Sherwood - Ein Fall in Cardiff (Sherlock / Torchwood Crossover)

CrossoverRomanze, Sci-Fi / P18 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
18.05.2019
13.07.2019
17
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Dies ist meine allererste Fanfiction. Außer ein paar kleineren Versuchen mit Star Trek Fanfics in meiner Jugend, habe ich noch keinerlei Erfahrung im Schreiben fiktionaler Texte. Aber ich finde eure Geschichten hier so grandios, dass ich nun meine, schon länger im Kopf herumspukende, Idee eines Sherlock / Torchwood Crossovers versuche zu Papier zu bringen. Ich freue mich über eure Tipps, Ratschläge und Ermunterungen - ich muss sicher noch viel lernen und hoffe, ihr helft mir dabei! Viel Spaß!

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Die dunkelhaarige Frau zog schniefend die Nase hoch, versuchte die immer wieder in ihr hochsteigenden Tränen mühsam zu unterdrücken. “Bitte Mr. Holmes, sie müssen mir helfen. Ich muss herausfinden, was mit meinem Mann passiert ist.” “Hören Sie auf mit der Heulerei, das beeindruckt mich kein bisschen”, antwortete dieser gelangweilt. Dr. John Watson schüttelte entnervt mit dem Kopf, wieder einmal überlegte er fieberhaft, wie er die mangelnde Empathie seines Freundes ausgleichen könnte. “Hören Sie Mrs. Miller, ich bin mir sicher, er wird noch einmal darüber nachdenken ihren Fall zu übernehmen”, redete er der Frau sanft zu. “Nicht wahr, Sherlock?”, fügte er mit drohendem Unterton an den Consulting Detective gewandt hinzu. “Lassen sie uns einmal die Fotos anschauen, die sie mitgebracht haben, Mrs. Miller.” Die Frau versuchte weiterhin die Beherrschung über ihre Gesichtsmuskulatur wiederzuerlangen, bückte sich zur zu ihren Füßen stehenden Handtasche hinunter und zog ein Smartphone heraus. “Stellen sie sich vor, was muss das für ein Mensch sein, der einem anderen solche Verletzungen zufügt, das ist doch monströs”, schniefte Mrs. Miller während sie ihr Telefon entsperrte und es John herüberreichte. “Auf dem ersten Foto sehen sie meinen Mann, das zweite zeigt Ryan, er ist ein früherer Arbeitskollege meines Mannes. Sie gehen regelmäßig zusammen Fußballspiele anschauen”, fügte sie hinzu. John schaute voller Entsetzen auf den Bildschirm des Telefons, Sherlock sprang aus seinem Sessel auf und positionierte sich hinter der Rückenlehne des Sessels, in dem John saß, um über dessen Schulter hinweg ebenfalls einen Blick auf den Bildschim zu werfen. Seine Miene wechselte von gelangweilt zu verblüfft. Foto Nummer eins zeigte einen Mann in einem Krankenhausbett. Sein Kopf sowie sein Oberkörper waren in große Verbände gehüllt. Ihm schien der linke Arm zu fehlen. Das Gesicht war, wo es unter Verbandmaterial und Beatmungsmaske überhaupt zu sehen war, durch große blutige Striemen gezeichnet und so zugeschwollen, dass es kaum mehr identifizierbar war. Das zweite Bild zeigte einen, offensichtlich toten, Mann Ende zwanzig. Neben seinem Körper waren verschiedene Markierungen zu sehen, es handelte sich wohl um ein Tatortfoto der Spurensicherung. Der Blonde war nur mit Jeans bekleidet, der Oberkörper war frei und von blutigen Fleischwunden übersät. Es zeigten sich Striemen, so als wäre eine große Kralle einmal diagonal über seinen Torso gezogen worden. Der Hals war an einer Seite fast bis zur Wirbelsäule von einer großen Wunde bedeckt, es schien ein ganzes Stück herausgerissen worden zu sein. Die riesige Blutlache unter ihm legte die Vermutung nahe, dass er wegen dieser Wunde verblutet war. “Sieht aus wie Spuren eines Raubtieres, aber so große Raubtiere, mitten in der Stadt, mitten in Cardiff? Unwahrscheinlich. Vielleicht Folter oder außergewöhnliche Sexualpraktiken? Gingen ihr Mann und sein Kumpel vielleicht zu einer Domina, Mrs. Miller?” , ratterte Holmes herunter. “Sherlock!” donnerte John dazwischen. “Berechtigte Frage, meinst du nicht, John?” erwiderte dieser bissig. “Mrs. Miller?” Diese war nunmehr völlig in Tränen aufgelöst. “Nein, Shawn doch nicht”, schluchzte die Ehefrau, “er ist der zärtlichste und liebevollste Mann, den ich je kennen gelernt habe. Außerdem sind wir doch erst seit sieben Monaten verheiratet. Wir lieben uns und er begehrt doch nur mich.”, heulte die Angesprochene. “Helfen sie mir doch dieses Schwein zu finden, das Shawn das angetan hat. Er hätte tot sein können, so wie Ryan. Wer weiß, ob Shawn jemals wieder aus dem Koma zu sich kommt”, schluchzte sie weiter. Sherlock hatte sich unterdessen an seinen Schreibtisch gesetzt und hackte wie wild auf die Tastatur seines Laptops ein. Seine Augen scannten in rasender Geschwindigkeit die auf dem Bildschirm erscheinenden Suchergebnisse. Unter den eingegebenen Begriffen “Cardiff – Angriff – striemenförmige Wunden“ gab es mehr als 100 Treffer. “Zu viele, statistisch gesehen viel zu viele,” murmelte er leise vor sich hin. Watson hatte sich zwischenzeitlich neben den Stuhl, auf dem ihre Klientin saß, gehockt und streichelte ihr beruhigend über den Rücken. “Wir werden versuchen herauszufinden, wer ihrem Mann das angetan hat, beruhigen sie sich doch.”

