Seven minutes in Heaven

von Titziana
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Balu Rebecca Cunningham
18.05.2019
18.05.2019
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Hey Leute!
Nach einer langen Pause meinerseits, bin ich nun wieder fit und munter zurück. :)
Ich hoffe, euch gefällt meine kleine Idee und wünsche euch viel Spass beim lesen!

*Kekse und Milch hinstell*

Eure Titziana


***

Da war er also. Balu wusste nicht, was er genau hier wollte. Seine Laune sank von Minute zu Minute. Wieso hatte sie ihn bloss überredet?

Vor zwei Tagen war Rebecca zu ihm gekommen und hatte ihm von dieser Dinner-Party erzählt, zu der sie unbedingt gehen wollte. Er hatte nichts ahnend zugehört und so getan, als würde es ihn interessieren. Als sie dann jedoch kleinlaut hinzugefügt hatte, dass sie nicht alleine dorthin gehen konnte, wurde ihm auf einmal klar, was das Ganze eigentlich sollte. Sie hatte ihn aus ihren zuckersüssen Augen angesehen und ihn angefleht sie zu begleiten. Er hatte abgewehrt und nach einer Ausrede gesucht. Doch Becky hatte zu seinem Leidwesen alle Register gezogen und ihm seine Schulden aufgezählt. Widerwillig hatte er sich ergeben und war nun hier. Diese Dinner-Party zu der jeder noch so bekannte Geschäftsmann oder Geschäftsfrau eingeladen worden war. Leider war sie schnarch langweilig. Die Gäste unterhielten sich zwar. Aber Balu verstand von ihrem Geschäftslatein kein Wort.

Er seufzte und nippte an seinem Glas, das er schon eine Gefühlte Ewigkeit in der Hand hielt. Als er aufsah, kam Rebecca gerade auf ihn zu. Sie trug ein rotes Kleid, das auf der einen Seite schulterfrei war und ihre Form betonte. Sie lächelte ihn gekünstelt an und blieb vor ihm stehen. Zuckersüss deutete sie ihm, sich ein wenig nach unten zu beugen, damit sie ihm etwas ins Ohr flüstern konnte. Er kam dieser Bitte nach und wurde auch sogleich bestraft. Sie ergriff sein linkes Ohr und zog einmal kräftig daran, ehe sie giftig raunte: „ Balu, benimm dich gefälligst!“ Balu verstand nicht und richtete sich wieder auf. Er hielt sich schmerzverzehrt sein linkes Ohr und stöhnte. „ Das tue ich doch.“ Er verstand sie einfach nicht. Was hatte Becky denn nur? Er benahm  sich anständig. Zumindest für seine Verhältnisse…
Sie seufzte. „ Balu, bitte. Das hier ist sehr wichtig.“ Sie deute auf die anderen Leute und meinte: „ Versuch wenigstens so zu tun, als würde es dich interessieren.“ Er nickte ergebend und hoffte, so Rebecca zufrieden zu stellen. Gerade als sie jedoch etwas erwidern wollte, zog eine dicke Nilpferdfrau die Aufmerksamkeit auf sich. Sie liess ihr Glas erklingen, das sie in den Händen hielt und räusperte sich. Erst als alle Anwesenden schwiegen meinte sie: „ Nun ist es an der Zeit einige Spiele zu spielen.“

< Spiele? > Balu konnte sich schon denken, was das für Spiele waren. Irgendwelche Aktienrechnungen und Börsenspekulationen, kamen ihm da in den Sinn. Er grinste und schielte zu Rebecca, die seine heitere Stimmung nicht bemerkte.

Die Frau sprach weiter: „ Ich bitte nun jeden seinen Namen auf einen Zettel zu schreiben und ihn hier in den Hut zu werfen.“ Es wurden Zettel verteilt und Rebecca nahm einen entgegen. Balu zögerte, doch als er ihren gereizten Blick auf sich spürte, griff auch er zu und schrieb schnell seinen Namen darauf. Sie gaben die Zettel ab und Balu hoffte, diesem Schauspiel bald ein Ende setzen zu können. Doch die Dame kam nun erst richtig in Fahrt. Sie grinste entzückt und sagte: „ So nun meine Damen und Herren, da die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Und wir uns heute auch noch ein wenig amüsieren wollen, werden wir das all bekannte Seven minutes in heaven spielen.“ Ein Raunen ging durch den Raum.
Balu versteifte sich. <Was, Seven minutes in heaven! Dieses alberne Partyspiel wollen diese Griesgrämer spielen?> Er sah sich verstohlen um. Es schien einigen Damen die Röte auf die Wange zu zaubern. Selbst Rebecca hatte einen leichten Rotschimmer, den sie jedoch versuchte zu verbergen.

