Sherwood - Ein Fall in Cardiff

GeschichteRomanze, Sci-Fi / P16 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
18.05.2019
15.06.2019
10
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In diesem Kapitel begleiten wir die Jungs zum Tanzen. Ich konnte mir das ja ganz gut vorstellen, die vier in einem Club. Was meint ihr? Wie immer freue ich mich wahnsinnig, wenn ihr euch die Zeit nehmt, einen Kommentar dazulassen!  Wie wäre eure Musikwahl gewesen? Das fand ich soooo schwer, tausend Ideen, aber perfekt war keine.
...und nun viel Spaß beim tanzen...äh... lesen... ;-)

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Sie beglichen die Rechnung und traten hinaus in die kühle Nachtluft. Jack und Ianto wandten sich nach rechts und gingen los in Richtung Innenstadt. Sherlock und John folgten ihnen in geringem Abstand. “Sherlock, tanzen? Dein Ernst? Das hab ich ja noch nie erlebt.” “Ich kann sehr gut tanzen, John. Und, ob du es glaubst oder nicht, ich genieße es hin und wieder. Beim Tanzen ist es manchmal für ein paar Sekunden so, dass ich an nichts denken muss. An gar nichts, verstehst du? Als ob der Kopf völlig leer wäre. Keine beunruhigenden Gedanken, keine Deduktionen, kein Verlangen, kein Schmerz…” erläuterte Sherlock ihm schleppend, auch schon sichtlich angetrunken vom Whisky. John sah ihn mitfühlend an, Sherlock war selten so offen, was seine Gefühle anging. Er vermochte sich nicht vorzustellen, welche Belastung ein so brillianter Verstand wie seiner oft sein mochte. Ihm war aber durchaus bewusst, dass Sherlock schon mehr als einmal genau daran fast zerbrochen wäre. Die fixe Idee, den Verstand immer wieder mit Drogen ruhigstellen zu wollen, hatte Sherlock schon einmal fast das Leben gekostet. Er war unglaublich froh darüber, dass Sherlock dies mittlerweile durch das Lösen von Fällen und gelegentlich auch durch das Spielen seiner Violine kompensieren konnte. Und anscheinend auch durch tanzen, wie er gerade erfahren hatte.

Sie folgten Jack und Ianto weiter durch den kühlen, herbstlichen Abend durch Cardiff. Eine Gruppe von drei jungen Frauen kam ihnen entgegen und verlangsamte sichtlich ihren Schritt, als sie die Männer auf dem Gehweg passierten. Die Frauen schienen ebenfalls unterwegs zum Feiern zu sein, ihrer Kleidung und ihren aufgedrehten Gesprächen nach zu urteilen. Als die Frauen an ihnen vorbeigegangen waren, hörte man sie noch, viel zu laut, miteinander tuscheln: “… Gott, habt ihr die beiden in den langen Mänteln gesehen? Die waren ja sowas von heiß”, meinte eine der Frauen.  “Warum müssen die Guten eigentlich immer alle schwul sein…?!”, die Frauen brachen in albernes Kichern aus und drehten sich noch ein paar Mal nach den Männern um.

Sie mussten schon ein interessantes Bild auf Passanten abgeben, nahm John an und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen – Jack und Ianto vorneweg, Hand in Hand. Jack in seinem, wie aus der Zeit gefallenen Outfit aus hellblauem Hemd, dunkelblauer Hose und Hosenträgern. Darüber, offen, der Militärmantel mit den goldenen Knöpfen. Dazu seine strahlend blauen Augen und vor allem natürlich seine unglaubliche Präsenz, als er die Frauen mit einem charmanten “N’Abend, die Ladies…” im Vorbeigehen gegrüßt hatte. Ianto neben ihm, nicht weniger attraktiv in seinem dunklen Anzug, darüber eine schwarze, doppelreihige Wolljacke und einen dunkelroten Schal um den Hals geschlungen. Dabei so verdammt jung.