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“Herrgott John, ich weiß immer noch nicht, wie ich mich von dir dazu breitschlagen lassen konnte mit dir in dieses verdammte Kaff zu fahren und diesen langweiligen Fall anzunehmen. Er schafft höchstens eine fünf, allerhöchstens!”, schimpfte Sherlock vor sich hin, während die beiden das Bahnhofsgebäude von Cardiff verließen. “Wir sind in der Hauptstadt unseres wunderbaren Wales,” führte John mit einem schelmischen Lächeln aus “Ich glaube kaum, dass man Wales’ Hauptstadt als Kaff bezeichnen kann, Sherlock.” “Jeder Ort, der kleiner ist als London, ist ein Kaff”, erwiderte Holmes schlicht. “Und ein Taxi gibt es hier auch nicht”, fügte er voller Groll hinzu. “Nicht überall erscheint wie von Zauberhand ein Taxi, nur weil du einen Fuß auf den Bürgersteig setzt, Sherlock”, gab John zurück. “Vielleicht sollten wir einfach mal dort um die Ecke bis zum Taxistand gehen, da werden wir schon ein Taxi bekommen.” Mißmutig trabte Sherlock ihm hinterher, wütend seinen kleinen Rollkoffer hinter sich her zerrend. “Das sollen Taxen sein John?”, schnaubte Sherlock, als der Taxistand in Sichtweite kam. “Transporter sind das vielleicht, aber sicher keine Taxen”, schimpfte Sherlock weiter. Schließlich war er aus seinem geliebten London nur die Londoner Taxen, mit ihrem unvergleichlichen Retrocharme gewohnt, keine zweckmäßigen Büsschen und Transporter. Widerwillig ließ er sich neben John auf die Rückbank des ersten Taxis in der Warteschlange plumpsen.