Er seufzte. <Na toll. Bestimmt wird mein Name zusammen mit einer alten Tante gezogen> Dachte er und fuhr sich genervt über die Augen. Die Nilpferddame sagte noch einige Worte zum Spiel, die ihn aber nicht interessierten. Er begab sich zum Buffet und hoffte, dass dieses Spiel enden würde, bevor alle Zettel diesen Hut verlassen hatten. Gelangweilt griff er nach einem Stück Käse und biss genüsslich hinein. Wenigstens war das Essen nicht schlecht. Er leckte sich vergnügt über die Finger und wandte sich wieder dem Schauspiel zu. So wie es aussah wurden gleich mehrere Personen gleichzeitig gezogen. Vermutlich um dafür zu sorgen, dass auch jeder einmal an der Reihe war. Bei so vielen Personen würde das Spiel sonst ewig dauern. Es wurde ihm ein wenig mulmig. So wie es aussah, würde er wohl doch nicht daran herum kommen…

„ Balu.“ Ertönte sein Name.

< Oh nein! Mein Zettel!> Er hielt die Luft an und biss sich auf die Zähne. Jetzt musste er wohl doch noch mit einer Person
diese sieben Minuten verbringen. Der zweite Zettel wurde gezogen und mit immer noch angehaltener Luft versuchte er die Anspannung etwas zu mildern.

„ Rebecca Cunningham“

<Becky!> Schoss es ihm durch den Kopf.

Er atmete erleichter aus. Mit Rebecca sieben Minuten zu verbringen, war zwar nicht der Himmel auf Erden, aber dafür war er sich sicher, dass sie ihn nicht mit langweiligen Geschäftsgesprächen nerven würde. Ein Butler in dunkler Kleidung kam auf Balu zu und deutete zur Tür. „ Folgen Sie mir. Ich werde Sie in den Raum bringen, indem sie die sieben Minuten verbringen werden.“ Balu folgte dem Kerl widerwillig und sah Rebecca dabei zu, wie sie ebenfalls von einem Butler geführt wurde. Sie liefen den Korridor entlang und blieben vor einer Tür stehen. Der Butler öffnete diese und eine Besenkammer kam zum Vorschein. „ Na gemütlich ist anders.“ Meinte Balu abschätzig und trat in den engen Raum. Rebecca, die gleich hinter ihm nach kam, seufzte nur und gesellte sich zu ihm. Die Tür wurde abgeschlossen und Dunkelheit umfing sie. Er hörte nur Beckys Atem, der regelmässig ging. Ob sie wohl auch froh war, nicht mit jemand anderem hier zu sein? Nein, bestimmt hätte sie sich über jeden anderen gefreut. Nur nicht auf ihn…
Er tastete sich vor und berührte eine Wand. Langsam liess er sich daran herunter gleiten und setzte sich auf den Boden. Rebecca konnte ihn zwar nicht sehen, bemerkte jedoch, dass er sich wohl auf den Boden gesetzt haben musste. Sie tat es ihm gleich und berührte seine Schulter. „ Oh entschuldige Balu.“  Es war etwas eng, aber es reichte, damit auch sie sich neben ihn setzen konnte. Sie machte es sich bequem und lehnte sich seufzend an die Wand. „ Sieben Minuten.“
Balu nickte in die Dunkelheit. Sie konnte es zwar nicht sehen, aber sie wusste genau, wie Balu in den verschieden Situationen reagierte. Schliesslich kannten sie sich gut genug. „ Balu?“ Fragte sie in die Stille. „ Ja?“
„ Danke, dass du mich begleitet hast. Auch wenn ich dich dazu zwingen musste.“
Balu war erstaunt. Becky war doch sonst nicht so. Er hatte eher mit einer giftigen Bemerkung gerechnet. Sie jetzt so schüchtern zu erleben, war ihm neu. „ Gern geschehen.“ Nein, eigentlich war es das nicht. Sie hatte ihn ja dazu gezwungen… Aber er wäre vermutlich auch ohne ihr Einreden mitgekommen. Schliesslich mochte er sie.
Ja, er hatte es lange verdrängt. Aber nun war er sich sicher, dass er sie mochte. Wie sehr wusste er nicht genau. Aber seine Freundschaft zu ihr bedeute ihm viel.

