Sherwood - Ein Fall in Cardiff (Sherlock / Torchwood Crossover)

CrossoverRomanze, Sci-Fi / P18 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
18.05.2019
13.07.2019
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12
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Danke für eure Reviews, ich freue mich sehr, dass auch noch ein paar neue Leserinnen dazu gekommen sind und sich auch die Zeit genommen haben, Kommentare zu schreiben. Ein besonderes Dankeschön noch mal an Dani-dt, die mit ihrer Musikidee den Soundtrack zum letzten Kapitel geliefert hat, wo mir einfach nichts Passendes eingefallen ist. Heute ein Kapitel voller Grübeleien.... Viel Spaß!

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In der Hotelsuite angekommen, fragte John: “Soll ich uns noch einen Tee machen, zum runterkommen?” “Gern”, antwortete Sherlock, schmiss seinen Mantel und sein Jackett auf den Boden und ließ sich selbst auf das Sofa plumpsen. John schaltete den Wasserkocher, der auf einem Sideboard im Wohnbereich stand, ein und füllte zwei Teebeutel Schwarztee in die bereitstehenden Tassen. “Wir haben keine Milch mehr”, sagte er nach einem Blick in den kleinen Kühlschrank. “Ich mache uns stattdessen einen Kräutertee, ist sowieso besser vor dem Einschlafen”, fügte er hinzu. Der Wasserkocher klackte, er goss das heiße Wasser in die Tassen und ging hinüber zu Sherlock auf die Couch. Vorher löschte er noch das Licht.

Durch die Fenster schienen nun nur noch die Lichter der Stadt herein und tauchten das Zimmer in einen dämmrigen Schein. Sie saßen schweigend nebeneinander und tranken ihren Tee. Sherlock ergriff als Erster das Wort: “John, ich… das eben, ich weiß auch nicht. Du warst  betrunken und du schienst Halt zu suchen. Außerdem hattest du jetzt seit hundertsiebenundvierzig Tagen keine Verabredung mit einer Frau mehr. Da scheint es mir normal, dass du physische Nähe suchst. Also ich… Ach… Ähm -  was ich dir sagen wollte: es bedeutet nichts für mich, wir können das einfach vergessen. Alles in Ordnung zwischen uns!” Hastig nahm er einen Schluck von seinem Tee. “Ich gehe eben duschen und dann ins Bett.” Er sprang auf und riss dabei fast den Couchtisch um. Schon war er im Badezimmer verschwunden. John blieb sprachlos auf der Couch zurück.

John fand lange nicht in den Schlaf, er konnte sich einfach keinen Reim auf Sherlocks Verhalten machen und grübelte, in seinem Hotelbett liegend, vor sich hin. Er war sich sicher gewesen, dass Sherlock ihr inniges Tanzen ebenso genossen hatte wie er. Dann teilte der ihm mit, dass das alles egal wäre und nichts bedeutete? Sie sollten es einfach vergessen. John war fassunglos über seine eigene Dummheit. Er hatte wirklich gemeint, Sherlock würde ebenso für ihn empfinden wie er für ihn. Das schien ja nun endgültig geklärt zu sein, Sherlock hatte rein gar nichts bei ihrer Umarmung gefühlt und diese nur als alkoholschwangere Sentimentalität Johns abgetan. Aber konnte das denn wirklich wahr sein? Empfand Sherlock wirklich nichts außer Freundschaft für ihn? Sein Gefühl konnte ihn doch nicht so sehr getäuscht haben…

Dabei wusste John immer noch nicht, was er von seinen eigenen Gefühlen halten sollte. Er dachte wieder über seine Gespräche mit Ianto nach. Bei Ianto war es genau die gleiche Situation wie bei ihm: Er war eigentlich nicht homosexuell, hatte sich aber dennoch in DEN einen Mann verliebt und gelernt es einfach zu akzeptieren, als das was es war. Die Beziehung schien die beiden sehr glücklich zu machen. John konnte sich mittlerweile auch vorstellen seine Situation zu akzeptieren. Er hatte sich zwar sein Leben lang nur in Frauen verliebt, aber jetzt eben einmal in einen Mann. Kurz war er erschrocken, es war das erste Mal, dass er vor sich selbst eingestand, dass er tatsächlich in Sherlock verliebt war!
Aber das stellte doch eigentlich kein Problem dar, oder? Sie lebten im 21. Jahrhundert, musste man sich da noch für die Ewigkeit auf eine sexuelle Orientierung festlegen? Zumal ihr ganzes Umfeld schon seit Ewigkeiten davon ausging, dass Sherlock und er ein Paar wären. Es würde niemanden überraschen oder gar schocken, wenn sie dies nun tatsächlich werden würden. Ganz im Gegenteil; er hatte das starke Gefühl, dass ihre Bekannten (allen voran ihre Vermieterin Mrs. Hudson) die Bekanntgabe ihrer Beziehung im Grunde schon seit langem freudig erwarteten.