John nannte dem Fahrer die Adresse des Hotels, welches sie für ihren Aufenthalt gebucht hatten. Das St. David’s Hotel sollte das Beste von ganz Cardiff sein, wenigstens dieses Zugeständnis hatte er Sherlock machen müssen, damit dieser überhaupt bereit war diese Reise anzutreten. John aber war sich sicher, dass diese im Moment genau das Richtige für ihn und Sherlock wäre. In London war Sherlock im Verlauf der letzten Woche im wahrsten Sinne des Wortes wieder durch Wände und über Möbel gegangen. Lestrade hatte schon seit ein paar Wochen keine Fälle mehr für die beiden gehabt und auch die Anfragen von Klienten über die Webseite hatte Sherlock allesamt mit dem üblichen “Langweilig” abgewiesen. John war heilfroh, dass Sherlock sich nun hatte breitschlagen lassen, den Fall in Cardiff zu übernehmen. Er war sich sicher, dass es Sherlock gut tun würde mal ein paar Tage aus London wegzukommen. Außerdem hoffte John, dass sich bei einem gemeinsamen Trip eventuell die Gelegenheit ergeben würde, etwas Sightseeing zu betreiben, das ein oder andere nette Gespräch mit Sherlock zu führen und vielleicht sogar noch einmal an ihren ersten gemeinsamen Abend anknüpfen zu können. Er hatte sich in letzter Zeit mehr als einmal Gedanken darüber gemacht, wie er eigentlich zu Sherlock stand und ob er seine “Ich-bin-nicht-sein-Date” Aussage, ihres ersten gemeinsamen Abends heute so noch einmal treffen würde. Zwischenzeitlich war John sich nicht mehr so sicher, ob er nicht vielleicht doch gern mal Sherlocks Date sein würde. Dieser wundervolle, egoistische, fabelhafte, unverschämte Mann hatte ihn vom ersten Augenblick an völlig in seinen Bann gezogen. Ganz davon abgesehen, dass John ihm unendlich dankbar dafür war, ihm seinen Lebenswillen wieder gegeben zu haben, nachdem er sowohl körperlich als auch psychisch völlig fertig aus seinem Militäreinsatz zurückgekehrt war und überhaupt nicht mehr in ein Alltagsleben hatte zurückfinden können.

Im Hotel angekommen, fuhren Sie nach dem Einchecken an der Rezeption hinauf in die elfte Etage. Ihre kleine Suite lag zur rechten Seite des modernen Korridors. Sherlock entriegelte die Tür, rauschte in das Zimmer und warf sich mit wehendem Mantel direkt rücklings aufs Bett. “Bequem”, war sein Kommentar. John stellte die Koffer ab und trat zunächst an die raumhohe Fensterfront, die eine Seite des Raumes bildete. Beeindruckt schaute er hinunter auf die Cardiff Bay und den sich gegenüber direkt ans Wasser anschließenden Roald Dahl Plass mit dem Riesenrad darauf. Natürlich war dieses nicht so beindruckend wie ihr heimisches London Eye – in Verbindung mit dem Meerwasser der Bucht und den sich in der beginnenden Abenddämmerung im Wasser spiegelnden Lichtern der Stadt war dies aber keinesfalls ein schlechtes Panorama. Das Hotelzimmer war modern, aber dennoch gemütlich eingerichtet. Auf dem Boden waren naturbelassene, honigfarbene Holzdielen verlegt. Jeweils links und rechts der Tür war ein Bett positioniert, eingebaut in eine raumhohe Nische aus Regalwänden. In der Mitte befand sich der Wohnbereich mit einer kleinen Couch sowie einem Schreibtisch. Durch die durchdachte Raumaufteilung hatte man sowohl von beiden Betten, als auch vom Sofa aus diese fantastische Aussicht durchs Fenster. “Sherlock, nun komm doch mal nach hier und sieh dir diese Aussicht an!” Widerwillig erhob der Angesprochene sich vom Bett und gesellte sich zu John ans Fenster. “Ganz nett”, kommentierte er, war aber schon dabei seinen Mantel auszuziehen und dabei sein Telefon zu checken. “Ah, Graham hat mir die Unterlagen zu sämtlichen anderen ungeklärten Körperverletzungen und Todesfällen hier im Viertel der Millers gemailt”, sagte Sherlock und machte sich an seinem Koffer zu schaffen, um seinen Laptop auszupacken. “Greg, Sherlock. Lestrade heißt mit Vornamen Greg!”