Es wurde wieder still. Das Ganze war sehr ungemütlich und Balu wünschte sich jetzt auf weichen Kissen sitzen zu können, die jedoch nicht vorhanden waren. Er versuchte sich in eine bequemere Position zu bringen und stiess dabei Rebecca leicht an. „ Eh, Balu? Was machst du?“ Sie wandte sich ihm zu. Auch wenn sie ihn nicht sehen konnte, so war er ihr ganz nahe. Er räkelte sich etwas und stiess dabei erneut mit ihr zusammen. Ihre Schultern berührten sich und ihre Gesichter waren sich näher, als sie vermutlich ahnten. Plötzlich spürte Balu ihren Atem auf seiner Schulter. Als er sie vorher berührt hatte, hatte er gespürt, wie sich ihre Haare auf ihrer Schulter aufgestellt hatten. Hatte es ihr gefallen?
Er sog ihren Duft ein und lehnte sich ihr noch ein wenig mehr entgegen. Er wusste nicht genau, wieso er dies tat. Schliesslich war er sich im Moment nicht so recht im Klaren über seine Gefühle für Rebecca. Doch es war immer gut seine Grenzen zu kennen.

Plötzlich berührte seine Nase ihre Wange. Sie wich sofort zurück und sog die Luft ein. „ Balu? Was wird das?“
„ Entschuldige Becky. Es ist nur so unbequem.“ Ja, das entsprach der Wahrheit. „ Nenn mich nicht Becky. Mein Name ist Rebecca!“ Fauchte sie nun. Er grinste in die Dunkelheit. Ja, da war sie wieder. Seine Becky!

„ Wie du meinst Becky.“

„Balu!“ Sie kam ihm wieder näher und tastete sich vorsichtig in die Dunkelheit vor. Als sie sein Hemd berührte, griff sie zu und zog ihn zu sich heran. Als sie sein Atem spüren konnte, raunte sie: „ Es ist mir ernst Balu!“ Sie versuchte ihrer Stimme einen möglichst giftigen Ton zu verleihen, damit er nicht bemerkte, wie gerne sie ihm jetzt nahe gewesen wäre. Doch der Bär schien nur breit zu grinsen. Zumindest konnte sie dies spüren.

Dieser Balu! Wenn sie ihn nicht gerade hasste, so liebte sie ihn.

Es wurde still. Sie hielt sein Hemd immer noch fest umklammert. Balu räusperte sich. „ Lässt du mich auch wieder einmal los?“ Sofort lockerte sie ihren Griff und nahm wieder etwas Abstand. Sie atmete tief ein und hoffte, dass er es nicht gehört hatte. Doch Balus Ohren waren alles andere als taub. Er spürte ihre Nervosität und fragte sich, was genau sie denn so aus der Fassung brachte. Erst als er genauer darüber nachdachte, wurde ihm bewusst, dass es er selbst war, der sie so verwirrte. Seine Nähe musste bei ihr etwas auslösen, dass er vorher nie bemerkt hatte. Zumindest war es ihm nie aufgefallen. Und trotzdem musste er zugeben in letzter Zeit auch vermehrt über ihre Beziehung zueinander nachgedacht zu haben. Ihre Freundschaft war nett. Ja sie war tief. Aber konnte da auch mehr sein? Es schien so, als würde für Rebecca mehr existierten. Vermutlich musste er es testen. Sich selbst testen. Würde er auch so reagieren wie sie? Würde die Berührung ihrer Lippen auch in ihm mehr bedeuten, als er vielleicht ahnte?
Er schluckte und rutschte wieder soweit an sie heran, dass sie sich berührten. Rebecca schien zuerst zurück weichen zu wollen, liess es dann jedoch, da vermutlich der Platz nicht ausreichte, um die Flucht zu ergreifen. Balu wandte sich ihr zu und kam mit seinem Gesicht ihrem wieder gefährlich nahe. Sein Atem war nun deutlich vor ihr zu spüren. Becky konnte nicht anders und sog stark die Luft ein. Balu hörte es und wusste, dass es jetzt nicht mehr viel brauchte, damit er sie küssen konnte. Er streckte seine Hand nach ihr aus und berührte ihre Wange.