Es war doch absurd, grübelte er nach, im Grunde war ihnen beiden völlig klar, dass sie zusammen gehörten und doch waren sie nicht dazu imstande sich das einzugestehen. Er kannte Sherlock gut genug, um zu wissen, dass auch er ihre Nähe vom vergangenen Abend genossen hatte. Als ihm das dann selbst bewusst geworden war, hatte er John Bedürftigkeit unterstellt und sich als den großen Unnahbaren, der das geduldet hatte, aber auch bereit war wieder zu vergessen, dargestellt. So verhielt er sich doch eigentlich immer. Bloß keine Gefühle oder gar Schwäche und Verleztlichkeit zeigen. Er gab ein mißbilligendes Schnauben von sich.

“Alles in Ordnung, John?” erkundigte sich Sherlock aus seiner Schlafnische heraus nach dem Grund seines Geräusches. “Nein”, grummelte John, sagte aber nichts weiter. Sherlock traute sich nicht weiter zu fragen, er hing ebenfalls seinen Gedanken nach und fand keinen Schlaf. Was hatte er sich bloß dabei gedacht, am vergangenen Abend so zu reagieren? Er war überglücklich gewesen, dass John sich ihm endlich ein wenig genähert hatte. Er träumte davon schon so lange, es war ihm aber klar, dass John betrunken gewesen war und darüber anscheinend sentimental und auf der Suche nach Körperkontakt. Da keine Frau in der Nähe gewesen war, hatte er sich dann an Sherlock geklammert. Obwohl er all dies wusste, verfluchte er sich doch innerlich, dass er nicht versucht hatte, diese Intimität zu vertiefen. Wann würde er schon noch einmal die Chance haben, John so nahe zu kommen. Vermutlich niemals...

Er wünschte sich sehnlichst ein paar der Charaktereigenschaften ihres neuen Bekannten Jack Harkness. Der schien einfach immer mit der Tür ins Haus zu fallen, machte klar und deutlich seine Absichten bekannt und bekam scheinbar meistens sogar das oder denjenigen, den er wollte. Warum war er selbst nicht dazu in der Lage einfach mal Klartext zu reden? Sonst hatte er doch keinerlei Probleme damit, schonungslos ehrlich zu Menschen zu sein. Ob er sie damit vor den Kopf stieß, oder nicht. Das ging bei jedem, außer bei John und seinen Gefühlen ihm gegenüber.

John hatte doch erst gestern, gegenüber Jack und Ianto,  wieder klar gemacht, dass er – im Gegensatz zu Sherlock - defintiv nicht auf Männer stand. Sherlock hingegen war am vergangenen Abend bewusst geworden, wie sehr ihn das Experiment einer echten Beziehung mit John reizte. Er hatte sich noch nie auf eine Beziehung eingelassen, es hatte sich aber auch nie ergeben. Wer konnte ihn schon auf Dauer ertragen? Aber die Vertrautheit und Selbstverständlichkeit, mit der Jack und Ianto sich als Paar präsentierten, hatte ihn nachdenklich, ja sogar ein wenig eifersüchtig gemacht. Er wollte das auch spüren. Aber niemand konnte es mit ihm aushalten, da war er sich sicher. Niemand außer vielleicht… John!

Er hörte, wie John nebenan sein Bett verließ. Sherlock streckte ebenfalls die Füße aus dem Bett und schlurfte vorsichtig hinüber zum Wohnbereich des Hotelzimmers. Beinahe zeitgleich bogen sie um die jeweilige Ecke ihres Schlafbereiches. In der Mitte des Zimmers, hinter dem Sofa, standen sie sich dann auf Armeslänge gegenüber. Der Schein des Vollmondes fiel in das Zimmer und tauchte alles in ein surreales Licht...
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