Während Sherlock mit Sichten der Unterlagen beschäftigt war, packte John ihre Koffer aus und inspizierte das Bad. Er streckte den Kopf zur Badezimmertür hinaus “Wollen wir hinunter zum Abendessen gehen, Sherlock?” “Kein Hunger”, gab Sherlock zurück, ohne auch nur einen Blick vom Bildschirm zu nehmen. “In Ordnung, dann werde ich halt allein etwas essen gehen. Mir knurrt der Magen.” John verließ das Zimmer, nicht sicher, ob Sherlock überhaupt wahrgenommen hatte, dass er wegging.

Nachdem John ein hervorragendes Abendessen eingenommen hatte, ging er wieder hoch in ihre Suite. Sherlock lag erstaunlicherweise schon im Bett, stellte John fest, als er kurz um die Ecke von Sherlocks Schlafnische schaute und dessen Füße unter der Bettdecke rauslugen sah. Er warf noch einen kurzen Blick auf den Stadtplan von Cardiff, den Sherlock, versehen mit allen möglichen Kreuzchen, auf dem Boden des Hotelzimmers ausgebreitet hatte und beschloss dann ebenfalls ins Bett zu gehen.

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Während des gemeinsamen, zumindest für John ausgiebigen Frühstücks am nächsten Morgen, Sherlock hatte nur eine Tasse Tee, besprachen die beiden ihre Vorgehensweise. Klar war, dass alle Angriffe, die Sherlock untersucht hatte, abends oder nachts stattgefunden hatten und erstaunlicherweise wurde jedes der Opfer verletzt oder tot in einem Radius von etwa dreihundert Metern aufgefunden. Die Verwundungen waren immer sehr ähnlich: raubtierhafte Kratz- und Bisspuren. Sie beschlossen, sich die Stadt und gleichzeitig natürlich auch das Areal, in dem die Opfer gefunden wurden, einmal genauer anzusehen. Außerdem wollten sie Mrs. Miller noch einmal einen Hausbesuch abstatten.

Dort angekommen, stellten sie fest, dass sie sich in einem völlig normalen Wohnviertel befanden. Dem Zustand der Gebäude und der Geschäfte nach zu urteilen, eine ehemalige Arbeitersiedlung. Die gleichförmigen Reihenhäuser zogen sich endlos die Straßen entlang, vermutlich wurde sie für die Familien der Bergbauarbeiter gebaut und hatten ihre Glanzzeit schon vor mindestens dreißig Jahren gehabt. Spätestens seit der Schließung der letzten Bergwerksschächte und der damit einhergehenden Arbeitslosigkeit der Bergleute waren deren Häuser dem langsamen Verfall preisgegeben.

In der Mitte der Siedlung gab  es einen großen Park, mit Spielplatz für die Kinder und einem kleinen Fußballstadion. “Sherlock, wer oder was würde hier solche Verbrechen begehen?” fragte John. “Würde es hier in der Siedlung einen Serienmörder geben, hätte man den doch längst fassen müssen und dass es jemand von außerhalb ist, kann ich mir nicht vorstellen. Es wäre doch töricht die Taten in so einem engen Radius zu begehen, wenn man sie über die ganze Stadt verteilen könnte. Also doch ein Monster!” “John, bitte! Es gibt keine Monster!”