„ Ba..“ Mehr brachte sie nicht heraus, denn Balu strich sanft mit seiner Hand über ihre Wange und verharrte bei ihrem Mund. Er strich sachte über ihre Lippen und fühlte dabei, wie es in  ihm kribbelte. Ja, es schien da mehr zwischen ihnen zu existieren als nur Freundschaft. Aber ob er diese Hürde überbrücken konnte? Oder durfte? Was wenn dies alles ruinieren würde, was sie einmal verbunden hatte? Sollte er es trotzdem riskiere?
Unsicher liess er seine Hand von ihren Lippen gleiten und näherte sich ihr. Als er wenige Zentimeter vor ihren Lippen hin hielt, um nochmals kurz darüber nach zu denken, kam sie ihm entgegen. Sie drückte sachte ihre Lippen auf seine und küsste ihn.

Balu riss irritiert die Augen auf, konnte sie jedoch aufgrund der Dunkelheit immer noch nicht sehen. Sie liess sofort wieder von ihm ab und entfernte sich. Sie schien verlegen zu sein, denn ihr Atem ging schnell. Balu tastet sich vor und berührte ihren Arm. „ Becky. Ich…“

„Vergib mir Balu… Ich hätte das nicht tun sollen.“

Doch anstatt zu antworten, ergriff er ihren Arm und zog sie zu sich. Erst als sie in seinen Armen lag und er sie fest an sich drückte, wurde ihm bewusst, was er eigentlich tat. Aber es fühlte sich richtig an. Er spürte ihren schnellen Herzschlag und ihren Atem. Auch sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Konnte es sein? Hatte er sich wirklich in Rebecca verliebt?
Er liess seinen Kopf auf ihren ruhen und sog den Duft ihrer Haare ein. Sie hatte sich zuerst etwas verkrampft. Doch nun in seinen Armen entspannte sie sich und lehnte sich an ihn. Seine starken Arme gaben ihr Sicherheit. Wie lange hatte sie davon geträumt? Sie kuschelte sich an ihn und versuchte dann etwas Abstand zwischen sich zu bringen, damit sie ihre Lippen wieder auf seine drücken konnte. Langsam und zögernd tastete sich ihre Nase vor und fand seine. Unsicher drückte sie ihm einen Kuss auf den Mund und liess wieder von ihm ab. Balu jedoch zog sie wieder an sich und drückte nun seinerseits seine Lippen wieder auf ihre. Er vertiefte den Kuss und brachte kurz wenig Abstand zwischen sich, damit er seinen Mund öffnen konnte. Sachte strich er mit seiner Zunge über ihre Lippen und hauchte: „ Ich liebe dich, Rebecca.“
Sie wollte etwas erwidern, doch er drang mit seiner Zunge in ihren Mund ein und liebkostete sie. Sie verfielen in einen wilden Zungenkampf, der erst endete als sie keine Luft mehr bekamen.

Sie keuchte und atmete tief ein. „ Balu….“

Sie lehnte sich wieder an ihn. „ Ich liebe dich auch.“
Ihre Worte waren wie Honig für ihn. Er hätte nicht gedacht, dass er so viel für sie fühlte. Doch jetzt da es ausgesprochen war, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Ja, er liebte sie! Mehr noch! Er wollte sein Leben mit ihr verbringen.



Plötzlich wurde es hell.

Die Tür wurde geöffnet und sie mussten blinzeln. Erst als sich ihre Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah Balu, dass Rebecca sich immer noch an ihn gekuschelt hatte. Sie wurde rot und drückte sich leicht von ihm weg. Er grinste und half ihr beim aufstehen. Der Butler wandte sich wissend ab und meinte nur: „ Lassen Sie sich ruhig Zeit. Die anderen Gäste sind auch immer noch beschäftigt mit diesem Spiel.“ Damit liess er die beiden alleine und ging. Rebecca senkte den Blick und trat aus der Kammer. Sie wandte sich zu Balu um, der nun ebenfalls heraus trat und meinte: „ Hast du das ernst gemeint?“ Er nickte und kam auf sie zu. Er beugte sich zu ihr herunter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „ Natürlich Becky.“ Rebecca wurde wieder leicht rot um die Nase und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Endlich! Endlich hatte sie ihren Balu! Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Nie hätte sie gedacht, dass sie ihn heute Abend küssen würde und dass er dasselbe für sie fühlen würde.

Glücklich ergriff sie seinen Arm und hakte sich bei ihm unter. „ Gehen wir nachhause Balu. Ich habe genug von dieser langweiligen Party.“
Balu lachte laut auf. „ Und ich dachte schon, es würde nur mir so gehen.“ Damit machten sie sich auf und gingen. Der Abend hatte schliesslich noch interessantere Aktivitäten zu bieten.

Ende
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