Dann, hinter ihnen, Sherlock – ebenfalls in seinem langen, schwarzen Mantel, den Kragen, wie er es immer tat, hochgestellt. John war sich sicher, das tat er nur um des Effektes willen, dass so seine recht langen, dunklen Locken und seine blasse Haut im Kontrast zum Mantelkragen noch besser zur Geltung kamen. Das verlieh ihm ein fast ätherisch schönes Aussehen. Auch wenn Sherlock es vehement abstritt, er wusste durchaus, welche Wirkung er auf Frauen (und Männer) hatte und nutzte dies auch schamlos aus, wenn es ihm gerade von Nutzen war. Neben Sherlock dann noch er selbst, John. Er hielt sich nicht für besonders attraktiv, fand aber doch, dass er sich nicht verstecken brauchte. Er war zwar recht klein, hatte sich aber, auch noch nach seiner Zeit beim Miliär, fit gehalten. John trug eine schwarze Jeans und eine schlichte dunkelgrüne Winterjacke darüber.

Kurz darauf erreichten sie eine, von außen unscheinbar wirkende Discothek. “Jack, Ianto! Lang nicht mehr gesehen. Was machen die bösen Jungs so?” wurden die Cardiffer vom Türsteher begrüßt. “Du bist ja noch hier, das heißt wir haben noch nicht alle bösen Jungs gefangen. Aber das kann ja noch kommen”, säuselte Jack ihm zu. Der Mann lachte und bat sie hinein. “Na dann viel Spaß Jungs, ist voll heute Abend.” Sie betraten den Eingangsbereich und steuerten auf die Garderobe zu. Jack und Sherlock fiel es sichtlich schwer, sich von ihren heißgeliebeten Mänteln zu trennen. “Passen Sie gut darauf auf”, gab Sherlock der Garderobendame noch mit auf den Weg. John und Ianto warfen sich nur einen amüsierten Blick zu.

Sie betraten den Club. Es gab an der dem Eingang gegenüberliegenden Seite eine Theke, die die ganze Wand einnahm. Davor bestand der ganze Raum aus Tanzfläche. Nur links vom Eingang gab es noch ein paar Sitzgruppen. Diese waren restlos belegt. Sie beschlossen, sich zunächst an die Theke zu stellen, um noch etwas zu trinken. “Bleiben wir bei Whisky?” fragte Jack über die Schulter hinweg. Die Männer waren einverstanden und hielten kurz darauf jeder ihre doppelten Single Malts in den Händen. “Ihr scheint öfter hier zu sein?”, fragte John. “Hin und wieder, aber wir kommen echt selten dazu auszugehen”, antwortete Jack.

“Ist Torchwood eigentlich bekannt hier in Cardiff?” erkundigte sich Sherlock. “Der Türsteher schien zu wissen wo ihr arbeitet?” “Den Begriff Torchwood kennt hier jeder, alle zeigen dann einfach irgendwo Richtung Bay. Sie glauben aber, wir wären eine Spezialeinheit der Polizei oder sowas in die Richtung. Es gibt viele Theorien darüber, was wir tun. Aber wirklich wissen tut es niemand”, erklärte Jack. “Nicht mal die Polizei.”, fügte Ianto lachend hinzu.

Jack hatte unterdessen sein Glas geleert und zog Ianto hinter sich her zur Tanzfläche. Nahe bei der Theke, um ihre Begleiter nicht aus den Augen zu verlieren, begannen sie sich zur Musik zu bewegen. Die Bässe der Musik wummerten tief in ihren Eingeweiden. Jack und Ianto sahen umwerfend beim Tanzen miteinander aus. Jack hatte Ianto mit dem Rücken an seiner Brust zu sich heran gezogen, die Hüften eng aneinander gepresst bewegten sie sich kreisend zum Takt der Musik. Ianto hatte sich sogar seines Jacketts und der Krawatte entledigt und die Ärmel seines weißen Hemdes bis zu den Ellbogen hochgekempelt, wie Jack. Sie waren völlig gelöst und genossen ihren Tanz und den unerwartet schönen Abend, mal ohne irgendwelche Riffalarme oder Weeviljagden und gaben sich völlig ihrem gemeinsamen Rhythmus hin.

