit den Erdnüssen aß ich fast leer, in der Hoffnung dass der Alkohol mir nicht zu schnell in den Kopf steigt.

„Aber warum führst du den Laden wenn du darauf keine Lust hast? Setzen deine Eltern dich deswegen unter Druck?“, hinterfragt Maxim.
„Nein, alles cool. Aber ich wollte die Herausforderung auch, zumindest für einen kleinen Teil. Meine Eltern freuen sich darüber und wissen auch, dass es nichts für die Ewigkeit ist. Aber sie sind stolz, dass ich den Laden gut führe. Vielleicht hatten sie die Hoffnung, dass ich meine Erfüllung im Einzelhandel finde.. Aber können wir mal aufhören von mir zu reden? Ich finde mich selbst ja auch ganz cool, aber ich fühle mich wie bei einer Befragung.“

„Natürlich, tut mir Leid wenn es für dich so anfühlt. Soll ich etwas von mir erzählen?“, fragt nun Maxim etwas schüchtern.
„Nicht unbedingt, ich weiß dass du Maxim Drüner heißt und ein Mitglied von K.I.Z. bist. Ich weiß, dass du Franzose bist, dass du gut aussiehst muss man dir nicht sagen und wahrscheinlich würden mich hunderte Frauen ermorden um mit mir tauschen zu können. Ansonsten bist du in der Partei und kannst vermutlich sehr gut von deiner Musik leben. Finde allerdings Tarek am besten von euch und euer bestes Album war Hahnenkampf, Hölle ist das beste Lied alleine wegen Bela B.“, sage ich etwas zu schnell. Natürlich wusste ich wer er ist, wenn man in Kreuzberg aufgewachsen ist, konnte man K.I.Z. nicht umgehen. Zudem liefen deren Alben oft im Laden.

Maxim schluckte laut und kam aus dem Starren nicht mehr raus. Blinkt er überhaupt noch? Wie lange kann er bitte so schauen ohne zu blinzeln? Meine Güte, andere Musiker finden es furchtbar wenn man sie nicht erkennt und er tut so als hätte ich gerade ein Kind ermordet.
„Warum hast du nichts gesagt?“, bringt er mal nach ein paar Minuten gesagt. Fast hätte ich vergessen dass er neben mir sitzt, da es so schön ruhig war. Aber nur fast.
„Weil es mir auch egal wäre, wenn du Jesus wärst.“
„Du bist kein bisschen beeindruckt? Ich dachte, du wärst wenigstens etwas beeindruckt von meiner Karriere....“, lacht er und trinkt schnell sein Bier leer.
„Eigentlich wollte ich dich gestern Abend richtig anmaulen, weil du als bekannter Rapper meintest, dass ich wegen dir meinen Feierabend nach hinten schiebe.“, erkläre ich ehrlich.
„Um ehrlich zu sein, war das auch meine Hoffnung – ich hätte dich zum Dank auch auf die Gästeliste gesetzt!“.
„Das hätte dir gar nichts gebracht. Hast du sonst das Bedürfnis mir irgendwas intimes aus deinem Leben zu erzählen, oder betrinken wir uns jetzt einfach?“, frage ich schnell und leere mein letztes Glas Gin-Tonic. Maxim grinst, winkt Hannah zu uns und bestellte weitere Shots.
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