Eine bessere Theorie hatte Sherlock momentan aber auch nicht anzubieten. Sie schlenderten weiter die Straße entlang, vor einem der Häuser schlurfte gerade ein etwa vierzigjähriger, trainierter Mann zu seinem Briefkasten an der Gartenmauer. Seine muskulösen Oberarme wiesen große Narben auf, so als ob eine Klaue dort entlanggeratscht wäre. “Entschuldigen sie bitte?”, sprach John den Mann an. “Wir recherchieren für einen Zeitungsartikel über Straftaten hier im Viertel, kennen sie jemanden, der hier in der Siedlung angegriffen wurde? Es gab 27 Fälle hier in den letzten zwei Jahren.” “Ne, nichts von gehört”, antwortete der Mann einsilbig, drehte ihnen den Rücken zu und schlurfte zurück in sein Haus. “Hast du das gesehen, John? Er hatte ganz klar auch Spuren eines Angriffs auf seinem Arm.” “Natürlich habe ich das gesehen”, bejahte John.

Zwei Häuser weiter waren sie am Haus der Millers angekommen. John klingelte, während Sherlock noch dabei war im Spiegelbild der verglasten Haustür seine Locken und seinen Mantelkragen zu richten. John wusste bis heute nicht genau, ob dies einfach Marotten seines besten Freundes waren oder ob er dieses in Szene setzen ganz bewusst praktizierte, um bei jedem einen umwerfenden Eindruck zu hinterlassen.

Mrs. Miller öffnete ihnen die Haustür. “Ah, sie sind gekommen! Vielen Dank”, sagte sie und war schon wieder den Tränen nah. “Wir haben noch ein paar Fragen und würden uns gern mal in ihrem Haus umsehen”, sagte Sherlock und rauschte schon an Mrs. Miller vorbei durch den Flur. John schüttelte der Frau unterdessen die Hand, bemüht wenigstens ein wenig gesellschaftliche Konvention zu wahren.

“Ist ihr Mann ein großer Fußballfan, Mrs. Miller?” erklang Sherlocks Stimme aus dem Wohnzimmer. Die Angesprochene und Watson traten ebenfalls in den Raum. “Oh ja, ein fanatischer. Die “Cardiff Miners” sind sein Leben. Momentan schaffen sie es zwar leider nicht über die Regionalliga hinaus, aber Shawn verpasst kein Spiel. An den Spielsamstagen sehe ich ihn meistens erst spät in der Nacht wieder, wenn er dann irgendwann mit Ryan und den anderen nach Hause gewankt kommt. Aber ein Mann braucht ja schließlich sein Hobby, nicht wahr?”, erzählte sie entschuldigend. “Wie geht es ihrem Mann denn mittlerweile? Gibt es eine Veränderung seines Zustandes?” erkundigte John sich. “Nein, leider nicht.” Sherlock betrachtete unterdessen die Einrichung des billig, aber ordentlich eingerichteten Wohnzimmers. Sein Blick fiel auf die Ansammlung von Fotos und Fandevotionalien des eben durch Mrs. Miller erwähnten Fuballclubs. Auf einigen der Fotos waren offensichtlich Shawn Miller und sein Freund Ryan sowie einige weitere Freunde zu sehen. Alle in Trikots des Vereins gekleidet. Optisch machten all diese Männer einen durchtrainierten und recht aggressiven Eindruck. Ansonsten konnte er jedoch nichts Auffälliges erkennen. “Hatte ihr Mann eigentlich schon mal Verletzungen, wenn er Samstags nachts von diesen Fußballspielen zurückkehrte, Mrs. Miller?” fragte Sherlock. Mrs. Miller wurde etwas verlegen und antwortete: “Hin und wieder kam das schon vor, je nachdem gegen welchen Verein die Miners spielten, musste da schon manchmal die Ehre des eigenen Vereins verteiditgt werden.” Durch ein verlegenes Kichern versuchte sie ihre Aussage zu beschwichtigen. “Aber nichts Dramatisches, mal ein blaues Auge oder eine aufgeplatze Augenbraue.” “Vielen Dank Mrs. Miller, wir melden uns dann bei ihnen, sobald wir den Angreifer identifiziert haben”, sagte Sherlock und rauschte auch schon durch den Flur zur Haustür hinaus. “Wiedersehen und lassen sie sich nicht entmutigen. Das wird schon wieder mit ihrem Mann”, richtete John im Rausgehen noch ein paar aufmunternde Worte an die Frau.