Sherlock zog John kurzerhand ebenfalls Richtung Tanzfläche, nachdem auch er sein Glas geleert hatte. “Ich kann nicht tanzen Sherlock”, protestierte John halbherzig. Aber Sherlocks Penetranz und der Whisky führten dazu, dass John ihm doch auf die Tanzfläche folgte. Sie begannen ein Stück voneinander entfernt sich zur Musik zu bewegen. Schon nach wenigen Minuten schien Sherlock vollkommen der Welt um sich herum entrückt zu sein. Er hielt die Augen geschlossen und wiegte sich rhythmisch im Takt der Musik. Die Lichteffekte zuckten über ihn hinweg. Sherlock trug ein auberginefarbenes Seidenhemd, an dem die obersten drei Knöpfe geöffnet waren. Seine marmorweisse Haut, die im Ausschnitt des Hemdes deutlich zu sehen war, schien im Schwarzlicht der Disco fast unwirklich zu strahlen. John bewegte sich ihm gegenüber ebenfalls zur Musik, wenn auch weit weniger geschmeidig als Sherlock es vermochte. Den größten Teil seiner Aufmerksamkeit verwandte John aber sowieso darauf, Sherlock beim tanzen zu beobachten. Er war völlig fasziniert davon, wie losgelöst und entspannt dieser aussah. So friedlich sah Sherlock sonst nicht einmal im Schlaf aus.

Langsam tanzte John näher an Sherlock heran. Er berührte ihn an der Hand, Sherlock schaute kurz verblüfft auf, zog ihn dann aber nah zu sich heran. Er fasste John mit der anderen Hand an der Hüfte und versuchte ihre Bewegungen in einen gemeinsamen Rhythmus zu bringen. Ein paar Meter von ihnen entfernt, schaute Jack gerade zu ihnen herüber. Er beugte sich zu Iantos Ohr hin: “Schau mal, da drüben”, und deutete mit einem Kopfnicken in Richtung von John und Sherlock hinüber. Sie hielten kurz in ihrem innigen gemeinsamen Tanz inne, sahen sich an und konnten sich ein kleines, wissendes Grinsen nicht verkneifen, als sie Sherlock und John auf diese Weise zusammen tanzen sahen.

Die Musik wurde leiser, nur noch der Beat lief im Hintergrund, als der DJ begann zu sprechen: “…jetzt ein bisschen was Anderes, ein Musikwunsch von meiner guten Freundin Arianna hier vorn. Back to the Nineties mit “The Verve”.” Der DJ zog die Regler hoch und das Streicherintro von “Bittersweet Symphony” erklang aus den Lautsprechern. Jack und Ianto standen, so wie die meisten anderen auf der Tanzfläche befindlichen Paare, engumschlungen und bewegten sich langsam im Kreis. “Ich bin so froh, dich gefunden zu haben…,” hauchte Jack Ianto ins Ohr und zog ihn in einen langen Kuss.

Auch John ließ die emotional aufgeladene Atmosphäre um sie herum nicht kalt, der Alkohol tat sein übriges. Anstatt sich von Sherlock zu entfernen, wie es sein erster Impuls gewesen war, als die Ballade begann, erfasste ihn etwas Übermütiges. Er dachte an Iantos Worte von eben. Er musste das jetzt einfach tun. John ging auf Sherlock zu, schlang seine Arme um dessen Taille und schmiegte sich eng an ihn. Er spürte wie Sherlock für einen Moment erstarrte, innerhalb einer Sekunde aber die Körperspannung wieder verlor und Johns Umarmung erwiderte. Sie bewegten sich im Zeitlupentempo zur Musik, förmlich aneinander geklammert. Die ganze Zeit über behielten sie beide die Augen geschlossen. Als ob es ein Traum wäre, aus dem sie erwachten, sobald sie die Augen öffnen würden. Sie lösten sich erst langsam voneinander, als die letzten Takte des Songs schon verklungen waren und ein anderer, schnellerer Track begann.

“Noch was trinken?” fragte John. Sherlock brauchte einen Moment, um Johns Frage überhaupt zu bemerken. Er schien von ganz weit weg her wieder in die Realität zurückfinden zu müssen. “Entschuldige, was sagtest du?” “Ob du noch was trinken möchtest?” “Ja gern.” John ging Richtung Theke, im Vorbeigehen fragte er Jack und Ianto ebenfalls nach Getränken. Diese winkten aber ab, sie waren immer noch in ihren gemeinsamen Tanz versunken, den sie nun zur wieder etwas schnelleren Musik fortsetzen. John orderte zwei Whisky an der Theke und ging zurück zu Sherlock. Dieser stand nun am Rande der Tanzfläche und beobachtete die Paare um ihn herum. Wortlos reichte John ihm das Glas, welches Sherlock sofort an die Lippen führte. Auch John nahm schnell einen tiefen Schluck aus dem Glas und bemühte sich dann ein unverfängliches Gesprächsthema zu finden, was ihm aber nicht gelang. So standen sie schweigend nebeneinander, deutlich näher, als sie es für gewöhnlich taten, klammerten sich an ihre Whiskygläser und schauten auf die Tanzfläche.

Jack und Iantos Tanzen war mittlerweile zu einer nicht mehr ganz jugendfreien Darbietung ausgeartet, wild knutschend standen sie auf der Tanzfläche, Jacks Hände fest um Iantos Hintern geklammert. Ianto hatte seine Hände auf Jacks Rücken unter dessen Hosenträger geschoben und streichelte immer wieder von den Schultern bis in seinen Nacken hoch. “Nach Hause?”, raunte Jack ihm atemlos ins Ohr. “Ja, unbedingt”, antwortete Ianto. “Aber was machen wir mit den beiden?” er deutete zu Sherlock und John hinüber. “Du hast ihnen das Retcon noch nicht untergemischt.” “Werde ich auch nicht! Die beiden haben verdient, sich an diesen Abend zu erinnern, Ianto, meinst du nicht auch? Lass uns gehen.”

Sie schlugen sich durch die Menge zu John und Sherlock durch. Arm in Arm standen sie vor ihnen. “Wir machen uns jetzt auf den Heimweg, wir sind sowas von müde”, fügte Jack breit grinsend hinzu und zog Ianto dabei noch näher zu sich heran. “Meldet euch übermorgen Nachmittag bei uns, ja? Dann schauen wir, wie wir weiter verfahren”, sagte Jack und die beiden wandten sich zum Gehen.

“Die beiden werden bestimmt nicht sofort schlafen, wenn sie zuhause sind”, meinte John lächelnd mit dem Kopf schüttelnd. Er löste sich aus seinem Gedankengang. “Gehen wir auch?”, fragte er Sherlock. “Wie du möchtest”, antwortete Sherlock und sie verließen den Club.
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Der Soundtrack zum Kapitel: The Verve - Bittersweet Symphony (allein schon wegen des Titels und ich habe diesen Song geliebt....      [linkhref="https://youtu.be/1lyu1KKwC74“]

Dank der Leserin dani-dt gibt es nun auch die passende Musik für die „schnelleren Tracks“ zu denen sie tanzen. Danke Dani, du hast meinem Kopfkino den passenden Soundtrack verpasst! Bronski Beat - Smalltown Boy  [linkhref="https://www.youtube.com/watch?v=88sARuFu-tc"]
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