“Vielleicht sollten wir heute Abend noch einmal nach hier ins Viertel kommen und mal sehen, ob dann mehr los ist hier. Heute Nachmittag wird Fußball gespielt.” “Solange könnten wir ein bisschen Sightseeing betreiben, was meinst du?” fragte John. “Wenn es denn sein muss Dr. Watson.”, brummte Sherlock, folgte John jedoch. Sie liefen durch die Stadt und atmeten deren Flair ein. John zog es Richtung Meer, zur Cardiff Bay. Nach einem längeren Fußmarsch erhob sich zu ihrer linken die Silhouette des modernen Millenium Centre. Metallisch glänzend lag das Gebäude auf dem Platz, fast so, als wäre dort ein Raumschiff gestrandet. Fasziniert blieb John vor dem beeindruckenden Gebäude stehen. “Vielleicht sollten wir mal schauen, ob in den nächsten Tagen Konzerte hier stattfinden”, meinte John enthusiastisch und steuerte auf den Wegweiser zur Touristeninformation zu. Sherlock folgte ihm, vorbei an einem silbern glänzenden Turm, an dem Wasser hinunterlief. “Vermutlich haben wir gerade bereits beide Sehenswürdigkeiten dieses Kaffs gesehen, John”, rief er diesem hinterher, folgte ihm jedoch quer über den wie ein ovales Bassin angelegten Platz eine Treppe hinunter zu einem Holzsteg, direkt am Wasser. Hier befand sich wohl die Touristeninformation. Sherlock öffnete die Tür, John war bereits in den kleinen, fensterlosen Raum eingetreten. In diesem Moment wackelte ein Vorhang aus Schnüren, links vom im hinteren Teil des Raumes befindlichen Tresens und ein junger Mann in einem eleganten,  anthrazitfarben Anzug betrat den Raum. “Ähm, guten Tag der Herr”, sprach er John an. “Kann ich ihnen irgendwie behilflich sein oder möchten Sie nur ein paar Prospekte mitnehmen?” Sherlock trat hinter Johns Rücken hervor, was beim Mitarbeiter des Touristenbüros ein interessiertes Aufblitzen der Augen hervorrief. Sofort wurde sein Lächeln breiter. “Ihnen auch einen guten Morgen, Sir. Ich hatte sie gar nicht gesehen. Willkommen in unserem schönen Cardiff, was möchten sie unternehmen? Kultur, Shopping oder vielleicht eine Bootstour. Direkt vor der Tür legt das Wassertaxi ab. Vielleicht ein Konzertbesuch oder die Besichtigung  historischer Gebäude?”, überschlug der junge Mann sich fast beim Sprechen. Sherlock setzte sein charmantestes Lächeln auf: “Vielen Dank. Wir schauen uns nur mal eben nach ein paar Flyern um, aber vielen Dank für die Hilfe. Mehr können sie gerade nicht für uns tun, auch wenn ich persönlich das außerordentlich schade finde”, fügte er etwas leiser hinzu, beugte sich weit über den Tresen näher zu dem Mann hinüber und zwinkerte dem Mann auffälig zu. Diesem schoß sofort die Röte ins Gesicht. “Alles klar, Sir. Kein Problem. Übrigens, toller Anzug – ich mag Anzüge,” fügte er noch verlegen stotternd hinzu und rannte dann regelrecht  zurück durch den Vorhang und verschwand aus dem Sichtfeld. “Was war denn das Sherlock? Musstest du den armen Jungen so verlegen machen?” empörte sich John. Sherlock grinste nur. Vielleicht wollte er John einfach ein bisschen eifersüchtig machen?

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